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Morgenmagazin vom Donnerstag, 16. August

16.08.2018 | 07:05 Uhr |

Kuo: Apple Car kommt 2023 bis 2025 +++ 20 Jahre iMac: Wie er das Computing veränderte +++ Patetnt: Homepod reagiert auf Gesten +++ Adobe stopft Lücken in Acrobat und Flash +++ Crowdfunding für Veröffentlichung geheimer CIA-Dokumente +++ Telekom-Chef stichelt gegen 1&1 und bietet Glasfaser-Pakt an

16. August: Fehlerkette

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Noch ist er mit aller Macht da, der Sommer, wobei in den ersten Bundesländern die Schule schon wieder begonnen hat und die Sommerfrische zu Ende ist. Zu Ende gehen allmählich auch die sogenannten Sommerinterviews mit mehr oder minder beliebten Politikern vor meist schöner Landschaft. Die Gespräche sind oft belanglos und austauschbar, aber gerade wenn ein Journalist nach bestimmten, in der Tat fragwürdigen, Punkten nachfragt und den Interviewten nicht ohne Stopp über dessen Lieblingsthemen schwadronieren lässt, ist das nicht "unjournalistisch", wie der befragte Fraktionsvorsitzende sich beschwerte, sondern im Gegenteil Journalismus in Reinkultur. Denn Journalismus ist das, was jemand nicht gedruckt (gepostetd, gesendet) sehen will - alles andere ist PR. Und in liberalen Demokratien gehört das zu den Aufgaben der freien Presse: Kritisch nachfragen und Dinge drucken und senden, die die Mächtigen nicht sehen wollen.

Das ist hierzulande weiterhin möglich, trotz aller Diskreditierungen, denen die freie Presse von Anhängern illibertärer Systeme ausgesetzt ist. Was die Presse in solchen Systemen zu tun und zu lassen hat, sieht man in der Türkei, in der nun selbst Kritik an Wirtschaftspolitik und der ökonomischen Lage untersagt ist. Derweil beschwert sich der POTUS, dass von der Presse niemand seine selbst definierten Erfolge feiert, während im Land eines anderen Präsidenten das Nicht-Feiern von Erfolgen lebensgefährlich sein kann.

Sicher, auch die Presse macht Fehler, auch im Umgang mit jenen Leuten, die die Pressefreiheit verachten. Im Großen und Ganzen kann man aber hiesigen Qualitätsblättern und öffentlich-rechtlichen Anstalten vertrauen, dass sie journalistische Standards einhalten und sich etwa "mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten."

Eine schwere Fehlerkette, die bis heute nicht komplett aufgearbeitet ist, haben aber Journalisten heute vor 30 Jahren eröffnet, als ein Banküberfall mit Geiselnahme in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Gladbeck fürchterlich eskalierte. Man traute seinen Augen und Ohren nicht, das begann morgens, als das Radio plötzlich etwas von den "Geiselnehmern von Gladbeck und Bremen" sprach. Grammatisch richtig und auch brav an Synonyme gedacht, aber warum waren die Verbrecher plötzlich von Adel?

Schon davor hatte die Presse der Polizei ins Werk gepfuscht, als noch über eine Lösung in der Bank verhandelt wurde. Katastrophal dagegen die Zustände vor dem Kölner Dom, als eine Horde von (meistens) Boulevardjournalisten den Wagen der Geiselnehmer so massiv umringten, dass die bereit stehenden Einsatzkräfte der Polizei keinen Zugriff erhielten. Zu allem Überfluss begleitete ein späterer Chefredakteur der Bild-Zeitung den Flucht-BMW auch noch zur nächsten Autobahn - juristisch wurde Udo Röbel keine Schuld an der späteren tödlichen Kulmination nachgewiesen. Doch der Eindruck bleibt, dass er sich mit der schlechten Sache der Bankräuber gemein gemacht hat.

Natürlich hat in jenen Tagen nicht nur die Presse schwere Fehler begangen, doch sind die Vorfälle vom 16. August 1988 und den beiden Tagen danach ein Lehrstück, wie man es nicht machen soll, selbst wenn man die Freiheit dazu hat. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Gute Entscheidung : Apple hat in dieser Woche Group Facetime aus den Betas von iOS 12 und macOS Mojave entfernt und dafür keine weitere Begründung gegeben. Die neue Funktion soll in einem späteren Update wieder in die Systeme kommen, hieß es lediglich. Jason Snell hält in seiner Kolumne "More Color" die Maßnahme für begründet. Denn sowohl in iOS 12 als auch in Mojave lief Group Facetime seiner Erfahrung nach alles andere als rund, Fehler bei Audio und Video seien häufig aufgetreten, das Interface schien alles andere als ausgereift. Apple habe hier nur konsequent umgesetzt, was dem Unternehmen zuletzt öfter als mangelhaft beschieden worden war: Qualitätsmanagement. Denn der Fehler im neuen Macbook Pro, der für eine gute Woche nach dessen Veröffentlichung bestand und die Prozessorleistung bei Hitzeentwicklung bremste, war zwar peinlich, bei der großen Masse von verkauften iPhones wirkt sich aber schon ein nur eine geringen Prozentsatz von Geräten betreffender Fehler gewaltig aus und manifestiert sich auf zehntausenden Geräten. Apple knüpft gewissermaßen auch an eine recht neue Tradition an und verschiebt neue Features lieber, wenn sie noch nicht völlig rund laufen. Airplay 2 war so ein Beispiel, das in iOS 11 Einzug halten sollte, aber erst mit dem Update auf iOS 11.4 mit mehr als einem halben Jahr Verspätung kam. Group Facetime könnte Ähnliches widerfahren.

Geschichte: Gestern vor 20 Jahren brachte Apple in den USA den iMac in den Handel, den das Unternehmen im Mai 1998 auf der WWDC vorgestellt hatte, der Verkauf des All-in-one, der Apple aus der Krise retten sollte, begann in Deutschland am 5. September. Unsere Kollegen der Macworld blicken zurück, wie der iMac die Welt des Computings verändert hat. So war trat der Rechner nicht nur das Internetzeitalter so richtig los und führte das "i" ein, das heute so viele Apple-Produkte und deren Nachahmungen ziert. Der iMac machte auch Schluss mit dem Floppy-Drive und machte USB mit den Massen bekannt. Der iMac setzt auch neue Maßstäbe im Industriedesign und ließ den Briten Jonathan Ive zum Star werden. Nicht zuletzt begründete er aber den Ruf von Steve Jobs neu, dessen "Baby" der iMac wurde - dabei hatte die Entwicklung des Rechners bereits vor der Rückkehr des Gründers begonnen.

Zukunft: Der Analyst Ming-Chi Kuo ist sich laut einer Anlegernotiz sicher, dass Apple bald schon zwei Billionen US-Dollar wert sein könne. Zwei bedeutende neue Produkte würden den Weg dorthin weisen. So werde Cupertino im Jahr 2020 eine AR-Brille auf den Markt bringen. Weit lukrativer könnte aber das Apple Car werden, das zwischen 2023 und 2025 auf den Markt käme. Interessanter Weise schreibt Kuo wieder von einem komplett integrierten Produkt, bisher war die allgemeine Annahme, dass Apple derartige Pläne aufgegeben habe und im seinem Projekt Titan "nur" an fortschrittlicher Elektronik für autonome Fahrzeuge arbeite. Doch könne Apple wie kein zweites Unternehmen Software, Hardware und Services zusammenführen, was Cupertino nicht nur einen Vorsprung gegenüber anderen Elektronikfirmen gebe, sondern auch gegenüber potentiellen Wettbewerbern im Fahrzeugbau.

Patent: Auch wenn der Homepod mit hoher Lautstärke vor sich hindudelt hört er genau zu und reagiert auf Befehle wie: "Siri, bitte viel leiser!" - das funktioniert auch aus größerer Entfernung, etwa dem Raum nebenan. Was Apple letzte Woche aber patentiert bekommen hat, stellt den Homepod und andere Home-Entertainment-Systeme aber womöglich auf ein noch höheres Niveau und gibt auch kameralosen Geräten die Möglichkeit, auf Gesten wie dem Wedeln der Hände zu reagieren. Im Prinzip steckt hinter "Multi media computing or entertainment system for responding to user presence and activity" aber eine akustische Vermessung des Raumes und eine Karte, auf die sich Homepod und ähnliche Geräte berufen können. Sprich: Sie kennen den Raum genau und können so etwa erkennen, ob die Möbel umgestellt wurden. Schon jetzt misst der Homepod den Raum nach jedem seiner Stellungswechsel neu aus, in Zukunft soll er also veränderte Akustik auch so erkennen. Der nächste Schritt wäre dann also, die Präsenz des Hörers im Raum zu erkennen und entweder nur das Volumen anzupassen oder den gesamten Sound je nach Ort des Hörers. Dieser könnte dann auch die Musik mit einer Handbewegung zum Stoppen bringen oder wieder anwerfen.

Ein Jahr später: Nun gibt es Neuigkeiten zu der vor einem Jahr angekündigten Ladematte von Apple. Obzwar aus nicht bestätigten Quellen, will Loveios (via Macrumors ) erfahren haben, dass Airpower bis spätestens Ende September in den Handel kommt. Das neue Zubehör wird um 150 US-Dollar kosten. Die Publikation gibt auch einige Details bekannt, die womöglich erklären können, warum die Entwicklung so lange gedauert hat. Demnach soll die Ladematte 22 Induktionsspulen fassen, in der Größe der üblichen Ladespule für die Apple Watch. Für die Steuerung ist ein eigener Chip notwendig, dieser sollte steuern, welche Spulen genau wie viel Strom liefern. Die Ladematte von Apple soll demnach das verbreitete Problem beim induktiven Laden beseitigen: Liegt das Gerät nicht genau auf der Induktionsspule, geht entweder viel Leistung verloren oder das Gerät lädt überhaupt nicht. Bei der Apple Watch wird dies beispielsweise mit einem kleinen Magnet in der Ladespule verhindert.

Weitere Nachrichten:

Adobe stopft Lücken in Acrobat und Flash

Adobes Anteil am Patch Day ist in diesem Monat weniger umfangreich als im Juli, aber ähnlich vielfältig. Trotz Ankündigung ein wenig unerwartet folgt auf die Quartals-Updates für die Acrobat-Familie im Vormonat nun bereits das nächste Update-Paket. Es stopft zwei Lücken. Hinzu kommen Sicherheits-Updates für Flash Player, CC Desktop und Experience Manager.

Das Adobe Security Bulletin APSB18-29 führt zwei als kritisch eingestufte Sicherheitslücken in Acrobat und Acrobat Reader auf. Ein Angreifer könnte mit einer präparierten PDF-Datei beliebigen Code einschleusen und mit Benutzerrechten ausführen. Dies korrespondiert mit einer Schwachstelle in der Windows-10-Shell (CVE-2018-8414). Adobe will mit den August-Updates verhindern, dass Angreifer mit dem Einbetten bestimmter Dateitypen in PDF-Dateien die Einschränkungen für die Dateiausführung in Windows umgehen können.

Die bereitgestellten Updates gibt es für Windows und Mac. Acrobat DC und Acrobat Reader DC sind in den aktualisierten Versionen 2018.011.20058 (Continuous) sowie 2015.006.30448 (Classic 2015) erhältlich. Für Acrobat 2017 und Acrobat Reader DC 2017 gibt es Updates auf die neue Version 2017.011.30099. Für Adobe Reader XI gibt es bereits seit Oktober 2017 keine Updates mehr.

Im Flash Player hat Adobe fünf Sicherheitslücken geschlossen, die durch Dritte entdeckt gemeldet wurden. Keine dieser Schwachstellen stuft Adobe als kritisch ein, in drei Fällen handelt es sich um Datenlecks. Der neue Flash Player 30.0.0.154 wird im Normalfall über eine automatische Update-Funktion verteilt. Bei Edge und dem Internet Explorer 11 (ab Windows 8.1) ist der Flash Player fest integriert und die neue Version kommt per Windows Update. Google Chrome aktualisiert den integrierten Flash Player ebenfalls selbst. Firefox-Nutzer unter Windows und macOS erhalten das Update in der Regel über einen installierten Adobe-Dienst. Linux-Rechner werden durch die Distributoren mit Updates versorgt.

Für Adobe Experience Manager 6.x gibt es Flicken gegen insgesamt drei Sicherheitslücken. Zwei sind Datenlecks (Cross-site Scripting), eine ermöglicht es Daten zu manipulieren. Für jede betroffene Version und Sicherheitslücke steht jeweils ein Hotfix oder Fix Pack bereit.

Das Installationsprogramm für die Creative Cloud Desktop App bis einschließlich Version 4.5.0.324 ist anfällig für unsicheres Laden einer Programmbibliothek. Das bedeutet, ein Angreifer könnte dem Installer eine manipulierte DLL unterschieben, die dieser brav ausführen würde. Eine solche Schwachstelle ( Binary Planting , DLL Hijacking , DLL Preloading ) hatte Adobe im Herbst 2017 in Connect (mit dem Update auf Version 9.7) geschlossen, jedoch erst im Juli 2018 dokumentiert.

Alle Adobe Security Bulletins des aktuellen Monats finden Sie auf dieser Seite des Herstellers.


Crowdfunding für Veröffentlichung geheimer CIA-Dokumente

Enthüllungsjournalist Johne Greenewald macht mittlerweile seit mehr als 20 Jahren vom Freedom of Information Act (FOIA) gebraucht, der die US-Behörden zur Herausgabe von ehemaligen Geheimdokumenten zwingt. Die gesammelten Akten über UFOs, das JFK-Attentat und unterschiedlichste Waffen hat Greenewald gesammelt, eingescannt und stellt sie über sein Online-Archiv The Black Vault der Öffentlichkeit zur Verfügung. Dort haben sich mittlerweile mehr als zwei Millionen Seiten angesammelt, was The Black Vault zum weltweit größten Online-Sammlung macht.

Als nächstes Projekt hat Greenewald erneut das MKUltra-Programm des CIA im Visier. 2004 hatte er bereits zahlreiche Dokumente aus dem Gedankenkontrolle-Forschungsprogramm ausgehändigt bekommen, die er auch über Black Vault veröffentlichte. Ihm fiel jedoch auf, dass bei seiner Anfrage tausende Seiten aus den alten Akten ausgelassen wurden. Deren Herausgabe will er nun über eine Anfrage nachfordern. Der Antrag ist jedoch nicht ganz billig. Pro Seite verlangen die US-Behörden zehn Cent. In Greenwalds Fall würden sich die Kosten für die Herausgabe auf rund 500 US-Dollar belaufen. Aus diesem Grund bittet Greenewald nun über die Crowd-Funding-Plattform GoFundMe um finanzielle Unterstützung – mit Erfolg. Innerhalb von nur fünf Tagen konnte er die angepeilte Spendensumme einsammeln. Einer neuen Veröffentlichung auf The Black Vault steht nun nichts mehr im Wege.

MKUltra ist ein geheimes CIA-Forschungsprogramm, das im Jahr 1953 gestartet wurde. In dessen Rahmen sollten die Effekte von Drogen und anderen Chemikalien auf Menschen getestet werden. Den Gerüchten zufolge wurde in dem Programm meist Gefängnisinsassen oder Prostituierten LSD und andere Drogen verabreicht und ihr Verhalten im Anschluss beobachtet. Dem Programm wird mindesten ein Todesfall zugeschrieben.

Telekom-Chef stichelt gegen 1&1 und bietet Glasfaser-Pakt an

In einem Interview mit Funke Medien ärgert sich der Telekom-Chef Timotheus Höttges öffentlich darüber, dass 1&1 nicht von "eigenen Netzen" lebe, sondern davon, "von der Regulierungsbehörde niedrige Konditionen zur Anmietung unserer Netze zu fordern." Neue Netze könne schließlich jeder bauen und die Telekom sei mit 40 Prozent kein Goliath und 1&1 kein David. "Die sind mehr wert als Porsche, haben aber bislang kein einziges Kabel selbst verlegt und keinen einzigen Funkmast aufgestellt", kritisiert Höttges. Wem Deutschland am Herzen liege, der nehme den Spaten in die Hand, so der Telekom-Chef.

Konkret gefragt, was er vorschlage, erklärt Höttges: Er biete 1&1 verbindlich an, gemeinsam Glasfaserkabel zu verlegen. Dadurch könnten mehr als fünf Millionen Haushalte an das schnelle Breitbandnetz angebunden werden. "Die Kosten, die vor allem durch den Tiefbau entstehen, würden wir uns zur Hälfte teilen. 1&1 soll beweisen, dass sie bereit sind, in Infrastruktur zu investieren", so Höttges.

Der Telekom-Chef äußert auch Kritik daran, dass 1&1 bei den 5G-Frequenzen mitbieten wolle, es aber den drei großen Netzbetreibern überlassen wolle, in die für 5G notwendige Infrastruktur zu investieren. Anschließend wolle sich dann 1&1 billig in die Netze einmieten. "Das ist unfairer Wettbewerb", so Höttges und er fügt fragend hinzu: "Das ist so, als ob Sie ein Haus bauen, eine Etage an einen Konkurrenten vermieten müssen und das zu einem Preis, der Ihre Kosten nicht deckt. Würden Sie dieses Haus bauen?"

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