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Morgenmagazin vom Freitag, 11. Januar 2019

11.01.2019 | 07:09 Uhr |

Sculley: Apple zerlegt Gesundheitswesen wie Mobilfunk und Fotografie +++ Warum Apple von Intel zu AMD wechseln sollte +++ Sturzerkennung der Apple Watch löst False Positives in Vail aus +++ CES 2019: Cybic stellt erstes Fahrrad mit Alexa vor +++ Novus eBike: E-Motorrad-Leichtgewicht aus Karbon +++ Senioren teilen die meisten Fake-News auf Facebook +++ Ember: Neues XLR-Mikrofon von Blue +++

11. Januar: Kleiner Mac, ganz groß

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Schnee, soweit das Auge reicht. Schulfrei in einigen Landkreisen im Süden, Katastrophenalarme in manchen Orten. Das ist doch normal für Januar, sagen die einen durchaus zurecht. Nur: Was ist schon normal? Derartige Schneemengen gab es die letzten Jahre und Jahrzehnte eher selten. Auch nicht solche Dürren wie im vergangenen Sommer, einen Zusammenhang wie in einer Bauernregel kann man aber nicht konstruieren, etwa einen in der Art: "War der Sommer heiß und trocken, musst' im Januar du zu Hause hocken". Jeder Tag, den man nicht per ÖPNV oder im Privatfahrzeug sich über verschneite Straßen ins Büro quälen muss, hilft aber weiter bei der Senkung des Stresslevels.

So kommen wir Home-Office-Nutzer aber heute leider nicht in den Genuss der gemeinsamen Aktion  der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse und der Deutschen Bahn: Auf Bahnhöfen und in vollen Zügen verteilen Mitarbeiter der Bahn heute am Tag des Deutschen Apfels jede Menge Obst, wer ein Foto von sich und seinem Apfel bis Dienstag auf Instagram postet, kann eine Bahncard 50 gewinnen. Wir überlegen, obiges Bild mit Apfel im Vorder- und Apple im Hintergrund als Wettbewerbsbeitrag einzureichen …

Landwirte hatten zurecht über den vergangen Sommer zu klagen, Winzer und Obstbauern kamen aber recht glimpflich davon, so erreichte die Apfelernte in Deutschland mit 950.000 Tonnen 2018 einen neuen Rekordwert.

Apple ist hingegen nicht so stark vom Wetter abhängig, eher vom Investitionsklima. Die Ernte wird im diesem Jahr immer noch sehr gut ausfallen, wenngleich neue Rekorde fern sein sollten. Aber der nach einer Apfelsorte benannte Mac füllt Apple nach wie vor die Scheunen, auch in schlechten Quartalen verkauft Apple heutzutage so viele Laptops und Desktops wie vor ein paar Jahren noch im ganzen Jahr.

Nicht ganz unschuldig daran ist der heute vor 14 Jahren auf der Macworld Expo erstmals gezeigte Mac Mini, den Apple im vergangenen Herbst, als die Apfelernte längst im Gange war, endlich wieder aktualisierte. Wobei der Rechner von heute recht wenig mit dem Original zu tun hat. Denn die Grundvariante von heute bietet für 900 Euro eine recht spärliche Ausstattung. Steckt man hingegen alles rein, was möglich ist, kommt man auf fast 5000 Euro - dann aber immer noch ohne Maus, Tastatur und Monitor.

Das war die Idee von 2005: Lasst uns für Switcher einen Mac bauen der nur 500 US-Dollar kostet – das war seinerzeit der geplante Preispunkt von Jef Raskin – die Leute stecken ihre USB-Tastatur und Maus an und verbinden das Ganze mit ihrem Bildschirm und schon sind sie vom Mac so begeistert, dass sie sich nicht nur passenderes Zubehör kaufen sondern fortan keinen anderen PC mehr.

Mehr Schub für Apples Marktanteil dürfte aber der iPod gegeben haben, sehr stark wohl auch das ebenso am 11. Januar 2005 in San Francsico präsentierte Modell iPod Shuffle. Dieser verfolgte eine ähnliche Idee: Für das iPod-Feeling braucht es nicht immer ein Display und nicht in jedem Fall will man seine komplette Musiksammlung dabei haben, es reichen auch mal die zehn zuletzt gekauften Alben.

Während aber der iPod Shuffle vom Lauf der Geschichte überrollt worden war, ist der Mac Mini hier, um zu bleiben. Skeptiker hatten lange befürchtet, Apple würde den Kleinen auf das Abstellgleis schieben und dort vom Sand (oder Schnee) der Zeit verwehen lassen, letzten Oktober zeigte sich, dass der Mini sehr wohl noch Zukunft hat und gar nicht mal so klein sein muss, wie er aussieht und wie er heißt. Bei uns ist also nicht nur am 11. Januar Apfel-Tag. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

Wechselabsicht Über Apples vermeintlichen Wechsel von Intel zur eigenen Chips-Plattform kursieren schon seit geraumer Zeit Spekulationen – für Apple würde ein derartiger Switch allenfalls in Teilen Sinn ergeben. Jason Cross kommt auf Macworld nun aber mit einem anderen Vorschlag daher: Apple solle Intel als CPU-Lieferanten aufgeben und stattdessen zu AMD wechseln. Das wäre weit weniger problematisch, da auch AMD auf die x86er-Architektur setzt, Anpassungen im System macOS wären nicht sonderlich kompliziert. Es ergeben sich aus der Sicht des Kollegen aber zahlreiche Vorteile für Apple und seine Kunden. Die neuen Ryzen-Chips bieten bei günstigeren Preisen bessere Leistungen als die Pendants von Intel, so könnte man sich etwa einen Mac Pro mit 64 Kernen und 128 Threads vorstellen, der von AMD-CPUs getrieben wird. Nicht zuletzt würde die Kombination Apple-AMD eine völlig neue Kundschaft anziehen, Fans von AMD, die sich und ihren Lieblingshersteller als Underdogs betrachten, wie man es noch von Apple-Fanboys kennt.

Milchmädchenrechung : Tim Cook verweist in der derzeitigen Absatzkrise des iPhones gerne darauf, dass Apple nicht nur Smartphones verkaufe. Der Rest des Geschäfts bringe immer noch satte 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr ein, der Services-Bereich sei um 19 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr gewachsen. Die Rechnung ist technisch korrekt, pflichtet "The Motley Fool" Timothy Green bei und dennoch unzureichend. Denn auch der Rest von Apples Geschäften ist nicht so unabhängig vom iPhone, wie Apple das glauben lassen möchte. Umsätze mit Serivces wie solche aus dem App Store und von Apple Music hängen sehr stark von der Größe der installierten Basis ab, auch Google zahlt Apple Milliarden dafür, seine Suchmaschine auf iPhones vorinstallieren zu lassen. Was Green in seinem gewagten Gedankenexperiment, in dem es keine iPhones mehr gäbe und sie alle durch Android-Geräte ersetzt sind, aber nicht berücksichtigt: Apple hat nicht vor, die installierte Basis wieder schrumpfen zu lassen. Selbst wenn das iPhone nicht mehr nennenswert wächst, die Kundschaft wird es noch eine geraume Zeit tun, zumal Apple vorhat, seine Services auch außerhalb seines Ökosystems feil zu bieten. iPhone und Apple lassen sich aber nicht mehr voneinander trennen, weder im optimistischen, noch im pessimistischen Gedankenexperiment.

Zuspruch: Apple sieht einen wesentlichen Teil seiner Zukunft im Gesundheitswesen, Tim Cook hat diese Woche schon für 2019 neue Services angekündigt. John Sculley, einer seiner frühen Vorgänger als Apple-Chef, hat in einem Interview mit CNBC die Pläne gelobt. Apple werde das Gesundheitswesen ebenso auf den Kopf stellen wie es mit Hilfe des iPhones mit dem Mobilfunk und der Fotografie geschehen war. Wearables als Gesundheitsgeräte würden die Leute zunächst neugierig machen, später würden sie als nützlich erkannt und schließlich als unverzichtbar. Diese Geräte und Services werden leistungsfähiger sein als alles andere, was man heute zur Gesundheitsvorsorge als Endverbraucher nutzen könne, meint Sculley. Der Konsument bekommen mit den Möglichkeiten der Selbstdiagnose eine größere Rolle zugewiesen, so wie es schon in anderen Industriesparten passiert ist.

Zum vierten : Schon wenige Tage nach der dritten Beat hat Apple nun die vierte Vorabversion von macOS Mojave 10.14.3  für Beta-Tester und Entwickler veröffentlicht. Neue Funktionen bringt das dritte Wartungsupdate für das im September veröffentlichte neue Mac-Betriebssystem nicht, nur einige Bugfixes und Performance-Verbesserungen. Auch iOS 12.1.3 liegt nun in einer vierten Beta vor. Die recht rasche Abfolge der Fassungen lässt vermuten, dass die finalen Updates noch im Januar erscheinen werden, nachdem im Dezember macOS 10.14.2 und iOS 12.1.2 herausgekommen waren.

Fehlalarm: Die Sturzerkennung der Apple Watch Series 4 ist ein nützliches und potentiell lebensrettendes Feature, da die Uhr im Falle eines Sturzes, auf den ihr Träger nicht mehr reagiert, auch den Notruf wählt. Versehentlich auslösen kann man die Sturzerkennung aber selbst im Sitzen, doch dann ist ein Tipp auf die Uhr, der sie davon abhält, die 112 oder in den USA die 911 anzurufen. Eine Besonderheit hat Apple vermutlich aber nicht so tief durchdacht wie den Rest der Funktion: Beim Skifahren sind Stürze an der Tagesordnung und verlaufen in fast allen Fällen glimpflich. Einmal kurz durchschütteln, wieder aufstehen und weiter mit der Abfahrt: Kann passieren, dass man dann gar nicht mitbekommt, dass sich unter Skianzug und Handschuhen die Apple Watch per Vibrationsalarm gemeldet hat oder man mit der anderen behandschuhten Hand den Notruf nicht so schnell abbrechen kann. Genau das plagt nun die Rettungsleitstellen der Skigebiete in den USA, wie eine Reportage von CBS Denver aus dem Skigebiet von Vail zeigt. In den Leitstellen melden sich in solchen Fällen zunächst Computerstimmen, die den Notfall melden und die GPS-Daten des Sturzes mitteilen. Wenn der Skifahrer oder Snowboarder jetzt merkt, dass seine Uhr telefoniert, kann er immer noch mit einem kurzen "Ich bin okay" den Vorgang abbrechen, ohne dass die volle Kapelle anrückt. Setzt er aber seine Fahrt fort, ohne auf die Notfallkommunikation aufmerksam zu werden, haben die  Rettungsdienste größte Schwierigkeiten, ihn zu orten und den Ernst des Vorfalls zu überprüfen. Sorge vor False Positives hatte Skeptiker auch im Falle der Diagnose von Vorhofflimmern geäußert, doch hat sich bisher eher das Gegenteil gezeigt: Viele aufgeschreckte Patienten hatten in der Tat mit einem Herzproblem zu tun, von dem sie bis dato noch gar nichts wussten. Und die Apple Watch sollte an sich nach einem Sturz die Notfallprozedur abbrechen, wenn sie eine Bewegung des Trägers wieder feststellt. Ob dann auch der bereits eingeleitete Notruf abgebrochen wird, womöglich mit einem nützlichen Hinweis für die Retter, entzieht sich unserer Kenntnis. Das wollen, dürfen und werden wir auch nicht ausprobieren, Stichwort: Missbrauch des Notrufes.

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CES 2019: Cybic stellt erstes Fahrrad mit Alexa vor

Im Rahmen der Elektronik-Fachmesse CES 2019 in Las Vegas hat Cybic ein neues Fahrrad vorgestellt. Das E-Legend hat ein außergewöhnliches Gadget mit an Bord – Amazon Alexa.

Produkte „smart“ zu machen liegt voll im Trend. Cybic hat sich das auch bei seinem neuen Fahrrad gedacht und diesem Amazons Alexa spendiert. Das mag erst mal nicht wirklich sinnvoll klingen, der britische Hersteller ist da aber anderer Meinung.

Durch ein an das Fahrrad angebrachte Display hat man schon ohne Alexa einige smarte Funktionen mit an Bord. Dank Alexa wird es allerdings beispielsweise möglich, die Beleuchtung per Sprache ein- oder abzuschalten, sich navigieren zu lassen oder weitere Wetter- und Verkehrsinformationen abzurufen. Wer sein Zuhause auch schon recht „smart“ vernetzt hat, kann so auf dem Fahrrad schon mal die Heizungen im eigenen Zuhause anschalten, bevor er daheim eintrifft.

Neben Alexa hat das E-Legend noch weitere nette Gimmicks auf Lager. Es kann beispielsweise per GPS geortet werden, sollte es verlorengehen. Und zum Verkaufsstart in England kommt es sogar mit einem Datenplan inklusive einer Sim-Karte von Vodafone.

Cybic ist nun der erste Hersteller, der Alexa ins Fahrrad integriert. Und es wird sicherlich nicht das letzte Fahrrad mit einem smarten Assistenten sein. Ein Markt für die Smart-Assistenten tut sich praktisch überall auf.

Einen Preis nennt die britische Firma für das Fahrrad allerdings noch nicht, aber ab Sommer 2019 soll das Bike schon in England erhältlich sein. Ob das smarte Fahrrad auch seinen Weg nach Deutschland findet, bleibt abzuwarten.

Novus eBike: E-Motorrad-Leichtgewicht aus Karbon

Das von den beiden Industrie-Designern René Renger und Marcus Weidig gegründete deutsche Startup-Unternehmen Novus stellt auf der gerade in Las Vegas stattfindenden CES 2019 den Prototypen eines neuen E-Motorrads vor. Mit seinem schlanken Karbon-Rahmen und dem Gewicht von nur 39 Kilogramm erinnert das Zweirad eher an ein eBike. Doch mit 6,2 Kilowatt Leistung und einem Drehmoment von 200 Newtonmetern schafft es das Novus eBike auf Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. Der integrierte Akku soll eine Reichweite von bis zu 96,6 Kilometer garantieren.

Um das Novus eBike auf deutschen Straßen fahren zu dürfen, benötigen Käufer einen Führerschein der Klasse A2 und ein dickes Portemonnaie. Mit einem Anschaffungspreis von 40.000 US-Dollar ist das Novus eBike nicht ganz billig.

Das Design des Novus eBike ist minimalistisch gehalten. Neben Gas und Bremse ist am Lenker noch ein Smartphone-Fach untergebracht. Mit Hilfe einer Companion-App dient das Handy als Tacho, Schlüssel und Navigationsgerät. Die Front- und Rückscheinwerfer sind direkt im Rahmen integriert. Die Federung kann laut Hersteller jederzeit den Straßengegebenheiten angepasst werden.

Senioren teilen die meisten Fake-News auf Facebook

Aufgrund ihrer intensiven Mediennutzung könnte man junge Menschen für besonders anfällig für Fake-News halten. Eine Studie aus den USA kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach teilen ältere Menschen deutlich häufiger Fake-News auf Facebook als jüngere Menschen. Die Bildung, Herkunft oder das Einkommen spielen dabei laut den Forschern der Universitäten von New York und Princeton keine Rolle. Konkret wurde in der Studie das Verhalten der Nutzer in den Monaten vor und nach der US-Präsidentenwahl von 2016 untersucht. Als Grundlage dienten 3500 Nutzer, die Facebook verwenden oder dies nicht tun.

Das Teilen von Fake-News war bei den Studienteilnehmern eher die Ausnahme: Nur 8,5 Prozent der Nutzer teilten mindestens einen Link von einer Fake-News-Seite. Konservative Nutzer taten dies häufiger als liberale Anwender. Eindeutiger wurde es beim Betrachten des Alters: 11 Prozent der Nutzer über 65 Jahren fiel auf Fake-News herein, während nur 3 Prozent der Nutzer zwischen 18 und 29 Fake-News verbreiteten. Warum ältere Menschen häufiger Fake-News teilen, wurde in der Studie nicht untersucht. Es werden jedoch zwei Theorien genannt: Ältere Menschen wurden demnach erst später mit dem Internet vertraut, ihnen fehle dadurch ein Teil an Medienkompetenz. Die zweite Theorie sieht einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der kognitiven Fähigkeiten im Alter und der Anfälligkeit für Fake-News.

 

Ember: Neues XLR-Mikrofon von Blue

Das Blue Ember kommt per XLR-Kabel in das Mischpult oder den Adapter (etwa aus der iRig-Reihe von IK Multimedia). Der Hersteller preist die Nierencharakteristik mit ihrem "engen Aufnahmemuster" als gleichermaßen für Podcasts, Videoproduktionen und Musikaufnahmen – Gesang und Instrumente – an, da das Design Hintergrundgeräusche unterdrückt. Ember sei vor allem für laute Schallquellen geeignet, wie man es von Mikrofonen erwartet, die vor dem Gitarrenverstärker stehen oder inmitten des Schlagzeugs gestellt sind. Die Phantomspeisung soll zusammen mit der Richtcharakterisitk der Kondensatorkapsel das Rauschen auf ein Minium reduzieren:  "Ember ist perfekt für Heimstudio-Kreateure, die ihre Produktionen mit reichhaltigem, professionellem Sound auszeichnen möchten," heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Das zur CES in Las Vegas vorgestellte Mikro wird ab Februar zum Preis von 110 Euro im Handel sein.

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