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Morgenmagazin vom Donnerstag, 13. Dezember 2018

13.12.2018 | 06:59 Uhr |

Apple will Texture im Frühjahr 2019 neu starten +++ Fabrikverlagerung erst bei 25 Prozent Strafzoll notwendig +++ Verkaufsverbot in China betrifft nur iOS 11 +++ Microsoft Office für Mac jetzt mit Dark Mode +++ Microsoft-Chef beliebter als CEOs von Facebook, Apple, Amazon +++ Google übergibt Duck.com an DuckDuckGo

13. Dezember: Licht in allen Frequenzen

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Am 13. Dezember ist die dunkelste Nacht des Jahres. Nun ja, zumindest war das in Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland bis zum Jahre 1752 der Fall. Der Grund: Während der meist katholische Süden Europas bis weit hinauf nördlich der Alpen schon im Jahre 1582 von julianischen auf gregorianischen Kalender umgestellt hat, schaltete der protestantische Norden erst 170 Jahre später um - das orthodoxe Zarenreich ja gar nicht mehr, das erledigten dann die Bolschewiki, welche zuvor den Zaren erledigt hatten.

Der Unterschied der Kalendersysteme: Das julianische Jahr ist mit seinen regelmäßigen Schaltjahren im Schnitt 365,25 Jahre lang. Das tropische Jahr der Erde, als die komplette Runde um die Sonne, ist aber nur 365,242 Jahre lang. Sprich: In vierhundert Jahren muss dreimal der Schalttag entfallen, damit man ungefähr hinkommt. Das war der Inhalt der Kalenderreform unter Papst Gregor, die Jahre 1700, 1800 und 1900 waren keine Schaltjahre, nur 1600 und 2000 waren es. Da aber davor der Fehler nicht korrigiert war, rückte nicht nur der Frühlingsanfang immer näher an den Februar heran, sondern auch Weihnachten in Richtung Mitte Dezember. Bis es zu Beginn in der Neuzeit auf den 13. Dezember fiel, den Feiertag der Heiligen Lucia.

In Nordeuropa wird Weihnachten zwar heutzutage auch ab dem 24. Dezember gefeiert, Sankt Lucia bleibt aber ein wichtiges Lichterfest, das die Wintersonnenwende markieren soll - die ja nun erst ein paar Tage später im Kalender passiert. Aber man kann sich durchaus schon heute auf die Rückkehr des Lichtes freuen, selbst, wenn es noch weitere acht Tage lang schwinden wird.

Licht, so weiß man auch erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts, ist ja nichts weiter als eine elektromagnetische Welle. Das sichtbare Spektrum reicht von etwa 400 bis 750 Nanometer, kürzeres Licht ist ultraviolett oder Röntgenstrahl, langwelligeres ist Mikrowelle und wird meist mit seiner Frequenz charakterisiert, etwa 2,4 GHz für Bluetooth und WLAN. Dass sich Funkwellen aber genau wie Licht verhalten, hatte erst James Clark Maxwell aus seinen Feldgleichungen des Elektromagnetismus schließen können. Denn kombiniert man diese, kommt man auf eine Wellengleichung als Lösung, auf Wellen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen.

Der experimentelle Nachweis von elektromagnetischen Wellen gelang aber erst mehr als zwanzig Jahre nach Niederschrift der Maxwell'schen Gleichungen und ihrer Prognose, und zwar im Jahr 1886. Bis zum 13. Dezember 1888 wartete der Entdecker aber mit der Präsentation seiner Ergebnisse. Sein Name: Heinrich Hertz.

Die Berliner Akademie der Wissenschaften erfuhren an jenem Tag vor 130 Jahren von den Experimenten und ihren Ergebnissen. Von einem elektrischen Dipol ausgesandte Wellen konnte ein anderer Empfangen, auf dem Weg dorthin ließen sich die Wellen brechen, reflektieren und polarisieren - genau so wie das sichtbare Licht. Der Titel der Arbeit: "Über Strahlen elektrischer Kraft". Hertz ist seither die Einheit für Schwingungen aller Art, nicht nur der von elektromagnetischen Wellen. Ein Hertz ist eine Schwingung pro Sekunde, wenn wir aber an die Wellen unseres WLANs sprechen, sagen wir aber eben 2,4 GHz und nicht "2,4 Milliarden pro Sekunde". Das sind im Übrigen auch nicht die Dollars, die Apple verdient, auch wenn das auf den ersten Blick so aussehen mag... Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Neues Angebot: Laut Bloomberg will Apple den Dienst Texture - eine Art Flatrate für Zeitungen und Zeitschriften in digitaler Form - im Frühjahr 2019 zurückbringen und als Premium-Content für seine News-App anbieten. Das Abo soll 10 US-Dollar im Monat kosten und dafür uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten von etwa New York Times, Wall Street Journal oder dem Rolling Stone bieten. Die Inhalte werden dabei neue formatiert und nicht wie bisher einfach als Faksimilie der Zeitungs- oder Zeitschriftenseiten gezeigt. Noch seien die Verhandlungen nicht abgeschlossen und die Pläne nicht finalisiert, Publisher bekommen von den Gebühren nur einen geringen teil ab, da sich der Nicht-Apple-Anteil der 10 US-Dollar auf viele Zeitungen und Magazin verteilt und die Verlage je nach Lesedauer und Häufigkeit vergütet werden. Doch Apple kann vor allem eine große Masse an Lesern anbieten: Die News-App ist auf allen iOS-Geräten im englischsprachigen Raum auf iOS-Geräten installiert, hinzu kommen dort Macs unter macOS Mojave. Anderswo auf der Welt fehlt die Nes-App noch, Apple bietet hier nur das Widget an, über das man vereinzelt auf interessante Artikel im Web stößt. Texture hatte vor der Übernahme Anfang 2018 etwa 200.000 Abonnenten und zahlte 15 Millionen US-Dollar an Verlage aus, Apple dürfte mit zehnfach höheren Zahlen locken - und tendentiell weltweitem Publikum, was wiederum für Lokalzeitungen eher uninteressant sein dürfte.

Schräger Vergleich : Schon lange nichts mehr vom iPad Mini gehört. Ming-Chi Kuo rechnet zwar mit der fünften Generation des kleinen Tablets im kommenden Jahr, aber eigentlich hat Apple schon einen hochaktuellen iPad Mini im Angebot, meint Leif Johnson : Das iPhone XS Max. Mit seinen 6,5 Zoll Bildschirmdiagonale reicht es schon beinahe an die 7,9 Zoll des kleinen Tablets heran, der Chip A12 Bionic ist nicht nur um vier Generation neuer als der A8 im iPad Mini, sondern auch um Welten besser. Und wie das kleine iPad eignet sich das iPhone XS Max eher für den Konsum von Medien als für lange Arbeiten mit viel Tipperei. Was aber auch unser Macworld-Kollege weiß: Der Preis des iPhone XS Max ist alles andere als Mini. So geht das Warten auf den Nachfolger im kleinen Tablet-Segment also weiter.

Bilanz: Das Jahr geht zu Ende und damit ist unvermeidlich die Zeit der Jahresrückblicke angebrochen - wir warten wie jedes Jahr damit noch auf die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig, kümmern uns dann aber ausführlich um die Rückschau. Unser Macworld-Kollege Jason Cross fasst seine Eindrücke von 2018 bereits heute kompakt zusammen und kommt zu dem Fazit, dass das zu Ende gehende Jahr eher so "Meh" war, ein Jahr der vorhersagbaren Updates und der hohen Preise. Sicher, da waren große Updates für iPad Pro und Apple Watch, dafür kleinere für das iPad und die iPhones. Endlich wieder neue Mac Mini und Macbook Air, dafür ein eher enttäuschender HomePod: "Der kleine Lautsprecher, der es nicht konnte". Und vor allem ist alles teurer geworden - diese Beobachtung ist aber unbestreitbar korrekt und passt zu Apples Strategie des Umsatzwachstums bei stagnierenden oder gar rückläufigen Hardwareverkäufen.

Abwarten : Apple schiebt noch keine Panik, was die mögliche Erhebung von Strafzöllen auf in China gefertigte Smartphones und Laptops betrifft. Die Zulieferer des Konzerns überlegen zwar, die Produktion in andere Länder zu verlagern, Foxconn hatte bereits Vietnam ins Auge gefasst. Doch wolle man in Cupertino erst einmal abwarten, wie weit der Handelsstreit eskaliere, berichtet Bloomberg unter Bezug auf informierte Quellen. Aufschläge von rund 10 Prozent könne man kompensieren, wenn der Strafzoll aber auf 25 Prozent steige, müsse man die Verlagerung angehen. Den Gewinn pro Aktie würde ein Plus von 10 Prozent auf die Einfuhr um 1 US-Dollar senken, rechnen Analysten aus. Bei 25 Prozent wären es aber 2,50 US-Dollar pro Aktie und somit kaum noch akzeptabel.

Nutzlos: Das von Qualcomm erwirkte Verkaufsverbot von iPhones in China ist recht wirkungslos, da es sich auf Smartphones mit iOS 11 beziehe, berichtet Paul Thurrott . Die aktuell gehandelten Modelle iPhone XS, XS Max, XR, 7 / 7 Plus und 8 / 8 Plus kommen aber seit September mit iOS 12 zur Auslieferung. Apple hatte auch bereits vermeldet, dass das Urteil keine Auswirkungen auf das Chinageschäft habe und alle Geräte weiterhin im Handel verfügbar blieben. Laut Qualcomm handelt es sich hier aber um einen Rechtsbruch, da Apple trotz der gerichtlichen Anordnung seine Telefone weiter verkaufe. Apple hingegen hält nicht nur das Urteil mit einem bequemen Ausweg ausgestattet, sondern Qualcomms Vorgehen insgesamt für lächerlich: "Qualcooms Versuch, unsere Produkte verbieten zu lassen, ist ein weiterer verzweifelter Versuch einer Firma, deren illegale Praktiken weltweit von Regulierungsbehörden untersucht werden." Ein möglicher gütlicher Vergleich der beiden Firmen, den jüngst der Qualcom-CEO herbeireden wollte, scheint wieder in weite Ferne gerückt.

Weitere Nachrichten:

Microsoft Office für Mac jetzt mit Dark Mode

Microsoft hat für sein Office-365-Paket ein Update für Macs veröffentlicht. Die Aktualisierung bindet den seit macOS Mojave in das Betriebssystem integrierten Dark Mode auch in die hauseigene Bürosoftware ein. Dadurch lassen sich die Fenster in einen Nachtmodus umschalten, der in den Abendstunden die Augen schonen soll. Der Dark Mode steht dadurch in Word, Excel, Powerpoint und Outlook zur Verfügung. Zur Nutzung ist jedoch ein Mac mit Mojave als Betriebssystem nötig, frühere Versionen unterstützen den Nachtmodus nicht.

Das Update sorgt außerdem für die Unterstützung von Apples Continuity Camera. Damit lassen sich per iPhone aufgenommene Fotos besonders einfach in PowerPoint und Word einbauen. Zudem integriert Microsoft mit dem Update eine bessere Kontrolle der Grammatik und unterschiedlicher Schreibweisen. In Outlook lassen sich Kalender zusätzlich einfacher teilen, Termine in unterschiedlichen Zeitzonen sind besser ablesbar und es lässt sich einsehen, wer einen Termin im Kalender noch besucht. Das Update auf Version 16.20.18120801 steht ab sofort kostenlos für alle Abonnenten von Office 365 zum Download bereit. Das Office-Paket für iOS erhält im Gegenzug ebenfalls ein Update, welches aber nur kleine Änderungen bereithält. 

Microsoft-Chef beliebter als CEOs von Facebook, Apple, Amazon

Der beste CEO eines großen US-Unternehmens ist... Microsoft-Chef Satya Nadella. Das meldet Comparably.com, eine Website, die anonymisiert das Wohlbefinden von Arbeitnehmern analysiert. Für den diesjährigen "Best CEO"-Award wurden anonymisiert die Mitarbeiter der 50 größten US-Unternehmen befragt, also von Unternehmen, die jeweils mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen. Ausgewertet wurde, wie die Mitarbeiter ihre CEOs bewerteten. Insgesamt wurden 10 Millionen Ratings von über 50.000 US-Unternehmen ausgewertet.

Auf dem ersten Platz landete also der indisch-stämmige Microsoft-Chef Satya Nadella. Auf dem zweiten Platz folgt Craig Menear, der die US-Baumarkt-Kette The Home Depot leitet. Über den dritten Platz kann sich Google-Chef Sundar Pichai freuen. Die Platzierungen der anderen IT-Größen:

  • Platz 4: Brand Smith, Intuit

  • Platz 6: Jeff Bezos, Amazon

  • Platz 12: Tim Cook, Apple

  • Platz 25: Michael Dell, Dell

  • Platz 32: Reed Hastings, Netflix

  • Platz 33: Mark Zuckerberg, Facebook

Die komplette Top 50 der besten CEOs großer US-Unternehmen finden Sie auf dieser Seite.

Google übergibt Duck.com an DuckDuckGo

Die auf Privatsphäre ausgerichtete Suchmaschine DuckDuckGo hat von Google die Internetadresse Duck.com erhalten . Die gut einprägsame URL soll die Auffindbarkeit der alternativen Suchmaschine verbessern. Die Adresse war seit der Übernahme von On2 Technologies im Jahr 2010 (vormals The Duck Corporation) im Besitz von Google. Ob sich Google den Transfer hat bezahlen lassen, ist nicht bekannt. Es könnte auch sein, dass der Suchmaschinenriese die URL kostenlos an DuckDuckGo abgetreten hat.

Bei den Betreibern von DuckDuckGo führte der Umstand, dass die Eingabe von Duck.com bislang auf die Google-Suchmaschine führte, lange Zeit für Unmut. Google reagierte im Juli mit einem Link zu DuckDuckGo auf der Seite von Duck.com. Nun führt die URL direkt zur Suchmaschine DuckDuckGo. Google besitzt derzeit mehrere Hundert bis mehrere Tausend Internetadressen. Darunter befinden sich Adressen, die Tippfehler wie Gogole.com oder Googil.com umfassen, aber auch Gmail.com, Chrome.com oder Zero.com und Like.com befinden sich im Besitz des Konzerns. Die Übergabe von Duck.com – ob nun bezahlt oder unentgeltlich – an DuckDuckGo wird als Einlenken gewertet. Schließlich stehen die beiden Suchmaschinen in direkter Konkurrenz zueinander. 

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