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Morgenmagazin vom Freitag, 25. August 2017

25.08.2017 | 06:59 Uhr |

Apple baut für 1,3 Mrd. USD Rechenzentrum in Iowa +++ Experte: Project Titan hat drei Jahre Rückstand auf Googles Waymo +++ Neuer Chip kann Haut in gewünschtes Gewebe verwandeln +++ Ex-CIA-Agentin will Trump von Twitter verbannen +++ Samsung integriert Steam Link in Smart-TVs +++ Apple warnt Pro-Apps-Nutzer vor Inkompatibilität mit High Sierra

25. August: The Flame

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Diese Woche Samsung das Galaxy Note 8 vorgestellt und wir mussten uns schon sehr zusammenreißen, um nicht Schlagzeilen zu verbreiten, die an das Desaster des Vorgängers erinnerten. Zum Beispiel "Samsungs neuer Dauerbrenner" oder "Heiße Ware aus Korea" oder "Wir sind für das neue Note 8 ganz Feuer und Flamme". Die Kollegen der PC-Welt entschieden sich dann doch gegen die Vorschläge der Macwelt-Redaktion und betitelten den Test des neuen Samsung-Flaggschiffs recht nüchtern. Wir als Nutzer von Apple-Produkten sollten aber gerade heute ein wenig stiller sein, denn auch wir sind gebrannte Kinder.

Am 25. August 1995 waren wir noch ganz Feuer und Flamme für das von Apple an jenem Tag herausgebrachte Powerbook 5300, den ersten Mobilrechner mit dem seinerzeit für Apple brandneuen PowerPC-Prozessor. Anfangs hielten wir das für ganz besonders heiße Ware aus Cupertino, bis sich diese in der Tat als brandgefährlich erwies. Nicht nur für Anwender, sondern auch für Apple selbst. Denn was Cupertino in der Spätphase der Jobs-losen Zeit da zusammenbauen ließ, konnte die geschürten Erwartungen bei weitem nicht erfüllen. Die verwendeten Materialien und die Verarbeitung waren minderwertig, viele Geräte kamen bei den Kunden als DOA-Fall an: Dead On Arrival. Zu allem Überfluss gab es auch noch Berichte über spontane Entzündungen respektive thermischen Durchgehens der Akkus.

Apple musste zwar nicht das Modell komplett aus dem Handel ziehen wie über zwanzig Jahre später Samsung sein Großbildschirmhandy, der Imageschaden für die Rückrufaktion war aber groß, eine Preissenkung unvermeidlich, das Powerbook 5300 ging als einer der größten Flops in die Firmengeschichte ein.

Dabei hat es doch mehrmals die Welt gerettet, wenn auch nur auf der Leinwand. So nutzte Geheimagent Ethan Hunt in seiner ersten Mission Impossible ein  Poewrbook 5300. Leider hatte Apple es versäumt, sich Rechte auf Einfluss auf das Screenplay zusichern zu lassen, so war nicht das Mac-System im Film zu sehen, sondern eine Kommandozeilenoberfläche, in der Hunt alias Tom Cruise einhackte, wie Cult of Mac anmerkt.

Ein Jahr später aber konnten Kinobesucher die echte Oberfläche des Mac-Betriebssystems bestaunen und sich vor allem darüber wundern, dass Jeff Goldblum innerhalb weniger Filmminuten herausfindet, wie man einen Virus programmiert, der den Zentralcomputer des Mutterschiffs der außerirdischen Angreifer außer Gefecht setzt. Aber gut, Will Smith hat in der gleichen Zeit in Independence Day gelernt, ein Kampfschiff der interstellaren Heuschrecken zu steuern.

Das Powerbook 5300 hatte trotz seines kommerziellen Desasters noch einige weitere Auftritte in Hollywood, etwa in den Filmen "The Saint", "Vulcano" oder "Kopfgeld". Genau solche Maßnahmen sollten den Verkauf des Produkts stützen, und dann konnte Apple wegen der Mängel in der Produktion nicht ausreichend liefern. Immerhin kam dann schon im Oktober 1996 mit dem Powerbook 1400 der Nachfolger des glücklosen ersten mobilen PowerMacs, ein bisschen weniger heiß, aber unproblematisch. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Vorbild : Brandheiße Witze über das Galaxy Note 8 macht unser Macworld-Kollege Michael Simon indes nicht, im Gegenteil hat ihn das neue Top-Modell von Samsung überzeugt. Das Note 8 sei das Produktivitäts-Smartphone, von dem er wünschte, dass es das iPhone 8 würde - aber das kann ja noch so kommen. Recht ungern muss Simon zudem einräumen, dass er nach den Erfahrungen mit dem Note 8 nun auch gerne für das iPhone einen Eingabestift wünscht - dem wird Apple aber kaum nachkommen. Doch sollte Cupertino sich sehr wohl mit anderen Funktionen des Note 8 vertraut machen, meint der Autor. Etwa die Dockingstation DeX, mit der man das Handy schnell an einen größeren Bildschirm anschließen und auf diesem weiter arbeiten könne. Oder den Sprachassistenten Bixby, der weit kompliziertere Aufgaben erledigen könne als sein Pendant Siri. Es bleibt gewiss noch viel zu tun für Apple.

Rückstand : Mögen Stifte und Dockingstationen Geschmackssache sein und Apple hier nicht unbedingt nachziehen müssen, besteht beim Project Titan aber wirklich Aufholbedarf - schließlich hat Apple allem Anschein auch später als etwa Google mit derartigen Entwicklungen begonnen. Konkret sei der Konkurrent aus Mountain View aber schon vor drei Jahren an dem Punkt gewesen, an dem Apple heute stehe, behauptet gegenüber Business Insider eine nicht namentlich genannte Quelle. Diese Person sei Beiden Projekten vertraut und sehe nun Apple in einer Aufholjagd begriffen. Nach einer Umorientierung vor einem guten Jahr mit zahlreichen Entlassungen heuere Apple aber wieder neues Personal an. Ein eigenes Auto sei längst nicht mehr das Ziel, stattdessen habe Apple Transportdienstleister wie Uber im Visier.

Der Preis ist heiß: Eins ist klar - billig wird das neue iPhone nicht. Die Frage bleibt allenfalls bezüglich des Einstiegspreises offen: Wird es Apple schaffen, die 1000-Dollar-Marke zu unterschreiten? Das Galaxy Note 8 dürfte Apple gerade dazu zwingen. Und genau den magischen Preis von gerade einmal nicht 1000 US-Dollar werde Apple mit seinem neuen Premiummodell aufrufen, meint in der New York Times der Autor Brian X. Chen. Dies habe er aus Quellen erfahren und gewissermaßen ist das nichts Neues, schon seit Wochen drehen sich die Spekulationen um 999 US-Dollar oder eben doch höher. Chens eigentliches Thema ist aber, was ihn und viele andere nun schon seit zehn Jahren am iPhone festhalten lässt, auch wenn der Reiz des Neuen längst verflogen ist und Apple das Smartphone eher evolutionär weiter entwickelt hat. Chen nennt aber ein paar konkrete Gründe: Die hohe Sicherheit des Systems, Apples Fokus auf Privatheit, der nahtlose Zusammenhalt des Apple-Ökosystems und nicht zuletzt das hohe Vertrauen in die Marke Apple. An sich nichts Neues, aber alles gute Gründe, für ein neues iPhone 999 US-Dollar und mehr verlangen zu können.

Offiziell : Was wir gestern an dieser Stelle bereits berichtet, hat Apple nun bestätigt und neue Detials genannt. Das nächste Apple-Rechenzentrum werde im Vorort Waukee der Hauptstadt des US-Bundesstaates Iowa, Des Moines, gebaut. Die Anlage werde zu 100 Prozent auf erneuerbare Energie setzen und fast vier Hektar groß sein. Apple lasse sich die Anlage 1,3 Milliarden US-Dollar kosten, während der Bauphase werde sie 550 Jobs bieten. 100 Millionen US-Dollar zahle Apple zudem in einen Fonds ein, den die Gemeinde für die Entwicklung ihrer Infrastruktur aufgelegt hat. Vor allem Nutzer von Sri, Apple Music, iMessages und anderer Cloudservices in Nordamerika werden von dem Ausbau der digitalen Infrastruktur Apples profitieren. Warum es in Iowa sein muss, hat mehrere Gründe, erklärt der Des Moines Register. Der Staat im mittleren Westen bietet viele unbebaute Flächen, relativ günstigen Zugang zu erneuerbaren Energien und Anschluss an schnelles Glasfasernetz. Die Gegend ist zudem sehr sicher vor Erdbeben. Hinzu kommen aber auch Lockmittel der Regierung in Form von Steuererleichterungen. Wie viel Apple zugesagt wurde, wollen die Behörden nicht sagen. Die Washington Post spekuliert jedoch über einen Betrag von rund 200 Millionen US-Dollar, damit Apple 50 dauerhafte Arbeitsplätze schaffe, wenn das Rechenzentrum fertig ist.

Nummer Eins: Der Markt von Wearables wird in den kommenden Jahren immer wichtiger und für Zubehör der  zweitgrößte hinter Headsets, schreiben die Marktforscher von Gartner. Apple werde bis zum Jahr 2021 weiterhin die Marktführerschaft innehaben, wenngleich der Anteil von heute einem Drittel auf ein Viertel in vier Jahren sinken werde. Im gleichen Zeitraum werden Wearables immer komplexer, aus einfachen Fitnessarmbändern raffiniertere Konstrukte. So soll etwa auch Fitbit planen, eine Smartwatch auf den Markt zu bringen. Der Markt erweitere sich auch aber in Richtung des Luxussegments und auch hinsichtlich Geräten für Kinder.

Weitere Nachrichten

Neuer Chip kann Haut in gewünschtes Gewebe verwandeln

Forscher der Ohio State University haben einen Nanochip entwickelt, der DNA in lebende Hautzellen einschleusen kann. Die so veränderten Zellen beginnen dann mit der Bildung anderer Gewebearten. Bei Mäusen konnten die Wissenschaftler auf diese Weise schon Blutgefäße und Nervenzellen züchten. Erste Versuche an Menschen sollen schon 2018 beginnen. 

Für die Experimente am Menschen muss der bei Mäusen fingernagelgroße Chip auf die halbe Größe einer Kreditkarte anwachsen. Dennoch sei eine kommerzielle und kostengünstige Fertigung möglich. Mit der Haut muss der Chip nur maximal eine Sekunde in Kontakt stehen. Die Bildung der gewünschten Zellen beginnt dann Tage oder Wochen nach der Behandlung. Komplexe Organe lassen sich mit der Technik wohl aber nicht züchten. Veränderungen am Gehirn seien sogar gefährlich, da der Nanochip zu starke elektrische Impulse aussendet.

Ex-CIA-Agentin will Trump von Twitter verbannen

Die regelmäßigen Twitter-Beiträge von Donald Trump scheinen die ehemalige CIA-Agentin Valerie Plame Wilson so aufgebracht zu haben, dass sie den US-Präsidenten von Twitter verbannen will. Am Wochenende twitterte sie : „Wenn die Twitter-Vorstände Trumps Gewalt und Hass nicht abstellen, liegt es in unseren Händen.“

Über die Crowd-Funding-Plattform GoFundMe will sie rund eine Milliarde US-Dollar sammeln, um die Mehrheitsanteile an Twitter zu kaufen und den Account des US-Präsidenten zu sperren. So erfolgreich wie erhofft, ist Wilsons Kampagne jedoch nicht. In sieben Tagen wurden bislang nur knapp 37.000 US-Dollar von Unterstützern eingesammelt. Das Spendenziel von einer Milliarde US-Dollar scheint in unerreichbarer Ferne. Das Weiße Haus amüsiert sich inzwischen über Wilsons Misserfolg. Die geringe Teilnahme zeige, dass die Bevölkerung Trumps Tweets möge, erklärte Sprecherin Sarah Huckabee Sanders in dieser Woche.

Mit der knapp 60 Euro teuren Box Steam Link können Spiele von einem PC auf einen beliebigen Bildschirm mit HDMI-Eingang gestreamt werden. Der südkoreanische Hersteller Samsung integriert die Streaming-Lösung von Valve nun in seine Smart-TV-Geräte. Passend dazu gibt es im Samsung Smart Hub eine kostenlose App für Steam Link zum Download. Damit können PC-Spiele ohne zusätzliche Hardware am Fernseher gespielt werden. 

Fernseher und Spiele-PC müssen sich hierzu in gleichen WLAN befinden. Alternativ lassen sich die Games vom Spiele-PC auch über eine LAN-Verbindung an den Fernseher übertragen. Die passende App steht für alle Samsung Smart TVs der Jahrgänge 2016 und 2017 zur Verfügung. Steam Link ist kompatibel zu allen auf Steam angebotenen Spielen. Die Berechnung der Spielwelt erfolgt auf dem PC, nur das komprimierte Bild wird an den Fernseher übertragen.

Apple warnt Pro-Apps-Nutzer vor Inkompatibilität mit High Sierra

Mehrere Nutzer, die die professionellen Anwendungen von Apple in Gebrauch haben, erhalten seit Kurzem Info-Mails von dem Entwickler. Darin warnt Apple, dass ältere Versionen von Final Cut, Logic Pro etc. ab macOS High Sierra nicht mehr starten können. Daher empfiehlt Apple ein Update auf eine neuere Version. Die genaue Liste mit den Programmen und den Mindest-Versionen führt Apple in einem neuen Support-Dokument auf:

  • Final Cut Pro X 10.3.4 oder höher

  • Motion 5.3.2 oder höher

  • Compressor 4.3.2 oder höher

  • Logic Pro X 10.3.1 oder höher

  • MainStage 3.3 oder höher

Die meisten von den Apps hat Apple im Frühling 2017 aktualisiert, bei Software-Kompatibilität macht der Entwickler als einen deutlich härteren Schnitt als bei der Hardware. Dies ist wohl ein Zwischenschritt bei der Vorbereitung auf macOS 10.14, denn ab dieser Version werden keine 32-Bit-Programme funktionieren. Daher haben wir in unserem High Sierra Tester eine Prüfung auf diese Art der Programme eingebaut.

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