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Morgenmagazin vom Donnerstag, 22. März 2018

22.03.2018 | 07:05 Uhr |

Iovine vor Rückzug von Apple Music +++ Apple News: Hoffnung für Publisher? +++ Apples langfristiger Ansatz für Siri +++ Kryptowährung-Nepp: So zocken Betrüger Etherum ab +++ Uber-Unfall: Toyota pausiert Tests mit autonomen Autos +++ Lichtfeldfotografie: Google will angeblich Lytro übernehmen

22. März: Wasser marsch!

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Unsere Heimat, dieser unscheinbare Felsenplanet in der habitablen Zone eines unspektakulären, dafür aber langlebigen G-Klasse-Sterns, sollte eigentlich nicht Erde, sondern Wasser heißen. 71 Prozent der Oberfläche sind von Wasser bedeckt, Tendenz derzeit steigend. Aus dem Wasser kommen wir schließlich auch, so bestehen wir immer noch zu gut 71 Prozent aus jenem Stoff, den man eigentlich auch als verbrannten Wasserstoff bezeichnen könnte, also als Asche jenes weit verbreiteten Urstoffs des Universums. Wir sind also nicht nur aus Staub gemacht und müssen zur Asche zurückkehren, sondern sind aus dem Wasser gekommen und kehren wieder dahin zurück. Leben, wie wir es kennen und definieren, kann nur mit flüssigem Wasser funktionieren, der Kohlenstoff, unser Lebensgrundbaustein, benötigt für seine komplexe organische Chemie die wässrige Lösung.

Das Wasser kann auch ohne Leben in Allgemeinen und uns im Speziellen, aber es geht halt nicht umgekehrt. Deshalb hat das Wasser auch einen eigenen Welttag mehr als verdient, seit dem Jahr 1993 fällt er auf den 22. März und damit in die Nachbarschaft zum Earth Day, der immer am 22. April ansteht - die Earth Hour ist wieder für den Abend des kommenden Samstag anberaumt.

Jedes Jahr bekommt der Weltwassertag ein eigenes Motto, heuer lautet es „Wasser und Natur“. Zur Natur gehört zweifelsfrei auch der Mensch, es ist kein Gegeneinander, es kann nur miteinander funktionieren. Wasser ist auf diesem Planeten wirklich ausreichend vorhanden und wirklich verbrauchen kann man es nicht, es ist stets in Kreisläufen eingebunden. Doch kann es so verschmutzt werden, dass es eben nicht mehr als wichtigste Ressource der Natur fungieren kann, vergiftet, versalzen und voller Mikroplastik.

Stellt man Gedankenexperimente an, dass die Menschheit - und nur diese - von einem Augenblick auf den nächsten von der Erde verschwände, kommt man sehr schnell auf die Idee, dass sich der Rest der Natur den Planeten recht schnell wieder zurückholen würde. Nur mit den Hinterlassenschaften des Homo Sapiens hätte sie noch sehr lange zu kämpfen, jenen Stoffen, den wir mit viel Aufwand und Energie aus den Böden geholt und mit noch mehr Energie in völlig andere Substanzen verwandelt haben, mit denen der Rest der Ökosphäre nicht zurecht kommt. Plastik verrottet schließlich nicht, Sonne, Wind und Wasser (sic!) zerkleinern es nur so weit, dass es sich schier über das gesamte Gewässer verteilt - und in der Nahrungskette anreichert. Am Ende des Massensterbens, das der Mensch ausgelöst hat und dem er zumindest im Gedankenexperiment zum Opfer fällt, wird die Natur womöglich eine neue Antwort finden. Zumindest werden Bakterien, die Plastik tatsächlich zerlegen und in neue Energie verwandeln können, einmal einen evolutionären Vorteil genießen und mit ihnen Lebewesen, die ihrerseits von und mit diesen Einzellern leben.

Dem Wasser ist das egal, der verbrannte Wasserstoff war vermutlich schon vor Entstehung der Erde in dieser Gegend der Galaxie vorhanden und ist es gewiss auch in anderen Raumregionen. Das Wasser kann auch ohne uns, nur wir nicht ohne Wasser.

Wasser ist Leben und wenn nicht ein Menschenrecht, erwächst aus den ökologischen und ökonomischen Zusammenhängen auf dem Wasserplaneten, den wir Erde nennen, die Pflicht, dem Leben den Zugang zu sauberen und nutzbaren Wasser zu verschaffen und zu erhalten. Feiern wir also den Weltwassertag als unseren gemeinsamen globalen Feiertag, wir müssen ja nicht unbedingt mit Wasser darauf anstoßen… Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Special Event: Wie wir ja schon vermuteten, hat Apple in dieser Woche per Pressemitteilung Neuerungen vorgestellt, die auf dem für kommende Woche veranschlagten Bildungsevent eher Fehl am Platz wären, neue Apple-Watch-Armbänder. Was bisher nicht zu sehen war: Neue Geräte. Ein Nachfolger des iPhone SE wird zwar sehnsüchtig von vielen erwartet, könnte aber komplett ausfallen - auf dem Bildungsevent wird es um anderen Dinge gehen. Allen voran um ein neues iPad und dessen produktiven Einsatz in Schulen und Universitäten, das scheint sicher zu sein. Aber was ist mit dem Mac? Jason Snell bringt das Thema auf das Tapet, denn auch das Macbook Air ist im Bildungswesen recht beliebt und harrt der Überarbeitung. Wunder würde es also nicht - aber aller Voraussicht dreht sich die Veranstaltung in Chicago mehr um iOS und passende Hardware.

Also doch: Zuletzt dementierte Gerüchte über einen bevorstehenden Rückzug von Jimmy Iovine von Apple Music scheinen sich nun doch zu bestätigen. Wie das Wall Street Journal berichtet, werde der Musikproduzent im August seinen Managementposten aufgeben, den er mit der Übernahme von Beats im Jahr 2014 übernommen hatte. Stattdessen werde er nur mehr in beratender Funktion tätig sein. Laut WSJ habe er nahestehenden Personen gesagt, er wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und den SVP for Internet Software and Services Eddy Cue dann unterstützen, wenn er es brauche. Bereits im Januar spekulierten Quellen über den Abschied Iovines von Apple Music, gegenüber Variety hatte er seine volle Loyalität zu Apple versichert und erklärt, so lange zu bleiben, wie es nötig sei. Die Berichte hätten ihn gestört, da sie nichts mit der Realität zu tun hatten. Welchen Einfluss Iovine genau auf Apple Music hatte und hat ist indes ein wenig unklar. Zwar habe er täglich Meetings in Los Angeles abgehalten, angeblich aber hätten andere Manager Eddy Cue in seinen Aufgaben unterstützt, etwa der für die Musik zuständige Robert Kondrk und Jeff Robbin, der die Teams von Ingenieuren anleitete.

Langfristig : Siri ist hinter Alexa und den Google Assistant zurück gefallen, geht die allgemeine Erzählung. Doch müsse man beachten, dass es Unterschiede speziell zwischen Siri und Amazons Lösung Alexa gebe, weist ZDNet-Autor Ross Rubin in seiner Kolumne hin. Denn Alexa beschränke ihren Einsatz auf bestimmte Skills mit speziellen Aufgaben, die genau definierte Befehle erfordern, während Apple Siri so entwickelt, dass sie natürliche Sprache verstehe. Apple müsse sich allenfalls über die Möglichkeiten Amazons sorgen, die Verbreitung von Alexa-fähigen Geräten noch wesentlich zu steigern und so noch besser lernen zu können. Doch sind iPhone und die Apple Watch ja auch recht populär und tragen die langfristige Entwicklung.

Hoffnung: Der Skandal um Cambridge Analytica zeigt auf, wo Facebook und auch Google ihre Interesse haben, dem Generieren von Werbeumsätzen. Für Verleger, die auf die Plattformen setzten, um ihre Reichweiten zu halten und auszuweiten, sollte das ein letztes Warnsignal sein. Facebook und Google sind nicht dazu gemacht, um Publishern zu helfen, sondern um sie auszuweiden, wie Peter Kafka auf Recode es ausdrückt. Die Alternative könnte in Apples News-App bestehen. Denn diese hat Apple nicht gemacht, um Werbung zu verbreiten und Daten der Anwender einzusammeln, sondern um die Attraktivität der Hardware zu steigern. Schon heute bringt Apple News Verlegern neue Leser und Abos ein, landet man mit einer Story im News-Widget, steigert das den Zugriff auf das eigene Angebot signifikant. Haken an der Sache: Die News-App gibt es in Deutschland nach wie vor nicht, sondern nur das benannten Widget. Und welche Geschichten darin auftauchen, ist alleine Apples Entscheidung. Ebenso unterwerfen sich Verleger der Entscheidungsgewalt Apples, wenn sie ihre Publikationen im "iTunes Store für Zeitugen und Zeitschriften", was die News-Apps sein könnte und wollte, einstellen. Denn welche Titel an welcher Stelle stehen, ist dann Sache des Kiosk-Betreibers. Mit der kürzlich angekündigten Übernahme von Texture zeigt Apple aber sein Engagement, im Jahr 2011 hatte Apple bereits den Medienunternehmer Rupert Murdoch bei seinem Versuch unterstützt, mit "The Daily" die Tageszeitung in das digitale Zeitalter zu überführen.

Weitere Nachrichten:

Kryptowährung-Nepp: So zocken Betrüger Etherum ab

Das Angebot klingt attraktiv: In Tweets scheinbar prominenter Nutzer taucht immer häufiger ein Hinweis auf, der zu einer Website führt, die wundersame Geldvermehrung verspricht. Auf dieser Website erhält der Nutzer nämlich das Angebot, eine Menge von x an Ethereum (oder einer anderen Kryptowährung) an eine Wallet zu schicken. Im Gegenzug erhalte man dann die 10fache Menge zurück. Als "Beweis" werden angeblich bereits durchgeführte aktuelle Transaktionen aufgelistet, denen zu entnehmen ist: Kurz nach dem Eingang der Kryptowährung, wird die zehnfache Menge an die Wallet des Versenders zurück überwiesen. Um auch einen zeitlichen Druck auszuüben, ist das Angebot meistens nur für kurze Zeit oder nur solange verfügbar, bis eine gewisse Menge an Kryptowährung ausgeschüttet wurde.

Eine Promotion sei dies, um die Beliebtheit von Ethereum & Co. zu steigern. So wird also begründet, warum jemand angeblich Geld verschenkt.

Wenn man sich das Ganze  genauer anschaut, dann steckt dahinter nur eins: Ein einfach gestrickter Nepp. Aktuelles Beispiel: In einem viel beachteten Tweet mit dem Hashtag "#deletefacebook" fordert WhatsApp-Mitbegründer Brian Acton die Nutzer dazu auf, angesichts des aktuellen Cambridge-Analytica-Skandals ihr Facebook-Konto zu löschen. Direkt unter dem Tweet erscheint ein weiterer Tweet, der scheinbar ebenfalls von Brian Acton stammt. "Löscht und vergesst es. Es ist Zeit sich um den Datenschutz zu kümmern", heißt es dort. Und es folgt ein Link zu einer besagten "Ethereum-Promotion".

Bei genauerer Betrachtung fällt auf: Der Tweet stammt gar nicht von dem echten Twitter-Profil von Brian Acton (@brianacton), sondern von einem Betrüger, der ein ähnliches Profil erstellt und dabei das Original-Foto des Profils von Brian Acton verwendet hat. Der Name des Twitter-Profils lautet ebenfalls "Brian Acton", der Twitter-Handle allerdings @brianlacton - also im Vergleich zum Original mit einem "l" zwischen "brian" und "acton". Die Betrüger wollen damit die Aufmerksamkeit für sich nutzen, für die der "#deletefacebook"-Tweet aktuell sorgt.

Wer auf den Trick hereinfällt, dem Link folgt und an die angezeigte Wallet  mindestens 0,5 bis 5 ETH versendet, der wurde... hereingelegt. Er erhält nicht die zehnfache Menge zurück, sondern hat sein Geld an die Betrüger verloren. Es gibt auch keinerlei Möglichkeit die vergeudeten ETHs wieder zurück zu erhalten, sobald die Transaktion abgeschlossen wurde.

Wie können Sie sich schützen? Indem Sie grundsätzlich bei solchen und ähnlichen Angeboten skeptisch sind. Meistens hilft eine kurze Recherche im Web oder eine genauere Betrachtung des Angebots. Grundsätzlich gilt aber, wie auch im richtigen Leben: Niemand verschenkt Geld.

Uber-Unfall: Toyota pausiert Tests mit autonomen Autos

Auto-Bauer Toyota hat im Zuge des tödlichen Unfalls mit einem autonomen Uber-Auto am vergangenen Wochenende die Tests mit seinem autonomen Fahrsystem Chauffeur vorübergehend eingestellt. Wie das Unternehmen gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärt, habe der Unfall einen emotionalen Effekt auf die Toyota-Testfahrer. Aus diesem Grund habe man die Tests mit dem autonomen Chauffeur-Modus auf öffentlichen Straßen erst einmal auf Eis gelegt.

Am vergangenen Sonntag hatte ein autonomes Auto des Dienstleisters Uber eine Fußgängerin in den USA erfasst und tödlich verletzt. Am Steuer saß zwar ein Testfahrer, er konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig eingreifen. Der Vorfall ist der erste tödliche Unfall mit einem Fußgänger und einem autonomen Auto. Die Frau wurde angefahren, als sie gerade ihr Fahrrad schiebend die Straße überqueren wollte. Die Unfallursache ist aktuell noch nicht geklärt. Ob Uber dabei eine Schuld trifft, ist ebenfalls noch offen.

Die autonomen Autos von Toyota werden derzeit auf öffentlichen Straßen in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Michigan getestet. Ursprünglich wollte Toyota für die Forschung an autonomen Fahrsystemen mit Uber zusammenarbeiten. Aktuell ist nicht bekannt, ob die Kooperation auch nach dem tödlichen Unfall weiter vorangetrieben wird.

Lichtfeldfotografie: Google will angeblich Lytro übernehmen

Wie das IT-Magazin " Techcrunch " aus brancheninternen Quellen erfahren haben will, hat Google ein Auge auf das Lichtfeldfotografie-Unternehmen Lytro geworfen. Der Internet-Konzern will Lytro den Gerüchten zufolge zum Schnäppchenpreis von 40 Millionen US-Dollar übernehmen. Bestätigt wurden diese Mutmaßungen bislang jedoch weder von Google noch von Lytro. Google hat es den Gerüchten zufolge auf die insgesamt 59 Patente von Lytro abgesehen. Die komplette Belegschaft wird Google voraussichtlich nicht übernehmen. Einigen von ihnen wurde angeblich bereits eine Abfindung gezahlt, ein weiterer Teil hat das Unternehmen aus eigenem Antrieb verlassen.

Lytro wurde im Jahr 2006 als Refocus Imaging gegründet. Das Unternehmen brachte in den vergangenen Jahren zwei Lichtfeldkameras auf den Markt, die aufgrund ihrer Bauweise eine nachträgliche Refokussierung von Fotos erlaubten. Im April 2016 stellte Lytro schließlich die Produktion von Kameras für Endkunden ein . In den vergangenen zwei Jahren arbeitete Lytro an der Entwicklung der Lichtfeld-VR-Plattform Lytro Immerge. Ein Feld, auf dem auch Google forscht. Erst in der vergangenen Woche hatte Google ein neues Kamera-Gestellt für realistischere VR-Aufnahmen vorgestellt und eine erste Lichtfeld-Demo für VR-Brillen auf Steam veröffentlicht.

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