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Morgenmagazin vom Dienstag, 26. Juni 2018

26.06.2018 | 07:10 Uhr |

Public Beta für iOS 12 und tvOS 12 erschienen +++ Apple mit OverEar-Kopfhörer 2019, neue AirPods und HomePod +++ Cook spricht über Soziales und Politische auf Fortune-Gipfel +++ ZTE kann Urinal nicht reparieren wegen US-Boykott +++ Winziger als ein Reiskorn: Der kleinste "Computer" der Welt +++ Bethesda verklagt Warner Bros wegen Westworld Mobile +++

26. Juni: Ich bin ein Berliner

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Man stelle sich mal vor: Der amerikanische Präsident kommt nach Berlin und hält vor hunderttausenden begeisterten Zuhörern eine Rede, in der seine uneingeschränkte Solidarität mit den Bewohnern der Stadt und den Bürgern des Landes erklärt und dabei ein Bonmot hinterlässt, das weder peinlich noch sinnfrei ist, wie das, was der derzeitige POTUS so von sich gibt. Vielleicht verdient es sein Nachfolger, freundlicher aufgenommen zu werden, aber auch dieser wird nicht die Begeisterung entfachen, die John F. Kennedy am 25. Juni 1963 bei seiner Rede vor dem Rathaus Schöneberg entgegen schlug.

“All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words   ‘Ich bin ein Berliner!’” Kann man sich das vorstellen, Trump erklärt irgendjemand außer sich selbst und seinem Konto derart die Solidarität? Nein, kann man nicht.

Sicher war auch Kennedy nicht uneingeschränkt ein Freund der Stadt und des Landes, aber man teilte die Interessen - mehr kann man von einem Präsidenten auch nicht erwarten. Konkret erwähnt in der Rede von vor 55 Jahren war das Interesse Amerikas, die Ausbreitung des Kommunismus sowjetischer Prägung einzudämmen. Das Datum des Staatsbesuchs und der Rede war nicht zufällig gewählt, auf den Tag genau 15 Jahre zuvor hatte die Berliner Luftbrücke begonnen, jene Versorgung des eingeschlossenen Westteils aus der Luft. Gewiss war auch das von geopolitischem Interesse unterlegt, aber Solidarität mit den Bewohnern der ehemaligen Hauptstadt des ehemaligen Feindes, die aufgrund äußerer Umstände in Not geraten waren? Amerika täte gewiss nicht schlecht daran, dieser Tage sich der Geschichte der Freiheit zu erinnern und des meist vergeblichen, aber immer lohnenswerten Eintretens gegen den Krieg.

Denn es war auch ein 25. Juni, als sich in New York die Vereinten Nationen gründeten, drei Jahre, bevor die Berliner Luftbrücke notwendig wurde und die Ruinen von Europa daran gemahnten, dass die Völker nur in der Kooperation eine Chance haben und nicht in der Konfrontation. Der Vorläufer der UNO, der Völkerbund, war gescheitert, der UNO ist es bisher auch nicht wirklich gelungen, die Geißel des Krieges zu überwinden. Doch ist sie in diesem Bestreben erfolgreicher als alle anderen Organisationen vor ihr, weshalb man ihr nur das Beste für die kommenden 73 Jahre und viel länger wünschen kann. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Lauter: Apple will im kommenden Jahr sein Angebot von Audiogeräten verbessern und ausweiten, berichtet Bloomberg unter Bezug auf informierte Kreise. AirPods und HomePod kommen dabei angeblich in neuen Versionen, zudem plane Apple einen OverEar-Kopfhörer in Studioqualität. Die neuen AirPods sollen nicht nur wasserabweisender werden und aktives Noise-Cancelling bringen, sondern auch in größerer Entfernung von iPhone und iPad als bisher arbeiten. Zum Schwimmen seien die Stöpsel aber nach wie vor nicht geeignet, dafür sollten die neuen AirPods aber teuer werden als die aktuellen, die für 159 US-Dollar im Handel sind. Apple experimentiere auch mit neuen Sensoren wie einem Pulsmesser. Die AirPods der derzeitigen Bauart sollen noch in diesem Jahr ein Update mit einem neuen Chip bekommen, Siri lasse sich dann ohne Hände aktivieren. Schon für Ende 2018 waren Over-Ear-Kopfhörer geplant,die im HighEnd mit denen von Sennheiser und der eigenen Tochter Beats konkurrieren sollten. Die Entwicklung verzögere sich aber, Anfang 2019 könnten die Lauscher fertig werden. Dann werde auch ein neuer HomePod kommen, den zukünftig Foxconn fertige und nicht mehr Inventec.

Los geht es: Drei Wochen nach der WWDC und der Veröffentlichung der ersten Entwicklerbetas für iOS 12 und tvOS hat Apple nun endlich den Public-Beta-Test begonnen und gestern Abend die ersten Vorabversion von iOS 12 für interessierte Tester veröffentlicht.. Die Anmeldung zum Programm erfolgt wie immer über die Adresse beta.apple.com, dort hinterlegt man seine Apple ID und kann auf sein iPhone und iPad ein Profil herunterladen, mit dem man berechtigt ist, die Betsa darauf zu installieren. Das Betriebssystem selbst ist auch in der Vorabversion dort zu bekommen, wo man reguläre Updates lädt, über die Einstellungen > Allgemein > Updates. Die Public Beta von macOS 10.14 Mojave steht noch aus, es dürfte sich hier aber nur um eine Frage der Zeit handeln. Generell gilt aber für Beta-Versionen, dass sie fehlerhaft sein können und deshalb mit Vorsicht zu genießen sind. So installiert man sie besser nicht auf das einzige iOS-Gerät im Haushalt, auf dem Mac empfiehlt es sich, eine eigene Partition dafür einzurichten. Auch bei der Performance hat man mit Einbußen zu rechnen, vor allem in frühen Versionen. Erst gegen Ende des Beta-Tests Ende August / Anfang September sind die Vorabversionen so stabil und performant, wie sie sein sollten.

Auftritt: Auf der gestrigen CEO Initiative von Fortune stand Tim Cook auf dem Podium dem Moderator Adam Lashinsky Rede und Antwort und verteidigte Apples Haltung in sozialen und politischen Fragen. Apple stehe zu seinen Werten und melde sich bei Themen zu Wort, die es angehe und von denen man in Cupertino Ahnung habe. So rechtfertigte Cook Apples Eintreten für die sogenannten "Dreamer", Migranten die als Minderjährige ins Land gekommen waren und deren Schutzrechte die aktuelle Regierung abschaffen will, damit, dass eben vieler dieser Leute bei Apple arbeiteten. Beim Thema Migration rede man viel über Zahlen, doch dahinter steckten Menschen mit ihren persönlichen Schicksalen. Die Trennungen von Kindern von ihren Eltern an der südlichen Grenze nannte Cook zudem "inhuman" und "herzzerreißend". Erneut betonte der CEO auch den Fokus Apples auf Privatsphäre, anders als andere Firmen erstelle man keine Profile seiner Nutzer, um mit diesen Informationen Geld zu verdienen. Zur anstehenden Kongresswahl im November will Apple in seinen Apple News eine eigene Sektion anbieten, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Diese sollte faktenbasierte Nachrichten bringen und anders als andere Medien nicht darauf ausgelegt sein, Leute wütend zu machen. Es gebe bei Apple News nicht nur Kuratoren, sondern auch einige Leute, die exklusive Inhalte erzeugen. Cook sprach zudem noch davon, dass Apple seine Strategien langfristig anlege und nicht die kurzfristigen Bedürfnisse von Investoren befriedige. Am liebsten würde Cook den Zwand zur Bilanzierung im Dreimonatstakt abschaffen.

Überwachung: Ein Startup aus Zypern behauptet, aus einer Ferne von bis zu 500 Metern ein jedes iPhone oder Android-Gerät hacken zu können und verkauft ein mit der entsprechenden Technik ausgerüstetes Auto für 3,5 bis 5 Millionen US-Dollar, berichtet Forbes. Das Unternehmen WiSpear hat der israelische Überwachungsexperte Tal Dilian gegründet, das SpearHead 360 Vehicle ist mit 24 Antennen ausgestattet, welche die zu überwachenden Smartphones dazu zwingen, sich mit ihrem WiFi zu verbinden. Ist das geschehen, können die Überwacher zahlreiche Man-in-the-middle-Angriffe ausführen und vor allem die Geräte mit Malware zur weiteren Überwachung verseuchen.

Weitere Nachrichten:

ZTE kann Urinal nicht reparieren wegen US-Boykott

Das US-Lieferverbot gegen ZTE treibt kuriose Blüten: Das Hightech-Unternehmen ZTE kann offensichtlich seine Urinale nicht mehr reparieren lassen, weil es aus den USA keine dringend benötigten Ersatzteile bekommt.

Wie die Southern China Morning Post auf ihrer englischsprachigen Webseite berichtet, hängt über einen defekten Urinal in einer Toilette im ZTE-Büro in der Region Shenzhen ein Zettel, auf dem sinngemäß steht, dass das Urinal nicht repariert werden kann, weil es von dem US-Unternehmen American Standard aus dem US-Bundesstaat New Jersey stamme. Ein auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo veröffentlichtes Foto zeigt die Situation. American Standard darf wegen des Lieferbanns, den die US-Regierung gegenüber ZTE verhängt hat, keine Ersatzteile mehr an das chinesische Unternehmen liefern. Sobald das Export-Verbot wieder aufgehoben sei, so steht auf dem Zettel weiter zu lesen, würden die erforderlichen Ersatzteile besorgt und das Urinal repariert.

Die US-Regierung hatte im April 2018 einen für sieben Jahre gültigen Lieferstopp gegenüber ZTE verhängt, weil das chinesische Unternehmen gegen den von der US-Regierung verhängten Liefer-Boykott gegenüber dem Iran und Nordkorea verstoßen hatte und danach die beschlossenen Strafmaßnahmen nicht umgesetzt beziehungsweise unterlaufen habe. ZTE musste aufgrund des US-Lieferstopps, der unter anderem die wichtigen SoC/Prozessoren von Qualcomm für die ZTE-Smartphones betrifft, sein Geschäft weitgehend einstellen.

Wenige Tage später twitterte US-Präsident Donald Trump, dass er mit Xi Jinping, dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China, gemeinsam daran arbeite, ZTE schnell den Weg zurück ins Geschäft zu ermöglichen. Zu viele Arbeitsplätze seien in China verloren gegangen. Das Wirtschaftsministerium sei angewiesen worden, sich darum zu kümmern. Nur weitere vier Tage später teilte Trump aber ebenfalls via Twitter mit, dass er ZTE wohl doch nicht helfen wolle.

Die US-Regierung beschloss dann offensichtlich doch den Lieferstopp gegenüber ZTE aufzuheben. Doch jetzt schießt der US-Senat quer: Er will den Lieferstopp aufrecht erhalten.
 
 






Winziger als ein Reiskorn: Der kleinste "Computer" der Welt

Im März hatte IBM auf der IBM Think 2018 den Prototypen eines Winzig-PCs vorgestellt und den Titel für den Bau des weltweit kleinsten Computers für sich beansprucht. Wenige Monate später kontern die früheren Titelträger von der Universität von Michigan und fordern den Titel zurück. Wie die Universität mitteilt , haben ihre Forscher einen "Computer" gebaut, der noch kleiner als der von IBM ist. Mit einer Länge von nur 0,3 Millimetern sehe er wie ein "Zwerg im Vergleich zum einem Reiskorn" aus, wie auch das Foto oben zeigt. Es ist damit ungefähr ein Zehntel so groß wie der IBM-Prototyp.

Zeitgleich regt die University of Michigan auch zu einer Diskussion darüber an, was als Computer bezeichnet werden darf. Ihr eigenes Produkt bezeichnet sie daher auch als "Computer", also Computer mit Anführungsstrichen. Der Grund: Früher habe man Computer so definiert, dass es sich um ein vollständiges Gerät mit Prozessor und Speicher handeln musste, welches seine Daten und Programm(e) auch dann behält, wenn es nicht mit Energie versorgt wird. IBM habe bei seinem Prototypen auf letzteres Merkmal verzichtet. Sowohl das IBM-Gerät als auch das nun von der University of Michigan vorgestellte Gerät verlieren also ihre Programmierung und Daten, sobald sie keine Energie mehr erhalten. "Wir sind uns nicht sicher, ob sie Computer oder nicht genannt werden sollten. Es ist eher eine Frage der Meinung, ob sie die erforderliche Mindestfunktionalität haben", heißt es in der Mitteilung der Universität.

Und was kann nun der "Computer" der University of Michigan? Der Winzling ist in der Lage, Temperatur-Veränderungen in Gruppen von Zellen im Körper zu messen. Bisher gehen Forscher in Studien davon aus, dass in den Zellen rund um einen Tumor eine höhere Temperatur herrscht als in einem gesunden Zellen-Bereich. Der "Computer" soll dabei helfen, diese Theorie zu beweisen. Sollte das gelingen, dann könnte der Winzling zur Früherkennung von Krebs und zur Messung des Erfolgs von Krebsbehandlungen eingesetzt werden. Der Mitteilung zufolge könnte der "Computer" aber auch innerhalb des Auges zur Diagnose von grünem Star zum Einsatz kommen. Oder zur Überwachung biochemischer Prozesse im Körper. Die Einsatzmöglichkeiten, so heißt es, seien vielfältig. Bis hin zur Untersuchung kleinster Schnecken, wie es heißt.

Aufgrund der nur geringen Größe mussten die Forscher bei der Entwicklung neue Wege gehen. Da er zu klein für den Einsatz einer herkömmlichen Funkantenne ist, werden die Daten über sichtbares Licht empfangen und gesendet. Eine Basisstation liefere über Licht den Strom, den das Gerät zum Betrieb benötige. Außerdem erfolgt über diese Licht auch die Programmierung und der Austausch von Daten.

Die Verwendung von Licht und der extrem niedrige Stromverbrauch habe die Forscher auch dazu gezwungen, die Art und Weise anzupassen, wie das Innere des Geräts gebaut ist, um Kurzschlüsse und andere Fehler zu vermeiden. Statt Dioden mussten geschaltete Kondensatoren zum Einsatz kommen. Um eine möglichst genaue Temperatur in einem so kleinen Bereich ermitteln zu können, rechnet das Gerät Temperaturen in Zeitintervalle um, die mit elektronischen Impulsen definiert werden. Die Intervalle werden auf dem Chip gegen ein von der Basisstation gesendetes Zeitintervall gemessen und anschließend in eine Temperatur umgerechnet. Die Genauigkeit soll dadurch bei 0,1 Grad Celsius liegen.

Bethesda verklagt Warner Bros wegen Westworld Mobile

Mit Westworld Mobile steht seit dem 21. Juni 2018 das offizielle Spiel zur gleichnamigen TV-Serie zum kostenlosen Download bereit. Das für Tablets und Smartphones gedachte Spiel orientiert sich am 2015 veröffentlichten Fallout Shelter . Laut dessen Hersteller Bethesda hat sich das für beide Spiele verantwortliche Entwicklerstudio Behaviour Interactive sogar am Quellcode des Fallout-Spiels bedient. Als Reaktion folgt nun eine Klage durch Bethesda gegen den Westword-Markeninhaber Warner Bros.

In der Anklageschrift unterstellt Bethesda dem Unternehmen, Teile des Spielprinzips und Teile des Quellcodes von Fallout Shelter übernommen zu haben. Dafür hat Bethesda sogar einen handfesten Beweis: Im Code von Fallout Shelter fand sich lange ein Bug, der auch in Westworld Mobile noch auftaucht. Auch die Spielmechanik rund um den Aufbau einer Basis mit unterirdischen Strukturen sei zu großen Teilen identisch. Als Reaktion fordern die Anwälte von Bethesda nun Schadenersatz, wie hoch dieser ausfällt ist nicht bekannt. Außerdem soll Westworld Mobile eingestellt werden. Trotz guter Bewertungen des Spiels für iOS und Android ist die Zukunft des Spiels zur TV-Serie Westworld von HBO daher ungewiss.

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