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Morgenmagazin vom Freitag, 9. November 2018

09.11.2018 | 07:05 Uhr |

Wie das iPhone XR noch besser werden könnte +++ Faltbares Samsung-Smartphone: Vorbild für Apple? +++ Tinder-CEO: Siri als Matchmaker +++ AI Anchor: China zeigt digitalen Nachrichtensprecher +++ Studie: So viel kostet schnelles Internet in 195 Ländern +++ Space X baut Falcon 9 zu kleinem Raumschiff um

9. November: Geschichte auf Wiedervorlage

Wir wünschen allseits guten Morgen! Geschichte wird vorwärts gemacht und rückwärts verstanden, so heißt es. Dabei entsteht so manches Missverständnis. Denn aus dem einen Ereignis folgt nicht zwangsläufig das nächste. Es hätte gewiss auch Alternativen gegeben, aber die Zeitläufe sind nun einmal so geworden, wie es die handelnden Personen entschieden haben.

Vor exakt 100 Jahren ging mit dem Waffenstillstand am 11. November der Erste Weltkrieg zu Ende, der damals keineswegs schon die Ordnungszahl in seinem Namen stehen hatte - das 21 Jahre später anbrechende Schrecken des Zweiten Weltkriegs war an jenem Novembertag noch unvorstellbar und daher keineswegs alternativlos.

Im englischsprachigen Raum feiert man den 11. November seither als Remembrance Day oder Veteran's Day, die Mohnblume – Poppy -, die so üppig auf den Schlachtfeldern in Flandern blühte, ist das Symbol des Kriegsgedenkens. In Deutschland ist der 11. November kein Gedenktag, der mit dem Ende des Grand Guerre, wie er in Frankreich auch heute noch heißt, zu tun hat. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, dass das Kaiserreich zu den Verlierern des Krieges gehörte, sondern dass dessen Ende zwei Tage vorher gekommen war.

Am 9. November 2018 musste der bereits im Exil in Spa weilende Kaiser erfahren, dass sein Cousin Reichskanzler Max von Baden die Abdankung Ihro Majestät als preußischer König und deutscher Kaiser bekannt gegeben hatte. Weder Wilhelm II, der wenigstens König von Preußen bleiben wollte, noch sein Cousinkanzler hatten die Abschaffung der Monarchie im Sinn, Max von Baden wäre selber gerne Regent in Stellvertretung des noch minderjährigen Kaiserenkels geworden.

Eine anderen alternativen Weg ging die Geschichte in Deutschland aber auch nicht, den einer Räterepublik nach sowjetischen Vorbild. Das war seinerzeit durchaus vorstellbar und in den Augen mancher alternativlos, der Sozialdemokrat und nachmalige Reichspräsident Friedrich Ebert fürchtete aber für diesen Fall einen Bürgerkrieg ebenfalls nach sowjetischem Vorbild, weswegen er sich und seine Partei schon im Oktober in die Reichsregierung des Max von Baden hatte einbinden lassen.

Die Hauptaufgabe jenes Kabinetts waren Waffenstillstandsverhandlungen, um einen längst verlorenen Krieg zu beenden. Nur halbherzige Reformen und das fehlende Bekenntnis des Reichskanzlers von ihrer Majestät Gnaden verhinderten aber einen womöglich besseren Vertrag. Und da der oberste Militär des untergehenden Kaiserreiches Ludendorff noch vor dem Kaiser entlassen wurde, konnte in den Jahren danach die Legende des Dolchstoßes entstehen: Sozialdemokraten und andere "vaterlandslose Gesellen" hätten das im "Felde unbesiegte Heer" schmählich verraten. Fake News sind keine Erfindung der Jetztzeit.

Die junge Demokratie war auf Sand gebaut und vor allerlei inneren Feinden geplagt. Dennoch war nicht zwangsläufig, was da passierte. Der von Ludendorff (sic!) und einem "böhmischen Gefreiten" (Zitat Reichspräsident Hindenburg, Eberts Nachfolger) angeführte Umsturzversuch vom 9. November 1923 hätte dem Staat klar machen müssen, welcher Hass da vor allem im Süden der Republik brodelte. Zumal danach der verhaftete Rädelsführer, verhinderte Maler und unfähige Literat in seinem Luxusgefägnis haarklein darlegte, wie er die Demokratie zerstören würde – und wen er als Sündenböcke ausgemacht hatte. Justitia, anscheinend vor allem auf dem rechten Auge blind, ließ ihn gewähren und hob das Verbot seiner Partei wieder auf.

So war es fast zwangsläufig München, die "Hauptstadt der Bewegung", in der an eine Hetzveranstaltung der Nazis im Alten Rathaus anschließend an einem 9. November das begann, was heute als Pogromnacht bekannt ist. Der Euphemismus, der an zerschlagene Scheiben erinnert, ist mittlerweile beinahe aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Angesichts hunderter Toter schon immer eine unzureichende Verharmlosung gewesen, diente er in der finsteren Zeit Einigen zumindest als Sarkasmus.

Was nun folgen würde, hätte vor 80 Jahren klar sein müssen, für Appeasement-Politik, wie sie England und Frankreich wenige Wochen zuvor noch justament in München vorgeführt hatten, gab es keine Rechtfertigung mehr, ein Zweiter Weltkrieg nach jener Nacht wohl nicht mehr zu vermeiden. Aber das versteht man auch erst im Nachhinein.

Warum aber es ausgerechnet wieder ein 9. November war, als ein Symbol der Kriegsfolgen "unverzüglich" in sich zusammenbrach, kann man wohl nicht rational erklären, es hätte beinahe ein jeder anderer Tag im Herbst 1989 sein können, an dem die DDR versehentlich ihre Bankrotterklärung abgab und die Berliner Mauer zum Einsturz brachte. Geschichte nimmt manchmal seltsame Volten. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag

Luft nach oben: Das iPhone XR ist ein tolles Smartphone, meinen nicht nur wir, sondern etwa auch unser Macworld-Kollege Michael Simon. Leistungsfähigkeit eines iPhone XS, dazu der Preis eines iPhone 8 und eine Akkulaufzeit wie nie zuvor, da kann man nicht meckern. Und doch könnte das iPhone XR noch besser werden, vielleicht ja schon ab der nächsten Generation. Auf der Liste stünden etwa ein Truetone-Display, das seine Farbtemperatur an das Umgebungslicht anpasst. Haptic Feedback, das auf dem XR 3D Touch ersetzt, könnte Apple auch auf App-Icons anwenden und schließlich den Algorithmus, der bei Poträtaufnahmen von Menschen den Vorder- vom Hintergrund separiert, auch auf Tiere und Dinge ausweiten. Zwei der drei Wünsche sind letztlich nur eine Frage der Software.

Zukunft : Samsung hat auf seiner Entwicklerkonferenz nun endlich einen Prototypen eines faltbaren Smartphones vorgestellt. Serienreif wird das Gerät erst im kommenden Jahr sein, dann aber längst nicht ausgereift. Mit hoher Wahrscheinlichkeit arbeitet Apple an ähnlichen Lösungen, doch wird es ein faltbares iPhone nicht so schnell geben, Apple bringt neue Techniken in Produkte erst ein, wenn es die Zeit dafür reif hält und die Lösung den hohen Qualitätsansprüchen entspricht. So hatte Apple auch eine weile für größere Bildschirme und letztlich für OLED gebraucht.  Das faltbare Design brächte viele Vorteile für das iPhone: So könnte es sowohl Smartphone als auch Mini-Tablet sein, wenn es sich auf eine Hosentaschengröße zusammenklappen lässt. Die vielen lästige Notch könnte entfallen und im ausgeklappten Zustand würde der Bildschirm wirklich von Kante zu Kante gehen. Doch noch handelt es sich hierbei um Zukunftsmusik, mit der Notch muss man noch einige Jahre leben.

Update: Nur einen Tag nach dem Verkaufsstart hat Apple bereits ein Update für das Macbook Air 2018 herausgebracht, das allen macbook-Air-Käufern empfohlen ist. Das macOS 10.14.1 Supplemental Update behebt laut Release Notes einige Fehler und verbessert die Performance, genauer geht Apple nicht auf die Inhalte ein.

Herzblatt: Gewiss, unsere Computer werden uns und unseren Geschmack schon bald besser kennen als wir uns selbst, wenn das nicht schon der Fall ist. Doch was Tinder-CEO Sean Rad über die nahe Zukunft von Siri auf dem Web Summit in Lissabon fantasierte, geht ein wenig zu weit: Die KI als Verkuppler. Lang werde es nicht mehr dauern, da könne die Instanz auf dem iPhone sagen: "Hey Sean, einen Kilometer von hier wohnt eine attraktive Dame, die dich auch attraktiv finden würde". Kein Zweifel, Big Data und selbst lernende Algorihmen könnten schon jetzt dazu in der Lage sein, was Siri betrifft, ist jedoch Skepsis angebracht. Dabei ist nicht die künstliche Intelligenz der digitalen Assistentin der limitierende Faktor, sondern Apples Umgang mit Daten. Nach den von Cupertino an den Datenschutz formulierten Ansprüchen ist es völlig undenkbar, dass Siri auf diese Weise einen Partner findet. Singles müssen sich also weiter auf Tinder und Konsorten verlassen oder sich in naher Zukunft an den Google Assistenten und Alexa wenden.

Kritik: Derartigen Datenschutz muss man sich aber auch leisten können, kritisiert Macworlds Leif Johnson Apple. Datenschutz und Privatsphäre seien ein Menschenrecht, betone das Unternehmen zwar immer, doch werden die Produkte Cupertinos immer teuer, das Menschenrecht für alle werde somit zum Privileg für Wohlhabende. Doch das hängt nicht an Apple alleine, wer Wert auf mehr Privatsphäre legt, fährt mit dem Auto zur Arbeit statt mit dem Bus  und lebt in einem großen Haus statt in einem kleinen Appartement in einer großen Wohnanlage, auch das muss man sich leisten können. Würde Apple aber seinen eigenen Anspruch in Sachen Privatheit von Daten etwas ernster nehmen, müsste es mehr Produkte für Einsteigerpreise veröffentlichen. Immerhin ist mit dem iPad 6 und dem iPhone XR so etwas wie ein Anfang gemacht.

Weitere Nachrichten:

AI Anchor: China zeigt digitalen Nachrichtensprecher

Die staatliche Presseagentur Xinhua aus China stellt mit dem AI Anchor einen digitalen Nachrichtensprecher vor, der neue Informationen vorliest. Welche Technologie als Grundlage für den künstlichen Moderator dient, bleibt zwar offen. Es ist aber davon auszugehen, dass die Aufzeichnung eines menschlichen Sprechers die Basis für die KI-gestützte Version bildet. Der Mund sowie der Rest des Gesichts werden jedoch von einem Computer berechnet. Die synthetische Stimme wirkt hingegen nicht sehr menschlich, sondern erinnert eher an digitale Assistenten wie Siri oder Alexa.

Bislang habe man zwei Sprecher entwickelt, die in Englisch und Chinesisch Nachrichten vorlesen können. Die AI Anchors könnten im Gegensatz zu echten Sprechern 24 Stunden täglich Neuigkeiten verbreiten, die im TV, im Internet und auf Mobilgeräten verbreitet werden können. Mit der lokalen Suchmaschine Sogou sei bereits ein Kooperationspartner gefunden worden. An den wenigen Gesichtsausdrücken werden die Grenzen der Technik noch deutlich. Da das maschinelle Lernen jedoch in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat, könnte der Unterschied zu einem echten Sprecher aber in Zukunft kaum noch auszumachen sein. Doch auch schon jetzt wirkt das Ergebnis beeindruckend. Auf den ersten Blick lässt sich nicht erkennen, dass hier eine KI anstelle eines echten Sprechers arbeitet.

Studie: So viel kostet schnelles Internet in 195 Ländern

In der Ukraine gibt es die weltweit günstigsten Breitband-Internetzugänge. Sie kosten im Schnitt umgerechnet knapp 4,40 Euro im Schnitt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Cable.co.uk, bei der zwischen dem 15. August 2018 und 20. September 2018 die Preise für Breitband-Internetzugänge in 195 Ländern ermittelt wurden. Insgesamt wurden dabei 3.303 Angebote für solche Zugänge ermittelt und bei der Studie berücksichtigt.

Deutschland landet mit einem Durchschnittspreis von etwa 32,50 Euro weltweit auf Platz 53. In Westeuropa aber immerhin auf Platz 3, denn nur in Italien (25,85 Euro; weltweit Platz 36) und Frankreich (27,80 Euro, weltweit Platz 40) sind die schnellen Internet-Zugänge im Schnitt günstiger.

Unsere Nachbarn in Österreich zahlen dagegen im Schnitt 43,90 Euro (weltweit Platz 79) und in der Schweiz sogar 70 Euro im Monat (weltweit Platz 143). Damit landet die Schweiz in Europa auf dem letzten Platz.

Die Studie verrät auch, dass schnelle Internetzugänge vor allem in Russland, in den Staaten der früheren Sowjetunion und in den restlichen osteuropäischen Ländern besonders günstig sind. Russland landet beispielsweise auf Platz 4 mit einem Durchschnittspreis von 8,55 Euro / Monat. Günstiges schnelles Internet gibt es auch in Ländern wie Polen, Türkei, Ägypten, Syrien und Iran.

Eher teuer sind die Zugänge dagegen in den USA. Das Land landet mit einem monatlichen Durchschnittspreis von 59,30 Euro weltweit auf Platz 113 von 195.

Auf dem letzten Platz landet übrigens das nordwestliche afrikanische Land Mauretanien, wo für einen schnellen Internetzugang monatlich im Schnitt etwa 672 Euro gezahlt werden müssen. Auf dem vorletzten Platz findet sich Papua-Neuguinea. Im Land im südwestlichen Pazifik kostet Breitband-Internet im Schnitt um die 500 Euro pro Monat.

Space X baut Falcon 9 zu kleinem Raumschiff um

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX will mit dem Big Fucking Spaceship (BFS) ein Raumschiff für Flüge zum Mars oder Mond entwickeln. Als eigentliches Raumschiff soll dabei die zweite Stufe einer Rakete dienen. Schon im nächsten Jahr will das Unternehmen von Elon Musk den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre testen. Dazu wird ein BFS-Prototyp an eine Falcon-9-Rakete gekoppelt. Die Landung muss das Vehikel jedoch nicht überstehen, hiermit habe man bereits genügend Erfahrungen gesammelt.

Der Wiedereintritt stellt die Ingenieure hingegen noch vor Probleme. Im Gegensatz zu den bereits wiederverwendeten Dragon-Frachtern fordere die Aerodynamik ganz andere Eigenschaften des Raumschiffs. Mit einem als Mini-BFS bezeichneten Vehikel will man die nötigen Daten sammeln. Der Jungfernflug soll im Juni 2019 stattfinden. Wann dann erste Flüge Richtung Mars oder Mond stattfinden sollen, ließ Elon Musk jedoch offen. Aktuell würden sich wohl auch keine Mitreisenden oder Astronauten finden, die an einem solchen Test ohne sanfte Landung teilnehmen würden. Entsprechend stehen wohl noch viele Testläufe und Totalverluste an. Elon Musk ist jedoch fest davon überzeugt, mit seinem Unternehmen SpaceX die Raumfahrt zu revolutionieren.

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