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Morgenmagazin vom Donnerstag, 7. September 2017

07.09.2017 | 07:09 Uhr |

Apple bietet um Vertriebsrechte an James Bond +++ Neue Top-Manager für Apples Video-Kanäle +++ iPhone ist Nummer Eins in China +++ Neue Farbe: Blush Gold +++ Google verbessert Street View mit neuen Kameras und KI +++ YouTube Kids startet in Deutschland +++ AMD stellt noch schnellere Prozessoren als Ryzen in Aussicht

7. September: Anfälliges Schwarz

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Was er denn von Flash halte, wurde Steve Jobs dereinst suggestiv nach der schon damals recht altbackenen Software von Adobe gefragt. Oh, eine ganze Menge, wir bauen verdammt viele der Chips in unsere Produkte ein, antwortete der Apple-CEO listig unter Verweis auf Speicherbausteine. Flash-Speicher ist bei Apple längst Standard, nur noch wenige Produkte müssen allein mit magnetischen Festplatten auskommen, wie etwa die günstigsten Varianten von iMac und Mac Mini.

Das Flash-Zeitalter hatte bei Apple zwar schon ein paar Monate zuvor mit dem iPod Shuffle begonnen, einer Art USB-Stick für iTunes mit Kopfhörerbuchse, mit dem iPod Nano nahm der Zug am 7. September 2005 aber so richtig Fahrt auf. Ein wenig überraschend hatte Apple an jenem Spätsommertag seinen bis dato erfolgreichsten iPod, den iPod Mini, schon nach 20 Monaten wieder auf das Abstellgleis geschoben. Dessen 1-Zoll-Festplatte hatte sich zwar als robust erwiesen und das Gerät sich daher als besser für den Sport geeignet, aber nach wie vor handelte es sich nun einmal um eine Festplatte mit beweglichen Teilen.

Der iPod Nano machte damit Schluss, vorerst aber auch mit den bunten Farben der iPod-Mini-Ära. In schwarz oder weiß war der iPod Nano nur zu haben und nach den ersten Anwenderberichten war den meisten potentiellen Käufern klar, dass schwarz keine Option ist. Zu sehr verkratzte und verschmutzte das hochglänzende Plastik, die weiße Variante erwies sich als weit weniger empfindlich. In einer zweiten Generation sollten dann die Farben zurück kommen, später setzte Apple auf bunt eloxiertes Aluminium, in kräftigen, hübschen Farben.

Der schwarze Nano war gewissermaßen nur mit einer Schutzhülle zu gebrauchen, wollte man Spuren eben jenes Gebrauches vermeiden. Zufällig war es ebenso ein 7. September, nämlich der des Vorjahres, als Apple eine ähnlich spektakuläre und weittragende Farbentscheidung verkündete. Das iPhone 7 (Plus) in Jet Black oder Diamantschwarz ist zwar wunderbar anzusehen, solange noch niemand außerhalb der Fabrik das Gerät in der Hand hatte, aber ohne eine Schutzhülle neigt die Oberfläche zum Verkratzen. Das hatte Apple vor einem Jahr auch gleich so angekündigt und damit vielleicht einen Shitstorm verhindert. Denn ohne dass es das Wort damals schon gab, blies eben dieser vor zwölf Jahren durch Cupertino, einige enttäuschte iPod-Käufer sahen sich sogar zur Klage gegen Apple veranlasst. Mal sehen, welche Farbvarianten heuer eventuell Anlass zur Klage geben könnten, in fünf Tagen wissen wir es. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag:

Ausgesperrt: Apple hat laut Fast Company eine App der indischen Telekommunikationsbehörde namens "Do Not Disturb" wiederholt den Zugang zum App Store verweigert. Mit Hilfe der Anwendung können Nutzer Spam-Anrufe und -Nachrichten der Behörde melden, die diese Daten dazu nutzt, die Störer zu blockieren. Apple habe die Zulassung auf Grund datenschutzrechtlicher Bedenken verweigert. Der Schuss könnte aber nach hinten losgehen, Apple hat Indien als Wachstumsmarkt ausgemacht und versucht allmählich in dem Land Fuß zu fassen und das Vertrauen der Behörden zu gewinnen.

Aufgestiegen: Apple ist im chinesischen Smartphonemarkt die Nummer Eins. Laut Zahlen der Korea International Trade Association hat der iPhone-Hersteller bisher 171 Millionen Geräte verkaufen können. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen die lokale Marken Huawei (132 Mio.), Oppo (124 Mio.), Vivo (108 Mio.) und Xiaomi (68 Mio.). Erst auf Platz sechs rangiert Samsung, das im Vergleich zum Vorquartal um zwei Plätze nach hinten gerutscht ist und bisher insgesamt 48 Millionen Smartphones verkauft hatte – Stichtag war Ende Juni. Samsung sei vor allem wegen der niedrigeren Preise der lokalen Konkurrenten unter Druck geraten. Apple hat derartige Problem offenbar nicht so sehr zu spüren bekommen. Vor allem von iPhone 6 und iPhone 6 Plus hatte Apple große Stückzahlen verkaufen können.

007: Daniel Craig macht erst mal weiter und wird im für Ende 2019 geplanten nächsten James-Bond-Film zum fünften Mal den Geheimagenten ihrer Majestät darstellen. Bei den Distributionsrechten für den Spectre-Nachfolger könnte es aber zu einem Paradigmenwechsel kommen, denn laut eines Berichts von The Hollywood Reporter bieten auch Apple und Amazon gegen den Favoriten Warner Bros. Die Rechte an James Bond für Streaming, TV und weitere Verwertung könnten zwischen zwei und fünf Milliarden US-Dollar wert sein. Gut möglich sei es, dass nach dem Ablaufen der Vereinbarung mit Sony für die Kinorechte zunächst ein traditionelles Unternehmen zum Zug käme, für die weitere Verwertung aber Apple oder Amazon zum Zug kämen. Geplant sei, ein weit größeres Universum für den Charakter aufzuspannen, wie es etwa bei der Star-Wars-Saga oder den Marvel-Helden der Fall ist. Damit wäre gewissermaßen eine Lizenz zum Gelddrucken vergeben...

Personal: Abgesehen von dem womöglich spektakulären Angebot an das Unternehmen von Barbara Broccoli weitet Apple seine Bemühungen um originäre Video-Inhalte aus und stockt sein Team mit in der Branche erfahrenen Mitarbeitern auf, berichtet Variety. So wechselt etwa Kim Rozenfeld von Sony Pictures zu Apple, um dort als Programmchef und Leiter der Entwicklung von Dokuserien zu arbeiten. Seine ehemaligen Sony-Kollegen Zack Van Amburg und Jamie Erlich haben bereits kurz zuvor bei Apple angeheuert, die beiden waren unter anderem für Serien wie Breaking Bad oder Better Call Saul verantwortlich gewesen. Ebenfalls von Sony wechseln Max Aronson und Ali Woodruff nach Cupertino, zuvor hatten sie als Drama-Entwickler und als Direktor für kreative Angelegenheiten gearbeitet. Die Kommunikation für die Videoinhalte soll künftig Rita Cooper Lee verantworten, die von WGA America zu Apple stößt.

Alle Farben : Langsam werden die Gerüchte selbst um Farben des iPhone X oder iPhone Edition immer konkreter. "Blush Gold" soll der neue Ton heißen und dem Gold der bisherigen Modelle einen Hauch von Kupferfarbe hinzufügen. Als Beweis soll ein SIM-Karten-Halter herhalten, der angeblich dem neuen Modell im neuen Farbton entspricht. Vor allem sind wir mal gespannt, wie dieser in Apple-deutsch heißen wird. "Schamröte-Gold" ja gewiss nicht, auf "Diamantschwarz" als Übersetzung von "Jet Black" wären wir vor einem Jahr aber auch nicht gekommen.

Gefahrenabwehr: Noch ist Ransomware auf dem Mac kein großes Thema. Wenn nun aber eine speziell auf macOS ausgerichtete Attacke Daten verschlüsselt und nur gegen Lösegeld freigeben würde, wie sähe es dann mit Backups aus. Glenn Fleishman weiß zu beruhigen. Online-Backups sollten sicher sein und das betroffene System aus einem Snapshot von vor dem Angriff ohne Weiteres wieder herstellen lassen. Auch bei Time-Machine-Backups wird man nicht viel befürchten müsse, zur Not aber zu Zuständen zurückkehren müssen, die man weit vor den ersten Symptomen hatte. Einzig Klone des Systems können ebenso der Verschlüsselung zum Opfer gefallen sein, in diesem Fall wäre es von Vorteil, wenn man auf mehreren unterschiedlichen Platten zeitlich weiter auseinander liegende Klone pflegt.

Weitere Nachrichten:

Google verbessert Sreet View mit neuen Kameras und KI

Google will seinen Karten-Foto-Dienst Street View verbessern . Dafür stattet der Suchmaschinen-Konzern die Fahrzeuge, mit denen die Umgebungsfotos aufgenommen werden, mit neuen Kameras aus. Die Geräte sollen detaillierte Weitwinkel-Bilder mit lebendigeren Farben aufnehmen. Ebenfalls neu ist eine künstlicher Intelligenz, die gleich bei mehreren Problemen helfen soll. So können Street-View-Nutzer künftig komplexere Fragestellungen in das Suchfeld eingeben. Street View soll so beispielsweise auf „Wie heißt das Geschäft mit der rosafarbenen Fassade neben der Kirche?“ eine korrekte Antwort liefern. Die KI vereinfacht zudem die Verknüpfung von Adressen und Öffnungszeiten von Geschäften in Google Maps. Waymo, die Google-Tochter bei der autonome Fahrzeuge entwickelt werden, soll ebenfalls von der Street-View-KI profitieren.

Das größte Problem von Street View liegt jedoch auch weiterhin in den Gesetzen der einzelnen Länder. Während Street-View-Autos bereits in 85 Ländern weltweit unterwegs waren, darf Google nicht alles Bildmaterial veröffentlichen, das dort aufgenommen wurde.  

YouTube Kids startet in Deutschland

Nach dem Launch 2015 in den USA startet die App YouTube Kids in dieser Woche auch in Deutschland und Österreich für Android und iOS . Die Software richtet sich an Familien und bietet neben kindgerechten Videos auch Kinderlieder-Karaoke und Sachgeschichten. Unter den Videos in der deutschen Version der App finden sich unter anderem Klassiker wie Heidi, Biene Maja, das Sandmännchen oder Janoschs Traumstunde. Die Suche erfolgt in der App wahlweise per Sprach- oder Texteingabe.

YouTube Kids ist mittlerweile in acht Sprachen in 37 Ländern erhältlich. Die App zählt mehr als 45 Millionen Downloads und wird wöchentlich von über elf Millionen Zuschauern genutzt. YouTube Kids soll eine große Lücke für Eltern schließen. Über die App haben sie mehr Kontrolle darüber, welche Videos sich ihre Kinder im Internet anschauen und können dem Nachwuchs die nötige Medienkompetenz vermitteln. Um den Zugriff einzuschränken oder die Suche zu sperren, stehen bei YouTube Kids mehrere Einstellungen zur Verfügung.  

AMD stellt noch schnellere Prozessoren als Ryzen in Aussicht

Mit seinen Ryzen-CPUs kann sich AMD nach Jahren wieder dem Wettstreit mit Intel stellen. Dennoch bezeichnet der Hersteller die aktuellen Prozessoren als Worst-Case-Szenario. Auf der PAX West beschrieb AMD-Marketing-Manager für Desktop-CPUs Don Woligroski Ryzen und Zen als den schlimmsten möglichen Fall für das Unternehmen. Die neue Architektur sowie der ebenfalls neue Fertigungsprozess hätten das Unternehmen vor große Probleme gestellt. Dennoch sei das Ergebnis „ganz gut“ geworden. 

Trotz der großen Umstellungen stellte Woligroski neue Prozessoren mit noch mehr Befehlen pro Takt (IPC) in Aussicht. Auch bei der Taktrate soll es bald noch Luft nach oben geben. Zusätzlich arbeite man mit Spiele-Entwicklern zusammen, um die vielen Kerne der Ryzen-CPUs optimal ausnutzen zu können. Hierzu schickt AMD nach eigenen Angaben Entwickler zu den Studios, die dort bei der optimalen Ausnutzung aller Kerne helfen. Als Beispiel wurde Bethesda (Doom- und Fallout-Reihe) genannt. Möglicherweise könnten in fünf Jahren schon CPUs mit 64 Threads in Spielen voll ausgereizt werden. Mit neuen Chips will AMD den Druck auf Intel in Zukunft weiter erhöhen. Ryzen sei nicht nur ein einmaliger Hit gewesen. So will das Unternehmen dem Erzrivalen Intel weiterhin Marktanteile abjagen.

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