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Morgenmagazin vom Freitag, 6. Juli 2018

06.07.2018 | 06:56 Uhr |

Neue Macbook- und iPad-Modelle in Datenbank registriert +++ Kuo: iPhone 6,1 Zoll in fünf Farben, die anderen in drei +++ High-End-Smartphones verkaufen sich am Besten +++ Seagate: Neue SSDs mit bis zu 2 TB +++ Office-365 ermöglicht Mitarbeiter-Überwachung +++ Europäisches Parlament stoppt Upload-Filter

6. Juli: Hai Noon

Wir wünschen allseits Guten Morgen! In den Zeiten von Fake News fällt es dem geneigten Publikum immer schwerer, Realität von Fiktion zu unterscheiden, Aufrichtigkeit von Lüge, und literarische Wahrheit von journalistischer. Gerade letztere gehen Hand in Hand, wie viele Romane und Bücher sind schon aus echten Nachrichten und Geschehnissen entstanden, auch aus randständigen? Fatal ist das nur, wenn die Fiktion für bare Münze genommen wird und aus der erfundenen Wahrheit nach und nach eine vermeintlich echte wird.

Richard III. etwa, am 6. Juli 1483 zum König von England gekrönt – von Shakespeare in seinem Drama zu einem Verbrecher verzerrt. Erst heute können  Historiker dieses Bild ein wenig korrigieren, die Auffindung der sterblichen Überreste des letzten Herrschers aus dem Haus Plantagenet vor ein paar Jahren unter einem Parkplatz in Leicester mag bei der Richtigstellung helfen.

Oder der von Peter Benchley als blutrünstiger Verbrecher beschriebene Knorpelfisch Carcharodon carcharias, dessen deutscher Name Schaudern auslöst: der Weiße Hai. Es mag zwar durchaus ein Vertreter (oder eher Vertreterin) der Art gewesen sein, der (oder die) im Juli 1916 vor der Küste von New Jersey fünf Menschen tötete. Am 6. Juli 1916 geschah der zweite Vorfall dieser Art, bei dem dann auch erstmals Hai-Alarm ausgelöst wurde. Steven Spielbergs zugegebenermaßen großartige Verfilmung schädigte den Ruf der Art noch weiter. Da hilft es wenig, wenn man aufrechnet, wie viele Menschen jährlich von Haien getötet werden und wie viele der Malaria-Mücke zum Opfer fallen. Und noch viel schlimmer, umgekehrt: Wie viele Haie müssen alljährlich ihr Leben lassen, weil angeblich eine Suppe aus ihren Flossen den Lenden ungeahnte Kräfte verschafft?

Dabei schmeckt Haifleisch gar nicht mal so schlecht, das vollständige Tier zu verspeisen mag auch nicht verwerflicher sein, als etwa wilde Antilopen zu jagen und zu braten. Der Punkt dabei ist aber: Die etwa 200 Millionen Jahre alte Art steht in den Meeren an der Spitze der Nahrungskette, weswegen sich in ihr auch all die Schadstoffe anreichern, die die Gattung Homo Sapiens sapiens seit Jahrhunderten in die Meere fließen lässt. Ein Haifischsteak ist also alles andere als gesund, vor allem für den Hai. Und umgekehrt mag der Hai, auch der Weiße, das aus seiner evolutionären Sicht erst kürzlich von den Bäumen gestiegene Affenwesen gar nicht genießen. Meist beißt der Knorpelfisch bei Unfällen nur einmal kurz zu, um zu testen, ob die Beute wirklich schmeckt und lässt dann von ihr ab. Dummerweise kann schon solch ein Probebiss für Schwimmer, Surfer und Taucher tödlich sein.

Aber doch springt wieder die so einträgliche Panikmaschine der Boulevardmedien an, sobald wie kürzlich vor Mallorca ein Exemplar des Carcharodon carcharias in Küstennähe gesichtet wird. Ach, hätten Benchley und Spielberg doch den Weißen Hai so niedlich gestaltet wie Spielberg den Außerirdischen E.T. oder die Animatoren von Pixar die vegetarisch denkenden Haie Hammer, Hart und Bruce. Dem Weißen Hai wäre so vieles erspart geblieben und uns so manche dumme Schlagzeile.  Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Adding color: Das iPhone konnte man bis vor neun Jahren noch in jeder Farbe bekommen, solange sie schwarz war. Erst das iPhone 3GS fügte auch eine weiße Variante hinzu. Später kamen dann für die Metallrücken Silber, Gold, Roségold, Schwarz und völlig Schwarz, zwischendrin auch mal ein rotes Sondermodell. Bei den Glasrücken der Generationen 8 und X musste Apple die Farbauswahl wieder ein wenig einschränken, sieht man sich die matten Kolorierungen an, ahnt man auch, warum. Doch soll Apple die Produktionsprobleme bei anderen Tönen als Schwarz, Gold und Silber in den Griff bekommen haben und zur Modellreihe von 2018 wieder tief in den Farbtopf greifen, ist sich der meist gut informierte Analyst Ming-Chi Kuo sicher. Zumindest für das kostengünstige 6,1-Zoll-LCD-Modell soll eine große Auswahl bestehen, Blau, Weiß, Grau, Rot und Orange seien die Töne. Für die Nachfolger des iPhone X in 5,8 und 6,5 Zoll gebe es immerhin drei Varianten, in Space Gray und Silber wie bisher und dazu noch in Gold. Wir werden sicherheitshalber mal alle Farben sammeln, wenn der Herbst wirklich so bunt wird.

Überfällig : Die Hoffnung stirbt zuletzt, vor allem beim neuen Macbook Air. Wir hätten eigentlich darauf spekuliert, dass Apple zumindest auf der WWDC 2018 neue Hardware vorstellt, war doch dies bis jetzt eine passende Veranstaltung, um mehr Aufmerksamkeit für die neuen Produkte zu bekommen. Doch diese war ausschließlich Software-zentriert. Nun gibt es wieder Hinweise auf neue Hardware von Apple: Das Unternehmen hat bei der Regulierungsbehörde Eurasian Economic Commission gleich fünf neue Modelle des "Portable PCs" eingetragen . Die Bezeichnung schließt also alle Desktop-Recher aus – weder iMac noch Mac Pro noch Mac Mini sind damit gemeint. Dass die Macbook Pro aktualisiert werden, steht wohl außer Frage, hat doch Intel endlich die neue Generation von (mobilen) Coffee-Lake-Chips veröffentlicht, die 32 GB Arbeitsspeicher erlauben. Die Menge von neuen Modellnummern kann jedoch darauf hinweisen, dass außer Macbook Pro noch eventuell das Macbook oder das Macbook Air aktualisiert werden. Das letztere wurde auf der WWDC 2017 eher als Seitennotiz erneuert und hat von dem Entwickler neuere und etwas schnellere Broadwell-Chips erhalten.

Erwartbar: Neben neuen Macbook-Modellen , die bei der eurasischen Regulierungsbehörde Eurasian Economic Commission registriert wurden, finden sich in der gleichen Datenbank auch fünf neue iPad-Modelle. Darüber berichtet die französische Seite Consomac . Auffallend ist dabei, dass die neuen Modelle noch mit iOS 11 ausgeliefert werden . Ob dies als Hinweis auf eine Vorstellung noch vor September ist, bleibt zu bezweifeln. Es ist nämlich schon eine Weile her, dass Apple ein Event im August abhielt: 2007 hatte Apple ein August-Event abgehalten und damals neue iMacs vorgestellt . Ebenfalls ungewöhnlich ist die Menge an neuen Modellen, Apple hat ja bereits das iPad (ohne Pro) im Frühling vorgestellt. Der Nachfolger des Pro-Modells wird wohl ebenfalls in zwei Größen kommen, mit und ohne LTE. Ob Apple nochmals seine iPad Mini-Serie neu auflegt, bleibt abzuwarten.

Nachgelegt: Zwei Tage nach den registrierten Entwicklern bekommen nun auch die Teilnehmer des Public-Beta-Tests die neue Vorabversion von iOS 12 zum Download angeboten. Die zweite Public Beta ist identisch mit der dritten Developer BEta und behebt etliche Fehler früherer Versionen.

Spitzenposition : Laut Counterpoint Research hat Apple im Mai wieder den Spitzenplatz in der Liste der bestverkauften Smartphones von Samsung zurückgewonnen, den im April das iPhone X an das Galaxy S9 Plus verloren hatte. Nun stehe das iPhone 8 an der Spitze, vor dem Galaxy S9 Plus und dem iPhone X. Die Abstände sind aber knapp, insgesamt kommen iPhone 8 und Galaxy S9 Plus auf jeweils 2,4 Prozent Marktanteil, das iPhone X auf 2,3 Prozent. Apple bringt mit dem iPhone 8 Plus und seinen 2,1 Prozent Marktanteil noch ein drittes Modell in die Top 10 ein (2,1 Prozent), in der sich auch Marken wie Oppo, Xiaomi, Huawei und Vivo platzieren. Samsung hat mit dem Galaxy S9 nur ein zweites Modell ein, das ebenfalls 2,1 Prozent der Anteile für sich reklamiert. So ergibt sich laut der Marktforscher eine interessante Teilrechnung: Unter den zehn meistverkauften Smartphones gehen 36 Prozent der Anteile an Apple und nur 24 Prozent an Samsung. Dabei verkaufen sich High-End-Modelle am besten, günstigere Samsungs sind in der Top-Liste ebenso wenig zu finden wie das iPhone SE. Das könnte erklären, warum Apple nach wie vor den mit Abstand meisten Gewinn im Smartphone-Segment macht.

Verbessert: Ein reichlich nützliches Feature in macOS Mojave ist die Erweiterung des Screenshot-Funktion. Die bisherigen Tastenkürzel gelten weiterhin, doch mit command-Shift-5 ruft man nun eine Benutzeroberfläche auf, die den Job auch ohne weitere Verrenkungen auf dem Keyboard erledigt. Hinzu kommt nun die Möglichkeit, direkt in die Screenshots Anmerkungen zu kritzeln oder Markierungen zu hinterlassen - das hat Mojave von iOS 11 übernommen. Unsere Kollegen der Macworld zeigen die Funktionen ausführlich.

Weitere Nachrichten:

Seagate: Neue SSDs mit bis zu 2 TB

Nach einer mehrjährigen Auszeit bringt Seagate wieder eine SSD-Serie für Endanwender in den Handel. Die schlicht Barracuda getauften SSDs werden per SATA-III-Schnittstelle mit dem Board verbunden und stehen in Versionen mit 250 GB, 500 GB, 1 TB und 2 TB zur Verfügung. Die Lese- und Schreibraten der Datenträger gibt der Hersteller mit 540 MB bzw. 520 MB pro Sekunde an. Gleichzeitig kommen die SSDs auf 90.000 IOPS. Auf alle SSD gewährt Seagate eine Garantiezeit von fünf Jahren. Die Haltbarkeit der Datenträger liegt bei mindestens 1092 Petabyte. 

Auch die Preise für die neuen Seagate-SSDs stehen schon fest: Für das 250-GB-Modell ruft der Hersteller 80 Euro auf. Die 500-GB-Version kostet 120 Euro. Wer sich für das Modell mit 1 TB entscheidet, muss schon 250 Euro investieren und für das Top-Modell mit 2 TB werden 500 Euro fällig. In den Handel kommen die neuen SSDs in den USA bereits am Amazon Prime Day, dem 16. Juli 2018. Hierzulande müssen Interessenten hingegen noch bis September warten. Bei der Konkurrenz sind SSDs noch etwas günstiger. So verlangt Samsung für seine 860 Evo deutlich weniger. Das 2-TB-Modell kostet nur 440 Euro und auch bei den kleineren Modellen lassen sich im Schnitt zwischen 15 und 40 Euro sparen.

Office-365 ermöglicht Mitarbeiter-Überwachung

In Microsofts cloudbasierter Bürosoftware Office 365 versteckt sich eine Schnittstelle, mit der Admins die E-Mail-Postfächer von Firmenmitarbeiter detailliert überwachen können. Die so genannte „Activity“-Schnittstelle ist bislang undokumentiert und wurde in der Office-365-Dokumentation von Microsoft nicht erwähnt. Aufgespürt wurde die Schnittstelle von der Sicherheitsfirma Crowdstrike , die in einem ausführlichen Blogbeitrag die vielfältigen Möglichkeiten der API erläutert.

Wird Office 365 in einem Unternehmen für den E-Mail-Verkehr genutzt, haben Admins mit entsprechenden Rechten umfangreiche Überwachungsmöglichkeiten über die E-Mail-Postfächer aller Nutzer. Wie heise.de erläutert , können dabei sekundengenau alle Vorgänge in diesen Postfächern nachverfolgt werden. Ein Admin kann dann beispielsweise sehen, wann ein Mitarbeiter eine E-Mail von welchem Absender erhalten hat, wann er diese gelesen und etwaige Anhänge geöffnet, die E-Mail weitergeleitet oder sie beantwortet hat. Die Zugriffsrechte sind damit größer, als wenn die Firma einen eigenen Mailserver betreiben und die Aktivitäten der Mitarbeiter damit überwachen würde. Der einzige Inhalt, auf den die API keinen Zugriff gewährt, ist der reine E-Mail-Text. Besonders heikel: Der überwachte Mitarbeiter bekommt nicht mit, dass sein E-Mail-Postfach gerade von einem Admin eingesehen oder überprüft wird.

Auf Rückfrage von heise bestätigte Microsoft die Existenz der Schnittstelle. Die API sei jedoch ausschließlich für den Service-to-Service-Bereich gedacht. Von der Nutzung für Sicherheitsuntersuchungen rät der Konzern ab.

Europäisches Parlament stoppt Upload-Filter

Am gestrigen Donnerstag stimmte das Plenum des EU-Parlaments über Reformvorschläge beim Urheberrecht ab. 318 Abgeordnete stimmten dagegen, 278 befürworteten eine EU-Urheberrechtsreform und 31 Abgeordnete enthielten sich ihrer Stimme. Die Abstimmung sollte zeigen, ob die Reform der EU-Urheberrechtsrichtlinie aus dem Jahr 2001 in ihrer aktuellen Form weiter vorangetrieben werden soll. Angesichts der hohen Anzahl an Gegenstimmen muss die Reform nun noch einmal überarbeitet werden, bevor Verhandlungen mit dem EU-Rat aufgenommen werden können.

Was Netzaktivisten freut, sorgt bei Künstlern und Verlagen für Frust. Strittig in der Urheberrechtsreform sind eigentlich nur zwei Artikel. Artikel 11 befasst sich mit einem Leistungsschutzrecht auf EU-Ebene. Große Nachrichtenportale oder Suchmaschinen wie Google dürften damit in Zukunft nicht mehr einfach Überschriften und Anreißertexte von Publikationen übernehmen und auf ihren Seiten anzeigen. Nach dem Scheitern des Leistungsschutzrechts erhoffen sich die Verlage damit neue Einnahmen, denn Google und Co. sollen für die Nutzung von Textpassagen und Überschriften zahlen.

Ebenfalls umstritten ist Artikel 13 der Urheberrechtsreform, der sich mit so genannten Upload-Filtern befasst. Diese sollen vorab schon beim Upload von Bildern, Musik oder Videos durch Nutzer prüfen, ob es sich bei den Inhalten um urheberrechtlich geschützte Inhalte handelt. Betroffen wären hier etwa große Plattformen wie Youtube. Diese könnten beanstandete Inhalte dann nicht mehr im Nachhinein löschen, sondern müssten sie schon während des Uploads überprüfen. Obwohl in Artikel 13 konkret nicht von Upload-Filtern die Rede ist, könnte die Richtlinie zur Vorab-Prüfung über eine solche Lösung umgesetzt werden. Nach der Sommerpause wird sich das Plenum im September erneut mit den Reformvorschlägen befassen.

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