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Morgenmagazin vom Dienstag, 9. Januar 2018

09.01.2018 | 06:50 Uhr |

Spectre-Updates für iOS und macOS +++ Smart Speaker haben Einfluss auf Smartphne-Nutzung +++ Wofür Apple sein TV-Geld ausgibt +++ Ist Apple schuld an Smartphonesucht? +++ ARD fordert Anstieg des Rundfunkbeitrags +++ Neue Entlassungswelle bei GoPro +++ Alexa soll Backöfen, Kopfhörer, Brillen und Uhren smarter machen

9. Januar: Dienstag, 9.41 Uhr

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Besonders Sparsame wissen: Sie können in diesem Jahr den Kalender von 2007 wieder verwenden. Die Wochentage sind nach elf Jahren mit drei Schaltjahren dazwischen wieder genau auf den gleichen Terminen, 2007 und 2018 haben jeweils an einem Montag angefangen. Somit ist auch der 9. Januar wie damals ein Dienstag. Sonst wiederholt sich die Geschichte aber nicht.

Das sieht man vor allem an den Terminen, die man sich in den Kalender von 2007 geschrieben hat und die natürlich elf Jahre später nicht mehr so gelten. Am 9. Januar eröffnete Apple-CEO Steve Jobs im Moscone Center in San Francisco die Macworld Expo, die zum drittletzten Mal eine Messe rund um Apple und vor allem mit Apple sein sollte. Was so nüchtern klingt, hat aber in der Historie eine gewaltige Marke hinterlassen, denn an jenem Tag zeigte Jobs nach Jahren der Entwicklung, die vor allem in der Schlussphase enorm hektisch waren, das Gerät, das die Welt der Kommunikationselektronik ein für alle Mal verändern sollte. Um 9.41 Uhr Ortszeit zog er nach nur kurzen Präliminarien das Gerät aus der Tasche, das drei in einem vereinen sollte: Ein Telefon, ein iPod mit Breitbildtouchscreen und ein revolutionäres Internetgerät. Dass das iPhone noch viel mehr war oder werden sollte, verschwieg er geflissentlich. Heute ist es etwa auch ein unerlässliches Gesundheitsgerät, eine Navigationshilfe, eine fantastische Kamera und nicht zuletzt ein Zugang für erweiterte Realitäten.

So visionär Steve Jobs war, womöglich fehlte ihm dann doch die Fantasie, was das iPhone elf Jahre später alles sein würde. Ein wenig bescheiden beschrieb er auch die Verkaufsaussichten, in einem Jahr wolle man so um die zehn Millionen Geräte verkaufen. Das ist Apple lediglich im ersten Jahr nach dem Verkaufsstart nicht so recht gelungen, im vierten Kalenderquartal 2017 dürften es so um die 90 Millionen Stück gewesen sein.

Ein anderes Gerät, das Apple an jenem 9. Januar 2007 in einer finalen Version zeigte, sollte etwas weniger Aufsehen erregen, dennoch ist es auch heute ein wesentlicher Teil von Apples Produktfolio: Das Apple TV. Schon im Herbst zuvor hatte Cupertino den "iPod für das Wohnzimmer" vorangekündigt, ein "Hobby" werde das erst einmal sein, nicht mehr. Verkaufszahlen nennt Apple keine, so um die zehn Millionen Apple TV sollte Cupertino aber Jahr für verkaufen, mittlerweile buhlt die fünfte Generation der Settopbox um die Gunst der Käufer. Das iPhone hingegen ist ein derart wichtiges Produkt für Apple geworden, dass es beinahe scheint, die Hardwareentwickler in Cupertino würden andere Produktkategorien vernachlässigen. Sicherlich wird es auch heuer wieder neue iPhone-Modelle geben, der große Knall des Jubiläumsmodells iPhone X wird im Jahr 11 n.iP. eher ausfallen. Bleibt dafür mehr Raum für den Mac. Darauf freuen wir uns im Jahr 2018, auch ohne Macworld Expo. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Maßnahme: Gegen die Sicherheitslücken Meltdown und Spectre ist keine Kraut gewachsen, da sie direkt auf Schwächen in CPUs aufsetzen, die mit Spekulativer Exekution arbeiten. Doch kann man mit Patches in den Betriebssystemen das Risiko minimieren, dass Angreifer diese Schwächen ausnutzen können. Apple hatte bereits in iOS 11.2 und macOS 10.13.2 solche eingebaut, offen blieb eine Flanke in Javascript von Safari, über die sich Spectre ausnutzen ließ. Mit dem Systemupdate auf iOS 11.2.2 hat Apple diese nun für iOS-Geräte geschlossen, Macs bekommen das Supplemental Update für macOS 10.13.2, das die gleiche Sicherheitsvorkehrung vornimmt. Der wesentliche Unterschied der Updates: Währen iOS 11.2.2 das Webkit sichert, auf das auch alle anderen Browser zugreifen müssen, gilt das Update für macOS 10.13.2 eben nur für den eigenen Browser. Über andere Browser ist Specter sehr wohl noch angreifbar, solange diese nicht aktualisiert wurden.

Verschlimmbessert: Während bisher keine negativen Auswirkungen der Patches gegen Meltdown und Spectre auf Macs und iOS-Geräten bekannt sind, hat es Nutzer einiger AMD-Prozessoren mit dem Sicherheitsupdate für Windows erwischt, berichtet unter anderem The Register. In einem Thread in Microsofts Support-Foren würden sich Nutzer von Maschinen mit Athlon-CPUs darüber beschweren, dass nach dem Installation des Updates nichts mehr als Startlogo von Windows 7 oder 10 erscheine. Nur in einigen Fällen hätte eine Neuinstallation des Systems Erfolg gehabt. Eine Antwort Microsofts auf das Problem steht noch aus.

Programme: Für das einstige Hobby Apple TV will Apple im Jahr 2018 eine Milliarde US-Dollar ausgeben, um exklusive Inhalte zu produzieren. Einige Shows der geplanten Programmoffensive sind bereits etabliert, etwa Carpool Karaoke oder Planet of the Apps. Steven Spielberg soll zudem im laufenden Jahr für Apple neue "Amazing Stories" produzieren, vermutlich wird aber Apple erst im Jahr 2019 eine ernsthafte Alternative zu Netflix und Co sein. Welche Programme, Serien und Shows Apple dafür plant, haben unsere Kollegen der Macworld zusammengefasst.

Konkurrenz: Es wird höchste Zeit, dass Apple endlich seinen Smart Speaker HomePod auf den Markt bringt, denn Lautsprecher mit Sprachassistenten führen dazu, dass deren Nutzer ihre Smartphones seltener benutzen. Und wenn jemand das iPhone kannibalisiert, möchte Apple das selbst sein. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Accenture. Konkret würden 64 Prozent der Befragten ihre Telefone weniger dazu benutzen, Entertainmentdienste aufzurufen, 58 Prozent verringern wegen des Smart Speakers im Haushalt ihre Online-Käufe mit dem Smartphone und 56 Prozent nutzten diese nun seltener für allgemeine Suchen.

Weitere Nachrichten:

Ist Apple schuld an Smartphonesucht?

Normalerweise beschweren sich aktive Investoren bei Apple eher über zu niedrige Dividenden oder bestimmten Managementenscheidungen. Die Investoren Jana Partner LLC und der Lehrer-Pensionsfonds Calstrs verlangen von Apple dagegen, sich um die zu intensive Nutzung von Smartphones zu kümmern. Viele Leser werden da nur den Kopf schütteln, wenn man sich die Forderungen genauer ansieht, werden die Forderungen aber verständlicher.

Laut einem auf der Seite thinkdifferentlyaboutkids.com veröffentlichten offenen Brief erhält ein amerikanisches Kind mit zehn Jahren sein erstes Smartphone und benutzt es über 4,5 Stunden pro Tag (ohne Texteingabe und Telefonie). So sei es ja kein Geheimnis, dass soziale Medien und Apps bewusst als zeitaufwendig und süchtig machend konzipiert sind.

Als Referenz für ihren offenen Brief haben die Anleger zwei Fachleute zurate gezogen, den Kinderarzt Dr. Michael Rich und die Psychologieprofessorin Jen M. Twenge benannt, letztere ist etwa durch ihren aktuellen Bestseller iGen bekannt, in dem die Autorin stark die Nutzung von Smartphones und sozialen Medien kritisiert. So sollen laut Forschungen von Twenge Jugendliche, die mehr als fünf Stunden pro Tag mit ihrem Smartphone verbringen eine um 71 Prozent höhere Suizidgefährdung aufweisen als Jugendliche, die nur eine Stunde damit verbringen.

Bei einer Umfrage unter 2300 Lehrern beobachteten außerdem 75 Prozent sinkende Konzentrationsfähigkeit ihrer Schüler. Auch ein Problem: Früher hätten sich Schüler in Pausen bewegt und unterhalten, heute würden sie nur herum sitzen und auf ihren Geräten spielen. Vor allem die Nutzung sozialer Medien wird kritisch gesehen, so soll bei Achtklässlern, die soziale Medien intensiv nutzen, das Risiko einer Depression um 27 Prozent höher zu sein.

Laut einer Umfrage würden zwar 94 Prozent der Eltern versuchen, den Technologie-Gebrauch ihrer Eltern zu beschränken, Apple dürfe dies aber nicht komplett den Eltern überlassen. Dabei gehe es nicht um Verbote, so werden die bisher schon von Apple gebotenen Einschränkungen als ungenügend bezeichnet. Apple solle bei seinen Geräten Eltern aber mehr Wahlmöglichkeiten und Werkzeuge geben. Vorgeschlagen wird etwa ein System, das schon bei der Einrichtung eines iPhone oder iPad altersgerechte Einstellungen vornimmt und etwa die Nutzung zu bestimmten Uhrzeiten verbietet. Ein Experten-Kommitee, empfohlen werden hierzu die beiden genannten Experten Rich und Twenge, soll weitergehende Forschungen anstellen. Gerade ein Unternehmen wie Apple könnte eine Signalwirkung erzielen. Was man nicht vergessen darf: Social Responsibility haben auch bei Investoren Vorteile, es gibt also auch einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund.

Unsere Meinung: Die intensive Nutzung sozialer Medien durch Schulkinder ist sicher ein Problem. Allerdings wird die Smartphone-Nutzung in deutschen Schulen und Zuhause anscheinend  stärker reglementiert als in den USA, die Nutzungszeiten erscheinen doch recht hoch. Auch die Studien zum Thema Depression und Entwicklung machen einen eher unvollständigen Eindruck. In den nächsten Jahren wird es aber sicher verstärkt zum Diskussionsthema werden, inwieweit soziale Medien Auswirkungen auf die Entwicklung Heranwachsender haben.

ARD fordert Anstieg des Rundfunkbeitrags

Nach Ansicht des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm soll der Rundfunkbeitrag (ehemalige GEZ-Gebühren) ab 2021 ansteigen. Dem Handelsblatt verriet der ehemalige Regierungssprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel und neue ARD-Chef, dass die knapp acht Milliarden Euro pro Jahr nicht mehr ausreichen würden. Ohne einen Anstieg des Rundfunkbeitrags seien gewaltige Kürzungen an den Programmen nicht vermeidbar. Zu einem Rückbau der Beteiligungen und Tochterfirmen sei der ARD-Chef bereit. Aktuell soll laut Handelsblatt die Münchner Filmrechtefirma Telepool verkauft werden. Außerdem führt Wilhelm an, dass die Inflation seit Jahren nicht ausgeglichen worden sei. Bis März 2015 mussten die Deutschen pro Monat 17,98 Euro zahlen, danach fiel der Wert leicht auf die heute gültigen 17,50 Euro monatlich. Dafür können alle Haushaltsmitglieder Fernsehen, Hörfunk, Telemedien, Computer und Autoradios nutzen. Die so eingespielten acht Milliarden Euro im Jahr 2016 werden auf 20 Fernsehsender und 69 Radiosender aufgeteilt. 

In der Schweiz wird am 4. März per Volksabstimmung über die Abschaffung der Rundfunkgebühren entschieden. Der in unserem Nachbarland durch die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) abgedeckte öffentliche Rundfunk kostet die Bürger 451 Franken im Jahr. Mit umgerechnet 385 Euro zahlen die Schweizer derzeit fast doppelt so viel wie die Deutschen, die pro Jahr 210 Euro für den Rundfunkbeitrag aufbringen müssen.

Neue Entlassungswelle bei GoPro

GoPro wird in dieser Woche weitere Mitarbeiter entlassen. Das will das IT-Magazin Techcrunch aus brancheninternen Quellen erfahren haben. Das Unternehmen werde sich demnach von 200 bis 300 Beschäftigten aus der Drohnen-Abteilung trennen. In einem internen Brief erklärt GoPro die neue Entlassungswelle mit Umstrukturierungsmaßnahmen. Laut Techcrunch wurden die betroffenen Mitarbeiter bereits in der vergangenen Woche über die geplanten Entlassungen informiert. Sie bekommen ihr Gehalt noch bis zum 16. Februar.

Die Drohnen-Abteilung von GoPro zeichnet für die Karma-Drohne verantwortlich. Das Produkt ist GoPros erster Vorstoß in die Drohnen-Entwicklung. Seit der Veröffentlichung im Herbst 2016 bereitet die Karma GoPro jedoch Bauchschmerzen. In Reviews wurde sie für ihre technischen Limitationen kritisiert. Ende 2016 folgte außerdem eine große Rückrufaktion, weil einige Drohnen während des Fluges abstürzten. GoPro legte den Verkauf der Karma vorübergehend auf Eis. Im Februar 2017 war die Drohne schließlich wieder erhältlich. Die harte Konkurrenz seitens DJI macht es GoPro jedoch schwer.

2016 war eines der schlechtesten Geschäftsjahre für das Unternehmen. In der Folge entließ GoPro Ende 2016 100 Mitarbeiter aus seiner Entertainment-Abteilung. Im März 2017 wurden erneut 270 Stellen gestrichen. Die Umstrukturierungsmaßnahmen wirkten sich bereits 2017 positiv auf die Geschäftsergebnisse aus.  

Alexa soll Backöfen, Kopfhörer, Brillen und Uhren smarter machen

Amazon will seinen digitalen Assistenten Alexa in Zukunft auf vielen weiteren Geräten etablieren. Der Versandhändler plant die Integration in Smartwatches, Kopfhörer, Fitnessarmbänder oder Brillen. Sogar Backöfen und Mikrowellen sollen von der Sprachsteuerung durch Alexa profitieren. Im Vorfeld der Technikmesse CES in Las Vegas hat das Unternehmen daher neue Werkzeuge angekündigt, mit denen Alexa die oben genannten Geräte erweitern kann. Das Alexa Mobile Accessory Kit sorgt beispielsweise für die Anbindung von mobilen Geräten, doch auch weiterhin ist ein Smartphone mit Internetverbindung nötig, damit die Sprachfunktionen und Skills von Alexa verwendet werden können.

Kooperationen mit Beyerdynamic, Bose, Bowers and Wilkins, iHome oder Jabra sollen außerdem Wearables mit Alexa ermöglichen. Bei den Smartwatches hat Amazon hier jedoch einen starken Konkurrenten in Form von Google. Die erste Brille mit Alexa-Integration kommt derweil nicht von Amazon selbst: Auf der CES will das US-Unternehmen Vuzix am 9. Januar die erste Alexa-fähige Brille vorstellen. Die Augmented-Reality-Brille kann per Sprache gesteuert werden und Informationen auf das Brillenglas projizieren. Ab dem zweiten Quartal 2018 soll die smarte Brille für etwa 1000 US-Dollar angeboten werden. Ab 2019 soll die Brille durch Einsparungen bereits unter 500 US-Dollar kosten.

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