2370500

Morgenmagazin vom Freitag, 17. August 2018

17.08.2018 | 07:00 Uhr |

ARM will in zwei Jahren Intel überholen +++ Homepod soll bald Stimmen unterscheiden +++ macOS Mojave auf alten Mac Pro – erste Nutzerberichte +++ Motorola P30: Dreiste Kopie von Apples iPhone X +++ Tesla: Whistleblower veröffentlicht Fotos von beschädigten Batterien +++ Rechtsstreit: Tinder-Gründer fordern Milliarden von Mutterkonzern

17. August: Silberscheibe

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Es ist wieder Freitag und Apple Music präsentiert uns in iTunes respektive der Musik App auf dem iPhone wieder einen neuen Mix von Songs, von denen die Algorithmen meinen, sie würden ganz gut zu unserem Geschmack und zu unserer Jahreszeit passen. Das ist eine feine Quelle für neue Musik, klar, man könnte auch so durch die Neuheiten des iTunes Store stöbern, aber viel Spannender ist es doch, Songs und Bands zu entdecken, die man bisher nicht auf dem Schirm hatte, die aber dennoch wunderbar zur eigenen Bibliothek passen. Und was in der Wiedergabeliste nicht gefällt wird entsprechend markiert und weg geklickt.

Für Musikfreunde ist das Streaming-Zeitalter ein Paradies. Zu den Kosten einer CD im Monat kann man aus einem fast unendlichen Pool schöpfen und sich das Beste aussuchen. Wenn das ein oder andere Album so manchen Künstlers weder bei Apple Music noch bei Spotify erhältlich ist, kein Problem. Der große Versandhändler hat es bestimmt zu einem fairen Preis im Angebot. In Sachen Musik müssen wir uns direkt an einen der Großen halten, anders als bei Büchern sind die kleinen Läden um die Ecke praktisch ausgestorben und die CD-Regale der Elektronikketten bieten kaum Mehrwert.

Dennoch erinnern wir uns gerne an die Zeit zurück, als wir stets knapp bei Kasse erst in Platten- später in CD-Regalen nach Neuheiten wühlten und uns eben nur eine oder zwei Alben pro Monat leisteten. Da war die Enttäuschung dann besonders groß, wenn nicht alle Songs so gefielen wie die bereits bekannte Single-Auskopplung oder sogar klar erkennbares Füllmaterial mit dabei war. Vor allem bei CDs hatte man zu befürchten, dass die Plattenfirmen den zusätzlichen Platz gegenüber Vinyl nach dem Motto "Viel hilft viel" ausnutzten und dann ein zu viel des Guten auf die silbrig glänzende Siliziumscheibe pressten.

Die allererste Musik-CD erschien heute vor 36 Jahren ohne qualitätsminderndes Bonusmaterial: ABBAs letztes Studioalbum "The Visitors", im Jahr zuvor bereits auf LP erschienen und heute auch bei Apple Music in Originalfassung und neu gemasterter Version erhältlich. Der Vorteil der CD, neben dem größeren Platzangebot: Sie ist gegenüber Schmutz oder Kratzern unanfälliger. Der Nachteil, neben dem größeren Platzangebot: Auch von CD hört man Algorithmen bei der Arbeit zu, die Musik ist darauf zwar digital gespeichter, aber erst komprimiert. Feine Ohren hören das von High-End-Anlagen, solange die Platte nicht verkratzt ist, für die meisten Hörer waren die Unterschiede aber kaum erkennbar. Heute wundern sie sich allenfalls, dass viele CDs aus der Frühphase des Formats ungewöhnlich leise klingen - diese Aufnahmen wurden dann eben nicht mehr für das Format nachträglich optimiert.

Einen ähnlichen Sprung hat man gegen Ende des CD-Zeitalters erfahren, der Mix war dann nicht mehr für Kompression in AAC oder MP3 geeignet. High-End ist Streaming auch heute nicht, allenfalls Tidal schreibt sich das auf die Fahnen. Aber das, was uns Apple Music heute vom Server abspielt, lässt sich recht gut anhören. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Prognose: ARM hat gestern Einblicke in seine CPU-Roadmap gegeben und dabei vorhergesagt, die für 2019 und 2020 geplanten Architekturen Deimos und Hercules für mobile Chips würden eine bessere Performance liefern als Intels Laptop-Chips. Das gibt Spekulationen über ARM-basierte Laptops neuen Auftrieb, vor allem Apple steht ja unter Verdacht, bald macOS-System auf ARM-Basis herauszubringen. Wie Engadget jedoch anmerkt, mögen die Ergebnisse von Benchmarks zwar beeindrucken, doch habe ARM den Vergleich mit Intels achter Generation der Core-Chips unterlassen. Die Leistungskurve ist zudem nur von einem synthetischen  Integer-Benchmark erhoben. Gleichwohl kämpfe Intel mit Problemen mit dem Zehn-Nanometer-Prozess, während ARM bereits von Fertigungen bei sieben und fünf Nanometern spreche.

Stimmen: Ein Nachteil des Homepod ist, dass er keine unterschiedlichen Stimmen erkennt und damit zu mehreren Accounts zuordnen kann. Wenn also die eifersüchtige Gattin Siri dazu anhält, die Nachrichten des womöglich treulosen Homepod-Nutzers vorzulesen, geschieht das ohne Rückfrage und mitunter mit unangenehmen Konsequenzen. Ein Patent, das Apple beim US-Patentamt eingereicht hat, weist aber darauf hin, dass Siri im Allgemeinen und der Homepod im Speziellen bald Stimmen unterscheiden und unterschiedlichen Profilen zuordnen kann. Damit würde auch einher gehen, dass der Homepod verschiedene Musikgeschmäcker bedienen könnte. Bis das Patent aber zu einem Produkt wird, kann es noch eine ganze Weile dauern.

Nachgelegt: Einen Tag nach den Entwicklern haben auch die Teilnehmer des Public-Beta-Tests die achte Vorabversion von iOS 12 erhalten. Diese kommt drei tage nach dem Rückzug der siebten Beta. die große Performanceprobleme mit sich brachte und die Apple deshalb zurückzog. In iOS 12 Beta 8 fehlt wie angekündigt Group Facetime, das neue Feature will Apple mit einem Update im Herbst nachliefern. Auch watchOS 5 (nur für Entwickler) und tvOS 12 bekommen die jeweils achte Beta, macOS Mojave bleibt derzeit bei Beta 7 stehen.

Einblick: Fremden ist der Zutritt zum Apple Park untersagt, allenfalls das Besucherzentrum kann man als Normalsterblicher in Augenschein nehmen. So ist man auf Leaks angewiesen, um ein Bild des modernen Bürogebäudes zu bekommen. Einen solchen Einblick gewährt nun eine höchste Stelle, Tim Cook persönlich über seinen Twitteraccount. Dort postete er ein aus einer Zeitrafferaufnahme entstandenes Gif, das die riesigen motorisierten Schiebetüren der Mensa des Gebäudes zeigt. Diese erstrecken sich über die gesamte Höhe und sind sogar noch etwas breiter, tausende Tonnen von Stahl und Glas. Die Mittagszeit bei Apple sei noch aufregender geworden, betitelt Cook das Bewegtbild.

Mit Stift: Die taiwanische Publikation Economic Daily News hat erneut die Spekulation verbreitet, dass die diesjährigen OLED-Modelle des iPhone den Apple Pencil unterstützen werden. Dies sei auch ein Distinktionsmerkmal gegenüber dem günstigeren LED-Modell. Mit dem Apple Pencil kann man bisher nur auf den iPad Pro schreiben und malen.

Weitere Nachrichten:

macOS Mojave auf alten Mac Pro – erste Nutzerberichte

Bei der Präsentation von macOS Mojave gab es für die Besitzer vieler alter Mac-Pro-Modelle eine gute Nachricht: Eigentlich unterstützt Apples neues System nur Macs ab 2012, Ausnahme sind allerdings die Mac-Pro Modelle Mitte 2010 (auch Mac Pro 5.1 genannt) und Mitte 2012. Bei diesen alten Desktop-Modellen kann man nämlich die Grafikkarte aufrüsten, die entscheidende Voraussetzung für Kompatibilität mit macOS 10.14. Im neuen System setzt Apple stark auf das Framework Metal, das von älteren Grafikkarten nicht unterstützt wird. Mittlerweile hat Apple auf seiner Seite auch zwei Grafikkarten genannt, die mit Mojave kompatibel sind: Die MSI Gaming Radeon RX 560 (ab 150 Euro)  und die Sapphire Radeon PULSE RX 580 .

Erste Versuche unter den Betaversionen von Mojave waren erfolgreich, laut Berichten auf Xlr8yourmac allerdings bisher nicht völlig problemlos. Ein häufiges Problem ist das Fehlen eines Bootscreens: Man sieht also sein Apple-Symbol, erst nach dem Start des Systems sieht man ein Bild. Grund ist, dass es sich bei den von Apple genannten Grafikkarten um Modelle von Drittherstellern ohne ein so genanntes Mac-Rom handelt. Leider ist dadurch der Wechsel des Bootmedium erschwert.

Allerdings kann man auch beim Einbau etwas falsch machen, so berichtet ein Anwender über Stabilitätsprobleme nach dem Einbau einer Sapphire Radeon RX 580 Nitro+ Special Edition in einen Mac Pro (5,1). Grund war, dass er die Karte sowohl per 6-Pin als auch 8-Pin-Kabel angeschlossen hatte. Nachdem sie nur noch per 8-Pin-Kabel an der Karte und per Splitter mit zwei 6-Pin-Anschlüssen mit dem Mac-Pro-Motherboard verbunden hatte, funktionierte sie problemlos.

Ein positiver Neben-Effekt: Auch die fünf Ports einer RX 580 Grafikkarte sind nutzbar und bis zu fünf Monitore können laut Berichten per Mac Pro betrieben werden. Hierzu liegen allerdings bisher keine Langzeiterfahrungen vor, etwa was Stabilitätsprobleme betrifft.

Nicht alle Nutzer sind allerdings zufrieden, so berichten manche Anwende r über Darstellungsprobleme „Glitches“ in Apple Fotos und Final Cut Pro – wenn auch nicht in anderen Programmen. Ärger scheint es ebenfalls  bei der Nutzung von mehreren Grafikkarten gleichzeitig zu geben. Vor allem was diese Darstellungsfehler betrifft, erwarten wir allerdings, dass Apple bis zum Erscheinen der finalen Version von macOS 10.14 noch einige Verbesserungen nachliefert.

Wenig Erfahrungen liegen dagegen bei der Nutzung von Nvdia-Grafikkarten vor.

Motorola P30: Dreiste Kopie von Apples iPhone X

Mit dem Marktstart des iPhone X hat Apple einen wahren Notch-Trend ausgelöst. Die kleine Display-Einsparung ist mittlerweile bei sehr vielen iPhone-Konkurrenten zu finden. Während andere Hersteller versuchen, auch weiterhin ihre eigen Designsprache zu verfolgen, bedient sich Lenovo bei seinem neuen Motorola P30 besonders dreist am iPhone-X-Design. So sind die Notch-Abmessungen beim Display des Mittelklasse-Smartphones nahezu identisch mit denen des Apple-Flaggschiffs. Lediglich am unteren Rand der Smartphone-Front ist zu erkennen, dass Motorola kein randloses Display verbaut. Das Gehäuse mit seinen abgerundeten Ecken erinnert ebenfalls stark an Apples iPhone X. Weitere Parallelen weist die Rückseite mit ihren seitlich untereinander angeordneten Kamera-Linsen auf.

Im Gehäuse des Motorola P30 werkeln ein Snapdragon 636 und 6 GB RAM. Das 6,2-Zoll-Display löst mit 2.246 x 1.080 Pixeln auf. Der interne Speicher ist wahlweise mit 64 oder 128 GB erhältlich und lässt sich per microSD-Karte erweitern. Als Betriebssystem kommt Android 8.0 zum Einsatz. Angekündigt wurde das Motorola P30 bislang nur für China. Dort ist das Smartphone ab umgerechnet 270 Euro erhältlich. Wann und ob das P30 auch nach Deutschland kommt, ist noch nicht bekannt.

Tesla: Whistleblower veröffentlicht Fotos von beschädigten Batterien

Martin Tripp, ein ehemals bei Tesla angestellter Verfahrenstechniker nutzt Twitter in dieser Woche als Enthüllungsplattform. Über den Micro-Blogging-Dienst twittert er Fotos, E-Mails und interne Tesla-Dokumente, die belegen sollen, dass Tesla mit Produktionsfehlern das Leben von Tesla-Besitzern gefährdet

Tripp ist kein Unbekannter . Er veröffentlicht bereits seit einigen Monaten besorgniserregende Interna von Tesla. Aus diesem Grund hatte der E-Auto-Hersteller den Ex-Mitarbeiter im Juni auf eine Million US-Dollar Schadenersatz verklagt. Das Unternehmen beschimpft Tripp als verärgerten Saboteur, der dem Ruf des Unternehmens schade. Er soll außerdem falsche Informationen über die Tesla-Produktion an die Presse gegeben und interne Systeme gehackt haben. Grund für seine wütenden Aktionen sei die Tatsache, dass die Tesla-Chefetage ihn bei einer Beförderung übergangen habe. Tripp hingegen beharrt darauf, dass Tesla bei der Produktion seiner E-Autos schlampt und CEO Elon Musk von den Missständen in den Fertigungsstätten weiß.

Mit seinen heutigen Tweets veröffentlicht Tripp Fahrgestellnummern von Tesla-Modellen, in denen Batterien mit beschädigten Zellen verbaut wurden, die nie hätten installiert werden dürfen. Tripps Fotos sollen außerdem zeigen, dass Tesla in seiner Gigafactory Abfälle und Schrott auf einem Parkplatz im Freien anstatt in einer klimatisierten Lagerhalle unterbringt.

Tesla reagierte umgehend auf Tripps Anschuldigungen. Von einem offiziellen Sprecher hieß es, Tripps Anschuldigungen seien schlichtweg falsch. In allen genannten Fahrzeugen seien sichere und unbeschädigte Batterien verbaut. Bislang habe es bei keinem einzigen Model 3 Batterie-Sicherheitsprobleme gegeben.

Rechtsstreit: Tinder-Gründer fordern Milliarden von Mutterkonzern

In dieser Woche haben zehn ehemalige Tinder -Mitarbeiter – darunter auch die drei Gründungsmitglieder Sean Rad, Jonathan Badeen und Justin Mateen – vor einem Gericht in New York Klage gegen den Tinder-Mutterkonzern Match Group und den Internet-Konzern IAC/InterActiveCorp eingereicht. In der 55-seitigen Klageschrift behaupten die Kläger, die Match Group habe Finanzdaten manipuliert und sie so um Aktienoptionen gebracht. Die Match Group habe mit den Klägern vertraglich eine Beteiligung mit Wertsteigerung vereinbart. Durch die frisierten Zahlen sei ihnen eine Summe von rund zwei Milliarden US-Dollar entgangen. Die Klageschrift wirft außerdem dem Manager Greg Blatt sexuelle Belästigung der Marketing-Leiterin Rosette Pambakian während einer Weihnachtsfeier vor zwei Jahren vor.

Der Internetkonzern IAC, der 80 Prozent der Anteile an der Tinder-Mutter Match Group hält, weist sämtliche Vorwürfe von sich. In einer Stellunahme des Unternehmens gegenüber dem "Wall Street Journal" heißt es nur bissig, einigen ehemaligen Mitarbeitern scheine es nicht zu gefallen, dass Tinder nach ihrem Ausscheiden so erfolgreich gewesen sei. IAC freue sich darauf, seine „Position vor Gericht zu verteidigen“.

Macwelt Marktplatz

2370500