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Morgenmagazin vom Donnerstag, 20. April 2017

20.04.2017 | 07:06 Uhr |

Wie Apple AR nutzen könnte +++ Kuo: Samsung S8 kurbelt Nachfrage an +++ Free Expression Award für Tim Cook +++ iCloud-Fehler: Abo gekündigt, Upgrades nicht möglich +++ Run auf neue AMD-CPUs: Ryzen-Prozessoren dominieren Verkaufslisten +++ Zypries kündigt Prüfung von Streamingtarif der Telekom an +++ IBM: Umsatz seit fünf Jahren rückläufig

20. April: Zwanzig nach vier

Wir wünschen allseits Guten Morgen! An der Bauernregel "Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee" scheint etwas dran zu sein. Während rund um die Wintersonnenwende die Luft in Mitteleuropa oft ungewöhnlich mild und trocken ist, zieht Mitte April gerne mal ein Tiefdruckgebiet vorbei und beschert uns weiße Ostern oder zumindest kühle und regnerische Feiertage. Für uns Büromenschen mag das ein Ärgernis sein, blickt man aus dem Bürofenster in ein Flockengestöber oder braucht etwas länger ins Büro, weil alle Welt schon Sommerreifen aufgezogen hat. Für Landwirte, speziell Obstbauern und Winzer, ist der Kälteeinbruch dieser Tage aber nicht weniger als existenzbedrohend. Denn so skurril-reizvoll Bilder von überfrorenen oder eingeschneiten Apfel-, Kirsch- und Zwetschgenblüten auch sind, wer auf reiche Ernte in Sommer und Herbst hofft, dem kommt jetzt das kalte Grauen. Die weiteren Aussichten lassen bei immer noch nicht der Jahreszeit angemessenem Wetter aber wenigstens auf Temperaturen oberhalb des Gefrierpunkts hoffen.

Widmen wir uns an 4/20 lieber einer anderen Pflanze, die zwar keine besonders hübschen Blüten austreibt, aber mieses Wetter kaum zu fürchten hat, da sie doch recht häufig in Gewächshäusern, auch illegalen, gezogen wird: Cannabis sativa. Die Kulturpflanze zeigt seit gut 5000 Jahren ihre Nützlichkeit, ihre langen Fasern waren und sind beliebt bei der Herstellung von Textilien, Kleidungen oder Baustoffen. Früchte muss das einjährige Kraut dafür gar nicht tragen, wir müssen uns um Freilandplantagen wenig Sorgen machen.

Nur hat die weibliche Hanfpflanze bekanntlich Risiken und Nebenwirkungen, die sie in gewissen Kreisen beliebt, in anderen suspekt macht. Aus Blüten und Blättern einerseits und aus dem Harz andererseits lassen sich weitgehend illegale Substanzen zubereiten. Unterschätzen sollte man deren Wirksamkeit und Schädlichkeit nicht, doch kann man den THC-Missbrauch kaum mit dem von Ethanol vergleichen. Denn da Kiffen in der Regel illegal ist, setzen die Produzenten auf eine hohe Wirksamkeit ihrer pflanzlichen Erzeugnisse, das ist mit den Zeiten der Alkoholprohibition in den USA durchaus vergleichbar. Auch damals wurden in den illegalen Kneipen eher stark alkoholhaltige Getränke und Destillate verzehrt, während heute Genießer einen nicht immer zu ungesunden Mix von leichten Bieren und Weinen zu sich nehmen. Drogenexperten sind der Auffassung, dass es auch Light-Produkte aus Cannabis-Pflanzen geben werde, wenn die Pflanze nicht mehr im Verborgenen blühen und gedeihen muss.

Mittlerweile gibt es Cannabis in Deutschland legal auf Rezept, der Haken dabei ist aber ein gewaltiger. Denn nur Schmerzpatienten erhalten auf Verschreibung Zugriff zu der Droge, tauschen möchte man gewiss mit keinem der legalisierten Cannabiskonsumenten. Warum aber ausgerechnet der 20. April als Weltkiffertag im Kalender steht, hat mit einer wohl übertriebenen Verharmlosung der auch als Medikament nutzbaren Substanz zu tun. Jeden Tag um 20 nach vier oder 4.20 sollen sich Freunde des Krauts in Kalifornien zum gemeinsamen Quarzen verabredet haben und wenn der Tag in amerikanischer Schreibweise auf jene 420 fällt, ist das Grund für einen Extrazug am Joint. Für uns nicht, wir bevorzugen weiterhin eher ein kühles und leichtes Feierabendbier und das weit später als um zwanzig nach vier. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Erweiterte Realität: Jetzt springt auch noch Facebook auf den AR-Zug auf, den nicht zuletzt Snapchat mit seinen lustigen Filterchen so richtig ins Laufen gebracht hat. Wo bleibt Apple? Bis auf nebulöse Andeutungen von Tim Cook hat man aus Cupertino nichts dazu gehört. Gleichwohl brodeln in den einschlägigen Küchen die Gerüchte über besondere AR-Fähigkeiten, die im Herbst das iPhone 8 (oder Edition) mit seinen Dualkameras mitbringen soll. Ist Apple ein nicht ein wenig spät dran? Vielleicht, meint unsere Macworld-Kollegin Caitlin McGarry, aber der iPhone-Hersteller will mit dem Thema nicht der Erste sein, sondern der Beste. Wie aber AR-Funktionen nun konkret aussehen - abgesehen von Hasenohren auf Selfies - wird über den Erfolg der Technologie entscheiden. Für Apple bieten sich zahlreiche interessante Optionen, die auf bestehenden Apps basieren, die Facebook und Snapchat nicht haben. Maps bietet sich idealerweise dafür an, zusätzliche, ortsbezogene Informationen auf den Schirm zu bringen. Auch in der Fotografie und im Gaming kann sich AR zeigen und beweisen, lustige Filter für iMessages kann man ja immer noch integrieren.

Aufgabenverwaltung: Gut zwei Jahre nachdem Microsoft den Hersteller des Taskmanagers Wunderlist übernommen hat, kommt nun der Nachfolger der App heraus. Microsoft nennt diesen schlich "To-Do" und belässt ihn als eigenständige App, im Gegensatz  zu anderen Übernahmen wie Sunrise oder Accompli, die nun Bestandteil von Outlook Mobile sind. Microsoft hat To-Do völlig neu konzipiert und ein minimales Design verpasst. Eine der wesentlichen Neuerungen ist die Ansicht "Mein Tag", die Listen und Aufgaben so lange ausblendet, bis diese zur Erledigung anstehen. Aufgaben lassen sich auch in intelligenten Vorschlägen anzeigen, Unteraufgaben wie Wunderlist kennt das neue To-Do aber nicht. Die App ist derzeit in einer Vorscahu für Windows 10. Android und iOS erhältlich und soll im Laufe des Jahres final vorliegen, eine Anbindung au Office 265 soll folgen. Die App Wunderlist besteht noch weiterhin.

Staatliche Zensur: Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wollen die chinesische Behörden der Cyberspace Administration, dem Public Security Bureau und dem Cultural Market Administrative Law Enforcement Team Apple dazu bringen, die Überprüfung von Live-Streaming-Apps im App Store zu verstärken - und im Endeffekt deren Vertrieb in China zu verhindern, sofern sie unliebsame Inhalte präsentieren. Vertreter Apples seien zu Gesprächen vorgeladen worden. In der Vergangenheit hat sich Apple bereits den Wünschen der staatlichen Zensoren gebeugt und etwa die Nachrichtenapps der New York Times aus dem Angebot des App Stores entfernt. Zum aktuellen Fall hat Apple bis dato keine Stellungnahme abgegeben.

Preisverleihung: Apple CEO Tim Cook hat in Washington D.C. den Free Expression Award für Apples Arbeit an Kommunikationstechniken und das Einstehen für Werte wie Schutz der Umwelt und Privatsphäre, Förderung der Bildung und der Rechte von Minderheiten erhalten. In seiner Dankesrede betonte er, wie wichtig es sei, das Recht auf freie Rede zu verteidigen, das nicht zufällig im ersten Verfassungszusatz gelandet sei. Besonders schützenswert seien die Reden, die uns nicht unterhalten, sondern herausfordern und nerven. Freie Rede sei die Grundlage vieler Bürgerrechte.

Vorreiter: Samsung hat mit dem Galaxy S8 vorgelegt und wird mit dem Galaxy Note 8 dem iPhone (6/6s/7) Plus bedeutend Konkurrenz bereiten, dessen ist sich der KGI-Analyst Ming-Chi Kuo sicher. Die starke Nachfrage nach dem quasi randlosen Design des Galaxy S8 sei dennoch eine gute Nachricht für Apple, denn die Nachfrage nach dem großen Bildschirm werde sich auch auf das iPhone 8 im Herbst niederschlagen. Samsung greife also weniger potentielle Apple-Kunden ab, als dass es generell die Nachfrage nach Smartphones mit Bildschirm in voller Größe ankurble.

Weitere Nachrichten:

iCloud-Fehler: Abo gekündigt, Upgrades nicht möglich

Seit gestern Mittag häufen sich Berichte , dass Apple seine iCloud-Speicherplatz-Abos und iTunes-Match-Buchungen mit einer Mail an betroffene Kunden kündigt. Apple Support meldet auf Twitter , dass das Problem bekannt sei und die Entwickler an dem Problem arbeiten. Offenbar ist es kein Einzelfall, denn auch auf Facebook gibt es Meldungen , dass beispielsweise die Optionen zum Speicherplatz-Upgrade über iCloud ebenfalls aus der Einstellungen-App verschwunden sind. Momentan gibt es auf der Seite zum Systemstatus von Apple-Diensten keine Fehler-Meldungen zu den betroffenen Bereichen. Wem Apple das Abo, sei es Apple Music, Speicherplatz oder iTunes Match, gekündigt hat, soll sich am besten an Apple Support wenden. Erfahrungsgemäß werden solche Fehler schnell behoben, man muss jedoch die Zeitunterschiede beachten: Die ersten Meldungen über Fehler sind bekannt geworden, als in Cupertino gerade mal sieben Uhr morgens war.

Eine weitere Erklärungsmöglichkeit bleibt, dass Apple seine Abo-Preise für iCloud-Dienste überarbeitet, und deswegen Nutzer von den teureren Angeboten abmeldet. Der Zeitpunkt ist jedoch nicht nachvollziehbar: Erst vor drei Wochen hat Apple neue bzw. neu aufgelegte Geräte vorgestellt, solche Preisänderungen geschehen meistens im Fahrwasser von größeren Ankündigungen. Gegen diese Version spricht auch, dass die Fehler nur sporadisch auftreten: Auf unseren beiden Redaktions-iPhones konnte man noch vor einer halben Stunde normal den iCloudspeicher erweitern.

Run auf neue AMD-CPUs: Ryzen-Prozessoren dominieren Verkaufslisten

Beim Online-Vergleichsportal Geizhals ist der AMD Ryzen in der Verkaufs-Top10 " Prozessoren " mit allen sieben Modellen vertreten. Gleich auf Platz eins hat es das brandneue Spitzemodell der Ryzen-5-Serie geschafft: der AMD Ryzen 5 1600X (Test) . Auf Platz 2 folgt der Ryzen 5 1600. Immerhin schafft es Intel mit dem 7700K noch aufs Treppchen. Platz 4 geht an den Ryzen 7 1700, Platz 5 an den AMD Ryzen 5 1500X (Test) . Und obwohl sich die Ryzen-CPUs wie geschnittenes Brot verkaufen, haben die Preise schon etwas nachgegeben (siehe Tabelle am Ende des Beitrags).

Wie groß der Run auf die AMD-Prozessoren tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die Verkaufs-Top10 in der übergeordneten Rubrik " Hardware ": Auf Platz 1 und 2 wieder der 1600X sowie 1600, gefolgt vom 7700K. Platz vier belegt dann schon das erste Ryzen-Mainboard Asus Prime B350-Plus, dahinter kommt der Ryzen 7 1700 und der Rzyen 5 1500X.

Noch deutlicher fällt das Duell AMD versus Intel in der Verkaufs-Top10 " Mainboards " aus: Acht Modelle mit dem AM4-Sockel für AMDs Ryzen stehen lediglich zwei Hauptplatinen mit Intels 1151-Sockel gegenüber. Alle drei Verkaufscharts bezeugen eindrucksvoll, dass sich das Kaufinteresse für die Intel-Plattform merklich abgekühlt hat.

Der Druck auf Intel wird also immer größer, dem glanzvollen Comeback von AMD etwas entgegenzusetzen. Kurzfristig könnte der Prozessorgigant mit Preissenkungen versuchen, AMD den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der zweite sinnvoll Schritt von Intel würde darin bestehen, früher als geplant bessere und schnellere Produktlinien auf den Markt werfen. Insbesondere im Highend-Bereich bei den Desktop-Prozessoren muss Intel AMDs Achtkern-Flaggschiff Ryzen 7 1800X (Test) einen rechenstarken Rivalen entgegensetzen.

Das könnten dann beispielsweise Extreme Editions aus der Skylake-X-Baureihe mit 10 oder sogar 12 CPU-Kernen sein, die eigentlich erst zur Gamescom 2017 auf den Markt kommen sollen. Allerdings hat AMD in der Preisklasse jenseits der 1000 Euro noch ein Ass im Ärmel: Eine "Extreme Edition" des Ryzen mit 16 CPU-Kernen könnte Intels Konter einfach ins Leere laufen lassen.

Doch egal, wie dieses Duell am Ende ausgeht - der lachende Dritte sind Sie als Kunde. Den Konkurrenz belebt das Geschäft und sorgt für mehr Wettbewerb und faire Preise. Während Intel (noch) an seinen Preisen festhält, gibt es für die Ryzen-5-CPUs schon wenige Tage nach dem Verkaufsstart einen Preisabschlag von 4 bis 5 Prozent.

Noch mehr Rabatt gewähren die Online-Händler für die Ryzen-7-Modelle. Deutlich verbilligt hat sich der Ryzen 7 1700X (Test) von Anfangs 440 auf nunmehr 390 Euro - ein Preisabschlag von satten 11 Prozent. AMDs Flaggschiff 1800X gibt es bis zu 7 Prozent günstiger und ist jetzt schon für rund 500 Euro zu haben. Und für den belieben Ryzen 7 1700 (Test) gibt es immerhin noch einen Preisabschlag von knapp 6 Prozent.

Zypries kündigt Prüfung von Streamingtarif der Telekom an

Der neue Mobilfunktarif der Deutschen Telekom für unbegrenztes Datenvolumen bei einzelnen Streaming-Angeboten stößt auf Widerstand in der Politik. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) kündigte am Mittwoch an, das Angebot der Telekom durch die Bundesnetzagentur prüfen zu lassen. "Wir müssen uns das angucken, das wird die Bundesnetzagentur tun", sagt Zypries dem ZDF-Onlineportal heute.de.

"Datenvolumen entwickelt sich zur wichtigsten Währung, es ist das Benzin des Smartphone-Motors", hatte Telekom-Manager Michael Hagspihl zu Ankündigung des Tarifs erklärt. Mit der zubuchbaren Funktion "StreamOn" wird künftig das Abspielen bestimmter Inhalte nicht mehr auf das verfügbare Datenvolumen angerechnet. Der neue Tarif kann nach Ansicht von Kritikern das Gebot der sogenannten Netzneutralität verletzen - also das Prinzip, nach dem im Internet alle Daten gleich behandelt werden müssen.

Kritiker bemängeln auch, dass die Basis-Version StreamOn Music erst ab dem Tarif MagentaMobil M kostenlos hinzugebucht werden kann. Die Video-Versionen StreamOn Music & Video sowie StreamOn Music & Video Max setzen sogar die teueren Tarife MagentaMobil L beziehungsweise L Plus vor. In der kleinsten Tarif-Stufe MagentaMobil S kann die Streamingfunktion nicht aktiviert werden.

Zu den ersten Streamingpartnern der Telekom gehören Apple Music, Amazon, Netflix und YouTube, Medienportale wie "Chip" und "Spiegel Online" sowie die ZDF Mediathek, der Sportkanal Sky und auch das mobile Entertain-TV-Angebot der Telekom. Nicht dabei ist bislang Spotify. Das Partnernetz soll weiter ausgebaut werden.

Tarife, die nicht das Datenvolumen des Kunden verbrauchen werden von Experten "Zero Rating" genannt. Dieses Konstrukt widerspricht möglicherweise den EU-Vorgaben zur Netzneutralität, über die in Deutschland die Bundesnetzagentur wacht. Die Aufsichtsbehörde hatte bereits unmittelbar nach der Vorstellung des Tarifs durch die Telekom angekündigt,diesen überprüfen zu wollen.

Zypries sagte, die Bundesnetzagentur müsse nun bewerten, ob die entsprechenden Angebote mit diesen Grundsätzen konform gingen. "Erstmal sollte es möglich sein, neue Angebote zu entwickeln, ehe man gleich sagt: Das geht nicht", sagt Zypries im ZDF. Die verbindliche Bewertung unterliege aber der Bundesnetzagentur. (dpa/ib)

IBM: Umsatz seit fünf Jahren rückläufig

Der US-Konzern IBM kämpft weiterhin mit rückläufigen Umsatzzahlen. Zwar konnte das Cloud-Geschäft zum Jahresbeginn etwas zulegen. Im Hardware-Geschäft sank der Umsatz von IBM im ersten Quartal 2017 jedoch erneut um 2,8 Prozent auf 18,2 Milliarden US-Dollar. Die Umsätze des Unternehmens sind damit schon seit 20 Quartalen rückläufig. Auch der Netto-Gewinn sank um 5,5 Prozent auf 1,75 Milliarden US-Dollar. Die Börse reagierte prompt, die Aktie von IBM fiel um fünf Prozent im Wert.

Dabei hatte IBM mit großen Umbaumaßnahmen versucht, die schlechten Geschäftszahlen zu verbessern. Branchenweit kämpfen Hersteller jedoch mit dem schrumpfenden Hardwaregeschäft. Entsprechend will IBM mehr Kraft in Cloud-Dienste stecken. In diesem Marktsegment stieg der Umsatz im ersten Quartal um rund ein Drittel auf 3,5 Milliarden US-Dollar. Hier muss sich IBM jedoch starken Rivalen wie Oracle und Microsoft stellen.

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