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Morgenmagazin vom Donnerstag, 14. Februar 2019

14.02.2019 | 06:56 Uhr |

Hollywood-Prominenz zu Apples Keynote eingeladen +++ Apple Store: Zurück zur Genius Bar +++ Apples Probleme mit Reparaturen in Indien +++ Hacker entführt E-Scooter per Bluetooth-Lücke +++ US-Army: Neues Gewehr wird "iPhone des Todes" +++ Russland will sich vom globalen Internet abkapseln

14. Februar: Sankt Valentin

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Liebe Liebenden … Geben Sie's zu: soeben hatten Sie die Stimme von Bastian Pastewka als Brisko Schneider im Ohr. Aber vielleicht auch schon die Nase voll von all den Hinweisen auf den heutigen Valentinstag. Man könnte meinen, dieser wäre von der Internationalen Vereinigung der Blumenhändler (IVB)  oder der Allschweizer Schoggi-Industrie (ASI) erfunden worden, um die Umsatzflaute zwischen Weihnachten und Muttertag zu überbrücken, aber weit gefehlt: Der an einen oder mehrere Heilige Valentin erinnernde Gedenktag stammt aus dem fünften Jahrhundert. Erst vor 50 Jahren strich in Rom aus dem Generalkalender, also praktisch gestern, in kirchlichen Zeiträumen ausgedrückt. Jener Ur-Valentin soll zu Lebzeiten widerrechtlich Soldaten getraut und dafür letztlich den Kopf verloren haben, in einem letzten Brief vor der Hinrichtung schrieb er der Tochter des Aufsehers, die er angeblich von ihrer Blindheit geheilt hatte  - die erste Valentinskarte. Sie haben hoffentlich weit weniger dramatische Karten erhalten oder verfasst - oder es ganz bleiben lassen. Unter Liebenden schenkt man sich auch besser Respekt und Verständnis statt Blumen, denn letztere verwelken nach ein paar Tagen, ersteres sollte ein Leben lang halten.

Widmen wir uns lieber unserer Liebe zum Mac, die im Idealfall auch ein Leben lang halten soll. Der 14. Februar steht im Generalkalender von Cupertino als Datum des versuchten Aufbruchs in neue Welten, die nie zuvor ein Macianer betreten hatte. So wurde das letztlich gescheiterte Projekt auch Star Trek genannt, es war der Versuch, das seinerzeitige Mac-Betriebssystem für Intel-Prozessoren umzubauen. Der Plan damals war verwegen: Apple wollte sich vom Hardware- zum Softwarehersteller wandeln und der Konkurrenz von Microsoft nicht mehr allein das Geschäft mit Betriebssystemen für "IBM-kompatible" (IBM heißt übrgines erst seit dem 14. Februar 1924 auch so, als Akronym für International Business Machines) überlassen.

Schon ein paar Jahre zuvor hatte Apple das vergeblich versucht, auch Star Trek verlief in den unendlichen Weiten des Weltraums. Vor allem, weil an der Unternehmensspitze die Unterstützung abhanden kam, auf den "Trekkie" John Sculley folgte kurzzeitig Michael Spindler, der vom PowerPC mehr angetan war - auch hierfür musste das Betriebssystem umgebaut werden.

Dennoch arbeiten heute die meisten von uns an einem Intel-Mac, mit einem Umweg hat der Umstieg ab 2006 dann doch noch geklappt. Erst musste aber in Cupertino die Erkenntnis reifen, dass alle Liebesmüh mit dem mittlerweile MacOS genannten System vergeblich war und man ein besseres zukaufen musste. Dieses fand man in NextStep/Openstep der Firma Next, die man mitsamt Steve Jobs zurückholte - NextStep war ursprünglich auf die Intel-Plattform angepasst, musste bei Apple aber noch ein gut fünfjährigs Intermezzo für den PowerPC geben. Nicht nur Valentinsrosen sind dornig. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Neue Besen: Jason Snell begrüßt in seiner Macworld-Kolumne "More Color" den Wechsel an der Spitze von Apple Retail, im April wird Deirdre O'Brien auf Angela Ahrendts folgen. Letztere habe zwar Wesentliches für den Apple Store geleistet und wahrscheinlich genau das erledigt, wofür sie vor fünf Jahren geheuert wurde. Doch mögen auch ihre Erfahrungen aus der Modewelt insbesondere den Verkauf der Apple Watch in den Stores zum Erlebnis gemacht haben, verlor der Store in den letzten Jahren doch einige seiner Alleinstellungsmerkmale, die ihn einst wider Erwarten erfolgreich werden ließen. So besteht die Hoffnung, dass O'Brien und ihr Team wieder die Geniusbar besser zur Geltung kommen lassen und damit die After-Sales-Services, die zuletzt gelitten hätten. Vor allem den Ansturm auf das Batterie-Austausch-Programm in Folge von "Throttlegate" habe die Stores kalt erwischt und überfordert. So sei es kein großer Spaß, insbesondere in den kleineren Stores einkaufen zu gehen.

Schlechtes Image: Vielleicht sollte Apple sich bemühen, so bald wie möglich Stores in Indien zu eröffnen, denn deren Fehlen hat bisher fatale Auswirkungen auf die dortigen Marktchancen. Es ist ja nicht so, dass Apple keine iPhones im Land verkaufe, einige Modelle lässt Cupertino vor Ort gar produzieren. Das Problem kommt dann im After-Sales-Services, respektive bei notwendigen Reparaturen wie dem Akkutausch. BuzzFeed News zeigt in einem Bericht auf, wie vernachlässigt sich Apple-Kunden in Indien fühlen, anders als in anderen Weltgegenden ist die Kundenzufriedenheit mit Apple bemerkenswert gering. Apple verlässt sich bisher nur auf Authorized Service Providers, die zwar iPhone und Co. ohne Verlust der Garantie öffnen und reparieren dürfen, jedoch ihre eigenen Qualitätsmaßstäbe und Preise setzen. Konkurrenten wie Samsung und der chinesische Hersteller Xiaomi kommen auf höhere Werte bei der Kundenzufriedenheit.

Großer Bahnhof: Am Montag, den 25. März soll nun auf einem Special Event der Startschuss für Apples Videoservice fallen, berichtet Bloomberg. Apple karrt dazu jede Menge Hollywood-Prominenz an, auf der Gästeliste sollen etwa  Jennifer Aniston, Reese Witherspoon, Jennifer Garner und der Regisseur JJ Abrams stehen, die alle für exklusive Inhalte verantwortlich sind, die Apple im Rahmen seines Dienstes anbietet. Erhältlich seien diese über eine neue Version der bekannten TV-App, über die man auch Zugriff auf die Abo-Angebote von anderen erhalten wird. Beim Start fehlen aber einige Schwergewichte wie Netflix, Hulu oder HBO, für diese benötigt man weiterhin eigene Apps auf dem Apple TV, iPad oder Mac. Der Start wird im Frühsommer erfolgen. Bloomberg erwähnt ebenso das News-Abo, das Apple anbieten und am 25. März vorstellen wird.

Mehr Sicherheit: Ab dem 27. Februar müssen Entwickler ihre AppleIDs mit der Zwei-Faktor-Authentifizierung schützen. Apple verlangt die Maßnahme, um mehr Sicherheit für die sensiblen Informationen zu gewährleisten, die auf den Entwickleraccounts hinterlegt sind.

Wirkungslos : Mit iOS 12 hat Apple die Bildschirmzeit eingeführt, die dabei helfen soll, iPhone und iPad seltener in die Hand zu nehmen und die Nutzungszeiten einzuschränken. Apple sieht das als Schutzmaßnahme gegen Digitalsucht an, insbesondere wichtig für Minderjährige. Doch laut einer Studie von Mojo Vision bringt die Bildschirmzeit weniger als erwartet. Im September 2018, also kurz nach der Einführung der Bildschirmzeit, hat das Unternehmen 1000 Leute über ihre Gewohnheiten beim Umgang mit Technik und der davon ausgehenden Ablenkung befragt. Doch 54 Prozent der Befragten gaben an, dass der Einsatz der Beschränkungsfunktion sie nicht dazu brachte, ihre Geräte seltener zu nutzen, zumindest spürten sie keine Effekte. Gleichwohl fürchten 31 Prozent der Umfrageteilnehmern, dass Technik die zwischenmenschliche Interaktion schädige, 65 Prozent halten Technologie gar für aufdringlich.

Weitere Nachrichten:

Hacker entführt E-Scooter per Bluetooth-Lücke

Die Sicherheitsexperten von Zimperium warnen in einem Blog-Eintrag vor einer gefährlichen Sicherheitslücke im Xioami M365 Scooter, der sich im Ausland hoher Beliebtheit erfreut.

Die Lücke erlaubt es einem Angreifer, die Steuerung des E-Scooters über Bluetooth zu übernehmen. Wenn einer aktuell den E-Scooter fährt, dann könnte ein solcher Angriff entsprechend schwerwiegende Folgen für ihn haben - wenn nicht sogar lebensgefährliche. Entsprechend intensiv warnt auch Zimperium vor der Lücke in diesem Produkt und ähnlichen Lücken in anderen Produkten.

In einem auf Youtube veröffentlichten Video demonstrieren die Entdecker der Lücke, welche Möglichkeiten es gibt. Ein Mann steht in der Nähe einer roten Ampel und beobachtet die E-Scooter-Fahrer. Bei einem Modell, dass sich hacken lässt, zückt er das Smartphone und aktiviert die Diebstahl-Sperre. Als die Ampel dann auf grün wechselt, kommt der Besitzer des E-Scooters nicht mehr von der Stelle.

Über das Bluetooth Modul kann der Besitzer des Xiaomi E-Scooters auf Funktionen wie Anti-Diebstahl-Modus oder Fahrmodi zugreifen. Außerdem lässt sich auch über Bluetooth die Firmware das Fahrzeugs aktualisieren. Bei einer genaueren Betrachtung fanden die Sicherheitsforscher heraus, dass der E-Scooter über Bluetooth auch nicht autorisierte Befehle ausführen kann. Dabei wird das vom Nutzer für den Bluetooth-Zugang vergebene Passwort einfach umgangen und es werden dann die Befehle einfach ohne eine korrekte Authentifizierung der Herkunft ausgeführt.

Ein Angreifer könnte die Lücke dazu nutzen, um aus einer Entfernung von bis zu 100 Metern via Bluetooth dem Xiaomi Scooter Befehle zu erteilen, während sein Besitzer darauf fährt. Auf diese Weise könnte der E-Scooter beispielsweise zur sofortigen Aktivierung der Anti-Diebstahl-Sicherung veranlasst werden. Je nachdem, wie schnell der E-Scooter-Fahrer gerade unterwegs ist, könnte das mit einem ernsten Unfall enden.

Die Lücke könnte aber auch dazu verwendet werden, um auf den E-Scooter eine neue, manipulierte Firmware zu übertragen. Über diese könnte dann der Angreifer beispielsweise die volle Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen und beliebig steuern. Dritte Alternative wäre, dass der Angreifer gezielt einen E-Scooter angreifen und Zugriff auf dessen Beschleunigung und Bremsen erhalten könnte.

Zimperium hat einen Proof-of-Concept-Code entwickelt, über den sich die Firmware eines Xiaomi-E-Scooters leicht manipulieren lässt. Aufgrund der damit verbundenen Folgen verzichten die Sicherheitsexperten allerdings auf eine Veröffentlichung. Stattdessen wurde bisher nur der Hersteller mit genaueren Details zur Lücke versorgt. Seitens Xiaomi hieß es allerdings, dass die Lücke intern schon bekannt gewesen sei. Für die Schließung der Lücke sei allerdings ein Partner verantwortlich, der noch nicht gehandelt habe. Unklar ist, wie lange Xiaomi das Problem schon kannte und wie lange es dauert, bis die Nutzer ein Firmware-Update erhalten.

 

US-Army: Neues Gewehr wird "iPhone des Todes"

Die Armee der USA will ihre Bodentruppen mit einer neuen Standardwaffe ausstatten. Dabei sollen das Sturmgewehr M4 sowie das leichte Maschinengewehr M249 durch einen Nachfolger abgelöst werden. Die Anforderungen an diese Waffe hat das Armament Research, Development and Engineering Center (ARDEC) schon festgeschrieben. Die Hightech-Waffe soll ein „iPhone des Todes“ sein. Den Vergleich begründet der zuständige Projektmanager der US-Army damit, dass Steve Jobs den iPod Touch zusammen mit seinen Technikern zum iPhone weiterentwickelt hätte. Diese ausgereifte Plattform, die über die Jahre immer weiter verbessert wurde, sei das Vorbild für die neue Standardwaffe.

Im Gegensatz zu den mehrere Jahrzehnte alten Waffen M4 und M249 soll das neue Gewehr durch Elektronik aufgewertet werden. Dies soll die Treffergenauigkeit auch auf großen Distanzen erhöhen. Dazu soll ein gegen Cyberattacken geschützter Prozessor zusammen mit einer laserbasierten Distanzmessung integriert werden. Mit zusätzlichen Sensoren könnte man zudem die Windgeschwindigkeit mit einbeziehen. Als Grundanforderung werde eine Zielgenauigkeit bis auf 600 Meter angestrebt. Durch den Umstieg von 5,56 Millimeter-Patronen auf Munition mit einem Durchmesser von 6,8 Millimetern soll das neue Gewehr zudem durchschlagskräftiger sein. Ein Schalldämpfer soll den Lärm der Waffe kompensieren. Bis spätestens Ende 2022 sollen die Truppen die ersten Waffen erhalten.

 

Russland will sich vom globalen Internet abkapseln

Die russische Regierung will mit einem Netz-Unabhängigkeitsplan mehr Kontrolle über die Online-Aktivitäten seiner Bürger erlangen. Derzeit wäge man ab, ob man sich kurzzeitig vom globalen Internet abkoppelt , um die Cyber-Verteidigungssysteme einem Stresstest zu unterziehen. Im Falle des Tests würden Daten russischer Bürger und Organisationen innerhalb des Landes geroutet, ohne das Land zu verlassen. Schon im vergangenen Jahr wurde hierfür ein entsprechender Vorschlag im Parlament verabschiedet. Der Testlauf soll noch vor dem 1. April durchgeführt werden, ein konkreter Termin steht noch nicht fest.

Mit dem Gesetzentwurf namens Digital Economy National Program verpflichtet Russland seine Internerprovider dazu, im Falle eines ausländischen Angriffs die Infrastruktur des Landes isoliert aufrecht zu erhalten. Die NATO und ihre Verbündeten hätten bereits mit Cyber-Attacken und Störungen gedroht. Als Reaktion arbeite Russland an einem eigenen DNS-System, welches auch nach einem Abschneiden des Internets vom Rest der Welt noch funktionieren soll. Die Internetprovider sollen den Datenverkehr innerhalb des Landes auch dann noch weiterleiten und Pakete, die für das Ausland bestimmt sind, verwerfen. Möglicherweise will Russland mit der Umleitung des Datenverkehrs aber auch für mehr Überwachungsmöglichkeiten sorgen. China verbietet auf diese Weise schon jetzt den Besuch vieler Webseiten aus dem Ausland.

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