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Morgenmagazin vom Freitag, 5. Mai 2017

05.05.2017 | 06:55 Uhr |

Lizenzstreit: Qualcomm droht mit Importstopp für iPhones +++ Apple jetzt Marktführer bei Wearables +++ Phishing: Vorsicht vor angeblicher WhatsApp-E-Mail +++ Microsoft will wieder Smartphones bauen +++ Apple exklusiv: Schwebende Kameradrohne mit HD-Video +++ China entwickelt eigenes Wikipedia +++ Billigeres iPhone 6 mit 32 GB nun in Deutschland

5. Mai: Europa

Wir wünschen allseits Guten Morgen! An diesem Wochenende steigt in Europa das Endspiel. Nein, nicht das der Europa League, das ist für den 24. Mai in Stockholm angesetzt. Die europäische Championsleague kürt in diesem Jahr ihren Sieger am 3. Juni in Cardiff, der europäische Sängerwettstreit namens ESC steigt am 13. Mai in Kiew, wo es nächstes Jahr schon wieder ein europäisches Endspiel gibt, das der besten Fußballteams. Nein, das Endspiel ist eines, das in der Tat das Ende Europas, so wie wir es kennen und schätzen, herbeiführen könnte: Die Stichwahl in Frankreich. Aber auch wenn der Europa und seinen Institutionen wohl gesonnene Kandidat gewinnt, muss man mit dem nächsten Finale im Jahr 2022 rechnen. Es sei denn, der einst von Kriegen geplagte Kontinent besinnt sich allmählich wieder auf die Wichtigkeit seiner Werte, die sieben Jahrzehnte des Friedens und Wohlstands gebracht haben.

Gewiss kann man über Demokratiedefizite der derzeitigen Institutionen diskutieren, die Folgen sollten aber nicht weniger Europa sein, sondern eher mehr. Die österreichische Politologin Ulrike Guérot beschreibt in einem Interview mit derStandard.at , wie ein Europa der Bürger aussehen könnte: Eine grenzüberschreitende Republik mit einem starken Parlament und einer zweiten Kammer ähnlich dem US-Senat, in der aus jeder Region zwei Vertreter die Politik der Europäischen Republik mitbestimmen. Gewissermaßen Vereinigte Staaten von Europa und kein loser, auf Wirtschaftsinteressen basierender Bund von Nationalstaaten. Denn die Idee der Nation habe nach zwei bis drei Jahrhunderten allmählich ausgedient.

Es waren am 5. Mai 1949 aber zunächst zehn Nationen, die nicht ganz vier Jahre nach dem Ende des verheerendsten Krieges der bisherigen Geschichte den Europarat gründeten, mittlerweile gehören dieser Institution, die heute ihren Europatag begeht, 47 Länder an - also fast alle in Europa. Der Europarat gründet zwar auf einer ähnlichen Idee wie die Europäische Union, ist mit dieser aber nicht identisch, was man ja schon an der Zahl der Mitglieder erkennt - zu denen auch Russland und die Türkei gehören. Anders als die Institutionen der EU hat der Europarat aber wenig Einfluss auf die Politik und die Wirtschaft seiner Mitglieder, das Ziel "den engeren Zusammenschluss unter seinen Mitglieder zu verwirklichen", wie es in der Satzung heißt, ist ein offenes und somit stets neue verhandelbares. Zurück in den Nationalismus darf es auf dem Kontinent aber nicht mehr gehen. Trost ist das keiner, aber falls Eurozone und EU tatsächlich implodieren, besteht dieses Gremium unabhängig weiter, mit unverrücktem Ziel.

Die Europäische Union begeht ihren Europatag übrigens am 9. Mai, was indirekt mit dem Kriegsende zusammenhing, denn am 9. Mai 1950 schlug der damalige französische Außenminister Robert Schuman in Paris vor, eine supranationale Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl zu schaffen, aus der letztendlich die Union von heute hervorging. Der 8. Mai ist anlässlich des Ende des Zweiten Weltkriegs in Frankreich Feiertag und wir wollen doch sehr hoffen, dass am kommenden Montag westlich des Rheins keine gigantische Katerstimmung herrscht. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Lizenzen: Der Rechsstreit zwischen Qualcomm und Apple droht zu eskalieren. Laut Bloomberg will der Chip-Hersteller bei der US-Handelsbehörde International Trade Commission (ITC)  einen Einfuhrstopp für die in Asien produzierten beantragen. Das Unternehmen wollte aber bisher den Bericht nicht kommentieren. Apple hatte im Frühjahr Qualcomm verklagt, weil dieses für seine Funkchips angeblich überhöhte Lizenzgebühren verlange. Der iPhone-Hersteller will nicht auf das gesamte Gerät Anteile an Qualcomm abführen, sondern nur für die entsprechenden Komponenten, Qualcomm verlange aber etwa für iPhones mit mehr Speicher auch mehr Gebühren. Die ITC wird oft in Patentstreitigkeiten herangezogen, da sie ihre Entscheidungen deutlich schneller trifft als die eigentlich zuständigen Gerichte. Ein möglicher Importstopp oder nur die Androhung eines solchen dient vor allem zur Beschleunigung von Vergleichsverhandlungen.

Multiples Backup : Seit Time Machine gibt es auf dem Mac keine Ausreden dafür, keine Sicherungskopie anzulegen. Zu jedem Mac gehört eine externe Festplatte zu diesem Zweck dazu, deren Speicherkapazität etwa doppelt so groß sein sollte wie die des zu sichernden Mac. Man kann aber auch eine große Festplatte verwenden, hat man mehrere Macs zu sichern. Diese sollte aber an einem Mac angeschlossen sein, der über Ethernet mit dem Router verbunden ist, das WLAN wäre sonst ständig belastet und erwiese sich als zu langsam. Das gemeinsame Backup richtet man nun mit Hilfe der Freigaben ein, via Netzwerk kann man die Backup-Festplatte auch an den anderen zu sichernden Rechnern mounten und als Volume für Time Machine bestimmen.

Marktführer: Apple nennt weiterhin keine Verkaufszahlen der Apple Watch und ergeht sich allenfalls in Andeutungen. Im Märzquartal habe man doppelt so viele Geräte wie im Jahr zuvor verkauft, sagte Tim Cook lediglich. Strategy Analytics wartet nun mit konkreteren Zahlen auf und kürt Apple zum Marktführer bei Wearables. im ersten Quartal des Kalenderjahres habe Apple demnach 3,5 Millionen schlaue Uhren verkauft, und damit bei einem Marktanteil von 16 Prozent den bisherigen Spitzenreiter Fitbit verdrängt. Insgesamt sei der Wearables-Markt um 21 Prozent auf 22 Millionen Stück gestiegen. Apple habe gegenüber dem Vorjahr aber "nur" um 59 Prozent zugelegt, die Apple Watch Series 2 verkaufe sich vor allem in den USA, UK und anderen europäischen Märkten hervorragend.

Prominenter DJ : Wer in der Nacht zum Montag ein offenes Ohr für Heavy Metal hat, der sollte um Mitternacht Apples 24/7-Radiosender Beats 1 einschalten. Denn um 3 Uhr nachmittags Westküstenzeit setzt sich erstmals Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich vor das Mikrofon im Studio in Los Angeles und moderiert die Radio-Show "It's Electric". Für ihn gehe damit ein Kindheitstraum in Erinnerung, einmal für ein weltweites Publikum den DJ geben zu dürfen, verrät Ulrich im Interview mit teamrock.com. Also merken wir uns bis zur Nacht auf den 8. Mai: "Exit: light, enter: night". Die Sendung wird aber am Montag Mittag unserer Zeit wiederholt...

Durch Wände schauen : Was Forscher der TU München beim Mittagessen sich fragten, kann dereinst zu einer sinnvollen Anwendung werden: "Wie sähe die Welt aus, wären unsere Augen für die Frequenzen von WLANs empfindlich?" Das Ergebnis publizieren die Forscher in Nature: Demnach ist es möglich, mit Funkwellen eine Art von Hologramm zu erstellen und somit von außen zu erkennen, was in einem abgeschlossenen Raum herumsteht. Bis jedoch Fremde vor Ihrer Haustür herumlungern und aufgrund der durch die Wände, Türen und Fenster dringenden Funkwellen sich ein Bild ihrer Einrichtung machen können, wird es noch etliche Jahre oder gar Jahrzehnte dauern. Den Physikern aus München ist es aber in ihrem Versuch gelungen, anhand der Interferenzmuster einer festen und einer beweglichen Antenne ein dreidimensionales Abbild eines im Raum postierten Metallkreuzes zu gewinnen. Für den Einsatz in der Industrie wäre die Technik schon eher einsatzreif als für die dubiosen Zwecke von Lauschern, denn mit der Technologie ließen sich etwa in der Produktion Bauteile genauer lokalisieren. Auch von Lawinen oder einstürzenden Häusern Verschüttete könnte man schneller und präziser orten, wenn man bildlich durch Wände sehen kann.

Weitere Nachrichten:

Phishing: Vorsicht vor angeblicher WhatsApp-E-Mail

Aktuell geben sich Betrüger als WhatsApp aus und versuchen, die Kontodaten ahnungsloser Nutzer abzugreifen . Per E-Mail warnen die Cyber-Kriminellen ihre Opfer vor einem angeblich abgelaufenen WhatsApp-Konto. Der genaue Inhalt der E-Mail lautet wie folgt:

„WhatsApp : Ihr Konto ist abgelaufen- Receipt .H0841

Aufmerksamkeit! Ihr WhatsApp Messenger-Konto ist abgelaufen:

Wenn du dich nicht neu registrierst, läuft das Konto innerhalb von 48 Stunden ab. . . Bitte melden Sie sich so schnell wie möglich an, um den Verlust aller Dateien zu vermeiden (Bilder, Videos und Geschichte …) Du kannst deine Account-Mitgliedschaft nur noch 0,99 $ aktualisieren, indem du auf den untenstehenden Link klickst:"

Wer auf besagten Link klickt, wird auf eine Seite zur Eingabe von Zahlungsinformationen weitergeleitet. Über diese werden die 99 Cent nicht etwa zu WhatsApp weitergeleitet, sondern die Kreditkarten-Daten in die Hände der Betrüger gespielt. Besagte E-Mail sollte also umgehend aus dem Posteingang gelöscht werden.

Microsoft will wieder Smartphones bauen

Am Smartphone-Markt scheint Microsoft aktuell nicht viel zu liegen. Eigene Geräte entwickelt der Konzern schon lange nicht mehr und Windows 10 Mobile erscheint nur für 13 Modelle. Mit der Annahme, Microsoft wolle seine Smartphone-Sparte aufgeben, liegen Branchenexperten jedoch falsch. Im Podcast-Interview mit Make Me Smart erklärt Microsoft-Chef Satya Nadella in dieser Woche, dass Microsoft die Smartphone-Sparte nicht aufgeben werde. In Zukunft wolle das Unternehmen eigene Modelle bauen und damit eine neue Geräte-Kategorie etablieren – ähnlich wie bei seiner Surface-Familie.

Derzeit halte man bei Microsoft Ausschau nach neuen Smartphone-Formen und -Funktionen. Ob das Unternehmen bei seiner Suche bereits Erfolg hatte, ist nicht bekannt. Gerüchte um ein Surface Phone, das sich vom Tablet zum Smartphone falten lässt, halten sich seit einigen Monaten hartnäckig. Ein Statement dazu wollte Nadella jedoch nicht abgeben.

Apple exklusiv: Schwebende Kameradrohne mit HD-Video

Videoaufnahmen mit Auflösungen von bis zu 4K und Fotos mit 13 MP verspricht die Hover Camera Passport Drohne, die über eine entsprechende iOS-App Bilder und Filme in Echtzeit liefert, die sich jederzeit mit anderen teilen lassen. Der Quadrocopter (mit vier Rotoren) steckt in einem Schutzgehäuse aus Carbonfaser und soll sich für den Transport auf die Größe eines kleinen Notizbuchs falten lassen. Der interne, nicht erweiterbare und nicht entnehmbare Speicher bietet 32 GB. Die Brennweite beträgt 28 Millimeter. Um 4K-Videos von der Drohne auf den Mac zu laden, benötigt man ein nicht mitgeliefertes Micro-B auf USB 3.0-Kabel. Die Auflösung der Aufnahmen beträgt 4.208 x 2.120 Pixel. Das Gewicht gibt Apple mit 242 Gramm an. Als weitere Besonderheiten zählt Apple auf: Die iOS-App bietet vielfältige Aufnahmemodi, darunter Orbit, 360 Spin und Body-Tracking. Hierbei soll die Kameradrohne den Nutzer vollständig im Bild behalten, auch wenn sich dieser beim Joggen oder Gehen filmen lässt. Die maximale Geschwindigkeit laut Hersteller beträgt 8 Meter pro Sekunde, die äußerste Kontrollentfernung wird mit bis zu 20 Meter empfohlen.

Die Hover Camera Passport Drohne bewirbt Apple als ”dein eigener, selbstfliegender, persönlicher Fotograf”. Zwar ist die passende iOS-App kostenlos ab iOS 8.0 für iPhone oder iPad erhältlich. Für die Hover Kamera selbst legt man bei Apple freilich 600 Euro auf den Tisch. Dafür ist der Versand kostenfrei, auch die Verfügbarkeit in Retail Store vor Ort lässt sich prüfen. Wie die Kollegen von Mac & i berichten , hat sich Apple vorerst die Exklusivrechte für die Cover Camera erworben. Außerdem weisen sie auf eine App für Android hin, die über die Webseite des Herstellers erhältlich ist. Dort gibt es auch weitere Informationen und technische Details.

China entwickelt eigenes Wikipedia

Im nächsten Jahr soll die mittlerweile dritte Ausgabe der Chinese Encyclopedia auch als Online-Version erscheinen, berichtet die South China Morning Post . Die Enzyklopädie soll mehr als 300.000 Einträge mit durchschnittlich 1.000 Wörtern umfassen. Die Chinese Encyclopedia wird damit etwa den selben Umfang haben, wie die chinesische Version von Wikipedia. Die bekannte Online-Enzyklopädie ist in China zwar ebenfalls zugänglich, doch zahlreiche Beiträge – etwa über den Dalai Lama oder Präsident Xi Jinping – sind aufgrund politischer Inhalte blockiert.

Rund 20.000 Autoren von chinesischen Universitäten und Forschungseinrichtungen arbeiten derzeit an der Fertigstellung der Enzyklopädie. Laut Projektleiter Yang Muzhi wird die Chinese Encyclopedia ein „digitales Buch über alles“. Mit der Chinese Encyclopedia wolle man Wikipedia nicht einholen, sondern ersetzen, so Yang.

Billigeres iPhone 6 mit 32 GB nun in Deutschland

Als erste haben die Kollegen von Giga.de das neuaufgelegte iPhone 6 entdeckt. Die neue Variante kann man nun ab heute bei Saturn oder Media Markt bestellen. Das Gerät unterscheidet sich kaum vom Original aus dem Jahr 2014 – der gleiche A8-Chip und die gleiche Kamera sind als technische Details aufgelistet. Bis vor kurzem existierte jedoch keine 32-GB-Variante des iPhone 6, Apple hat damals die Abstufungen von 16, 64 und 128 GB gewählt. Damals musste man für die kleinste Variante noch 699 Euro hinblättern, aktuell kostet das Telefon in den Online Stores beider Anbieter 449 Euro. 

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