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Morgenmagazin vom Freitag, 27. Juli 2018

27.07.2018 | 07:13 Uhr |

Analystin: LCD-iPhone verspätet sich um einen Monat +++ Apple Watch legt zu +++ Qualcomm: Nur noch Intel-Modems in kommenden iPhones? +++ Facebook-Aktie stürzt ab und verliert über 20 Prozentpunkte +++ AMD steigert Umsatz um über 50 Prozent +++ Samsung zeigt flexibles, unzerbrechliches Handy-Display +++

27. Juli: Helden im Hintergrund

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Besonders aber all denen, die als Systemadministratoren tagaus, tagein und manchmal auch mitten in der Nacht dafür arbeiten, unsere Computersysteme und IT-Infrastrukturen aufrecht zu erhalten. Das ist weit schwieriger, als wir Nutzer meinen, denn der Satz "Never touch a running a system" ist so verkehrt, wie es nur sein kann. Kein Computer und kein Netz sind völlig ohne Fehler und Lücken und so permanent Gefahren ausgesetzt. Und sei es die Gefahr, dass wegen eines Stromausfalls, eines defekten Bauteils oder eines an der falschen Stelle abgebrochenen Programms die Systeme einfach mal für Stunden oder Tage still stehen.

Einen Systemadministrator bemerkt man in der Regel erst dann, wenn etwas kaputt ist und macht ihn daher entweder für den Fehler selbst oder für dessen zögerliche Behebung verantwortlich. Aber man lobt und preist ihn nicht, wenn alles funktioniert. Weil wir eben glauben, alles liefe von selbst und der SysAdmin könne ohnehin nur pfuschen.

Mit dieser Einstellung sollte Schluss sein, insbesondere heute. Der letzte Freitag im Juli ist der System Adminstator Appreciation Day und wurde als solcher im Jahr 2000 vom SysAdmin Ted Kekatos erfunden. Der Legende nach war es eine Anzeige des Druckerherstellers Hewlett-Packard, der Kekatos darauf brachte, auch den SysAdmin zu feiern: Auf der gedruckten Seite bedankten sich Mitarbeiter einer fiktiven Firma ihrem SysAdmin mit Blumen und Geschenkkörben bei diesem, da er einen HP-Drucker installiert hatte, für den die Anzeige werben sollte.

Unseren Systemadministratoren sind wir jedenfalls sehr dankbar dafür, dass sie uns mit Geräten von Apple ausstatten. iPhone, iPad, Macbook (Pro) und iMac - ohne das geht es bei der Macwelt natürlich nicht. Aber auch aus Eigennutz statten immer mehr IT-Abteilungen Firmenmitarbeiter mit Macs statt PCs aus. Wie der Spezialist für Systemadministration Jamf herausgefunden hat, ist die Wartungsanfälligkeit von Macs deutlich geringer als von PCs - und die Nutzer kommen in der Regel auch schneller von selbst auf die Lösung.

Leider hat Apple zuletzt Produkte veröffentlicht, mir deren Folgen selbst der beste Systemadministrator überfordert ist. Kaum ist das Macbook Pro 2018 heraus, muss man schon wieder ein Update erstellen. Oder die Macbook Pro von 2016 einschicken, damit sie eine neue Tastatur bekommen. Gut gemeint war das Design sicherlich, so flach und leicht wie das Macbook Pro ist kein vergleichbares Gerät. Aber offenbar zu flach für gewisse Anwendungen. Und das Trackpad ist dann auch noch zu groß - auch das war nur gut gemeint, wir erinnern uns, wie oft uns bei Drag-and-drop der Platz ausgegangen ist. Dafür springt jetzt der Cursor unvermittelt in ganz andere Textbereiche, weil wir mit dem Handballen mal wieder auf das Trackpad gelangt haben. Apple sagt, wir müssen unsere Technik ändern und den Handballen gleich auflegen, dann würde das nicht passieren - schönen Dank auch!

Wobei über das Trackpad als solches überhaupt nichts einzuwenden ist. Heute ist es acht Jahre her, dass Apple mit dem Magic Trackpad ein Eingabegerät auf den Markt gebracht hat, das neue Welten auf dem Mac eröffnet. Touch fähig sind iMac und Co nach wie vor nicht, mit dem Trackpad kann man aber doch einige sinnvolle Funktionen nutzen, die Apple aus der iOS-Welt auf den Mac geholt hat. Schade eigentlich, dass das Magic Trackpad extra kostet, immerhin ist es im Apple Store auch in der für den iMac Pro konzipierten schwarzen Variante zu haben. Fragen wir mal in der IT-Abteilung nach, ob sie uns eines bestellen. Nachdem wir die Blumen und Geschenkkörbe vorbeigebracht haben, natürlich. Peter Müller

Lesetipp für den Freitag

Gestiegene Nachfrage: Dass SysAdmins in Unternehmen immer mehr mit Apple-Produkten zu tun bekommen, vor allem mobilen, liegt an der Nachfrage der Angestellten, legt der Enterprise Services Director des Apple-Distributors Jigsaw24, Tariq Saied für das ITProPortal dar. Drei Viertel der Mitarbeiter würden, wenn sie die Wahl hätten, im Büro lieber einen Computer, ein Tablet und ein Smartphone von Apple nutzen, die zunehmende Nutzung von privaten Geräten (BYOD)  in der Firma hat ohnehin den Weg für Apple-Infrastrukturen gebahnt. Es ist nicht nur so, dass Apple sich verstärkt auf Unternehmen konzentriert, sondern hat umgekehrt auch dafür gesorgt, dass Unternehmen mehr auf ihre Mitarbeiter sehen und deren Bedürfnisse berücksichtigen.

Zuwachs : Apple nennt weiterhin keine Verkaufszahlen für die Apple Watch, so muss man den mehr oder minder akkuraten Zahlen der Marktforscher Glauben schenken. Recht zuverlässige Zahlen liefert stets Canalys, das für das zweite Quartal 3,5 Millionen weltweit verkaufte Apple Watches meldet, 30 Prozent mehr als im letzten Jahr im gleichen Zeitraum. Insgesamt hätten sich im Juni-Quartal 10 Millionen Smartwatches verkauft, Fitbit und Garmin sind zwei wesentliche Player, die durch eine Diversifizierung ihres Portfolios den unterschiedlichen Bedürfnissen der Käufer Rechnung tragen. Apples Marktanteil ist von 43 auf 35 Prozent gesunken. In Asien ist vor allem die LTE-Fassung der Apple Watch populär.

Unterschätzt: Einen Monat nach dem Start des App Store gewährte Steve Jobs dem Wall Street Journal ein seltenes Interview, das dieses sogar aufzeichnen durfte und dieser Tage als Tondokument und Transkript veröffentlicht hat. Darin nennt Jobs nicht nur erste Zahlen - 60 Millionen Apps hatten bis dahin die Anwender herunter geladen - sondern schätzt die Möglichkeiten des Angebotes ein. Dabei hat den App Store kräftig unterschätzt, den dieser könne "eines Tages" ein Milliarden-Geschäft sein. Apple hat an Entwickler mittlerweile 100 Milliarden US-Dollar ausbezahlt. Der App Store sei "nur" etwas wie der iTunes Store für den iPod, eine Möglichkeit, zusätzliche Inhalte für das Gerät zu kaufen. Jobs selbst gehörte auch zu den ersten Käufern von Dritthersteller-Apps, er hatte sich etwa Yelp auf sein iPhone geladen und - am Vorabend der Eröffnung der Olympischen Spiele von Peking - ein Mandarin-Phrasenwörterbuch.

Verspätet : Die beiden neuen iPhones mit OLED-Bildschirm werde Apple schon im September auf den Markt bringen, das LCD-iPhone komme aber später, schreibt Morgan-Stanley-Analystin Katy Huberty in einer Anlegernotiz. Der Grund für die Verspätung bis vermutlich Oktober seien Lecks im LED-Backlight, welche die Produktion um einen Monat verzögern würden. Man habe die Verzögerung aber immerhin bereits von sechs auf vier Wochen reduzieren können. Vermutlich wird Apple aber im Herbst keine zwei iPhone-Keynotes ansetzen, sondern wie im Vorjahr nur eine – auch das iPhone X kam erst mit Verspätung in den Handel. Wir tippen auf den 12. September als Termin des Special Events.

An der Spitze: Der Musikstreamingdienst Spotify hat neue Zahlen vorgelegt. Mittlerweile kann sich das Unternehmen auf 83 Millionen zahlende Kunden verlassen, ein Zuwachs von satten zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Weitere Nachrichten:

Qualcomm: Nur noch Intel-Modems in kommenden iPhones?

Trotz vieler juristischer Auseinandersetzungen hat Apple in seinen iPhones immer Modems von Qualcomm verbaut, erst in den neueren Modellen kamen teilweise LTE-Modems vom Konkurrenten Intel hinzu. Wie jetzt Qualcomm in einer Telefonkonferenz zu seinem dritten Geschäftsquartal berichtet, wird sich dies ändern. In seiner für diesen Herbst erwarteten iPhone-Baureihe soll Apple laut Qualcomms CFO George S. Davis komplett auf Qualcomm-Modems verzichten. Man kann annehmen, dass Apple dann auf den Hersteller Intel setzen wird. Für ältere Modelle wird das Unternehmen aber weiterhin Module liefern und der Hersteller vertraut auf seine technologische Führung.

Qualcomm weist auch immer wieder darauf hin, dass seine LTE-Modems leistungsfähiger als die der Konkurrenz seien, was Messungen Dritter bestätigen. Die Firma erwartet deshalb, dass Apple bald wieder ein Kunde werden wird. Interessant: Bei kleineren Zulieferern hat eine solche Ankündigung bereits hohe Verluste an der Börse ausgelöst. Angesichts guter Geschäftszahlen stieg die Aktie von Qualcomm dagegen sogar um etwa vier Prozent.

Facebook-Aktie stürzt ab und verliert über 20 Prozentpunkte

Facebook vermeldet erstmals seit jahrelangem scheinbar unaufhaltsamem Wachstum recht enttäuschende Quartalszahlen. Während die Nutzerzahl von Facebook in Asien weiter wächst, stagnieren die Zahlen in den USA. In Europa sind die Nutzerzahlen sogar rückläufig, hier ist die Zahlen der täglich aktiven Nutzer von 282 auf 279 Millionen gesunken. Die rückläufigen Zahlen in Europa sind sicherlich mit dem Cambridge-Analytica-Fiasko, aber auch mit der Verunsicherung durch die neue DSGVO zu begründen.

In den USA und in Kanada stagniert die Zahl der täglich aktiven Nutzer bei 185 Millionen. Im Asien-Pazifik-Raum sowie dem „Rest der Welt“ konnte Facebook Steigerungen aufzeigen und auch generell steigende Nutzerzahlen melden. Die täglich aktiven Nutzer stiegen von 1,449 auf 1,471 Milliarden an, monatlich stiegen die Nutzerzahlen von 2,196 auf 2,234 Milliarden.

Der Umsatz stieg um 42 Prozent auf 13,2 Milliarden US-Dollar und der Gewinn wuchs um 31 Prozent auf 5,1 Milliarden US-Dollar, meldete Facebook. Analysten gingen hier jedoch von 13,4 Milliarden aus. Im Quartal zuvor lag das Wachstum noch bei 49 Prozent. Mit diesen Zahlen blieb Facebook also hinter den Erwartungen der Anleger zurück. Die Märkte reagierten auf die Facebook-Quartalszahlen dementsprechend heftig. So verlor die Aktie zeitweise 23 Prozent und büßte so innerhalb von nur ein paar Stunden 150 Milliarden US-Dollar Marktwert an der Börse ein.

Weitere Details und Zahlen des Quartals finden Sie hier.

AMD steigert Umsatz um über 50 Prozent

AMD konnte für das zweite Quartal 2018 gute Zahlen vorlegen. Insgesamt erwirtschaftete AMD einen Umsatz von 1,756 Milliarden US-Dollar und generierte daraus einen Gewinn von 116 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr betrug der Umsatz 1,222 Milliarden US-Dollar mit einem Verlust von etwa 16 Millionen US-Dollar.

Die Gewinn-Steigerung liegt vor allem an den guten Ryzen- und Radeon-Verkäufen, und auch dank der höheren Nachfrage an Spielekonsolen konnte AMD deutlich mehr Chips absetzen als noch im Vorjahr.

Die Computing und Graphics Desktop-Sparte konnte um 64 Prozent von 661 Millionen US-Dollar auf 1,086 Milliarden US-Dollar zulegen. Die hohen Steigerungen können einerseits den Veröffentlichungen der CPUs Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X zugeschrieben werden, aber auch der lang anhaltende Mining-Boom mit den daraus resultierenden Grafikkarten-Verkäufen trägt seinen Teil dazu bei. Auch AMDs Raven Ridge Mobile wird immer häufiger in Notebooks verwendet.

In AMDs Semi-Custom-Segment stieg der Umsatz um 37 Prozent von 490 Millionen US-Dollar auf 670 Millionen US-Dollar an. In dieser Sparte verkauft AMD zum Teil Chips für die Playstation 4 oder die Xbox One, verschiedene Embedded-CPUs sowie Epyc-CPUs für Server.

Für das nächste Quartal erwartet AMD ebenfalls einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden US-Dollar. Das wäre gegenüber dem Vorjahr ein leichter Zuwachs.

Samsung zeigt flexibles, unzerbrechliches Handy-Display

Samsung hat einen faltbaren OLED-Bildschirm für Smartphones vorgestellt , den das Unternehmen als "unzerbrechlich" bezeichnet. Das Produkt besitze auch bereits eine Zertifizierung durch UL (Underwriters Laboratories) und fertig für den Einsatz in Produkten für den Markt. Zusätzlich zu Smartphones könne das Display auch beispielsweise bei portablen Spielekonsolen, in Fahrzeugen, Tablet-PCs oder mobilen, militärischem Gerät zum Einsatz kommen.

Das flexible OLED-Panel bestehe aus einem unzerstörbaren Substrat und einer darüber liegenden Oberfläche aus verstärktem Kunststoff. Im Gegensatz dazu werde bei bisherigen flexiblen Bildschirmen eine Glas-basierte Oberfläche eingesetzt, die bei starker Belastung brechen könne.

Die UL hat im Dauertest die Unzerbrechlichkeit des flexiblen OLED-Panels gemäß des militärischen Standards des US-Verteidigungsministeriums festgestellt. Nach Falltests, die 26 Mal hintereinander aus 1,2 Metern Höhe durchgeführt wurden, und begleitenden Hoch- (71 Grad) und Tieftemperaturtests (-32 Grad), funktionierte das unzerbrechliche Panel von Samsung normal weiter, ohne seine Vorderseite, Seiten oder Kanten zu beschädigen. Dadurch erhielt das Panel die entsprechende Zertifizierung. Auch den Falltest aus einer größeren Höhe von 1,8 Metern habe das Display ohne Anzeichen eines Schadens bestanden.

In der Praxis fällt einem Smartphone-Besitzer ein Gerät natürlich auch mal aus noch größerer Höhe auf den Boden. Dann könnte es natürlich dennoch zu Schäden kommen, selbst wenn Samsung die "Unzerstörbarkeit" betont.

Gerüchten zufolge könnte Samsung mit dem Galaxy F ein erstes Smartphone mit faltbarem Display vorstellen. Bisher ging man von der Bezeichnung Galaxy X aus.

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