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Morgenmagazin vom Dienstag, 4. Dezember 2018

04.12.2018 | 07:10 Uhr |

Der Trick mit dem Fingerabdruck: Scam-Apps aus App Store entfernt +++ Skype transkribiert Telefonate +++ 5G-iPhones nicht vor 2020 +++ AMD: Ryzen 3000 und neuer Chipsatz bereits im Juni? +++ Al Lowe verkauft Original-Code von Leisure Suit Larry über Ebay +++ Der deutsche CPU-Markt wird von AMD dominiert

4. Dezember: Unendliche Weiten

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Jetzt, da der Jahreswechsel ansteht, ist nicht nur die Zeit für schlechte Essgewohnheiten und gute Vorsätze (hängt ja oft miteinander zusammen), sondern auch für Rück- und Vorschau (hängt eigentlich immer miteinander zusammen). Was wird uns das Jahr 2019 bringen? Persönlich hoffen wir natürlich vor allem auf immaterielle Dingen, Glück, Gesundheit, Zufriedenheit und dergleichen. Als Apple-Chronisten fragen wir uns aber natürlich, was unser Lieblingshersteller so alles in der Pipeline hat, mit dem er uns im nächsten Jahr vielleicht sogar auch wenig Glück, Gesundheit und Zufriedenheit bescheren will.

Ein Macbook mit ARM-Prozessor steht dabei recht prominent auf der Liste, die nicht wirklich eine Wunschliste ist, sonder eher eine blasse Seite in einem noch nicht geschriebenen Buch. Eine Option für Apple, gewiss. Noch fehlt uns aber die Überzeugung, dass Apple trotz der unbestrittenen Vorteile eines selbst entwickelten Prozessors mit der dafür intern optimierten Software den nächsten Paradigmenwechsel wagen würde.

Der letzte ist zwar schon eine ganze Weile her, wir erinnern uns aber sehr genau daran, wie entsetzt viele Apple-Kunden und Entwickler für die Plattform waren, als Steve Jobs im Juni 2005 ankündigte, Apple werde künftig in seine Rechner Intel-Chips einbauen und keine PPCs mehr. Letztlich waren die Sorgen unbegründet und der Switch zu Intel recht unproblematisch.

Das mag daran gelegen haben, dass das Betriebssystem des Mac, das seinerzeit schlicht "System" hieß, bereits 1992 auf Intel-Hardware lief und Apple daher eine gewisse Zeit der Vorbereitung hatte. Es war am 4. Dezember 1992, als das mit dem später "Switch" genannten Projekt beschäftigte Team in Cupertino erstmals seine Ergebnisse präsentierte. Ein Mac, der, ja, der noch ein Mac war? Aber nicht mehr auf einer Maschine mit Motorola 68k-Prozessor lief - der Wechsel zum PowerPC war ja noch gar nicht vollzogen.

Das Projekt hatte einen interessanten Namen: Star Trek. Klar, der Mac sollte ja auch stolz dahin gehen, wo noch nie zuvor ein Mac gewesen war. Nämlich auf die Hardware eines Herstellers, der keine Apfel-Logos auf seine Kisten klebte. Zu jenen Zeiten hatte Apple seinen ursprünglichen Vorsprung längst aufgebraucht, die Konkurrenz aus Seattle war davon gezogen: Microsoft liefert mit Windows den Quasistandard für PC-Betriebssysteme. Und Intel die dazu passende Hardware. Nicht von ungefähr sprach man vom Wintel-Kartell.

Bei Apple sah man als einen möglichen Ausweg, sein nach eigener Ansicht überlegenes Betriebssystem weiter zu verbreiten, auf diese Weise den Mac, der kein Mac mehr war, sondern ein PC mit Mac-System als Lockmittel für das echte Gerät einzusetzen. Man muss sagen, dass es eine gute Idee war, dass diese Star-Trek-Variante noch vor Ausstrahlung der Pilotfolge eingestellt wurde, nachde dem Wechsel von John Sculley zu Mike Spindler fiel sie recht früh dessen Sparmaßnahmen zum Opfer. Besser war das, denn vermutlich hätten die Bedenkenträger recht behalten, dass ein mehr oder minder offenes Mac-System dem Original eben nicht auf die Sprünge geholfen, sondern es vernichtet hätte.

Ein paar Jahre später wagte Apple dann doch den versuch mit den Klonen, diese liefen aber nicht auf der Intel-Standardware, sondern waren auf auf PowerPCs angewiesen. Die Geräte von Umax, Power Computing und anderen waren zwar günstiger als die Hardware aus Cupertino, aber eben keine Billigcomputer vom Discounter. Die Ära der Klone beendete aber eben jener Steve Jobs, der zu Zeiten von Star Trek gar nicht bei Apple war, seine Neugründung Next Computer aber recht schnell vom Hardware- zum Softwareanbieter reduziert wurde. Aber eben aus jenem System, das von Anfang an für die x86-Architektur gebaut war, erwuchs schließlich die Systemwelt von heute: Aus Next Step wurde Open Step, wurde Mac-OS X, wurde OSX, wurde macOS. Ableitungen davon heißen heute iOS, watchOS und tvOS. Bisher laufen ja nur die Derivate des auf Unix basierenden Systems auf ARM-Prozessoren von Apple. Aber wer weiß, wie lange noch? Den Mac Pro wird Apple derzeit nicht einmal für ARM denken, aber nächstes Jahr um die Zeit könnte ein ARM-Macbook durchaus Realität sein. Ein Mac ist ein Mac, egal, in welchen Universen er stolz herumfliegt. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Was hast g'sagt? Auch wenn man ein gesundes Gehör hat, wünscht man bei der Videotelefonie mit manchen Leuten Untertitel. Starker Dialekt, australisches Englisch oder Verbindungsprobleme - die Gründe für Verständnisfragen sind vielfältig. Und genau das bietet Microsoft nun auch an: Untertitel für Skype. Das gesprochene Wort wird von einer AI in Text umgewandelt und im Bild eingeblendet - vor allem für Hörgeschädigte ist die neue Art der Kommunikation aber ein Gewinn. Microsoft hat aber auch noch weitere Pläne, schon in den nächsten Wochen soll Skype auch automatisch übersetzen, in zunächst 20 Sprachen. Wenn wir uns aber an die Qualitäten der Bing-Übersetzung erinnern, die wir manchmal auf Facebook sehen, wird uns dieses Feature gewiss viel Spaß bringen. Und auch Powerpoint soll bald den mündlichen Vortrag des Präsentatoren in Echtzeit als Untertitel darstellen. Das wird dann erheiternd, wenn der Vortragende nur das erzählt, was eh schon auf der Folie steht …

Hoffnung: Das bislang unbestätigte Gerücht, Apple würde im ersten Quartal 2019 endlich die drahtlose Ladeschachtel für die AirPods bringen, könnte auch Folgen für die AirPower haben, meint Michael Simon auf Macworld. Vorgestellt hat Apple beide Lösungen auf der iPhone-Keynote 2017 und vage für das Jahr 2018 angekündigt - seither hat man von Apple nichts mehr gehört. Die Befürchtung, Cupertino habe das Projekt AirPower sang- und klanglos eingestellt, schienen recht realistisch, so besteht aber neue Hoffnung für das Gerät.

Früher Vogel: Verizon ud Samsung haben angekündigt, in der ersten Jahreshälfte das erste 5G-Smartphone auf den Markt zu bringen. Das ist einerseits eine gute Nachricht für early Adopter - diese werden andererseits womöglich aber nicht viel Freude mit dem Gerät haben. Aller Voraussicht wird es das exklusiv bei Verizon geben, also auch nur in den USA. Und selbst dort ist der 5G-Netzausbau noch nicht mal annähernd ausgeschlossen. Unklar ist zudem, wie stark die neuen Funkmodems den Akku belasten, der preis dürfte auch nicht ohne sein. Apple wird vermutlich die fünfte Generation des Mobilfunks noch ein wenig ausreifen lassen und sein erstes 5G-iPhone erst 2020 auf den Markt bringen, wie Mark Gurmann bei Bloomberg schreibt .

Ausgetrickst: Der App Store ist generell eine sicher Quelle für Software für iPhone, iPad und Apple Watch, doch ab und an schaffen es immer wieder Anbieter, ihre unlauteren Mittel an der Überprüfung vorbei zu schmuggeln und derart Kunden zu schädigen. Apple reagiert in der Regel recht schnell und entfernt die Scam-Apps, der Schaden ist aber dann angerichtet. Von einer besonders fiesen Methode schreibt nun 9to5Mac: Eine App versprach, den Puls über den Finger zu messen, den man auf den Home-Button legen sollte. Dabei wurde der Screen stark verdunkelt, damit man nicht erkennt, dass die App den Fingerabdruck nimmt, um sich einen völlig nutzlosen  In-App-Kauf von 90 US-Dollar zu genehmigen. Gewiss ist ein Teil des Problems auch hier der arglose Anwender, doch scheinen derartige Schlupflöcher im Prüfprozess häufiger aufzutreten. Das Problem schient hier gewesen zu sein, dass die App "Heart Rate Measurement" ihre bösartige Funktion erst nach der Freigabe erhalten hatte - hier hätte eine weitere Prüfung stattfinden sollen. Womöglich haben die Entwickler den Preis für den In-App-Kauf auch erst nachher erhöht. Zudem könnte die Anwendung, die sich vorwiegend an ein portugiesisch sprachiges Publikum richtete, unter vielen Radars in Cupertino geflogen sein - mindestens unschön. Die Masche kopiert haben laut The Verge auch gleich die zwei - ebenfalls aus dem App Store entfernten - Anwendungen  “Fitness Balance” und “Calories Tracker”. Beide forderten die User dazu auf, ihren Finger für zehn Sekunden auf den Home-Button zu legen, um dafür Daten für die Fitness und die Ernährung zu erhalten. An dieser Stelle sei noch einmal gesagt: Der Fingerabdrucksensor kann zwar vieles, aber gewiss nicht den Puls messen oder andere Gesundheitsdaten erheben. Ähnliches verspricht nur die Apple Watch Series 4 mit der EKG-Messung - und die ist noch nicht einmal in den USA freigeschaltet. Eine derartige Fake-Funktion  hätte im Prüfprozess vor der Freigabe der App durchaus auffallen müssen.

Gehört : Lässt man sich auf iPhone, Mac, Homepod oder Apple Watch einfach Musik von Apple Music streamen, ohne weitere Spezifizierung, welcher Titel oder Interpret es denn sein dürfte, sieht man in der History in iTunes und der Musik App nur spärliche Informationen über zurückliegende Songs. Doch der Datenschutzgrundverordnung DSGVO (auch als GDPS bekannt) ist es nun zu verdanken, dass man Zugriff auf diese Daten erhält, die Apple selbstverständlich sammelt, nicht zuletzt, damit Apple Music bessere Ergebnisse liefert. Der australische Entwickler Pat Murray hat einen Weg gefunden, wie man die Musik-Historie aus den Daten rekonstruiert, die Apple ieinem auf Aufforderung zusendet. Diesen umfänglichen Datensatz kann man auf Apples Privacy Portal anfordern, das erstellen des Downloads kann aber einige Tage dauern. Einmal heruntergeladen, findet man aber einen Ordner "Apple Music Activity", den Murray auf seiner Website Apple Music Analyzer auswerten kann. Das Ergebnis zeigt, welche Songs man in welchem Jahr am häufigsten hörte und wie viel Zeit man insgesamt mit Apple Music verbrachte. Murray verspricht, dass der Datensatz den Computer des Kunden nicht verlässt und allein der Browser die Berechnungen ausführt.

Weitere Nachrichten:

AMD: Ryzen 3000 und neuer Chipsatz bereits im Juni?

Gerüchten zufolge plant AMD wohl die Einführung des neuen X570-Chipsatzes mit dem Codenamen Matisse zur Computex 2019 in Taiwan, das berichtet Videocardz. Die Computex-Messe findet wie jedes Jahr im Juni statt. Die Informationen führt Videocards dabei auf ein von Gamer.com.tw veröffentlichtes Foto zurück.

Der neue Chipsatz soll PCI-Express 4.0 und die neuen Zen-2-Prozessoren der Ryzen-3000-Serie unterstützen. Es war zwar schon bekannt, dass Zen 2 bereits PCI-Express 4.0 unterstützen wird, die neuen Informationen zeigen jedoch, dass das wohl bereits im Sommer 2019 auch für AMD-Produkte für den Massenmarkt und nicht nur für Server-Produkte gelten wird.

Videocardz weist jedoch auch darauf hin, dass die gesichteten Folien schon relativ alt sein müssen. Die Folien verraten dabei auch nicht explizit, ob die neue Ryzen-3000-Serie auch zur Computex 2019 vorgestellt wird. Der Zeitpunkt würde sich jedoch anbieten und gut zu bereits bekannten Plänen von AMD passen. Der neue Chipsatz wird, wie schon die Ryzen-2000-Serie, auf dem bekannten AM4-Sockel sitzen.

Es könnte sein, dass AMD weitere Informationen zur Einführung des neuen Chipsatzes bereits zur Consumer Electronic Show in Las Vegas verkündet. Die CES findet im Januar 2019 statt.

Al Lowe verkauft Original-Code von Leisure Suit Larry über Ebay

Der Erschaffer von Leisure Suit Larry, Al Lowe, verkauft aktuell seine Sammlung an Quellcodes auf Ebay. Als Grund gibt der Entwickler-Veteran an: Er sei bereits 72 Jahre alt und seine Kinder haben an „dem Krempel“ keinerlei Interesse.

Die Source-Codes, die nun nach über 30 Jahren verkauft werden, sind die letzten verbleibenden Kopien der jeweiligen Spiele. Sierra  hat die Titel nie selbst archiviert, Programmierer waren zur damaligen Zeit angehalten, eigene Backups ihrer Projekte anzulegen.

Neben den Quellcodes der alten Leisure-Suit-Larry-Spiele ist Al Lowe im Besitz von Source-Codes zu Police Quest, The Black Cauldron, Kings Quest 3 und eher unbekannten Titeln wie Dragons Keep, seinem Erstlings-Werk. Ebenfalls packt der Entwickler eine Box mit nützlichen Tools, die er zur Erstellung der Spiele selber geschrieben hat, als Bestandteil mit hinzu.

Die Backups kommen auf Disketten, Al Lowe hat deren Funktionalität nicht überprüft. Er stellt weiterhin klar, dass man durch den Besitz der Disketten keinerlei Rechte am Material erhält. Al Lowe könnte diese auch gar nicht erteilen, da er die Rechte selbst nicht hält. Speziell zu Larry sagt er, dass er die Rechte nicht besitzt, da sie mittlerweile Eigentum der deutschen Firma Assemble Entertainment sind.

Der deutsche CPU-Markt wird von AMD dominiert

An der Börse geriet AMD zuletzt ins Straucheln. Die Verkäufe in Deutschland laufen jedoch so gut wie nie, das zeigen Daten, die wccftech zu den AMD-Verkäufen auf Mindfactory vorliegen.

Im November wurden auf Mindfactory für jede verkaufte Intel-CPU zwei AMD-Prozessoren verkauft. Der Bestseller war dabei der AMD Ryzen 5 2600. Auch wenn die Daten hier nur von einem Einzelhändler stammen, spiegeln die Daten des größten Technik-Versandhändlers in Deutschland doch auch etwas die komplette Marktrealität.

Insgesamt konnte AMD rund 16.000 Prozessoren nur über Mindfactory absetzen. Damit hat sich die Zahl der CPU-Verkäufe im Vergleich zum Vormonat knapp verdoppelt.

Die meistverkauften Prozessoren von AMD waren dabei AMD Ryzen 5 2600, AMD Ryzen 7 2700X und AMD Ryzen 5 2600X. Der einzige Intel-Prozessor, der es unter die Top 4 geschafft hat, ist der Intel Core i7-8700K. Beim Umsatz über Mindfactory bleibt AMD mit fast 3,4 Millionen US-Dollar damit führend, obwohl Intel nicht allzu weit zurückliegt. Hier muss nämlich bedacht werden, dass die Intel-CPUs für weit höhere Preise verkauft werden.

Der Dezember wird für die beiden Kontrahenten Intel und AMD besonders spannend – welche CPU wird sich wohl am häufigsten unter den Weihnachtsbäumen finden?

 


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