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Morgenmagazin vom Donnerstag, 12. Juli 2018

12.07.2018 | 06:56 Uhr |

Kuo: Mac Mini im Herbst, Apple-Watch-Display wird größer +++ Sonos unterstützt Airplay 2 +++ Patenttroll verklagt Apple +++ Ex-Apple-Mitarbeiter wegen Wirtschaftsspionage angeklagt +++ Datenskandal: Facebook droht Höchststrafe in Großbritannien +++ Leihrad-Anbieter Obike nach nur einem Jahr pleite +++ Youtube: App bekommt Inkognito-Modus

12. Juli: Kein Moos angesetzt

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Wer sich an die sechziger Jahre erinnern kann, der war nicht dabei. Insofern können wir, die 60er um ein paar Wochen verpasst, ganz gut abschätzen, wie das damals alles war, besser als so manche Zeitzeugen. Natürlich nicht, aber ein Zeitzeuge eines bedeutenden historischen Ereignisses vom 12. Juli 1962 bestreitet hartnäckig, dabei gewesen zu sein. Vermutlich kann er sich nur nicht mehr erinnern.

Die Rede ist vom Schlagzeuger Mick Avory, eines der Gründungsmitglieder der Kinks, war nach übereinstimmenden Zeugenaussagen in jener Besetzung zugange, die an jenem Sommerabend im Marquee Club in London ihren ersten Auftritt hatte. Die anderen jungen Leute hießen Dick Taylor, Ian Stewaert, Brian Jones, Mick Jagger und Keith Richards. Gerade letzterer behauptet in seiner Autobiographie steif und fest, dass Mick Avory auch Gründungsmitglied der Rolling Stones war, die sich damals noch The Rollin' Stones ohne g nannten, das kam erst später dazu. Ebenso ein zweiter glaubwürdiger Zeuge, der langjährige Bassist Bill Wyman. Nur Avory ist sich sicher, niemals mit den Rolling Stones gespielt zu haben.

Diese haben ihren Namen vermutlich von einem Song, was auch die Schreibweise widerspiegelt. Das war aber keineswegs Bob Dylans "Like A Rolling Stone", denn der kam erst 1965 heraus, also drei Jahre später. Sondern der Rollin' Stone Blues von Muddy Waters. Beide Songs beziehen sich aber auf die gleiche Redensart: "A rolling stone gathers no moss" - "ein herum rollender Stein setzt kein Moos an. " - im Sinne von: Ein Herumtreiber wird niemals alt.

Das gilt auch für Richards, Jagger, Wyman und die später dazu gestoßenen Ron Wood und Charlie Watts. Es sind ja nur Zahlen: Mick Jagger wird in zwei Wochen 75 Jahre alt, Keith Richards im Dezember. Bill Wyman, auch schon seit Jahrzehnten kein aktiver Stone mehr,  treibt sich mit seinen 82 Jahren noch auf Bühnen und in Tonstudios herum. Blues konserviert und Rock'n'Roll will never die. Solange man sich an ihn erinnert. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Totgesagte leben länger: Apple wird noch in diesem Jahr einen neuen Mac Mini bringen, ist sich der meist gut informierte Analyst Ming-Chi Kuo sicher. Details nannte er zwar nicht zu dem neuen oder aktualisierten Modell, doch allein die Erwähnung einer solchen Maschine in einer Anlegernotiz elektrisiert. Den Mac Mini hat Apple nun seit 1365 Tagen, seit Oktober 2014, nicht mehr aktualisiert und auch die damaligen Änderungen waren eher bescheiden, so dass der Mac Mini effektiv aus dem Jahr 2012 stammt. Kuo sagt zudem ein günstiges Einsteigernotebook voraus, was ein erneuertes Macbook Air sein könnte, das Apple auch schon seit geraumer Zeit nicht mehr angefasst. Die iMacs des Modelljahres 2018 sollen zudem signifikante Verbesserungen beim Bildschirm erhalten, was Spekulationen über OLED blühen lässt, denn an den 4K- und 5K-Monitoren der aktuellen Modelle ist nicht mehr viel zu verbessern, allenfalls noch Dolby Vision und HDR wären Optionen. Auch Macbook und Macbook Pro sollen neue Versionen bekommen, die Änderungen sich aber im Wesentlichen auf neue Chips beschränken.

Mehr Platz: Auch über die kommende Apple Watch Series 4 will Kuo Informationen haben. Diese soll ebenfalls im Herbst kommen, aller Voraussicht nach wird Apple sie zusammen mit neuen iPhones und iPads im September zeigen. Erstmals ändere Apple die Displaygrößen, das kleinere Modell wächst dabei von 38 auf 39,9 Millimeter, die große Apple Watch von 42 auf 45,2 Millimeter. Das würden 11 respektive 16 Prozent mehr Fläche bedeuten. Apple werde auch die Batterielaufzeit verbessern, unklar ist aber, ob das mit einem größeren Akku oder einem Verbesserten SoC passieren wird - oder Apple an beiden Parametern schraubt. Unwahrscheinlich ist aber, dass Apple die Größe des Gehäuses ändert, alle bisher verkauften Armbänder könnten dann inkompatibel werden. Stattdessen dürften die Rahmen der Uhr schrumpfen. Was nicht nur Kuo erwartet, sind neue Gesundheitssensoren in der Uhr selbst oder in Zubehör ausgelagert.

Big in Japan : Apple muss auf Beschwerden der Handelsbehörde hin in Japan seine Kooperationsverträge mit den drei größten Telekomprovidern des Landes überprüfen und womöglich ändern. Der Vorwurf: Apple habe NTT Docomo, KDDI und Softbank dazu gezwungen, iPhones zu niedrigen Preisen zu verkaufen, dafür aber hohe Gebühren für Laufzeitverträge zu kassieren. Dies würde den Kunden keine Wahlfreiheit lassen.

Mit dabei: Sonos-Lautsprecher werden dank Airplay 2 und eines Firmwareupdates mit der Home-App auf iOS kompatibel. Airplay 2 arbeitet mit den Modellen Beam, Sonos One, Playbase und den Play:5-Speakern der zweiten Generation. In ein Multiroom-System lassen sich von iPhone und iPad Sonos-Lautsprecher einbinden und da diese mit Alexa kompatibel sind, haben Anwender bei der Sprachsteuerung nun mehr Auswahl. Das Sonos-Update erhält man über die iOS-App für den Lautsprecher.

Klage : Mit iOS 11 kam das sinnvolle Feature "Beim Fahren nicht Stören" auf das iPhone, das Ablenkungen unterwegs minimiert. Der Patenttroll SMTM Technology, der keine eigenen Produkte herstellt, hat nun Apple wegen Verletzung eines 2013 eingereichten und 2015 gewährten Patents verklagt: "Mobile device inactive mode and inactive mode verification" trägt die Schutzschrift als Titel. SMTM habe das dem Erfinder Nick Bovis abgekauft und beklagt nun, dass Apple es nicht in Lizenz nehmen wollte und mit Absicht das Patent verletze, das für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen soll. Eingereicht hat SMTM die Klage in San Francisco und nicht am Gerichtsbezirk von Ost-Texas, der für seine Patenttrolle begünstigende Rechtssprechung bekannt ist. Der Kläger scheint sich also recht sicher zu sein.

Kleines Update: Nutzer der dritten Entwickler-Beta von macOS 10.14 Mojave erhalten ein kleines Update für das System, das lediglich einen Fehler im Feddback-Assistenten behebt, der abstürzen konnte. Die Versionsnummer ändert sich nur geringfügig von 18A326g auf 18A326h.

Weitere Nachrichten:

Ex-Apple-Mitarbeiter wegen Wirtschaftsspionage angeklagt

Das FBI hat Anklage gegen den ehemaligen Apple-Mitarbeiter Xiaolang Zhang erhoben . Zhang soll Firmengeheimnisse aus Apples Projekt für die Entwicklung eines autonomen Autos gestohlen haben, um einen Job beim chinesischen Startup Xiaopeng Motors zu bekommen. Der Beschuldigte, der von Dezember 2015 bis Mai 2018 für Apple gearbeitet hatte, wurde am vergangenen Wochenende festgenommen, als er die USA verlassen wollte. Für den Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen drohen ihm nun zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 250.000 US-Dollar.

Wie aus der Klageschrift hervorgeht, hatte Zhang bei Apple im Rahmen des Automomen-Fahrzeug-Projekts Leiterplatten entworfen und getestet. Als er Ende April aus dem Vaterschaftsurlaub zurückgekehrte, hatte er bei seinem Vorgesetzten die Kündigung eingereicht, um sich eigenen Aussagen zufolge um seine kranke Mutter in China zu kümmern. Im Gespräch gab Zhang außerdem zu, dass er dort für das E-Auto-Startup Xiaopeng Motors arbeiten wolle.

Im Gespräch sei ein Apple-Mitarbeiter der Product Security Division eingeschaltet worden. Zhang sollte im Zuge der Kündigung seinen Arbeitshardware in Form eines Laptops und zwei Smartphones abgeben. Im Anschluss wurden die Geräte auf verdächtige Netzwerk-Aktivitäten untersucht – die Apple-Mitarbeiter wurden fündig. Zhang hatte kurz vor seiner Kündigung unzählige Dokumente und Dateien, auch aus vertraulichen Datenbanken auf die der Mitarbeiter Zugang hatte, heruntergeladen.

Als Apple Zhang mit dem Fund konfrontierte, räumte er ein, Daten, Leiterplatten und einen Linux-Server aus dem Auto-Labor gestohlen zu haben. Auf dem Laptop seiner Frau fanden die Apple-Mitarbeiten weitere 40 GB teilweise sensibler Daten. Apple gab den Fund an das FBI weiter, das eine Hausdurchsuchung anordnete. Zhang wurde schließlich am 7. Juli am San Jose International Airport verhaftet, als er gerade nach Beijing fliegen wollte.

Datenskandal: Facebook droht Höchststrafe in Großbritannien

Die britische Datenschutzbehörde ICO will den US-Konzern Facebook im Datenskandal mit dem Analyse-Unternehmen Cambridge Analytica für die unzulässige Verarbeitung persönlicher Daten von britischen Facebook-Nutzern bestrafen. Das Behörde teilte heute mit, dass die mehrmonatige Untersuchung der Vorfälle nun abgeschlossen sei.

In einer 22 Seiten umfassenden Absichtserklärung will ICO die Höchststrafe in Höhe von 500.000 Britischen Pfund (umgerechnet rund 565.000 Euro) gegen Facebook verhängen. Facebook hat bis nächste Woche Zeit, eine Stellungnahme abzugeben. Im Anschluss wird die britische Datenschutzbehörde darüber entscheiden, ob Facebook die Höchststrafe zahlen muss oder ein geringeres Bußgeld verhängt wird.

Wie ICO in der Absichtserklärung ausführt, hat Facebook bei der unzulässigen Weitergabe von Nutzerdaten an Cambridge Analytica gegen zwei Prinzipien des britischen Datenschutzgesetzes verstoßen. So seien keine angemessenen technischen und organisatorischen Maßnahmen gegen die unautorisierte und ungesetzliche Verarbeitung personenbezogener Daten getroffen worden. Facebook habe sich außerdem nicht an den Grundsatz der „fairen und gesetzlichen“ Verarbeitung von Daten gehalten.

Der britische Forscher Alexander Kogan habe über eine App Zugriff auf die Facebook-Profile von britischen Nutzern und deren Freunde erlangt. Damit habe Kogan gegen insgesamt vier Facebook-Richtlinien verstoßen, was jedoch seitens Facebook keine Konsequenzen für den Forscher gehabt habe.

Während Facebook behauptet, die umstrittene App habe auf die Daten von rund 1.040 Briten zugegriffen, stuft ICO diese Zahlen als falsch ein. Laut den Datenschützern soll etwa eine Million britische Facebook-Nutzer betroffen sein.

Leihrad-Anbieter Obike nach nur einem Jahr pleite

2017 wollte der Leihrad-Anbieter Obike aus Singapur in Deutschland und den Niederlanden durchstarten. In mehreren Großstädten stellte das Unternehmen gelbe Fahrräder auf, die Nutzer gegen Gebühr ausleihen konnten. Aktuellen Medienberichten zufolge ist Obike nun nach nur einem Jahr Geschäftstätigkeit pleite.

Dieser Umstand stellt Kunden und die Städte, in denen Obike seine Leihräder aufgestellt hat, vor kleine und große Probleme. In Deutschland und den Niederladen stehen nun mehr als 30.000 Fahrräder, für die aktuell niemand mehr zuständig ist. Wie Florian Paul, Fahrradbeauftragter der Stadt München, gegenüber Spiegel Online erklärt, sei bei Obike seit Wochen und Monaten niemand mehr zu erreichen, der sich um die Entfernung der Räder kümmere.

In einer Lagerhalle in Hamburg warten seit November 2017 ebenfalls 10.000 Obike-Fahrräder vergeblich auf ihren Einsatz. Die Miete für die Lagerung zahlt Obike nicht mehr. Der Vermieter sitzt inzwischen auf Forderungen in Höhe von 35.000 Euro. Obike-Kunden in Singapur und Europa warten zudem vergeblich auf die Rückzahlung ihrer Kaution, die sie für die Nutzung der Obike-Räder entrichten mussten. Kautionsgebühren in Höhe von vier Millionen Euro soll Obike bisher nicht zurückgezahlt haben. Um die Leihräder in den Großstädten wieder einzusammeln, hat Obike inzwischen einen Deal mit Umzug24 vereinbart. Alle Räder die das Unternehmen von den Straßen entfernt, darf Umzug24 behalten.

Youtube: App bekommt Inkognito-Modus

In der Android-Version von YouTube findet sich ab sofort ein Inkognito-Modus . Ob dieser auch in die iOS-Version integriert wird, steht leider noch nicht fest. Wird der Inkognitomodus aktiviert, so speichert YouTube das angeschaute Video nicht mehr im Verlauf. Zudem werden die so angeschauten Inhalte nicht mehr für Empfehlungen innerhalb der App genutzt. Videos mit Altersverifikation sind jedoch im Inkognito-Modus grundsätzlich nicht aufrufbar.

Der Inkognito-Modus soll YouTube so nutzbar machen, als wäre der Nutzer nicht angemeldet. Auch die abonnierten Kanäle tauchen in dieser Ansicht nicht auf. Das Hinzufügen neuer Abos ist hier ebenfalls nicht möglich, genauso wie das Schreiben von Bewertungen und Kommentaren. Das Plus an Privatsphäre sorgt also auch für einige Einschränkungen bei der Nutzung. Aktivieren lässt sich der private Modus mit einem Antippen des Konto-Symbols am rechten, oberen Bildschirmrand. In diesem Menü kann der Inkognito-Modus aktiviert werden. Das Abschalten der Funktion ist an der gleichen Stelle möglich. Zudem informiert ein Hinweis im unteren Bereich ständig darüber, dass der Inkognito-Modus aktiv ist. Sogar im Vollbildmodus blendet Google diese Info ein. Damit soll wohl verhindert werden, dass Nutzer die App versehentlich im Inkognito-Modus betreiben und dadurch keine Abos mehr nutzen können.

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