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Morgenmagazin vom Donnerstag, 24. Januar 2019

24.01.2019 | 07:05 Uhr |

Apple Pay wächst: Neue Händler in USA, Australiens größte Bank dabei +++ Akku-Experte wechselt von Samsung zu Apple +++ Zeugin entlastet Qualcomm +++ Zensur-Software: Online-Porno-Steuer soll Grenzmauer finanzieren +++ Xiaomi zeigt erstes zweifach faltbares Smartphone der Welt +++ So zufrieden sind Deutsche mit Mobilfunkanbietern

24. Januar: Happy Birthday!

Wir wünschen allseits Guten Morgen! "Sorry, no beige": So offensiv und farbenfröhlich bewarb Apple seien iMac ab 1998. Warum mussten Rechner eigentlich alle die gleiche Farbe haben? Gute Frage. Die Antwort: Weil Apple diesen Farbton beige etabliert hat und zum Quasistandard machte. Schon mit dem Apple II, der diesen damals ungewöhnlichen und später verpönten Farbton zeigte und noch mehr mit dem Macintosh, heute vor 35 Jahren, am 24. Januar 1984. Nun soll man Regeln erst dann brechen, wenn man bessere zu bieten hat - und die neue Regel, dass Consumerrechner knallbunt sein sollten, hatte erneut Apple ein paar Jahre später wieder kassiert respektive in die heutige mit dezenten Eloxierungen für Aluminiumgehäuse übersetzt.

Regeln brach der Mac aber noch viele weitere - und diese nachhaltig. Dass ein Computer auf dem Schreibtisch nur in Zusammenarbeit mit einem Mainframe funktionieren kann, beispielsweise. Oder dass man zur Bedienung des persönlichen Rechners jede Menge Befehle eintippt, die man am Besten alle auswendig kann. Oder dass man zu einer bestimmten Stelle auf dem Bildschirm nur mit den Pfeiltasten kommt, die auf jeder Tastatur ihren Platz hatten. Oder dass ein Computer einfach nur still ist, ein totes Stück Plastik, Metall, Glas und Elektronik.

Heute ist es also 35 Jahre her, als der damals nicht ganz 29-jährige Steve Jobs den Macintosh aus seiner unspektakulären Hülle zog und ihn zum versammelten Publikum der Apple-Aktionärsversammlung im Flint-Center zu Cupertino sprechen ließ. Der alle Regeln brechende Rechner versprach nicht weniger als eine tief greifende Revolution, der Computer solle nun in die Hände von jedermann kommen und sich ohne langwierig zu erwerbende Kenntnisse bedienen lassen. "Big Brother" aus dem Werbespot vom Sonntag davor, das war ein Symbol für das große, unflexible, ja, als diktatorisch empfundene Unternehmen IBM, dessen Rechner nur von Spezialisten bedienbar waren und von Lohnsklaven an Terminals mit Daten gefüttert wurden.

Nun, ganz so war es ja dann doch nicht – nur passte Apple dieses Bild wunderbar in den Kram. IBM hatte zu jener Zeit längst auch persönliche Computer herausgebracht und den Begriff des PC damit überhaupt erst geprägt. Der IBM-PC war jedoch eine Reaktion auf den Apple II, mit dem das Start-Up aus Kalifornien schon sieben Jahre vor dem Macintosh das Weltbild des Computings auf den Kopf gestellt und die Farbe beige eingeführt hatte.

Der Mac war aber nun endlich die wirklich persönliche Maschine, die man sich im Silicon Valley und anderswo erträumt hatte. Die Rede des Computers zu seiner Geburt war aber nicht von der künstlichen Intelligenz der Maschine erzeugt, sondern von seinen Entwicklern um Andy Hertzfeld geschrieben, so richtig spricht der Mac erst heute via Siri mit seinen Nutzern - auf einem immer noch überschaubaren Niveau.

Aber anders als ein Jahr zuvor mit der Lisa war es Apple mit dem Mac gelungen, das Konzept der grafischen Oberfläche zu einem vernünftigen Preis auf den Markt zu bringen. Man musste nicht mehr stunden- tage- und wochenlang Befehle lernen, um mit der Maschine etwas anfangen zu können, sondern blickte sich auf dem Bildschirm einfach um und erkannte die Ähnlichkeit zum Schreibtisch, zu Aktenschränken und -ordern - sogar an dem im Büro einfach unvermeidlichen Papierkorb hatte Apple gedacht. Der Preis: 2.500 US-Dollar. Klingt erst einmal nicht so teuer, aber im Jahr 1984 war der US-Dollar so stark wie kaum seit dem zweiten Weltkrieg, in Deutschland kostete die Maschine so um die 10.000 Mark - so viel zum Thema "Jedermanncomputer".

Der Mac hätte indes sogar nur um die 500 US-Dollar kosten dürfen, war der ursprüngliche Gedanke des Apple-Ingenieurs Jef Raskin. Aber seit Steve Jobs das Projekt an sich gerissen hatte, wurden die Anforderungen an die Maschine immer größer - aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung. 35 Jahre ist kein Alter, nicht einmal für eine Maschine. Daher sagen wir heute: Happy Birthday Macintosh! Auf die nächsten 35 und noch viel mehr! Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag:

Prima Klima: Die Frage ist ja nicht, ob es den Klimawandel gibt, sondern wie man darauf reagiert. Im Bericht der Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project über die Pläne von Unternehmen und wie sie ihren Einfluss auf die Umwelt sehen, schreibt Apple über seine Risiken des Klimawandels - aber auch über Vorteile, die sich für den Mac-Hersteller ergeben. Die Risiken betreffen vor allem die Produktion. Zunehmende Extremwetterereignisse könnten Fabriken und Infrastrukturen schädigen oder Mitarbeiter davon abhalten, an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Das Risiko höherer Energiekosten ist für Apple nicht so relevant, da es selbst zu 100 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen schöpft und auch in der Lieferkette der Anteil von CO 2 -neutraler Energie zunimmt. Gesetzgeberische Reaktionen auf den Klimawandel sieht Apple für sich jedoch dann eher als Chance an, da es seine Produkte bereits möglichst "grün" produziert und daher keine verschärften Auflagen zu befürchten hätte und von den Kunden als nachhaltiger betrachtet würde als die Konkurrenz. Zudem würden die Notruffunktionen von iPhone und Apple Watch auch im Wetterkatastrophenfall hilfreich sein und Apples Produkte noch attraktiver machen.

Wachsender Erfolg : Apple Pay wird immer mehr zum Hit, Tim Cook hatte den Service bereits als das größte kontaktlose Bezahlsystem der Welt bezeichnet. Das Wachstum hält an, nun haben in den USA auch Kette wie Taco Bell und Target ihre Unterstützung angekündigt, ebenso die Drogeriemärkte von CVS. Genaue Zahlen nennt Apple nicht, weder, wie viel Cupertino pro Transaktion einstreicht (0,15 Prozent lautet die Vermutung), noch wie viele Transaktionen pro Quartal es sich handelt. Dass Apple Pay von der Kundschaft gut angenommen werde, verraten auch andere Firmen. So erwähnt eBay in seiner jüngsten Quartalsbilanz, dass binnen einer Woche nach Einbindung von Apple Pay in das System bereits 12 Prozent aller Zahlungen darüber abgewickelt wurden. Paypal sagt, 40 Prozent aller Zahlungen passierten mobil, dabei handelte es sich um eine Milliarde Vorgänge pro Quartal, die über Apple Pay laufen.

Down Under: In Australien können nun auch endlich die Kunden der dort größten Bnak, der Commonwealth Bank oder CommBank, Apple Pay nutzen. Das ist insofern eine wichtige Nachricht, als dass die Bank zusammen mit drei anderen großen Instituten sich lange gegen Apple wehrte - die vier wollten gemeinsam mit Apple über Bedingungen verhandeln und so bessere Konditionen für sich erreichen. Ein Gericht hatte jedoch diese Art der Kartellbildung untersagt. Nun ist zumindest einer der Verhandlungsstränge zu einem Ende gekommen, vermutlich werden die drei anderen auch bald abgeschlossen sein. Auch in Deutschland sind bei weitem nicht alle Banken von Apple Pay begeistert, Sparkassen und Volksbanken sind noch nicht zu einer Übereinkunft mit Apple geraten. Knackpunkt hier sind die Gebühren die Apple Pay einstreicht und die die Institute gern selbst mit ihren eigenen kontaklosen Bezahlsystemen abschöpfen würden. Die Sparkassen hatten zuletzt gefordert, Apple möge APIs für die NFC-Chips von iPhone und Apple Watch freigeben, aus Sicherheitsgründen lehnt Apple es aber strikt ab, sein System zu öffnen. Die Hoffnung besteht aber, dass eine Einigung keine vier Jahre dauert wie in Australien geschehen.

Personalie: Apple hat mit Soonho Ahn einen Experten für Batterie-Entwicklung vom Zulieferer und Konkurrenten Samsung übernommen. Wie aus seinem LinkedIn-Profil hervor geht, ist Ahn seit Dezmeber bei Apple beschäftigt und dort als Global Head of Battery Developments beauftragt. Schon bei Samsung war er für die Entwicklung von Akkus für eine Reihe von Produkten zuständig, unter anderem für Smartphones. Laut Bloomberg hatte Apple bisher Batterien von Samsungs Abteilung SDI bezogen, die Ahn leitete. Die Personalie könnte bedeuten, dass Apple nun die Entwicklung selbst in die Hand nehmen wolle. Damit würde immer mehr Verantwortlichkeit für einzelne Komponenten im eigenen Haus bestehen, seit längerem bereits entwickelt Apple die Prozessoren für iPhone und iPad selbst, auch GPUs will Cupertino selbst produzieren.

Pro und Kontra: Apples Aufforderung, via Twitter, Instagram oder per E-Mail auf dem iPhone aufgenommene Bilder als Wettbewerbsbeitrag für "Shot on iPhone" bereit zu stellen, hat zu kontroversen Reaktionen geführt. Denn Apple gewährt als Preis für die von einer Jury gekürten zehn besten Bilder lediglich die Ehre, dass diese in einer weltweiten Werbekampagne auf Plakate gedruckt werden. Für ein Jahr - so lange ist die Laufzeit bis zur nächsten Ausgabe des Fotowettbewerbs – erhält Apple die exklusiven Nutzungsrechte, die Urheber können in diesem Zeitraum also ihre Werke nicht anderweitig monetarisieren. So fordern nun einige Fotografen, Apple möge doch die besten Einsendungen mit Geldpreisen bedenken, wenn diese schon dazu genutzt werden, zum Kauf eines iPhones anzuregen. Eine Größenordnung von 10.000 US-Dollar wäre eine faire Kompensation. Genau da setzt aber auch ein Gegenargument an, denn würde Apple mit Geld locken, würde der Wettbewerb mehr Profifotografen ansprechen - Amateure hätten dann weit weniger Gewinnchancen.

Entlastung : Hat Qualcomm unfaire Praktiken angewandt und Apple mit Lizenzen für verkaufte Chips und einer Umsatzbeteiligung am iPhone-Verkauf doppelt gemolken? Nein, meint eine Zeugin im von der FTC angestrengten Prozess gegen den Chip-Hersteller. Qualcomm habe gar nicht die ausreichende Marketingmacht besessen, Apple derartiges aufzuzwingen, sagt Tasneem Chipty aus, eine Expertin in Sachen Wettbewerbsrecht. Tatsächlich habe Qualcomm 50 Prozentpunkte Marktanteile verloren, seitdem Hersteller wie MediaTek, Huawei, Samsung und Intel konkurrenzfähige Chips produzierten. Apple verbaut in seinen aktuellen Modellen gar keine Modems aus San Jose mehr, auch Samsung nutzt nur noch in 35 Prozent seiner High-End-Smartphones Chips von Qualcomm. Der Hersteller habe die Konkurrenz gefürchtet und Apple sogar Rabatte angeboten, alles andere als unfair. Der Vorwurf der Monopolstellung in einem stark umkämpften Markt sei inkorrekt.

Zensur-Software: Online-Porno-Steuer soll Grenzmauer finanzieren

Eine Abgeordnete des US-Bundesstaats Arizona hat einen ungewöhnlichen Vorschlag für die Finanzierung der von US-Präsident Donald Trump geforderten Grenzmauer zu Mexiko gemacht: eine Online-Porno-Steuer. Das berichtet Ars Technica.

Demnach sollen Internetnutzer aus Arizona mindestens 20 US-Dollar bezahlen, wenn sie im Web Pornos anschauen wollen. Aus den Einnahmen soll unter anderem die Mauer an der Grenze zwischen dem US-Bundesstaat Arizona und Mexiko bezahlt werden. Das wäre zwar nur ein Teilabschnitt der von Donald Trump geplanten Mauer, allerdings der wichtigste.

Die Maßnahme soll laut der von der republikanischen Abgeordneten Gail Griffin eingereichten Gesetzesvorlage dadurch umgesetzt werden, dass Hersteller und Verkäufer von Internet-Zugangsgeräten eine „Blocking Software“ vorinstallieren, die standardmäßig Webseiten sperrt, die – sehr vage formuliert - „obszönes“ Material zeigen. Faktisch sollen also PC- und Smartphone-Hersteller beziehungsweise die Verkäufer solcher Hardware eine Zensur-Software vorinstallieren!

Wer die gesperrten Webseiten entsperren lassen will, muss dann einmalig die genannten 20 Dollar an die Arizona Commerce Authority bezahlen, eine Wirtschafts-Entwicklungs-Organisation des Staates Arizona. Das Geld soll in einen Fonds fließen, der zwar unterschiedliche Aufgaben beispielsweise beim Kampf gegen Drogenkonsum und Kindesmissbrauch erfüllen soll. Doch an erster Stelle der Aufgabenliste steht der Bau der Grenzmauer.

Hintergrund: Der längste Shutdown (Haushaltssperre) der US-Geschichte bedroht die Existenz Hunderttausender US-Staatsangestellter. Die Demokratische Partei und US-Präsident Donald Trump können sich nicht auf einen gemeinsamen Haushalt einigen, weil Trump darin unbedingt Gelder – die Rede ist von 5,7 Milliarden US-Dollar - für den Bau seiner Mauer an der Grenze zu Mexiko enthalten sehen will. Die Demokraten dagegen, die seit Anfang 2019 die Mehrheit im Repräsentantenhaus stellen, wollen keine Gelder für den Bau der Grenzmauer zu Mexiko bewilligen. Somit blockieren sich beide Seiten und es kommt kein neuer Haushalt zustande. Doch ohne neuen Haushalt können die USA ihre Staatsangestellten nicht bezahlen.

 

Xiaomi zeigt erstes zweifach faltbares Smartphone der Welt

Wang Xiang, Senior Vice President des chinesischen Smartphone-Herstellers Xiaomi, hat auf Twitter ein Video veröffentlicht, das Bin Lin, Präsident und Mitgründer von Xiaomi, mit einem zweifach faltbaren Tablet zeigt. Derart zusammengelegt hält Lin dann ein Smartphone in der Hand.

Komplett auseinandergeklappt hält Lin zunächst ein augenscheinlich gewöhnliches Tablet hochkant in der Hand. Lin dreht das Tablet nun in die Horizontale und faltet zeitgleich das linke und das rechte Drittel des Tablet-Bildschirms nach hinten um. Und zwar so, dass die beiden umgeklappten Bildschirmteile genau kantengenau hinter das verbleibende mittlere Drittel passen. Jetzt blickt Lin auf ein Smartphone. Die Bildschirm-Darstellung passt sich automatisch an das neue Format an.

Zum Vergleich: Das Flexpai von Royole dagegen besitzt nur eine Faltkante , und auch beim faltbaren Smartphone von Samsung lässt sich das Infinity-Flex-Display nur an einer Kante umlegen.

Das Xiaomi besitzt also drei Touchscreen-Panels. Doch irgendwelche technischen Daten gehen aus dem Tweet nicht hervor. Das Ganze ist also ein astreiner Teaser, der die Neugier der Betrachter wecken soll. Ebenso fehlen sämtliche Informationen zum möglichen Verkaufsstart und zum Preis.

Aus einem Posting auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo geht aber hervor, dass Xiaomi noch evaluiert, ob an einem derartigen Gerät genügend potenzielle Käufer Interesse haben. Wenn das Interesse bestünde, würde Xiaomi über eine Massenproduktion nachdenken. Als Namen für das neue doppelt faltbare Tablet-Smartphone würde Xiaomi „Xiaomi Dual Flex“ oder „Xiaomi MIX Flex“ erwägen.

So zufrieden sind Deutsche mit Mobilfunkanbietern

In der jährlich durchgeführten Vergleichsstudie der Analysegesellschaft ServiceValue werden die unterschiedlichen Mobilfunkanbieter in Deutschland untersucht. Die Studie ServiceAtlas Mobilfunk 2019 hat hierfür 17 Prepaid- und 22 Postpaid-Anbieter miteinander verglichen. Dazu wurden 3851 Kunden zu 20 Servicemerkmalen befragt. Bei den Prepaid-Anbietern konnten dabei Aldi Talk, Tchibo Mobil, Fonic, Congstar, Ay Yildiz und Otelo ein „Sehr gut“ einfahren. Bei den Postpaid-Anbietern überzeugten Fonic, Tchibo Mobil, 1&1, Congstar, Otelo und Smartmobil mit einem „Sehr gut“.

Die Kundenzufriedenheit bei den Postpaid-Anbietern fällt damit etwas höher aus als bei den Prepaid-Anbietern. Bei den im Voraus bezahlten Tarifen ist das Leistungsangebot der Kundenberatung besonders wichtig. Speziell das Eingehen auf Kundenbedürfnisse und die Fachkompetenz der Mitarbeiter seien Nutzern wichtig. Bei den Postpaid-Tarifen komme noch die Verbindlichkeit von Aussagen als wichtiger Faktor hinzu. Die Studie fordert Anbieter daher dazu auf, die kompetente Beratung und den verlässlichen Kundenservice weiter in den Fokus zu rücken. Schließlich steige mit der Zahl der Mobilfunkanbieter auch die Wechselbereitschaft der Kunden. Mit guter Beratung bleiben Nutzer eher bei ihrem alten Tarif.

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