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Morgenmagazin vom Freitag, 10. Februar

10.02.2017 | 06:58 Uhr |

Elcomsoft: iCloud speichert gelöschten Browser-Verlauf +++ Kuo: Induktives Laden bei drei neuen iPhones +++ Die Zukunft des iPad +++ Erster österreichischer Apple Store in Wien +++ YouTube-Bug frisst Abonnenten-Zahlen +++ Intels neue Chipfabrik in den USA täuscht Öffentlichkeit +++ Gericht: Routerzwang-Ende gilt auch für Bestandskunden +++ Andromeda: Microsoft und Google nutzen gleichen Codenamen

10. Februar: Nummer drei

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Auch heutzutage kann es zu schweren Verwerfungen führen, wenn der Ehemann der Schwägerin der eigenen Ehefrau - also seiner Schwägerin - Avancen macht. Die Situation lässt sich gewiss im Interesse aller Beteiligten lösen, mal mit mehr, mal mit weniger Schwierigkeiten. Oder man geht auseinander und fügt sich neu zusammen - alles ist möglich. Man muss sich heute nicht mehr an der Ehre gepackt fühlen und aufeinander schießen. Ein derartiger Konflikt kostet aber heute vor 180 Jahren dem russischen Dichter Alexander Puschkin das Leben, zwei Tage, nachdem er im Duell mit seinem Schwippschwager die letztlich tödlichen Verletzungen erlitten hat. Dabei war seine Gattin wohl treu geblieben und Puschkin fürchtete nur um seinen Ruf und den der ihren...

Keine 38 Jahre alt wurde Puschkin also, ein Unvollendeter gewissermaßen. Und doch genügte das kurze, aber intensive Leben, breite Fußstapfen zu hinterlassen, Puschkin begründete überhaupt erst die russische Literatur. Vor ihm war die Sprache der Oberschicht in Moskau und Sankt Petersburg französisch gewesen, doch bekam Napoleons Russlandfeldzug im Jahr 1812 keineswegs den politischen und kulturellen Beziehungen der Völker - warum also weiter auf französisch kommunizieren und schreiben? Tolstoj, Dostojewski, Gogol und Pasternak (am 10. Februar 1890 geboren) sollten Puschkins Beispiel folgen. Was das Verfassen von Weltliteratur auf russisch anging und nicht das sinnlose Duellieren...

Ob das bald anbrechende Wochenende aber lang genug ist, um sich eines der Puschkin-Werke vorzunehmen (oder jene von Pasternak oder Tolstoj), wagen wir zu bezweifeln. Schließlich müssen wir am Samstag auch noch einen vor 75 Jahren in Los Angeles geborenen Nachfahren finnischer Immigranten würdigen: Armas Clifford "Mike" Markkula Jr. Die Karriere des IT-Pioniers schien schon vorbei, ehe sie recht angefangen hatte, im Alter von 32 Jahren konnte er sich ins Privatleben zurückziehen. Markkula hatte Millionen mit Aktienoptionen gescheffelt, die er sich als Marketingdirektor für Intel und Fairchild Semiconductor verdient hatte. Davon könnte er vermutlich auch heute noch gut leben, aber er sollte noch eine zweite und später eine dritte Karriere hinlegen. Zur zweiten Runde animierte ihn ein damals sehr junges Unternehmen von Technik begeisterten Hippies: Apple.

Das war damals eine Win-Win-Situation. Die beiden Steves Jobs und Wozniak suchten nicht nur einen Investor - Markkula brachte schon mal gleich eine Viertelmillion US-Dollar mit - sondern auch einen Erwachsenen, der mit einem etwas seriöseren Auftreten weitere Investoren überzeugen konnte. Markkula wurde zum Apple-Angestellten Nummer drei und sollte lange so etwas wie die graue Eminenz im Hintergrund bleiben, die weniger mit der technologischen Entwicklung oder dem Tagesgeschäft wirklich zu tun hatte. Mit Ausnahmen in der Frühphase seines Engagements: Zwischen 1981 und 1983 nahm er selbst den Posten des CEO ein, etliche der Programme des Apple II und einige für den gescheiterten Apple II kamen von ihm. Ohne Markkula hätte Apple gewiss nicht eine derartige Erfolgsstory hingelegt, der Apple II war in technischer und gestalterischer Hinsicht zwar hauptsächlich das Werk der beiden Gründer, seinen großen Verkaufserfolg hat er aber nicht zuletzt Markkula zu verdanken.

Markkulas Zeiten bei Apple waren allerdings im Jahre 1985 gezählt, als er sich im Machtkampf von Sculley und Jobs hinter den CEO und nicht hinter den Visionär stellte. Zwar sollte er noch weitere zwölf Jahre bei Apple bleiben, in Folge eines der ersten Maßnahmen nach Steve Jobs Rückkehr verlor er aber 1997 seinen Posten im Aufsichtsrat. Davor hatte Markkula selbst dabei geholfen, Sculley zu entlassen.

Nach Apple ging Markkula zwar nicht wirklich in den Ruhestand, es wurde aber recht still um ihn. Seinen 75sten begeht er am Samstag als Vorsitzender des Verwaltungsrates des Markkula Center for Applied Ethics der Universität von Santa Clara. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Sicherheitsproblem: Das in Moskau ansässige Sicherheitsunternehmen Elcomsoft behauptet, iCloud würde den von den Nutzern gelöschten Verlauf von Safari speichern. Den Spezialisten sei es gelungen, sogar Daten über ein Jahr zurückliegende Webseitenaufrufe zu erhalten. Über iCloud kann man seinen Safari-Verlauf synchronisieren und somit an allen angeschlossenen Geräten verfolgen, welche Seiten man zuletzt besuchte. Löscht man den Verlauf, ist es laut Elcomsoft aber nicht verschwunden, sondern verbleibt in einem für den Anwender unsichtbaren Format auf seinem iCloud-Account. Der nicht gelöschte Verlauf sei laut Elcomsoft von unschätzbarem Wert für Überwachung oder Strafverfolgung, es sei aber nicht klar, ob Apple wisse, dass die Daten noch vorhanden seien und sich mit Forensiktools auslesen lassen.

Audienz: Von Glasgow nach London - Tim Cook setzt seine Europareise fort. Gestern traf er in No. 10, Downing Street  die britische Premierministerin Theresa May, aber nicht, um ihr ein schottisches Austrittsbegehren zu überreichen. Stattdessen sprach der Apple-Chef mit der Regierungschefin über volkswirtschaftliche Aspekte der Digitalisierung und Apples Investments in UK. Nach den USA hat der Vereinigte Königreich mit 40 Filialen die meisten Apple Stores zu bieten, erst im vergangenen Herbst hatte Apple seine Pläne offen gelegt, das britische Hauptquartier in die renovierte Battersea Powerstation im Stadtteil Chelsea zu verlegen. May indes soll Cook über ihren Plan zum anstehenden Brexit im Detail informiert haben.

Dreimal laden: Nach Ansicht des KGI-Securities-Analysten Ming-Chi Kuo sollen alle drei neuen Modelle des iPhone von 2017 mit einer induktiven Ladevorrichtung kommen, sowohl die beiden Aluminium-iPhones auf Basis des iPhone 7 als auch das neue iPhone 8 mit OLED-Displasy und Glasrücken. Bei letzterem stehe Apple aber noch vor technischen Herausforderungen, die letzten Endes eine Verteuerung der Produktion zur Folge haben dürften. Denn der Glasrücken ermöglicht zwar eine bessere magnetische Kopplung von Ladespule zum Empfänger, führt aber Wärme schlechter ab als Metall. Daher benötige das iPhone 8 eine weitere Schicht aus Grafit, die den Layer mit dem 3D-Touch-Sensor schützen soll. Die gesamte 3D-Touch-Einheit werde in der Herstellung um 30 bis 50 Prozent teurer, was Apple an die Kunden in Form eines Preisaufschlags weiter geben werde.

Alternativer Speicher: Wer seine Bilder auf all seinen Geräten jederzeit zur Verfügung haben möchte, kommt um einen Cloudservice nicht herum. Doch bietet Apple mit seiner iCloud gerade einmal 5 GB gratis an, bei den kostenpflichtigen Services ist bei 1 TB Schluss. Die Alternative: Eine persönlich Cloud. Diese bietet der Apollo Cloud. Einfach zu bedienen, Kompatibilität mit macOS, iOS, Android und Windows lautet das Versprechen. Bis zu 4 GB Daten fasst die Netzwerkfestplatte zudem. Macworld hat Apollo Cloud getestet.

Die Zukunft des iPad: Die auch zuletzt wieder schwachen Verkaufszahlen des iPad seien keine Grund zur Sorge, weder für Apple noch für seine Kunden, meint Jason Snell. Die Zukunft gehöre zweifelslos dem iPad, man möge sich nur das Computing im Jahr 2025 vorstellen. Gründe für bald wieder einsetzendes Wachstum gäbe es genug. So habe das iPad etwa von 2012 und 2013 einen wahren Goldrausch erlebt und in fünf Quartalen über 90 Millionen Geräte verkauft. Diese seien noch in Betrieb und würden erst allmählich ersetzt. Aber nicht auf einmal, der gewaltige Peak von vor fast fünf Jahren werde sich in den Bilanzen kommender Quartale und Jahre abtragen. Um aber in den nächsten Jahren den Mac auch dort zu ersetzen wo das bisher undenkbar schien, müsse Apple iOS noch bedeutend aufbohren, etwa als Mehrbenutzersystem mit besserer Unterstützung von Peripherie. Smartphones würden in diese Lücke nicht preschen können, ihre Bildschirme sind zu klein, um damit auf Dauer arbeiten zu können.

Weitere Nachrichten

Erster österreichischer Apple Store in Wien

Update vom 9. Februar 2017:

Nun ist es fast amtlich: Zwar gibt es nach wie vor keine offizielle Ankündigung seitens Apple, das Unternehmen hat heute aber zahlreiche Stellenanzeigen auf seiner Jobs-Seite geschaltet, wie Florian Schimanke berichtet.  Vierzehn Stellen gilt es im neuen Wiener Store zu besetzen, es werden Fachkräfte für die Positionen "Store Leader", "Business Leader" oder "Genius" gesucht. Aus den Stellenanzeigen lässt sich nicht sagen, wann genau der Wiener Store seine Türe öffnen wird. Erfahrungsgemäß vergehen drei bis vier Monate, von den ersten Anzeigen bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Store öffnet. Für Wien würde dies die Eröffnung im Frühsommer bedeuten. 

Update vom 27. September:

Die österreichische Finanzzeitung " Der Börsianer " bestätigt nun die Meldungen von Standard.at (siehe unten). Angeblich will Apple vor dem Einzug das Gebäude renovieren und die Fassade des Gebäudes neu mit Sandstein bekleiden. Dafür investierte die Firma in der österreichischen Hauptstadt rund 35 Millionen Euro. Die Meldung bestätigt ebenfalls die Adresse des neuen Apple (Stores) in Wien – Kärntner Straße 11. Demnach will Apple auf drei Stockwerken im Haus nicht nur die Verkaufsfläche für neue iPhones und Macs installieren, sondern auch Schulungsräume und Büros einplanen. Nach den Infos von "Der Börsianer" hat sich für das Projekt Angela Ahrendts persönlich engagiert. Ob der großzügiger Investition und der künftigen Arbeitsplätze (150) unterstützt die Wiener Stadträtin Renate Brauner das Projekt. Spätestens im November sollen die Renovierungsarbeiten in der Kärntner Straße beginnen.

Ursprüngliche Meldung vom 17. August

Das soll sich bald ändern. Die Kollegen von Standard.at haben einen großen Pächter-Wechsel verfolgt, mitten in der Wiener Innenstadt. Demnach zieht aus einer Immobilie in der Kärntner Straße 11 der Einzelhändler Esprit aus, der Händler konnte den Laden nicht gewinnbringend betreiben. Nach Recherchen der Autoren steht jedoch ein Nachmieter fest – Apple. Aus Immobilienmaklerkreisen haben die Autoren erfahren, dass Apple den Einzug im großen Stil plane. Angeblich sind die Verträge bereits finalisiert. Die Immobilie umfasst drei Etagen in der besten Innenstadt-Lage Wiens, was zu dem Konzept der Flagship Stores bei Apple passt. Weder der Inhaber, die Signa-Gruppe, noch Apples Pressesprecher in Österreich waren für Kommentare erreichbar.

Gerüchte, dass Apple einen eigenen Store in Wien eröffnen will, kursieren seit langem. Ein sicherer Hinweis, dass Apple mit dem eigenen Store ernst meint, wären die Stellenanzeigen für den neuen Personal. Auf Apples Jobs-Portal haben wir nichts gefunden, außer einer neueren Stelle für den Technischen Support . Offenbar sucht Apple neue Mitarbeiter in Österreich über eine Personal-Agentur, denn seit gestern findet sich eine Stellenausschreibung für einen " Apple Shop Manager (m/w) " für Graz, Salzburg und Wien. Nun muss man hier anmerken, dass es sich in der Anzeige um die Verkäufer an einem Apple Stand in den Filialen von Saturn oder Media Markt handelt. Erfahrungsgemäß benötigt Apple einige Monate, bis ein Store in der Innenstadt öffnet, so ist eine Eröffnung vor Weihnachten durchaus möglich. 

YouTube-Bug frisst Abonnenten-Zahlen

In dieser Woche entdeckten Nutzer des Foren-Netzwerks 4Chan einen seltsamen Bug bei der Video-Plattform YouTube. Wenn sie das Abo für einen YouTube-Kanal kündigten, wurden dem Kanal-Betreiber in der Zahlen-Zusammenfassung zwei Abonnenten abgezogen. Sie konnten also die Abonnenten-Zahlen von verhassten YouTubern mit genügend Geduld dramatisch reduzieren, einfach, indem sie dessen Kanal immer wieder abonnierten und mit einem weiteren Klick das Abo wieder kündigten.

Dem YouTube-Support-Team ist der Bug ebenfalls bereits aufgefallen. Über Twitter werden aufgebrachte YouTuber beruhigt: YouTube sei der Bug bekannt, man arbeite derzeit an einem Fix. Wie YouTube bestätigt, gehen über den Bug keine tatsächlichen Abonnenten verloren, lediglich der Zählerstand sei fehlerhaft.

Der Bug stellt zwar kein ernstes Sicherheitsrisiko dar, es ist aber dennoch überraschend, wie einfach der Fehler genutzt werden kann, um YouTube-Kanalbetreiber zu mobben.

Intels neue Chipfabrik in den USA täuscht Öffentlichkeit

Der neue US-Präsident Donald Trump will mit seiner neuen Steuer- und Regulierungspolitik Arbeitsplätze in den USA schaffen. Unternehmen, die im Ausland produzieren, sollen mit Strafzöllen belastet werden, während Trump Neubauten von Produktionsstätten in den USA unterstützt.

Gestern verkündete Intel-Chef Brian Krzanich im Oval Office, sein Unternehmen wolle in Arizona ein neues Werk bauen. Mit einer Investition von sieben Milliarden US-Dollar wolle man 3.000 Arbeitsplätze schaffen. Laut Krzanich wolle Intel damit die neue Regulierungspolitik von Trump unterstützen. Ein Regierungssprecher lobte den Schritt als Bestätigung für Trumps neuen Kurs.

Intels Pläne sind jedoch gar nicht so neu, wie das Unternehmen die Öffentlichkeit Glauben machen will. Das Werk wurde bereits vor fünf Jahren angekündigt und seinerzeit vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama gelobt. Neben Intel haben auch andere Unternehmen wie etwa General Motors ihre alten Investitionspläne als neu verkauft.

Gericht: Routerzwang-Ende gilt auch für Bestandskunden

Mit dem Wegfall des Routerzwangs sollte für den Verbraucher eigentlich alles besser werden. Kunden sollten sich fortan selbst einen Router aussuchen können, ohne Vorgaben vom Provider. Viele Anbieter räumten diese Möglichkeit aber nur Neukunden ein, dagegen strengte die Verbraucherzentrale NRW ein Eilverfahren an. Das Landgericht Essen kam nun zu einem kundenfreundlichen Urteil.

Demnach müsse die Routerfreiheit auch für Bestandskunden gelten. Konkret ging es um die GELSEN-NET Kommunikationsgesellschaft mbH, die Bestandskunden die Herausgabe der Zugangsdaten verwehrte. Diese seien jedoch für den Betrieb eines eigenen Routers zwingend notwendig. 

Nach Ansicht des Gerichts müssen auch Bestandskunden die Möglichkeit haben, einen von ihnen bevorzugten Router in Betrieb zu nehmen. Die hierfür nötigen Zugangsdaten müssen Provider entsprechend herausrücken.

Andromeda: Microsoft und Google nutzen gleichen Codenamen

Mit Andromeda arbeitet Microsoft an einer neuen Desktop-Erfahrung für Geräte mit Windows 10. Die Technik soll die unterschiedlichen Geräteklassen mit dem Microsoft-Betriebssystem weiter zusammenrücken lassen. Bislang arbeiten HoloLens, Xbox One, Mobilgeräte und Desktop-Rechner  nämlich trotz Windows 10 als Grundlage nicht gänzlich gleich. Andromeda soll diese Hürden abbauen und beispielsweise Continuum deutlich erweitern.

Wird das Smartphone an einen Monitor angeschlossen, arbeitet es fast wie ein Windows-10-Rechner . Andromeda sorgt zusätzlich für die Nutzung mehrerer Fenster, eine Taskleiste, das Action-Center und eine Nutzeroberfläche, die der eines Windows-10-Rechners sehr ähnelt. 

Doch auch Google arbeitet an einem Projekt namens Andromeda . Dabei soll es sich ebenfalls um ein Betriebssystem für unterschiedliche Geräte handeln. Konkret will der Suchmaschinenriese Android und Chome OS miteinander verschmelzen.

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