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Morgenmagazin vom Dienstag, 27. November 2018

27.11.2018 | 06:59 Uhr |

Supreme Court tendiert zur Freigabe von Sammelklagen gegen App Store +++ Alternative: Zusatzobjektive für iPhone statt DSLR +++ Förderung: Hour of Code und Entrepreneur Camp +++ Computer-Camp: IT-Feriencamp 2019 mit neuen Kursen auch zu KI +++ Bundeswirtschaftsminister schämt sich für deutsches Handynetz

27. November: Happy Little Accidents

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Nein, wir machen keine Fehler, uns unterlaufen allenfalls "glückliche, kleine Unfälle" erklärte der Kult-Maler Bob Ross schon vor vielen Jahren einem Millionenpublikum. Was er damit meinte: Man kann sich mal vermalen, aber dann macht man halt das Beste draus, das Bild nimmt eine andere Wendung, wird aber nicht unbedingt schlechter als der Plan, den man ursprünglich verfolgte. Ähnlich ist es in der Musik: Spielt man einen Ton anders als geplant, entscheidet erst der nächste, ob es ein Fehler war oder einfach nur eine spannende Variante, die eine feine Auflösung bekommt.

Apple macht auch keine Fehler, es unterlaufen dem Mac-Hersteller nur "lucky little accidents". Nun ja, nicht wirklich, die Firmengeschichte kennt nicht nur einige bekannte Hardware-Flops wie den Apple III oder den Newton, auch bei der Softwareentwicklung ist viel schief gegangen. Es kommt auch immer darauf an, wie man mit Fehlern umgeht, was man daraus macht.

Bei Sicherheitslücken reagiert Apple in der Regel in angenehm schneller Weise, macOS und iOS gelten nicht völlig zu Unrecht als die sichersten Systeme ihrer jeweiligen Klasse. Es ist auch eine Frage der Firmenkultur, wie man auf offensichtliche und weniger klare Fehler reagiert. Steve Jobs packte dann gerne mal das Reality-Distortion-Field aus und erklärte etwa, dass auch andere Smartphones Probleme mit den Antennen haben könnten. In der Tim-Cook-Ära war ein anderes "Gate" keine den Spin umkehrende Ansprache wert, man hatte beim iPhone 6s (Plus) einfach die Legierung des Aluminiums verstärkt, damit sich die Geräte nicht mehr so schnell verbiegen. Und dann gibt es natürlich auch die Methode "Bundesliga": Den Verantwortlichen feuern.

Apples wohl bisher größtes Softwareproblem lief auf diese Lösung hinaus. Die Öffentlichkeit sprach nicht mal von einem "Gate", Apple Maps in iOS 6 war ja kein Skandal, sondern einfach nur ein Stück schlechte und unausgereifte Software. Apple hatte gleichwohl seine Gründe, sich von Google als Kartendienstleister zu verabschieden, nachdem das Unternehmen nach dem Aufkauf von Android vom Partner zum Konkurrenten geworden war.

Das Projekt hatte man allgemein unterschätzt, wie Eddy Cue Jahre später zu Protokoll gab. Doch was wirklich ärgerlich war: Der damalige Softwarechef Scott Forstall, von vielen als möglicher Cook-Nachfolger gesehen, verweigerte die öffentliche Entschuldigung für das Desaster. Vermutlich hätte er sich lieber wie sein Mentor Steve Jobs auf den Standpunkt gestellt, dass die Lösungen der anderen auch fehlerhaft wären. Was im Fall Apple Maps vs. Google Maps aber kaum der Realität stand gehalten hätte, so schlecht waren Apples Karten anfangs - fehlerhaft und unvollständig sind sie auch sechs Jahre später noch.

Nun hatte Forstall die gesamte iOS-Entwicklung unter sich und nicht nur die für ein wichtiges Teilprojekt. Ende Oktober 2012 musste Forstall gehen, Craig Federighi übernahm die komplette Softwaresparte. Aber um im Bild "Bundesliga" zu bleiben: Apple feuerte nicht nur den verantwortlichen Chefcoach, sondern auch denjenigen welchen, der für den bestimmten Ausfall verantwortlich war. Im Fußball wäre es etwa der Spezial-Trainer für die Stürmer, die nicht mehr treffen, bei Apple handelte es sich Richard Williamson, den Verantwortlichen für Apple Maps, der am 27. November 2012 den Laufpass bekam. Aber spielt der Spitzenreiter Apple in Sachen Karten immer noch in der zweiten Liga. Ein Trost: Google Maps lassen sich als App längst wieder auf iPhones installieren, umgekehrt ist das ja nicht der Fall. Es wäre aber auch nicht empfehlenswert. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Statt DSLR : Das iPhone bekommt von Generation zu Generation beeindruckendere Hardware und Software für seine Kamera, in vielen Fällen wird die digitale Spiegelreflex- oder Systemkamera überflüssig. Und doch stößt das iPhone an Grenzen. Etwa beim Zoom, der auch bei den neueren und teureren Modellen nur optisch zweifach ist. Aber auch der Weitwinkel reicht manchmal nicht aus. Die Lösung wäre natürlich die Zweitkamera mit Wechselobjektiv, die schleppt man aber eher selten mit sich herum. Mit Zusatzobjektiven für das iPhone komt man unter Umständen aber auch schon weiter, führt der Fotografie-Experte Dan Masaoka auf Macworld aus. Diese bieten vermisste optische Eigenschaften wie Teleobjektiv oder Weitwinkel, sind auf der anderen Seite aber auch Zubehör, um das man sich kümmern muss und das man verlieren könnte. Zudem sind die Lösungen in ihrer Geometrie extrem an bestimmte iPhone-Generationen angepasst, wenn Apple das Design wieder ändert, passen die externen Objektive womöglich nicht mehr. Die Sorge besteht bei DSLRs und Systemkameras eher nicht.

Auf der Kippe : Noch steht das Urteil des Supreme Court aus, doch nach Ansicht der Nachrichtenagentur Reuters dürfte das oberste Gericht der USA mehrheitlich zur Meinung tendieren, dass Klagen wegen hoher Preise im App Store gegen Apple möglich seien. Cupertino hatte gegen eine derartige Entscheidung einer unteren Instanz Einspruch erhoben und sich mit dem Argument verteidigt, nur mittelbar für die Preise verantwortlich zu sein, da App-Hersteller diese letztlich festlegen. Der App Store sei eine blühende Handelsplattform, Klagen würden ihn in seinem Wachstum behindern. Zudem gelte ein Präzedenzfall aus dem Jahr 1977. Konservative Richter und die derzeitige US-Regierung unterstützen Apple in seiner Argumentation, doch könnte das Gericht zur Ansicht gelangen, dass es für Kunden eindeutig sei, Apps bei Apple zu kaufen - womit Cupertino letztlich für die Preise in seinem Quasimonopol verantwortlich wäre und Sammelklagen von Kunden erlaubt.

Förderung I: Apple öffnet einen neuen Entrepreneur Camp, der sich speziell an von Frauen (mit-)gegründete oder geleitete Unternehmen richtet. Im Rahmen des Programms können die Unternehmerinnen und Entwicklerinnen Intensivkurse erhalten und nachhaltiges Mentoring genießen. Die Bewerbung steht Firmen offen, die mindestens eine Frau in ihrem Entwicklerteam haben und eben von Frauen gegründet oder mitgegründet wurden.

Förderung II: Ab dem kommenden Samstag, den 1. Dezember, bieten die Apple Stores wieder jene Hours of Code an, die erste Schritte in der Programmierung zeigen. Die kostenlosen Kurse laufen noch bis zum 14. Dezember teilnehmen kann jeder. Speziell an Kinder von sechs  bis zwölf Jahren richten sich die Kids Hours. Darin werden sie sich mit der Programmierung von Robotern beschäftigen, ältere Kursteilnehmer arbeiten mit Swift Playgrounds auf dem iPad.

Preissenkung: Die Spekulationen über Preissenkungen für das iPhone XR in Japan aus der letzten Woche haben sich als korrekt erwiesen. Der  Telekomprovider NTT Docomo bietet das LCD-iPhone im X-Design nun im Zweijahresvertrags für rund 100 US-Dollar günstiger an, um den Absatz zu fördern. Pro Monat zahlt man für Tarif und Smartphone (XR mit 64 GB) rund 62 US-Dollar. Weitere Carrier sollten folgen, Apple hat diesen angeblich grünes Licht für höhere Gerätesubventionen gegeben, die in Japan noch wichtig sind. Insofern dürfe es unwahrscheinlich sein, dass es derartige Preissenkungen auch in anderen Märkten geben wird. Aber nicht nur in Japan scheint sich das iPhone XR unterhalb der Erwartungen zu verkaufen.

Film: Der Dokumentarfilmer Gary Hustwit hat in seinem neuen Werk über Design den renommierten Gestalter Dieter Rams in den Mittelpunkt gestellt, der Film heißt daher auch Rams. Wired hat den Streifen bereits gesehen, in dem es mehr um die Sorgen Rams' über die Welt von heute und das Design von Dingen gehe. Den 86-jährigen treiben Bedenken, wir würden zu viele Sachen kaufen und uns mit zu vielen Dingen umgeben und damit Zeit verschwenden: "Weniger aber besser, ist nicht nur ein Designkonzept. Das gilt auch für unser Verhalten."

Weitere Nachrichten:

Computer-Camp: IT-Feriencamp 2019 mit neuen Kursen auch zu KI

Die vergangene Camp-Saison war laut Anbieter ein voller Erfolg. Mit über 1100 Teilnehmern waren die Feriencamps demnach über insgesamt 20 Campwochen komplett ausgebucht. Auch der neue Standort in Ernsthofen (Hessen) sei aufgrund seiner zentralen Lage sehr gut angenommen worden. Dabei habe man über 140 Kurse im Jahr 2018 abgehalten. Das Computer-Camp mit Sitz des Veranstalters in Österreich wird seit 1992 in einer Kombination aus IT-Kursen mit (ent)spannender Freizeit-Gestaltung durchgeführt. Der Buchungsstart für die kommende Saison läuft seit dem 21.11.2018. Die neuen Kursmodule 2019 umspannen Themen wie Künstliche Intelligenz, Virtual Reality and Hardware Academy Retro.

Zu diesen drei verschiedenen Themengebiete schreibt der Anbieter: ”Beim Programmieren von eigener Künstlicher Intelligenz (KI), dem Basteln einer Spielekonsole mit dem RaspberryPI oder auch der Konzeption des eigenen 3D-Spiels für die VR-Brille bewegen sich die spannenden Module wieder ganz nah am Puls der Zeit. Hierbei werden die Teilnehmer von engagierten Pädagogen und IT-Professionellen unter der pädagogischen Leitung von Felix Nattermann (…) betreut.”

Neben den vielfältigen Kursangeboten gehört zum Computer-Camp auch das erlebnisreiche Freizeitangebot, das selbst IT-begeisterte Kinder und Jugendliche vom Computer weglocken soll. Die Standorte sind sorgfältig ausgewählt und bieten eine perfekte Kombination von Unterkunft, Unterrichtsräumen und Freizeitmöglichkeiten, verspricht der Anbieter.

Zu einem Überblick mit den angebotenen Kursen, Zeiten und Preisen geht es hier.

Bundeswirtschaftsminister schämt sich für deutsches Handynetz

Bundeswirtschaftsminister  Peter Altmaier schämt sich für das deutsche Mobilfunknetz. Auf einer Veranstaltung des zur Spiegel-Gruppe gehörenden Manager-Magazins sagte Altmaier: „Es ist eine der größten Blamagen des Technologiestandorts Deutschland, dass inzwischen 99 von hundert Handynutzern überzeugt sind, dass 4G bei uns ständig nur zusammenbricht - und ich muss sagen, mir geht es auch so." Und weiter: "Ich bin ja viel im Auto unterwegs und ich habe inzwischen meinem Büro erklärt, dass ich bitte auf Fahrten nicht mehr mit ausländischen Ministerkollegen verbunden werden möchte, weil es mir total peinlich ist, wenn ich dann dreimal, viermal neu anrufen muss, weil ich jedes Mal wieder rausfliege.“

Was Altmaier allerdings nicht sagt: Die Regierung Merkel, an der er beteiligt ist, hat gegen die oft unzureichende Mobilfunkabdeckung genauso wenig getan wie die Bundesnetzagentur. Letztere hat nun bei der für Frühjahr 2019 geplanten Versteigerung der 5G-Mobilfunklizenzen die Vorgaben für die Interessenten zwar etwas verschärft und die Versorgung der Landstraßen, Wasserstraßen und Schienenwege mit 5G in den Anforderungskatalog mit aufgenommen. Doch selbst in der Bundesregierung herrscht keineswegs Konsens über die Notwendigkeit einer flächendeckenden Einführung von 5G, wie eine Aussage von Bundes-Forschungsministerin Anja Karliczek zeigt: „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“. Damit dürfte Karliczek viele Landbewohner, die sich jetzt schon abgehängt fühlen, enttäuscht haben. 

Zuletzt hatte gerade die CSU gefordert, dass 5G auch auf dem flachen Land durchgehend verfügbar sein müsse. Auf die Mobilfunkunternehmen, die die Lizenzen ersteigern, kämen dadurch Mehrkosten zu.

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