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Morgenmagazin vom Freitag, 15. Februar 2019

15.02.2019 | 07:04 Uhr |

Apple-TV: Vorstellung im März, Start im Herbst +++ Warum Apple und Nvido nicht mehr zusammenkommen +++ Apple übernimmt Marketing-Startup +++ Nvidia-Seite generiert mit KI immer neue Gesichter +++ Tesla rettet jetzt Hunde vor dem Hitze-Tod +++ Amazon bringt als Prime Original: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo +++

15. Februar: in die Röhre geschaut

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Zeitreise zurück ins Jahr 2005: In Cupertino bastelte man emsig an einem Gerät, das die noch junge Welt des Digitalen komplett umkrempeln würde - zeitgleich liefen die letzten Vorbereitungen, den Mac auf eine andere Prozessorplattform umzuziehen. Doch egal, ob nun mit PowerPC oder mit Intel-Core-Chip betrieben, der Rechner aus Cupertino sollte eine Art von Nabe für vielerlei Geräte sein: Audioplayer, Kameras, Organizer und was man sonst noch so anschließen kann. Entweder hatte man das Potential des Projektes iPhone noch nicht erkannt oder - was weit wahrscheinlicher ist - gewusst, dass der Taschencomputer noch ein paar Jahre brauchen würde, bis die Lösung mit dem Digital Hub überflüssig sein würde.

Im Februar 2005 war es aber noch üblich, nach einem Ausflug in den Zoo oder einem verlängerten Wochenende auf der Skihütte die dort mit der Digitalkamera aufgenommenen Bilder und immer häufiger auch Videos, daheim auf den Rechner zu kopieren, auf einem anständig großen Bildschirm (naja, meist so um die 15 Zoll) zu sichten und die besten Aufnahmen an Freunde, Bekannte und Verwandte zu mailen. Nur bannten die Kameras immer größere Datenmengen auf Speicherkarte und Festplatte, vor allem die immer erschwinglicher gewordenen digitalen Videokameras lieferten Dateien ab, die in kein Postfach mehr passten. Was nun? Den Freunden, Verwandten und Bekannten USB-Sticks, DVDs oder gar Magnetbänder schicken? Aber wir haben doch schon das 21ste Jahrhundert.

So war die Idee der ehemaligen PayPal-Mitarbeiter Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim auch alles andere als analog und gar nicht mehr Neunziger. Lasst uns doch einen Server mieten, auf den wir die Filme stellen und von dem man sie per Stream abspielen kann, wir schicken an unsere Leute nur noch eine Mail mit einer Adresse, unter der sie glotzen können. Du wirst so also selbst zum Sender. Nur der Name des Dienstes erinnert noch an das vergangene Jahrhundert und die damals verbreiteten Technologien, mit denen man bewegte Bilder in die Lebenswelten der Empfänger brachte: YouTube. Röhrenmonitore waren aber am 15. Februar 2005 längst im Aussterben begriffen.

Geniale Idee und verdammt schnell angenommen, nur noch völlig ohne Geschäftsmodell. Deshalb wunderten sich viele, dass das aufstrebenden Google schon ein Jahr später immerhin eine Milliarde US-Dollar in die Hand nahm, um YouTube zu kaufen. Nur hatte man in Mountain View längst begriffen, dass der Dienst perfekt zu den Geschäftsmodellen personalisierter Werbung passen würde und dass die Generationen X, Y, Z und welche da auch immer noch folgen werden, sich lieber einen Film ansehen, als mühselig etwas zu lesen.

Ein bewegtes Bild sagt ja auch viel mehr aus als tausende von Worten, das Prinzip "show, don't tell" gilt nicht nur im Filmbusiness, sondern lässt sich auch wunderbar für Tutorials einsetzen. Leider lügen viele Bilder bewegter und stiller Art nicht nur wie gedruckt, sondern noch viel schlimmer. Wie will man das aber eindämmen und kontrollieren? Nicht immer lassen sich Videos so leicht als gefälscht oder manipulativ identifizieren, vor allem nicht von Algorithmen. Diese können auch kaum unterscheiden, ob es sich um ein dreistes Plagiat, ein legitimes Zitat oder eine feine Satire handelt. Dennoch sollen Uploadfilter Gesetz werden

Das Ende von YouTube ist aber durch die berüchtigten Paragraphen 11 und 13 nicht so nahe, wie es Skeptiker fürchten, die digitale Generation hat ihre Findigkeit schon anhand anderer scheinbar unverrückbarer Schranken überwunden. Und seien es die Grenzen von E-Mail-Postfächern. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Alter Fehler, neu begangen : Noch weiß man nichts Offizielles über Apples Videostreamingdienst, aus mehr oder minder gut informierten Quellen muss man sich so einiges zusammen reimen. Dass aber der neue Service ein Heilsbringer für Cupertino sein würde, hält unser Macworld-Kollege Michael Simon aber für stark übertrieben. Denn Apple sei in seiner Hybris gefangen und begehe die gleichen Fehler wie bei Apple Music wieder. Niemand hat Apple bisher im Geschäft mit TV-Serien und Filmen vermisst, Netflix und Amazon machen den Job bereits seit Jahren und werden immer wieder mit Emmys und gar Oscars ausgezeichnet. Apple erreiche recht spät den roten Teppich, halte sich dort aber für die Diva Nummer eins. Anders ließe sich nicht erklären, dass Cupertino stolze 30 Prozent des Umsatzes - und bei News angeblich sogar die Hälfte - einbehalten will, wenn es die Inhalte an seine zugegebener Maßen große Nutzerschaft verteile. Was Apple von anderen unterscheiden könnte, sei die Nutzererfahrung, die mit Apple Music lasse aber nicht viel Gutes erhoffen.

Von wegen geisteskrank: 50 Prozent für Apple, 50 Prozent für die Publisher, ist das nicht unfair? Während John Gruber von Daring Fireball das Wort "insane" verwendet, wirft Recodes Peter Kafka einen anderen Blick auf die Angelegenheit. Apple habe bereits jede Menge von Zeitschriften für seinen Dienst Texture zu diesen Konditionen unter Vertrag genommen. Diese hoffen, dass der für das Frühjahr avisierte Neustart der News-App auf dieser Basis zu einem großen Erfolg wird und Apple ein Millionenpublikum anspricht, das sie bisher nicht erreichten. Interessant für die Verleger sind daher ihre absolutes Einnahmen in harter Währung und nicht der Anteil am Gesamtumsatz des Systems. Das Argument wird allerdings bei den großen Zeitungen wie der New York Times und der Washington Post, die APple beide gerne mit an Bord hätte, aber nicht ziehen. Diese betreiben bereits erfolgreiche Digitalabos und wollen dann doch lieber 100 Prozent von ihrem Kuchen anstatt 50 Prozent von einem vielleicht nicht mal größeren. Die Verhandlungen werden sich sicher noch eine Weile hinziehen und nicht alle Wunschpartner schon zum Start bereit stehen.

Vorfreude : Die Nachricht von einem Apple-Event Ende März hat uns wenig überrascht, fiele die Veranstaltung doch in das bekannte Schema. Während wir aber vor allem auf neue Hardware wie iPad 7, Airpods2 oder AirPower warten, dreht sich der Hype um Apples Videodienst, der am 25. März vorgestellt werden sollte - damit hätten wir zu einem deutlich späteren Zeitpunkt gerechnet, mit der ersten Ausstrahlung vielleicht sogar erst im Herbst, wenn die neue TV-Saison beginnt. Ein Bericht von Variety scheint nun beides zu bestätigen: Ja, es wird am 25. März eine Show im Steve Jobs Theater zu Cupertino geben und Nein: Mit Apple-TV geht es nicht sofort oder zumindest zeitnah im April los. Quellen des Blattes sprechen davon, Apple werde zusammen mit Stars wie Jennifer Aniston oder Reese Witherspoon, von deren Verpflichtung man schon vor etlichen Monden hörte, erste Clips der Eigenproduktionen zeigen. Das reguläre Programm werde aber erst im Sommer oder gar Herbst aufgenommen. Geht ja schon mal gut los, aber Apple hätte dann noch eine letzte Galgenfrist, um Schwergewichte wie Netflix, Hulu oder HBO von seiner Lösung zu überzeugen.

Übernahme: Laut eines Bloomberg-Berichts hat Apple das StartUp aus dem Vereinigten Königreich Data Tiger übernommen. Das auf digitales Marketing spezialisierte Unternehmen will sich Apple in diesem Bereich verbessern und für seine Kunden relevanter bleiben. Data Tiger bietet laut seines LinkedIn-Profils eine Reihe von Werkzeugen, mit denen ihre Kunden Software entwickeln könne, die "Daten ins Laufen" bringe. Mit der Plattform könne man die Workflows für die Kundenansprache auf Datenbasis optimieren. Apple hat Data Tiger offenbar bereits im Dezember übernommen,

Funktioniert.net: In macOS Mojave schützt Apple den Browserverlauf von Safari. Die entsprechende Datei, die in vorherigen Versionen offen in der Library lag, ist nun nicht mehr sichtbar, nicht einmal das Terminal zeigt es, Apple hat den Zugriff auf bestimmte Programme beschränkt. Theoretisch. Denn wie der Sicherheitsforscher Jeff Johnson herausgefunden hat, ist die Implementierung fehlerhaft und lässt sich umgehen. So könnten bösartige Apps trotzt des Verbots durch das System sich Zugang zum Browserverlauf verschaffen.

Gründe: macOS Mojave unterstützt keine Grafikkarten von Nvidia, mit Ausnahme in einigen älteren Laptops. Die Tatsache ist schon länger bekannt, Apple Insider geht den Gründen auf die Spur, die nur zum Teil technischer Art sind. Irgendjemand bei Apple scheint Nvidia nicht zu mögen, heißt es in dem Stück, das jedoch nicht nur Ursachen in einer Geschichte gegenseitiger Abneigung findet. Denn Apple setzt auf OpenCL, während Nvidia sein proprietäres Framework CUDA bevorzugt. Dem Mac-Hersteller ist daran gelegen, dass Mac-Apps möglichst gut auf den Rechnern laufen. Nvidia-Grafikkarten dürfen auf dem Mac wenig Zukunft haben, selbst wenn die beiden Unternehmen aufeinander zugingen. Zum einen setzt Apple für eGPUs und die High-End-Grafik in iMac Pro und bald auch Mac Pro voll auf die Vega-Lösungen von AMD, zum anderen entwickelt Apple eigene GPUs.

Weitere Nachrichten:

Nvidia-Seite generiert mit KI immer neue Gesichter

Künstliche Intelligenz ist grundsätzlich ein relativ abstraktes Thema. Schließlich lässt sich nur schwer erfassen, was Computersysteme da errechnen und lernen. Mit der Webseite Thispersondoesnotexist.com bietet Nvidia eine Möglichkeit, um sich von den Fähigkeiten aktueller KI-Systeme zu überzeugen: Die Seite generiert bei jedem Aufruf das Gesicht eines Menschen, der in der Realität gar nicht existiert. Dafür erzeugt ein Algorithmus aus Bildern anderer Menschen ein neues Foto. Ein zweiter Algorithmus prüft daraufhin, ob es sich um ein echtes oder gefälschtes Gesicht handelt. Wurde der zweite Algorithmus überzeugt, so wird auf dem Bildschirm das Foto des fiktiven Menschen angezeigt.

Die Ergebnisse sind beeindruckend, aber auch etwas gruslig. Die von der KI erzeugten Personen sehen in den meisten Fällen täuschend echt aus. Nur ab und zu passen die faltigen Augen nicht zur restlichen Erscheinung der Person. Auf einigen Fotos sind zudem Artefakte zu sehen, die darauf hindeuten, dass mit dem Foto etwas nicht stimmt. Der Großteil der erzeugten sieht jedoch täuschend echt aus. Noch beeindruckender ist, dass jeder Reload der Seite eine neue Person zeigt, die es in Wahrheit gar nicht gibt. Die zufällig kombinierten Gesichter verdeutlichen, wie leistungsfähig aktuelle KI-Systeme schon sein können. 

 

Tesla rettet jetzt Hunde vor dem Hitze-Tod

Dog-Mode: Mit dem Hunde-Modus kann der Tesla-Fahrer in der Klimaanlage eine für den Hund angenehme Temperatur einstellen, die der Tesla konsequent aufrecht erhält, während der Fahrer zum Beispiel einkaufen geht und dabei seine Hunde im Auto eingesperrt zurücklässt. Dieser Dog-Mode soll also das im Sommer auch in Deutschland bekannte Problem vermeiden helfen, dass Hunde in einem sich immer mehr aufheizenden Fahrzeug eingesperrt sind und unter der steigenden Hitze leiden oder sogar den Hitzetod sterben. Der Hunde-Modus rettet natürlich gegebenenfalls auch die Leben von Katzen, Hamstern oder Meerschweinchen…

Der die Innentemperatur regelnde Hunde-Modus ergänzt die bereits vorhandene Funktion „Cabin Overheat Prevention“, die im eingeschalteten Zustand die Innenraumtemperatur für bis zu 12 Stunden bei höchstens 40 Grad hält, nachdem der Fahrer das Fahrzeug verlassen hat. Um den Dog Mode einzuschalten, tippt der Fahrer nach dem Abstellen des Fahrzeugs einfach auf das kleine Lüftersymbol am unteren Rand des Tesla-Touchscreens, wählt dann „Dog“ und setzt das Temperaturlimit fest. Sobald die Auto-Batterie nur noch zu 20 Prozent geladen ist, schickt der Wagen dem Fahrer einen Hinweis auf die App.

Sentry Mode: Der Tesla überwacht durchgehend mit seinen Kameras die Umgebung, sobald der Fahrer den Wagen verlässt. Schlägt jemand ein Fenster des Tesla ein, startet der Tesla einen Alarm und spielt dröhnend Musik mit voller Lautstärke ab. Der Besitzer bekommt eine Warnung auf seine App. Mit dem von den Frontkameras des Tesla aufgezeichneten Video kann der Fahrer dann den Täter eventuell überführen. Der Sentry Mode soll aber auch bei kleineren „Vorfällen“ reagieren: Lehnt sich jemand nur gegen den Tesla, erscheint der Hinweis auf dem Tesla-Display, dass er alles mit seiner Kamera aufzeichnet.

Sowohl Dog-Mode als auch Sentry-Mode kommen als Over-the-Air-Software-Update in Bestandsfahrzeuge. Den Sentry Mode bekommen zunächst die in den USA ausgelieferten Model 3 und danach Model S and Model X. Voraussetzung ist, dass der Tesla über den erweiterten Autopilot verfügt und nach August 2017 gebaut worden ist. Denn nur in diesen Tesla Model S und X ist das Dashcam-Feature vorhanden, das für den Sentry Mode erforderlich ist. Ob und wann Tesla den Sentry Mode auch an Teslas in Deutschland ausliefert, ist derzeit unbekannt.

Amazon bringt als Prime Original: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Die Amazon Studios und Constatin Television wollen den Roman Wir Kinder vom Bahnhof Zoo als Amazon Prime Originals Serie verfilmen . Auf dem Regiestuhl soll Philipp Kadelbach Platz nehmen, der bereits im vergangenen Jahr mit Parfum einen deutschen Serien-Überraschungshit landete. Annette Hess (Weissensee, Ku‘damm 56/59) schreibt das Drehbuch für die TV-Serie.

In Wir Kinder vom Bahnhof Zoo aus dem Jahr 1978 beschreibt Christiane F. wie sie als 12-Jährige in die Drogenszene des West-Berlins der 70er-Jahre gerät. Innerhalb von vier Jahren übernimmt die Sucht in ihr die Oberhand und die Minderjährige begibt sich in die Prostitution, um ihre Sucht zu finanzieren. „Die Serie greift diese Geschichte neu auf und gibt den Geschehnissen einen modernen Blick. Wir sind davon überzeugt, dass die Hintergründe so aktuell wie eh und je sind und unsere Prime-Mitglieder in ihren Bann ziehen werden,“ so Georgia Brown, Direktorin Europäische Prime Originals.

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo wurde im Jahr 1978 vom Magazin Stern und den beiden Autoren Kai Hermann und Horst Riek herausgegeben. Das Buch wurde zum erfolgreichsten Sachbuch der Nachkriegszeit. In den Jahren 1979 bis 1981 stand es 95 Wochen lang an der Spitze der Spiegel-Bestsellerliste.

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