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Morgenmagazin vom Donnerstag, 10. Januar 2019

10.01.2019 | 07:01 Uhr |

Marktanalyse: iPhone XR überholt XS und bald XS Max +++ Peak Smartphone: Apple hat noch die geringsten Sorgen +++ Algorithmen erkennen schwachen Herzschlag +++ Die Europäische Bankenaufsicht nimmt Kryptofirmen aufs Korn +++ Y-Brush: Elektrische Zahnbürste benötigt nur 10 Sekunden +++ Smart Clock: Smarter Wecker mit Google Assistant von Lenovo +++

10. Januar: Sanfter Wechsel im Bunny Suit

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Das iPhone im Jahr 2019: Ja, es wird schwierig. Die Märkte sind satt, das Produkt weitgehend ausgereift, die Flucht ins Höchstpressegment womöglich keine so gute Idee. So schlecht verkaufen sich die aktuellen Modelle nun auch wieder nicht, mit einer ernsthaften Delle wird Apple wohl im Juni-Quartal rechnen müssen: Wer kauft dann noch ein neues Gerät, wenn das ganz neue hinter den Sommerferien wartet? Allein bei der Chip-Entwicklung wird Apple wieder nennenswert nachlegen können, der A13 Bionic wird noch aufregender als der A12 Bionic aus dem vergangenen Jahr. Also vielleicht doch das übliche September-Udpate und keine Verlängerung des Produktzyklus? Wie würde Apple aber seinen potentiellen Kunden klar machen können, dass es bis zum iPhone XI mit A13 oder wie das Ding auch immer heißen wird noch eine Weile dauert und das iPhone XS, Max und XR keine lahmen Enten sind?

Und ist der A13 nicht irgendwann mal zu schade für iPhone und iPad, wäre das nicht mal ein Prozessor für den Mac? Apple behauptet ja nicht völlig zu Unrecht, seine eigene Entwicklung hätte die Power einen Desktop-Prozessors. Warum dann also nicht selbst in Desktops und Laptops einbauen?

Über den nächsten Paradigmenwechsel Apples wird ja schon länger spekuliert, zuletzt hatte Apple zu dem Thema geschwiegen. Sicher, die überragende Leistung, die wir vom Mac Pro 2019 erwarten, wird das integrierte System der A-Prozessoren nicht liefern können. Apple wird auf Server-CPUs setzen und Grafik-Chips, für die kompakte Gehäuse ein Alptraum der Überhitzung wären. Auf der anderen Seite des Produktportfolios besteht aber durchaus die Möglichkeit, auf AMD-Design basierende Apple-Chips einzubauen. Das Macbook 12 Zoll wäre ein Kandidat.

Was dagegen spricht: Apple würde im Prinzip eine weitere Softwareplattform pflegen müssen. Ein auf AMD laufendes macOS oder iOS 13 in der iPad-Version, das auch auf dem Macbook liefe? Vermutlich bleibt die Trennung noch eine ganze Weile bestehen: iOS für Touch-Geräte mit A-Chips und macOS für Maus/Tastatur-Rechner mit Intel-Chips.

Der letzte Wechsel des Hauptprozessors war vergleichsweise simpel, klar, das geschah ja auch im letzten Jahr vor dem iPhone und war von langer Hand vorbereitet. Am 10. Januar 2006 überbrachte der damalige Intel-Chef Paul Otellini den symbolischen ersten Wafer mit Intel-Chips dem damaligen Apple-CEO Steve Jobs auf der Bühne der Macworld Expo. Der Gag: Otellini trug einen Bunny-Suit, einen Ganzkörperanzug, der in den Reinräumen der Chipproduktion obligatorisch ist. Der Gag hinter dem Gag: Nur ein paar Jahre zuvor hatte Apple den vormaligen Konkurrenten mit einem Spot, in dem auch ein Bunny-Suit-Träger zu sehen war, Intel als Hersteller langsamer CPUs verspottet: Snail inside.

Nun aber doch Intel Inside. Und das hat mit der Abwesenheit von Steve Jobs von 1986 bis 1997 zu tun. In der Zeit hatte seine Neugründung Next Computer eben auf die CPUs aus dem Silicon Valley gesetzt, während Apple mit Motorola und IBM die PowerPC-Allianz eingegangen war. etwas mehr als zehn Jahre nach dem Wechsel von Motorolas 68k-Plattform zum PPC stand nun der erneute Wechsel bevor, hin zu Intel. Aber nicht, weil Jobs der Hersteller IBM nach wie vor verhasst war - die Gemüter hatten sich in der Zwischenzeit etwas beruhigt - sondern vor allem, weil NeXTStep, aus dem Mac-OS X geworden war, ursprünglich auf der x86-Architektur fußte. Zudem versprach Intel mehr Computerleistung bei weniger Energieaufnahme, Rechner wie das Macbook und das Macbook Air, ja selbst das Macbook Pro wären mit einem PPC kaum denkbar.

Angekündigt hatte Apple den Wechsel zu Intel schon etwas mehr als ein halbes Jahr zuvor, die tatsächlichen ersten Intel-Macs – ein iMac und das neue Macbook Pro – kamen im Januar vor 13 Jahren ein klein wenig überraschend. Umso besser für den Verkauf von Macs, zwischen Januar und Juni 2006 wären wohl kaum ernsthafte Stückzahlen von iMac und Powerbook verkauft worden, in Erwartung der neuen Intel-Maschinen.

Das wäre für Apple natürlich eine Option: Das nächste iPhone überraschend vorziehen, zumindest Teile des kommenden Portfolios. Anbieten würde sich ein 4,x-Zoll-Gerät als Nachfolger des iPhone SE. Und dazu ein leidlich weiter entwickeltes iPad 9,7 zusammen mit einem iPad 7,9 fka iPad Mini oder doch das erste Macbook mit AMD-Prozessor? Ende März wäre dafür jedenfalls ein guter Termin. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Strategiewechsel: Apple ist zwar nicht auf der CES, lässt von dort aber aufhorchen. Samsung, LG und andere unterstützen AirPlay 2 und damit die Möglichkeit, Inhalte von Apple-Geräten auf smarten TV-Apparaten abspielen zu können, bei Samsung sind Apps von Apple sogar gleich mit an Bord. Jason Snell hatte schon vergangenen Sommer prognostiziert, dass Apple seine Services öffnen müsse, um damit mehr Erfolg zu haben. Der Apple-TV-Dienst dürfe nicht auch Hardware aus Cupertino beschränkt sein, sondern auch auf Fire-TVs, Chromecasts oder den Boxen von Roku nativ laufen. Genau das dürfte der Fall sein, schließt Snell aus den Ankündigungen von Las Vegas. Apples Service-Offensive von 2019 wird das Unternehmen ein Stück weit weg von dem Image tragen, eine Firma zu sein, die nur Kisten verkauft.

Peak Smartphone : Wenn Apple wegen geringerer iPhone-Verkäufe hustet, sollte sich die gesamte Smartphoneindustrie Sorgen darüber machen, ob sie nicht bereits an Lungenentzündung erkrankt ist. So ähnlich jedenfalls beschreibt Adrian Kingsley-Hughes bei ZDNet die Situation. Apples Umsatzwarnung verbunden mit dem kolportierten zehnprozentigen Auftragsrückgang für das laufende Quartal mag für Apple und vor allem Anleger eine schlechte Nachricht sein, für den Rest der Industrie könnte sich das aber als fatal oder gar letal erweisen. Denn der Rückgang in Verkäufen zeige vor allem das Ende des Wachstums an, "Peak Smartphone" habe man bereits überschritten. Es sei fast so wie zu Zeiten des iPod, als jeder, der einen haben wollte, schon drei besaß. Nur verschwand der iPod - vor allem wegen des iPhones - im Nirgendwo, das wird dem Smartphone nicht so schnell passieren, da keine Nachfolgetechnik in Sicht sei. Das Ende des Wachstums ist aber vor allem für die Hersteller ein Problem, die anders als Apple nicht immens hohe Gewinne aus dem Geschäft gezogen haben und mit einer geringen Marge leben.

Ungewöhnlich : Preissenkungen sind immer ein probates Mittel, um die Nachfrage anzukurbeln. In der Geschichte des iPhones hat Apple lediglich ein einziges Mal zu dieser Maßnahme in Mitten eines Produktzyklus  gegriffen, als es das originale iPhone 200 US-Dollar günstiger wurde. Sonst fielen die von Apple gesetzten Preise für bestimmte Modelle nur dann, wenn es einen Nachfolger gab. Laut 9to5Mac, das sich auf Nikkei bezieht, hat Apple seinen Handelspartnern in China nun aber die Preise für die aktuellen Modelle 8, 8 Plus, XS, XS Max und XR gesenkt. Den größten Nachlass gibt es auf das XR, dessen Bruttopreis um fast 70 US-Dollar auf nunmehr 770 US-Dollar fallen soll. Die anderen Modelle erhalten eine Reduktion von 400 Yuan respektive 59 US-Dollar. Apple hatte darüber geklagt, dass aufgrund ökonomischer Umstände vor allem in China die Verkäufe schwächeln, mit einer Ausweitung der Preissenkung ist erst einmal nicht zu rechnen.

Populär: Seit das iPhone XR auf dem Markt ist, war es in jeder Woche das best verkaufte iPhone, hat Apple-CEO Tim Cook erst wieder betont. Was bedeutet das aber in absoluten Verkaufsanteilen der Generation von 2018, iPhone XS und XS Max gibt es ja sechs Wochen länger? Hierzu nennt Apple keine Zahlen, Marktforscher springen mit mehr oder weniger akkuraten Messungen und Schätzungen in die Bresche. Nach Zahlen von Mixpanel hat das iPhone XR den Vorsprung des iPhone XS bereits aufgeholt, mehr Leute nutzen das LCD-Smartphone als den direkten Nachfolger des iPhone X. Noch liegt das iPhone XS Max vor dem XR der Vorsprung schmilzt aber und wird bald aufgebraucht sein. Konkret verwenden laut Mixpanel 3,02 Prozent aller iPhone-Besitzer das iPhone XR, das XS ist bei 2,88 Prozent im Gebrauch. Die Wachstumskurve des XS Max ist weniger steil als die des XR, bald schon wird das in sechs Farben erhältliche 6,1-Zoll-Modell das 6,5-Zoll-Flaggschiff überholt haben. Das meistgenutzte iPhone ist das iPhone X mit einem Anteil von 11,71 Prozent, gefolgt vom iPhone 8 Pus mit 10.1 Prozent und dem iPhone 8 mit 9,82 Prozent.

Gesundheit: Die Apple Watch ist in der Lage, mit hoher Zuverlässigkeit Vorhofflimmern zu erkennen, bevor Patienten irgendwelche Symptome verspüren. Wie der Chefcardiologe der Mayo-Klinik Dr. Paul Friedman im Interview mit CNBC verrät, sind auf KI aufgebauten Algorithmen in der Lage, aber noch mehr Herzstörungen zu erkennen, die oft keine Symptome auslösen. Die asymptomatische Dysfunktion der linken Herzkammer oder ein schwacher Herzschlag löst meist keine Beschwerden aus, kann aber zu Kurzatmigkeit oder Wassereinlagerungen führen. Etwa sieben Millionen Amerikaner litten an der Störung, die meisten wüssten davon nicht. Mit Früherkennung kann aber rechtzeitig die medikamentöse Behandlung begonnen werden und Leben retten. Vor allem hilft hier die Apple Watch weiter, die am Handgelenk ihrer Nutzer EKGs auch außerhalb von Arztpraxen aufzeichnen kann und somit viele wertvolle Daten liefert.

Weitere Nachrichten:

Die Europäische Bankenaufsicht nimmt Kryptofirmen aufs Korn

Die europäische Bankenaufsicht EBA wird den Markt für Bitcoin und andere virtuelle Währungen demnächst näher untersuchen. Dazu wird die Aufsicht ab 2019 zahlreiche Branchenfirmen durchleuchten und die Geschäftspraktiken von Institutionen, Firmen und Zahlungsdiensten aus dem Kryptobereich überprüfen. Auch Werbepraktiken stehen dabei im Fokus: Laut EBA muss Werbung „ausbalanciert, klar und nicht irreführend“ sein.

„Unsere Warnungen an Konsumenten und Institutionen in Bezug auf virtuelle Währungen bleiben bestehen“, erklärte EBA-Exekutivdirektor Adam Farkas. Daneben werde die Aufsicht neue Marktentwicklungen, insbesondere die aus Verbrauchersicht, näher unter die Lupe nehmen. So wollen die Aufseher prüfen, ob Firmen vor Vertragsabschlüssen ausreichend über Risiken mit virtuellen Geschäften informieren und ihre Kunden dementsprechend aufklären.

Dass die EBA selbst in den Markt eingreifen möchte, ist allerdings außergewöhnlich. Normalerweise sind in der EU die nationalen Aufsichtsbehörden für die Regulierung auf den Finanzmärkten zuständig. In Deutschland sind das etwa die Bundesbank sowie die Bafin. EU-Aufseher sollen vor allem die Stabilität des Marktes beobachten.

Die EU-Mitgliedsstaaten gehen aktuell recht unterschiedlich mit den virtuellen Währungen um. Während einige Staaten relativ kritisch auf Bitcoin und Co. schauen, bewerben sich andere Staaten recht offensiv als Standorte für die Kryptobranche, so etwa Malta und Luxemburg. Die EBA will, dass die EU hier für mehr Einheitlichkeit sorgt: „Die EBA fordert die Europäische Kommission dazu auf, zu überprüfen, ob der Erlass neuer Regeln nötig ist, um einen EU-weit einheitlichen Umgang mit Kryptoassets zu erreichen“, sagt Direktor Adam Farkas.

Y-Brush: Elektrische Zahnbürste benötigt nur 10 Sekunden

Normalerweise dauert das Zähneputzen mit einer elektrischen Zahnbürste zwei Minuten. Diesen Zeitaufwand soll eine neuartige Zahnbürste deutlich reduzieren. Auf der CES 2019 wurde mit der Y-Brush eine elektrische Bürste vorgestellt, die für das Säubern der Zähne nur zehn Sekunden benötigen soll. Möglich wird dies durch eine Y-förmige Bürstensammlung, die an die Zähne gehalten wird und zur Reinigung der Zähne am Ober- und Unterkiefer dank Vibration jeweils nur fünf Sekunden benötigt. Da sich die Kiefer je nach Nutzer unterscheiden, wird die Y-Brush in unterschiedlichen Größen angeboten, darunter auch ein Modell für Kinder.

Für die Anwendung muss der Zwischenraum an der Zahnbürste mit Zahnpasta gefüllt werden. Dann hält der Nutzer die Y-Brush an den Ober- und Unterkiefer, Kaubewegungen sollen die Reinigung zusätzlich verbessern. Gutachten zur Reinigungsleistung von Zahnärzten oder zahnärztlichen Vereinigungen liegen noch nicht vor. Daher sollte die vermeintliche Zeitersparnis nicht zu einem unkritischen Kauf verleiten. Bislang kann die Y-Brush lediglich vorbestellt werden, die Auslieferung soll im April 2019 erfolgen. Die Zeitersparnis beim Zähneputzen hat zudem ihren Preis: Die Y-Brush kostet zur Markteinführung 125 US-Dollar.

Smart Clock: Smarter Wecker mit Google Assistant von Lenovo

In Kooperation mit Google hat Lenovo eine Alternative zu Amazons Echo Spot entwickelt. Die Mischung aus Wecker und Google-Assistant-Lautsprecher trägt den Namen Smart Clock und wurde in dieser Woche im Rahmen der CES 2019 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das trapezförmig Gadget verfügt über ein Touch-Farbdisplay im 4-Zoll-Format mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln, auf dem standardmäßig die Uhrzeit in unterschiedlichen Ziffernblatt-Designs angezeigt wird. Neben der Stummschalttaste, die eher unpraktisch an der Rückseite angebracht ist, verfügt die Smart Clock über zwei Lautstärke-Buttons an der Oberseite.

Über die Integration des Google Assistant reagiert der smarte Wecker auf Sprachbefehle. Wie bei ähnlichen Lautsprechern ist auch hier die Ausführung von tageszeitabhängigen Routinen möglich. Die Steuerung weiterer Assistant-Lautsprecher in einer Multiroom-Konfiguration macht Lenovo ebenfalls möglich. Über eine Kamera verfügt die Smart Clock zwar nicht, dafür hat Lenovo an einen USB-Anschluss gedacht, über den beispielsweise das Smartphone geladen werden kann. Der Release der Lenovo Smart Clock ist im Frühjahr 2019 vorerst nur in den USA geplant. Dort kostet das Gadget rund 80 US-Dollar. Zu einer möglichen Veröffentlichung in Deutschland macht Lenovo noch keine Angaben.

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