2363908

Morgenmagazin vom Donnerstag, 19. Juli 2018

18.07.2018 | 16:42 Uhr |

Macbook Pro 2018 überzeigt in der Performance +++ Wie Apple 20 Jahre alte Regeln ändert +++ China Telecom übernimmt iCloud-Daten +++ 4,3 Mrd. Euro: EU verdonnert Google zur Rekord-Strafe +++ Undercover-Reporter deckt Missstände bei Facebook auf +++ Google verspricht keine KI-Waffensysteme zu bauen +++

19. Juli: Klein und fein

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Wann wird's mal wieder richtig Sommer? Ein Sommer, wie er früher einmal war? Mit Macworld Expo in New York Im Juli? Und nicht so fad und heiß wie in diesem Jahr …

Na gut, früher war nicht alles besser, es war nicht einmal alles anders. Und unsere subjektiven Wetteraufzeichnungen stimmen meist mit den objektiven Daten nicht überein. Nur eine Sache, die war früher definitiv anders - und vielleicht sogar besser. Die Sommer-Macworld an der Ostküste, erst in Boston, dann in New York, dann wieder in Boston. Aber schon den Umzug zurück wollte Apple nicht mehr mitmachen und kehrte unserer einstigen Lieblingsmesse den Rücken.

Denn wenn man auch nicht ein paar Sommertage auf Firmenkosten im Big Apple verbringen konnte, war die Messe an der Ostküste recht entspannt. Denn die Eröffnungs-Keynote, über die wir auch damals schon mehr oder minder live auf www.macwelt.de berichteten.

Im Jahr 2000 hatten wir inklusive aller Nacharbeiten viel zu Schreiben, waren aber dennoch fertig, als es draußen noch hell war. Ab 16 Uhr MESZ zeigte Steve Jobs schnellere iMacs in den neuen Farben Sage, Ruby, Indigo, Snow und Graphite und eine wieder länglichere Pro Mouse in schwarz, welche den "Eishockeypuck" für iMac und Power Mac ablöste.

Wenige Wochen später sollte es bei der Apple Expo in Paris die Public Beta von Mac-OS X zu jkaufen geben, ein wieteres halbes jahr danach war das neue Betriebssystem in Version 10.0 Cheetah endlich fertig. Doch konnten die Entwickler des Renderingprogramms Maya sowie das damals noch nicht von Microsoft aufgekaufte Studio Bungie mit einer Vorabversion von Halo in New York das Potential des neuen Systems demonstrieren. Ein paar Überarbeitungen hinsichtlich der Innereien gab es noch beim Power Mac G4, das war's dann auch schon.

Nein, war es nicht.

Denn da gab es noch eine Sache, die Apples CEO Steve Jobs sichtlich mit Stolz erfüllte: Der Power Mac G4 Cube. "Honey, we shrunk the Supercomputer" hieß es in Anspielung an die Komödie mit Rick Moranis elf Jahre zuvor und an die Einstufung des Power Mac G4, den die US-Behörden wegen seiner besonderen Fähigkeiten erst kurz zuvor unter das Kriegswaffenkontrollgesetz mit Exportvorbehalten belegt hatten.

Das Versprechen des Cube war auch ein großes: Die immense Leistung des Power Mac G4, konzentriert auf einen Würfel von gut 20 Zentimetern Kantenlänge, der wegen des Kamineffektes auf einen Lüfter verzichten konnte. Leise, elegant und schnell, dazu mit einem beeindruckenden externen Soundsystem ausgestattet, der Computer der Zukunft.

Die Zukunft war früher besser, der Cube recht schnell zur Vergangenheit, vor allem wegen seines stolzen Preises. Apple mag zwar selten einen hübscheren Rechner gebaut haben, aber wie 13 Jahre später mit dem zylinderförmigen Mac Pro begab sich der Hersteller in eine Sackgasse. Denn das fein austarierte Lüftungssystem stieß mit stärkeren und damit wärmer werdenden Prozessoren an seine Grenzen. CDs brennen konnte im Jahr 2000 noch kein Mac von allein, man war auf externe Laufwerke und Software von Dritten angewiesen, der Cube kam zunächst auch nur mit einem reinen Leselaufwerk für DVDs. Und die warf der Cube nach Gebrauch nach oben aus, wie ein Toaster - als ob man sich an dem damals populärsten Mac-Brennprogramm Toast habe orientieren wollen.

Immerhin, der Cube war bereits der zweite Rechner aus Cupertino ohne aktiven Lüfter, bereits den Apple III hatten die Ingenieure 20 Jahre zuvor auf Jobs' Geheiß ohne lauten Propeller konstruiert - damals war das aber reichlich schief gelaufen. Auch der Mac Pro von 2013 setzt zwar auf einen inneren Lüftungskanal, dort bewegen aber auch aktive Lüfter die Abwärme nach oben.

Nur ein gutes Jahr war der Cube in Apples Angebot, seit Frühjahr 2001 optional auch mit einem CD-RW-Laufwerk erhältlich. Schön war er aber schon. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

(Nicht) Alles anders: Als Steve Jobs im Jahr 1997 zu Apple zurückkehrte, stellte er die Organisation vom Kopf auf die Füße - und manchmal auch umgekehrt. Der Aufsichtsrat war binnen Monaten nach der Inthronisation Jobs' als "iCEO" komplett ausgetauscht, für den Umgang mit der Öffentlichkeit stellte er einen Regelkatalog auf, der im wesentlichen beschrieb, wie man auf Gerüchte zu reagieren habe: "Nein, Apple würde so etwas nicht machen" oder "We don't talk about future products" - kennt man zur Genüge. Jason Snell macht sich auf Macworld Gedanken und vergleicht Apple mit Apple - das der Jobs-Ära mit dem heute von Tim Cook geführten Unternehmen. Einige Regeln von vor 20 Jahren scheinen aufgeweicht oder gar abgeschafft zu sein, dafür gibt es einige Indizien. So hatte Apple früher gerne mal kleinere Hersteller von Software übernommen, diese vom Markt genommen und als Feature im System oder eigenes Produkt wieder aufleben lassen. Das ist heute nicht völlig anders, aber es gibt immer mehr Ausnahmen. Workflow besteht so auch nach der Akquise weiter, das Prinzip der App geht nun aber in die Siri Shortcuts ein. Produkte bringt Apple nun auch vermehrt außerhalb der üblichen Keynotetermine heraus, zuletzt etwa das neue Macbook Pro. Oder führt ein Special Event an einem ungewohnten Ort auf, wie im Frühjahr in einer Schule in Chicago. Ausgewählte Journalisten werden immer öfter zu Hintergrundgesprächen eingeladen, über deren Inhalte sie auch berichten dürfen, vergangenes Jahr drehte sich ein solches Meeting um die Strategie mit dem iMac Pro und Mac Pro, erst vor kurzem durfte Matthew Panzarino in einem Auto mitfahren, dass für die neuen Apple Maps unterwegs war. Auch vor strukturellen Änderungen macht Apple nicht halt, die Berufung von John Giannandrea als Chef für maschinelles Lernen und Siri zeigt dies.

Mehr Kerne, mehr Speed: Das Macbook Pro von 2018 ist auch dann eine Anschaffung wert, wenn man das Modell aus dem Vorjahr benutzt, befindet Roman Loyola in seinem Test für Macworld. Dabei hatte er aber auch ein fein ausgestattetes Gerät auf dem Prüfstand, das 15-Zoll-Macbook-Pro mit einem 2,9 GHz schnellem i9-Chip der Coffee-Lake-Generation und 32 GB RAM. Kostenpunkt: 4.700 US-Dollar. Doch die beiden Kerne mehr - die Coffee-Lake-CPU ist ein Sechskerner - und der der DDR4-RAM bringen nicht nur in den Benchmarks deutlichere Verbesserungen, auch im Alltag würde man davon stark profitieren. Neu ist bekanntlich auch die Tastatur, diese ist nun merklich leiser georden - über die Haltbarkeit lässt sich nach wenigen Tagen nicht viel sagen. "Hey Siri" im T2-Chip ist etwas, das der Tester noch nicht wirklich als Fortschritt begreift, zu selten spricht er mit dem Mac. Mit der Integration der Home-App in macOS Mojave könnte sich das aber durchaus ändern.

Jetzt auch öffentlich: Einen Tag nach Veröffentlichung der vierten Entwickler-Beta ist diese nun auch für den Public-Beta-Test erhältlich. Neu sind unter anderem einige Aktivitäts-Sticker für Messages und während der Einrichtung empfiehlt das System, automatische Updates zu aktivieren. An der Optik haben die Entwickler auch leichte Verbesserungen vorgenommen.

iCloud: Der im Januar angekündigte Umzug von iCloud-Daten chinesischer Kunden auf Server in China ist nun vollzogen. Wie der staatliche Telekommunikationsprovider China Telecom in einem WeChat-Post ankündigt, habe die der Regierung gehörende Firma die Daten übernommen. Insbesondere liegen nun auch die Schlüssel zu den Konten nicht mehr in den USA, chinesische Behörden müssen sich nicht mehr durch die US-Gerichtsbarkeit kämpfen, wollen sie an die Daten gelangen. Apple sah sich zu der Übergabe gezwungen, um dem chinesischen Gesetz zu entsprechen, verteidigt sich das Unternehmen. Chinesische Kunden haben aber die Möglichkeit, dem lokalen Speichern ihres iCloud-Accounts zu widersprechen und ein Konto in einem anderen Land zu eröffnen.

Test: Apple hat seine Flotte von autonom fahrenden Autos auf 66 Stück ausgeweitet. Zudem sind nun 111 Fahrer für die Tests registriert. Apple unterhält aber nicht den größten derartigen Fuhrpark in Kalifornien, GM Cruise hat 117 Autos laufen und 333 Fahre im Einsatz, auch die Google-Tochter Waymo liegt mit 72 Autos und 411 Testfahrern noch vor Apple.

Weitere Nachrichten:

4,3 Mrd. Euro: EU verdonnert Google zur Rekord-Strafe

Diese Strafe dürfte selbst einem Giganten wie Google weh tun: Die EU-Kommission hat Google wegen Marktmacht-Missbrauchs am Mittwoch zur Zahlung einer Strafe von 4,3 Milliarden Euro verdonnert. Das hat EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verkündet. Es ist die höchste Kartellstrafe, die die EU-Kommission jemals gegen ein einzelnes Unternehmen verhängt hat.

Wobei auch der bisherige Rekordhalter Google war: Im Juni 2017 hatte die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 2,42 Milliarden Euro gegen Google verhängt, wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung als Suchmaschine durch die unzulässige Vorzugsbehandlung seines eigenen Preisvergleichsdienstes.

Die neue Strafe fällt nun fast doppelt so hoch aus: Die 4,3 Milliarden Euro muss Google wegen des Marktmacht-Missbrauchs mit seinem Smartphone-Betriebssystem Android zahlen. Außerdem verlangt die EU eine Änderung des Geschäftsmodells bei Android, welches innerhalb von Europa auf weit über 80 Prozent aller verkauften Smartphones läuft.

Die Google-Richtlinien setzen Smartphone- und Tablet-Hersteller, die auf die Android-Plattform setzen, regelrecht unter Druck, Google-Apps vorab zu installieren. So wird die Mehrheit der mobilen Endgeräte schon im Herstellungsprozess mit Google-Tools ausgestattet. Darunter etwa die Google-Mail-App, der Google-Browser Chrome, die Google-Such-App und viele weitere Google-Apps. Das will die EU nun ändern.

Ebenso auch die Einschränkung, dass Smartphone-Hersteller ihre Geräte nicht auch in Varianten mit abgeänderten Android-Versionen verkaufen dürfen. Hinzu kommt auch noch die Regel, dass Google seine auf den Smartphones erlösten Werbeeinnahmen nur dann mit den Herstellern teilt, wenn Google-Apps eine Exklusivität auf den Geräten haben.

Die EU-Kommission verlangt von Google diese Einschränkungen zu beseitigen, um damit wieder den Wettbewerb zu verbessern. In den vergangenen Jahren ist das Angebot an Android-Alternativen ohnehin geschrumpft: Mittlerweile konkurriert nur noch Apples iOS ernsthaft gegen Googles Android.

Undercover-Reporter deckt Missstände bei Facebook auf

Für eine Dokumentation hat sich ein Reporter des TV-Senders Channel 4 als Moderator bei Facebook einschleusen lassen. Sieben Wochen lang nahm er unerkannt an einem Training in einem Facebook-Center in Dublin teil. Dabei machte er einige erschreckende Entdeckungen. So werden für die Schulung der Moderatoren unterschiedliche Facebook-Videos genutzt, die auf der Plattform noch immer online sind. Einige Clips zeigen beispielsweise Gewalt gegen Kinder oder Memes sollen Hasskommentare oder rassistische Äußerungen verdeutlichen.

Der Haken: Die Beispielclips und Memes sind online, obwohl sie offensichtlich als Gewalt oder Hasskommentar einzustufen sind. In den Facebook-Moderatoren-Schulungen werden sie jedoch nicht als solche bewertet, sondern lediglich als „verstörender Inhalt“, der weiterhin online bleiben darf. Ein Moderator erklärt dem Reporter, dass die Moderatoren nicht zu viel zensieren dürften, da die Nutzer sonst das Interesse an der Plattform verlieren würden. „Am Ende des Tages geht es nur darum, Geld zu verdienen,“ so die Rechtfertigung.

Durch die Ausstrahlung der Dokumentation Inside Facebook: Secrets of the Social Network geriet Facebook heftig unter Druck, seine eigenen Richtlinien nicht korrekt einzuhalten. Facebook entschuldigte sich heute und erklärte , dass die strittigen Mitarbeiter eine erneute Schulung bekommen hätten.

Google verspricht keine KI-Waffensysteme zu bauen

Im Rahmen der Joint Conference on Artificial Intelligence hat das Future of Life Institute eine Liste von 2.400 Einzelpersonen und 160 Unternehmen vorgestellt, die sich nicht an der Entwicklung, Herstellung oder dem Handel mit autonomen Waffensystemen zum Töten von Menschen beteiligen wollen. Die aus 90 unterschiedlichen Ländern stammenden Unterzeichner wollen auch Regierungen dazu drängen, entsprechende Gesetze auf den Weg zu bringen. Das Versprechen wurde unter anderem von Google DeepMind, der Xprize Foundation oder Einzelpersonen wie Elon Musk unterzeichnet.

Der Zusicherung ging große Kritik an Unternehmen voraus. Google erntete für seinen Vertrag mit dem Pentagon zur automatischen Auswertung von Drohnen-Fotos beispielsweise viel Gegenwind. Der Großteil der Forscher im Bereich der autonomen Waffensysteme vertritt die Ansicht, dass die Waffen schnell zu einem mächtigen Instrument für Gewalt und Unterdrückung werden könnten. Die Entscheidung über die Tötung eines Menschen dürfe daher nie einer Maschine überlassen werden. Das Future of Life Institute vertritt die Ansicht, dass diese Waffensysteme genauso geächtet werden müssten wie biologische Waffen. Vor drei Jahren spendete Elon Musk 10 Millionen US-Dollar an das Future of Life Institute. Mit dem Geld sollten Forschungsprogramme gestartet werden, die garantieren, dass KI-Systeme der Menschheit immer nur nützlich sein werden.

2363908