2345945

Morgenmagazin vom Donnerstag, 26. April 2018

26.04.2018 | 06:52 Uhr |

Cook will Trump vom Handelskrieg abbringen +++ Welche Produkte Apple einstellen könnte +++ iPhone X Plus mit Stift? +++ Amazon bestätigt Media-Würfel Fire TV Cube +++ Emoji-Änderung: Google ersetzt Pistole durch Wasserpistole +++ Neuer Standard: Schnelleres WLAN dank 802.11ax +++ Gesunkene iPhone-X-Nachfrage lässt Apple-Aktie abstürzen

26. April: Gute Ideen, schlechte Ideen

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Ein paar Ingenieure hatten in der Nacht vom 25. auf den 26. April in einem Kernkraftwerk im Norden der ukrainischen Sowjetrepublik eine verdammt schlechte Idee: Wie wäre es, wenn man mal die Steuerstäbe aus dem Reaktor rauszieht und einen Notfall simuliert? Das Ergebnis war dann nicht einmal so überraschend ein echter Notfall, dessen Folgen  auch 32 Jahre später ganze Landstriche in der heute unabhängigen Ukraine und dem Nachbarland Weißrussland unbewohnbar machen.

Vor 32 Jahren lernten wir plötzlich ganz neue Elemente kennen, Strontium 90 etwa, oder Cäsium 137. Letzteres ist nach jetzt über 30  Jahren erst zu etwas weniger als der Hälfte zerfallen, weitere 30 Jahre werden vergeben, bis nur noch die Hälfte davon und damit etwas weniger als ein Viertel des ursprünglich frei gewordenen Materials in leichtere und nicht mehr strahlende Elemente übergegangen ist. Angesichts von Geisterstädten wie Pripyat mag es zwar wie ein Luxusproblem klingen, aber ja: Jedes in Bayern geschossene Wildschwein muss erst zur Strahlenmessung, bevor es der Metzger in die Auslage stellen kann. Tschernobyl wirkt auch hierzulande fort.

Wie Hohn klangen die beschwichtigenden Worte des seinerzeit auch für Strahlenschutz und Reaktorsicherheit zuständigen Innenministers nur zwei Tage nach der Katastrophe. Das Nest im Südwesten der UdSSR sei ja nun wirklich so weit weg, dass uns das in Deutschland nicht beträfe, außerdem sei ja bekannt, wie im Sozialismus gepfuscht werde. Was Friedrich Zimmermann im Mai 1986 unterschlug: Sieben Jahre vor Tschernobyl wäre im US-Staat New York beinahe der Reaktor Three Mile Island explodiert, die ebenso fahrlässigen Ingenieure dort hatten aber einfach mehr Glück als ihre ukrainischen Kollegen. Erst 25 Jahre nach diesem Super-GAU löste der nächste schwere Unfall endlich ein Umdenken aus: In Fukushima bestand der Pfusch „nur“ darin, das Kernkraftwerk in ein Erdbebengebiet gebaut zu haben - es kann also jede technisierte Zivilisation mit einem GAU treffen.

Das Umdenken der letzten fünf Jahren zeigt nicht überall in Europa solche Konsequenzen wie in Deutschland. Die Kernkraftwerke in Belgien und Frankreich sind vermutlich nicht wesentlich besser in Schuss, als es das in Tschernobyl vor 32 Jahren war, liefern aber immer noch Strom. Nun gut, meist herrscht ja Westwind. Also bekommen Aachen und Köln mehr Fallout ab als die Landstriche, in denen die Reaktoren stehen.

An sich unverständlich, eine radioaktive Wolke macht vor Landesgrenzen nicht Halt, warum aber die Gesetze zur Reaktorsicherheit, die Energiepolitik und damit verbunden auch die Finanzpolitik? Die Zeiten werden wieder düster, mag die Katastrophe von Tschernobyl den Zerfall der Sowjetunion beschleunigt und damit das Ende des Kalten Krieges mit herbei geführt haben, Europa - vom Atlantik bis zum Ural - droht wieder in die Kleinstaaterei zurück zu fallen und nationale Egoismen über globale Problemlösungsansätze zu stellen. Dabei ist das die wesentliche Leere des 26. April 1986: Wenn Ingenieure, Architekten und Techniker in den USA, in Japan, in Deutschland oder in der Ukraine eine verdammt schlechte Idee haben, geht das alle etwas an. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Schluss, Aus, Vorbei: Der Mac ist nun 34 Jahre alt. Der Apple II war immerhin 16 Jahre lang zu kaufen, das iPhone scheint uns aus heutiger Sicht ewig zur Verfügung zu stehen. Doch hatte Apple in seiner Vergangenheit immer wieder Produkte eingestellt, weil sie nicht mehr zeitgemäß waren, von Nachfolgern längst überholt oder einfach keine Gewinne mehr abwarfen. Rohrkrepierer wie der Apple III. Zu früh herausgekommene Produkte wie der Newton. Aber auch langlebige und lange erfolgreiche wie der LaserWriter, der iPod (Classic, Shuffle, Nano) oder die eigenen Monitore. Letztere sollen angeblich 2019 ein Comeback erleben und Apple hat noch etliche andere heiße Eisen im Feuer. So wäre es an der Zeit, sich von einigen überflüssigen Produkten zu trennen, meint unser Macworld-Kollege Jason Cross und liefert Cupertino auch gleich ein paar Ideen. Klar, in Sachen AirPort-Routern hatte Apple schon länger nichts mehr gemacht und die zuständige Abteilung angeblich geschlossen. Das iPad Mini hat sich wohl ebenso überlebt wie der iPod Touch, kann also weg. Der Forderung nach einem Aus für den Mac Mini wollen wir hier vehement widersprechen, sehen aber ein, dass man in Cupertino vermutlich genau in diese Richtung denkt. Und das geforderte Aus für iTunes ist auch nur relativ zu sehen, denn die Software ist auf dem Mac einfach zu aufgebläht geworden, das Vorbild von iOS, Musikwiedergabe, App-Verwaltung und Videos wie Podcasts auszulagern und in dedizierte Apps zu verlegen, wäre gewiss ein gangbarer Weg.

Nomenklatur : Was wird heuer im Herbst auf das iPhone 8 folgen? Ein 8s, wo es doch schon kein 7s gegeben hat? Eine Nummer 9, wo doch mit dem iPhone X schon die zehn dasteht? Der Guggenheim-Analyst Robert Cihra schlägt vor, dass Apple seine Nomenklatur wieder vereinfachen werde, so ähnlich, wie es beim iPad geschehen ist. Das Nachfolgemodell des iPhone X werde daher weiter iPhone X heißen, mit dem inoffiziellen Zusatz "late 2018" etwa.  Das von vielen Glaskugelexperten prognostizierte LCD-iPhone mit 6,1-Zoll-Bildschirm, was das günstigste in der Reihe sein würde, hieße demnach einfach "iPhone". Dann bliebe noch Platz für ein großes OLED-Modell, iPhone X Pro oder iPhone X Plus etwa. Aber Namen sind Schall und Rauch ...

Verteidigungsrede: Nachdem Analysten wie Katy Huberty wegen vermeintlich schlechter Verkaufszahlen für den HomePod und das iPhone X die Erwartungen an die Apple-Aktie zurück geschraubt haben, ist der Kurs von AAPL tatsächlich deutlich gefallen – und Tim Cook wieder in die Kritik geraten. Diese spielt aber meist mit der idealisierten Vorstellung eines unfehlbaren Steve Jobs und ist daher unfair, wie Apple Insider's Stephen Silver in einer Verteidigung des aktuellen Apple-CEO schreibt. Denn mag Tim Cook nicht so charismatisch sein wie sein Vorgänger und würden über ihn wohl auch keine Filme gedreht, habe er in seinen sieben Jahren an der Apple-Spitze weit mehr richtig gemacht als falsch. Zudem habe er das Unternehmen skandalfrei und souverän repräsentiert. Apple ist immer noch das wertvollste Unternehmen der Welt, zu der es unter Cook's Ägide erst geworden ist, da könne man einen eingeschränkten Wertverlust durchaus verkraften. Steve Jobs war auch nicht unfehlbar, aber wer das behauptet, muss auch sehen, dass es Jobs war, der Cook als seinen Nachfolger auserkoren hatte.

Versuch: Bei seinem über Wochen hin vorbereiteten Treffen mit US-Präsident Trump hat Apple-CEO Tim Cook versucht, diesen und zwei seiner engsten Berater von einem Handelskrieg mit China abzuhalten. Denn dieser würde auch Apple schwer beschädigen, dass Computer, Tablets und Smartphones in China fertigen lässt. Trump will indes zeitnahe eine Delegation nach China schicken, die diesen Handelskrieg erklären soll. Über den Ausgang der Gespräche ist nichts bekannt, Sprecher des Weißen Hauses ließen nur verlauten, diese seine "gut" verlaufen.

Mit Stift: Etwas mehr als elf Jahre nach Steve Jobs' legendären Worten "Who wants a stylus?" soll das iPhone nun doch einen Eingabestift erhalten - zumindest ein Modell. Wie Analysten von Rosenblatt Securities spekulieren, werde das für den herbst erwartete neue Spitzenmodell iPhone X Plus den Apple Pencil unterstützen. Das ist zwar nicht ganz der Stylus dem Jobs eine klare Absage erteilte, da das System als solches ja noch prima ohne ihn funktioniert. Für Apple handelt es sich dennoch um eine Art von Paradigmenwechsel, der Konkurrent Samsung verwendet bei seinen Galxy Notes bereits den S Pen genannten Eingabestift. Der Apple Pencil oder iPen werde jedoch nicht zum Lieferumfang des 6,5-Zoll-iPhones gehören, sondern nur optional erhältlich sein.

Weitere Nachrichten:

Amazon bestätigt Media-Würfel Fire TV Cube

Schon länger geistert ein neuer Media-Player von Amazon durch die Gerüchteküche. Nun hat der Online-Händler erstmals bestätigt, dass eine Box namens Fire TV Cube erscheinen soll. In einer eigenen Mailing-Liste von Amazon sollen Nutzer in Zukunft neue Details zum Media-Würfel erhalten. Zwar nennt Amazon noch keinen Termin für seine neue Streaming-Plattform, Details zur Hardware sollen jedoch schon in Kürze enthüllt werden.

Somit stammen alle Informationen zum Fire TV Cube aus einem Leak im vergangenen Jahr. Demnach will Amazon in der Streaming-Box die Funktionalitäten des smarten Lautsprechers Echo Dot verbauen, um eine Sprachsteuerung zu ermöglichen. Schon jetzt lassen sich die Fire-TV-Geräte per Alexa steuern, dazu ist jedoch entweder eine beiliegende Fernbedienung nötig oder ein mit dem Gerät verbundener Echo-Lautsprecher. Die Antworten gibt der Fire TV Cube voraussichtlich über einen eingebauten Lautsprecher aus, auch wenn der Fernseher nicht eingeschaltet ist. Bildmaterial vom Media-Würfel existiert nur in Form eines angeblichen Fotos aus dem Leak des letzten Jahres. Darauf ist ein schwarzer Würfel mit einer hellblauen LED-Lichtleiste an der Oberkante zu sehen. Gut möglich, dass Amazon das Design nach dem Leak noch einmal geändert hat.
 

Emoji-Änderung: Google ersetzt Pistole durch Wasserpistole

Apple machte 2016 den Anfang und ersetzt sein Pistolen-Emoji im mobilen Betriebssystem iOS durch eine Wasserpistole in quietschbunter Neon-Optik. In diesem Jahr folgten auch Samsung und Twitter. Der Trommelrevolver wurde sowohl beim Micro-Blogging-Dienst als auch bei Samsungs Emoji-Set mit einer grünen Wasserpistole ausgetauscht. Nun zieht auch Google nach und ersetzt seine Emoji-Pistole in Android mit einer Wasserpistole in knalligem Orange und Gelb. Wie ein Facebook-Sprecher gegenüber Emojipedia bestätigte, soll das Pistolen-Emoji in Kürze auch im Icon-Set des sozialen Netzwerks mit der harmlosen Wasserpistolen-Version ersetzt werden.

Das einzige Unternehmen, bei dem noch immer ein Trommelrevolver zum Einsatz kommt, ist Microsoft. Ursprünglich setzte der Redmonder Konzern noch vor allen anderen in Windows auf die Darstellung einer Spielzeugpistole, tauschte diese jedoch 2016 gegen eine Waffe aus. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich Microsoft dem aktuellen Trend beugt und sein Pistolen-Emoji ebenfalls wieder austauschen wird. Offizielle Details zu Microsofts Plänen um das anstößige Pistolen-Bildchen sind bislang nicht bekannt.

Neuer Standard: Schnelleres WLAN dank 802.11ax

Mit dem neuen WLAN-Standard IEEE 802.11ax sollen drahtlose Verbindungen noch schneller werden. Durch die Zunahme an Geräten, die über das heimische WLAN auf das Internet zugreifen, spielt das Tempo eine immer größere Rolle. Speziell in Unternehmen soll der neue Standard riesige Büros mit dem Internet verbinden, doch auch für Privatanwender ist das neue WLAN beispielsweise für das Videostreaming interessant. WLAN nach dem Standard 802.11ax soll außerdem deutlich besser mit den Störeffekten benachbarter WLAN-Netze klarkommen und gleichzeitig einen höheren Datendurchsatz bieten.

WLAN nach dem 802.11ax-Standard arbeitet sowohl im 2,4- als auch im 5-GHz-Netz. Auf einem Kanal sollen Dutzende Geräte ihre Daten mit mehreren Gigabit pro Sekunde erhalten können. Mobilgeräte könnten hingegen durch neue Standby-Funktionen des Standards mit einer Akkuladung länger durchhalten. Der Standard wurde zwar noch nicht final festgelegt, erste Hersteller springen jedoch schon auf den Zug auf. Entsprechend könnten schon im Juni erste Geräte erscheinen, die den 802.11ax-Standard unterstützen. Mit der Anschaffung eines neuen Routers ist es jedoch nicht getan, da auch die Endgeräte den neuen Standard unterstützen müssen. Zudem könnten bei den ersten Geräten wichtige Funktionen fehlen, da der Standard noch nicht abschließend freigegeben wurde. Bis die Technik in Mobilgeräten wie Smartphones oder Notebooks zu finden sein wird, dürfte ebenfalls noch etwas Zeit vergehen.

Gesunkene iPhone-X-Nachfrage lässt Apple-Aktie abstürzen

Der Apple-Partner und Fertiger Taiwan Semiconductor Manufacturing  korrigierte seine Umsatzziele  von 7,8 bis 7,9 Milliarden US-Dollar, während man an der Börse noch mit 8,8 Milliarden US-Dollar rechnete. Als Grund führte Taiwan Semiconductor Manufacturing die schwache Nachfrage an. Als Ergebnis verlor die Apple-Aktie über sieben Prozent an Wert und reduzierte den Wert des Unternehmens um knapp 64 Milliarden US-Dollar. 

Nach Ansicht des Analysten Daniel Ives befinde sich die Börse im Panik-Modus, nachdem Gerüchte über eine geringere iPhone-Nachfrage die Runde machten. Mehrere Börsenunternehmen reduzierten zudem ihre prognostizierten iPhone-Verkaufszahlen. Rückenwind erhält dieser Trend durch den in Österreich ansässigen Hersteller AMS, der die optischen Sensoren des iPhone X herstellt. AMS geht für das zweite Quartal nur noch von einem Umsatz von 220 bis 250 Millionen US-Dollar aus, im ersten Quartal war dieser Wert noch fast doppelt so hoch. Die Wall Street macht die schlechte Nachfrage nach dem iPhone X für den Kursverlust verantwortlich. Nach Ansicht der Investmentbank Mizuho Securities werde die iPhone-Produktion jährlich um zwei Prozent zurückgehen, die Produktion des iPhone-X-Nachfolgers könnte sogar um 15 Prozent fallen.

Deutschlands Lieblings-Handy: iPhone X knapp vor Huawei  

Macwelt Marktplatz

2345945