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Morgenmagazin vom Freitag, 21. Dezember 2018

21.12.2018 | 07:15 Uhr |

Qualcomm siegt vor Gericht: Apple zieht iPhone 7 und 8 aus seinen deutschen Stores zurück +++ Transparency Report wird ausführlicher +++ Corel übernimmt Parallels +++ Google Lens erkennt nun eine Milliarde Gegenstände +++ Kim Dotcom kann gegen Auslieferung in Berufung gehen +++ London Gatwick: Drohnen legen Flughafen lahm +++

21. Dezember: Weihnachten naht

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Wintersonnenwende. Auf ihrer scheinbaren Bahn um die Erde steht heute die Sonne um 12.07 Uhr auf dem südlichen Wendekreis im Zenit. Das passiert in Namibia, nähe der Walfischbucht. Dann ist auf der Südhalbkugel der astronomische Sommer angebrochen und bei uns im Norden eben der Winter. Nach und nach werden die Tage bei uns wieder länger, auch wenn es ein paar Wochen dauern wird, bis man davon etwas merkt. 

Aber das feiern wir - natürlich nicht nur das. Weihnachten beschert den meisten von uns und Ihnen nun zwei Wochen, in denen man sich nicht bei der größten Dunkelheit aus dem Haus quälen muss und erst dann wieder zurück kehrt, wenn es längst wieder duster ist – wenn wir am 7. Januar 2019 uns wieder an die Arbeit zurück begeben, ist es schon wieder ein klein wenig erträglicher.

Für die beiden kommenden Wochen geht das Macwelt-Morgenmagazin in eine kleine Pause, wir legen aber auf der Website macwelt.de keineswegs Winterschlaf ein. Freuen Sie sich über die Feiertage über jede Menge aus dem Archiv geholte und aktualisierte Ratgeber. Vor allem aber präsentieren wir ab dem 26. Dezember einen ausführlichen Rückblick auf das zurückliegende Jahr mit all seinen Neuheiten rund um Apple, seine Produkte und Services. Sie als Abonnent von Macwelt Plus können dazu in der App oder unter magazin.macwelt.de digitale Ausgaben mit den besten und wichtigsten Artikel zu  den Themen wie der Mac, das iPhone und das iPad im Jahr 2018 lesen.

Natürlich lassen wir Sie in der Zwischenzeit nicht völlig uninformiert, sollten sich in Cupertino oder anderswo im Sillicon Valley und anderen Standorten der IT-Welt wichtige Neuerungen ergeben, abonnieren Sie doch gleich noch unseren täglichen Newsletter , sofern Sie das noch nicht getan haben. Einmal oder zweimal am Tag erfahren Sie darin, was sich auf der Macwelt regt. Und vergessen Sie nicht: Unser Adventskalender öffnet noch bis Montag Türchen, Sie können noch jede Menge interessante Preise gewinnen.

Wir wünschen Ihnen allseits Frohe Weihnachten, entspannte Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

Rückzug : Apple reagiert auf das Urteil des Landgerichts München I, das Qualcomm im Patentstreit im Recht sieht und das vom Chiphersteller geforderte Verkaufsverbot für einige ältere iPhone-Modelle verhängt hat. Das iPhone X verkauft Apple ohnehin nicht mehr, die Modelle iPhoine 7 (Plus) und iPhone 8 (Plus) werde Apple aber aus seinen 15 Stores in Deutschland zurückziehen. Die neuen Modelle des Jahrgangs 2018, iPhone XS, XS Max und XR bleiben im Handel. Ein ähnliches Urteil in China hatte Apple mit einem Softwareupdate umgangen, Qualcomm ist jedoch der Ansicht, dieses wirke nicht, um die Patentverletzung aufzuheben. Apple zeigt sich enttäuscht von dem Urteil und hat Berufung angekündigt, alle iPhones bleiben über 4300 Verkaufsstellen bei Carriern und Handelspartnern verfügbar, kündigt das Unternehmen an. Über das Urteil hoch erfreut zeigt sich Qualcomm-Rechtsvorstand Don Rosenberg. Zwei Gerichte hätten unabhängig voneinander festgestellt, dass Apple Patente verletze und den Wert der Schutzschriften für Qualcomm bestätigt. Der  Chiphersteller sieht sich aber selbst heftigen Gegenwind ausgesetzt, die Vorwürfe von Apple und anderer Hersteller, Qualcomm würde mit unfairen Praktiken ein Quasimonopol bei Funkmodems errichten, werden noch vor Gericht verhandelt. Während der Fall China für Apple kompliziert sein könnte, ist Deutschland nicht so entscheidend für den Verkaufserfolg. Die Bernstein-Analystin Stacy Rasgon rechnet mit 10 Millionen verkauften Einheiten pro Jahr, etwa die Hälfte entfiele auf ältere Modelle. Doch könnte Qualcomm durchaus noch versuchen, den Bann auf Reseller und vor allem auf die neuen Modelle auszuweiten, die bei Beginn des Prozesses noch nicht einmal angekündigt waren. Für Apple ergibt sich daraus zweierlei: Früher oder später wird sich der iPhone-Hersteller wieder zähneknirschend auf die Lizenzforderungen Qualcomms einlassen müssen, bei der Entwicklung künftiger iPhones wird Apple versuchen, so weit wie nur irgendwie möglich die Technologien des einstigen Partners zu vermeiden. Chips für Mobilfunk liefert schon heute Intel, Apple hat in Qualcomms Heimatstadt San Diego eine Niederlassung eröffnet, in der Apple selbst Funkchips entwickeln will - mit der Hilfe ehemaliger Qualcomm-Ingenieure. Die Urteile in China und München könnten sich für Qualcomm durchaus als Pyrrhus-Siege erweisen.

Von wegen : Apple hat in dieser Woche gegenüber The Verge erklärt, manche iPad Paro kämen leicht verbogen aus der Fabrik, das sei aber kein Problem, da sich die Biegung nicht verstärke. Nutzbar bleiben die Tablets und außerhalb der üblichen 14-tägigen Rückgabezeit gibt es keinen Anlass für den Austausch des Gerätes. Leif Johnson hält von Apples Erklärung rein gar nichts. Sehr wohl könne ein verbogenes iPad Pro nicht sein Produktversprechen einhalten. Wenn dann das Smart Folio Keyboard, das sich gewissermaßen um das ipad Pro wickelt, wegen der Biegung nicht mehr passt, was dann? Und beim Schreiben und Zeichnen stört es enorm, wenn das Tablet nicht flach auf dem Tisch aufliegt. Apple sollte gewiss nicht so nonchalant über das Problem hinwegsehen, zumal es wohl auch Fälle gebe, bei denen sich eine Verbiegung erst nach einer geraumen Zeit zeige. Dann müsse die Garantie greifen oder zumindest die Garantieverlängerung AppleCare+.

Bericht geändert : Apple legt jedes Jahr zweimal offen, wie oft Behörden nach Userdaten fragen und welchen gerichtlichen Anordnungen Apple nachkommt. Diesen sogenannten Transparency Report hat Apple im Jahr 2018 in einer neuen Art dargelegt – ein Stück weit transparenter. Hier nimmt sich Apple ein Beispiel an Google und Microsoft, die ebenso wie Apple in den letzten Jahren immer mehr Anfragen von Strafverfolgern erhielten und diese detailliert auflisten. Apples bisheriger kompakter Report bleibt bestehen, zusätzlich gibt Apple aber interaktiv Auskunft über Art der Anfragen und aus welchen Ländern sie kommen, ebenso sind in der neuen Version Trends leichter ersichtlich. Apple bietet selbst die Rohdaten pro Land zum Download an. Die meisten Anfragen kommen aus Deutschland, 13.704 Fälle, die Daten von 26.160 Geräten forderten. Vor allem handele es sich hier um Anfragen nach gestohlenen Geräten und kaum um geheimdienstliche Ermittlungen. Insgesamt sind in der zweiten Jahreshälfte 2018 die Anfragen um 9 Prozent weltweit angestiegen.

Das Beste zum Schluss: Jahresrückblick, x-ter Teil. Diesmal nimmt sich unsere US-Schwester Macworld die besten Spiele des zu Ende gehenden Jahres für iPhone und iPad vor. Einige hatten wir an dieser und an anderer Stelle bereits erwähnt, etwa Alto's Odyssey, The Room oder Reigns: Game Of Thrones. Aber auch andere Titel sind die Nominierung zu den Spielen des Jahres wert, etwa den 2D-Plattformer Oddmar, die Städtebausimulation Pocket City oder das eskapistische Stardew Valley. Und Fortnite ist natürlich auch dabei.

Weitere Nachrichten:

iPhone-Verbot auch in Deutschland? Qualcomm siegt vor Gericht

Viel Aufsehen hatte ein Verkaufsverbot von iPhones in China erregt, aber auch in Deutschland laufen mehrere Prozesse von Qualcomm gegen Apple wegen Patentverletzungen. In zwei dieser Verfahren hat jetzt das Landgericht München I zugunsten Qualcomms entschieden . Betroffen sind die Modelle iPhone 7, 7 Plus, 8, 8 Plus und X, die Apple laut Urteil weder Anbieten noch in „Inverkehrbringen" darf. Die Urteile (7 O 10495/17 und 7 O 10496/17) sind noch nicht rechtskräftig, bei Zahlung einer Sicherheit in Höhe von jeweils 668,4 Mio. Euro darf aber Qualcomm ab sofort gegen Apple vorgehen („vorläufige Vollstreckbarkeit“) und den Verkauf der genannten Modelle verbieten. Die Sicherheitsleistung fiel laut Gericht deshalb so hoch aus, da durch die Rückruf- und Vernichtungsansprüche hohe Umsatzeinbußen bei Apple möglich wären.

Maßgeblich für das Verkaufsverbot der Modelle ist ein Chip der US-Firma Qorvo, der laut Urteil gegen Qualcomm-Patente verstößt und in den genannten iPhone-Modellen verbaut ist. Die Modelle iPhone XR und XS sind offenbar nicht betroffen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, Apple kann noch Berufung beim OLG München einlegen. Vermutlich wird aber Qualcomm die Sicherheiten stellen und kann danach ein Verkaufsverbot erwirken. Zusätzlich besteht sogar ein Anspruch auf Schadenersatz. Die Höhe der Schadenersatzansprüche wird aber erst noch ermittelt.

Zur Urteilsbegründung gab es von dem Landgericht einige Details: Wie jetzt das Landgericht München 1 entschieden hat, handelt es sich um eine Patentverletzung durch Apple, betroffen ist das Europäische Patent 2 724 461 („Stromversorgung für elektrische Verstärker“). Es wurde keine Kartellrechtsverletzung erkannt, auch die Berufung auf Lizenzierungen von Zulieferern hatten keinen Erfolg. Aussetzungsanträge wegen eines Einspruchsverfahrens wurden ebenfalls nicht akzeptiert. Der Hersteller Qorvo hatte behauptet, das man durch „envelope tracking“ ein eigene Technologie verwende, die das Qualcomm-Patent nicht verletzte. Davon ließ sich das Gericht nicht überzeugen.

Im März 2019 werden noch zwei weitere Verfahren verhandelt, weitere Verfahren wurden verschoben.

Unsere Meinung : Pech für Apple, nach unserer Einschätzung wird Qualcomm die hohen Sicherheitsleistungen gerne bezahlen, um ein Verkaufsverbot zu erwirken. Da es sich anders als beim Fall in China um einen verbauten Chip handelt, wird auch ein Softwareupdate keine Abhilfe schaffen können. Das Urteil erhöht aber weiter den Druck auf Apple, die Lizenzbedingungen Qualcomms zu akzeptieren – und womöglich seine Klage dagegen fallen zu lassen.

Corel übernimmt Parallels

Jetzt ist es offiziell: Der vor allem für Produkte wie Corel Draw und WinZip bekannte Softwarehersteller Corel hat die Firma Parallels übernommen . Die komplette Produktlinie von Parallels soll ab sofort von Corel angeboten werden. Dazu gehören neben der bekannten Virtualisierungssoftware Parallels Desktop die Tool-Sammlung Parallels Toolbox, die Remote-Lösung Parallels Access, Parallels Management für Microsoft SCCM und der Parallels Remote Application Server (RAS).

Laut Rob Amen, Managing Director von Vector Capital, habe sich Corel als "außergewöhnliche Plattform für Akquisitionen" erwiesen. Die Private Equity-Firma Vector Capital hatte Corel 2009 komplett übernommen, weitere Aufkäufe waren 2012 Roxio und 2016 Mindjet Mindmanager. Laut Corel sind bedeutende Investitionen in Parallels geplant, durch Nutzung gemeinsamer Stärken sieht der Softwarehersteller große Wachstumsmöglichkeiten

Google Lens erkennt nun eine Milliarde Gegenstände

Googles mit einer KI verbundene Kamera-Tool Google Lens launchte im vergangenen Jahr als vorläufige Erweiterung von Google Photos und dem Google Assistant. Wird das Live-Bild der Smartphone-Kamera beispielsweise auf Pflanzen oder Tiere gerichtet, soll Google Lens diese automatisch erkennen und zuordnen. Die KI zeigt dann beispielsweise die Hunderasse oder die Baumart an.

Während Google Lens zum Launch nur etwa 250 Mio. Objekte zuordnen konnte, ist diese Zahl mittlerweile auf eine Milliarde angestiegen. Das teilte Google in dieser Woche in einem Blogbeitrag mit. Google hat die KI in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Smartphone-Fotos von Nutzern sowie Produkten aus Google Shopping gefüttert. Google Lens erkennt laut dem Suchmaschinen-Konzern nun außerdem Menschen und geometrische Formen. Als nützlich für Geschäftskontakte erweist sich die Foto-Funktion für Visitenkarten. Die darauf hinterlegten Daten werden auf Wunsch automatisch den Kontakten hinzugefügt. Die KI macht es Nutzern außerdem möglich, sich automatisch mit einem WLAN-Netzwerk zu verbinden, indem sie das Hersteller-Label ihres Routers fotografieren. Dieses Feature hatte Google bereits im Rahmen der Google I/O 2017 vorgestellt.

 

Kim Dotcom kann gegen Auslieferung in Berufung gehen

Der umstrittene Unternehmer Kim Dotcom soll nach aktueller Rechtslage von Neuseeland in die USA ausgeliefert werden. Nun hat das Oberste Gericht Neuseelands entschieden, dass Dotcom Berufung gegen dieses Vorhaben einlegen kann. Der seit 2010 in Neuseeland lebende Deutsche wehrt sich schon seit 2012 gegen seine Auslieferung. Mehrere Kläger in den USA werfen ihm Copyright-Betrug und Geldwäsche mit seiner Tauschplattform Megaupload vor. 

Voraussichtlich kann Dotcom im nächsten Jahr vor dem Supreme Court von Neuseeland um eine Anhörung bitten. Damit könnte der im Februar 2017 ergangene Beschluss des neuseeländischen Gerichts, Dotcom wegen begangener Betrugsvergehen in die USA auszuliefern , doch noch aufgehoben werden. In den Vereinigten Staaten würden dem Betreiber und einigen seiner Kollegen lange Gefängnisstrafen drohen. Die mit Megaupload generierten Werbeeinnahmen und Abogebühren ließen die Kassen bei Kim Dotcom klingeln. Zeitweise war Megaupload für vier Prozent des gesamten Internetverkehrs verantwortlich. Angeboten wurden meist urheberrechtlich geschützte Dateien wie Filme und Musik. Da diese meist von den Nutzern selbst hochgeladen wurden, berief sich Dotcom auf die Vertraulichkeit dieser Daten. Nach mehreren Jahren drohten jedoch zahlreiche Gerichtsverfahren, was zu seiner Ausreise nach Neuseeland führte.

 

London Gatwick: Drohnen legen Flughafen lahm

Der Flughafen London Gatwick hat seinen Flugbetrieb seit gestern Abend ausgesetzt . Der Grund: Wiederholt wurden am gestrigen Abend, in der Nacht und am Morgen Drohnen in der Nähe des Flugfeldes gesichtet. Gegen 21 Uhr am gestrigen Mittwoch erfolgte die erste Sperrung, die in der Nacht um 3 Uhr aufgehoben wurde. Wenige Minuten später drehten jedoch erneut zwei Drohnen am Flugfeld ihre Runden. Aus diesem Grund ist der gesamte Flugverkehr nun seit 3:45 Uhr erneut gesperrt. 

Am heutigen Donnerstag sollten eigentlich 115.000 Passagiere an einem der größten Flughäfen von Großbritannien abgefertigt werden. Viele von ihnen saßen in der vergangenen Nacht und am Morgen über mehrere Stunden in ihren Flugzeugen fest, weil diese nicht starten konnten. Eingehende Flüge wurden auf andere Flughäfen in Großbritannien und Europa umgeleitet.

Erst in diesem Jahr waren in Großbritannien neue Regeln für Drohnenbesitzer in Kraft getreten. Demnach ist es strafbar, sich dem Flughafengelände auf weniger als einen Kilometer mit einer Drohne zu nähern. Gefährdet der Drohnenpilot gar ein Flugzeug durch sein Manöver, drohen bis zu fünf Jahre Haft. Ob die Drohnenpiloten in London Gatwick bereits gefasst wurden, ist noch nicht bekannt.

 

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