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Morgenmagazin vom Dienstag, 8. Januar 2019

08.01.2019 | 06:59 Uhr |

CES: HomeKit und Airplay 2 auch auf Geräten von LG +++ Innovation aus Österreich: Notch könnte kleiner werden +++ Apples pfiffige Werbung in Las Vegas +++ Japaner landet an der Spitze der Twitter-Charts +++ Grünenvorsitzender will Twitter- und Facebook-Accounts löschen +++ Samsung stellt 75-Zoll-Micro-LED-TV vor

8. Januar: Hohe Erwartungen

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Schon der zweite Arbeitstag im neuen Jahr und immer noch kein neues Apple-Produkt angekündigt. Wenn das so weiter geht … Immerhin zeigt Apple auf der CES in diesem Jahr Präsenz. Zusammen mit Samsung hatte man schon letzte Woche im Vorfeld der Consumer Electronics Show in Las Vegas angekündigt, Inhalte auf SmartTVs zu bringen (wir berichteten) und jetzt verspricht Cupertino einen Ausbau des HomeKit und dazu passender Geräte (siehe Text weiter unten). Wie war das seit 2009, dem letzten Auftritt auf einer Macworld Expo, im Januar in San Francisco: "We don't believe in trade shows"? Aber Apple hat anscheinend ja auch geglaubt, dass massive Preiserhöhungen seiner Produkte keine nennenswerte Absatzrückgänge zur Folge haben.

Aber noch ist es zu früh, die Rückkehr Apples als Aussteller auf Messen aller Art zu erwarten oder gar die Renaissance der Macworld Expo - die Zeiten sind vorbei. Apple hat sich auf einen neuen Takt eingelassen, erste neue Hardware werden wir auch in diesem Jahr nicht vor Ende März sehen, aber auch nicht danach.

Das Jahr 2008 brachte hingegen schon am 8. Januar neue Macs und das sogar noch vor der Macworld Expo, die zum vorletzten Mal mit Apple erst am 15. Januar eröffnete. Der Mac Pro (early 2008) und der Xserve (early 2008) waren aber lediglich etwas Produktpflege, für Auslaufprodukte. Denn den schicken, eine Einheit hohen Server für das Rack sollte es nicht mehr lange geben, ein wenig länger hielt noch der Mac Pro in seiner Tower-Form durch, bis ihm gesetzliche Regelungen zunächst in der EU den Garaus machten und schließlich Apples Drang zu einem Design, das auf die Funktion nur noch bedingt Rücksicht nahm. Immerhin wird es im Jahr 2019 einen neuen Mac Pro geben, aber nicht schon am zweiten Arbeitstag. Vor Herbst wird sich da nichts tun. Apple sollte aber genügend andere interessante Gerätschaften in der Pipeline haben. Wir werden berichten. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

HomeKit in Vegas: Apple nutzt die CES in Las Vegas dazu, den dort versammelten Pressevertretern neue HomeKit-Lösungen von Drittherstellern zu präsentieren. Seit 2017 hat Apple die Zertifizierung für den Standard erleichtert, davon könnte die Plattform nun profitieren. Unter den auf der Messe vorgestellten Produkten sind unter anderem smarte Lichtschalter von Belkin aus der Wemo-Reihe, Licht-Streifen von Eve oder smarte Schlösser von Kwikset.

Ausgeweitet : Nicht nur auf Samsung-Geräte werden Airplay 2 und HomeKit-Unterstützung kommen, auch andere Hersteller von Smart TVs klinken sich auf diese Weise in das Apple-Universum ein. Wie Apple selbst nun auf seiner AirPlay-Site schreibt, sei Airplay 2 das Mittel der Wahl, um Inhalte auf die Geräte von Drittherstellern zu streamen. Diese lassen nicht lang auf sich warten und kündigen entsprechende Modelle an, LG etwa für seine Signature OLED-TVs und Vizio für seine Plattform Smart Cast 3.0. LG wird die AirPlay2-Unterstützung vermutlich auch nicht bei den High-End-Geräten belassen, sondern sie übers Jahr 2019 auch auf andere Modelle ausweiten, andere Hersteller dürften folgen.

Start: Für gute Vorsätze ist es nie zu spät, wenn auch schon die erste Woche des Jahres vorbei ist. Jason Cross fasst auf Macworld zusammen, was iPhone-Nutzer sich für die restlichen 51 Wochen vornehmen können. Ganz oben steht dabei die Selbstkontrolle des Nutzungsverhaltens mit der seit iOS 12 neuen Einstellung Bildschirmzeit - wenn man schon mal dabei ist, die Nutzung von Apps selbstkritisch zu hinterfragen, kann man auch gleich all diejenigen löschen, die man kaum im Einsatz hat. Und was die Störungen durch die verbliebenen Apps betrifft: Hierfür kann man sich vornehmen, die Benachrichtigungen endlich einmal ordentlich anzupassen. Passwortsicherheit ist jedes Jahr ein Thema, einen entsprechenden Vorsatz sollte man schnell fassen und umsetzen. Damit mittelbar zusammen hängt auch die Datensicherheit: Ordentlich verschlüsselte Backups sind Pflicht.

Zwei Seiten: Apple ist zwar auf der CES präsenter als in den letzten Jahren, hat dort aber keinen eigenen Stand. Mit einem gigantischen Werbeanzeige am Marriot-Hotel macht der iPhone-Hersteller aber auf sich aufmerksam: Eine Seit des Gebäudes ist komplett in schwarz gestrichen, darauf ein stilisiertes iPhone abgebildet und der der Slogan: "What happens on your iPhone, stays on your iPhone." Apple spricht damit auf den bekannten Slogan der Glücksspielerstadt Las Vegas an und verweist implizit auf die Sicherheit und den besseren Datenschutz des iPhones. Doch hat die Sache einen Haken, wie unser Macworld-Kollege Michael Simon erläutert. Gewiss mag Apple die Privatsphäre seiner Kunden besser respektieren als andere Hersteller, iMessages sind von Ende zu Ende verschlüsselt, Maps erstellt keine individuellen Profile, FaceID ist so sicher wie sonst keine Authentifizierung  und was Siri auf dem iPhone erledigt, bleibt auch auf dem Gerät. Doch ironischer Weise zeigt gerade der Ort des haushohen Displays, dass der Slogan unbedingt eine Fußnote benötigt hätte: "Sofern Sie keine Apps und Services von Dritten nutzen". Denn hier gelten Apples strenge Anforderungen nicht mehr - gerade Kunden der Marriot-Kette sollten das wissen, denn der Hotelkonzern hatte erst kürzlich ein Datenleck berichten müssen, über das fünf Millionen Datensätze mit Passwörtern im Klartext abgeflossen waren.

Hinter Glas: Die Notch oder Kerbe im iPhone X und seinen Nachfolgern hat wenigen Leuten wirklich gefallen, sie ist aber eine technische Notwendigkeit, weshalb auch andere Hersteller die Lösung kopierten: Denn in der Notch sind die Infrarotsensoren für die 3D-Gesichtserkennung und generell die Vermessung des Raumes für AR-Anwendungen untergebracht. Doch die technischen Zwänge sind geringer geworden, die Notch könnte daher in den Modellen von 2019 kleiner ausfallen oder gar ganz verschwinden. Das österreichische Unternehmen AMS hat gestern einen auf sichtbares Licht und Infrarot basierenden Annäherungssensor vorgestellt, der auch hinter einem Displayglas arbeitet und daher keine Aussparung benötigt. AMS nennt zwar Apple nicht offiziell als Kunden, Marktbeobachter gehen aber davon aus, dass die Österreicher wesentliche Komponenten für die TrueDepth-Kamera liefern und 45 Prozent ihrer Umsätze mit Apple machen - weswegen der Aktienkurs des Unternehmens letzte Woche mal kurz auf Talfahrt ging, als Apple seine Umsatzwarnung herausgab.

Weitere Nachrichten:

Japaner landet an der Spitze der Twitter-Charts

Der Japaner Yusaku Maezawa hat den US-Amerikaner Carter Wilkerson vom ersten Platz der Twitter-Charts verdrängt. Wilkerson war bislang der Twitter-Nutzer mit dem auf häufigsten geteilten Tweet. Nun hat ihm der japanische Unternehmer Maezawa die Spitzenposition streitig gemacht.

Die Rekordzahl von mehr als 5,1 Millionen Retweets erreichte Maezawa über eine Gewinnspiel-Aktion . Anlässlich der guten Geschäftsergebnisse seines Unternehmens lobte er eine Gewinnsumme in Höhe von 100 Millionen Yen (umgerechnet rund 820.000 Euro) unter seinen Followern aus. Das Preisgeld will der Unternehmer unter 100 zufällig ausgewählten Twitter-Nutzern verteilen, die seinen Gewinnspiel-Beitrag retweeten.

Wilkerson, der vor Maezawa der Twitter-Nutzer mit dem meistgeteilten Beitrag war, hatte im Mai 2017 seine Follower zum retweeten aufgerufen. Die Fast-Food-Kette Wendy‘s hatte ihm ein Jahr kostenlose Chicken Nuggets versprochen, wenn er 18 Millionen Retweets erreicht – er schaffte es auf 3,6 Millionen. Vor Wilkerson und Maezawa stand US-Komikerin Ellen DeGeneres drei Jahre lang mit ihrem berühmten Oscar-Selfie an der Spitze der Twitter-Charts.

Grünenvorsitzender will Twitter- und Facebook-Accounts löschen

Der Grünenvorsitzende Robert Habeck wird seine Social-Media-Accounts auf Facebook und Twitter löschen; das kündigte der Vorsitzende über seine Webseite und dem Internetauftritt der Grünen an.

Zu den Gründen zählt Habeck Kritik nach einem Wahlkampfvideo, außerdem gestohlene private Daten von Habeck, anderen Politikern und Prominenten, die im Internet veröffentlicht wurden.

In dem am Sonntag von den Thüringer Grünen veröffentlichten Video sagte Habeck: „Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“ Daraufhin antwortete, der auch von dort stammende Bundestagsgeschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, auf Twitter: „In welchem Gefängnis habe ich die letzten Jahre gelebt?“ Weiterhin wiesen einige Personen auch darauf hin, dass die Grünen momentan selbst in Thüringen regieren, mit SPD und Linkspartei. Die Grünen löschten daraufhin ihren Aufruf, Begründung: viele hätten ihn „falsch verstanden […] gemeint war schlicht, dass ich den Wahlkampf mit einen Aufruf für weitere Arbeit und Engagement für Demokratie und Ökologie garnieren wollte“ schrieb Habeck dazu. „Aber ich hab es anders gesagt – 'wird', statt 'bleibt'; ein kleines Wort, ein echter Fehler.“

Schon in einem vorherigen Video auf Twitter, äußerte sich Habeck missverständlich. Vor der Landtagswahl in Bayern hatte er gefordert, die CSU-Alleinherrschaft zu beenden, damit man sagen könne: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern." Später räumte Robert Habeck jedoch ein: „Die Kritik daran nehm ich an. Das war im Wahlkampffieber einer zu viel. Sorry dafür!“

Aus seinen Fehlern will Habeck nun die Konsequenz ziehen: „Und meine ist, dass ich meinen Account lösche […] Und da der Datenklau, der die persönlichsten Gespräche zwischen mir und meiner Familie jetzt auf alle Rechner der deutschen Tageszeitungen und jede Menge rechter Medien gebracht hat, maßgeblich über Facebook erfolgte, lösche ich meinen bei Facebook auch.“

Twitter als Medium sieht der Politiker besonders kritisch: „In keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze.“ Das soll auch auf ihn selbst abgefärbt haben: „Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen.“ Weiterhin sei sich Habeck bewusst, dass es ein Fehler sein könnte die Accounts zu löschen und dem daraus resultierenden Verzicht auf deren Reichweite: „Aber ich weiß, dass es ein größerer Fehler wäre, diesen Schritt nicht zu gehen“


Samsung stellt 75-Zoll-Micro-LED-TV vor

Auf der Elektronik-Messe CES 2019 in Las Vegas hat Samsung einen 75 Zoll großen Micro-LED-TV vorgestellt. Durch die Micro-LED-Technologie ist der Fernseher sehr hell und bietet die hohe 4K-Auflösung. Das Gerät ist eine Abwandlung des 146 Zoll großen Konzept-TVs „The Wall“ das Samsung auf der CES 2018 bereits vorstellte.

Ein Pixel besteht bei der Technologie aus drei LEDs (RGB), so benötigt das TV-Gerät, ähnlich wie bei OLED-TV-Geräten, keine Hintergrundbeleuchtung. Perfekte Schwarzwerte werden dabei durch einfaches Abschalten der Pixel erreicht. Gegenüber OLED-TVs soll die Micro-LED-Technik eine bessere Helligkeit bieten und auch eine längere Lebensdauer erreichen. Zudem sind die TV-Geräte weitestgehend randlos und sollen modular erweitert werden können. Das 75-Zoll-Modell ist daher nur eine von vielen denkbaren Konfigurationen, diese soll jedoch so in den Handel gelangen. Theoretisch sollen so Bildformate irgendwann keine entscheidende Rolle mehr beim TV-Kauf spielen.

Über einen möglichen Preis für den 75-Zoll-Fernseher hat das südkoreanische Unternehmen während der Präsentation geschwiegen. Ebenfalls hat Samsung keinen Veröffentlichungstermin für das TV-Gerät genannt.

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