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Morgenmagazin vom Freitag, 12. Mai

12.05.2017 | 07:07 Uhr |

Project Titan: "Größer als ein Auto" +++ Apple Watch erkennt Vorhofflimmern +++ Amazon Prime zur WWDC auf Apple TV +++ Die Sims kommen aufs Smartphone +++ Neues Patent: Entwickelt Apple Siri zum Chatbot? +++ Facebook verbannt Werbeschleudern aus dem News Feed +++ Vodafone beschleunigt LTE auf 500 Mbit/s +++ Google kauft Macher des Job Simulators +++

12. Mai: Fliag, Vogel, fliag

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Was, schon wieder Freitag? Dabei war doch eben erst Montag. Aber natürlich ist es besser so als anders herum. Die Zeit vergeht wie im Fluge, das ist aber rein subjektiv. Denn die Zeit ist nichts weiter als eine Dimension unserer Raumzeit und ihr Verstreichen vor allem eine Frage der Bewegung durch die Raumzeit und dem Verhältnis der Beobachter zueinander. So lange wir in erster Näherung aber die Relativitätstheorie weglassen können, sitzen wir alle im gleichen Intertialsystem und die Zeit verstreicht konstant mit 60 Minuten pro Stunde. Woher dann die Redensart mit "vergeht wie im Fluge" kommt? Vielleicht aus der Zeit, als Fliegen noch ein seltenes Vergnügen für wenige war und ein Abenteuer, das gerne länger hätte dauern dürfen, aber wieder so schnell vorbei war? Nein - vermutlich ist der Ursprung der Redensart wesentlich älter und stammt aus Zeiten, in denen nur Vögel fliegen konnten. Die Reisen der Zugvögel sind auch heute noch vom Boden aus ein imposantes Schauspiel und man mag auch heute noch erkennen, dass unsere Vorfahren vor wenigen Generationen noch keine schnelleren Bewegungen kannten. Die Zeit vergeht also schnell, das mag subjektiv richtig sein. Der Eindruck entsteht meist dann, wenn man Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr immer die gleichen Routinen erledigt, im Beruf und im Privatleben. Immer das gleiche Morgenmagazin schreiben, jedes Jahr an den gleichen Urlaubsort, jedes Jahr die gleichen Rituale an den Feiertagen. Zugvögeln geht es aber auch nicht besser, man kennt Arten, die sowohl im Sommer- als auch im Winterquartier immer wieder die gleichen Orte aufsuchen. Langweilig ist denen aber bestimmt nicht, jedes Jahr ist für viele Vögel vor allem das Überqueren des Mittelmeers und der Alpen eine große Herausforderung, manchmal eine zu große.

An diesem Wochenende ist am Samstag und Sonntag der Weltzugvogeltag, worauf das Datum des zweiten Wochenendes im Mai wiederum zurückzuführen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Immerhin, es ist die Jahreszeit, in der alle Vögel schon da sind. Zugvögel aller Art haben sich auch gewiss den zweiten Sonntag im Mai in den Kalender geschrieben, es ist der Tag, an dem man mal wieder zuhause vorbei fliegen sollte, wenigstens virtuell. Man kann den Muttertag zwar auch als perfide Erfindung der Blumenindustrie betrachten, aber unsere Mütter freuen sich vermutlich über anderes mehr als über Blumen. Es sind eben jedes Jahr die gleichen Rituale. So vergeht die Zeit im Fluge. Leider ist dann halt auch schnell wieder Montag. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Was größeres : Apple baut kein Auto, sondern etwas größeres, titelt Business Insider. Also: Einen Lastwagen? Nein, im Ernst haben sich die drei Analysten Steven Milunovich, Neil Cybart und Horace Dediu überlegt, was am Project Titan wirklich dran ist. Apple habe dafür zunächst rund 1000 Ingenieure eingestellt, ein gutes Jahr später aber wieder mehrere hundert Stellen abgebaut, ist das Projekt also über die Versuchsphase nicht hinausgekommen? Womöglich hat Apple das Projekt Titan nur umgewidmet oder es war von Anfang an nicht ein eigenes Apple Car das Ziel, sondern eine Plattform für das Transportwesen. Apple wolle Kerntechnologien für Sensoren, autonomes Fahren und Navigation entwickeln, das Marktvolumen für das Transportwesen ist zwischen 5 und 15 Billionen US-Dollar groß, weit größere als die Märkte für IT und dem Gesundheitswesen. Ein eigenes Auto ergebe schon allein deswegen weniger Sinn, weil mit dem Zuwachs autonomer Fahrzeuge die Leute weniger eigene Autos besitzen werden. Sondern ihre Fahrt über eine Plattform, wie sie Apple womöglich planen könnte, einfach bestellen.

Gesundheit: Die Apple Watch hat nachweislich schon einige Leben zu retten geholfen, in den berichteten Fällen war die Uhr aber meist nur eine nützliche Hilfe, wenn deren Träger sich schlecht fühlten und beim Überprüfen der Pulsmessung auf ungewöhnliche Werte stießen. Eine neue Forschung kommt aber zum Ergebnis, dass die Apple Watch auch der Früherkennung von Herzkrankheiten dienen könne, lang bevor Symptome wahrnehmbar sind. Konkret könne die Uhr mit ihrem Pulsmesser Vorhofflimmern erkennen, das unter Umständen zum Herzinfarkt führe. Dies haben die Entwickler der App Cardiogramm in Zusammenarbeit mit Medizinern der Universität von Kalifornien in San Francisco in der Health eHeart-Studie ermittelt. Diese bediente sich unter anderem des ResearchKits von Apple und konnte so eine Vielzahl von Teilnehmern versammeln. Die Ursachen des Vorhofflimmerns wie zum Beispiel hohen Blutdruck könne die Uhr hingegen nicht diagnostizieren, doch zeigt das Ergebnis, dass die Apple Watch als Gesundheitsgerät noch viel Potential hat.

Termin: Amazon Prime Video kommt auf das Apple TV - das pfeifen die Spatzen schone seit gut einer Woche von den Dächern. BuzzFeed will nun wissen, dass Apple den prominenten Neuzugang für das Apple TV auf der WWDC ankündigen werde, kurz daruf - im Sommer - werde die App dann auch im App Store des Apple TV auftauchen. Zudem werde Amazon auch wieder Apple TVs verkaufen, das hatte der Händler vor zwei Jah ren eingestellt, weil es eben keine App für das neue Apple TV gegeben habe. Amazon-CEO Jeff Bezaos hatte damals darüber geklagt, Apple habe keine akzeptablen Geschäftsbedingungen angeboten. Die Konzerne haben ihre Differenzen offenbar mittlerweile beigelegt, kaum vorstellbar, dass Amazon die üblichen 30 Prozent für über die App generierten Umsätze an Cupertino überweisen muss. Gleichwohl war es auch bisher möglich, Prime-Inhalte über das Apple TV auf den Fernseher zu bringen, per AirPlay von iPad oder iPhone aus.

Simulation: Die Sims sind ja an sich prädestiniert dafür, auf Mobilgeräten zu laufen. Das ist aber vor allem aus historischen Gründen bisher unterblieben, als die Sims auf der Bildfläche erschienen, waren iPhone und Co. noch ein unrealistischer Traum. Electronic Arts hat aber nun ein Einsehen und bringt The Sims Mobile schon in Kürze für iOS und Android heraus, wie Macworld zu berichten weiß. Das für den Touchscreen optimierte Spiel basiert auf The Sims 4 Legacy Challenge, das im Jahr 2014 für Mac und PC erschienen war.

Deutlich weniger: Produktionsprobleme beim kommenden iPhone 8 könnten Apple teuer zu stehen kommen. Denn entweder muss Apple den Release verschieben oder damit rechnen, die erwartet hohe Nachfrage nicht befriedigen zu können. Der Analyst Ming-Chi Kuo geht nun davon aus, dass Apple im Jahr 2017 wohl nur 80 bis 90 Millionen iPhone 8 werde produzieren können, weil die Massenproduktion nicht vor November voll laufen werde. Das seien wohl 20 Millionen Geräte weniger als nachgefragt würden. Nichts genaues weiß man nicht, aber wir rechnen schon mal vorsichtig mit der Wiederkehr der langen Schlangen vor den Apple Stores.

Weitere Nachrichten

Neues Patent: Entwickelt Apple Siri zum Chatbot?

Am Donnerstag wurde ein neues Patent von Apple veröffentlicht, nach welchem Siri schon bald eine neue Funktion bekommen könnte. Demnach soll es laut AppleInsider für Nutzer möglich sein, auch innerhalb von Textnachrichten mit dem intelligenten Sprachassistenten von Apple zu interagieren.

Das Patent wurde von dem U.S. Patent and Trademarkt Office veröffentlicht und soll von Apple selbst als „Intelligenter und automatisierter Assistent in Anwendungsbereichen von Nachrichten“ beschrieben sein.

Siri soll demnach eine tatsächliche grafische Benutzeroberfläche erhalten, die extra dafür entwickelt wurde, um mit dem Sprachassistenten schreiben zu können. Darüber hinaus soll Siri aber nicht nur mit einem einzigen Nutzer interagieren können, sondern auch in Gruppenchats integriert werden.

Das vorgestellte System scheint zudem sehr viel weiter als aktuelle Siri-Implementierungen entwickelt zu sein, welche lediglich auf der Spracherkennung basieren. Laut Patent soll es für den Nutzer möglich sein, mit dem virtuellen Assistenten auf jede Art und Weise zu kommunizieren, die der Messenger erlaubt. Derzeit beinhaltet dieser Texte, Audio, Bilder und Videos.

Auch wenn Siri in den meisten Fällen die eingesprochenen Befehle des Nutzers versteht, können manchmal Fehler bei der Spracherkennung auftreten. Diese lassen sich zwar leicht beheben, sofern Siris Funktionalität zu einem echten Chatbot weiterentwickelt wird, könnte dies schon bald der Vergangenheit angehören. In Situationen mit besonders lauten Umgebungsgeräuschen kann lästige Übersetzungsfehler vermeiden, indem man die Frage einfach gleich via Textnachricht an Siri in der Nachrichten-App schickt.

Zum ersten Mal wäre es auch möglich, den Chatverlauf mit Siri zu einem späteren Zeitpunkt einzusehen – derzeit wird jeder Sprachbefehl an Siri nach dem Beenden des Sprachassistenten gelöscht.

Mit der Erkennung von Fotos und Bildern kann Siri nicht nur Antworten auf bestimmte Fragen im Internet suchen, sondern auch nützliche Informationen speichern. Beispielsweise kann man Siri einfach ein Foto eines Weins schicken und dazu „Ich mag diesen Wein“ schreiben. Siri speichert diese Informationen ab und kann diese gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt wieder abrufen.

Was "Differential Privacy" ist und was sie für Siri und iOS bedeutet

Besonders interessant wird es dann, wenn Siri in einem Gruppenchat als virtueller Assistent tätig ist. Besprechen zwei Personen etwa, wo man Mittags am besten essen gehen könnte, sucht Siri automatisch nach möglichen Restaurants in der Umgebung und fügt diese in den Chat ein und erinnert später die Gesprächspartner via Nachricht oder Erinnerung an das bevorstehende Mittagessen.

Ob Apple diese neuen Features schon in iOS 11 vorstellen wird, ist bisher noch nicht bekannt, obwohl genau das so manch unbestätigte Quellen zu glauben scheint. Interessant ist es allemal – solange man als Nutzer darüber entscheiden kann, ob man die Hilfe von Siri in Anspruch nehmen möchte oder nicht.

Facebook verbannt Werbeschleudern aus dem News Feed

Facebook will in Zukunft härter gegen sogenannte Low-Quality-Websites vorgehen . Darunter versteht das soziale Netzwerk Internet-Seiten, die wenig Inhalt, dafür aber viel arglistige Werbung beinhalten. Derartige Websites werden immer wieder über Facebook-Posts propagiert. Die Anzeige dieser Seiten im News Feed der Nutzer soll nun drastisch reduziert werden.

Zur Erkennung von Low-Quality-Websites hat Facebook hunderttausende verlinkte Inhalte untersucht und daraus einen Algorithmus entwickelt. Dieser analysiert Facebook-Beiträge und Facebook-Werbeanzeigen nach Verlinkungen auf Werbeschleudern. Seitenbetreiber, die auf derartige Seiten verlinken, werden laut Facebook in den nächsten Monaten einen Rückgang bei den erreichten Personen im sozialen Netzwerk feststellen. Wer auch weiterhin interessante Inhalte bewirbt, soll durch steigende Zahlen vom neuen Algorithmus profitieren.

Vodafone beschleunigt LTE auf 500 Mbit/s

Mobilfunk-Anbieter Vodafone erhöht ab dem 12. Mai die maximalen LTE-Geschwindigkeiten . Prepaid- und Vertragskunden sollen dabei von bis zu 500 Mbit/s profitieren. Wer wirklich mit maximaler Geschwindigkeit surfen will, muss jedoch einige Voraussetzungen erfüllen. Passende Mobilfunkzellen gibt es aktuell nur in Dortmund, Erfurt, Düsseldorf, Dresden, Coswig, Mannheim und Stuttgart. Bis zu 30 weitere Städte sollen laut Vodafone bis Ende des Jahres folgen.

Als kompatible Smartphones führt Vodafone aktuell nur das Xperia XZ Premium von Sony sowie das Galaxy S8 und das Galaxy S8+ von Samsung auf. In den folgenden Vertragstarifen ist die theoretische Maximalgeschwindigkeit von 500 MBit/s ab 12.5. möglich:

Für Prepaid-Kunden steht die neue Maximalgeschwindigkeit in diesen Tarifen zur Verfügung:

Google kauft Macher des Job Simulators

Entwickler Owlchemy Labs bewies mit dem Job Simulator, welche neuen Möglichkeiten Virtual Reality in Spielen bieten kann. Das Spiel für PC und PS4 simuliert unterschiedliche Arbeitsplätze, in denen sich der Nutzer austoben kann. Die spaßige Umsetzung hat offenbar auch Google überzeugt: Der Suchmaschinen-Riese hat das Indie-Entwicklerstudio übernommen. Für die Mitarbeiter soll sich indes kaum etwas ändern. Auch für die Zukunft seien weitere VR-Inhalte geplant.

Wie im Job Simulator sollen auch bei künftigen Spielen Interaktionen mit der Hand im Mittelpunkt stehen. Auch bei den Plattformen soll Owlchemy Labs weiterhin HTC Vive, Oculus Rift und PlayStation VR bedienen. Das vor sechs Jahren mit vier Mitarbeitern gestartete Indie-Studio hatte zum Zeitpunkt der Übernahme schon 23 Angestellte. Über die Kaufsumme liegen keine Informationen vor.

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