2354140

Morgenmagazin vom Donnerstag, 7. Juni 2018

07.06.2018 | 07:09 Uhr |

Der Mac im Jahr 2020 +++ Versteckte Tweaks in iOS 12 +++ Sonos Beam: Der bessere HomePod +++ Vodafone verschenkt Social Pass zur WM 2018 +++ AMD kontert Intel: Threadripper 2 mit 32 Kernen kommt +++ Cooler Master: CPU-Kühler wirkt wie ein Kühlschrank

7. Juni: Rücken aus Glas

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Eine Zeit lang nutzt Apple die WWDC auch zur Präsentation eines neuen iPhones, das dann nur wenige Wochen nach der Show in den Handel kam. Genau genommen war die Zeit auf drei Jahre und damit drei Modelle beschränkt, iPhone 3G, iPhone 3GS und iPhone 4, seit dem iPhone 4S hat sich der Herbst als idealer Zeitpunkt für ein neues Modell oder sogar Kollektion herauskristallisiert.

So ist es heute nun schon acht Jahre her, dass Apple seine Entwicklerkonferenz mit einem neuen iPhone eröffnete. Erste Details zum neuen Betriebssystem hatten die nach San Francisco gepilgerten Programmierer schon im März davor erfahren. Das erste und einzige Mal passten Versionsnummer von Hardware und Software exakt zusammen: iPhone 4 und iPhone-OS 4, das auf der WWDC die Umbenennung in iOS 4 erfuhr, denn seit wenigen Wochen davor diente es auch als Betriebssystem für das iPad.

Mit dem Modell von 2010 änderte Apple erstmals die Form des iPhone - wie die an der Entwicklung des Smartphones Beteiligten erst letztes Jahr durchblicken ließen, war dies aber kein Paradigmenwechsel, denn schon einige Prototoypen waren ein wenig eckiger als das Ur-iPhone geraten und hatten vor allem eine Glasrückseite. Diese sollte ja besser Funksignale durchlassen als Aluminium, beim ersten iPhone hatte sich Apple noch zu einer Kombination aus Metall und Plastik durch gerungen, 3G und 3GS hatten anschließend nur Kunststoff auf der Rückseite verbaut.

Das iPhone 4 hatte aber noch zwei Besonderheiten. Für beide waren Fehler die Ursache. Ende März oder Anfang April hatte in einem Biergarten in Cupertino ein Apple-Ingenieur einen Prototypen des 4ers liegen lassen, bei einem der notwendigen Feldtests außerhalb des Firmengeländes. Das Telefon steckte zwar in einer Hülle, die es aussehen ließ wie ein 3GS – an der Bildschirmgröße hatte sich ja nichts geändert, nur an dessen Auflösung (Retina-Display) – das half aber nichts. Der unbekannte Finder spielte das Fundstück dem Blog Gizmodo zu, der das natürlich ausnutzte und ausführlich über die Form des neuen Modells berichtete. Zur Keynote der WWDC waren Vertreter der Website dann unerwünscht und haben seither keine weiteren Einladungen Apples erhalten, an sich wenig überraschend.

Den anderen Fehler hatte Apple in seinen Laboren begangen. Denn trotz großen Aufwands bei Entwicklung und Test war es den Ingenieuren offenbar nicht aufgefallen, das der Stahlrahmen, der gleichzeitg als Antenne diente, eine Schwachstelle hatte. Fasste man ihn an der Stelle an, an der bewusst unterbrochen war, überbrückte die leitende Haut die Isolation und das Gespräch und/oder die Internetverbindung konnte abbrechen: Antennagate. Der bereits todkranke Steve Jobs unterbrach einige Wochen später seinen Urlaub, um auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz zu erklären, dass dieser Fehler zwar bedauerlich sei, aber auch andere Hersteller hätten derartige Designfehler begangen. Die Kunden rissen dennoch Apple das neue Telefon geradezu aus den Händen, aber gut, wer unzufrieden ist, kann es ja bis zu 14 Tage nach dem Kauf zurückgeben oder eine kostenlose Hülle (Bumper) bei Apple bestellen. Theoretisch hätte man das auch mit Wollhandschuhen lösen können, aber es war ja Sommer.

Intern muss Steve Jobs aber anders geklungen haben, der erst kurz zuvor von IBM als Nachfolger von Tony Fadell geholte Chef-Entwickler Mark Papermaster war dann auch gleich seinen Job los. Und die im Februar darauf erschienene CDMA-Variante hatte ein anderes Antennendesign, das Apple auch dem mit zehn Monaten Verzögerung ausgelieferten weißen iPhone 4 und vor allem dem Nachfolger iPhone 4S angedeihen ließ. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Versteckt – entdeckt: Die Öffentlichkeit wartet immer noch auf einen Termin für den Beginn des Public-Beta-Tests von iOS 12, Entwickler probieren aber das neue Betriebssystem schon aus und verraten interessante Details wie etwa unser Macworld-Kollege Jason Cross. Dieser will unter anderem entdeckt haben, dass iPhone und iPad ab Herbst alle Updates, auch auch die des Systems, automatisch durchführen, zumindest wenn Voraussetzungen wie Wi-Fi-Verbindung und Stromanschluss erfüllt sind. Zwei neue Akzente werten (das englische) Siri auf: Irisch und Südafrikanisch. Auf Bairisch und Kölsch dürfen wir aber sicher nicht hoffen. Auf dem iPhone X (und vermutlich kommenden iPad-Modellen ohne Home-Button) schließt man Apps aus der Multitasking-Ansicht nun mit Wisch nach oben. Falls FaceID versagt, weil man etwa den Mund bedeckt, musste man bisher gleich den Passcode eingeben, nun kann man mit einem Wisch die Gesichtserkennung neu starten. Für die FaceID kann man nun auch ein alternative Aussehen einstellen, etwa mit Schal und Brille oder mit und ohne Bart. Die Verbindung zu USB-Geräten kann man nach einer Stunde Inaktivität unterbinden lassen, keine Chance also mehr für Geräte wie GrayKey und somit ein Zugewinn an Datensicherheit. An Apple Music hat sich nicht viel veröndert, nur etwas größeres Artwork und die nützliche Suche nach Textern. Karl Valentin hätte sofort das Lied mit dem fremden Indern ("Fremde Inder Nacht …") gefunden. Im Kontrollcenter ist nun ein QR-Reader enthalten, in Safari-Tabs die Favicons zu sehen. Cross gibt zudem noch einen kurzen Einblick in die Definition von Siri Shortcuts und der Gruppierung von Benachrichtigungen.

Wann ist ein Mac ein Mac? : Merger von iOS und macOS: "No." – iOS-Apps dank neuer Werkzeuge auch auf dem Mac – ja. Das wissen wir also seit Montag. Was macht aber einen Mac aus und wie sieht der in wenigen Jahren aus? Diese Frage hat sich auch unser Macworld-Kollege Jason Snell gestellt und Craig Federighis weitere Aussagen gedeutet und seine Schlüsse daraus gezogen. Der Mac ist nach der Definition des Chef-Entwicklers in Cupertino vor allem eine besonders leistungsstarke Maschine, die sich mit Maus und Tastatur bedient, der man in ihrem Terminal auf den Grund gehen kann und an die man jede menge Peripherie anschließt - etwa bis zu vier externe Displays. Letzteres ist für das iPad ja nun völlig unvorstellbar, auch eine Anwendung wie Terminal kann man für iOS ausschließen. In Sachen Tastatur und Trackpad sind iPad Pro und Macbook aber gar nicht mehr so weit auseinander – auch wenn Federighi einem Touch-Macbook eine weitere klare Absage erteilt hat. Dem Mac App Store sollte Apple mit seinen jüngsten Ankündigungen aber neuen Schwung verleihen, Final Cut Pro X werden dessen Anwender auch eher auf einem High-End-Mac nutzen und nicht auf einem iPad. Aber eben auch nicht auf einem einfachen Macbook. Snell sieht daher durchaus eine künstliche Barriere zwischen Low-End-Mac und iPad/iPhone, die Apple womöglich nicht mehr allzu lange aufrecht erhalten würde.

Besser gelöst: So hätte eigentlich der HomePod werden sollen, seufzt Leif Johnson auf Macworld über den gestern vorgestellten Smart Speaker Sonos Beam. Denn dieser produzieren nicht nur einen guten Klang, sondern lasse neben Apple Musich auch die Nutzung von Spotify zu – im Prinzip auch einen jeden anderen Musik- oder TV-Dienst. Dazu kommt, dass man über den Beam nicht nur mit Siri einen Plausch halten und sie Antworten geben und Aufgaben erledigen lassen kann, sondern auch mit Alexa. Sogar der Google Assistant soll bald bereit stehen. Via Airplay 2 lässt sich der Sonos Beam mit anderen kompatiblen Lautsprechern (ja, auch mit dem HomePod) zu einem Stereo- oder Multiroom-System koppeln. Und das Ganze kostet dann auch nicht mehr als 400 US-Dollar. Dabei ist der Sonos Beam an sich in seiner Form als Soundbar für den Fernseher gedacht, er lässt sich auch wunderbar als Soundausgabe für das Apple TV verwenden. Aber auch mit herkömmlichen Fernsehapparaten kommt das Gerät dank seines HDMI-Anschlusses zurecht. Über HDMI-ARC (Audio return Channel) kann der Sonos Beam Dolby Digital 5.1 ausgeben, von Dolby Atmos ist bisher nicht die Rede.  Sehr schön: Mit Hilfe von Alexa kann man die Lautstärke kontrollieren. Der Sonos Beam ist ab Juli im Handel, zunächst ohne Airplay2, was aber bald mittels Softwareupdate nachgeliefert wird.

Lahm: Selbst in vermeintlichen Entwicklungsländern der EU ist das Internet schneller und Breitbandnetze besser ausgebaut als hierzulande. Warum das so ist und Deutschland seine Breitbandziele für 2025 erneut verpassen wird, versucht Sascha Lobo in seiner neuesten Kolumne auf Spiegel Online zu erklären. Politik und ein "drittelstaatliches Unternehmen" würden den "Zombie Kupferkabel" künstlich am Leben erhalten, mit der Vectoring-Technik. Diese erforder es aber, dass nun ein Anbieter die Hoheit über die Verteilerkästen behält und das ist eben - Überraschung! - das aus der Bundespost hervorgegangene Bonner Unternehmen mit dem magentafarbenen T.

Stark, Bier: Apple Insider hat einen der 350 zur WWDC eingeladenen Stipendiaten begleitet, den 21-jährigen Collin DeWaters aus Virginia, der bereits einige Appls mit Hilfe von Swift Playgrounds in den App Store eingestellt hat. DeWaters hat auch gleich Apples neues Machine-Learning-Fraework Core ML ausprobiert, das der Hersteller erst am Montag vorgestellt hatte. Die Anwendung und das Modell zum Erkennen von Getränken hatte DeWaters innerhalb von zehn Minuten aufgesetzt, die 400 Fotos von Getränken dauerte jedoch etwas länger zum Aufnehmen und Sammeln. Doch mit seiner App kann das iPhone nun erkennen, ob im Glas vor der Kamera Bier, Wasser oder Wein oder was auch immer eingeschenkt ist.

Redaktion: Der News-Feed von Facebook enthält immer weniger Nachrichten von seriösen Zeitungen und Zeitschriften und bevorzugt von den Freunden geteilte Links – die ja auch gerne mal hanebüchen sein können. Nicht nur Publisher fanden diese Veränderung problematisch, Apple News sollte neue Hoffnung geben und die Chance, Themen und Artikel besser an den Mann und die Frau zu bringen. Anders als Facebook setzt Apple News auch nicht auf Maschinen, sondern auf eine menschliche Redaktion. Doch dies kann auch zu einem Nachteil führen, wie eine Studie von Tow Center ergibt: Editorial Bias, also eine Art redaktionelle Filterblase. Denn die Apple-News-Redaktion würde immer wieder die gleichen Quellen für ihre Arbeit der Weiterverbreitung von Nachrichten nutzen. In den USA sei die New York Times die meistzitierte Quelle, im UK der Daily Telegrpah, jeweils auf Kosten kleinerer und regionalerer Nachrichtensites.

Weitere Nachrichten:

Vodafone verschenkt Social Pass zur WM 2018

Vodafone schenkt allen Red-Kunden während der gesamten WM 2018 einen WM Social Pass . Vom Anpfiff am 14. Juni bis zum Finale am 15. Juli können sie die Apps ausgewählter sozialer Netzwerke wie Twitter, Instagram, Facebook oder Pinterest nutzen, ohne dafür ihr Datenvolumen zu verbrauchen. Der Social Pass schlägt normalerweise mit 5 Euro im Monat zu Buche. Der WM Social Pass ist gratis und endet automatisch am 15. Juli.

Vodafone-Kunden und Nutzer der Red-Tarife bekommen das Angebot in dieser Woche automatisch in ihrer MeinVodafone-App angezeigt. Wer die Aktion dort nicht findet, muss in den Einstellungen der App unter „Persönliche Angebote“ einen Haken bei „Online-Angebote und Nutzungsdaten“ setzen. Nach einem Neustart der App sollte die Aktion dann sichtbar sein und kann aktiviert werden.

Mit der Aktivierung willigen Nutzer jedoch auch ein, „telefonisch, per E-Mail, Messenger, SMS und MMS“ Angebote von Vodafone und Kabel Deutschland erhalten zu wollen. Die Nutzungsdaten werden dann ebenfalls automatisch an die beiden Unternehmen weitergegeben. Obwohl Twitter als Social-Media-App vom Social Pass abgedeckt wird, fällt das Streamen von Videos über den Micro-Blogging-Dienst nicht in die Vereinbarung. Auf diese Weise verbrauchtes Datenvolumen wird auf das Monatsvolumen angerechnet.

AMD kontert Intel: Threadripper 2 mit 32 Kernen kommt

AMD holt zum Gegenschlag gegen Intel aus: Auf der Computex hatte Intel ein 28-Kern-CPU enthüllt, die gegen Ende des Jahres auf den Markt kommen soll. Einen Tag später konterte AMD nun mit der Präsentation des Threadripper 2, der mit 32 Kernen und 64 Threads bereits demnächst erscheinen soll. Ein Jahr nach der Vorstellung der ersten Generation der Threadripper folgt damit die Ankündigung des Nachfolgers. Und der Threadripper 2 mit 32 Kernen, so AMD auf der Bühne, biete "Heavy Metal"-Performance.

Die zweite Generation der Threadripper-CPUs soll im dritten Quartal 2018 auf den Markt kommen. Und damit einige Monate später nach der zweiten Generation der Ryzen-CPUs, die seit April 2018 verfügbar sind. Der Threadripper 2 wird ebenfalls im 12-Nanometer-Verfahren hergestellt und nutzt die Zen+-Architektur. Er verwendet außerdem den gleichen TR4-Sockel und wird luftgekühlt sein, wie AMD erklärte.

Auf seiner Computex-Pressekonferenz konzentrierte sich AMD vor allem auf die 32-Kern-Variante des Threadripper 2. Es wird aber auch weitere Varianten geben, darunter auch einen Threadripper 2 mit 24 Kernen. Weitere Details zum Threadripper 2 wird es später geben .

AMD gab auch einen Ausblick auf die neuen Produkte, die in naher Zukunft ausgeliefert werden sollen. Dazu gehört auch die im 7-Nanometer-Verfahren gefertigte Vega-GPU, die ab der zweiten Jahreshälfte an die Hersteller von Grafikkarten ausgeliefert werden soll. Die erste Variante wird aber für den Einsatz in Datenzentren und Workstations optimiert sein. Dazu besitzt die GPU Verbesserungen in den Bereichen Sicherheit, Hardware-Virtualisierung und Deep Learning. AMD demonstrierte die Geschwindigkeit mit einem System mit der 7nm GPU mit 32 GB HBM2-Speicher beim Cinema4D-Rendering. Gleichzeitig betonte AMD aber auch, dass weitere 7-Nanometer-Produkte in der Entwicklung sind. Für Gamer und Endanwender wird es also auch in naher Zukunft die ersten 7-Nanometer-GPUs von AMD geben.

Cooler Master: CPU-Kühler wirkt wie ein Kühlschrank

Hersteller Cooler Master hat auf der Computex ein thermo-elektrisches Kühlsystem vorgestellt, welches wie ein Kühlschrank arbeitet. Dadurch lässt sich die Temperatur der zu kühlenden Komponenten nicht nur auf die aktuelle Raumtemperatur absenken, sondern auch darunter. Das geschlossene System setzt auf eine Kühlflüssigkeit, Pumpen und Radiatoren. Prozessor und GPU werden also nicht direkt über das thermo-elektrische Kühlelement gekühlt, sondern indirekt über eine Flüssigkeit.

Bei den ausgestellten Systemen konnte die Temperatur der Komponenten so weit reduziert werden, dass sie ungefähr 10 Grad Celsius unter der Raumtemperatur lag. Das System soll Chips mit einer TDP von bis 300 Watt ausreichend kühlen können. Im Gegenzug fällt jedoch auch die Leistungsaufnahme des Kühlsystems deutlich höher aus als bei klassischen Lüftern oder Wasserkühlungen aus: Laut Hersteller kann sich das System maximal 150 Watt genehmigen. Den hierfür nötigen Strom muss das im Rechner verbaute Netzteil aufbringen. Das Kühlsystem von Cooler Master eignet sich damit wohl nur für anspruchsvolle Anwender, die in schlecht klimatisierten Räumen arbeiten oder spielen müssen. Cooler Master will das Kühlsystem im dritten Quartal 2018 anbieten. Ein Preis steht noch nicht fest.

Macwelt Marktplatz

2354140