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Morgenmagazin vom Donnerstag, 23. November 2017

23.11.2017 | 06:52 Uhr |

Keine Thanksgiving-Rabatte bei Apple – dafür Angebote im Refurbished Store +++ Google setzt Swift für FuchsiaOS ein +++ UK will Unternehmenssteuer senken +++ Amazon Fire TV Stick zum Hammerpreis erhältlich +++ Erde ist flach: Mann baut Rakete, um dies zu beweisen +++ Android sendet heimlich Standortdaten an Google

23. November: Alle auf Turkey

Wir wünschen allseits Guten Morgen! An diesem Donnerstag möchte man in den USA wahrlich kein Truthahn sein – selbst wenn man diesen Thanksgiving-Tag überlebt, weil einen der Präsident begnadigt hat, droht ja noch das Weihnachtsfest. Andererseits haben es hierzulande die Gänse auch nicht anders, selbst wenn sie Kirchweih im Oktober und St. Martin im November überlebt haben, spätestens an Stefani ist es aus mit gemütlichem Körnerpicken, da darf das Federvieh dann den Ofen von innen sehen. Dazu weit und breit kein Präsident, der wenigstens eine von ihnen begnadigen würde, denn der Bundespräsident hat derzeit ganz andere Aufgaben vor sich.
 
Seltsamerweise hat es die Tradition des Truthahnverspeisens (und Begnadigens) am vierten Donnerstag im November nicht über den Atlantik geschafft, andere junge US-Traditionen wie Halloween wurden dagegen gerne genommen. Und auch der Schwarze Freitag, der auf den Familientag folgt und an viele US-Amerikaner sich Zeit für ihre ersten Weihnachtseinkäufe nehmen. Während also teils weit verstreute Familien zusammenkommen, um eine Art von Erntedankfest zu begehen, freut sich seinerseits der Einzelhandel auf die Ernte. Auch in Deutschland lockt er  Kunden in die Läden, aber vermehrt in die Online-Shops, das schon die ganze Woche über – erst am Montag ist vorerst Schluss mit Rabatten.


Dann wäre es wieder Zeit für deutsche Einkaufstraditionen, die vor Weihnachten ja ganz anders und vor allen Dingen Typsache sind. Es gibt da einerseits die Sammler, die schon im August mit dem Zusammentragen von allerhand Tand beginnen und am Schwarzen Freitag schon längst alles beisammen haben. Dann diejenigen, nennen wir sie leicht despektierlich "Adventswahnsinnige", die mangels Alternative - oder aus Tradition - an einem der vier Samstage vor Weihnachten die Innenstädte übervölkern. Heuer ist der erste Adventssamstag schon im Dezember, also werden sich die ersten Adventswahnsinnigen an diesem Samstag vor dem Totensonntag mit verspäteten Schwarzer-Freitag-Schnäppchenjägern um die Beute streiten.


Da haben wir aber auch noch die Last-Minute-Verzweifelten, die es einfach nicht vor dem 23.12. spät nachmittags zum Weihnachtseinkauf schaffen. Wie gerne plädierten diese auf einen verkaufsoffenen Sonntag an Heilig Abend, es war in den letzten Jahren doch so schön, noch am Vormittag des Festabends die letzten Einkäufe zu erledigen. Diesen Forderungen würden wir uns aber eher nicht anschließen.


Allen dreien der oben karikierten Einkaufstypen kann geholfen werden, bei Versendern gibt es im Internet mittlerweile praktisch alles zu kaufen. Das hat aber auch Nachteile, nicht nur in Form verödeter Innenstädte - wobei die Adventswahnsinnigen sich besonders am zweiten oder dritten Adventssamstag sich ein bisschen Ödnis wünschen würden. Der große Nachteil des Versandhandels zeigt sich auf der letzten Meile. Zusteller werden meist skandalös schlecht bezahlt und leiden besonders in den Wochen vor Weihnachten unter dem Erfolg des Versandhandels. Und wenn der Zusteller den Empfänger nicht antrifft, haben beide einen Extraweg zu gehen. Schlangen im Postamt sind ja was Feines, vor allem weil man sich gerade an den Samstagen vor Weihnachten darin einfindet, obwohl man doch den Wahnsinn überfüllter Innenstädte umgehen wollte.


Amazon und Konsorten wollen aber auch dieses letzte Problem noch lösen, zur Zufriedenheit ihrer Kunden und der Buchhalter des Unternehmens. So kann man sich als Stammkunde mache Produkte in manchen Gegenden noch Abends liefern lassen. Oder man vertraut dem Zusteller soweit, dass er die Ware in das vor dem Büro oder dem Haus geparkte Auto legt. Der neueste Vorschlag ist ja der, dass der Lieferant sogar die Wohnung betreten darf und das auch kann, wenn ein dafür vorgesehenes intelligentes Türschloss montiert ist. Man muss sich also entscheiden: Mehr Bequemlichkeit gibt es nur, wenn man einige Prinzipien über Bord wirft. Etwa die Unverschlossenheit der Wohnung oder Arbeitszeitgesetze, man muss sich entscheiden. Oder man schenkt sich selbst Gebasteltes. Das Material holt man sich am Samstag im stets überfüllten Baumarkt. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag:

Kaufrausch: Mehr ein Stöbertipp denn ein Lesetipp – aber besuchen Sie doch anlässlich des vorweihnachtlichen Einkaufs Apples Refurbished Store. Oder wie die Site im Apple-Sprech auf deutsch einlädt: "Apple zertifiziert und generalüberholt – Generalüberholte Produkte kaufen". Wir hatten ja letztens die Geschichte unseres Kollegen, dem das iPhone X nicht wirklich zusagte und der es zurückgab – solcherlei Hardware wirft Apple natürlich nicht weg, sondern repariert sie wo nötig und möglich und stellt sie in den Gebrauchtwarenladen wieder ein. Auch ältere Geräte, die schon vor ein paar Jahren vom Band liefen, sich aber mit ein paar neuen Komponenten fast wieder wie neu fühlen, bietet Apple hier feil. Zugegeben, refurbished iPhone X haben es noch nicht dahin geschafft, aber derzeit sind doch etliche immer noch gute Geräte für anständige Preise zu haben, das Angebot ändert sich aber ständig. Da Apple auch in diesem Jahr keine Rabatt-Aktion bietet, ist das beinahe die einzige Möglichkeit, kräftig zu sparen. Denn zertifizierte Händler können Preise nur im Rahmen ihrer Handelsspanne nachlassen, besonders viel ist nicht gewonnen. Aber auch über diese Angebote halten wir Sie auf macwelt.de auf dem Laufenden.

Analyse : Der New Yorker Stadtteil Brooklyn bekommt gefühlt einen neuen Apple Store nach dem anderen, vor allem rund um Williamsburg, die Bronx geht aber weiterhin leer aus. Der nördlichste Bezirk New Yorks ist derjenige mit der gemischtesten Bevölkerung, aber auch derjenige mit dem geringsten Haushaltseinkommen. Wie The Ouline vorrechnet, gehorcht das Umgehen der Bronx offenbar eine Muster. Denn von den 270 Apple Stores in den USA stünden 251, also gut 90 Prozent, in Postleitzahlbereichen mit überwiegend weißer Bevölkerung. Für die Autoren des Artikels passt das nicht zusammen. Zwar sei es wenig überraschend, dass Apple an seinen Standorten Kunden mit höherem Einkommen anspreche, die Viertel, in denen überwiegend Schwarze, Latinos und andere Gruppen wohnten, zu meiden, kollidiere mit der Diversität, die sich Apple auf die Fahnen geschrieben habe. Apple wollte nicht erklären, nach welchen Kriterien es Standorte für neue Stores suche, der Professor an der  USC Marshall School of Business Ira Kalb spricht Apple jedoch von Rassismus frei. Es ging dem Unternehmen allein um das in der Gegend des Stores verfügbare Einkommen. Apple ziele auf das High-End des Marktes und sei damit nicht allein. Auch Whole Foods unterhalte keine Niederlassung in der Bronx.

Lockangebot : Der britische Schatzkanzler hat eine massive Steuersenkung für Unternehmen angekündigt, die ihre Gewinne im vereinigten Königreich erzielen, das Geld aber offshore bunkern und versteuern. Ab April 2019 - also nach dem geplanten Austritt aus der EU - sollen die neuen Regeln gelten. Number 11, Downing Street, verspricht sich über die nächsten fünf Jahre zusätzliche Einnahmen in Höhe von 800 Millionen Pfund. Apple und andere Technologiekonzerne würden von der Maßnahme profitieren. Experten hatten schon vermutet, dass das UK nach dem Austritt aus der EU in den Wettstreit um die günstigste Steueroase treten würde. Doch auch innerhalb der Union buhlen Staaten mit extrem niedrigen Steuersätzen um Niederlassungen international agierender Konzerne.

Update erforderlich: Wer noch nicht auf die aktuellen Fassungen von iOS und macOS aktualisiert hat, sollte das tun. Der Rat gilt an sich immer, warum er aktuell ist, zeigt das US-CERT (United States Computer Emergency Readiness Team) in seinem jüngsten Sicherheitsbulletin, in dem es diverse Lücken in den Betriebssystemen für den Mac und für iPhone/iPad auflistet. Diese gelten aber für die Versionen vor macOS 10.13.1 respektive iOS 11.1.2, stellen also keine akute Gefahr dar. Sofern man eben seine Geräte aktualisiert hat.

Entwickler: Googles Entwickler, die an dem ominösen Betriebssystem FuchsiaOS des Konzerns arbeiten, setzen offenbar Apples freie Programmiersprache Swift dazu ein, wie sich aus mehreren Dialogen auf Twitter ergibt. Das kommt wohl nicht von ungefähr, Chris Lattner, der bei Apple für die Entwicklung von Swift verantwortlich zeichnete, arbeitet nun bei Google. Was aber nun genau aus FuchsiaOS werden soll, haben die Beteiligten nicht verraten.

Weitere Nachrichten:

Amazon Fire TV Stick zum Hammerpreis erhältlich

Der Amazon Fire TV Stick mit Alexa-Sprachfernbedienung ist derzeit auf dieser Amazon-Seite für 24,99 Euro statt 39,99 Euro erhältlich. Das Angebot gilt für Lieferungen innerhalb von Deutschland und Österreich. Es handelt sich um die aktuelle Generation des Amazon Fire TV Stick, in der ein Quad-Core-Prozessor mit 1,3 GHz, 1 Gigabyte Arbeitsspeicher und 8 Gigabyte internem Speicher stecken. Die maximal unterstützte Auflösung liegt bei 1080p mit 60 Bildern pro Sekunden. Der Amazon Fire TV Stick ist 85,9 x 30 x 12,6 Millimeter groß und bringt knapp 30 Gramm auf die Waage.

Der Stick wird einfach mit dem HDMI-Anschluss des Fernsehers angeschlossen. Über den Fire TV Stick erhalten de Anwender beispielsweise den Zugriff auf das gesamte Angebot von Amazon Instant Video und diverse Film- und Musikdienste anderer Anbieter. Dazu zählen Netflix, Spotify, ARD Mediathek und ZDF Mediathek. Außerdem können über den Stick auch die eigenen Filme, Fotos und Android-Apps auf dem Fernseher wiedergegeben werden und zwar direkt vom kompatiblen Tablet oder Smartphone. Die Sprachsuche ist über die kostenlose Smartphone-App möglich. Mitglieder von Amazon Prime (69,95 Euro / Jahr) können neben Amazon Prime Video auch weitere Kanäle abonnieren und über den Fire TV Stick schauen. Dazu gehört beispielsweise auch der Eurosport Player, über den exklusiv die Freitagspartie der Fußball-Bundesliga angeschaut werden kann.

Erde ist flach: Mann baut Rakete, um dies zu beweisen

Neues Futter für die Anhänger der Flat-Earth-Theorie, also der Theorie, dass die Erde keine Kugel, sondern flach ist. Der 61-jährige Mike "Mad" Hughes hat eine Rakete selbst gebaut und für das kommende Wochenende einen "historischen" Flug angekündigt. Er will sich mit der Rakete hunderte Meter in die Höhe katapultieren und dann Beweisfotos dafür sammeln, dass die Erde nicht rund, sondern flach ist.

Laut US-Medienberichten hat sich Hughes die Kenntnisse zum Bau einer Rakete in den vergangenen Jahren selbst beigebracht und mit Schrott-Einzelteilen im Wert von etwa 20.000 US-Dollar zusammengebaut. Hauptsponsor der Aktion ist "Research Flat Earth", einer Organisation mit vielen Flat-Earth-Anhängern. Am Samstag will Hughes nun in Kalifornien einen Flug starten und hat dafür auch eine Genehmigung erhalten. Den Berechnungen zufolge wird die Rakete auf eine Höhe von ungefähr 550 Metern steigen und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern pro Stunde fliegen. Am Ende des Flugs sollen sich schließlich zwei Fallschirme öffnen und für eine sichere Landung auf der Erde sorgen.

Während des Flugs selbst will er dann Aufnahmen machen, die die Behauptungen der Wissenschaftler und Astronauten widerlegen, die behaupten, die Erde sei rund. Die Flat-Earth-Anhänger vertreten unter anderem die Ansicht, dass die Berichte über die Erdkugel frei erfunden seien und alles nur eine Verschwörung von Freimaurern sei. Teil der Verschwörung seien auch die NASA, Astronauten und Unternehmer wie Elon Musk.

Mike "Mad" Hughes hat auch noch größere Pläne - falls er den Flug am Samstag überlebt... Er will eine Rakete bauen, die bis ins All fliegen kann. Von dort will er dann ebenfalls Fotos von der Erde knipsen, die beweisen sollen, dass diese eine Scheibe ist.

Den Raketenflug am kommenden Samstag können Interessierte per Live-Stream auf der Website von Hughes verfolgen. Gegen Bezahlung. Es ist übrigens nicht der erste Raketenflug von Hughes: Bereits vor zwei Jahren wagte er einen Testflug in einer selbstgebauten Rakete, der mit einem Crash und vielen Schmerzen für Hughes endete, wie dieses Youtube-Video zeigt.

Android sendet heimlich Standortdaten an Google

Android-Smartphones und Android-Tablets speichern ihre Standortdaten und übertragen diese an Google-Server sogar dann, wenn die Android-Nutzer die Standortdienste abgeschaltet haben, sie keine standortbasierten Apps verwenden oder gar keine SIM-Karte eingelegt ist. Das berichtet die Technikseite Quartz.

Google benutzt die Einwahldaten des Androiden bei mehreren nahe gelegenen Mobilfunkmasten, um über Triangulation den Standort des Androidnutzers zu ermitteln. Die Standortdaten werden verschlüsselt vom Androidbetriebssystem an die Google-Server (Google Push Notification and Messaging Management System) übermittelt, sobald das Smartphone wieder mit dem Internet verbunden ist.

Gegenüber der IT-Nachrichtenseite The Verge erklärte ein Google-Sprecher, dass alle modernen Android-Smartphones ein Network-Sync-System nutzen würden, dass die “Cell ID Codes” der Mobilfunkmasten dafür benutzen würde, um Push-Nachrichten schneller zustellen zu können. Anscheinend benutzt Google die Mobilfunkmastendaten zur Verbesserung seines Firebase Cloud Messaging. Hierzu müssen die Androidgeräte den Server in regelmäßigen Intervallen anpingen, damit Nachrichten zeitnah zugestellt werden können. Firebase Cloud Messaging läuft standardmäßig auf allen Androidgeräten. Google würde diese Standort-Daten aber nicht dauerhaft speichern, wie das Unternehmen gegenüber US-Medien betont.

Seit Januar 2017 soll Google die dadurch ermittelten Standortdaten von allen einigermaßen neuen Androidgeräten erfassen. Android-Besitzer können dieses Datensammeln nicht abstellen. Selbst das Zurücksetzen eines Android-Smartphones auf die Werkseinstellungen soll laut Quartz das Datensammeln nicht beenden können. Besonders fies: Sogar Androiden ohne SIM-Karte übertragen ihre Standortdaten an Google. In diesem Fall handelt es sich dann um die WLAN-Einwahldaten beim letzten Mobilfunkmasten, wie Quartz betont.

Android-Nutzer werden also von Google getrackt, ob sie das nun wollen oder nicht. Und Hacker können diese Standortdaten vielleicht sogar erbeuten und missbrauchen, wenn es ihnen gelingt, die Verschlüsselung zu knacken. Denn aufgrund der für jedes Mobilgerät einzigartigen IMEI-Nummer können die Bewegungsdaten genau einem Nutzer zugewiesen werden.

Das Überraschende an der Entdeckung: Bisher gingen alle Beobachter davon aus, dass die von den Mobilfunkdaten erfassten Standortdaten der Smartphone-Besitzer ausschließlich die Mobilfunknetzbetreiber, also beispielsweise Deutsche Telekom, Vodafone oder O2, besitzen würden. Nur in Ausnahmefällen würden die Mobilfunknetzbetreiber diese Daten mit anderen Unternehmen (oder Behörden) teilen. Doch nach dieser Entdeckung ist klar, dass Google standardmäßig auf diese Standortdaten zugreifen kann, obwohl Google doch überhaupt kein eigenes Mobilnutznetz besitzt. Neben den Mobilfunkmastendaten verwendet Google auch GPS-Daten und WLAN-Access-Point-Daten. In seiner vage formulierten Datenschutzerklärung weist Google unter anderem auf die Benutzung von Daten von WLAN-Zugangspunkten und Mobilfunkmasten hin.

Google will nun Ende November 2017 ein Update für Android veröffentlichen, das dieses Sammeln der Standortdaten beenden soll.


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