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Morgenmagazin vom Freitag, 7. Dezember 2018

07.12.2018 | 07:08 Uhr |

Appe Watch Serie 4 kann nach Update EKG +++ iPhone: Gesundheitsdaten überführen Mörder in UK +++ Microsoft will Edge auf den Mac bringen +++ Job-Killer Elektro-Auto: 114.000 Jobs weniger bis 2035 +++ Aston Martin rüstet Klassiker mit E-Antrieb aus +++ Interne Facebook-Dokumente verraten Schlamperei bei Nutzerdaten

7. Dezember: Aus die Maus

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Am Sonntag feiern wir nicht nur den zweiten Advent – Schotten und Schwaben stellen sich dafür mit einer Kerze vor den Spiegel – sondern auch den 50sten Geburtstag eines guten, alten Bekannten, den wir an sich täglich in der Hand halten und das manchmal zu lang.

Wobei: Streng genommen ist die Computer-Maus noch mal fünf bis sechs Jahre älter, es war aber am 9. Dezember 1968 als deren Erfinder Douglas Engelbart sie auf einer Tagung der American Federation of Information Processing Societies (AFIPS) vorführte. Grafische Benutzeroberflächen gab es zu jener Zeit noch lange nicht, die Maus zeigte aber bereits anhand von Texten ihre Nützlichkeit als Instrument, mit dem man am Computer auf etwas zeigen und dieses markieren und verschieben kann. Engelbarts Maus war noch recht einfach und konnte mit ihren Rädern nach oben und unten oder nach rechts und links sich und die Markierung auf dem Bildschirm bewegen, recht viel mehr musste sie ja auch nicht können. Ihre Nachfolger bekamen einen Ball in die Mitte, der mehr Bewegungsfreiheit brachte, aber auch ein Problem: Der Staub, den das Mäuschen aufsammelte, verstopfte recht bald die Mechanik. Immerhin kann man ja die in den Achtzigern in Mode geratenen Glasschreibtische recht gut sehr sauber halten. Dafür funktionierte die nächste Generation der Maus darauf nicht mehr, die ihre Position auf der Fläche mit Laserlicht vermisst. Das Mauspad, das an sich mit der Lasermaus ausgedient hat, wurde für Glasschreibtischbesitzer wieder zum essentiellen Zubehör.

Die nächste Evolutionsstufe der Maus hat auch ihre Tücken: Drahtlos kommen sie jetzt daher, der Akku ist aber immer dann leer, wenn man das am wenigsten brauchen kann. Apples Magic Mouse hat mit dem Kabel noch dazu ein wenig an Orientierung verloren: Denn wenn man nicht genau hinschaut oder neben der Tastatur das Licht ein wenig schummrig ist, sieht man das Apple-Logo nicht und verwendet die Maus über Kopf - was seltsame Effekte auf dem Bildschirm hat.

Touch- und Spracheingaben werden zwar immer wichtiger, doch hat die Maus nach wie vor ihre Berechtigung an Mac und PC, der Käse ist noch lange nicht gebissen, beziehungsweise: Da beißt die Maus keinen Faden ab. Vermutlich werden wir in 50 Jahren immer noch gelegentlich zur Maus greifen, während Smartphones längst obsolet sind. Das, was die heute können, beherrschen dann Wearables wie Brillen, Kontaktlinsen, Kleidungsstücke, Ohrstecker oder Halsketten.

Aber die Zukunft vorherzusehen, ist immer ein wenig schwierig. Die Vergangenheit zu vermessen und daraus die ein oder andere Prognose abzuleiten, indes wesentlich leichter. Wenn wir den Blick gen Himmel richten, sehen wir immer in die Vergangenheit zurück, schon die Sonne ist acht Lichtminuten von uns entfernt. Der nächste Stern etwas über vier Lichtjahre, die mit bloßem Auge sichtbaren Fixsterne von wenigen Dutzend bis zu etlichen tausend Lichtjahren. Und was da in der Nähe des auffälligen Himmelsjägers Orion in der etwas unauffälligeren Andromeda schimmert, ist gar zwei Millionen Lichtjahre entfernt: Unsere Nachbargalaxie.

Dass es so etwas wie Sternensysteme außerhalb unseres Sternensystems gibt, ist menschheitsgeschichtlich eine relativ neue Erkenntnis, der Beweis erfolgte durch Edwin Hubble heute vor 95 Jahren. Anhand der Radialgeschwindigkeiten des "Nebels" M31 konnte er zeigen, dass dieser weit außerhalb unserer eigenen Galaxis liegen müsste. Der Verdacht lag nahe, dass auch andere Himmelsobjekte, die man bis dato nur recht diffus in den Teleskopen erkennen konnte, weit, weit draußen liegen müssten. Ein neuer Zweig der Kosmologie eröffnete sich und letztens ist es auch Edwin Hubble und seinen präzisen Messungen zu verdanken, dass wir heute ein ungefähres Alter des Universums kennen, das die Menschheit vor Hubble entweder als "immer schon da" oder als "vor 5000 Jahren in sieben Tagen erschaffen" betrachtete. Heute setzt man den Kehrwert der so genannten Hubble-Konstante etwa auf 13,8 Milliarden Jahre an. Denn auch das ist dem Astronomen zu verdanken: Die Erkenntnis, dass sich all diese fernen Objekte von uns fort bewegen und zwar umso schneller, je weiter sie weg waren. Einzig möglicher Schluss: Der Raum als solcher dehnt sich aus. Und hatte nicht dieser Pater Lemaitre genau das aus Einsteins Gleichungen geschlossen? Das Weltraumteleskop namens Hubble, das seit mehr als 25 Jahren in der Erdumlaufbahn den Himmel so genau vermisst, wie es auf dem Boden nicht möglich ist, hat bald ausgedient. Die Erkenntnisse Hubbles nicht. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

I can hear your heart beat : Nicht ganz drei Monate nach ihrer Vorstellung bekommt die Apple Watch Series 4 mit einem Softwareupdate nun endlich eine wesentliche Funktion und kann als erstes Consumer-Produkt ein zuverlässiges Elektrokardiogramm (EKG) erstellen. Dazu startet man die im Update auf watch OS 5.1.2, das ab heute erhältlich ist, enthaltene EKG-App und legt den Zeigefinger der anderen Hand auf die digitale Krone. Ein Stromkreis schließt sich die Messung beginnt. Mit im Systemupdate enthalten ist auch eine Software, die anhand der regulären Pulsmessung Arrhythmien erkennt und damit die Gefahr von Vorhofflimmern. Detektiert die Uhr eine entsprechende Abweichung im Herzschlag, weist sie per Mitteilung ihren Träger darauf hin, dass dieser ein EKG erstellen und im Zweifelsfall den Arzt aufsuchen soll. Die neuen Funktionen sind vorerst nur in den USA erhältlich, da die Apple Watch als Medizingerät eine behördliche Freigabe benötigt. Diese hat die FDA (Food and Drug Administration) erteilt. In der EU hat Apple eine derartige Freigabe längst beantragt, wann diese erfolgt, ist aber ungewiss. In diesem Jahr wird das voraussichtlich nicht mehr passieren.

Gesundheit: Das Time Magazine hat Apples Anspruch, aus der Apple Watch ein Gesundheitsgerät zu machen, intensiv beleuchtet. Die EKG-Funktion ist ja nur die neueste Entwicklung auf einer längeren Reise, die Apple angegangen ist. Der Anspruch, das leben und die Gesundheit ihrer Träger zu verbessern, mag für ein Gerät, das einem die "Zeit mit Mickey-Mouse-Stimme ansagt", etwas hoch sein, doch nimmt Apple die Angelegenheit ernst und untermauert das mit medizinischen Studien. So haben Forscher der Stanford Universität belegt, dass das EKG der Apple Watch zu 98 Prozent korrekt ist, obwohl es nur eine Elektrode verwendet anstatt deren zwölf wie im Klinikum. Einige Mediziner sind dennoch skeptisch, für den gesunden Normalnutzer sei das EKG und die Analyse des Herzschlags auf mögliches Vorhofflimmern nicht nötig und könne zu viele False Positives bringen, unnötige Arztbesuche seien die Folge.

Überführt : Die von iPhone und Apple Watch ermittelten Gesundheitsdaten können auch dann hilfreich sein, wenn es für die Patientin zu spät ist, zeigt ein Fall aus Großbritannien. Daten der iPhones des Apothekers Mitesh Patel und seiner angeblich von Einbrechern ermordeten Frau haben bewiesen, dass der Angeklagte selbst seine Frau erdrosselt hatte, nachdem er sie zunächst mit einer Insulinspritze ruhig gestellt hatte. Die Einbruchsspuren fingierte er danach selbst, in der fraglichen Zeit zeigten seine Aktivitiätsdaten auch hohe Ausschläge, während die seiner Frau nur noch eine Nulllinie zeigten. Das Motiv: Habgier. Patel wollt mit zwei Millionen Pfund aus der Lebensversicherung ein neues Leben in Sydney beginnen. Nun geht es aber für mindestens 30 Jahre hinter schwedische Gardinen.

Neue Wege: Im kommenden Jahr werden Mac-Anwender einen weiteren Browser zur Auswahl haben, Microsoft will seinen in Windows 10 integrierten Edge auch auf den Mac portieren. Das geschehe laut The Verge im Zuge einer Neuaufstellung der Software, die Microsoft auf die Render-Engine Chromium setzen will, auf der auch Googles Browser Chrome basiert. Microsoft ist nicht daran gelegen, den Marktanteil des Browsers auszubauen, die Browser-Kriege, die der damalige CEO Bill Gates am 7. Dezember 1995 in seiner berüchtigten "Pearl-Harbour-Rede" ausgerufen hatte, sind längst Geschichte. Der Konzern gesteht sich und seinen Entwicklern aber ein, dass viele Programmiere mit dem Mac arbeiten und die Möglichkeit sicher zu schätzen wissen, ihre Produkte direkt mit Edge prüfen zu können, ohne von der Boot-Camp-Partition neu starten zu müssen.

Neue Sorgen: Die Apple-Aktie gerät weiter unter Druck. Nun spricht der Analyst Jun Zhang von Rosenblatt Securities Sorgen an, auch das iPad Pro würde sich schlechter als erwartet verkaufen. Zudem wüchsen die Services nicht so stark wie erhofft. Generell sehe es so aus, dass Apples Hochpreisstrategie dem Abverkauf schade, es gebe aber keine Zeichen dafür, dass Apple bald die Preise senke. Das Kursziel für die Apple-Aktie hat Zhang auf 165 US-Dollar reduziert, derzeit steht das Papier bei 174,72 US-Dollar.

Weitere Nachrichten:

Job-Killer Elektro-Auto: 114.000 Jobs weniger bis 2035

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört) hat in einer Studie berechnet, wie sich die zunehmende Verbreitung von Elektro-Autos auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Die Forscher legten bei ihren Berechnungen zu Grunde, dass E-Autos in Deutschland im Jahr 2035 einen Anteil von 23 Prozent haben.

Die Studie berücksichtigt die Auswirkungen auf verschiedene Branchen in der Automobilindustrie, also zum Beispiel auch im KFZ-Gewerbe, und für unterschiedliche Qualifikationsstufen der Betroffenen. Spiegel Online hat die Ergebnisse zusammengefasst.

Demnach würden in den nächsten Jahren durch die zunehmende Verbreitung von Elektro-Autos zwar erst einmal Arbeitsplätze hinzukommen (Anschub-Investitionen, Aufbau der Ladesäulen-Infrastruktur, Batterien-Produktion, neue Kraftwerke, intelligente Stromnetze), wenn auch überwiegend nicht direkt bei den Automobil-Herstellern, sondern eher bei Zulieferern und IT-Unternehmen.

Doch bereits ab 2022 würde sich das Blatt wenden und die zunehmende E-Mobilisierung würde immer mehr Arbeitsplätze vernichten. Bis 2035 würden demnach insgesamt 114.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Vom Stellenabbau werden einfache Hilfsarbeiter ebenso betroffen sein wie Experten (beispielsweise im Motoren- oder Getriebebau), Spezialisten sogar ganz besonders. Und nicht nur in der Automobilbranche selbst, sondern zum Beispiel auch in der Versicherungswirtschaft.

Die E-Autos würden sogar die Wirtschaftsleistung Deutschlands schwächen. Diese soll nach den Berechnungen im Jahr 2023 um 20 Milliarden Euro oder 0,6 Prozentpunkte niedriger liegen, als es jetzt der Fall ist.

Steigt der Anteil von E-Autos im Jahr 2035 auf über 23 Prozent, dann fallen natürlich noch mehr Arbeitsplätze weg. Die IAB unterstellt bei ihrer Studie zudem, dass die deutschen Autobauer ihre führende Position, die sie derzeit bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren besitzen, auch auf E-Autos übertragen können. Das ist derzeit aber völlig ungewiss, zumal die deutschen Autobauer immer noch keine eigene Batteriezellenproduktion haben, sondern die Zellen von asiatischen Zulieferern einkaufen. Nur wenn Deutschland eine eigene leistungsfähige Batteriezellen-Fertigung auf die Beine stellt, könnte der Arbeitsplatzverlust etwas reduziert werden.

Aston Martin rüstet Klassiker mit E-Antrieb aus

Auto-Hersteller Aston Martin rüstet seine Klassiker zu Elektroautos um. Mit einem eigens für die Oldtimer entwickelten Antriebsstrang namens Cassette geht das laut Aston Martin Works ganz einfach. Das Kit beinhaltet einen Elektromotor, die zugehörige Steuerelektronik, einen Akku sowie die zugehörigen Anschlüsse. Das System wird als Komplettpaket in Aston-Martin-Klassiker eingebaut. Mit einem DB6 Mk II Volante ist das bereits gelungen . Das abgeschlossene Gehäuse des Cassette-Systems wird auf die Halterungen von Getriebe und Motor montiert. Ein diskretes Display im Wageninneren informiert dann fortan über das Energie-Management. Der Stromanschluss befindet sich hinter der Rücksitzbank. Geladen wird der E-Oldtimer an herkömmlichen Stromtankstellen. Der im Cassette-Kit integrierte E-Motor basiert auf dem Antrieb des Aston-Martin-Elektroautos Rapid E, das voraussichtlich im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll.

Mit dem Umbau des DB6 Mk II Volante zeigt das Unternehmen, dass die Umrüstung funktioniert. Das Cassette-Konzept ist zudem reversibel, so dass die Oldtimer auf Wunsch auch wieder auf einen Benzinmotor zurückgebaut werden können. Details zur Akku-Kapazität, der Leistung und der Reichweite der mit Cassette ausgerüsteten Klassiker nennt Aston Martin noch nicht. Das System soll voraussichtlich ab 2019 im Rahmen des kommerziellen Umbauprogramms Heritage EV angeboten werden. Was der Umbau für Aston-Martin-Klassiker kostet, ist ebenfalls noch offen. Aston Martin will mit dem Programm sein Oldtimer-Erbe schützen und sieht sich auf diesem Gebiet als Vorreiter. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Autohersteller nachziehen werden.

Interne Facebook-Dokumente verraten Schlamperei bei Nutzerdaten

In dieser Woche hat der britische Parlamentsausschuss interne Dokumente von Facebook veröffentlicht , die das soziale Netzwerk erneut ins Visier von Datenschützern und verärgerten Nutzern bringen. Die rund 250 Seiten zählenden PDF-Dokumente stammen aus einem US-Rechtsstreit, in den Facebook mit dem App-Entwickler Six4Three verwickelt ist. Six4Three hatte eine fragwürdige App namens Pikinis veröffentlicht, die öffentlich zugängliche Fotos von Facebook-Nutzerinnen in Bademoden zur Verfügung stellte.

Pikinis konnte diese Bilder über eine Datenschnittstelle auslesen, die auch zum Datenskandal um Cambridge Analytica führte. Facebook hatte diese Schnittstelle eigenen Angaben zufolge im Jahr 2015 geschlossen. Six4Three behauptet jedoch, dass das soziale Netzwerk den Zugang für einige ausgewählte Unternehmen erneut geöffnet hatte. Dieses Vorgehen sollen die internen Dokumente belegen.

Den Schriftstücken zufolge habe Facebook Apps wie Airbnb, Netflix und Badoo im Rahmen von so genannten „Whitelistings“ Zugriff auf die Schnittstelle gewährt. Anderen Apps wie etwa der Video-App Vine sei hingegen bereits 2013 der Zugang von Mark Zuckerberg persönlich gekappt worden. Die brisanten Dokumente enthalten außerdem Gedankenspiele, denen zufolge Unternehmen für den begehrten Zugang auf Freundeslisten und Co. unter anderem mit ihren Nutzerdaten oder Geld bezahlen könnten.

Facebook als auch Mark Zuckerberg selbst haben sich inzwischen mit ausführlichen Statements zu den Dokumenten geäußert. Dabei betonte dass Unternehmen noch einmal, keine Nutzerdaten zu verkaufen. Der britische Parlamentsausschuss hat eigenen Angaben zufolge noch keine zufriedenstellenden Antworten von Facebook erhalten. Die Einladung zu einer Anhörung in London hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg bislang mehrfach abgelehnt.

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