2335730

Morgenmagazin vom Freitag, 9. März 2018

09.03.2018 | 07:06 Uhr |

Animoji vs. AR Emoji +++ Swift wächst weiter stark +++ Amazon auf dem Sprung, Apple zu überholen +++ Miese iPhone-X-Verkäufe: Katastrophe oder Analysten-Geschwätz? +++ Gesetzentwurf: Kalifornien bekommt Recht auf Reparatur +++ Telekom verschenkt 300 MB Datenvolumen +++ Chinesische Raumstation stürzt bald auf die Erde

9. März: Frühlingsboten

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Der Frühling lässt sich nun doch blicken, zumindest im Süden der Republik. Der Winter zieht sich in raue Berge zurück und sendet von dort, fliehend nur, Schauer körnigen Eises an sich nur noch im Nordosten. Von einem Frühlingsevent Apples bleibt nach wie vor keine Spur, wir rechnen auch schon länger nicht mehr damit.

Ein bisschen zweideutig hatte der Mac-Hersteller seine Show am Montag, den 9. März 2015 mit "Spring forward" betitelt. Es ging dabei nicht nur um die anbrechende grüne Jahreszeit, die Kalifornien meist früher ereilt als andere Landesteile, sondern auch um den Sprung der Uhrzeit, der da einen Tag zurücklag. Die USA stellen nämlich am zweiten Sonntag im März die Uhren eine Stunde vor, während es in der EU erst der letzte Sonntag sein wird. Am Wochenende ist es also wieder soweit und für zwei Wochen wird die Westküste in der Uhrzeit nur noch mehr acht Stunden der in Mitteleuropa gültigen hinterherhinken. So schlau waren wir vor drei Jahren glücklicher Weise auch schon, sonst hätten wir den Beginn der Keynote von Tim Cook und Konsorten um eine Stunde verpasst. So konnten wir aber schon ab 18 Uhr einschalten und Neues aus Cupertino sehen und hören.

Der wichtigste Punkt war seinerzeit natürlich der Preis für die Apple Watch - daher auch der Gag mit der Uhrzeit in der Einladung. Exakt ein halbes Jahr zuvor hatte Apple die intelligente Armbanduhr überhaupt erst vorgestellt und den Einstiegspreis von 349 US-Dollar genannt. Für das Sport-Modell. In 38 Millimeter. Alle anderen Preise musste man bis zu jenem 9. März phantasieren und so kursierten irre Spekulationen darüber, dass sie bis zu 10.000 US-Dollar betragen konnten. Das teuerste Modell, die Apple Watch Series in Gold hätte zusammen mit dem teuersten Armband - hochwertiges Leder und Schnalle aus purem Gold - dann schlappe 18.000 US-Dollar gekostet. Viel wird Apple von den Modellen, die es ohnehin nur in ausgewählten Stores gab, nicht verkauft haben. Die Apple Watch Series 2 bekam dann zwar auch eine "Series"-Variante, die war und ist aber aus Keramik und halbwegs bezahlbar. Doch schon das Mittelklassemodell aus Edelstahl ließ einen vor drei Jahren in preislicher Hinsicht die Ohren schlackern. Mit schwarzem Gliederarmband wäre ein guter Tausender fällig gewesen. Wir griffen doch besser zur Aluminiumausgabe, die uns auch noch heute die Zeit anzeigt - immer öfter aber wegen fast leeren Akkus am Abend nur noch diese in der Gangreserve.

Es ging an jenem 9. März vor drei Jahren aber nicht nur um die Uhr, deren Preise nun endlich feststanden und die gut vier Wochen später auch in den Handel gelangen sollte. Mehr noch hatte Apple seine Laptops neue geordnet. Auf erwartbare Updates für Macbook Air und Macbook Pro folgte die Wiederkehr des Macbook - das Apple um 2010 wegen zu großer Ähnlichkeit mit dem Macbook Pro ersatzlos gestrichen hatte.  Diesmal ist der Unterschied gewaltig: Das Macbook mit seinem scharfen 12-Zoll-Display ist kaum größer oder schwerer als ein iPad, aber eben ein vollwertiger Mac. Das Geheimnis: Ähnlich wie das iPhone (und auch der iPad) ist das Macbook im Inneren vor allem Akku. Die Hauptplatine mit dem Intel Core M, den Apple erstmals hier einsetzt, nimmt nur verschwindend Platz ein, der Rest sind bis in die Kanten des Gehäuses gestapelte Batterien. Ein Lüfter fehlt, und anders als bei anderen Geräten der Apple-Geschichte funktioniert das diesmal - wir hatten im auf den feinen Frühling 2015 folgenden heißen Sommer das Macbook zum Hitzetest bei fast 40 Grad im Schatten in den Biergarten mitgenommen. Das Testgerät (in Gold) leistet auch heute noch hervorragende Dienste. Wobei es Apple in den Jahren 2016 und 2017 jeweils im Frühling gelungen ist, mit Prozessoren neuerer Generation und weiter verbesserter Akkutechnik die Leistungsfähigkeit der Maschine noch weiter aufzubohren. Auf ein Update des Macbook Air wartet man seither vergeblich. Das soll aber nun doch noch passieren, wenn auch ohne Frühjahrskeynote. Für das Einsteiger-Laptop von Apple wäre das dennoch ein Sprung nach vorne. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

Rätsel: Twitter dient nicht dazu, tiefe Gedanken zu hegen und komplexe Sachverhalte zu vermitteln, dafür ist auch auf 280 Zeichen kein Platz. Macht nix, meint so manch Mächtiger und verbreitet unreflektiertes und oberflächliches Gedankengut. Das dann gerne Rätsel aufgibt, so etwa der kurze Tweet von Axl Rose, der einfach nur so dahin sagte, Tim Cook sei der Donald Trump der Musikindustrie. Wenn man den Sänger, der auch mal sitzender Weise bei AC/DC ausgeholfen hatte, etwas näher kennt, respektive seine Tweets, dann war das kein Kompliment. Es fehlt aber die Tiefe: Warum ist Cook der Trump der Musik? So weit wir wissen, hat Apple Music keine Mauer zu Mexiko in Planung und es gibt auch keine Einreiseverbot für arabische und persische Künstler und keine Strafzölle für Metal. In den letzten Jahren hat es bei Apple relativ wenige Umbesetzungen in der Führungsebene gegeben, an sich hatte Cook nur einmal bei der Besetzung des Nachfolgers von Ron Johnson daneben gelegen. Kein Sonderermittler fragt den Apple-CEO nach windigen Beziehungen seines Teams zu fremden Mächten und Apple Music muss sich nicht schon im November einer ernsten Testwahl stellen und das Ende für November 2020 fürchten. Axl bleibt uns also ein Rätsel, aber Musiker und ihre Texte sollen ja frei interpretierbar sein.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten: Im vergangenen Herbst wurde Apple noch von vielen wegen der Animojis auf dem iPhone X belächelt und gar verspottet – nun legt Samsung mit einem ähnlichen System, den AR Animoji auf dem Galaxy S9 nach. Die Gemeinsamkeit: Gesichtsregungen des Nutzers erkennt die Selfie-Kamera uns setzt sie auf den animierten Charakter auf dem Bildschirm um. Der wichtigste Unterschied besteht schon bei der Lokalisierung der Funktionen, die Animojis von iOS sind in der iMessages-App zu finden, während die des Galaxy S9 sich in der Kamera-Anwendung aufhalten, wo man sie vielleicht auch eher vermuten würde. Die AR Animoji sind zudem in der Länge nicht limitiert, Animojis dürfen nicht länger als zehn Sekunden sein. Animojis, die aus dem eigenen Gesicht gebildet werden, gibt es auch nur bei Samsung, Apple setzt auf Comic-Figuren, davon aber immerhin jetzt schon zwölf Stück. Mit iOS 11.3 kommen vier weitere hinzu. Samsung hat nur drei Charakterköpfe neben dem eigenen Gesicht zu Auswahl: Einen Hasen, eine Katze und einen blauen Bären. Während die Animojis von Apple mehr herkömmlichen Emojis ähneln, bietet die Lösung von Samsung  einen ganzen Cartoon-Charkter, mit Körper und Kleidung. Dank der 3D-Technologie des iPhone X ist die Mimik der Animojis aber wesentlich detailreicher als die Bewegungen der AR Emojis von Samsung, die nur von einer 2D-Kamera aufgenommen sind. Das iPhone X verlangt dafür aber gute Beleuchtung. Animoji-Karaoke kann man mit beiden Smartphones wunderbar aufnehmen, mit dem Samsung aber mehr als einen kurzen Ausschnitt.

Enges Rennen: Apple ist nach wie vor das nach Börsenwert größte Unternehmen und könnte das erste sein, das virtuell eine Billion US-Dollar (der Amerikaner spricht hier von Trillion) wert ist. Doch könnte schon bald Amazon Apple nicht nur einholen, sondern sogar überholen, und das noch vor der 1000-Milliarden-Marke. Denn der Aktienkurs des Online-Händler steigt derzeit stärker als der von Apple, im letzten Jahr allein um 83 Prozent. Zunehmender Online-Handel war dafür ein Grund aber auch der Trend zu Cloudlösungen, für die Amazon Serverkapazitäten bietet. Im Februar hatte Amazon sich auf Platz drei der Liste der wertvollsten Unternehmen gesetzt und dabei Microsoft verdrängt, nur noch Googles Konzernmutter Alphabet liegt wischen Amazon und Apple. Der aktuelle Stand, in Milliarden US-Dollar: Apple 893, Alphabet 783 und Amazon 752.

Spitze: Apples erst vier Jahre alte Programmiersprache ist laut einer Statistik von RedMonk mittlerweile auf Platz zehn der beliebtesten Programmiersprachen, gleichauf mit seinem Vorgänger Objective-C. Die Platzierung sei nicht sonderlich erstaunlich, könne man mit Swift doch Apps für das populäre iPhone, den Mac und das Web erstellen. Doch so schnelles Wachstum habe man bei RedMonk zuvor noch nie gesehen. An der Spitze der Liste stehen nach wie vor Java und Java Script, gefolgt von Python, PHP und C#.

Ladies : Anlässlich des gestrigen International Frauentages hat CNET eine Liste von 43 einflussreichen uns inspirierenden Damen in der IT-Industrie aufgestellt. An der Spitze der Liste steht Apples Retail-Chefin Angela Ahrendts, doch hat CNET bewusst keine Wertung vorgenommen und die IT-Ladies alphabetisch geordnet, Vorname zuerst. Ahrendts ist bei Apple nur eine von zwei Frauen in der Führungsriege, doch finden wir auf Platz sechs immerhin eine alte Bekannte: Die Musik-Evangelistin Bozoma Saint John, die Apple mit Beats übernommen hatte und die das Unternehmen erst kürzlich verließ.

Weitere Nachrichten:

Miese iPhone-X-Verkäufe: Katastrophe oder Analysten-Geschwätz?

Mit den jüngsten Verkäufen des iPhone X sind viele Analysten unzufrieden und senken ihre Erwartungen. JPMorgan hatte für den  Zeitraum Januar bis März anfangs erwartet, Apple werde 40 Millionen iPhone X verkaufen. Schnell wurde die Prognose aber auf 20 Millionen reduziert, jetzt auf nur noch 15 Millionen Stück. Damit ist JP nicht alleine, auf knapp die Hälfte kappten nun auch die Analysten der Citi ihre Absatzzahlen . Nur noch 14 Millionen Stück des Tausend-Dollar-iPhones werde Apple im ersten Quartal verkaufen, bisher war die Bank von 27 Millionen Verkäufen ausgegangen. Auch die Absatzzahlen aller iPhones wird nur noch auf 51 Millionen geschätzt, zuvor war man von 61 Millionen Apple-Smartphones ausgegangen. Das wäre ausgesprochen enttäuschend, im ersten Quartal 2016 hatte Apple mit 61,5 Millionen iPhones ganze zehn Millionen Stück mehr verkauft.

Als Gründe für die mäßige Nachfrage zählt die Analyse Mangel an Innovationen, hohe Konkurrenz und zu hohen Preis auf. Das könnte stimmen, nach einer Erklärung für das magere Interesse suchte zuletzt ja eine Umfrage von Piper Jaffray, die 1500 iPhone-Nutzer nach ihrem Interesse für das iPhone X befragte: 31 Prozent der Befragten war das iPhone X schlicht zu teuer, 44 Prozent waren mit ihrem aktuellen iPhone außerdem vollauf zufrieden und planten kein Upgrade. Offensichtlich nutzen viele Anwender ihr iPhone länger als zwei Jahre, was etwa eine Statistik von Asymco unterlegt. Sind doch nach dieser Analyse, die allerdings auch Macs und iPads berücksichtigt, noch zwei von drei jemals verkauften Apple-Geräten in Gebrauch.

Unsere Meinung : Was man nicht vergessen darf: Den Analysten geht es vor allem um die aktuellen Marktchancen der Apple-Aktie und sie korrigieren hier keine von Apple versprochenen Absatzzahlen, sondern ihre eigenen Schätzungen – die offensichtlich überzogen waren. Trotz sinkender Absatzzahlen geht es Apple glänzend und der Konzern konnte Gewinn und Umsätze steigern. So hat auch der für langfristige Investments bekannte Warren Buffet gerade seine Anteile an Apple erhöht und die Aktie von Apple ist seit einem Monat im Wert gestiegen. Offensichtlich hat ja das iPhone X eine wichtige Funktion erfüllt, nämlich den Durchschnittspreis aller verkauften iPhones deutlich anzuheben. So wäre es möglich, dass die Zahl der verkauften iPhones im ersten Quartal sinkt, Apple kann dies aber durch höhere Preise pro Einheit ausgleichen.

Unterschätzen sollte man ja die Umsätze und Gewinne nicht, die Apple mit älteren iPhone-Generationen wie iPhone 6S, iPhone 7 macht. Das iPhone SE ist aktuell zwar fast schon zu billig geworden , die kommende Generation sollte den Preis aber wieder stabilisieren. Aus Sicht eines Early-Adopter ist es natürlich schwer einzusehen: Die große Masse der Anwender ignoriert offenbar das iPhone X und kauft sich ein im Telekom-Shop empfohlenes iPhone wie das iPhone 7 oder iPhone 8. Wirkt doch sogar das teure iPhone 8 neben dem iPhone X wie ein Schnäppchen. Und auch die lange Nutzungsdauer von iPhones ist langfristig wohl eher positiv für Apples Kundenbindung. Mit der nächsten iPhone-Generation könnten die Verkäufe außerdem einen echten Schub bekommen.

Von wegen Ladenhüter: iPhone X straft Kritiker Lügen

Gesetzentwurf: Kalifornien bekommt Recht auf Reparatur

Im US-Bundesstaat Kalifornien soll ein Gesetz zum Recht auf Reparatur verabschiedet werden. Senatorin Susan Talamantes Eggman hat in dieser Woche dazu den „California Right to Repair Act“ vorgestellt . Das Gesetz zwingt Elektronik-Hersteller, ihren Kunden und Reparatur-Shops sowohl detaillierte Reparatur-Informationen als auch Diagnose-Tools für ihre Produkte zur Verfügung zu stellen. Die Unternehmen müssen außerdem Ersatzteile und Reparatur-Equipment bereitstellen. 

Das Gesetz würde Kunden laut Eggman die Freiheit zurückgeben, selbst zu entscheiden, wo sie ihr defektes Gerät reparieren lassen. Was vor zehn Jahren noch selbstverständlich war, sei im Zeitalter der geplanten Obsoleszenz inzwischen eine Seltenheit geworden, so Eggman. Menschen, die sich den teuren Reparaturdienst der Hersteller nicht leisten können, seien inzwischen gezwungen, TV-Geräte oder Smartphones aufgrund kleiner Defekte wegzuwerfen. Das Gesetz solle die heimische Reparatur-Wirtschaft stärken, anstelle von Produktionsstätten in Niedriglohnländern. 

Das Recht auf Reparatur wurde in den USA mittlerweile in 17 Bundesstaaten eingeführt, darunter Washington, Massachusetts, Vermont, New York, Hawaii, Illinois, Iowa, Kansas, Minnesota, Missouri, North Carolina, Nebraska, New Hampshire, New Jersey, Oklahoma, Tennessee und Virginia.


Telekom verschenkt 300 MB Datenvolumen

Die Deutsche Telekom schenkt ihren Mobilfunkkunden ein zusätzliches monatliches Datenvolumen von 300 Megabyte. Über nur 300 MB können mobile Vielsurfer wahrscheinlich nur lächeln, aber für einige Nutzer könnte das Angebot durchaus interessant sein. Das Angebot selbst gilt noch bis zum 31. Juli 2018 und ist mit einigen Bedingungen verknüpft. Die wichtigste Bedingung: Es muss die MagentaSERVICE App verwendet werden, die hier für iOS und hier für Android erhältlich ist.

Und so gelangen Sie an das kostenlose 300 MB zusätzliche monatliche Datenvolumen:

1) Wenn Sie einen Telekom Mobilfunk-Vertrag mit Mindestvertragslaufzeit haben, der Datenvolumen zum Surfen beinhaltet, können Sie mitmachen. Ausgenommen sind Business Tarife, reine Datentarife, CombiCards und Family Cards.

2) Laden Sie die MagentaSERVICE App ( hier für iOS und hier für Android ) auf Ihr Smartphone herunter. Loggen Sie sich in der App mit ihrem Telekom-Login ein. Sie finden das Datengeschenk in der App direkt auf der Startseite und im Hauptmenü unter "Verbrauch & Kosten". Nachdem Sie das Geschenk abgerufen haben, wird Ihnen der zusätzliche Datenpass mit 300 MB automatisch gebucht. Sie werden darüber per SMS informiert.

3) Das Extra-Datenvolumen ist immer bis zum Monatsende gültig. Wenn Sie die 300 MB vor Ende des Monats verbraucht haben, versurfen Sie anschließend das Inklusivvolumen Ihres Vertrags. Sie können sich ein Datengeschenk pro Monat bis zum Ende der Aktion am 31. Juli 2018 in der App abholen.

Chinesische Raumstation stürzt bald auf die Erde

Die chinesische Raumstation Tiangong-1 (chinesische für "Himmelspalast") stürzt in den nächsten Wochen zur Erde. Der voraussichtliche Termin, an dem Tiangong-1 in die Erdatmosphäre eintritt, ist laut der europäischen Weltraumorganisation ESA  zwischen dem 29. März und dem 9. April 2018. Für Bewohner in Deutschland sind aber die Breitengrade, zwischen denen die Trümmer der ausgemusterten Raumstation auf der Erde aufschlagen, viel wichtiger. Und diesbezüglich kann für Mittel- und Nordeuropa Entwarnung gegeben werden.

Denn der Wiedereintritt von Tiangong-1 in die Erdatmosphäre findet zwischen den Breitengraden 43 Grad Nord und 43 Grad Süd statt (der Äquator ist der Breitengrad 0). Falls Sie mit den Breitengraden nicht so vertraut sind: In Europa müssen die Menschen in Portugal, Spanien, Italien und Griechenland die Köpfe einziehen. Und natürlich alle Bewohner rund um den Globus, die zwischen diesen Breitengraden wohnen. Nimmt man die südliche Breite als Grenze, so sind zum Beispiel große Teile Afrikas betroffen.

Die ESA wird auf dieser Seite ihre Eintrittsprognose fortlaufend aktualisieren. Unsere Meldung gibt den Stand vom 6. März 2018 wieder.

Zwar wird die 8,5 Tonnen schwere Raumstation beim Wiedereintritt in  die Erdatmosphäre großenteils verglühen. Die Weltraumwissenschaftler halten es aber für wahrscheinlich, dass kleinere Trümmerteile auf der Erde aufschlagen werden. Das oben zu dieser Meldung abgebildete Foto von Aerospace zeigt die Bereiche der Erde, in denen Trümmer auf dem Boden aufschlagen können. Der gelb markierte Streifen hat eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, im größeren grünen Bereich ist es eher unwahrscheinlich, dass Trümmer auf die Erde fallen. Die blauen Bereiche sind vollkommen sicher – sagen die Wissenschaftler. Der Wiedereintritt erfolgt vermutlich unkontrolliert, weil die chinesische Bodenstation den Kontakt zur Raumstation verloren hat.

Tiangong-1 ist beziehungsweise war die erste Raumstation, die China ins All geschossen hat. Die 15 Kubikmeter große Station war für Experimente im All gedacht und beherbergte zwischenzeitlich chinesische Astronauten an Bord. Am 30. September 2011 brachte sie eine chinesische Rakete ins All. Die letzten Astronauten verließen Tiangong-1 im Juni 2013.

Laut Aerospace wurde bisher noch nie ein Mensch durch Trümmer von einer abstürzenden Raumstation oder einem Satelliten verletzt oder getötet. Bisher wurde laut Aerospace überhaupt nur eine Person von Trümmern getroffen: Lottie Williams aus Tulsa in Oklahoma. Das geschah 1996, die Frau wurde dabei aber nicht verletzt.

2335730