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Morgenmagazin vom Freitag, 20. Juli 2018

20.07.2018 | 07:01 Uhr |

Siri-Gründer verlässt Apple +++ Google will Android durch Fuchsia ersetzen +++ Vier schnelle Ports auch am 13-Zoll Macbook Pro +++ APS-C-Sensor: Fujifilm stellt neue Edelkompakte XF10 vor +++ Carlsberg: KI kann Biersorten unterscheiden +++ Samsung soll faltbares 7-Zoll-Smartphone 2019 für 1500 Dollar verkaufen +++ Terrafugia: Fliegendes Auto ab 2019 erhältlich

20. Juli: Donnermond

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Die heutige Bauernregel zu St. Margarete klingt nicht gut: "Gegen Margareten und Jakoben die stärksten Gewitter toben." Nun ja, was die Wetteraussichten für das Wochenende betrifft, sieht es wirklich nicht gut aus, aber bis St. Jakob am 25. Juli sollte sich die Lage wieder beruhigt haben. Der Juli ist nun einmal der Monat, in dem in unseren Breiten die meisten Gewitter hernieder gehen, aber ob das nun wirklich sich auf den 20. des Monats und die Tage danach konzentriert, geben historische Wetterdaten nicht her. Dennoch hat der Juli-Vollmond seinen Namen von eben dem Wetterphänomen: Donnermond.

Am heutigen Tag des Mondes richtet sich unser Blick aber auf den nächsten Freitag, an dem der Mond wieder voll sein wird, also als Donnermond am Himmel steht. Noch dazu in der ersten Nachthälfte (unsere Längen) blutrot: Denn im Schatten der Erde gerät über die Atmosphäre des blauen Planeten noch genügend rotes Licht auf den Trabanten, dass er auch bei einer totalen Finsternis rot leuchtet und nicht mehr weiß. Das wird nächste Woche also ein Spektakel, mit 103 Minuten dazu die längste Mondfinsternis des 21sten Jahrhunderts. Noch dazu steht Mars, der rote Planet, an jenem Abend scheinbar in der Nähe des Mondes - und in Wirklichkeit also auch in Opposition zur Sonne, der Nachbar leuchtet also besonders hell. Wäre fein, wenn an jenem Abend Donner und Blitz fern blieben …

Am heutigen Tag des Mondes fällt der Blick aber auch zurück, denn der Gedenktag hat einen konkreten Anlass: Heute vor 49 Jahren spazierten erstmals Menschen auf dem Mond, in kleinen Schritten, die einen so großen Sprung für die Menschheit hätten bedeuten sollen. Der Optimismus von 1969, dem Neil Armstrong mit von Arthur Miller vorgegeben Worten Ausdruck gab, war ein wenig verfrüht. Was sucht die Menschheit auf dem Mond, was auf den Mars, auf dem heute vor 42 Jahren mit Viking 1 erstmals eine Sonde erreichte?

Die Antwort liegt auf der Hand: Sich selbst und einem Ausweg aus dem Dilemma, das sie sich selbst geschaffen hat. Denn erst von außen betrachtet, etwa aus der Entfernung von einer Lichtsekunde, sieht man, wie verletzlich und einzigartig unser Heimatplanet wirklich ist. Dieser Perspektivwechsel gelingt nicht jedem, zumal manche Leute immer noch daran glauben, dass die Landung von Apollo 11 eine Hollywoodproduktion war.

Wenn menschliche Gier und Unvernunft die Lebensgrundlagen der Spezies auf dem Planeten vernichtet, bleibt den wirklich verständigen Sapiens womöglich nur die Flucht. In eine lebensfeindliche Umgebung, wie man sie anders nicht kennt. Der Mond selbst wäre bei dieser Fernreise dank seiner niedrigen Gravitation wohl nur eine Art Sprungbrett für die Reise zum Mars. Doch bis dieser dem menschlichen Leben, wie wir es heute kennen, Heimat geben könnte, würden selbst aus der Sicht von Technikoptimisten mindestens 100.000 Jahre vergehen.

Immerhin ist der Mars auf einer größeren Zeitskala eindeutig im Vorteil. Wenn in etwa einer bis eineinhalb Milliarden Jahren aufgrund einer immer stärker strahlenden Sonne kaum noch Leben auf der Erde möglich sein wird, rückt der Mars in die sogenannte habitable Zone und das für zwei bis drei Milliarden Jahre.

Welche Namen unsere fernen Nachfolger dann den Monden in bestimmten Monaten geben werden? Immerhin hat der Mars gleich zwei Begleiter, die ihren Namen aus der griechischen Mythologie erhalten haben: Phobos und Deimos - Angst und Schrecken. Da ist die Aussicht auf einen zünftigen Donnermond mit Mondfinsternis schon gleich gar nicht mehr so wild. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

Personalie: Mit Tom Gruber hat der letzten der drei Siri-Gründer Apple überlassen, weiß The Information zu  berichten. Der 59-jährige wolle sich "persönlichen Interessen widmen", heißt es weiter: Fotografie und Rettung der Ozeane. Gruber war zuletzt als Chef der Siri Advanced Development Group beschäftigt. Erst kürzlich hatte Apple mit John Giannandrea einen neuen Vorstand für Siri und Machine Learning installiert. Apple hatte Siri im Jahr 2010 übernommen, die beiden Mitbegründer Dag Kittlaus und Adam Cheyer, die mit Gruber nach Cupertino gekommen waren, hatten dem Unternehmen bereits in den Jahren 2011 und 2012 den Rücken gekehrt. Apple muss fortan auch auf die Dienste des bisherigen Head of Search Vipul Ved Prakash verzichten, berichtet die Publikation weiter.

Klage: Apple hat sich einer weiteren Patentklage zu erwehren, Kläger ist diesmal eine Firma aus Singapur, die Asahi Chemical & Solder Industries Pte Ltd. Diese wirft dem iPhone-Hersteller vor mit einer Reihe von Produkten ein Patent aus dem Jahr 2001 zu verletzen, das ein bleifreies Lötverfahren beschreibt. Im speziellen nennt Asahi die iPhone Modelle 7, 7 Plus, 8 , 8 Plus und X in seiner Klage. Eine konkrete Forderung über die Höhe des Schadensersatzes erhebt das Unternehmen noch nicht.

Eines für alle: Seit zwei Jahren arbeitet Google an dem Projekt Fuchsia, das als Betriebssystem mittelfristig Android ablösen soll. Bloomberg deckt einige Hintergründe auf: So plane Google etwa, Fuchsia umfassender aufzustellen und alle Arten von Geräten damit betrieben zu können. Angefangen von Smartphones, aber auch Smartspeaker und sogar Laptops, die heute mit Chrome OS arbeiten, sollen mit Fuchsia laufen. Dabei setze das System verstärkt auf KI und Spracheingabe. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte das Projekt so weit gediehen sein, doch schätze man es als schwierig ein, die Android-Welt zum Wechsel bewegen zu können.

Verbesserung im Detail: Die achte Generation der Intel-Core-Prozessoren in den neuen Macbook Pro haben für 13-Zoll-Modell eine wesentliche Konsequenz: Da sie bis zu 16 PCI-Express-Spuren unterstützen, sind die vier Thunderbolt-Anschlüsse nun alle auf maximale Geschwindigkeit ausgerichtet. Die Modelle von 2016 und 2017 hatten an den Ports an der linken Seite nicht die volle Geschwindigkeit zur Verfügung gestellt und auf der rechten Seite nicht die volle Bandbreite. Diese Einschränkungen bestehen nun nicht mehr, bestätigt Apple.

Knapp: Die iPhones des Jahrgangs 2018 sollen mit einem 18-Watt-Ladeadapter kommen, der eine USB-C-Buchse bietet. Mit dem passenden Kabel lassen sich darüber auch ältere iPhones aufladen, doch als separates Zubehör wird das Gerät erst einmal nicht erhältlich sein, berichtet Macotakara. Denn Apple könne nur für die neuen iPhones ausreichende Stückzahlen produzieren, erst zu einem späteren Zeitpunkt könne man auch die Nachfrage nach zusätzlichen Geräten decken.

Weitere Nachrichten:

APS-C-Sensor: Fujifilm stellt neue Edelkompakte XF10 vor

Kompaktkameras mit APS-C-Sensor wie die Coolpix A und Rigoh GR sind noch immer eine Seltenheit und relativ kostspielig, bieten dafür aber eine exzellente Bildqualität und Lichtstärke. Fujifilm hat jetzt eine neue Variante dieser Kamera-Sorte vorgestellt, die vergleichsweise günstige 500 Euro teure Fujifilm XF10 basiert auf einem 24,2 Megapixel-Sensor der X-Serie im DSLR-Format. Aus Platzgründen hat die Kamera wie ihr Vorgänger die X70 eine Festbrennweite von 28 mm mit der Brennweite F2,8. Die Brennweite kann aber per „Telekonverter“ auf 35 mm und 50 mm umgeschaltet werden. Geboten werden ein festes Touchscreendisplay und zahlreiche Bildformate und Foto-Filter. Wi-Fi-Apps sind meist äußerst unkomfortabel, bei der neuen Kamera könnte Fuji eine komfortable Kommunikation zwischen Smartphone und Kamera gelungen sein: Eine Remote App sorgt per Bluetooth für die automatische Verbindung zwischen Smartphone und Kamera, Steuerung und Aufruf der Fotos ist möglich. Fotos überträgt die Kamera dann per WLAN.

Videos sind in 4K-Auflösung möglich, dann aber nur mit 15fps. Typisch für Kameras dieser Art: Die kürzeste Fokusdistanz ist mit 10 cm relativ groß und es gibt keine Bildstabilisation. Mit einem Gewicht von 279 Gramm inklusive Akku ist die Kamera relativ leicht und mit den Maßen 11,2 x 6,4 x 4,1 (B/H/T) recht kompakt. Verfügbar ist die Kamera in zwei Farbvarianten.

Carlsberg: KI kann Biersorten unterscheiden

Die Carlsberg Brauerei will KI dafür nutzen, um den Geschmack von neu kreierten Biersorten voraussagen zu lassen. Die dänische Brauerei betreibt seit 1876 ein Forschungslabor für die Bier-Herstellung. Doch Künstliche Intelligenz im Zusammenspiel mit Sensoren ist ein völlig neuer Weg für die Brauer, um den Geschmack neuer Biersorten zu überprüfen; seit sechs Monaten beschreiten die Brauer diesen neuen Pfad.

Bei diesem Beer Fingerprinting Project geht es darum bekannte Zutaten wie zum Beispiel Hefe neu miteinander zu kombinieren oder auch komplett neue Zutaten einzuführen und dann den Geschmack des so neu geschaffenen Bieres vorherzusagen.

Das Problem ist nämlich, dass die Brauerei ständig neue Mischungen ausprobiert und davon zunächst einmal nur kleine Mengen herstellt. Diese wenige Mikroliter umfassenden Neukreationen alle auf klassischem Weg auf ihren Geschmack zu testen ist aufwändig und schwierig, in der Regel müssten die Brauer von Anfang an bereits etwas größere Mengen herstellen, um die Neuschöpfungen vernünftig testen zu können. Deshalb stecken die Carlsberg-Brauer nun Sensoren in das Gebräu und lassen die erfassten Werte von Algorithmen auf Cloudservern berechnen. Das klappt bereits bei sehr kleinen Mengen, so dass die Brauerei von Mischungen, die nicht gut schmecken, gar nicht erst größere Mengen herstellen muss. Nur von solchen Mischungen, deren KI-basierte Analyse ergibt, dass sie vielversprechend sind, kann Carlsberg dann größere Mengen produzieren.

Für die Herstellung der Sensoren arbeitet Carlsberg mit der Aarhus Universität zusammen. Mit der Technischen Universität von Dänemark wiederum erprobten die Brauer, wie sie die Sensoren in den Fermentierungsprozess integrieren können. Und Microsoft steuert über seine Cloud-Plattform Azure die KI und die Machine-Learning-Algorithmen bei, mit denen die Sensordaten auf Aroma und Geschmack ausgewertet werden. Als Ausgangsbasis dient die DNA der einzelnen Hefe, die bereits vorliegen. Damit hat die Brauerei die Datenbank auf den Azure-Servern gefüttert.

Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt. Noch wagen es die Brauer nicht eine endgültige Aussage über die Zuverlässigkeit der neuen Methode zu machen. Aber zumindest scheint jetzt schon festzustehen, dass die Sensoren zusammen mit der KI zwischen einigen Pils-Sorten unterscheiden können, nämlich zwischen Carlsberg beers, Carlsberg Pilsner, Tuborg Pilsner, Wiibroe und Nordic. Das Fernziel besteht darin zu jeder Kombination einen geschmacklichen Fingerabdruck zu erstellen, mit dem sich der Geschmack neuer Kombinationen schneller voraussagen lässt.

Samsung soll faltbares 7-Zoll-Smartphone 2019 für 1500 Dollar verkaufen

Die Gerüchte verdichten sich, dass Samsung Anfang 2019 ein faltbares Smartphone in den Verkauf bringen wird. Das berichtet das Wall Street Journal. Das Smartphone soll im ausgeklappten Zustand einen ungefähr 7 Zoll großen Touchscreen besitzen. Der Bildschirm besteht auf zwei Hälften, die sich aus- und zusammenklappen lassen. Das Projekt mit dem zusammenklappbaren Smartphones hört intern auf den Codenamen „Winner“, wie das Wall Street Journal aus gut informierten Kreisen erfahren haben will.

Auch an der Außenseite des Gerätes soll sich eine Art Bildschirm befinden, wie The Verge erläutert. Um diese beiden Bildschirme mit Strom versorgen zu können, muss Samsung einen sehr großen Akku verbauen. Mit dem Akku-Desaster des Galaxy Note 7 im Hinterkopf sind die Ingenieure von Samsung hier besonders gefordert.

Das „Winner“-Smartphone soll über 1500 US-Dollar kosten, was grob den bisherigen Gerüchten zum Preis entsprechen würde. Damit liegt es deutlich über den iPhone X und dem kommenden Samsung Galaxy Note 9 und dem Samsung Galaxy S9. Samsung zielt mit dem ambitionierten Geräte nicht auf den Massenmarkt, sondern will damit Nischen besetzen. Zum Beispiel soll das faltbare Smartphone die Zielgruppe Gamer ansprechen.

Sollte Samsung tatsächlich ab 2019 sein erstes faltbares Smartphone verkaufen, dann würde eine lange Reihe von Gerüchten ihr Ende finden. Denn davon, dass die Südkoreaner ein faltbares Smartphone vorstellen wollen, ist schon seit einigen Jahren die Rede. Bereits für 2018 war einmal von dem Verkaufsstart die Rede.

Terrafugia: Fliegendes Auto ab 2019 erhältlich

Das 2006 von MIT-Absolventen gegründete und in Massachusetts ansässige Unternehmen Terrafugia will 2019 fliegende Autos auf den Markt bringen. Konkret geht es dabei um die zweisitzige Mischung aus Auto und Flugzeug namens Transition . Noch müssen letzte Tests durchgeführt werden, das Flugauto ist aber ansonsten serienreif. Beim Einsatz als Auto werden die Tragflächen nach oben geklappt. Zwar sieht man dem Fahrzeug auch dann noch an, dass es sich eigentlich um ein Flugzeug handelt, es soll jedoch trotz sechs Meter Länge wie ein normales Auto agieren. Als Antrieb dient ein Hybridmotor, der auf der Straße rein elektrisch arbeitet und über 100 Kilometer pro Stunde schaffen soll. 

Die Verwandlung in ein Flugzeug dauert laut Hersteller maximal eine Minute. In dieser Zeit werden die beiden Tragflächen mit einer Spannweite von acht Metern ausgeklappt. Start und Landung sind zwar theoretisch überall möglich, erlaubt ist dies jedoch nur auf Flugplätzen. In der Luft kommt das Hybridfahrzeug Transition auf eine Reisegeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde. Die Reichweite des Verbrennungsmotors liegt bei 640 Kilometern. Noch steht kein Preis für das Flugauto Terrafugia Transition fest. Erst im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen vom chinesischen Konzern Geely aufgekauft.

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