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Morgenmagazin vom Donnerstag, 9. November 2017

09.11.2017 | 07:02 Uhr |

Apple jetzt 903 Milliarden US-Dollar wert +++ Was iOS 12 für das iPHone X bringen sollte +++ Apple will 2020 AR-Brille bringen +++ Israelische Firma verklagt Apple wegen Doppelkamera im iPhone 8 +++ "iPhone X das zerbrechlichste iPhone aller Zeiten" – stimmt das? +++ Leerer Fahrersitz: Waymo lässt Autos ohne Fahrer auf die Straße +++ Twitter: Tweets dürfen ab sofort 280 Zeichen lang sein +++ Snapchat will ältere Nutzer ansprechen

9. November: Reduzierte Auswahl mit unlimitiertem Erfolg

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Wir haben nochmal nachgezählt. Apple hat derzeit iPhones aus viereinhalb Generationen im Angebot. Das X zählen wir als eine ganze, des SE als eine halbe Generation. Farben gibt es in den Generationen unterschiedliche viele, nur zwei für das X, nur drei für das 8er, fünf für die 7, vier für 6s und SE. Die Modellbaureihen 6s, 7 und 8 gibt es jeweils in zwei unterschiedlichen Größen, nur X und SE sind in der Form einzigartig. Aber alle im Apple Store erhältlichen Modelle bieten zwei Speicheroptionen an, die neueren 64 und 256 GB, die etwas älteren 32 und 128 GB. Macht Schwindel erregende 60 unterschiedliche Varianten, zu Preisen von 409 bis 1.319 Euro. Hilfe! Wer will das Angebot noch überblicken?

Das klingt aber nur unübersichtlicher als es in Wirklichkeit ist. Schon der persönliche Etat lässt nicht die freie Wahl zwischen einem SE mit 32 GB und einem X mit 256 GB, andere Kriterien schränken die Auswahl noch weiter ein. Wer es genau wissen will, welches iPhone für wen ist, kann das in einem Kaufratgeber nachlesen , den wir zum heutigen Tage aktualisiert haben.

Heute vor zehn Jahren war die Lage ein klein wenig übersichtlicher. Am 9. November 2007 begann der Verkauf des iPhone in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, mehr als vier Monate nach dem Start in den USA. Die Auswahl war gigantisch und das iPhone in einer jeden Farbe zu haben, solange diese schwarz war, der Rücken war in allen Varianten silberfarben. Auch beim Speicher fehlte es nicht am Angebot, die Käufer hatten die Wahl zwischen 8 GB, 8 GB und 8 GB. Was sich auf den Preis auswirkte, denn auch der war einheitlich: 399 Euro. Klingt nach einem echten Schnäppchen im Vergleich zu denen zehn Jahre später, besagt aber nur die halbe Wahrheit. Denn seinerzeit war das erste Apple-Smartphone nur bei ausgewählten Providern inklusive Zweijahresvertrag zu bekommen, in Deutschland hatte die Telekom das alleinige Vertriebsrecht und das noch gut zwei Jahre lang. Prepaid oder günstige Volumentarife waren damals nicht, der iPhone-Vertrag kostete rund 50 Euro im Monat.

Auch der Verkauf lief vor zehn Jahren ganz anders ab als wir das heute gewohnt sind. Schlangen vor den Apple Stores waren zu der Zeit zwar schon erfunden, aber in Deutschland nicht möglich – der erste Apple Store kam erst ein gutes Jahr später nach München – und anderswo unnötig, denn die Geräte waren eben nur beim Provider zu kaufen. Wer eines wollte, musste erst ein Formular ausfüllen, das ihn für zwei Jahre für teuer Geld an die Telekom band und durfte erst dann seinen Geldbeutel zücken und zwei gelbe, vier grüne oder acht rotbraune Scheine auf den Tresen legen.

Dafür bekam man aber auch ein fortschrittliches Stück Technik, das weder GPS kannte noch mit UMTS-Netzen kommunizierte. Die Kamera war nicht aus heutiger Sicht ein eher schlechter Witz und dennoch war auch das Ur-iPhone allen anderen seinerzeit erhältlichen, mehr oder weniger smarten Phones um Lichtjahre voraus.

Mittlerweile hat Apple 1,25 Milliarden Geräte verkauft, wie viele davon noch in Betrieb sind, lässt sich schwer sagen. Aber wir haben hier in der Redaktion noch ein Original von 2007, das noch funktioniert, wenn auch mit einem sehr eingeschränkten Satz von Apps. Das Nachfolgemodell, das dann GPS und UMTS konnte und deshalb iPhone 3G genannt wurde, könnte bei uns auch heute noch in Betrieb sein, wäre es vor zwei Jahren nicht versehentlich in der Waschmaschine gelandet. Aber das ist eine andere Geschichte, die wir ein anderes Mal erzählen. Peter Müller

Lesetipps für den Donnerstag

Software follows Hardware follows Software: Das iPhone X hat die nächste Dekade des Smartphones eingeleitet. Dem stimmt unser Macworld-Kollege Michael Simon bezüglich der Hardware und des Designs, sieht aber die Software nun in der Bringschuld. Mit Ausnahme weniger Gesten, die den fehlenden Home-Button kompensieren, ist iOS 11 ja für alle iPhones gleich. Das könnte iOS 12 ändern, Simon hat auch ein paar Vorschläge, was Apple konkret in die nächste Betriebssystemversion einbauen könnte. So wäre ihm ein Dark Mode genehm, auch findet er, dass die Face ID in etwas größeren Weiten und weiteren Winkeln arbeiten könnte. Den Platz neben der Notch könnte das iPhone X auch intensiver nutzen und von dort aus etwa Wege in das Kontrollzentrum eröffnen. Ein Bildschirm, der immer an ist, sollte mit dem energieeffizienten OLED auch möglich sein – den Screensaver wegen der Einbrenneffekte dann bitte nicht vergessen. App-Symbole müssten auch nicht stets den gesamten Bildschirm bedecken, sondern könnten in Schubladen verschwinden, vielleicht hat man ja ein hübsches Hintergrundbild installiert. Trotz der bequemen FaceID muss ja nicht unbedingt Unlockung bei jeder Benutzung nötig sein, in vertrauenswürdigen WiFis könnte man sich das auch sparen, wie Android vorführt. Zudem habe die Tastatur jede Menge Optimierungsmöglichkeiten und das vom iPad bekannte Multitasking würde sich auch auf dem etwas kleineren Schirm gut machen.

Brille : Augmented Reality (AR) ist für Apple ein wichtiges Thema, mit iOS 11 kommen viele Lösungen für das iPhone auf den Markt. Doch bleibt AR auf dem Smartphonebildschirm nur eine halbe Sache, weshalb der nächste Schritt der Entwicklung nur eine AR-Brille sein kann. Und an einer solchen arbeitet Apple laut Bloombergs Mark Gurman. Im Jahr 2019 will Apple diese präsentieren und bis 2020 herausbringen. Anders als heute erhältliche Lösungen soll Apples AR-Brille mit einem eigenem Chip und einem eigenen Betriebssystem namens rOS arbeiten und somit unabhängig vom iPhone funktionieren. Unklar ist, wie Apple das Hauptproblem lösen will: AR- und VR-Brillen sind heutzutage recht klobig und erfüllen keinerlei von Apple angestrebten Designstandards, die dafür notwendige Technik aber in eine unauffälligere Brille zu packen ist mit Sicherheit eine Herausforderung. Für interne Tests verwendet Apple laut Bloomberg die Headsets HTC Vive, eine erste Entwicklung soll in Richtung Gear VR gehen.

Tablet: Apple will laut eines weiteren Bloomberg-Berichts technische Elemente des iPhone X auch auf das iPad übertragen. So soll Mitte des Jahres 2018 ein neues iPad (Pro) herauskommen, dessen Rahmen noch schmäler wird als der des aktuellen 10.5-Zoll-Modells und das damit auch auf einen Home-Button verzichtet. Ein OLED-Dispaly werde dieses neue Modell ebenso vom iPhone X übernehmen wie den Chip A11 Bionic. Zudem soll der Apple Pencil eine Überarbeitung erfahren, vor allem hinsichtlich der Software. Dass Apple nach und nach LCDs durch OLED-Diplays in seinen Produkten ersetzt, dürfte klar sein, allein die Frage nach den Zeitpunkten lässt sich noch nicht sicher beantworten. Ein OLED-iPad schon im kommenden Jahr klingt aber durchaus realistisch.

Geht nicht (so einfach) : Mancher fragt sich, warum iPhone, iPad und Macbook in ihrem WiFi-Einstellungen immer alle drahtlosen Netze der Nachbarschaft anzeigen müssen, auch die verschlüsselten. Könnte man nicht einzelne einfach ignorieren lassen, schließlich loggt man sich in die aus der Wohnung nebenan, gegenüber, drüber und runter ja doch nie ein? Die Antwort ist einfach und ein wenig unbefriedigend: Nein, das geht nicht. Vor 17 Jahren war Apple Pionier bei Airport, das von der gleichnamigen Basisstation aufgespannte Netz dann für lange Zeit das einzige weit und breit. Das hat sich längst geändert, Hard- und Software sind aber nicht darauf ausgerichtet, einzelne Zugangspunkte ignorieren zu können. Einen Tipp hat unser Macworld-Kollege Glenn Fleishman  aber dann doch: Installieren sie ein Drahtgitter an den Wänden, Böden und Decken ihrer Wohnung, damit diese zum Faraday'schen Käfig wird. Dann können die elektromagnetischen Wellen der WiFis aus der Nachbarschaft nicht mehr in Ihr Heim eindringen.

Die erste Billion ist immer die schwerste : Noch vor wenigen Wochen war Apple gefühlt mal wieder von der Pleite bedroht, das iPhone 8 (Plus) angeblich ein Ladenhüter, das iPhone X nicht verfügbar. Eine Bilanzveröffentlichung und einen überraschend reibungslosen Produktstart später hat sich das Blatt völlig gewendet, die Apple-Aktie ist mal wieder der heißeste Scheiß an der Wall Street und der iPhone-Hersteller baut seine Position als wertvollstes Unternehmen an der Börse aus. Der Schlusskurs von AAPL von 176,24 US-Dollar gestern um 16 Uhr New Yorker Zeit bedeutete nicht nur einen neuen Rekordwert, sondern auch das erstmalige Überschreiten einer neuen Schwelle der Marktkapitalisierung: Alle Apple-Anteile zusammengenommen waren damit 903 Milliarden US-Dollar wert. Die Billionen-Marke (der angelsächsische Sprachraum spricht hier von "trillion") gerät immer mehr in Sicht, denn die Rally hält an. Zum Redaktionsschluss um 7 Uhr MEZ lag der Kurs im nachbörslichen Handel schon bei 176,76 US-Dollar. Auch insgesamt hatte Wall Street gestern einen Rekordtag zu vermelden, besonders die Kurse von Videospielanbietern zogen stark an. Die gute US-Konjunktur und das Hoch an der Börse führen Wirtschaftsexperten jedoch noch auf die im Januar aus dem Amt geschiedene alte Regierung zurück, während sich POTUS 45 auf seiner Asienreise mit fremden Federn schmückt.

Weitere Nachrichten:

Israelische Firma verklagt Apple wegen Doppelkamera im iPhone 8

Das in Israel ansässige Startup-Unternehmen Corephotonics wirft Apple vor, bei der Doppelkamera des  iPhone 7 Plus  und  iPhone 8 Plus  geltendes Patentrecht verletzt zu haben. Corephotonics habe Apple vor der Veröffentlichung der neuen Smartphones eine Zusammenarbeit angeboten, diese sei jedoch abgelehnt worden. Die vorgeschlagenen Doppelkameras wurden dennoch in die neuen iPhones integriert. Apple habe zudem damit angegeben, fremde Patente ohne Angst zu verwenden. Der Apple-Verhandlungsführer habe laut Corephotonics angeführt, dass ein Patentstreit Jahre dauern und Millionen US-Dollar kosten würde. 

Corephotonics hat aus diesem Grund eine  Klage wegen Patentrechtsverletzung gegen Apple  eingereicht. Das israelische Unternehmen muss nun beweisen, dass Apple die Doppelkamera des iPhones nicht ohne Hilfe von Corephotonics hätte entwickeln können. Dies wird schwierig, da Apple selbst Patente für eine Doppelkamera hält. Auch die angeblichen Vorgänge bei den Verhandlungen muss das Unternehmen nachweisen. Ob die Klage damit Erfolg hat, bleibt fraglich. Fest steht wohl nur, dass sich der Rechtsstreit über Jahre hinziehen könnte. Corephotonics hat sich relativ früh mit den Möglichkeiten von Doppelkameras beschäftigt. Zu den bisherigen Partnern des Unternehmens zählen Samsung und OmniVision.

Das bieten die Kameras des iPhone X und iPhone 8  

"iPhone X das zerbrechlichste iPhone aller Zeiten" – stimmt das?

Die Pressemitteilung von Square Trade haben wohl alle Technik-Redaktionen vor wenigen Tagen erhalten. Die Firma hat das iPhone X auf seine Beständigkeit getestet und behauptet nun, das iPhone X sei für seinen Preis zu zerbrechlich . Und tatsächlich, das Gerät hat Stürze auf die Seite, auf den Bildschirm und auf die Rückseite nicht überlebt, bei allen drei Versuchen zeigte es deutliche Risse im Glas.

Doch um die steile These wie im Titel aufzustellen und zu behaupten, dass das iPhone X unter allen iPhones am schnellsten zerbricht, reichen eigentlich drei Versuche nicht aus. Seit dem Verkaufsstart am 3. November gibt es immer mehr Test-Videos, die auch die Nachhaltigkeit des neuen iPhones ausprobieren und zeigen, dass beispielsweise die 8er-Modelle, speziell das iPhone 8 Plus, noch anfälliger für Glasbrüche sind. Grund dafür sind unterschiedliche Materialien für den Metallrahmen, der die beiden Glasseiten zusammenhält. Beim iPhone 8 und 8 Plus nutzt Apple Aluminium, beim iPhone X dagegen Edelstahl. Die Kombination von dem Aluminiumrahmen und einer größeren Glasfläche macht das iPhone 8 Plus anfälliger für Brüche, so ist eine gute Hülle geradezu Pflicht. Dagegen konnte der Edelstahlrahmen Stürze aus mittlerer Höhe ganz gut abfedern, das iPhone X hat nichts abbekommen. 

Ohnehin ist die Testmethode von Square Trade bedenklich  – die Tester ließen das iPhone aus einer Höhe von 180 cm fallen. Im Alltag kann man dies in der Situation nachstellen, wenn jemand im Stehen telefoniert und dann das Telefon fallen lässt. Das passiert jedoch nicht so oft, wenn es überhaupt passiert. Deutlich alltagstauglicher sind die Tests der Stiftung Warentest in einem Schleuderautomaten, der beispielsweise 100 Stürze aus mittlerer Höhe imitiert. Denn erfahrungsgemäß passieren die Mehrheit aller iPhone-Unfälle, indem der Nutzer aus Unachtsamkeit das Gerät vom Tisch wischt, oder das Gerät rutscht aus einer Hosentasche heraus, oder der Nutzer lässt das iPhone beim Aufstehen fallen. Die Fallhöhe dabei schwankt von einem Meter bis 150 cm, die angedachten 180 cm von Square Trade scheinen nur ein Ziel zu haben: das iPhone X kaputt zu machen.

Square Trade ist eine Firma, die die Versicherungen für mobile Geräte – ähnlich wie Apple Care – verkauft. So scheint es verständlich, dass der Anbieter unbedingt die Zerbrechlichkeit des neuen iPhone X zeigen will, damit mehr Kunden ihre Produkte kaufen, also ihr neues iPhone X absichern. Schade ist nur, dass dabei die Objektivität des Tests auf der Strecke bleibt.

Leerer Fahrersitz: Waymo lässt Autos ohne Fahrer auf die Straße

Bisher muss in autonomen Fahrzeugen, die selbstständig fahren, immer ein Fahrer zur Sicherheit hinterm Steuer sitzen, damit er eingreifen kann, wenn es zu Problemen kommt. Doch das zu Alphabet (dem Mutterkonzern von Google) gehörende Waymo lässt in den USA bereits Erprobungsfahrzeuge auf öffentlichen Straßen fahren, bei denen kein Waymo-Mitarbeiter zur Sicherheit mehr hinter dem Lenkrad sitzt.

Seit Mitte Oktober 2017 sind die autonomen Waymo-Minivans laut US-Medienberichten auf öffentlichen Straßen im US-Bundesstaat Arizona ohne überwachenden Sicherheits-Fahrer hinterm Lenkrad unterwegs. Der Fahrersitz bleibt in diesen Fahrzeugen also leer, wie das Bild zu dieser Meldung zeigt. Das hat Waymo-CEO John Krafcik auf einer Konferenz in Lissabon mitgeteilt.

Allerdings fahren die autonomen Fahrzeuge nicht völlig leer durch die Gegend. Für den Fall der Fälle befindet sich doch noch ein Waymo-Mitarbeiter im Testwagen, um im Notfall eingreifen zu können. Dieser Mitarbeiter sitzt vermutlich hinter dem Fahrersitz.

Außerdem fahren die Waymo-Testfahrzeuge nicht über jede beliebige Straße, sondern nur in einem Bereich von 100 Quadratmeilen um die rund 240.000 Einwohner zählende Stadt Chandler in Arizona. Waymo will das Testareal aber bald ausweiten.

Im nächsten Schritt sollen Passagiere in diesen fahrerlosen PKWs mitfahren. Dabei soll es sich ausschließlich um Teilnehmer am „Early Rider Program“ handeln. Interessenten können sich bei Waymo bewerben. Die Fahrten sind kostenlos und jederzeit sowie in beliebiger Zahl möglich.

Sollte damit alles glatt gehen, plant Waymo den nächsten Schritt: einen kommerziellen, fahrerlosen „Taxi-Service“, bei dem die Kunden via App ein fahrerloses Waymo-Taxi bestellen und sich damit zum gewünschten Zielort fahren lassen.

Dass Waymo seine Testfahrzeuge in Arizona fahren lässt, liegt an den vergleichsweise lockeren gesetzlichen Vorgaben dieses Bundesstaates. So verlangt Arizona zum Beispiel nicht, dass Unfälle mit den autonomen Fahrzeugen öffentlich bekanntgemacht werden. Ebenso wenig muss Waymo in Arizona melden, wie oft die mitfahrenden Waymo-Mitarbeiter eingreifen mussten.

Twitter: Tweets dürfen ab sofort 280 Zeichen lang sein

Twitter hat seit jeher Probleme: Die Nutzerzahlen wachsen nur langsam und vor allem schreibt Twitter rote Zahlen. Im Unterschied beispielsweise zu Facebook, das profitabel ist.

Twitter will nun die Attraktivität seines Kurznachrichtendienstes steigern und lässt ab sofort Nachrichten mit bis zu 280 Zeichen zu. Das hat das Unternehmen in einem Blogeintrag mitgeteilt. Der Screenshot zu dieser Meldung bestätigt die neue Obergrenze. Bisher konnten Twitternutzer maximal 140 Zeichen in einen Tweet packen. Twitter erhofft sich von dieser Maßnahme wachsende Nutzerzahlen unter anderem auch in Deutschland.

Der Verdoppelung der maximal möglichen Zeichenzahl war eine Testphase vorausgegangen. Dabei habe Twitter die Erfahrung gemacht, dass die Verdoppelung der Obergrenze nicht dazu führen würde, dass Tweets nun generell länger werden würden. Die meisten Tweets waren auch während der Testphase kürzer als 140 Zeichen – es wurde also nach wie vor kurz und knapp getwittert. Wer aber für eine bestimmte Nachricht einmal doch mehr Zeichen benötigen würde, dem stünde diese Möglichkeit nun eben offen. Dadurch würde das Twittern angenehmer, weil der Nutzer nicht mehr so viel Zeit auf das Kürzen eines zu lang geratenen Textes verwenden müsste.

Unter den englischsprachigen Tweets würden laut Twitter 9 Prozent die 140-Zeichen-Grenze erreichen. Aber nur 1 Prozent der englischsprachigen Tweets kratzen an der 280-Zeichen-Grenze. Nur 5 Prozent der Tweets während der Testphase waren länger als 140 Zeichen. Und nur 2 Prozent waren länger als 190 Zeichen. Die neue Obergrenze verführt also offensichtlich nicht zum Schwafeln.

Übrigens: Für die Sprachen Japanisch, Koreanisch und Chinesisch gilt auch weiterhin die Obergrenze von 140 Zeichen, da aufgrund der sprachlichen Besonderheiten dieser Sprachen die 140-Zeichen-Grenze völlig ausreichen würde, wie Twitter erklärt.

Snapchat will ältere Nutzer ansprechen

Die vor allem bei Jugendlichen beliebte Chat-App Snapchat ist unrentabel. In dieser Woche präsentierte der Entwickler Snap zum wiederholten Mal in Folge desolate Quartalszahlen . Der Quartalsverlust lag bei ganzen 443,2 Millionen US-Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 124,2 Millionen US-Dollar. Die Zahl der aktiven Nutzer konnte Snapchat im vergangenen Quartal nur um drei Prozent auf 178 Millionen steigern. Snapchat konnte seinen Umsatz zwar um 62 Prozent auf 208 Millionen US-Dollar erhöhen. Analysten hatten jedoch mit rund 240 Millionen US-Dollar gerechnet. Die Videobrille Spectacles blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Durch hunderttausende nicht verkaufte Geräte musste Snap zusätzlich 40 Millionen US-Dollar abschreiben. Die enttäuschenden Ergebnisse ließen die Snapchat-Aktie gestern um 16 Prozent abstürzen.

Im Zuge der schlechten Quartalsergebnisse kündigte Snap-Chef Evan Spiegel an, die Snapchat-App komplett überarbeiten zu wollen. Die Software soll bedienerfreundlicher werden und damit nicht nur Jugendliche, sondern auch ältere Zielgruppen ansprechen. Erwachsene finden die aktuelle Bedienung der App meist verwirrend. Spiegel betonte, dass die Änderungen vielleicht nicht allen Nutzern gefallen würden, sie würden Snap jedoch langfristige Vorteile bringen. Bis wann Snap seine Chat-App überarbeiten will, ist noch nicht bekannt.

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