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Morgenmagazin vom Dienstag, 6. März 2018

06.03.2018 | 06:55 Uhr |

Apple plant angeblich Over-Ear-Kopfhörer mit ANC +++ Vierte Betas für iOS 11.3 und macOS 10.13.4 +++ Wunschliste an iOS 12 +++ Forscher knacken die LTE-Verbindung +++ Konkurrenzkampf: Amazon stoppt Verkauf von Nest-Produkten +++ Eco: Kryptowährung von Uber-Mitbegründer Garrett Camp +++ App liest ungefragt Mobilfunknummer aus: Sicherheitsfehler der Telekom?

6. März: Freiheit ist das einzige, das zählt

Wir wünschen allseits Guten Morgen! " Apple befreit das iPhone " titelten wir heute vor zehn Jahren zu später Stunde. Was war passiert? Steve Jobs persönlich hatte auf einer Keynote in Cupertino der versammelten Presse erklärt, wie das mit der iPhone-Software weiter gehen sollte. Denn zu jenem Zeitpunkt, fast neun Monate nach dem Verkaufsstart in den USA, hatte Apple zwar erst gut fünf Millionen iPhones verkauft, damit aber jede Menge Begehrlichkeiten geweckt. Denn ein jeder wollte mit seinen Programmen und seinen Services auf das Telefon drauf, das schon mit den Vorschusslorbeeren bedacht war, ein "Jesus-Phone" zu sein: Eine Offenbarung für die ITK-Szene.

Nur war das mit Anwendungen auf dem iPhone halt so eine Sache. Von Anfang an durften nur zwei Hersteller nativ ihre Programme laufen lassen: Apple und Google. Letztere steuerten Google Maps und den Youtube-Player bei, Apple den Rest wie Foto- und Kameraanwendung, Browser, Adressbuch, Mailclient. Alle anderen hatten nur die Chance, mit Webapplikationen, also in asynchronem Java und XML (Ajax) geschriebenen Code, der auf Webservern ausgeführt wurde, am beginnenden iPhone-Boom teilzunehmen.

Doch schon bald nach dem Verkaufsstart entdeckten findige Entwickler, wie man an das iPhone zur Synchronisation von Daten auch herankäme, ohne iTunes zu nutzen. Der Begriff "Jailbreak" wurde geboren, auf derart ausgehebelten iPhones ließen sich nun beliebige Programme installieren.

Das wollte Apple ja an sich vermeiden, die Entwicklung des iPhones und seiner Software glich dem sprichwörtlichen Ritt auf einer Rasierklinge. Schon die kleinsten Störungen könnten das labile Gebilde zum Einsturz bringen, Apple wollte die komplette Kontrolle über das System behalten, um die Nutzererfahrung garantieren zu können. So hieß es zumindest bei der Vorstellung des Telefons. Intern sei es den Entwicklern aber sehr wohl klar gewesen, dass man das System früher oder später öffnen müsse, das iPhone "befreien".

Wie das passieren würde, zeigte Apple eben an jenem Donnerstag vor zehn Jahren. Entwickler bekommen ein SDK, ein Software Development Kit, mit dem sie ihre Apps für das iPhone-OS 2.0 genannte System programmieren konnten. Den Vertrieb der Software würde Apple übernehmen, da man das iPhone ohnehin mit iTunes synchronisiere und darüber Updates für das System bekomme, werde es eben auch einen App Store innerhalb des einst für Musik konzipierten Programms geben. Die Kontrolle wollte Apple aber nicht aufgeben, der App Store bekam eine Freigabeprozedur, erst nach Bestehen einer kritischen Prüfung, konnten Apps zur Verfügung gestellt werden. Vorteil an der Konstruktion: Apple übernahm auch Distribution und Inkasso, behielt dafür aber 30 Prozent des Verkaufspreises ein - das ist im Prinzip auch heute noch so.

Jailbreaks wurden seltener, waren anfangs aber trotz des App Store noch beliebt, denn dessen Angebot musste erst wachsen. Mittlerweile gibt es an sich kaum noch einen Grund, sich Software von außerhalb des App Store auf das iPhone holen zu wollen. Und iTunes braucht man schon längst nicht mehr für den Bezug und die Verwaltung von Apps, erst letzten Sommer hat Apple diesen Teil gestrichen. Aber erst mit Apps von Dritten wurde das iPhone zu einem derart durchschlagenden Erfolg. Effektiv wurden die vor zehn Jahren angekündigten Maßnahmen schließlich im Juli 2008, mit der Eröffnung des App Store und der Distribution von iPhone-OS 2.0. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Über die Ohren: Apple will laut eines Berichts von Bloomberg nach AirPods und HomePod ein weiteres Soundgerät herausbringen. Dabei soll es sich um High-End-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) handeln, die man über den Ohren trägt. Auch der Analyst Ming-Chi Kuo von KGI Securities hat bereits im Februar über Apples Pläne, einen eigenen Over-Ear zu entwickeln, berichtet. Kuo bezeiht sich dabei auf seine Informationen aus der Lieferkette, die Unternehmen Primax und SZS sollen für Apple den Kopfhörer fertigen, der in der zweiten Jahreshälfte 2018 auf den Markt kommen soll. Der Preis der Lauscher soll über dem für die AirPods (160 Euro) liegen. Wie Bloomberg nun weiter ausführt, sei das Projekt schon seit geraumer Zeit bei Apple im Gange und wurde dort immer wieder gestoppt und neu aufgenommen. Bis Juli könnte durchaus eine weitere Neuausrichtung folgen, selbst eine komplette Einstellung sei möglich. Wie die AirPods sollen sich die spekulierten Over-Ears rasch und unkompliziert mit Apple-Geräten verbinden können. Warum Apple mit dem Gerät nun aber erstmals ernsthaft mit der eigenen Tochter Beats konkurrieren wolle, sei völlig unklar. Offen sind auch noch andere Fragen: Werde Apple etwa wie beim HomePod proprietäre Techniken einsetzen oder auch per Bluettoh mit anderen Geräten zusammenarbeiten? Ob sich die Over-Ears drahtlos oder per Lightning aufladen lassen, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Die WWDC Anfang Juni gäbe aber Gelegenheit, den Kopfhörer der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wunschliste: Mittlerweile steht iOS 12 an und wie man aus Apple nahe stehenden Quellen hört, soll das Update von 2018 weniger auf neue Funktionen fokussieren, dafür mehr auf Verbesserung der bestehenden Softwarebasis. Ganz ohne Neuheiten wird Apple im Sommer aber iOS 12 nicht vom Stapel lassen, Macworlds Jason Cross hat einen kleinen Wunschzettel an Apple für das Betriebssystemupdate  geschrieben. Ganz oben stehen da natürlich Verbesserungen, vor allem an Siri – Apple hinkt in Sachen künstlicher Intelligenz der Konkurrenz von Amazon und Google mittlerweile hinterher. Siri benötige vor allem eine bessere Stimmenerkennung und wie etwa Alexa mehr Spaßfunktionen wie das Erzählen von Witzen. Cross stört sich zudem an dem großen Overlay auf dem Bildschirm, das beim Verstellen der Lautstärke erscheint und daran, dass die Kamera-App zu wenige Konfigurationsmöglichkeiten lässt - man muss sich immer erst in die App Einstellungen bemühen, will man etwa das Videoformat ändern. Ein echter Dark Mode sei ebenso erforderlich wie die Möglichkeit, App-Icons komplett frei platzieren zu können. Das energieeffiziente OLED-Display des iPhone X könnte auch stets angeschaltet bleiben und etwa weiß auf schwarzem Hintergrund die Uhrzeit und das Datum zeigen. An die Benachrichtigungen muss Apple auch ran, zumindest sollte iOS 12 diese gruppieren, ehe sie überhand nehmen. Facetime schließlich sollte Gruppengespräche erlauben und  den Portait-Mouds ab iPhone 7 Plus könnte Apple auch mit Software allein für die eine einzelne Front- oder Rückkamera einbauen. Apropos Fotos: Warum Apple nach wie vor nur 5 GB an Gratis-Storage für die iCloud bietet, müsste Cupertino noch mal erklären - Druck könnte aber durch das Google Pixel bestehen, das für Fotos und Videos unbegrenzt Speicher zur Verfügung stellt. Cross wiederholt zuletzt auch eine alte Forderung: iOS 12 muss in der Variante für das iPad endlich mal ein Mehrbenutzersystem werden.

Kann klappen: Apple will offenbar das Macbook Air wieder aktualisieren und im Portfolio behalten. Dabei sollte der Hersteller aber nicht mehr von selben bringen, das Einsteigernotebook ist veraltet und bräuchte mehr als ein liebloses Upgrade von Prozessoren. Wie unser Macworld-Kollege Michael Simon fordert, solle sich Apple mehr am iPad orientieren und bloß nicht am noch älteren Mac Mini. Mit dem 9,7-Zoll-Modell vom letzten Frühjahr habe Apple gezeigt, wie man einer Pro-Serie ein zeitgemäßes günstigeres Modell zur Seite stellt. Übersetzt auf das Macbook Air hieße das vor allem dreierlei: Apple müsse die Auflösung erhöhen - alles andere als Retina geht im Jahr 2018 nicht mehr - USB-C hinzufügen und das Design auffrischen, etwa mit dünneren Rahmen.

Nummer vier: Apple hat für Entwickler und Public-Beta-Tester die vierte Vorabversion von macOS 11.13.4 veröffentlicht. Neue Features sind bisher nicht bekannt, bereits in früheren Betas war etwa ein Mechanismus enthalten, der vor 32-Bit-Apps auf dem Mac warnt, die bald nicht mehr laufen werden. Neu ist auch die Option, seine Messages in der Cloud zu speichern, die Bücher-Anwendung iBooks heißt künftig wie das Pendant auf iOS nur noch mehr Books. Auch iOS 11.3 bekommt eine vierte Beta-Fassung, das Update wird unter anderem ein neues Powermanagement für Batterien bringen. Die Nutzer sollen fortan künftig selbst entscheiden können, ob ihr System die Leistung drosselt, wenn der Akku Alterserscheinungen zeigt und schwächer wird.

Weitere Nachrichten:

Forscher knacken die LTE-Verbindung

LTE-Verbindungen galten bislang als relativ sicher. Wer darüber seine Online-Bankgeschäfte abwickelt, war genauso sicher wie im heimischen WLAN. Forschern der Purdue University sowie der University of Iowa ist es gelungen, in drei kritischen Protokollen im Mobilfunknetz Manipulationen vorzunehmen. Dadurch konnten sie ein Smartphone unbemerkt belauschen oder dessen Standort verfolgen. Telefonate und Nachrichten ließen sich auf diese Weise abhören, auch gefälschte Gefahrenmeldungen konnten verschickt werden. 

Gegen die entdeckten Sicherheitslücken ließe sich nach Ansicht der Forscher wenig unternehmen. Ein Angreifer könne sich mit dem LTE-Netz verbinden und dabei die Persönlichkeit eines existierenden Nutzers annehmen, beispielsweise über die Telefonnummer. Die Angriffe ließen sich zum Großteil auch in der Realität umsetzen. Speziell das Fälschen des Standorts könnte für Kriminelle interessant sein, um ein glaubwürdiges Alibi aufzubauen. Darüber hinaus könnten gefälschte Gefahrenmeldungen über Naturkatastrophen oder Angriffe für Unruhen sorgen. Die Kosten für die nötige Angriffstechnik belaufen sich nach Angaben der Forscher auf 1300 bis 3900 US-Dollar. Bis die Provider die Lücken geschlossen haben, wollen die Forscher keine konkreten Anleitungen veröffentlichen. Die kommenden 5G-Netze seien deutlich sicherer und schneller. Doch LTE (4G) wird wohl weltweit noch einige Jahre lang im Einsatz sein.

Konkurrenzkampf: Amazon stoppt Verkauf von Nest-Produkten

Online-Versandriese Amazon boykottiert die Smart-Home-Produkte der Google-Tochter Nest. Wie Business Insider in dieser Woche berichtet, gebe es zwischen den beiden Unternehmen bereits seit Monaten Unstimmigkeiten. Ende vergangenen Jahres habe Amazons Retail-Team eine Telefonkonferenz mit den Nest-Mitarbeitern abgehalten. Dabei habe Amazon verkündet, dass der Online-Händler zukünftig keine neuen Nest-Produkte mehr über seinen Online-Shop anbieten werde. Betroffen sind unter anderem das neueste Nest-Thermostat sowie das Nest Secure Home-Security-System. Wie es bei der Telefonkonferenz hieß, sei die Entscheidung von der Unternehmensführung getroffen worden. Wie ein Nest-Mitarbeiter gegenüber Business Insider bestätigt, sei während der Telefonkonferenz der Eindruck entstanden, dass der Verkaufsstopp direkt von Amazon-CEO Jeff Bezos angeordnet wurde.

Als Reaktion auf die Amazon-Entscheidung hat Nest beschlossen, gar keine Produkte mehr über Amazon anzubieten. Die Geräte, die aktuell noch gelistet werden, sollen verschwinden, sobald die Lagerkontingente aufgebraucht sind. Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, wolle Nest entweder sein komplettes Sortiment über Amazon verkaufen oder gar keine Produkte. Nest-Produkte werden also in Zukunft nur noch über den Amazon Marketplace beim Online-Versandriesen zu finden sein. Hier ist zudem fraglich, ob Amazon seinen Verkaufsstopp auch auf Marketplace-Händler ausweiten wird. Branchenexperten gehen davon aus, dass Amazon den Verkaufsstopp ausgesprochen hat, weil es sich bei Nest um einen Konkurrenten handelt. Während Amazon seine Smart-Home-Produkte auf Basis von Alexa anbietet, kommt bei Nest der konkurrierende Google Assistant zum Einsatz.

Eco: Kryptowährung von Uber-Mitbegründer Garrett Camp

Als Uber-Mitbegründer Garrett Camp im vergangenen November von seiner ersten Afrika-Reise zurückkehrte schwärmte er, die Reise sei ein „Augenöffner“ gewesen. Camp beschloss daraufhin, die Hälfte seines Vermögens für wohltätige Zwecke spenden zu wollen. Dafür tüftelt Camp nun bereits seit Monaten an einer eigenen Kryptowährung . Die Eco getaufte Währung soll technische Probleme lösen mit denen aktuelle Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum aktuell zu kämpfen haben. Camp hofft, mit Eco die ursprünglichen Versprechen einer Kryptowährung zurückbringen zu können: Die Schaffung eines günstigen, unmittelbaren Zahlungsmittels für die Massen.

Im White Paper zu Eco lassen sich einige Unterschiede zu anderen Kryptowährungen erkennen. Anstatt auf ein Netzwerk von Freiwilligen – den so genannten Minern – erfolgt die Netzwerkunterstützung von Eco durch verifizierte Nodes. Über diese werden die Transaktionen abgewickelt. Im Vergleich zur Bitcoin soll die Erstellung von Tokens und die Verarbeitung der Transaktionen weniger Energie benötigen, da das stromhungrige Mining entfällt. Laut Camp ist Eco damit also umweltfreundlicher als die Konkurrenz. Neu ist die Idee jedoch nicht. Nodes kommen auch bereits bei der Kryptowährung Ripple zum Einsatz.

Für ein einfaches Handling soll Eco einfache Web- und Mobile-Apps bieten. Über die Software können Nutzer schnell und einfach Transaktionen in Auftrag geben oder empfangen. Lange Wartezeiten wie etwa bei der Bitcoin soll es dabei nicht geben. Der Launch von Eco soll voraussichtlich noch in diesem Jahr erfolgen. Zum Start will Camp eine Billion Tokens ausgeben. Rund die Hälfte davon geht an die erste Million Nutzer, die sich auf eco.com anmelden , 20 Prozent gehen an die Node-Betreiber – in diesem Fall an Universitäten – zehn Prozent gehen an Berater, zehn Prozent an technische Berater und weitere zehn Prozent an die Eco Foundation.

App liest ungefragt Mobilfunknummer aus: Sicherheitsfehler der Telekom?

Nutzt man einen Mobilfunkvertrag der Telekom, kann man über die Seite pass.telekom.de komfortabel seinen aktuellen Kontostand abrufen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Dienst erkennt den Kunden automatisch und zeigt sofort seine Daten an. Das funktioniert allerdings ausschließlich im Telefonnetz, nicht über WLAN. Nach einem Test von Frederik Riede l ist es durch diesen Dienst aber jeder App möglich, die aktuelle Mobilfunknummer eines Nutzers herauszufinden. Das ist aus Gründen der Privatsphäre bedenklich, kann ein Phisher doch so Informationen über einen Nutzer sammeln oder ein Marketing-Unternehmen Kunden identifizieren. Auf Github hat Riedel als „Proof of Concept“ eine kleine iOS-App veröffentlicht, die im Telekom-Mobilfunknetzt die Telefonnummer ausliest. Der Programmierer sieht hier Apple in der Pflicht. Er geht davon aus, dass andere Mobilfunkbetreiber ähnliche Schwachstellen aufweisen und diese von Firmen wie Uber bereits benutzt werden.

Facebook drängt sich als üblicher Verdächtiger auf, benötigt diese Schwachstelle aber ohnehin nicht mehr. In einem von mehreren hundert Menschen gebildeten Netzwerk reicht ein unbedarfter Nutzer aus, der bedenkenlos sein gesamtes Adressbuch mit dem sozialen Netzwerk teilt, so erhält Facebook den Zugriff auf die Telefonnummer ohne jegliche Schwachstelle eines Mobilfunkanbieters oder Software-Herstellers.

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