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Morgenmagazin vom Freitag, 6. Oktober 2017

06.10.2017 | 06:52 Uhr |

High Sierra Supplemental Update schließt zwei Lücken +++ Edge für iOS +++ DoJ mischt sich bei Apple vs. Samsung ein +++ EU verklagt Irland für unbezahlte Apple-Schulden +++ Siemens schließt das Kapitel Osram +++ WhatsApp verwendet keine Apple-Emojis mehr +++ Selbstfahrende Taxis fahren durch Rentnersiedlung

6. Oktober: Deutschland und Amerika

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Wie wäre das: Die Firma Apfel produziert im Siliziumtal in der Nähe von Sankt Josef in Kalifornien Rechengeräte der Marke Boskop. Seinen hauptsächlichen Umsatz und Gewinn macht der Konzern aber längst mit dem schlauen Fernsprechapparat der Reihe sKlang, nicht zu verachten sind auch die Rechenbretter sTafel. Zehn Jahre ist es jetzt her, dass Stefan Joop uns das erste Modell des sKlang zeigte, erst kürzlich präsentierte sein Nachfolger Timo Koch ein Jubiläumsgerät namens sKlang X, gesprochen: „zehn“. Markant der Bildschirm aus OLADs, also Organischen Licht Aussendenden Dioden, und die GesichtsIdent genannte Technik. Guten Gewissens schreiben wir das an einem sBos, auf dem wir gerade das neueste bosBS 10.13 Hochalpen drauf installiert haben.

Um ein Haar wären ja die USA deutschsprachig geworden, Wikipedia behauptet, die Deutsch-Amerikaner wären die größte Einwanderergruppe und etwa jeder siebte US-Bürger habe deutsche Vorfahren. Einer von denen regiert die Nation nun vom Weißen Haus in Washington aus, das in anderen historischen Konstellationen vielleicht „Blücher“ heißen würde, als Hauptstadt der VSA.

Es lief bekanntlich ganz anders: Die vielen deutschen Kleinstaaten im 17. Jahrhundert hatten keineswegs Interesse an der Kolonialisierung der Neuen Welt, so wie es Spanier, Portugiesen, Franzosen und vor allem Briten vorführten. Deutsche Einwanderer waren eher das, was wir heute als Kriegsflüchtlinge oder Arbeitsmigranten bezeichnen, in das gelobte Land gelockt von professionellen Werbern, die man heute Schleuser nennen würde, die damals aber völlig legal erwünschte Migration herbeiführten.

Der 6. Oktober erinnert in den USA als German-American Day seit 1987 an das deutsche Erbe, auf das sich die USA auch berufen können. Im Jahr 1683 siedelten nahe Philadelphia die ersten deutschen Familien, die der damaligen Perspektivlosigkeit des Niederrheins entflohen waren. Die erste Gruppe deutscher Auswanderer kamen mit dem Schiff Concord und waren Mennoniten aus Krefeld, einer evangelischen Freikirche angehörend, deren Mitglieder seit dem nur wenige Jahrzehnte zuvor zu Ende gegangenen 30jährigen Krieg schweren Repressalien ausgesetzt waren. Darin ähnelt sie den Quäkern, die in den Jahren vor 1683 auf den neuen Kontinent ausgewandert waren,

Die Pilgerväter aus England waren jedoch schon gut 60 Jahre früher in der Neuen Welt angelandet. Also schreiben wir heute dann doch an einem iMac mit macOS 10.13 High Sierra und träumen lediglich von den Hochalpen. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Update: Bis zum ersten Punkt-Update macOS 10.13.1 konnte Apple nicht warten, zu wesentlich waren zwei Fehler in High Sierra. So bringt Apple nun schon nach nicht ganz drei Wochen nach Veröffentlichung der finalen Version des neuen Mac-Betribessystems ein erstes High Sierra Supplemental Update. Laut Release-Notes schließt dieses die vom Sicherheitsforscher Patrick Wardle entdeckte Lücke im Schlüsselbund, über die eine Malware Passworte hätte auslesen können. Zudem sind Apples Ingenieure ein weiteres Problem erfolgreich angegangen, das Festplattendienstprogramm hatte unter Umständen Passworte von verschlüsselten APFS-Volumes falsch angezeigt. Diese Lücke war erst kürzlich bekannt geworden . Das High Sierra Supplemental Update ist in der üblichen Weise über den Mac App Store erhältlich.

Living on the Edge: Browser von Microsoft auf Apple-Geräten? Das war Ende der Neunziger essentiell für Apples Überleben in einer vom Internet Explorer dominierten Welt. Anfang der Zweitausender war der Internet Explorer sogar der einzige wirklich funktionstüchtige Browser für das damals neue Mac-OS X, bis Apple mit Safari daher kam. Der Internet Explorer ist auch für Windows Geschichte – wenn auch mit einem langen Nachklang – seit Windows 10 setzt Microsoft auf dessen Nachfolger Edge. Und will den nun auch wieder auf Apples Plattform bringen. Diesmal ist aber nicht der Mac das Ziel, sondern iOS – nebenbei auch noch die andere große Mobilplattform Android. Das Ziel sei es, die Barrieren zwischen den Plattformen auf dem Desktop und dem Mobilgerät einzureißen. Nach dem dem Scheitern von Windows 10 als mobiles Betriebssystem sieht Microsoft die Notwendigkeit, Nutzern von iPhone und Android-Geräten, die auf dem Schreibtisch einen PC und keinen Mac stehen haben, den Austausch von Daten und Dokumenten zu erleichtern. Das gesamte Windows 10 Fall Creators Update stößt in diese Richtung und wird am 17. Oktober veröffentlicht. Wer den Windows Insider Preview Build installiert hat, kann Edge für iOS und Android bereits jetzt ausprobieren.

Unterstützung : Der sich seit fünf Jahren hinziehende Streitfall Apple vs. Samsung um Patente und Design des iPhone soll nicht noch einmal vor den obersten Gerichtshof der USA, mischt sich das US-Justizministerium (Departement of Justice, DoJ) ein. IDas Ministerium empfiehlt dem Gericht, Samsung Ansinnen einer Revision, ein sogenanntes Writ of Certiorari,  zurück zu weisen. Das DoJ schließt sich damit Apples Forderung aus dem Mai an, dass bestimmte und mit 120 Millionen US-Dollar Strafe belegte Aspekte nicht noch einmal nachverhandelt werden sollten, wie es Samsung im März gefordert hatte.

Zahlen sind relativ: Nach wie vor nennt Apple keine konkreten Verkaufszahlen für die Apple Watch, das wird mit der Series 3 Nicht anders werden. Allenfalls lässt sich Tim Cook bei diversen Gelegenheiten dazu hinreißen, das Wachstum gegenüber Vorjahr zu beziffern oder zur Aussage, dass Apple im Uhrengeschäft nun größer sei als Rolex. Die Konkurrenz solle nicht Zuviel über den Markt erfahren, heißt es. Dabei kennt die den wohl aus eigener Anschauung. Apple ist mit derartiger Geheimniskrämerei aber nicht allein, wie Jason Snell anmerkt. Auch Amazon nennt nur das Wachstum seiner Kindleverkäufe, aber keine Stückzahlen. Oder Netflix, das nur bekannt gibt, wie viel Zuwachs die neue Star-Trek-Serie brachte. Die absolute Zahl der Abonnenten bleibt geheim. So bleibt man auf Schätzungen angewiesen. Die von Horace Dediu dürften dabei nicht so weit daneben liegen, er kalkuliert mit bisher 33 Millionen verkauften Geräten, die einen Umsatz von 12 Milliarden US-Dollar bedeuteten.

Vergleich: Das Google Pixel  2 richtet sich klar gegen das iPhone 8, auch hinsichtlich des Preises. Grund genug, die Features der beiden Telefone gegenüber zu stellen. Dabei glänzt das Pixel mit dem ein oder anderen Alleinstellungsmerkmal, etwa dem AMOLED-Bildschirm. Einen Portraitmodus bietet das Pixel 2 auch an, obwohl es nur ein Objektiv hat. Wie das aber in der Praxis funktioniert, wird man sehen.

Weitere Nachrichten:

EU verklagt Irland für unbezahlte Apple-Schulden

Die EU-Kommission  klagt vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen den EU-Mitgliedsstaat Irland. Der Grund: Der irischen Regierung stehen vom US-Konzern Apple Steuernachzahlungen in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar zu. Irland weigert sich jedoch, die Steuernachlässe vom iPhone-Hersteller zurückzufordern. Die immensen Steuernachlässe für Apple in Irland wurden im vergangenen Jahr von der EU-Kommission als unzulässige Staatsbeihilfe eingestuft. Irland betreibe hier eine widerrechtliche, fortgesetzte Subvention. Die Regierung will die Apple-Schulden jedoch nicht eintreiben – nicht einmal in Teilen, erklärt die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Apple hat den Angaben zufolge in der Vergangenheit nur 0,005 Prozent der Steuern in Irland bezahlt. Aus diesem Grund verhängte Vestager 2016 die Rekordstrafe in Höhe von 13 Milliarden Euro . Die Summe wäre eigentlich bereits am 3. Januar 2017 fällig gewesen. Irland will diese Strafe jedoch nicht eintreiben. Das Land fürchtet, sein Ansehen als Wirtschaftsstandort mit niedrigen Steuern zu verlieren. Die mögliche Folge für Irland: US-Konzerne könnten in ein anderes Land abwandern, Arbeitsplätze gehen verloren.  

EU-Kommission: Amazon soll 250 Millionen Euro Steuern nachzahlen

Siemens schließt das Kapitel Osram

Siemens hat sich von seinen restlichen Anteilen an dem Lichtkonzern Osram getrennt. Das Unternehmen verkaufte am Vorabend seine Aktien bis auf einen geringen Rest für rund 1,2 Milliarden Euro über eine beschleunigte Platzierung an institutionelle Investoren.

Für Siemens ist damit das Kapitel Osram endgültig abgeschlossen. Bei Osram zerplatzen hingegen Übernahmefantasien mancher Anleger, die Aktie verlor am Donnerstagvormittag auch deswegen deutlich.

Siemens hatte seine Lichttochter Osram vor vier Jahren abgespalten und an die Börse gebracht. Seit 1978 war das Unternehmen komplett in der Hand von Siemens. Zuletzt hielt der Konzern noch rund 17,5 Prozent an Osram. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass die Osram-Aktien für ihn nur noch eine Finanzbeteiligung darstellten. Anleger hatten derweil darauf spekuliert, dass der Lichtspezialist übernommen werden könnte - und sich ein möglicher Interessent als ersten Schritt das Siemens-Paket sichern könnte. Vor allem aus China soll es Interesse gegeben haben - etwa durch den chinesischen Halbleiterkonzern San'an Optoelectronics im vergangenen Jahr.

Diese Aussichten haben nun durch die Platzierung einen Dämpfer erhalten. Die Osram-Aktie rutschte zuletzt um rund 3,5 Prozent auf 64,72 Euro ab. Händlern zufolge hatte Siemens das Osram-Paket aus mehr als 18 Millionen Anteilsscheinen für 65,05 Euro je Aktie verkauft. Die Siemens-Aktie notierte zuletzt bei 120,40 Euro, dies war ein Plus von 0,5 Prozent.

Osram begann mit einem tiefgreifenden Konzernumbau, nachdem das Verbot von traditionellen Glühlampen durch die EU das Unternehmen in die Bredouille gebracht hatte. Produktionsstätten wurden geschlossen, tausende Stellen abgebaut. Siemens selbst hat mit dem Verkauf seiner Anteile nun ein gutes Geschäft gemacht. So startete Osram im Juli 2013 mit einem Kurs von knapp 24 Euro an der Börse. Der Kurs hat sich seitdem fast verdreifacht. Alleine in diesem Jahr betrug der Zuwachs rund 35 Prozent, während der MDax, in dem Osram notiert ist, etwa 18 Prozent gestiegen ist.

Das Verhältnis zwischen den Chefs von Siemens und Osram - Kaeser und Olaf Berlien, war dabei nicht frei von Spannungen. Zum Eklat kam es nach der strategischen Neuausrichtung Osrams Ende 2015, als Berlien erklärte, sich künftig verstärkt auf LED-Halbleiter zu konzentrieren und dafür viel Geld in eine neue Produktionsstätte in Malaysia zu stecken, die in diesem November eröffnet werden soll. Bereits zuvor hatte Berlien entschieden, das traditionelle Lampengeschäft abzuspalten und zu verkaufen.

Kaeser hielt diese Strategie für zu risikoreich und hätte die Zukunft Osrams lieber in Nischenbereichen gesehen. Auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr verweigerte Siemens als Großaktionär dann die Entlastung Berliens. Das Tischtuch galt zwischen den beiden Managern als zerschnitten und die endgültige Trennung von Siemens von seinen Osram-Anteilen schien nur noch eine Frage der Zeit. Zum Abschluss fand Osram freundliche Worte und dankte Siemens "für die Begleitung und die Rolle als Ankeraktionär in der Zeit seit dem Börsengang und während unserer Transformation zum Hightech-Unternehmen". (dpa/rs)

WhatsApp verwendet keine Apple-Emojis mehr

WhatsApp hat in dieser Woche eine neue Beta-Version seines Messengers für Android veröffentlicht. Darin werden die ursprünglichen, von Apple entworfenen Emojis, durch eigene Kreationen ersetzt. Diesen Weg waren vor WhatsApp auch bereits Facebook und Twitter gegangen. Mit großen Emoji-Neuerungen oder -Umstellungen müssen WhatsApp-Nutzer jedoch nicht rechnen. An den ursprünglichen Apple-Designs hat WhatsApp nur gerade so viele Mini-Änderungen vorgenommen, dass sie als eigene Entwürfe durchgehen. 

Unterschiede sind nur im direkten Vergleich auszumachen. So nehmen die beiden Bunnies bei WhatsApp beispielsweise eine andere Armpose ein, während der Geister-Emoji seine Zunge seitlich herausstreckt und weniger stark schattiert ist. Komplett andere Designs kommen nur bei wenigen Emojis, wie etwa der Wasserpistole, zum Einsatz. Ein Großteil der Bildchen wurde nur geringfügig verändert. Aktuell ist das neue Emoji-Set nur in der WhatsApp-Beta für Android verfügbar. Bis zum offiziellen Release der neuen WhatsApp-Version können sich die einzelnen Emoji-Designs noch einmal ändern. WhatsApp hat sich bislang noch nicht offiziell zu seinen neuen Emojis geäußert.  

Selbstfahrende Taxis fahren durch Rentnersiedlung

Wer an selbstfahrende Autos denkt, denkt meist an Erleichterungen für den Fahrer. Doch auch für Menschen ohne Auto bieten autonome Fahrzeuge viele Vorteile. Davon können sich die Bewohner einer 4000 Einwohner starken Rentnersiedlung in San Jose überzeugen. Unter dem Namen Voyage ist dort ein Dienst mit zwei selbstfahrenden Ford Fusion gestartet. Damit können sich die Rentner innerhalb des 24 Kilometer großen Straßennetzes ihrer Community chauffieren lassen. Schnell geht es dabei allerdings nicht vonstatten: Das Geschwindigkeitslimit liegt bei 40 km/h. Dadurch soll garantiert werden, dass die autonomen Fahrzeuge nicht mit den zahlreichen Golfwagen kollidieren.

Laut Betreiber sei es trotz der umzäunten Umgebung schwer gewesen, eine Zulassung zu erhalten. Die Versicherungssumme allein liege bei 7,5 Millionen US-Dollar. Langfristig will der Betreiber den Dienst auf größere Gemeinschaften ausweiten, vielleicht sogar ganze Städte. In Arizona gibt es ein ähnliches Projekt namens Waymo mit autonom fahrenden Minivans. Und Uber bietet auch schon Fahrten in autonom fahrenden SUVs in Arizona und Pittsburgh an. 

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