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Morgenmagazin vom Donnerstag, 22. Februar 2018

22.02.2018 | 07:03 Uhr |

Neue iPads deuten sich an +++ Apple will Cobalt direkt von Mineuren beziehen +++ Tim Cook im Interview mit Fast Company +++ Ab 2021: Aufblasbare Raumstation für Weltraum-Touristen soll Erde umkreisen +++ Tesla: Server wurden von Hackern gekapert +++ Nokia ist unzufrieden mit Health-Sparte +++ Interview: "Mit vierzehn iPhones und iPads zum viralen Hit"

22. Februar: Kraut-iMac

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Apple hat ein Gespür für Design, das war schon immer so. Steve Jobs hat sich bei seinen Gestaltungswünschen für Apples Geräte bei Dieter Rams inspirieren lassen, heute trägt der Gestaltungswille bei Apple den Namen Jonathan Ive. Man muss sagen, auch der HomePod ist ihm wieder gut gelungen, wobei die Zylinderform ja nicht viel Spielraum ließ. Das Weiß macht sich ausnehmen gut im Musikregal, eine Remineszenz an die Industriedesigns von Rams und Ive selbst - der iPod lässt grüßen. Wir fürchten zwar, das Stoffgitter könnte verschmutzen und zwar schneller als die der schwarzen Variante - aber vielleicht finden sich ja Ideen für eine sanfte Reinigung. Sonst müssen wir akzeptieren, wenn der Lautsprecher allmählich Patina ansetzt, das geht High-End-Boxen ja auch so oder unseren Gitarren, die wir oft und intensiv spielen. Der HomePod muss ins Wohnzimmer und nicht ins Museum. Vielleicht landet er da ja eines Tages.

Der iMac ist längst dort angekommen, vor allem seine erste Fassung, die im Farbton Bondi Blue. Die edle weiße Schneekönigin iMac G4 mag zwar hübscher sein, das Original hatte aber den größeren Einfluss auf das Industriedesign rund um die Jahrtausendwende. Plötzlich musste alles Plastik halbdurchlässig und bunt sein: transluzent eben. Was macht ein auf derart plumpe Weise kopiertes Unternehmen mit seinem unverwechselbaren Design? Richtig, es erfindet es neu. Das war dann eben die auf das iPod-Weiß reduzierte Schneekönigin.

Aber bevor Jony Ive mit deren Gestaltung durch war - Steve Jobs hatte ja noch etliche Sonderwünsche - musste Apple einen kleinen Umweg nehmen. Der iMac G3 war in die Jahre gekommen, noch bevor der Ruf nach einem TFT-Display laut wurde, musste Apple auf die Nachfrage nach einem CD-Brenner reagieren. Erste Macs - Powerbook G4 Titan und Power Macs - hatte Apple erst im Januar 2001 gezeigt - nun sollte also auch der iMac CDs nicht nur lesen, sondern auch schreiben können.

Der Nachfolger war aber noch nicht fertig, also musste ein Zwischengerät her, mit dem gleichen CRT-Monitor und dem knuddeligen Formfaktor. Nur hatte der iMac 2001, den Steve Jobs am 22. Februar 2001 auf der Macworld Expo in Tokio zeigte, eben eine andere Farbe. Eine ganz andere, oder eher deren zwei. Und nicht nur humoristisch fragten sich Beobachter, was denn der Chefdesigner im Hippie-Staat Kalifornien so alles geraucht hat.

Die Unterstellung lag nahe, dass der Brite an den Knospen der Cannabis indica genascht habe, schließlich hieß die eine "Farb"-Variante der neuen iMacs ja "Flower Power". Wie man aber später erfuhr, war Ive mutmaßlich mit vielen anderen und wichtigeren Dingen beschäftigt, weswegen er nicht so viel Zeit und Aufwand in die Gestaltung der iMacs stecken konnte. Fairerweise muss man auch sagen, dass den Flower-Power-Mac kein einziges Cannabis-Blatt zierte, dafür eine Vielzahl anderer stilisierter Blätter, Blüten und anderer Pflanzenteile.

Die andere Farbe war beinahe noch schlimmer: Blaue Punkte auf weißem Grund. Apple nannte das "Dalmatian Blue", der iMac sollte gewissermaßen zum 102ten Dalmatiner werden. Ein paar Wochen später hatten wir anlässlich des 1. April gescherzt, man habe ein Verfahren gefunden, bei dem man die Farbe der Punkte ändern könne, wenn man das Gehäuse leichter Hitze aussetze. Aber auch eine größere Farbvielfalt hätte die Verkaufszahlen des iMac im Jahr 2001 nicht mehr retten können, schon drei Jahre nach seinem Start schien der All-in-one an seinem Ende angelangt. Aber dann kam der flache iMac, ganz in weiß - und ohne Blumenstrauß. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Genehmigungsverfahren:  Was den Nachfolger des iPad 9,7 (Frühling 2017) angeht, könnte schon im März eine Ankündigung aus Cupertino erfolgen. Wie die französische Website Consomac in einer Datenbank der Eurasischen Union gefunden haben will, hat Apple für den Wirtschaftsraum Russland, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und Kirgistan zwei neue Geräte angemeldet, die Verschlüsselung einsetzen und daher einer behördlichen Genehmigung bedürfen. Es handele sich dabei um die Produktnummern  A1954 und A1893: Tablets von Apple. In jener Datenbank waren seinerzeit vorab auch Hinweise auf neue Macbooks, die AirPods und das iPhone 7 aufgetaucht, erklärt 9to5Mac . Und ordnet auch den voreiligen Schluss von Consomac ein: Nein, Apple bereite sich eher nicht auf eine März-Keynote vor. Bei den Geräten handele es sich aller Voraussicht nicht um das für Herbst erwartete Update des iPad Pro, das wie das iPhone X mit schmälerem Rahmen und FaceID kommen könnte, sondern eher um die Weiterentwicklung des Standard-iPads. Jenes hatte Apple vor einem Jahr als iPad 9,7 auf eine neue Schiene gestellt, im März – aber ohne Keynote, sondern lediglich mit einer Pressemeldung. Interessant aber auch ein weiterer neuer Eintrag (19. Februar) in der Datenbank. Apple habe neben zwei womöglich neuen Tablet-Mustern auch Stichproben von "Smartphones der Marke Apple" eingereicht. Besteht doch noch die Chance, dass Apple im Frühjahr eine neue Version des iPhone SE vorstellt und in den Handel bringt?

Interview: Über künftige konkrete Produkte sprach Tim Cook im Interview mit Fast Company zwar nicht, erklärte dem Magazin, das Apple zum innovativsten Unternehmen der Welt erklärt hat, dass man längst an Entwicklungen arbeite, die erst in den 20er-Jahren marktreif wären. Cook plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen und betonte, Apple würde vor allem an Produkten interessiert sein, die das Leben ihrer Nutzer besser machen und nicht daran, den Aktienkurs zu steigern. Im Gegenteil sei die dreimonatige Berichtspflicht lästig, denn die Entwicklung halte sich nicht an derartige Zyklen, sonder sei wesentlich langfristiger angesetzt - die Arbeit von vielen Jahren könne sich nicht in bestimmten Quartalen auszahlen. Zudem setzte Apple zwar Zielmarken, wann ein Produkt fertig sein müsse, verschiebe aber die Auslieferung, wenn es noch nicht fertig ist. Als einen wesentlichen Teil seiner Arbeit bezeichnete es Tim Cook, all das Getratsche der Öffentlichkeit von den internen Kräften fern zu halten, damit sich die Mitarbeiter auf ihre Arbeit konzentrieren könnten und deren Erfordernisse, statt allgemeinen Erwartungen zu genügen. Ein anderes Thema: Musik. Diese sei tief in der DNA des Unternehmens verankert und für Apple nicht aus Profit-Gründen wichtig. Der HomePod sei als smarter Speaker auch deshalb gemacht worden, weil die bisherigen Lösungen dieser Art es an Klangqualität zu wünschen ließen. Man stelle sich vor, wie aufwendig eine Studioproduktion ist und welchen Wert Musiker auf den Klang legen - dann könne das Ergebnis nicht aus quäkenden Lautsprechern kommen. Cook bedauert zudem, dass Musik in letzter Zeit immer mehr zu "einer Sache von Bits und Bytes" geworden sei und die Handarbeit weniger im Vordergrund stehe.

Mehr als nur ein Spielzeug: Augmented Reality (AR) ist kein Zukunftsthema mehr, sondern längst in der Gegenwart angekommen. Doch hat man nicht immer viel Freude an Anwendungen unter iOS 11, unter Umständen nicht einmal mit dem iPhone X. Der Grund: Zu unsaubere und zu schlecht ausgeleuchtete Oberflächen, auf denen AR-Apps ihre Magie ausbreiten können. Einen interessanten Ansatz bringt der Merge-Cube, ein Würfel aus elastischem und haltbaren Material, der mit allerlei Symbolen auf seinen sechs Seiten bedruckt ist. Genau diese silber glänzenden Ornamente geben nun der iPhone-Kamera und der zugehörigen AR-App optischen Halt, so wird aus dem unscheinbaren Würfel auf dem iPhone-Bildschirm etwa ein menschliches Organ, das man von allen Seiten aus betrachten kann, indem man den Würfel in seiner Hand bewegt. Oder der Merge Cube zeigt sich als Ribik's Cube. Unsere Kollegen der Macworld haben das Wunderding etwas näher betrachtet.

Direktlieferung: Laut eines Bloomberg-Berichts, den Apple nicht kommentieren wollte, will der iPhone-Hersteller offenbar Cobalt direkt von Bergbauunternehmen beziehen. Bisher hat man das den Herstellern der Batterien überlassen, von welchen Händlern und aus welchen Minen sie den Rohstoff für Lithium-Ionen-Batterien beziehen. Die möglichen Gründe sind unklar, Apple könnte mit einem derartigen Vorhaben versuchen, sich die Rohstoffe besser zu sichern und vor allem Kontrolle über die Lieferkette auszuüben. Denn auch Cobalt will Apple gemäß eigener Ansprüche aus konfliktfreien Quellen beziehen – Warlords, die im Kongo Kinder in den Minen schuften lassen, sollten vom iPhone-Boom nicht auch noch profitieren. Vor allem aber dürfte Apple Sorge tragen, dass die zunehmende Nachfrage nach Batterien den Bezug immer schwieriger machen könnte. Laut der Bloomberg-Quellen verhandle Apple über den Ankauf mehrerer tausend Tonnen über fünf Jahre.

Bequemer: Mit dem HomePod kommt wieder die Frage auf, warum die Steuerung von AirPlay in macOS und iOS mehr oder mindern nur digital ist - an oder aus. Appleworld.today wirft daher wieder den Blick auf eine Software, die das AirPlay-Straming vom Mac aus deutlich bequemer macht: Airfoil von Rogue Amoeba. Die Software kostet zwar 29 US-Dollar, die Investition wird sich für viele aber lohnen. Denn anders als Airplay auf iPhone oder Mac bietet Airfoiul auch einen Equalizer, mit dem sich etwa der beeindruckende Bass des HomePod ein wenig zurück nehmen ließe. Denn Airfoil könnte vor allem in dem Szenario zum Einsatz kommen, in dem man einen Film auf den Mac schaut, die Tonspur aber lieber vom HomePod geliefert hätte.

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Ab 2021: Aufblasbare Raumstation für Weltraum-Touristen soll Erde umkreisen

„Ich baue dann mal eben eine Raumstation. Mehr als doppelt so groß wie die ISS“. So oder so ähnlich muss man sich die Gedanken des 72 Jahre alten Multi-Milliardärs Robert Bigelow vorstellen, als er beschloss, eine eigene Raumstation bauen zu lassen.

Das nötige Kleingeld hat Bigelow mit seiner Hotelkette Budget Suites of America verdient. Bigelow interessiert sich schon länger für Weltall-Themen und erklärte in der Vergangenheit, dass es Außerirdische auf der Erde gab oder sogar noch gibt.

Mit seiner neuen Firma Bigelow Space Operations (BSO) verfolgt Bigelow jetzt das Ziel, eine eigene Raumstation in einer erdnahen Umlaufbahn (rund 400 Kilometer über der Erde) zu errichten. Diese Raumstation soll aus aufblasbaren Einzelmodulen bestehen. Diese einzelnen aufblasbaren Module heißen B330. Sie werden von Bigelow Aerospace gefertigt, einem weiteren Unternehmen des umtriebigen Hotelketten-Besitzers.

Die B330-Module starten in der Transportrakete im zusammengefalteten Zustand und werden dann in der Erdumlaufbahn mit einem für Menschen verträglichen Luftgemisch aufgeblasen. Dicke weiße Schilde an der Außenseite schützen die Module vor Weltraummüll und Strahlung. Ein B330-Modul bietet Platz für rund sechs Personen.

Falls Sie die Idee von aufblasbaren Weltraumstationen für absurd halten: falsch. Denn an der ISS befindet sich bereits ein solches aufblasbares Modul, die Technik funktioniert also. Die NASA hat dieses im aufgeblasenen Zustand rund 4 Meter x 3,23 Meter große „Bigelow Expandable Activity Module“ (BEAM) 2016 an der Raumstation andocken lassen. Eine Falcon-9-Rakete von SpaceX brachte das BEAM in einer Dragon-Transportkapsel zur ISS.

Im Jahr 2021 sollen die ersten beiden aufblasbaren B330-Module ins Weltall starten: B330-1 und B330-2. Jedes Modul ist nicht ganz 17 Meter lang. B330-1 und B330-2 sollen im All miteinander verbunden werden und so eine Raumstation bilden.

Bigelow will seine Raumstation vermarkten: Auf der Raumstation sollen sich zum Beispiel Weltraum-Touristen einmieten können. Für so einen Hotelbesuch im All dürften einige Millionen US-Dollar fällig werden. Außerdem sollen interessierte Staaten Zeit und Platz auf der Station für Weltraumexperimente buchen können. Der Bedarf danach könnte im Laufe ab 2028 tatsächlich da sein, falls die ISS geschlossen werden sollte. US-Präsident Donald Trump will die Unterstützung der USA für die ISS einstellen und die ISS privatisieren.  

Falls die Tests mit den 2021 gestarteten B330-Modulen erfolgreich verlaufen, will Bigelow danach mit einer einzigen Rakete – vielleicht mit einer Falcon Heavy von SpaceX – eine komplette Raumstation ins All schießen lassen, die nur aus diesen aufblasbaren Modulen besteht und 2,4 Mal so groß wie die ISS sein soll. Und anders als die ISS, deren Aufbau viele Jahre dauerte, soll die aufblasbare Raumstation ruckzuck benutzbar sein. Diese als Olympus bezeichnete Raumstation soll zwischen 75 und 80 Tonnen wiegen. Sie soll acht bis zehn Jahre lang nutzbar sein.

Bevor Bigelow seine aufblasbare Raumstation ins All schießen lässt, will er aber erst ein Business-Modell dafür entwickeln. Nur wenn klar ist, wie die Raumstation Gewinn erwirtschaften kann, startet Bigelow das Projekt, wie Business Insider berichtet.

Tesla: Server wurden von Hackern gekapert

Hacker haben sich Zugang zum Cloud-Account des Autobauers Tesla verschafft. Dort hatten sie Zugriff auf sensible Daten wie die Fahrzeugtelemetrie. Nach Angaben der Sicherheitsfirma Redlock hatte Tesla die Anmeldeoberfläche zu einem Konto des Amazon Web Service (AWS) aus dem Internet erreichbar gemacht und eine Kubernetes-Konsole nicht ausreichend geschützt. Redlock informierte den Autobauer sofort über diese Sicherheitslücke. 

Laut Tesla seien keine Kundendaten gestohlen worden. Man habe die Lücke wenige Stunden später geschlossen. Die entwendeten Telemetriedaten stammen laut Hersteller von ausschließlich intern genutzten Testfahrzeugen. Redlock geht davon aus, dass der Diebstahl von Daten für Hacker mittlerweile deutlich weniger interessant geworden ist als das heimliche Minen von Kryptowährungen auf den gekaperten Servern. Das Unternehmen geht davon aus, dass 58 Prozent aller Cloud-Dienste wie AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud von ihren Kunden über eine öffentlich zugängliche Anmeldeoberfläche erreichbar sind. Bei acht Prozent sei es schon zu Cryptojacking-Vorfällen gekommen, bei denen Hacker die gemietete Rechenleistung unrechtmäßig zum Erzeugen von Kryptowährungen verwendet hätten. Den Cloud-Konten würde es noch an ausreichenden Schutzmaßnahmen fehlen.
 

Nokia ist unzufrieden mit Health-Sparte

Vor zwei Jahren übernahm der finnische Netzwerkausrüster den französischen Hersteller von Gesundheitsgadgts Withings für 170 Millionen Euro . Aus der Akquisition ging die neue Gesundheitssparte Nokia Health hervor. Der Gesundheitsbereich des ehemaligen Handy-Herstellers kündigte zuletzt eine WLAN-Waage, ein Blutdruckmessgerät und den Ausbau seiner Health-Mate-App an.

Diese neue „Gesundheitsoffensive“ scheint jedoch nicht gefruchtet zu haben. In der vergangenen Woche kündigte Nokia in einer offiziellen Mitteilung eine „ strategische Überprüfung “ von Nokia Health an. Diese Überprüfung könne laut Nokia in Veränderungen bei Nokia Health resultieren. Der Prozess sei dem Unternehmen zufolge jedoch noch nicht abgeschlossen.

Wie unzufrieden Nokia mit seiner Gesundheitssparte tatsächlich ist, zeigt in dieser Woche ein firmeninternes Rundschreiben, in dessen Besitz das IT-Magazin The Verge gelangt ist. Darin heißt es, dass es Probleme gebe, das für Nokia Health erhoffte Wachstum zu erreichen. Nokia sehe aktuell keinen Weg, dass das digitale Gesundheitsgeschäft ein wichtiger Teil von Nokia werden könne. Ob und wann Nokia die Nokia-Health-Sparte tatsächlich einstampfen wird, bleibt abzuwarten. Das interne Memo macht jedoch deutlich, dass es für den finnischen Konzern wahrscheinlich keine Alternative gibt.

Interview: "Mit vierzehn iPhones und iPads zum viralen Hit"

Facebook, Twitter und Youtube haben es möglich gemacht: Für eine gute Idee braucht es keine PR-Agentur oder große Zeitung mehr um bekannt zu werden, die Nutzer teilen die Inhalte selbst, die Macher wachen eines Tages als Berühmtheiten auf, und hoffen, erfolgreich zu bleiben. So weit, so einfach. Wir wollten etwas genauer wissen, was hinter so manchen Likes and Shares genau steckt und ob sie im realen Leben tatsächlich etwas bringen. Dafür haben wir uns die ukrainische Indie-Pop-Band " Brunettes shot Blondes " ausgesucht, die Jungs haben Ende 2014 einen wahrlich viralen Hit gelandet – ihr Video "Knock knock" zählt bisher rund 9,5 Millionen Views auf Youtube. Die bis dahin nicht bekannte Band schaffte es zunächst in die Spalten der Musikfachpresse und der Unterhaltungsmagazin, danach schwappte das Video auf Technikseiten über. Denn die Idee war für den Film war völlig neu: Die komplette Handlung spielt sich auf mehreren Apple-Geräten gleichzeitig ab, diese mussten aber dazu miteinander zusammenwirken, damit die Erzählung stimmig wird.

Wir haben mit dem Frontman der Gruppe Andriy Kovaliov gesprochen.

Macwelt: Wer hatte die Idee zu diesem Video?

BSB : Die Anfangs-Idee zu dem Clip ist mir an der Uni eingefallen. Ich saß in einer Pause und beobachtete vor mir mehrere Menschen mit Laptops auf Ihren Knien. Dabei dachte ich mir, dass es ziemlich interessant wäre, wenn die Objekte auf den Bildschirmen miteinander agieren, wenn etwas von einem Bildschirm in einen anderen springt. Wenn ich Songs und Musik dazu schreibe, überlege ich mir gleichzeitig, welche visuelle Geschichte zu dem künftigen Song passen würde, so dass gleich ein Gesamtkonzept entsteht. Genau das ist auch mit "Knock Knock" passiert. Das Video selbst war aber ein Teil der strategischen Idee, die wir mit den anderen Band-Mitgliedern besprochen haben. Wir wollten nämlich die Möglichkeiten von Social Media ausschöpfen und irgendetwas Ungewöhnliches schaffen, das gerne geteilt wird. So wollten wir für das nächste Video keine klassische Band-Performance, sondern etwas ganz anderes. Die Idee mit den zwei, drei Bildschirmen kam dann passend hinzu.

Macwelt: Wie habt ihr das überhaupt verfilmt? Die Idee hört sich simpel an, aber die Verwirklichung im Video sieht ziemlich kompliziert aus.

BSB : Die Animation für das Video haben unsere Freunde im Studio " SYT-X " gemacht. Der Trick besteht darin, dass auf allen vierzehn Geräten im Video ein Film mit der gleichen Länge, also 2 Min und 44 Sek, abläuft. Wir hatten aber einen halben Tag gebraucht, um die Dateien auf allen iPhones, iPads und Macs zum Laufen zu bringen. Davor mussten wir aber erstmals die Geräte besorgen. Zu der Zeit hatte weder ich noch hatten andere Band-Mitglieder ein iPhone oder dergleichen. Fast alles haben wir jedoch im Freundeskreis gefunden, nur der iPod Nano fehlte. Wir hatten jedoch auf Facebook unsere Fans gefragt und einer hat sich bereit erklärt, mit seinem iPod beim Filmen mitzumachen. Die größte Schwierigkeit hatten wir jedoch dabei, dass alle vierzehn Beteiligten ihre Geräte gleichzeitig starten. Das war ausschlaggebend für den nahtlosen Übergang. Das Starten und die "Choreographie" hatten wir zehn bis fünfzehn mal geübt, danach haben wir uns noch drei bis vier Mal  dabei gefilmt. Das Video ist ja in einem Take aufgenommen, ich habe dann am Ende des Tages zwischen den vier Abschluss-Takes den besten ausgesucht, mit dem Song synchronisiert und auf Youtube hochgeladen.

Macwelt: Seid ihr am Morgen danach berühmt aufgewacht?

BSB : Nein, eigentlich nicht. Als ich die Idee hatte, schien sie sehr gut zu sein. Nach unserem Film-Tag, als ich das beste Video aussuchen wollte, wusste ich nicht mehr, was gut und was schlecht war. Das ist wohl die Betriebsblindheit, die sich einstellt, wenn man etwas mehrmals hört, liest oder sieht. Die ersten zwei Wochen online haben uns rund zehn Tausend Views mitgebracht, das war für unsere Verhältnisse damals ganz in Ordnung, aber nichts überragendes. Ich hatte mir damals gedacht: Wir haben mit der Band alles Mögliche für diese Idee getan, mehr kann man nicht machen. Danach haben aber unsere Freunde angefangen, uns Links von Facebook zu schicken. Mehrere große Fan-Seiten wie Unilad Sound, NTDLife, MTV Facebook, Diply etc. haben unser Video hochgeladen und geteilt. Auch gewöhnliche Nutzer haben den Clip bei sich in der Timeline hochgeladen und dann plötzlich mehrere Tausende Shares erhalten. Wir haben solche User dann angeschrieben mit der Bitte, in dem Post zumindest auf die Autoren hinzuweisen. Diese haben sich entschuldigt und gemeint, sie haben das Video nur für eigene Freunde veröffentlicht, die Reaktion darauf hat sie selber überrascht. Kurzum, die Verbreitung auf Facebook hat uns geholfen, das Youtube-Video zu verbreiten, obwohl dort nicht so viele Views zusammen kamen als bei den ganzen Facebook-Clips.

Macwelt: Außerhalb von Likes und Views hat euch die ganze Publicity etwas gebracht?

BSB : Nun ja, die Verbreitung bei Facebook und Youtube hat die Aufmerksamkeit der Presse nach sich gezogen. Zunächst  hat das Fachblatt " Billboard " das Video vorgestellt, danach kamen andere Medien wie "Yahoo", "Cnet", "The Verge". Diese Berichterstattung hat uns wohl eine interessante Kooperation in das Postfach gespült: Rund ein Monat nach dem Start von "Knock Knock" hat sich bei uns Opel gemeldet mit dem Vorschlag, die Firma finanziert uns das nächste Video, wir müssen dafür in dem Video den neuen Opel Corsa mehr oder weniger als Product Placement unterbringen.

Aber auch außerhalb von Medienrummel konnte sich die Band weiterentwickeln, wir wurden in den letzten zwei Jahren ständig auf die Festivals in Europa aufgeladen. Wir sind in Tschechien, Polen, sehr viel in Ungarn aufgetreten. Ein Ritterschlag war wohl die Einladung und der Auftritt auf Sziget 2016 .

Macwelt: Und nun?

BSB: Unser nächster Schritt wird wohl sein, die Band zu professionalisieren und allmählich versuchen, mit unserer Kunst Geld zu verdienen. Es ist nämlich für uns als Musiker wichtig, dass wir uns nur auf die Songs und Musik konzentrieren können und nicht noch eine Nebenbeschäftigung betreiben, um den Lebensunterhalt zu verdienen.

Macwelt: Wir bedanken uns für das Gespräch.

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