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Morgenmagazin vom Donnerstag, 14. Juni 2018

14.06.2018 | 06:58 Uhr |

Apple begründet USB Restricted Mode in iOS 12 +++ eGPU und iOS-Apps bringen Mac-Gamern nicht viel +++ macOS: Lücke im Code-Signing +++ Im Hintergrund aktiv: Laurene Powell Jobs +++ Watchlist Internet warnt vor falschen Amazon Händlern +++ Intel greift Nvidia und AMD mit diskreter GPU an +++ Amazon kippt Obdachlosen-Steuer in Seattle

14. Juni: 860 Jahre und ein paar mehr

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Die Geschichte der schönsten Stadt der Welt begann mit einem Verbrechen. Nein, nicht dem Brudermord von Romulus an Remus, weil letzterer die Stadtmauer des ersteren für lächerlich hielt und einfach drüber sprang. Denn diese Gegebenheit angeblich aus dem Jahr 753 vor unserer Zeitrechnung ist nur eine Legende und Rom vermutlich noch einiges älter.

Moskau? Ebenfalls verdammt schön, wenn auch von einer gewissermaßen bedrückenden Schönheit. Aber gegründet, weil Fürst Juri Dolgoruki (heißt etwa: Jürgen Langhand, war nicht als "Langfinger" gemeint) die Stelle an dem Fluss Moskwa ideal für eine Ansiedlung empfand, 1147 soll das Fall gewesen sein.

Wir meinen den Zeitgenossen der russischen Hauptstadt, der elf Jahre später auch tatsächlich das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, im auf den 14. Juni 1158 datierten Augsburger Schied. Dieser legitimierte gewissermaßen ein Jahre zuvor begangenes Verbrechen, dem die  unter Kontrolle des Erzbischofs von Freising stehende Isar-Brücke zum Opfer fiel. Schergen des Welfenherzogs Heinrich, auch "der Löwe" genannt, hatten das Bauwerk bei Feringa (heute der Münchener Stadtteil Oberföhring) einfach abgerissen. Händler mussten nun einige Kilometer weiter südlich den damals noch wirklich reißenden Fluss überqueren, und für die Passage über die von Heinrich errichtete Brücke diesem Zoll bezahlen. Bischof Otto I. war von seiner Haupteinnahmequelle abgeschnitten. Das lukrativste Handelsgut seiner Zeit: Salz, in den Berchtesgadender Alpen gewonnen und in reichen Reichsstädten wie eben Augsburg sehr begehrt.

Kaiser Friedrich Barbarossa gestatte seinem Cousin Heinrich in dem Schied nun aber, die neue Brücke zu monetarisieren, wie wir heute sagen würden. Sprich: Der Ort "bei den Mönchen"  (ad munichen) erhielt das Markt- und Münzrecht, musste aber ein Drittel seiner Zolleinnahmen an die Erzdiözese in Freising abführen. Diese Zahlungen liefen sogar noch bis 1803 und später bis 1852 an den mittlerweile zum Königreich gewordenen Staat Bayern.

Nun muss man sich nicht Barbarossa als parteiischen Richter vorstellen, der seinem Cousin eine nachmalige Weltstadt mit Herz schenkte, der Löwe und der Bischof hatten sich bereits vorher gewissermaßen außergerichtlich auf den Deal geeinigt, den der Kaiser nur noch bestätigen musste. Im Gegenteil entzog Friedrich seinem Vetter im Jahr 1180 wieder seine Privilegien, Zoll und Markt München gingen zunächst zurück an Freising. Doch war der kleine Ort rund um das Kloster in der Zwischenzeit schon so gewachsen, dass sich die Geschichte nicht zurückdrehen ließ, München wurde nicht zerstört und Freising ist heute allenfalls als "Freising bei München" außerhalb Bayerns bekannt - hätte ja auch anders herum laufen können.

Warum Heinrich bei seinem Cousin in Ungnade gefallen ist? Schon wieder ging es um Geld, genauer um Erbstreitigkeiten um Besitztümer in Oberschwaben. In dessen Folge verweigerte der Löwe dem Kaiser die militärische Unterstützung in der Lombardei, was letztendlich zur Absetzung als Herzog von Sachsen und Bayern führte. München kam aber ganz gut ohne den Löwen zurecht. Herzlichen Glückwunsch! Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Noch ein Vorschlag: Jason Snell kann es nicht lassen, über völlig neue Macs zu spekulieren. Nach der klaren Absage an ein verschmolzenes iOS/macOS durch Apples Craigh Federighi ist ein Touch-Mac offenbar vom Tisch – an dem er ja noch überhaupt nicht Platz genommen hatte. Snell hofft aber auf ein in die nächsten Jahre derart verbessertes iOS, dass man macOS nicht mehr misse, wenn man sein Macbook durch ein iPad ersetze. In seiner jüngsten Macworld-Kolumne lenkt Snell nun seinen Blick auf eine Geräteklasse, die für Apple bisher völlig uninteressant war, die der Convertibles. Also Notebooks, deren Bildschirm man abnehmen und als Tablet weiter nutzen kann. Wenn in den nächsten Jahren zahlreiche iOS-Apps auf den Mac kommen, warum sollten diese nicht ihre Tochfähigkeiten behalten und nur zusätzlich mit Maus und Tastatur bedienbar werden? Allein externe Tastaturen für das iPad zeigen ja, dass es keineswegs absurd ist, die Finger zwischendrin vom Keyboard zu nehmen und den Bildschirm anzufassen. Wie wäre es also mit einem Gerät, das man als Tablet nutzen könne, wann immer man wolle, aber alle Vorteile eines Macbooks mit sich brächte? Also Terminal, SD-Card-Reader, USB-Anschlüsse und Software, die heute auf einem iMac Pro läuft? Apple trennt nach wie vor die Welten und will, dass seine Kunden eben beiderlei Geräte kaufen, Tablets und Notebooks. Aber welches nimmt man dann auf Reisen mit und wird mit iOS-Apps auf dem Mac nicht die strikte Grenzlinie aufgeweicht? Warten wir es ab, bis dato haben Convertibles anderer Hersteller wenig überzeugt.

Begründung: iOS 12 bekommt den USB Restricted Mode, der verhindert, dass sich nach einer Stunde Inaktivität USB-Geräte mit dem gesperrten iPhone verbinden können. Das ist seit der WWDC bekannt und im Prinzip auch, warum Apple das macht. Geräte wie der GrayKey, die unter Ausnützung nicht bekannter Lücken iPhones mit Brute-Force-Methoden knacken können, haben damit keine Chance mehr. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters hat Apple nun bestätigt, dass dies genau der Hintergrund der neuen Sicherheitsfunktion sei, man wolle diese Methoden von Polizeibehörden und Kriminellen unterbinden. Vor allem wolle man Kunden in Ländern schützen, in denen die Strafverfolger weniger strengen Restriktionen als in den USA unterliegen. Neben den Behörden würden aber auch einfache Kriminelle, Spionen und andere skrupellose Leute derartige Techniken anbieten, Firmen wie GrayShift oder Cellebrite verkaufen ihre Geräte zu hohen Preisen oder entsperren für 50 US-Dollar einzelne Telefone. "Wir verbessern stets die Sicherheit in jedem Apple-Produkt, um unseren Kunden zu helfen, sich gegen Hacker, Identitäts-Diebe und Eindringen in ihre private Daten zu verteidigen," heißt es in einem Statement. Man habe aber höchsten Respekt vor der Strafverfolgung und gestalte die Techniken nicht so, um deren Arbeit in frustrierender Weise zu erschweren.

Wüstenei: eGPU ab macOS 10.13.4, iOS-Apps bald auch auf dem Mac – die Ankündigungen der WWDC sollten doch auch Mac-Gamer erfreuen, Doch wie Apple Insider beleuchtet, ist die Angebot weiterhin sehr dünn und kaum Besserung in Sicht. Externe Grafikkarten für aufwendige Anwendungen sind zwar eine gute Sache, vor allem würden aber Kreative dies zu nutzen wissen und weniger Gamer. Denn zu den Kosten für den Computer kommen auch noch je etwa 300 US-Dollar für Gehäuse und für Karte hinzu. Noch dazu unterstütze die Technik keine Nvidia-Karten, solange man keine Tricks anwende und unter Bootcamp mit Windows funktioniere das gar nicht. Die Grafiktechnologie OpenCL laufe allmählich aus, Apple werde auch bald keine 32-Bit-Apps mehr unterstützen - fatal, dass der Spielevertrieb Steam auf dem Mac immer noch nicht auf 64 Bit mit seiner App umgestiegen ist. Lichtblicke gibt es nur wenige, Feral und Aspyr würden zwar fleißig populäre Titel auf den Mac portieren, das sei aber immer noch zu wenig. So hat Apple die Plattform mit den wenigsten Spielen und auch gleichzeitig die größte, denn im iOS App Sotre gibt es fast 800.000 Gaming-Titel. Wie viele davon in den kommenden Jahren auf dem Mac landen, ist schwer vorauszusagen, doch werden davon eher Gelegenheitsspieler profitieren.

Schwere Lücke: Die Sicherheitsforscher von Okta melden eine kritische Sicherheitslücke in Apples Code-Signing-Prozess für den Mac. Es ist den Forschern dabei gelungen, eine Anwendung so zu manipulieren, dass sie sich als zertifiziert ausgab, ohne das zu sein. Das hat schwere Konsequenzen, denn keine Sicherheitstools sind dann in der Lage, eine derart gestaltete Malware als solche zu erkennen. Die Lücke besteht offenbar in dem Prozess des Auslesens verschlüsselter Zertifikate, welches bei den meisten Apps nicht korrekt vonstatten gehe. Angeblich bestehe das Problem schon seit 2005, es ist jedoch kein Fall bekannt, in dem Angreifer dies ausgenutzt hätten. Über das CERT sind Apple und andere Hersteller nun informiert, eine Stellungnahme des Mac-Herstellers steht noch aus.

Weitere Nachrichten:

Im Hintergrund aktiv: Laurene Powell Jobs

Bei ihrem ersten Treffen verwechselte sie Steve Jobs noch mit Bill Gates, schon nach anderthalb Jahren war sie aber mit dem Apple-Gründer verheiratet – 22 Jahre lang. Der Einfluss von Laurene Powell Jobs, die die Washington Post jetzt in einem sehr ausführlichen Artikel würdigt , sollte aber anscheinend nicht unterschätzt werden. Nicht zuletzt ist sie ja mit einem Vermögen von 20 Milliarden US-Dollar die laut Forbes sechstreichste Frau der Welt. In Medienberichten war vielleicht wenig von der Milliardärin zu lesen, einiges Aufsehen erregte zumindest in Medienkreisen die Übernahme der Mehrheit des Politik-Magazins Atlantic . Ein Artikel zum Thema Einwanderung von Laurene Powell erschien aber in der Time , die Milliardärin soll sich aus der Redaktion des Atlantic komplett  heraushalten.

Wie David Montgomery in seinem Porträt berichtet, ist Powell in zahlreichen Bereichen aktiv, wenn auch vornehmlich im Hintergrund. Schon 1997 war sie mit Carlos Watson Gründerin der NGO College Track, das Schüler auf ihrem Weg zum College unterstützt, sei 2002 leitet sie das Unternehmen Emerson Collective , das der Artikel als Mischung aus Think Tank, Medienunternehmen, Venture Capital, Stiftung, Kunstmäzen und NGO beschreibt. So handelt es sich nicht um eine herkömmliche Stiftung, sondern ein weit flexibleres Unternehmen mit beschränkter Haftung, das völlig frei agieren kann.

Das in Palo Alto sitzende gut finanzierte Emerson Collective, der Name geht auf Ralph Waldo Emerson zurück, hat aktuell 140 Mitarbeiter und in zahlreichen Projekten aktiv. Startups werden finanziert, ein neueres Projekt ist die Unterstützung von Chicago Cred, dem Versuch Schusswaffengewalt in Chicago zu vermindern, Schutz von Immigranten in den USA sowie Förderung von Schülern. Eine Reform des High School Systems ist die Aufgabe des Projektes XQ. Mehrere Millionen ans Wahlkampfspenden für demokratische Politker  und politische Organisation gehören ebenfalls zu den Aktionen, so unterstützt sie die Bewegung "The Dream Is Now", offensichtlicher Schwerpunkt der Arbeit ist aber eine Reform des US-Bildungssystems.

Sie ist außerdem nicht ohne Einfluss auf Apple, ist sie doch nicht nur im Besitz von geschätzt 64 Millionen Walt-Disney-Aktien, sondern wohl 38,5 Millionen Apple-Aktien. Laut Artikel steht sie noch immer in engen Kontakt mit Tim Cook, der ihr ein tiefes Verständnis für Apple bescheinigt und sich von ihr zu Themen wie Privacy, Immigration und Bildung beraten lassen soll.

Watchlist Internet warnt vor falschen Amazon Händlern

Auf dem Marketplace von Online-Händler Amazon treiben aktuell wieder verstärkt Betrüger ihr Unwesen. Sie greifen beispielsweise durch Phishing-E-Mails die Login-Daten von Marketplace-Händlern ab und übernehmen deren Verkäuferkonten. Dort inserieren sie dann beliebte Produkte zu einem Preis, der weit unter dem Durchschnitt liegt.

Zu erkennen sind diese Betrüger laut Watchlist Internet an dem Vermerk „Bevor Sie eine Bestellung machen, kontaktieren Sie mich unter xxxxx(at)xxxx.xx“ in der Anzeigenbeschreibung. Kunden sollen das Produkt also nicht direkt über den Marketplace ordern, sondern den Händler zuvor per Nachricht kontaktieren. Schreiben sie dem falschen Händler eine solche Nachricht, erhalten sie in der Regel als Antwort eine Bestätigung, dass das gewünschte Produkt auf Lager sei. Es folgt eine gefälschte Amazon-Bestätigung, die vom Original kaum zu unterscheiden ist. Aufschluss über den Betrugsversuch gibt lediglich die Absender-E-Mail-Adresse, die nicht mit der von Amazon übereinstimmt. Anstatt der Domain amazon.com werden hier meist verschleierte Domains wie etwa avs-payments-amazon.com genutzt, die Kunden in die Irre führen sollen.

Kurz nach der Bestellbestätigung verschicken die falschen Händler dann meist eine weitere E-Mail, die den Käufer auffordert, den Kaufpreis auf ein ausländisches Konto zu überweisen. Auch diese Zahlungsaufforderung sieht wieder täuschen echt nach einer Amazon-E-Mail aus. Wer nun den geforderten Betrag überweist, sieht sein Geld nicht wieder, auch der Warenversand erfolgt nie.

Um den Betrügern nicht auf den Leim zu gehen, sollten Amazon-Kunden bei besonders niedrigen Marketplace-Preisen und der Aufforderung zur Kontaktaufnahme per E-Mail stutzig werden. Gefälschte Amazon-E-Mails lassen sich zudem an Rechtschreibfehlern erkennen. Wer bereits Opfer der Masche geworden ist, sollte Anzeige erstatten und versuchen, den überwiesenen Betrag über seine Bank zurück zu buchen.

Intel greift Nvidia und AMD mit diskreter GPU an

Wenn sich zwei streiten, dann.... ist auch Platz für einen Dritten, der im Konflikt mitmischen kann. Jahrelang konkurrieren hauptsächlich AMD und Nvidia auf dem GPU-Markt. Ab dem Jahr 2020 betritt mit Intel ein dritter GPU-Hersteller den Markt. Das hat Intel nun in einem Tweet offiziell bestätigt. Der Tweet fällt knapp und kurz aus: "Intels erste diskrete GPU kommt in 2020", heißt es dort.

Ist das auch für Gamer interessant. Die Antwort lautet: Ja! Denn Intel will GPUs sowohl für Rechenzentren als auch Gaming-PCs bauen. Unklar ist derzeit nur, welche GPU zuerst auf den Markt kommen wird. Dass Intel stärker auf dem GPU-Markt mitmischen wird, wurde in den vergangenen Monaten klar, nachdem namhafte Entwickler aus der GPU-Szene von Nvidia, AMD und anderen Herstellern bei Intel anheuerten. Im November 2017 gab Intel bekannt, dass der frühere AMD-GPU-Chef-Architekt Raja Koduri bei Intel arbeitet, was auch stolz in einer Pressemitteilung der Welt mitgeteilt wurde. Davor war Koduri bei Apple für die Grafiksubsysteme verantwortlich und leitete in der Position auch den Wechsel zu den Retina-Displays ein.

Stellt sich nun natürlich die Frage, ob Intel innerhalb von nur zwei Jahren zu einem ernsthaften Konkurrenten für Nvidias Geforce- und AMDs Radeon-Familie werden kann. Der Analyst Ryan Shrout hegt in einem Meinungsartikel Zweifel daran. In so einer kurzen Zeit seien die Pläne von Intel zu aggressiv. Intel brauche mehr Zeit, um mit seinen neuen GPU-Produkten eine ähnlich hohe Performance und Effizienz wie AMD und Nvidia zu erreichen, oder zumindest nahe heran zu kommen. Zumal neben der Entwicklung der Chips ja auch noch ein gesamtes Software-Ökosystem auf die Beine gestellt werden müsse, inklusiver neuer Tools und neuer Hardware.

Erfahrungen hatte Intel auf dem Grafikchip-Markt bereits gesammelt. Allerdings eher negative, nämlich mit dem Larrabee im Jahr 2009, über den auch wir im Februar 2009 berichtet hatte. Larrabee sollte 2010 auf den Markt kommen, verschwand dann aber vorher aus dem Intel-Portfolio. Nur die Rechenzentren-Variante "Knights Landing" schaffte es seinerzeit auf den Markt.

Amazon kippt Obdachlosen-Steuer in Seattle

Erst vor einem Monat hatte die US-Metropole Seattle die so genannte Head-Tax eingeführt. Damit sollten Unternehmen in der Stadt besteuert werden, die mindesten 20 Millionen US-Dollar mit ihrem Standort in Seattle erwirtschaften. Sie hätten 26 Cent pro Mitarbeiter und Arbeitsstunde an die Stadt zahlen müssen. Seattle erhoffte sich mit der Steuer Mehreinnahmen von mehr als 50 Millionen US-Dollar, die in soziale Wohnungsbauprojekte und die Bekämpfung der hohen Obdachlosigkeit in der Metropole fließen sollten.

Was bei der Bevölkerung in Seattle auf Zuspruch stieß, sorgte bei den in der Stadt ansässigen Großkonzernen für heftigen Gegenwind. Neben der Café-Kette Starbucks hatte sich auch Amazon gegen die zusätzliche Abgabe gewehrt. Der Online-Händler zählt zu den größten Arbeitgebern der Stadt und hätte im Rahmen der Head-Tax jährlich zusätzliche Ausgaben in Höhe von 20 bis 30 Millionen US-Dollar gehabt. Amazon übte Druck auf Seattle aus und drohte mit einem Referendum über die Steuer. Der Konzern stoppte außerdem seine Baupläne für einen Bürokomplex und die Arbeiten an einem bereits halb fertig gestellten Hochhaus. Der Stadtrat von Seattle gab dem Druck in dieser Woche nach. Die Mehrheit sprach sich bei einer Abstimmung für die Abschaffung der Head-Tax aus. Seattle befürchtet, die durch die Steuer verärgerten Konzerne könnten ihre Standorte wieder aus der Stadt abziehen. Seattles Bürgermeisterin Jenny Durkan  erklärt , dass mit der Abschaffung der Head-Tax ein teurer politischer Streit vermieden werden soll.

Leidtragende dieser Entscheidung sind ärmere Gesellschaftsschichten. Die großen Konzerne haben in Seattle zwar sehr viele Arbeitsplätze geschaffen, dadurch stiegen jedoch auch die Mieten – in den letzten Jahren um bis zu 60 Prozent. Daraufhin ist auch die Zahl der Obdachlosen in Seattle in die Höhe geklettert. Mit der Head-Tax sollte die Kluft zwischen Arm und Reich in Seattle wieder geschlossen werden.

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