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Morgenmagazin vom Freitag, 8. Juni 2018

08.06.2018 | 07:15 Uhr |

Warum Facetime nicht Open Source ist +++ So sieht der Dark Mode in Mojave aus +++ Apple TV ersetzt Kabelboxen noch nicht so schnell +++ Telekom: Mehr Surf-Speed für 95% der 100Mbit-Haushalte +++ Russische Malware VPNFilter schlimmer als gedacht +++ Ebay-Auktion: 18.127 Filme für 1 Million Dollar +++

8. Juni: Ein Ozean von Apps

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Wir haben nur diese eine Heimat, deshalb sollten wir pfleglicher mit ihr umgehen: Der Planet Erde. Wobei der Name an sich in die Irre führt, denn mehr als zwei Drittel der Oberfläche sind von Meer bedeckt. "Wasser" wäre also ein treffenderer Name für unsere kosmische Heimat. Nun ist es frei von Zweifeln, dass in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten der Planet immer mehr von Erde zu Wasser wird: Mit dem Abschmelzen der Polkappen steigen die Meere an, Küstenregionen, in denen zusammen mehrere hundert Millionen Menschen leben, werden in den immer umfangreicheren Meeren versinken. Vielleicht sollten wir uns allmählich doch mal Kiemen wachsen lassen, um uns an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Das Meer, es hat gegeben und es wird nehmen. Wir können es nicht zähmen oder in irgendeiner Weise ihm unseren Willen aufzwingen – wie können nur lernen, mit ihm zu leben. Das Meer wird auch in Milliarden von Jahren noch an die Ufer der Landmassen des Planeten schwappen, ehe eine gnadenlos zum Roten Riesen aufgeblähte Sonne es verdampfen wird. Wollen wir uns am heutigen Tag des Meeres aber lieber an entspannte Tage an seinen ruhigen Gestaden erinnern.

Oder daran, wie Steve Jobs bei seinem Vortrag zur Eröffnung der WWDC 2009 am 8. Juni kräftig ins Schwimmen geraten ist. Highlight der Veranstaltung war ein neues iPhone, das Apple 3GS taufte und erklärte, was es mit der Nomenklatur auf sich hatte: Es war ein 3G auf Speed. Noch bis zum Modell 6S (Plus) im Herbst 2015 hatte das Apple ja so gehandhabt: Alle zwei Jahre eine neue Nummer und dazu eine überarbeitete Form, in den Jahren dazwischen einfach mehr Speed. Tick-Tock, bis auf das iPhone 7 kein 7s folgte, sondern gleich das 8er und vor allem das iPhone X.

Warum Jobs aber ins Schwimmen kam? Es war das enorm gestiegene öffentliche Interesse. Die WWDC war vor der iPhone-Ära eine Veranstaltung für Insider, Tickets konnte man noch spontan erwerben. Nun aber drängte alle Welt nach San Francisco, neben den etablierten Mac-Entwickler auch solche, die sich nur für das iPhone und sein Betriebssystem interessierten. Und natürlich jede Menge Medienvertreter. Der unsrige war auch nach Kalifornien aufgebrochen und hatte für uns live aus dem Saal berichtet – einen Stream gab es damals noch nicht. Er war aber nicht der einzige, der das WLAN vor Ort nutzte. So stellte der Apple-CEO also inmitten der Präsentation fest, dass er auf der Bühne kein Netz mehr hatte. Also erfolgte die mehrfach vorgetragene Bitte an das Publikum, dieses möge doch bitte seine Geräte aus dem Wi-Fi nehmen. Unser Korrespondent stellt sich glücklicherweise taub und schaltete, als das Netz komplett ausfiel, einen Gang zurück: Mit einem per Bluetooth mit einem Handy verbundenen Macbook ging es dann weiter. Immerhin ein Fortschritt gegenüber früheren Jahren, in denen wir per Telefon mit wechselnden Korrespondenten verbunden waren und im fernen München lauschten, was da geschah. So einiges mussten wir dann auch erraten …

Es häufen sich derzeit also die Jahrestage, Apple hält die WWDC ja seit längerem Anfang Juni ab, es hatte da nur 2006 eine Ausnahme im August gegeben. Morgen etwa blicken wir auf zehn Jahre iPhone 3G zurück, dem ersten Update für Apples Smartphone, das nachlieferte, was das Original nicht hatte: UMTS (3G) und GPS. Und vor allem mit einem neuen Betriebssystem namens iPhone-OS 2.0 kam, was Apple aber schon im März des gleichen Jahres vorgestellt hatte. Die wesentliche Neuerung darin hat erst an diesem Montag Tim Cook in seiner WWC-Keynote in Erinnerung gerufen: Der App Store , mit dem Apple auf die große Nachfrage nach nativen Apps auf seinem Hosentaschencomputer reagierte. Aber hatte Tim Cook nicht gesagt, der App Store, über den Apple seither 100 Milliarden US-Dollar an Entwickler ausbezahlt hat, würde nächsten Monat seinen Geburtstag feiern? Das ist korrekt, denn nach den Ankündigungen auf der WWDC brauchte Apple noch gut vier Wochen zur Fertigstellung von Hardware, Software und Services. iPhone-OS 2.0 kam samt App Store dann am 11. Juli heraus. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Nicht so bald: Wird das Apple TV den Kabeldecoder überflüssig machen? Die Ankündigungen Apples in dieser Woche ließen das vermuten. Dass es aber noch lange nicht so weit ist, erklärt Jared Newman auf Techhive. Denn zwar mag Charter Communications eine Kooperation angekündigt haben und sein Programm per Stream auf das Apple TV bringen, doch gab es derartiges (auch mit Zero-Sign-In) bereits für Roku, die Xbox One oder Samsung TVs. Und in all diesen Fällen konnte man den Kabelreceiver nicht abschaffen, es handelte sich nur um zusätzliche Angebote, für die es etwa keine Recording-Funktion gab. Andere Kabelprovider zieren sich noch mehr, das Apple TV scheint sich derzeit also eher als Zusatz in der Fernsehlandschaft zu bewähren und nicht als Ersatz. Was Apple stattdessen machen könnte, skizziert Newman gleichwohl. Wie der Anbieter Sling - oder in Deutschland Waipu.tv und Zattoo - sollte Apple eher eine App bringen, die die Streamingangebote diverser Sender in ein Bundle packt.

Fast vergessen: Dass Facetime ab Herbst Konferenzen mit bis zu 32 Teilnehmern ermöglicht, ist eine gute Nachricht. Microsofts Service Skype und Google Hangouts werden aber nicht befürchten müssen, durch Alles Lösung obsolet zu werden, denn die Sache hat wie üblich einen Haken: Facetime ist nach wie vor auf Apples Geräten verfügbar. Das überrascht zwar nicht besonders, doch erinnert sich Cnet-Autor Sean Hollister an das Versprechen, das Steve Jobs bei der Vorstellung von Facetime im Jahr 2010 gemacht hatte: Die Software solle auf Industriestandards basieren, respektive sie definieren und damit früher oder später auch für andere Plattformen zur Verfügung stehen. Das ist aber nicht passiert und wird es vermutlich auch nicht mehr. Denn im Jahr 2013 musste Apple die Funktionsweise von Facetime anpassen, um in einem langjährigen Prozess mit VirnetX verhandelte Patentverletzung zu umgehen – der Prozess hat Apple ohnehin schon hunderte Millionen von US-Dollar gekostet. Anstatt iPhones direkt miteinander kommunizieren zu lassen, setzt Apple Relay Server ein, die nicht mit Googles oder Microsofts Techniken zusammenarbeiten. Alternativ könnte Apple sich das aber auch bezahlen lassen, Hollister ist sich sicher, dass Unternehmen gerne für eine funktionierende Konkurrenz zu Skype Geld aufwenden würden, die unter macOS, iOS, Android und Windows laufe. So bleibt erst einmal nur der Frust und die Erkenntnis, dass Facetime und Messages zwei Apple-eigene Dienste und Programme sind, die man beim Wechsel zu einer anderen Plattform mit am meisten vermisst.

Sieht gut aus: Die Beta von macOS 10.14 Mojave steht nach wie vor nur registrierten Entwicklern zur Verfügung, die an sich nichts über Inhalte und Aussehen des neuen Mac-Betriebssystems verraten dürfen. Sie tun's aber doch und posten sogar Screenshots des Darm Mode, wie bei iDownloadblog . Nicht auszuschließen, dass Apple diese Bilder bald entfernen lässt, daher lohnt ein schneller Blick, der den Eindruck bestätigt, den man schon seit der Keynote am Montag hatte: Ja, der Dark Mode sieht gut aus, in Apples eigenen Apps wie Kalender oder den den von iOS herüber gezogenen Anwendungen wie Aktien, Home und News. Wie der Dark Mode genau funktioniert und was systemweit bedeutet, erklärt iMore ein wenig besser. Fast alles wird dunkel, nur die App-Icons bleiben hell und bunt - mit Ausnahme des Papierkorbs. Drittenwickler müssen aber ihre eigene Form von Dunkelheit definieren, um sich anzupassen. Die Bereitschaft dafür dürfte aber recht groß sein. Mojave führt zudem - nicht nur im Dark Mode - neben einer einheitlichen Farbe für Hervorhebungen sogenannte Akzente ein: Eine Farbe, in der man Schaltflächen oder Menüauswahlen tönen kann. Rot dürfte dabei im Dunklen am besten wirken, meint iMore-Autorin Lory Gil.

Funktioniert gut: Nicht nur Apple macht gute Software stetig besser, auch die Produkte Dritter sind einen Blick wert. So hat das Schreibprogramm Ulysses für macOS und iOS das Update auf Version 13 erhalten – und unser Macworld-Kollege Leif Johnson ist begeistert. Andere Schreiber mit PC würden ihn um die elegante und intuitive Software beneiden, für die es kein Pendant auf Windows und Android gibt. Zu den Neuerungen in diesem Jahr gehört etwa die Möglichkeit, Texte direkt nach WordPress oder Medium zu exportieren. Für Programmierer interessant: Ulysses unterstützt nun auch das Schreiben von Code. Einziger Nachteil: Ulysses ist nur im Abo zu haben, für 5 Euro im Monat.

Telekom: Mehr Surf-Speed für 95% der 100Mbit-Haushalte

Insgesamt 835.000 Haushalte haben laut Angaben der Telekom in den letzten vier Wochen schnelleres Internet erhalten. Sprich einen Anschluss mit 50 MBit/s oder 100 MBit/s im Download und bis zu 40 MBit/s im Upload. Bei 317.000 der 835.000 Haushalte wurde die Geschwindigkeitserhöhung durch das Einschalten von Vectoring erzielt. Die Telekom weist darauf hin, dass sie in einigen Gebieten Vectoring bisher nicht einsetzen darf, weil der Ausbau zum Teil durch Fördermittel finanziert worden war.

Sobald diese Einschränkung weg fällt, sollen auch diese Gebiete von Vectoring profitieren. "Die Gemeinden kostet das Plus an Geschwindigkeit keinen Cent, und die Anwohner werden nicht durch zusätzliche Baustellen belästigt. Die zusätzliche Geschwindigkeit erfolgt durch einen Kartentausch in den Verteilerkästen am Straßenrand", so die Telekom, die auch die Kosten für die Umrüstung trägt.

Bis Ende 2019 will die Telekom 95 Prozent aller 100-MBit/s-Haushalte auf 250 Mbit/s beschleunigen. Auch hier kommen auf Kommunen keine zusätzlichen Kosten und für Anwohner kein Baulärm zu. Ab August werden mehrere Millionen Haushalte in Deutschland mit bis zu 250 Mbit/s surfen dürfen. Unter telekom.de/schneller können Sie überprüfen, ob bei Ihnen schon ein 250-MBit/s-Umbau geplant ist.

515.000 der 835.000 Haushalte profitieren von der Netzmodernisierung (also IP-Umstellung) und können dadurch schnellere Internet-Verbindungen erhalten.

Russische Malware VPNFilter schlimmer als gedacht

Vor zwei Wochen wurde die Malware VPNFilter bekannt . Die Schadsoftware wird mit der russischen Regierung in Verbindung gebracht und soll bereits mehr als 500.000 Router in 54 Ländern befallen haben. Forscher vom Talos Security Team bei Cisco haben sich die Malware in einer neuen Analyse genauer angeschaut und kamen zu dem Ergebnis, dass die Auswirkungen von VPNFilter schlimmer sind als bislang angenommen.

Ein neu entdecktes Modul in VPNFilter führt einen aktiven Man-in-the-Middle-Angriff auf eingehenden Web-Traffic aus. Angreifer können mit Hilfe dieses Moduls schadhaften Payload in den Traffic injizieren, der durch den befallenen Router geleitet wird. Mit diesen Payloads können Hacker dann beispielsweise andere mit dem Netzwerk verbundene Geräte infizieren oder den Inhalt von Websites manipulieren. 

Das Modul untersucht außerdem Webadressen nach Anzeichen von übermittelten Passwörtern und anderen sensiblen Daten. Diese Daten werden kopiert und an die Server des Botnetzes weitergeleitet. Um die TLS-Verschlüsselung zu knacken, die solche Angriffe eigentlich verhindern soll, versucht das Modul HTTPS-Verbindungen in HTTP-Traffic umzuwandeln.

Die aktuelle Untersuchung von Cisco zeigt, dass VPNFilter eine weitaus größere Bedrohung darstellt, als noch vor zwei Wochen angenommen wurde. Während es zuerst schien, als würden befallene Router nur für Angriffe über ein Botnetz genutzt, scheinen die Router selbst die Zielscheibe der Malware zu sein. Mit dem neu entdeckten Modul hat VPNFilter sehr viel weitreichendere Eingriffsmöglichkeiten als angenommen. Laut Cisco können Angreifer beispielsweise die Online-Banking-Daten abgreifen, das Konto leeren, den Kontostand jedoch für den PC-Nutzer als unverändert anzeigen. 

Cisco zufolge sind außerdem noch sehr viel mehr Router-Modelle durch die Malware gefährdet. Die Sicherheitsexperten nehmen an, dass weltweit mehr als 700.000 Router befallen sind. Die meisten der infizierten Geräte stehen in der Ukraine. Doch auch Nutzer in den USA und Europa sind nicht gegen VPNFilter gefeit. 

Ebay-Auktion: 18.127 Filme für 1 Million Dollar

Da verkauft jemand auf Ebay aktuell eine äußerst beeindruckende Filmsammlung für schlappe 1 Million US-Dollar, was umgerechnet einem Betrag von 847.000 Euro entspricht. Der Filmsammler nennt sich auf Ebay kilamad, stammt aus Kanada und kann mit 99,9 Prozent positivem Feedback eine sehr gute Ebay-Statistik vorweisen, was die Wahrscheinlichkeit verringert, dass es sich um ein Fake-Angebot handelt.

Der Beschreibung zufolge enthält die Filmsammlung insgesamt 18.127 Filme auf 4K-Bluray, Bluray, HD-DVD, DVD, 3D-DVD, Criterion , Laserdisc, VHS und Beta. Der Verkäufer betont, dass es sich um seine persönliche Filmsammlung handelt, die Filme enthält, die er im Laufe der Jahre erworben hat. Genau genommen sind es sogar über 21.000 Filme, denn etwa 3.000 Filme auf Blu-Ray legt der Verkäufer als Zugabe noch mal drauf.

An die Filme ist der Mann überwiegend über seine Arbeit in einem Pfandleihhaus gelangt. Auf diese Weise schafften es auch viele seltene Ausgaben von Filmen in seine Sammlung. Insgesamt sammelte er die Filme über 25 Jahre hinweg. Den Zustand von 20 Prozent der Filme bewertet er mit "brandneu" und 70 Prozent mit "wie neu".

Die Sammlung hat einige Besonderheiten vorzuweisen:

Bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, aber über 2.200 Ebay-Nutzer beobachten die Auktion. Ein Angebot kann noch bis Mitte nächster Woche abgegeben werden. Wer nicht bereit ist, 1 Million US-Dollar zu bezahlen, kann dem Verkäufer auch ein anderes Angebot unterbreiten. Eine Übersicht aller Filme der Sammlung finden Sie auf dieser Seite.

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