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Morgenmagazin vom Donnerstag, 28. Juni 2018

28.06.2018 | 07:10 Uhr |

Apple und Samsung legen Patentstreit nach sieben Jahren bei +++ Versteckte Funktionen in Mojave-Beta +++ Was iOS 12 über künftige Geräte verrät +++ iFixit: Darum ist die Butterfly-Tastatur schlecht +++ Aus für Aquila: Facebook gibt Riesen-Flugdrohne auf +++ WLAN: Mikrowelle kann Störquelle sein +++ Regierung will Digitalisierung von Schulen vorantreiben

28. Juni: Immer das gleiche Muster

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Geschichte wiederholt sich nicht, sie verläuft nicht einmal in Zyklen. Und doch scheint die Geschichte Muster zu werfen, weil wir Homo sapiens, die wir Geschichte schreiben, Muster schätzen und erkennen, danach richtet sich oft unser symbolisches und politisches Handeln. Das mit mit dem 28. Juni nichts anderes.

Zum einen fand dort nahe der heutigen Hauptstadt des Kosovo, Pristina, die Schlacht auf dem Amselfeld statt (Kosovo Polje). Der Ausgang war zwar nicht so eindeutig, doch scheiterte das vordringliche Ziel des serbischen Heeres, an jenem 15. Juni 1389 (nach julianischem Kalender), die Oberhand zu behalten und das Osmanische Reich zurück zu drängen. Die Schlacht auf dem Amselfeld wurde gleichwohl zu  einem Mythos serbischer Nationalisten, über Jahrhunderte hinweg.

Deshalb war es keineswegs Zufall, dass im Jahr 1914 der Thronfolger jenes Kaiserrreichs, mit dem Serbien über Einfluss auf dem Balkan stritt, eben an dem auf den gregorianischen Kalender umgerechneten Jahrestag 28. Juni die Stadt Sarajevo besuchte, die mit Pristina vor allem einen großen Anteil an Muslimen an der Gesamtbevölkerung gemeinsam hat, seinerzeit aber zu Österreich-Ungarn gehörte. Franz Ferdinand und seine Gattin starben durch die Kugeln eines serbischen Nationalisten, die Folgen sind bekannt: Heute vor 104 Jahren war der point of no return zum Ersten Weltkrieg hin erreicht – das wurde den Beteiligten aber erst im Nachhinein klar. Wenn auch das Attentat von Sarajevo ein klarer Auslöser war, die Ursachen für das Schlachten sind vielfältig und die Schuldfrage nicht so eindeutig, wie es der Vertrag von Versailles aussagte. Abgeschlossen am 28. Juni 1919, fünf Jahre nach den tödlichen Schüssen von Sarajevo.

Weitere 70 Jahre später war Serbien in einen Vielvölkerstaat eingebunden, dem nach dem Ersten Weltkrieg zunächst als Königreich Jugoslawien auf den Ruinen des Habsburgerreiches, des Osmanischen Reiches und eben Serbiens gegründetem. Die sozialistische Republik war in jenem Wendesommer von 1989 aber bereits dem Untergang geweiht, Slobodan Milosevic, der Chef der serbischen KP und Republik spielte daher am 28. Juni 1989 die hässliche Karte des Nationalismus wieder aus, als hätte es die europäischen Kriege des 20. Jahrhunderts nie gegeben.

Grundtenor seiner Amselfeldrede: Das Kosovo war serbisch, ist serbisch und wird immer serbisch bleiben und wenn sich dessen Einwohner nach einem Zerfall Jugoslawiens neu orientieren wollten, können sie das vergessen. Die Republik Kosovo hat mittlerweile von Serbien abgespalten, so richtig anerkannt ist sie nicht. Die FIFA war diesbezüglich Vorreiter und lässt die Fußballnationalmannschaft in Qualifikationsrunden antreten, die besten Kosovaren spielen aber für die Schweiz. Wir haben Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka bei der WM mit einem symbolischen Doppeladler gegen Serbien (!) jubeln gesehen. Auch nicht schön, solch eine Provokation.

Man kann die Amselfeldrede Milosevics kaum als alleinigen Auslöser der zwei Jahre danach beginnenden Jugoslawienkriege sehen, auch hier ist die Gesamtlage für eine eindeutige Schuldzuweisung zu komplex. Immerhin bemüht sich seit gut zwanzig Jahren der Internationale Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag um juristische Aufarbeitung. Milosevic, von Serben aus dem Amt und von der Macht vertrieben, wurde diesem Gericht von den neuen Machthabern seines Landes überstellt. Am 28. Juni 2001, 12 Jahre nach seiner anheizenden Rede. Zufall ist das nicht, aber auch keine sich wiederholende Geschichte. Sondern nur ein Beispiel in Mustererkennung und Symbolpolitik. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Ende eines Streits: Apple und Samsung haben sich gestern in ihrem jahrelangen Patentstreit überraschend auf einen Vergleich geeinigt und die juristische Auseinandersetzung über Patente rund um das Smartphone beigelegt. Dies haben laut Bloomberg die Unternehmen einem Richter mitgeteilt. Details der Vereinbarungen sind aber nicht bekannt. Begonnen hatte Apple den Rechtsstreit im Jahr 2011, der mittlerweile verstorbene Apple-CEO Steve Jobs hatte seinerzeit Konkurrenten, die das Android-System auf ihren vom iPhone inspirierten Smartphones einsetzten, mit einer "thermonuklearen" Auseinandersetzung gedroht. Der Streit mit Samsung war nicht der erste, aber der heftigste. Apple bezichtigte den Hersteller, dieser habe "sklavisch" das Design des iPhone kopiert, die Gegenseite war auch nicht zimperlich und bezeichnete Apple als "Dschihadisten". In einem 2012 ergangenen Urteil wurde Samsung für schuldig befunden, die angesetzte Milliardenstrafe wurde aber in Berufungsprozessen auf etwa 350 Millionen US-Dollar gedrückt. Der Oberste Gerichtshof hatte den Prozess nach Samsung Einspruch wieder an untere Instanzen verwiesen. Insgesamt dürfte der Streit die Kontrahenten mehrere hundert Millionen US-Dollar an Anwaltskosten und Prozessgebühren gekostet haben. Der Patentanwalt Paul Berghoff aus Chicago bemüht gegenüber Bloomberg einen Vergleich aus dem Kampfsport. Samsung und Apple seien wie zwei Sumoringer, die sich ineinander verkeilt hätten und nach sieben Jahren nun des Kampfes müde geworden wären.

Hardware ergänzt Software: Apple hatte etliche neue Features von iOS 12 schon vor fast vier Wochen auf der WWDC angekündigt, seit dieser Woche läuft der öffentliche Beta-Test. Unser Macworld-Kollege Michael Simon zieht nun Rückschlüsse aus den Neuerungen im System auf neue Hardware, die Apple irgendwann im Herbst bringen werde. So würden die hervorgehobenen Memojis ja erwarten lassen, dass bald mehr Produkte mit einer True-Depth-Kamera kämen, die ja dafür Voraussetzung ist. Darunter dürften nicht nur neue iPhones sein, sondern auch ein iPad Pro mit dünnerem Rahmen, einer Notch und ohne Home-Button – iPhone-X-Gesten versteht unter iOS 12 auch das iPad. Die App Measure wird nicht nur iPhone-Nutzer begeistern, was würde sie erst in einer AR-Brille bringen? Simon hat keinen Zweifel mehr daran, dass Apple daran arbeitet. Die App "Aktien" verweist auf einen Dark Mode auch unter iOS, und vor allem zeige die Maßnahme, dass iOS 12 ältere iPhones beschleunige, dass Apple-Hardware noch länger halten solle.

Überraschungen : Auch aus der Public Beta von macOS Mojave kann man Neues erfahren, wie Jason Snell für Macworld berichtet. Das neue Betriebssystem hält einige bisher versteckte Funktionen bereit, die sich als recht nützlich erweisen und von denen bisher kaum oder gar nicht die Rede war. So platziert Mojave von Automator erstellte Quick-Action-Workflows prominenter im Finder oder auf der Touchbar. Screenshosts bekommen Änderungen, das Tastenkürzen command-Shift-5 bringt ein Fenster hervor, über das man diverse Optionen auswählen kann, was man aufnehmen möchte und wohin man das Bild speichert. Das Dock hält nun eine Sektion mit den zuletzt benutzten Programmen bereit, man kennt das von iOS so ähnlich. Siri auf dem Mac unterstützt auch HomeKit, dass Apple die App Home auf den Mac bringt, hatte Craig Federighi bereits auf der WWDC angekündigt. Ebenso ist seither ein neues Feature bekannt, das für Ordnung auf den Schreibtischen sorgen soll: Stacks. Mit einem Klick im Kontextmenü des Finders kann man auf dem Desktop verteilte Dokumente zu geordneten Stapeln zusammen führen, es gibt aber in der ersten Public Beta auch die Umkehrfunktion: "Mess Up Your Desktop". Diese verteilt in Stacks geordnete Dateien wieder wild auf der Schreibtischoberfläche und dürfte vor allem ein Scherz der Entwickler sein, die damit die Nützlichkeit der Neuerung von Mojave demonstrieren.

Schon immer gesagt: iFixit, das auf Reparaturanleitungen für allerlei Technik spezialisierte Unternehmen, das durch seine Teardowns neuer Geräte zu gewissem Ruhm gekommen, tritt in Sachen Tastatur für das Macbook Pro nach. Apple hatte diese Woche ein Reparaturprogramm aufgelegt und die Garantie für das Keyboard auf vier Jahre verlängert – ein Eingeständnis, dass die Butterfly-Tastatur fehleranfällig sei. Kyle Wiens, Chef von iFixit, schreibt nun in seinem Beitrag, er und sein Team hätten das ja schon immer gesagt. Der Rest der Tech-Presse habe das schlanke und elegante Design des Macbook von 2015 und seiner Nachfolger sowie das Macbook Pro gelobt, iFixit würde aber als wichtigstes Kriterium die Reparierbarkeit ansehen - denn jedes Gerät versage früher oder später den Dienst. Hier musste das Macbook Pro eine Abwertung von sieben auf zwei von zehn möglichen Punkten erfahren. Nicht nur wegen der Tastatur, auch die verklebte Batterie gab Punktabzüge. Doch Wiens belässt es nicht bei einem vermeintlich besserwisserischem Schimpfen, er weiß es einfach besser und erklärt im Detail, warum die Tastatur mit ihrem Schmetterlingsmechanismus so fehleranfällig ist. Sie vor allem zu dünn, so dass Staub die Tasten blockieren könne. Das wäre aber nichts, was Apple nicht beheben könnte, Butterfly 2.0 war schon ein erster Schritt. Cupertino wäre aber gefordert, eine noch etwas dickere und deutlich robustere Tastatur für künftige Laptops zu entwickeln. Sonst wird die überzogen klingende Überschrift doch noch wahr: "Apple Engineers It's Own Downfall With the Macbook Pro Keyboard". Aber dass Apple sich in den Untergang entwickle und das auch noch aus eigener Schuld, haben ja schon viele behauptet und bisher nicht Recht behalten.

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Aus für Aquila: Facebook gibt Riesen-Flugdrohne auf

Facebooks Riesen-Flugdrohne Aquila sollte abgelegene Regionen der Erde an das Internet anbinden. Als fliegender Internet-Router sozusagen. Die Aquila-Drohne ist aus Karbon gefertigt und hat eine Spannweite von 43 Metern. Sie wiegt dank des leichten Karbons nur 408 Kilogramm und ist als Nur-Flügler konstruiert, besitzt also keinen eigentlichen Rumpf. Die von vier Elektromotoren angetriebene Drohne fliegt ganz langsam und bezieht ihren Strom in einer Höhe von über 18 Kilometern aus Sonnenenergie, der für mehrere Monate Einsatzzeit am Stück in der Luft reichen sollte. Ihre Daten überträgt die Drohne per Laser.

Facebook hatte das Aquila-Programm im Jahr 2014 gestartet. Das Unternehmen betrat damit weitgehend Neuland – obwohl auch Google mit seinem Projekt Google Loon ein ähnliches Internet-Zugangs-Projekt betreibt - und sammelte per Trial and Error offensichtlich viele Erfahrungen. Der Bau der Flugdrohne begann praktisch bei Null – Google arbeitet ja mit Ballons – und Aquila hob auch tatsächlich zu Testflügen ab, bei denen es aber zu Problemen kam und die Drohne beschädigt wurde.

Neben der Herausforderung, eine in dieser Höhe über längere Zeit zuverlässig fliegende Drohne zu konstruieren, musste Facebook sich auch mit der Frage der Datenübertragung zwischen Drohne und Basisstation auf der Erde beschäftigen. Zudem musste Facebook die gesetzlichen Bestimmungen für den Einsatz solcher Drohnen im Flugraum beachten.

Während Facebook an Aquila schraubte, entwickelten auch andere Firmen Fluggeräte für diesen Zweck oder für ähnliche Zwecke. Facebook beobachtete diese konkurrierenden Fluggeräte und kam zu dem Schluss, dass sich eine kostspielige, Ressourcen fressende und letztendlich vielleicht weniger leistungsfähige Eigenentwicklung nicht mehr lohnt. Deshalb beendet Facebook das Projekt Aquila und schließt die dazugehörige Fabrik im britischen Bridgewater, wie das Unternehmen jetzt mitgeteilt hat.

Stattdessen will Facebook mit anderen Unternehmen wie Airbus (weiter) kooperieren. Zudem will sich Facebook auch weiterhin bei der Entwicklung der regulatorischen und gesetzlichen Vorgaben für solche Fluggeräte für Internetverbindungen engagieren.

Wie Business Insider berichtet, hat der verantwortliche Konstrukteur von Aquila Facebook bereits verlassen.

WLAN: Mikrowelle kann Störquelle sein

Eigentlich sind Sie mit dem Tempo in Ihrem WLAN zufrieden. Nur hin und wieder verringert sich die Übertragungsrate für kurze Zeit deutlich. Wahrscheinlich reduzieren bestimmte Störsignale das WLAN-Tempo, die allerdings nur kurzfristig auftreten. Ein möglicher Verdächtiger ist dabei der Mikrowellenherd.

Die meisten Modelle arbeiten heute mit einer Frequenz von 2,455 GHz, also im gleichen Bereich, den auch die meisten WLANs verwenden. Die Fritzbox erkennt diese Störung und reduziert die Kanalbandbreite automatisch von 40 auf 20 MHz. Messprogramme beispielsweise auf einem Windows-PC zeigen in diesem Fall eine verringerte Datenrate an. Die Fritzbox vermerkt die Änderung in ihrem Ereignisprotokoll unter „System –› Ereignisse“ mit der Meldung „WLAN: Eine Mikrowelle wurde erkannt, für 300 MBit/s optimierte Funkkanäle vorübergehend deaktiviert (2,4 GHz).“ Laut AVM ist die Nutzdatenrate in dieser Zeit allerdings sogar höher, da sich Übertragungswiederholungen verringern.

Da eine Mikrowelle meist nur wenige Minuten in Betrieb ist, schaltet die Fritzbox automatisch wieder auf die 40-MHz-Bandbreite um, sobald die Störung beseitigt ist. Ein entsprechender Scan der Umgebung erfolgt einmal pro Stunde oder zwei Minuten, nachdem sich das letzte WLAN-Gerät vom Netz abgemeldet hat. Damit es nicht zu Beeinträchtigungen kommt, empfiehlt es sich, Ihre WLAN-Geräte und die Fritzbox mit mehreren Metern Entfernung zur Mikrowelle zu platzieren.

Regierung will Digitalisierung von Schulen vorantreiben

Die Bundesregierung will die Digitalisierung von Schulen beschleunigen. "Wir werden den Breitbandausbau vorantreiben. Allein 2,4 Milliarden Euro, die aus Steuermehreinnahmen stammen, stecke ich in einen Digitalfonds, von dem auch die Digitalisierung von Schulen profitieren wird", sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) der "Passauer Neuen Presse".

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kündigte an, knapp ein Jahr nach dem Start der Förderoffensive "Digitales Klassenzimmer" würden mehr als 5.250 Schulen schnelles Internet bekommen. Scheuers Vorgänger Alexander Dobrindt (CSU) hatte das Programm im Juli 2017 gestartet. Scheuer sagte, mehr als 220 Gemeinden in Deutschland hätten die Erschließung im Rahmen von Breitbandprojekten vorgesehen.

In Deutschland gibt es insgesamt rund 33.000 allgemeinbildende Schulen. Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, die Digitalisierung von Schulen weiter voranzubringen. Dazu gehören neben schnellen Internetanschlüssen auch gemeinsame Cloud-Lösungen für Schulen sowie die Qualifizierung von Lehrern. (dpa/rs)

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