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Morgenmagazin vom Donnerstag, 16. Februar

16.02.2017 | 07:02 Uhr |

Warum Apple keine großen Firmen übernimmt +++ Patentantrag auf Touch ID auf dem gesamten Bildschirm +++ Caavo führt Settopboxen zusammen +++ Erste Überwachungskamera mit Homekit-Unterstützung +++ Indien schickt 104 Satelliten mit einer Rakete ins All +++ Post verliert Paket mit 100 seltenen SNES-Modulen +++ Niederlande: Bodenampel für Smartphone-Junkies

16. Februar: Mitten in München

Das Macwelt-Morgenmgazin wünscht einen Guten Morgen! Der bayerischen Polizei und nach Bayern ausgeliehenen Beamten aus anderen Bundesländern steht wieder ein anstrengendes Wochenende bevor: Die Münchner Sicherheitskonferenz tagt wie jedes Jahr im Hotel Bayerischer Hof im Stadtzentrum. Eine derartige Konzentration hochrangiger Militärs und Politiker zieht freilich und zu Recht jede Menge von Demonstranten nach sich. Deren gutes Recht es ist, ihre Meinung in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsortes kund zu tun. In nicht allen Ländern, die Vertreter nach München schicken, ist dies möglich - und in einigen Ländern, die bisher Meinungs- und Versammlungsfreiheit hoch gehalten haben, wird das mit der Zeit immer schwieriger. Natürlich ist Skepsis über das Treffen erlaubt, aber es ist immer noch besser, wenn potentielle Konfliktparteien, aneinander verzweifelnde Bündnispartner und offene Feindschaft pflegende Parteien miteinander sprechen, statt nur übereinander. Zumal die Agenda der Sicherheitskonferenz heute auch Themen wie Cybersicherheit, Umweltschutz und Menschenrechte umfasst. Andere Großveranstaltungen werden jedoch an diesem Wochenende in München wegen der Konzentration der Sicherheitskräfte auf den Bayerischen Hof und seine Umgebung nicht möglich sein. Aber das ist an diesem Wochenende kein Problem, der FC Bayern spielt am Samstag auswärts in Berlin und die Spiele des TSV 1860 München sind längst keine Großveranstaltung mehr - außerdem wird der Club aus Nürnberg ja auch erst am Montag zum Abendspiel vorstellig...

Über die Sicherheitslage speziell  in Europa herrscht heuer erhöhter Redebedarf, der neue US-Präsident schickt seinen Verteidigungsminister, der auch gleich mal droht, die Sicherheitsarchitektur der Nachkriegszeit in Frage zu stellen, wenn die anderen nicht zahlen. Wollen wir hoffen, dass es in den USA ausreichend Gegenkräfte zu jenen gibt, die sich in einer Vorkriegszeit wähnen und entsprechend destruktiv und das Vertrauen abbauend sich verhalten. Dies hat auch der Leiter der SiKo Wolfgang Ischinger in einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung so angesprochen. Trotz der erratischen und teils rüden Töne aus dem Weißen Haus steht in den USA weiterhin eine große Mehrheit hinter der Allianz des Westens. Europa und die USA sind kulturell und vor allem wirtschaftlich so eng miteinander verflochten, dass eine Aufweichung der Union schwere Schäden auf beiden Seiten des Atlantiks zur Folge hätte. Es ist noch nicht so weit, dass man alle Hoffnung auf vernünftige und weitsichtige Politik aufgeben müsste.

Unumkehrbar setzt jedoch derzeit Westminster die Auflösung ihrer wirtschaftlichen Bande zum Kontinent fort und droht dabei, mehr zu verlieren als zu gewinnen. Auf dem Spiel steht nicht zuletzt die Einheit jenes Königreiches, das man heute noch als das Vereinigte bezeichnet. Nicht nur haben die schottischen Abgeordneten im Unterhaus letzte Woche gegen das Brexit-Gesetz gestimmt und die Europa-Hymne gesungen, sondern dürften zwischen Edinburgh und Glasgow, zwischen Dumfries und John O'Groats, auf den Shetlands und den Hebriden nun wieder Überlegungen laut werden, die Union mit England zu verlassen um anschließend wieder jener auf dem Kontinent beitreten zu können. Das wäre in der Tat eine historische Angelegenheit, heute ist es justament 310 Jahre her, dass das schottische Parlament den Act of Union beschloss. Ob danach gesungen wurde und was, ist nicht überliefert. Die Ode an die Freude kann es nicht gewesen sein, da weder Schiller noch Beethoven zu jener Zeit geboren waren. Selbst für Briten sind 310 Jahre eine lange Zeit, für Amerikaner mag das eine unvorstellbar lange sein - 1707 war der Kontinent wirklich noch eine Neue Welt.

So mögen etwas mehr als 40 Jahre Mitgliedschaft in einer Europäischen (Wirtschafts-)Gemeinschaft, die erst vor 25 Jahren mit den Verträgen von Maastricht zur Union wurde, für Engländer nur ein Wimpernschlag der Geschichte sein. Die über 70 Jahre Frieden in Europa sind es indes nicht, sondern eine für den zerstrittenen Kontinent beispiellos lange Periode des Wohlergehens. Auch das ist Thema der Sicherheitskonferenz in München an diesem Wochenende. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

The Art of the Deal: Apple betont zwar auf Nachfrage stets, dass man sich immer wieder nach Übernahmemöglichkeiten umsehe und in der Tat einverleibt sich der Mac-Hersteller jedes Jahr etliche kleinere Firmen. Bloomberg berichtet nun unter Bezug auf interne Quellen, warum es bei dem Kleinvieh bleibt und Apple nicht öfter größere Fische schluckt. In den letzten Jahren habe dabei eine gewisse Abneigung gegen Risiken eine Rolle gespielt, ebenso Apples Zurückhaltung, mit großen externen Beratern wie Investmentbankern zusammen zu arbeiten. Zudem habe Apple schlicht und ergreifend keine Erfahrung, große Unternehmen in seine eigene Struktur zu integrieren. Die bisher größte Akquise war die von Beats vor gut drei Jahren, die Apple etwa drei Milliarden US-Dollar kostete. An Barreserven für weit größere Übernahmen mangelt es Apple nicht, die betragen weit über 200 Milliarden US-Dollar. Google, Facebook und Microsoft seien bei Milliardengeschäften dieser Art wesentlich weniger zurückhaltend.

Patentantrag: Das US-Marken- und Patentamt hat am 14. Februar einen Antrag Apples veröffentlicht, den der iPhone-Hersteller bereits im Juni 2014 eingereicht hatte und der eine Technologie beschreibt, die den Home-Button auf dem iPhone letztendlich überflüssig machen könnte. Es geht dabei um Methoden, einen Fingerabdruck auf dem gesamten Dispaly mittels Infrarotdioden zu erkennen. Die Touch ID wäre somit nicht mehr an einen Knopf unten am iPhone gebunden, sondern könnte überall auf dem Screen ihren Dienst tun. Schon im iPhone 7 ist der Home-Button kein echter Knopf mehr, er benötigt keine beweglichen Teile. Theoretisch könnte der auf die Taptic Engine zurückgreifende Schalter an jeder Stelle des Displays angebracht sein. Mit der nun ebenso von einem festen Ort befreiten Touch-ID wäre also der gänzliche Verzicht auf das bewährte Element möglich und somit eine größere nutzbare Bildschirmfläche. Ob das iPhone 8 das schon bieten wird, lässt sich zum heutigen Stand aber nur schwer sagen.

An der Spitze: Das Weihnachtsgeschäft 2016 verlief für Apple glänzend, das steht ja auch so in der am 31. Januar veröffentlichten Quartalsbilanz. Die 77 Millionen verkauften iPhones brachten Apple aber laut zahlen von Gartner erstmals seit zwei Jahren wieder an die Spitze der Smartphonehersteller, mit einem Marktanteil von 17,9 Prozent. Samsung, das nur 76,8 Millionen Smartphones verkaufte, folgt mit 17,8 Prozent unmittelbar dahinter. Dabei hatten Apple aber die Probleme des koreanischen Konkurrenten mit dem Galaxy Note 7 geholfen, da Samsung voraussichtlich im März ein neues Flaggschiffmodell bringt, könnte die Führung auch gleich wieder verloren gehen. Im Herbst startet dann die neue Runde. Abgesehen von den Marktanteilen fährt Apple nahezu alle Gewinne im Smartphonebereich ein, alle anderen Unternehmen machen Verluste, zuletzt sogar Samsung.

Folgen : Yahoo warnt seine Nutzer, dass ihre Accounts in Folge des Ende letzten Jahres bekannt gewordenen Angriffs auf das Unternehmen gekapert worden sein könnten. Der Zugriff auf die Konten sei über ein gefälschtes Cookie erfolgt. In einer Mail an betroffene Kunden rät Yahoo zu Vorsicht, insbesondere in Zusammenhang mit unerwarteter Kommunikation, die nach persönlichen Daten fragt. Ratsam sie es zudem, keine verdächtigen Anhänge zu öffnen. Zugleich verfolgt Yahoo Maßnahmen zur besseren Sicherung der Accounts. Währenddessen will Verizon, das Yahoos Internetgeschäft zu übernehmen gedenkt, noch einen Nachlass auf den bereits ausgehandelten Preis erhalten, die Rede ist von einem Rabatt von 25 Prozent auf die vereinbarte Milliarde US-Dollar.

Vereinheitlichung I: Caavo hat auf der Recode-Konferenz seine gleichnamige Settopbox gezeigt, die Streaminggeräte wie das Apple TV oder Amazons Fire TV zu einer Lösung zusammenführt. Der 400 US-Dollar teure Kasten dient als eine Art Switch zwischen den einzelnen Lösungen, führt dabei aber nicht nur deren HDMI-Ausgänge in einen zusammen, der sich schlußendlich an ein Fernsehgerät anschließen lässt. Die Software von Caavo führt in die Tiefen der Inhalte von Apple TV, Fire TV, Roku oder Kabelboxen und so lassen sich alle Angebote mit nur einer Fernbedienung steuern. So kann man etwa Apple Music und Amazon Prime Video auf einem Gerät betrachten und muss nicht zwischen den HDMI-Eingängen am Fernseher hin- und herschalten. Die Caavo-Box ist mit acht HDMI-Eingängen, zwei USB-Ports, einem Ethernetport und einer 3,5-Millimeter-Audiobuchse reichhaltig ausgestattet.

Vereinheitlichung II: Die iOS-App Vertigo knüpft Bande zwischen Spotify und Apple Music. Wer seine Wiedergabelisten mit anderen teilen wollte, musste bisher  seine Freunde nach deren Abos bei Apple Music oder Spotify selektieren und selbst beide Abos halten. In vertigo lassen sich aber Playlisten sowohl mit Spotify als auch mit Apple Music erstellen und mit anderen teilen, diese hören sie dann in ihrem jeweiligen Stremingdienst, unabhängig davon, aus welcher Quelle sie erstellt wurden. Die Musikangebote von Apple und Spotify sind quasi identisch, exklusive Songs und Alben extrem selten. Ein Unterschied besteht noch darin, dass Spotify in seinen persönlichen Wiedergabelisten auch Videos und Podcasts erlaubt. Die App Vertigo ist gratis.

Weitere Nachrichten:

Erste Überwachungskamera mit Homekit-Unterstützung

Will man eine Wohnung per Videokamera überwachen, etwa um ein Kind, eine Zweitwohnung oder einen Hund im Auge zu behalten, ist die Omna 180 Cam HD eine interessante Lösung. Die ab sofort per Apple Store verfügbare Kamera von D-Link erfasst ein Sichtfeld von 180 Grand, nimmt Videos in HD-Auflösung auf (1920 x 1080 Pixel) und kann Audio aufnehmen und per Lautsprecher ausgeben. Ein Nachtsichtmodus bietet fünf Meter Reichweite, lokale Aufnahme auf eine SD-Karte sind möglich. Ein Bewegungssensor registriert Bewegungen und kann dies per Homekit melden. Der Nutzer erhält dann Schnappschüsse als Benachrichtigung auf sein iPhone oder iPad. Auch andere Homekit-Geräte, etwa Lampen oder Steckdosen kann man über diesen Bewegungssensor steuern – beispielsweise eine Lampe beim Betreten eines Zimmers einschalten. Für 230 Euro ist das Gerät über den Applestore verfügbar, im Laufe des Monats ist die Kamera auch über die Apple Stores verfügbar. Eine eigene App ist verfügbar, für den Zugriff von unterwegs per Homekit ist ein Apple TV 4 mit tvOS 10.1 oder ein iPad mit iOS 10.1 (als Hub) notwendig.

Indien schickt 104 Satelliten mit einer Rakete ins All

Häufig transportieren Raketen gleich mehrere Satelliten ins All, um Kosten zu sparen. Die indische Weltraumbehörde ISRO bricht mit ihrem neuerlichen Start jedoch einen Rekord: An Bord der PSLV-Rakete befanden sich 104 Satelliten . Die 44 Meter hohe Rakete hatte schon in der Vergangenheit mehrere Satelliten auf einmal ausgesetzt, aber maximal 20 Stück.

Von den 104 Satelliten stammen 88 vom US-Unternehmen Planet. Die Doves genannten Himmelskörper sollen hochaufgelöste Aufnahmen der Erde erzeugen. Außerdem wurden Satelliten der indischen Cartosat-2-Serie in den Weltraum geschickt, sie sind auf China und Pakistan ausgerichtet. 

Den bisherigen Rekord bei der Anzahl der auf einmal in den Weltraum geschickten Satelliten hielt Russland: Im Juni 2014 schickte Roscosmos 37 Satelliten in den Orbit. ISRO will im Dezember am Google-Wettbewerb Lunar X-Prize teilnehmen und eine gemeinsam mit Japan entwickelte Landeeinheit zum Mond bringen.

Post verliert Paket mit 100 seltenen SNES-Modulen

Wenn ein Paket verloren geht, ist das immer ärgerlich. Wenn er Inhalt aber zwischen 7500 und 10.000 US-Dollar wert und nur schwer ersetzbar ist, ist die Wut entsprechend größer. Passiert ist dies dem US-Amerikaner Byuu, der eine Sammlung aus 100 SNES-Spielen erstanden hatte. Auf dem Weg von Frankfurt nach New Jersey verschwand das Paket jedoch.

Eigentlich wollte Byuu die Kleinode eines europäischen Sammlers archivieren und sie ihm im Anschluss zurücksenden. Beim ersten Paket aus 100 Spielen hat dies auch noch geklappt. Die zweite Fuhre ist nun jedoch verschwunden.

Das Paket war zwar versichert, jedoch nicht auf dem letzten Weg zum Verteilerzentrum. Zusammen mit anderen Sammlern will Byuu nun Spenden sammeln, um den Verlust des ursprünglichen Besitzers zu kompensieren. In der SNES-Szene hat er sich mit einem eigenen Emulator bereits einen Namen gemacht. Sein Projekt zur Archivierung der Spiele hat er aber vorerst eingestellt.

Niederlande: Bodenampel für Smartphone-Junkies

Um die Unfallgefahr für unaufmerksame Smartphone-Nutzer zu minimieren, testet die niederländische Gemeinde Bodegraven-Reeuwijk derzeit eine Bodenampel im Rahmen eines Pilotprojekts. +Lichlijn (dt. Lichtlinie) soll verhindern, dass Smartphone-Nutzer versehentlich bei Rot die Straße überqueren, weil sie ihren Blick nicht vom Handy-Display lösen konnten.

Damit Smartphone-Nutzer auch in Zukunft nicht mehr aufschauen müssen, hat die Gemeinde an einer Kreuzung LED-Lichtstreifen am Boden montiert. Sie zeigen die Farben der zugehörigen Ampel und sind sowohl bei Tag als auch bei Nacht gut zu sehen. Schaltet die Ampel von einer Farbe auf die andere um, wird das über den Lichtstreifen mit einem Blinken signalisiert.

Die niederländische Gemeinde hat bislang viel positives Feedback für +Lichtlijn erhalten. Wird das Pilotprojekt als Erfolg gewertet, sollen die Bodenampeln in ganz Bodegraven-Reeuwijk und anderen niederländischen Städten zum Einsatz kommen.

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