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Morgenmagazin vom Freitag, 16. März 2018

16.03.2018 | 07:04 Uhr |

Was in iMessage besser werden muss +++ Aufstrebende IT-Großmacht China +++ CanSecWest legt Lücken in Safari offen +++ Google: Bessere VR-Aufnahmen durch Lichtfeldfotografie +++ Amazon: Virtuelle Dash Buttons in Deutschland +++ Broadcom zieht Qualcomm-Übernahmeangebot zurück +++ Mac-Version von SoftMaker Office 2018 erschienen +++ Spotify: Testlauf für Sprachsteuerung unter iOS

16. März: Eine kurze Geschichte der Physik

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Warum der in dieser Woche verstorbene Forscher Stephen Hawking niemals den Nobelpreis für Physik erhalten hat, trotz seiner bahnbrechenden Erkenntnisse? Gewiss ein großes Rätsel, aber anhand der Geschichte des für die Verleihung zuständigen Komitees verständlich. Denn Hawkings größte Erkenntnis, die von der nach ihm benannten Strahlung, ist schwer bis unmöglich experimentell zu verifizieren. Im wesentlichen sagt seine Theorie aus, dass Schwarze Löcher – ohnehin nur indirekt nachzuweisen – nicht einfach nur alles verschlucken und nie wieder etwas rauslassen, sondern sehr wohl verdampfen. Über Jahrmillionen und Jahrmilliarden. Der Grund liegt in der Quantenmechanik, besonders in der Unschärferelation Heisenbergs. Diese erlaubt die Existenz von Teilchen und Antiteilchen aus dem Nichts, je größer die Energie des Paares, um so kürzer ihre virtuelle Lebensdauer. Das ist nicht nur Theorie, die Energie des sogenannten Quantenvakuums, im dem es ständig brodelt, und das eben keineswegs einfach nur "Nichts" ist, muss in vielen Berechnungen und Messungen berücksichtigt werden.

Nun aber Hawkings bahnbrechende Idee, die ihm laut seines Bestsellers "Eine kurze Geschichte der Zeit" eines Abends bei der für ihn mühseligen Prozedur des Zu-Bett-Gehens kam: Was, wenn Teilchen und Antiteilchen für die erlaubte kurze Zeit direkt am Rand eines Schwarzen Lochs entstehen? Eines gerade so innerhalb des sogenannten Ereignishorizonts, eines außerhalb? Das innerhalb würde das Schwarze Loch gemäß der Theorie nicht verlassen können, da es dessen immense Gravitation nicht frei lässt. Das andere Teilchen oder Antiteilchen wäre dann aber plötzlich frei und müsse eben nicht nach der erlaubten Zeit mit seinem Gegenstück wieder zu Energie zerstrahlen. Das Schwarze Loch verliert also auf die Dauer Masse und freigesetzte Antiteilchen würden mit Antipoden von außerhalb des Ereignishorizonts zu zerstrahlen: Eben in jener Hawking-Strahlung.

Wundersamer Weise hat Hawking hier zwei Theorien vereint, die sich in vielen Punkten zu widersprechen scheinen: Die Quantenmechanik und die Relativitätstheorie.

Für diese hat Albert Einstein übrigens auch keinen Nobelpreis erhalten, zu unvorstellbar waren seine mathematischen Ausführungen und die Konsequenzen seiner Grundannahmen. Mittlerweile sind Allgemeine und Spezielle Relativitätstheorie weitgehend experimentell bestätigt, nur nicht in den Ecken, in denen hohe Energien auf winzige Abstände stoßen, wo also Relativitätstheorie auf Quantenmechanik trifft. Seinen Nobelpreis für das Jahr 1921 erhielt Einstein aber für die am 17. März 1905 bei den Annalen der Physik eingereichten Erklärung des photoelektrischen Effekts, ironischer Weise eine der ersten Bestätigungen der damals noch jungen Quantentheorie, an die Einstein nie so recht glauben wollte.

Theorie und Praxis zu vereinen, ist in der hochkomplexen Physik immer schwerer möglich. Immerhin gelang erst kürzlich der Nachweis von Gravitationswellen, die Einstein bereits postulierte und auf denen man in einer romantischen Phantasie Stephen Hawking durch die Ewigkeit surfen sehen möchte. Der schottische Physiker Peter Higgs erlebte immerhin noch die experimentelle Bestätigung seiner Theorie des Feldes, die jeder Materie Masse verleiht, das CERN hat das Higgs-Boson vor ein paar Jahren endlich gefunden - Nobelpreis die Folge.

Selbst wenn man die Hawking-Strahlung irgendwann einmal im Experiment bestätigen könnte - Nobelpreise werden nicht posthum verliehen. Aber auch ohne Urkunde und Medaille aus Stockholm war Stephen Hawking unter den größten Geistern der Naturwissenschaft. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Wunschliste: iMessages oder Nachrichten ist in iOS beinahe ein System im System. So wird Apple beim Sprung zu iOS 12 mit Sicherheit auch die Kommunikationsanwendung anpassen und weiter entwickeln. Unsere Kollegen der Macworld haben auch schon genaue Vorstellungen davon, in welche Richtung das gehen soll. Vor allem müsse Apple Bugs beheben, wie zuletzt jenen mit Telugu-Schriftzeichen, der das iPhone abstürzen ließ. Besser müsse auch die Suche werden, man müsse mehr als eine Konversation zu bestimmten Stichworten finden können und direkt zur Fundstelle geführt werden. Unterwegs mangels Verbindung nicht verschickte Nachrichten, müsste das iPhone selbstständig weiter leiten, wenn es wieder Internetzugang hat. Schön wäre auch, könnte man auf einen Blick alle Links sehen, die man von einem Gesprächspartner bekommen hat, bisher geht das nur mit Anhängen. Schließlich müsste iMessages auch die Formatierung von Texten zulassen. Wir sind gespannt, was davon Apple umsetzen wird.

Gegendarstellung: Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire hat juristische Maßnahmen gegen Googel und Apple angekündigt, weil diese Entwickler mit ihren Gebhren für den Vertrieb über den Play Store und den App Store unfair belasten würden. Apple hat nun in einem Statement dieser Darstellung widersprochen. Apple unterhalte eine "starke Beziehung" mit französischen Entwicklern, diese hätten mit Hilfe des App Store mittlerweile eine Milliarde Euros eingenommen. Manche Firmen hätten mit einem oder zwei Mitarbeitern begonnen und konnten dank Apple ihre Entwicklungen in 155 Ländern weltweit anbieten. Apple habe zudem immer starken Wert auf Datenschutz gelegt und keinen Einblick in die Transaktionen von Kunden  mit den Herstellern der Drittanbieterapps. Man sie bereit und vorbereitet, vor Gericht etwaige Missverständnisse aufzuklären.

Handelskrieg: Der Konflikt zwischen den USA und China spitzt sich zu, nicht ohne Grund. Der Satz "Designed by Apple in California, manufactured in China", der noch auf jedem iPhone steht, gilt so auch nicht mehr, wie der Economist darlegt: Amerika liefert das Hirn und China die Muskeln. Im Gegenteil hat China in vielen Technologiebereichen aufgeholt und setzt zum überholen an, der GPS-Rivale des Landes wird etwa 2020 fertig sein, Googles Eric Schmidt schätzt, dass die Forschung an künstlicher Intelligenz in China im Jahr 2025 die in den USA überholt haben wird - 800 Millionen Internetnutzer liefern dafür wertvolle Daten. Die USA reagieren mit Strafzöllen, Einfuhrverboten für bestimmte Technologien und ihre Hersteller und dem Verbot von internationalen Firmenübernahmen - dabei ist Broadcomm, das Qualcomm kaufen wollte, nicht einmal chinesisch. Was die USA aber laut The Economist tatsächlich benötigten, um im globalen Wettbwerb ("The motherboard of all wars") nicht zurück zu fallen, wären nationale Investions- und Forschungsprogramme - davon ist in Washington D.C. aber nichts zu sehen. Als Vorbild gelten die Anstrengungen der 50er und 60er Jahre, als das Land mit staatlichen Forschungsprogrammen den Vorsprung der Sowjetunion in der Weltraumtechnik aufholte.

Lücken: Auf der Sicherheitskonferenz CanSecWest im kanadischen Vancouver kommt es zum elften Mal zum Wettbewerb Pwn2Own, in dem Hacker zeigen, wie sie Sicherheitslücken in gängigen Systeme ausnutzen und etwa die Kontrolle über ein Macbook Pro erhalten, das sie dann auch mit nach Hause nehmen können. Apples Browser Safari hat bisher zwei Versuchen der White-Hat-Hacker nicht standgehalten, Samuel Groß und das Team von Alex Plaskett, Georgi Geshev und Fabi Beterke konnten jeweils hohe Geldpreise abstauben, zwei weitere Attacken waren nicht im Zeitlimit von 30 Minuten gelungen. Für Apple sind die Vorgehen der Hacker nicht ärgerlich, ganz im Gegenteile erfährt der Hersteller so rechtzeitig von Sicherheitslücken, bevor diese Angreifern mit finsterer Agenda bekannt werden.

Weitere Nachrichten:

Google: Bessere VR-Aufnahmen durch Lichtfeldfotografie

Um das Seherlebnis mit Virtual-Reality-Headsets noch realistischer zu machen, experimentiert Google mit Lichtfeldfotografie . Dabei wird nicht nur das auf den Kamera-Sensor fallende Licht, sondern auch die Richtung der einfallenden Lichtstrahlen gespeichert. Die daraus resultierenden Aufnahmen beinhalten nicht nur Belichtungsinformationen sondern auch Informationen zur Bildtiefe. Mit Hilfe dieser Informationen kann der Fokuspunkt in einem mit Lichtfeldtechnik aufgenommenen Foto nachträglich verändert werden. Praktische Anwendung hat die Technik unter anderem bereits in den mittlerweile eingestellten  Lichtfeldkameras von Hersteller Lytro gefunden, nun soll sie auch die virtuelle Realität verbessern.

Wie Google erklärt, bieten mit Lichtfeldtechnik aufgenommene Fotos nicht nur Motion Parallax, sondern auch realistische Texturen und eine realitätsnahe Beleuchtung. VR-Headset-Nutzer sollen dabei ein noch stärkeres „Mittendrin-Gefühl“ erleben. Einen ersten Blick auf die neue Google-Technik können Besitzer von HTC Vive, Oculus Rift und Windows Mixed Reality Headsets ab sofort anhand einer kostenlosen App bei Steam VR werfen. In „Wevrlcome to Light Fields“ schauen sich Nutzer unter anderem in einem Wohnhaus und im Space Shuttle Discovery um.

Realisiert wurden die Aufnahmen über Googles Jump-Rig. In der Kamerahalterung sind 16 GoPro-Kameras kreisförmig angeordnet und nehmen so ein 360-Grad-Bild auf. Google hat aus der Kreisanordnung einen Bogen gemacht, der vertikal an einer rotierenden Plattform befestigt ist. Das Lichtfeld-Rig benötigt für eine Umdrehung etwa eine Minute. In dieser Zeit werden von den Kameras etwa 1000 Bilder aufgenommen, die im Anschluss zu einer Sphäre zusammengerechnet werden.

Amazon: Virtuelle Dash Buttons in Deutschland

Mit den Dash Buttons wollte Amazon den Kauf von Waren vereinfachen: Per Knopfdruck wird die Bestellung ausgelöst. Nun gibt es auch virtuelle Dash Buttons in der App, auf der Amazon-Webseite oder auf dem Echo Show. Prime Mitglieder können damit alle über Prime angebotenen Waren versandkostenfrei bestellen. Im Gegensatz zu den physischen Buttons können die Schaltflächen in der App auf Wunsch auch weitere Produktinformationen oder den tagesaktuellen Preis anzeigen. Die in der neuen Amazon-Sektion „Meine Dash Buttons“ untergebrachten virtuellen Dash Buttons lassen sich sortieren oder nach eigenen Wünschen beschriften. Bei regelmäßigen Einkäufen legt Amazon zudem selbst entsprechende Buttons an. Versehentliche Bestellungen können laut Amazon in einem Zeitfenster von 15 Minuten storniert werden. 

In den USA, Japan und Großbritannien werden die virtuellen Dash Buttons schon länger angeboten. Nun kommen sie auch nach Deutschland und Österreich. Um die physischen Amazon-Buttons gibt es derweil Streit: Laut Landgericht München sind die Knöpfe rechtswidrig , da sie vor dem Kauf nicht über den aktuellen Kaufpreis informieren. Amazon will gegen dieses Urteil in Berufung gehen. Die virtuellen Dash Buttons können diesen Einwand ausräumen, da sie den Kunden über Preis und bestellte Ware besser informieren.

Broadcom zieht Qualcomm-Übernahmeangebot zurück

Nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang der Woche die Übernahme des Chip-Produzenten Qualcomm durch den in Singapur ansässigen Technik-Konzern Broadcom blockiert hatte , hat Broadcom nun sein Übernahmeangebot zurückgezogen. In einer offiziellen Mitteilung zeigt sich Broadcom enttäuscht vom Ausgang seines Übernahmeversuchs und bedankt sich sowohl bei den Broadcom- als auch bei den Qualcomm-Anteilseignern für die Unterstützung. Broadcom zieht sein Übernahmeangebot in Höhe von 117 Milliarden US-Dollar mit sofortiger Wirkung zurück und stellt weitere Bemühungen ein. Die Nominierten für den Vorstand von Qualcomm zieht Broadcom ebenfalls zurück.

An den Plänen, die Broadcom-Zentrale in die USA verlegen zu wollen, hält der Konzern auch weiterhin fest. Trotz Mehrkosten von 500 Millionen US-Dollar im Jahr durch höhere Steuern, will Broadcom langfristig in den USA Fuß fassen. Die Tatsache, dass Broadcom seinen Hauptsitz in den USA hat, verschafft dem Konzern bei künftigen Übernahmen einen entscheidenden Vorteil. Dadurch gilt Broadcom nicht mehr als „ausländisches Unternehmen“ und fällt auch nicht mehr unter die Zuständigkeit des "Committee on Foreign Investment in the United States" (CFIUS). 

Das Komitee hatte die Übernahme von Qualcomm durch Broadcom in diesem Monat abgelehnt. Da Qualcomm nicht nur Chips produziere, sondern auch mit Regierungsbehörden zusammenarbeite, sei die Übernahme des Konzern durch ein ausländisches Unternehmen wie Broadcom eine Gefährdung für die nationale Sicherheit, hieß es in der Erklärung des CFIUS. Aufgrund dieser Bedenken hatte Präsident Trump in dieser Woche eine Sperre für die Übernahme verhängt.

Mac-Version von SoftMaker Office 2018 erschienen

Die aus Nürnberg stammende Office-Software SoftMaker vom gleichnamigen Hersteller ist ein vollwertiges Office-Paket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware. Nach einem längeren öffentlichen Beta-Test ist nun die finale Version in zwei Versionen zu haben – es handelt sich um die erste Mac-Version seit der Firmengründung 1987.

In Bedienung und Oberfläche erinnern die drei Office-Programme an ältere Office-Versionen, nach dem Start kann unter verschiedenen Oberflächendesigns gewählt werden. Ribbons oder herkömmliche Menüs sind auswählbar. Einen guten Ruf hat das Programm bei der Unterstützung von Office-Formaten, was nach unseren ersten Eindruck auch für die Mac-Versionen gilt. So werden die Formate PPTX, XLSX und DOCX nativ unterstützt, was den Dateiaustausch mit Office-Anwendern vereinfacht. Die Tabellenkalkulation PlanMaker unterstützt mit 350 Rechenfunktionen auch anspruchsvolle Tabellen und bietet 80 Diagrammarten.

Für 70 Euro erhält man die Standardversion, die Professional-Version kostet 100 Euro und beinhaltet zusätzlich den Duden Korrektor, eine besonders ausgereifte Rechtschreib- und Grammatik-Korrektur. Zusätzlich bietet die Professional-Version einige Duden- und Langenscheidt-Wörterbücher. Erstmals ist die Lösung auch als Abo-Version zu haben. Als SoftMaker Office Universal unterstützt das Paket Linux, Windows und macOS auf bis zu 5 Rechnern und kostet 7 Euro im Monat oder 70 Euro pro Jahr. Bei kommerzieller Nutzung gilt die Lizenz allerdings nur für eine Person, bei Privatanwendern für Mitglieder eines Haushalts.

Spotify: Testlauf für Sprachsteuerung unter iOS

Wer in  Spotify  einen bestimmten Song oder ein Album sucht, muss dafür recht lange navigieren. In der iOS-App experimentiert Spotify daher  mit einer Sprachsteuerung , die das Finden von Musik erleichtern soll. Derzeit wird die Möglichkeit zur Spracheingabe nur wenigen Nutzern angezeigt. Erste Tester sprechen jedoch von einer gelungenen Umsetzung. Die Sprachsuche findet sich hinter dem Lupen-Symbol im unteren Bereich der App. Dort taucht bei ausgewählten Nutzern ein Mikrofon-Icon auf, über das die Sprachsuche gestartet wird.

In einer kurzen Anleitung erklären die Macher, wie per Mikrofon nach Songs und Künstlern gesucht werden kann. Noch kann die Suche aber nur auf den Musik-Katalog von Spotify zurückgreifen. Wer etwa mehr über die Beatles erfahren möchte, landet aktuell nur bei einer Playlist der Band. Die Suchfunktion per Sprache dürfte viele Nutzer freuen, da Apple bislang eine Vernetzung von Spotify und Siri eher blockiert. Noch handelt es sich aber nur um einen Testlauf der Funktion. Ob und wann sie in die offizielle Version von Spotify Einzug halten wird, bleibt fraglich. Die Sprachsuche ist aktuell zudem nur in englischer Sprache möglich. Unter Android besteht über Google Assistant schon die Möglichkeit einer Sprachsuche innerhalb von Spotify. Dazu muss die App jedoch als Standard-Anwendung für die Musikwiedergabe aktiviert werden. 

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