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Morgenmagazin vom Dienstag, 5. September 2017

05.09.2017 | 06:35 Uhr |

Tim Cook löst Aktienoptionen ein +++ Kein iTunes-Festival mehr in London +++ HomePod koppelt sich mit Signalton +++ Forscher zeichnen ungewöhnliche Geräusche aus dem All auf +++ Alibaba testet Zahlung per Gesichtserkennung +++ Sayer: Jaguar zeigt das Lenkrad der Zukunft

5. September: Mit Touch, ohne Telefon

Wir wünschen allseits Guten Morgen! The beat goes on – das war das Motto des Musik-Events, zu dem Apple am 5. September 2007 eingeladen hatte. Wir erinnern uns: Das iPhone war gerade erst kurz zuvor in den USA erschienen und in Europa heiß begehrt - wobei bereits einige Grauimporte in nicht dafür ausgelegten Netzen herumfunkten. Das iPhone war bekanntlich ja nicht nur als revolutionäres Internetgerät angetreten und als Telefon, sondern eben auch als iPod mit Breitbild-Touchscreen. Lässt man die Sache mit der Telefonie und den mobilen Daten weg, hat man, genau, einen iPod. Wenig überraschend nannte Apple daher die Variante des iPhone, die nicht telefonieren konnte und in das Internet nur im heimischen WLAN eben iPod Touch. Dafür gab es den iPod Touch immerhin auch in einer Variante mit 16 GB Speicher, das iPhone musste noch lange mit 8 GB auskommen.

An jenem Mittwoch im September pflegte Apple aber die gesamte iPod-Palette, der iPod Nano kam etwa erstmals in einer später wieder aufgegebenen, dann wieder eingeführten, dann erneut aufgegebenen quadratischen Form in einer Reihe hübscher Pastellfarben, inklusive eines Modells ProductRed. Der Shuffle wurde ebenfalls erneuert, aber vor allem begann schon das Abstellgleis auf das Apple mittlerweile fast die komplette iPod-Reihe geschickt hat. Denn der alte Festplatten-iPod, der mit Kapazitäten von bis zu 120 GB, trug seither den Namen iPod Klassik. Wie es mit Klassikern so ist: Jeder kennt sie, nutzt sie aber nicht (mehr) – die Zeiten ändern sich.

Mittlerweile ist der iPod Touch der einzig noch verbliebene iPod in Apples Portfolio, man darf gespannt sein, wie lange er sich da noch hält. Der Markt für iPhones, die nicht telefonieren können und nur zu Hause ins Internet scheint begrenzt, zumal für das Wohnzimmer Apple mit dem HomePod und dem Apple TV ganz andere Lösungen anbietet. Der sechsten Generation mag vielleicht im kommenden Jahr noch eine siebte folgen, dann wird aber auch der iPod Touch allmählich seiner Obsoleszenz entgegen sehen. Zehn Jahre sind für ein IT-Gerät nun einmal eine verdammt lange Zeit. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Extralohn: Wie Apple am Montag der Börsenaufsicht SEC berichtete, hat der CEO des Unternehmens ihm als Teil seines Gehalts gewährte Aktienoptionen eingelöst. Cook durfte 560.000 Apple-Aktien im Wert von 89,2 Millionen US-Dollar einlösen, nach Steuern und Gebühren blieben ihm rund 43 Millionen US-Dollar. Cooks Bonus hängt direkt vom Erfolg des Unternehmens an den Börsen ab, in den letzten drei Jahren hat AAPL besser abgeschnitten als 81 Prozent der Aktien im Index S&P 500. Nicht nur Cooks finanzieller Erfolg mit Apple sei beträchtlich, merkt Business Insider an, auch die beiden Produkte, die allein in seiner Ägide entstanden sind, würden ihren jeweiligen Marktm dominieren. Konkret sind das die Apple Watch und die AirPods, für beide Produkte nennt Apple keine genauen Verkaufszahlen.

Der Vorhang fällt: Im Londoner Roundhouse wird es in diesem Jahr kein von Apple organisiertes Musikfestival geben, das zehnte iTunes Festival respektive Apple Music Festival des Vorjahres wird das letzte seiner Art gewesen sein. Seit 2007 hatte Apple zahlreiche renommierte Künstler zu einem Auftritt in London locken können, ursprünglich dauerte das Festival einen Monat, war aber zuletzt auf zwei Wochen zusammen geschrumpft, jedoch mit mehreren Konzerten täglich. Für diese hatte Apple jeweils die Karten verlost und die Performances live übertragen, später waren die Shows über iTunes käuflich zu erwerben. Highlights waren Konzerte von Paul McCartney oder Elton John, im vergangenen Jahr waren unter anderem Alicia Keys, Michael Bublé und Robbie Williams aufgetreten.

Tätige Hilfe: Was Tim Cook letztens angedeutet hat, setzten die Apple Stores im Großraum Houston nun tatsächlich um und reparieren in Einzelfällen Geräte, die während des Hurricanes Harvey zu schaden gekommen waren. Das betrifft einerseits Wasserschäden und andererseits Defekte, die bei der Evakuierung durch mechanische Belastungen aufgetreten sind. für derartige Fälle gilt normalerweise keine Garantie. Es gibt aber wohl keine unternehmensweite Policy für die Reparatur, die Stores dürfen von Fall zu Fall entscheiden, wie sie vorgehen.

Verbindung: Wie der Entwickler Guilherm Rambo anhand eines Screenshots in der Beta von iOS 11 entdeckt, wird der HomePod eine innovative Methode nutzen, um sich mit einem iPhone zu verknüpfen. Das Pairing könne zwar unter Eingabe einer vierstelligen Pin auf dem iPhone erfolgen, schneller geht es jedoch mit einem Ton, der der einzurichtende Lautsprecher von sich gibt und den das iPhone identifiziert. Sind die Geräte erst einmal verbunden, erledigt das iPhone den Rest der Einrichtung. Eine ähnliche Methode der schnellen Kopplung kennt man von der Apple Watch, die auf ihrem Bildschirm eine Partikelwolke darstellt, die das iPhone erkennt und daraus individuell ein Gerät zuordnen kann.

Prima Idee: Im digitalen Heim kann man einfach nicht genügend Steckdosen haben, für Ladegeräte oder solche, die permanent am Strom hängen müssen wie die Echoes und HomePods dieser Welt. Wo diese aber abstellen? Steckdosen zu den Regalen und Kommoden legen oder besser Wandhalterungen in der Nähe der Steckdosen anbringen? Zunächst für Standardsteckdosen in den USA hat der Spezialist für TV-Wandhalterungen Echo Gear eine feine Lösung gefunden: Das Outlet Shelf. Im wesentlichen handelt es sich um ein kleines Regal, das einzelne Geräte mit bis zu 5 Kilogramm Gewicht trägt und sich direkt über der Steckdose montieren lässt. Konkret nutzt das Outlet Shelf die Befestigung der Steckdosenverblendung und ersetzt sie durch einen neuen Rahmen mit einem oberhalb der Dose in den Raum ragenden Brett, auf den man seine Geräte platzieren kann. Eine Aussparung lässt das Stromkabel durchfädeln und in die Dose stecken. Der Schönheitsfehler ist natürlich, dass diese Lösung mit den Dosen hierzulande nicht funktioniert, aber vielleicht wird Echo Gear die Idee ja mal weiter spinnen.

Forscher zeichnen ungewöhnliche Geräusche aus dem All auf

Wissenschaftler haben 15 ungewöhnliche Radioimpulse aufgefangen, die von einer Zwerggalaxie in einer Entfernung von drei Milliarden Lichtjahren ausgesandt wurden. Bei den sich wiederholenden Signalen handelt es sich um Radioblitze, also sehr kurze Radiostrahlungen, die nur wenige Millisekunden andauern. Möglicherweise stammen diese von schwarzen Löchern oder rotierenden Neutronensternen. Andere Forscher wollen als Quelle sogar ein außerirdisches Raumschiff ausgemacht haben.

Gefunden wurden die Signale von Forschern des Breakthrough Listen Project. Das vom russischen Milliardär Juri Milner mit 100 Millionen US-Dollar finanzierte Projekt soll in den kommenden zehn Jahren nach außerirdischen Lebensformen suchen. Dazu leiht sich das Team das Radioteleskop des Green-Bank-Observatoriums im US-Bundesstaat West Virginia aus. Der Physiker Stephen Hawking hilft dem Breakthrough Listen Project zusätzlich als Berater. Da die Quelle noch immer Signale aussendet, sollen nun weitere Messungen erfolgen.

Alibaba testet Zahlung per Gesichtserkennung

KFC-Kunden können in Hangzhou, China ab sofort mit einem Lächeln zahlen. Das dort ansässige Konzept-Restaurant KPRO der Fastfood-Kette KFC hat in dieser Woche das so genannte „Smile to Pay“-System installiert, das Zahlungen per Gesichtserkennung mit einem gekoppelten AliPay-Account erlaubt. Entwickelt wurde die Bezahlplattform von der Ant Financial Services Group, einer Tochtergesellschaft der Alibaba Group.

Beim Einkauf bei KPRO wird das Gesicht der Kunden an der Bestelltheke gescannt. Um die Zahlung zu bestätigen, muss lediglich die Handynummer eingegeben werden. „Smile to Pay“ wurde von Alibaba-Gründer Jack Ma erstmals im Rahmen der CEBIT 2015 vorgestellt. Seitdem wurde das System stetig weiterentwickelt. Ob Alibaba die Zahlung per Gesichtserkennung auch in anderen Geschäften einsetzen will, ist noch nicht bekannt. KPRO wurde im Juli in Hangzhou eröffnet. KFC will damit sein Fast-Food-Image loswerden und verkauft im KPRO-Restaurant auch gesündere Menüs mit Salaten und Säften.

Sayer: Jaguar zeigt das Lenkrad der Zukunft

Im Vorfeld des Tech Fest, das vom 8. bis 10. September 2017 in London stattfindet, hat Jaguar Land Rover in dieser Woche das Lenkrad der Zukunft vorgestellt . Der Entwurf trägt den Namen Sayer und ist Teil der virtuellen Konzeptstudie Jaguar Future Type. Benannte wurde das Lenkrad nach dem Aerodynamiker und Designer Malcom Sayer. Er war zwischen 1951 und 1970 bei Jaguar beschäftigt und zeichnete unter anderem für die Designs der Rennwagen XJS sowie der D- und E-Serien verantwortlich.

Retro mutet das Design des Jaguar Sayer aber ganz und gar nicht an. Das Design-Objekt erinnert mit seiner gebürsteten Aluoberfläche und dem kantigen ovalen Design nur entfernt an ein Lenkrad. Es dient vielmehr als Mitgliedsausweis für einen Jaguar-Service-Club für Carsharing und autonome Fahrzeuge. Da Jaguar sein Konzept mit dem Gedanken an die Mobilität der Zukunft bis zum Jahr 2040 entwickelt hat, ist das durchaus vorstellbar.

Wenn Jaguar-Kunden in mehr als 20 Jahren laut dem Unternehmen nicht mehr über eigene Fahrzeuge verfügen werden, ist das Lenkrad das einzige Objekt, das sie mit nach Hause nehmen können. Dort macht sich die Konzeptstudie als persönlicher Assistent nützlich. Sayer erinnert beispielsweise an Termine und bestellt pünktlich ein autonomes Fahrzeug, das den Sayer-Besitzer abholt. Sayer errechnet anhand von Navigationsdaten außerdem, in welchen Situationen der Fahrer lieber selbst das Lenkrad übernehmen sollte, anstatt sich auf die autonome Automatik zu verlassen. Neben einem Mikro und Lautsprechern für Spracheingaben verfügt Sayer außerdem über zwei Informationsdisplays, die auf Wunsch etwa die aktuelle Geschwindigkeit anzeigen.

 

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