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Morgenmagazin vom Donnerstag, 1. März

01.03.2018 | 06:56 Uhr |

Apple Watch Series 3 unterstützt Wintersport +++ Wo das Galaxy S9 besser ist als das iPhone X +++ Amazon, Apple und Roku unter Druck von NRA-Gegnern +++ Ring: Amazon kauft Hersteller von smarten Türsprechanlagen +++ Sandisk zeigt erste Micro-SD-Karte mit 400 GB +++ Formel 1 startet internationalen Streaming-Dienst +++ Mobile Sicherheitsupdates: iOS – top, Android – flop

1. März: Normal ist das nicht

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Gestern hatten wir an dieser Stelle nicht zu viel versprochen, diese Nacht war nicht mehr ganz so bibberkalt. Von Frühling aber bis auf die zunehmende Tageslänge noch kaum eine Spur, da müssen wir uns noch bis zum Wochenende gedulden.

Und doch ist der März gekommen, der Monat, in dem in der alten römischen Republik das neue Jahr begann, bis einschließlich 153 vor unserer Zeitrechnung. Nicht von ungefähr kommt der Name: Der März ist dem Kriegsgott Mars gewidmet, zu Beginn des neuen Jahres hatten sich wehrfähige Römer auf dem Marsfeld vor den Toren der Stadt zu versammeln und sich mustern zu lassen. Am Ende des Winters wurden neue Feldzüge geplant und in die Tat umgesetzt, der Krieg war ein ständiger Begleiter.

Der Krieg, so heißt es, sei der Vater aller Dinge. Doch wollen wir nicht mehr länger seine Söhne und Töchter sein. Als vor 100 Jahren der Weltkrieg tobte, den Historiker nur wenig später den Ersten nennen mussten, weil ein Zweiter den Kontinent in Schutt und Asche legen sollte, erlebte die Deutsche Industrie Norm, kurz DIN, ihre Premiere. Es war natürlich ein Kriegsgerät, das am 1. März 1918 die DIN 1 erhielt, die die "maßgeblichen Festlegungen und technischen Lieferbedingungen für Kegelstifte, ungehärtet" liefert. Solche Kegelstifte wurden für ein im Grabenkrieg eingesetztes Maschinengewehr benötigt, das die Bezeichnung 08/15 trug - die ihrerseits zu Ruhm kam.

Nun entfalten Normen in Friedenszeiten durchaus ihren Segen, in einer komplexen Welt will man sich darauf verlassen können, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung bestimmten Erfordernissen genügt und zu anderen Produkten und Dienstleistungen passt. Die berühmtesten DINs, mit denen wir in der Regel auch schon am frühesten in unseren Leben in Berührung kommen, sind gleichzeitig mit die ältesten, die für Papier nämlich. Und hier sieht man auch gleich anschaulich die Vorteile solcher Definitionen: Man kannm sich darauf verlassen, dass ein einmal gefaltetes DIN-A4-Papier auch tatsächlich in einen DIN-C5-Umschlag passt und der Drucker die Seite auch tatsächlich so ausgibt, wie sie uns auf dem Bildschirm erschienen ist.

Die Geschichte der deutschen Industrienorm hatte bereits mit der Gründung des Normenausschusses der deutschen Industrie am 22. Dezember 1917 begonnen und sie ist noch lange nicht zu Ende, wie die Süddeutsche Zeitung auf Papier und im Web nachzeichnet . Doch ist da auch zu lesen, dass heute ganz andere Player die Standards setzen, an denen sich andere zu halten haben, für digitale Produkte und Services. Das sind etwa Microsoft mit Word, Facebook mit seinem sozialen Netz und auch Apple. Ein Institut für Normierung benötigen derart große Firmen nicht mehr. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Konkurrenz: Samsung geht mal wieder einen Schritt voran und bringt das Galaxy S9 und S9+ ein halbes Jahr vor dem iPhone X.2. Oder sind die Galaxies eher mit dem vor einem halben Jahr angekündigten iPhone X zu vergleichen? In jedem Fall hinkt der Vergleich ein wenig, nicht nur wegen des um gegenseitig versetzten Veröffentlichungstermins, es ist auch eine Systemfrage: Android oder iOS? Doch wagt es unser Macworld-Kollege Michael Simon, der Frage nachzugehen, wo die neuen Galaxies besser sein könnten als das iPhone X und womöglich dessen Nachfolger. Er findet immerhin fünf Punkte, die Samsung sehr gut gemacht hat. Da sind etwa die Shortcuts zu Apps über die Seite des Rahmens, mit den Galaxies könnte man Aufgaben schneller erledigt haben. Beieindruckend auch die 240 fps, mit der die Kameras Videos in HD aufzeichnen. Was das iPhone auch noch nicht hat, ist die mechanisch änderbare Blende von f/2.4 zu  f/1.5. Wer's mag oder braucht, freut sich auch über die 3,5-mm-Buchse für den Klinkenstecker, eine interessante Spielerei und gewissermaßen die Antwort auf Apples Animji sind die Emoji, die die Samsunggeräte aus den Fotos ihrer Nutzer erzeugen können. Aber jetzt ist ja wieder Apple am Zug, wir sind auf die Gegenantworten gespannt.

Erweiterung: Logitech hat ein SDK für seine Craft-Tastatur angekündigt, damit weitere Apps die Besonderheit des Keyboards nutzen können, dessen Krone. Diese ist, ähnlich der digitalen Krone der Apple Watch, ein Drehknopf, den man auch drücken kann und mit dem man diverse Funktionen in Anwendungen steuern kann. Schon jetzt ist etwa die Krone des Craft dazu da, Werkzeuge in Photoshop auszuwählen und genauer zu justieren, auf diese Art und Weise spart man sich etliche Tastenkürzel. Mit dem Tool für Entwickler sollen nun weitere Apps von dem Bedienelement profitieren können. In Safari wechselt die Krone etwa zwischen Tabs, in Vorschau kann man sie zum Vergrößern benutzen.

Druck: Nach dem letzten Schulmassaker in Florida scheint die Stimmung in den USA gegen die Waffenlobby NRA zu drehen. Zahlreiche Firmen haben bereits Kooperationen aufgekündigt und etwa NRA-Mitarbeitern die Rabatte gestrichen. Der öffentliche Druck richtet sich nun aber gegen auch gegen IT-Schwergewichte, in Sachen Waffenkontrolle Position gegen die NRA zu beziehen. Unter dem Hashtag #NRAmazon baut sich auf Twitter eine Empörungswelle gegen Amazon auf. Nicht aber, weil der Versandhändler auch Waffen oder Muniton liefern würde, das ist nicht der Fall. Doch verbreitete Amazon in seinem Streamingangebot den Propagandasender NRA TV der Schießwütigen, was nach Wunsch der Aktivisten ein Ende finden sollte. Aus den gleichen Gründen in die Kritik geraten auch Apple und Roku, die dem Waffenkanal ebenso eine Bühne geben. Die Propaganda der Waffennarren folgt der Argumentation, dass nur mit mehr Waffen Massaker wie jenes in Florida hätte vermieden werden können, die dort anwesenden bewaffneten Hilfssheriffs seien "feige" gewesen, als sie nicht einschritten.

Skifoan: Die Olympischen Spiele sind vorbei, insgesamt neigt sich die Wintersaison dem Ende entgegen und der Schnee zieht sich in raue und hohe Berge zurück. Macht nix, scheint man sich bei Apple zu denken, noch ist der Winter ja da und kommt in absehbarer Zeit wieder - und stellt daher eine neue Funktion für die Apple Watch Series 3 vor, die nun auch Aktivitäten auf Ski und Snowboard tracken kann. Die Aktivitätenapp zählt nun Abfahrten, überwundene Höhenmeter, Geschwindigkeit und den Kalorienverbrauch, zahlreich im App Store erhältliche Apps tragen dem Wintersportvergnügen bei. Dabei setzen die Apps auf den eingebauten GPS-Sensor und den Höhenmesser der Uhr, die Hardware ist schon länger vorhanden. Anders als beim Radfahren legen die Wintersport-Apps auch automatische Pausen ein, man muss also nicht nach jeder Abfahrt und vor dem Einkehrschwung die dicken Handschuhe ausziehen und die Aktivität mit klammen Fingern anhalten.

Weitere Nachrichten:

Ring: Amazon kauft Hersteller von smarten Türsprechanlagen

Amazon will sein Angebot an Smart-Home-Lösungen weiter ausbauen. In dieser Woche hat der Online-Versandriese Hersteller Ring übernommen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet , ist der Deal rund eine Milliarde US-Dollar schwer. Laut einem Amazon-Sprecher solle die Akquisition dazu dienen, die Häuser und Wohnungen von Amazon-Kunden sicherer zu machen.

Erst im vergangenen Jahr hatte Amazon in Ring investiert. Amazons smarter Lautsprecher Echo ist bereits mit den Smart-Home-Produkten des Herstellers kompatibel. Ring wurde 2012 als Bot Home Automation gegründet. Das Unternehmen hat 2.000 Angestellte, rund eine Million Kunden und generierte im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von 155 Millionen US-Dollar. Ring produziert unter anderem Sicherheitskameras, Alarmsysteme und die Ring Video-Türsprechanlage. Das Produkt wurde 2013 in der ABC-Startup-Show Shark Tank (dem geistigen Vorbild der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“) als DoorBot gezeigt. Für 7 Millionen US-Dollar fand das Unternehmen damals jedoch keinen Käufer.

Die Ring Video-Türsprechanlage erlaubt Nutzern die Überwachung von Eingangs- und Hintertüren sowie Garagentoren. Betätigt ein Besucher die Klingel, wird ein Video-Anruf mit dem Smartphone des Hausbesitzers gestartet. Dieser kann die Tür dann per Knopfdruck öffnen.

Sandisk zeigt erste Micro-SD-Karte mit 400 GB

Sandisk hat die neue Sandisk Extreme Micro-SD-UHS-I-Card mit 400 GB Speicherplatz auf dem Mobile World Congress in Barcelona gezeigt, wie Computerworld.ch berichtet. Die Lesegeschwindigkeit soll bis zu 160 MByte/s betragen, das Beschreiben soll mit maximal 90 MByte/s erfolgen, sofern die Geräte, in denen die Karte eingelegt ist, diese Geschwindigkeiten unterstützen. Die neue Micro-SD-Karte eignet sich vor allem für das Aufzeichnen von Filmen in Smartphones, Actioncams oder Drohnen.

Zum Preis und Verkaufsstart äußerte sich Sandisk noch nicht.

Formel 1 startet internationalen Streaming-Dienst

Formel-1-Fans sollen die die Rennen des Grand Prix künftig auch ohne TV-Anschluss nutzen können. Schon in der Saison 2018 soll ein Livestreaming-Angebot verfügbar sein, mit dem Fans für monatlich acht bis zwölf US-Dollar alle Liveübertragungen werbefrei sehen können. Die schlicht F1 TV getaufte Plattform umfasst alle 20 Onboard-Kameras, zwischen denen nach Belieben umgeschaltet werden kann. Neben dem deutschen Kommentar lassen sich auch englische, französische oder spanische Moderatoren zuschalten. Die Macher versprechen zudem personalisierte Profile sowie Pressekonferenzen und Interviews vor und nach den Rennen. 

Die Markteinführung ist in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Ungarn, USA, Mexiko und weiteren Ländern Südamerikas geplant. Abonnenten können auf mehreren Endgeräten gleichzeitig zuschauen. Hierfür soll es Apps für Amazon-, Apple- und Android-Geräte geben. Für Sparfüchse werde es zudem ein preiswerteres Abo geben, bei dem die Rennen nicht in Echtzeit verfolgt werden können. Ob der Dienst schon zum Saisonauftakt in Melbourne im März zur Verfügung steht, bleibt offen. Die Macher von F1 TV geben als Starttermin lediglich die Frühphase der Saison 2018 an. Gut möglich, dass das Streaming-Angebot nicht direkt mit der neuen Saison startet.

Mobile Sicherheitsupdates: iOS – top, Android – flop

Die jüngsten Ereignisse rund um Meltdown und Spectre haben jedoch eine ganz gute Vergleichsbasis für alle Plattformen und Geräte geschaffen, waren doch nahezu alle Chips und somit auch alle Smartphones für die Bugs anfällig. Ein Twitter-Nutzer namens "SecurityLab" hat seine Beobachtungen in Sachen Sicherheitsupdates zusammengefasst und in einer Tabelle veröffentlicht. Dabei wurden bei dem Thema Sicherheit solche Einzelaspekte beachtet:

  • die kürzeste Zeit für ein Sicherheitsupdate (seit der Bekanntgabe der Lücke)

  • Update-Verzögerung weltweit

  • Provider-unabhängige Sicherheitsupdates

  • durchschnittliche Support-Zeit der (alten) Geräte

  • Update-Verfügbarkeit nach einem Monat (seit dem Verkaufsstart)

Weniger überraschend hat Apple die Spitzenposition in der Auswertung eingenommen. Bei allen fünf Aspekten verhält sich der Entwickler aus Cupertino nahezu vorbildlich: Bei schwierigen Lücken werden iOS-Updates binnen weniger Tage veröffentlicht (das jüngste Beispiel – der Telugu-Bug), die neue Version ist für fast alle Nutzer unabhängig von Land und Provider verfügbar, die alten Geräte werden noch rund fünf Jahre nach dem Verkaufsstart mit den Updates versorgt. Die einzige Ausnahme bildet hier das iPhone 5C – das Gerät hat Apple 2013 vorgestellt, ab iOS 10.3.3, also im Herbst 2017 war Schluss mit dem neuesten Betriebssystem.

Auf Platz zwei hat Windows mit den beiden Marken – Microsoft und Nokia – ziemlich gut abgeschnitten. In der Android-Fraktion gibt es nur zwei Hersteller, die bei manchen Aspekten teilweise gut abschneiden – Google und Essential Phone. Beide Hersteller versuchen es, binnen weniger Tage ein Update für die kritischen Sicherheitslücken zu veröffentlichen. Auch die Unterstützung der alten Geräte ist im Vergleich mit der Konkurrenz noch relativ lang, wobei es sich beim Essential Phone um eine Schätzung handelt. Alle weiteren Hersteller, die Android bei Google nur lizenzieren, tun sich schwer mit Behebung von kritischen Lücken. Allzu oft dauert es viel zu lange, bis ein relativ neues Gerät ein Systemupdate vom Hersteller bekommt. Auch die theoretische Lebensdauer der Geräte ist deutlich kürzer: Im Durchschnitt wird ein Gerät rund zwei Jahre nach dem Verkaufsstart mehr oder minder zuverlässig mit Updates versorgt. Danach liegt die Verantwortung komplett bei dem Nutzer, als dass er sich keine böswilligen Apps herunterlädt und bei den öffentlichen WLANs aufpasst, damit unbefugte Dritte nicht die Datenverbindung abgreifen.

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