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Morgenmagazin vom Mittwoch, 1. August 2018

01.08.2018 | 07:06 Uhr |

Nächstes Rekordquartal für Apple +++ 53,3 Milliarden US-Dollar Umsatz 11,5 Milliarden US-Dollar Gewinn +++ iPhone legt vor allem im Umsatz zu, Mac rückläufig +++ Chrome und Firefox wollen RAM-Verbrauch senken +++ Gmail plant zeitversetzten Versand von E-Mails +++ Experte: Waffe im 3D-Drucker ausdrucken ist eine Straftat

1. August: Der Erhabene

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Neuer Monat, neues Glück - doch das Wetter bleibt erst einmal gleich. Das Wetter vieler Jahre macht das Klima, wir fragen uns dennoch, ob die aktuelle Hitzewelle und die seit April andauernde Trockenheitsphase nicht doch ein Vorbote ist auf Sommer, die wir gar nicht mehr schätzen werden. Weite Teile Südeuropas könnten schon in wenigen Jahrzehnten zur Wüste werden, welche Auswirkungen das auf Migrationsbewegungen haben wird, wollen wir uns gar nicht erst vorstellen. "Alle Leute reden über's Wetter, aber keiner tut was dagegen", das Bonmot von Karl Valentin war auf "schlechtes" Wetter gemünzt. Heute liest sich das weniger spaßig, wenn alle über das Klima reden (es dabei oft mit dem Wetter verwechseln) aber anscheinend niemand bereit ist, etwas dagegen zu unternehmen. Man muss kein allzu großer Pessimist sein, um den Klimawandel und seine Folgen als das bedeutendste Problem des noch jungen Jahrhunderts anzusehen. Nicht wenige Kriege wurden durch Schlechtwetterperioden und Wandel des Mikroklimas ausgelöst, in die Zeit der sogenannten Völkerwanderung begann eine über Jahrhunderte andauernde Kälteperiode.

Jenen Klimawandel des Altertums kann man dem Menschen nicht anlasten, insbesondere nicht den Römern, der Weltmacht der Antike. Die feuchten Sommer und kühlen Winter nördlich der Alpen mögen zwar den Migrationsdruck in das römische Reich verstärkt haben, dies war aber nicht ursächlich für den Verfall Westroms. Wobei: Was heißt Verfall? Den Römern haben wir auch heute noch jede Menge zu verdanken, nicht nur den Aquädukten. Sondern vor allem das Rechtssystem und die damit verbundene Gewaltenteilung.

Und natürlich den Namen des neuen Monats, August, von Kaiser Augustus, "der Erhabene". Ist im Prinzip der richtige Name für den Sommermonat. Vor der Kaiserzeit hieß der achte Monat des Kalenders schlicht "Sextilus". Das klingt nun wirklich nicht nach Freibad, Speiseeis und Biergarten. Vielleicht wird man aber eines  Tages zur alten Bezeichnung zurückkehren, wenn man mit "August" nur noch mehr wenig Schönes assoziiert. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Angriff: Geht es um den Desktop oder noch mehr um das Laptop, lautet die Frage ja: Windows-PC oder Mac? Google will mit einer aggressiven Werbekampagne sein Chromebook mit ins Spiel bringen. Der Spot, der allerlei Fehlermeldungen aus macOS und Windows zeigt, endet mit dem Claim: "Wenn Sie Virenschutz wollen, Batterie für den ganzen Tag, automatische Updates, seltener Laden wollen, schnellere Systemstarts, weniger Verzögerungen und eine neue Art von Laptop, dann chrombooken Sie." Abgesehen von der schrägen Grammatik wird aber klar, worauf Google hinauswill und Kunden anspricht, die etwa von Adware und langen Bootzeiten genervt sind. Zu den Spezifikationen kein Wort, in Sachen Leistungsfähigkeit wird das Chromebook auch nicht mit Laptops von Acer oder gar Apple mithalten können. Für eine spezielle preissensitive Zielgruppe ergibt sich womöglich ein dritter Weg zwischen Mac und PC.

Der Abnehmer: Unser Macworld-Kollege Leif Johnson kündigt einen interessanten Selbstversuch an: Mit Hilfe der Apple Watch und dazu kompatiblen Geräten und Apps will er in den nächsten drei Monaten 30 Kilogramm Gewicht abnehmen. Johnson ist in derartigen Projekten erfahren, im letzten Jahr nahm er ohne weitere technische Hilfe gar 50 Kilo ab, hat aber wieder deutlich zugelegt - das neue Ziel liegt aber klar unter dem alten. Dem Abnehmer ist bewusst, dass Gadgets wie die Apple Watch einen Prozess nur unterstützen können, die Disziplin zum Kalorienzählen und für mehr Bewegung muss von selbst kommen. Doch dürfte der Versuch recht interessant werden, denn Apple hat die Uhr zwar als Fitness- und Gesundheitsgerät positioniert, aber vor allem für Leute, die fit und gesund bleiben wollen und nicht erst sportlich werden müssen, meint Johnson. Wir sind gespannt, drücken ihm die Daumen und verfolgen den Selbstversuch aus der Ferne.

Neue Masche: Eine neue Phishing-Mail an iCloud-Adressen macht die Runde, wie ars technica berichtet. In dieser heißt es, iOS-Geräte sein "wegen illegaler Aktivitäten" gesperrt, man solle daher sofort unter der angegebenen Nummer Apple Care anrufen. Dort werde einem empfohlen, eine bestimmte Device-Management-Software zu installieren - vermutlich Malware. Die Website der Phisher ist noch aktiv, immerhin erkennen Safari und Chrome diese bereits als schädlich.

Vergleich: Ken Segall, ehedem Kreativdirektor bei Chiat\Day und unter anderem für Apples "Think different!"-Kampagne vor fast zwanzig Jahren verantwortlich, vergleicht das Apple von früher mit Steve Jobs unter Marketing-Aspekten mit dem von heute – ohne Josb, mit Tim Cook an der Spitze. Der aktuelle CEO werde aus Segalls Sicht schlecht beraten, als Beispiel nennt er die Kampagnen für das iPhone. Für jedes Modell gebe es eine neue, Apple verpasse aber die Gelegenheit, dem iPhone damit eine Persönlichkeit zu verleihen und dem Publikum Lust auf das Gerät zu machen. So oder so funktioniert Apples Strategie für das iPhone aber anscheinend bestens, Jahr für Jahr meldet Cupertino neue Rekordzahlen …

Weitere Nachrichten:

Nächtes Rekordquartal für Apple

Wie Apple gestern Abend nach Börsenschluss in New York um 22 Uhr MESZ vermeldete, betrug der Umsatz im Dreimonatszeitraum, der am 30. Juni endete, 53,3 Milliarden US-Dollar, was ein beeindruckendes Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Der Gewinn pro Aktie stieg gar um 40 Prozent auf 2,34 US-Dollar oder insgesamt 11,52 Milliarden US-Dollar (plus 32 Prozent).Der durchschnittliche Umsatz pro iPhone betrug damit 724 US-Dollar, etwa 100 US-Dollar mehr als vor einem Jahr und ungefähr so viel wie im zweiten Quartal - das iPhone X scheint bei den Kunden weiter sehr beliebt zu sein.

iPhones hat Apple 41,3 Millionen Stück verkauft, in Stückzahlen nur geringfügig mehr als vor einem Jahr, der damit erzielte Umsatz stieg aber von 24,8 auf 29,9 Milliarden US-Dollar. Ebenfalls leicht stiegen die Stückzahlen des iPad an, auf 11,6 Millionen Exemplare, der Umsatz sank jedoch leicht. Deutlich zurück gingen die Mac-Verkäufe, auf nunmehr 3,72 Millionen Stück, was ein Minus von 13 Prozent bedeutet. Das neue Macbook Pro hatte Apple jedoch erst im Juli in den Handel gebracht, seine Wirkung wird es erst im nächsten Quartal zeigen.

In der Kategorie "Anderes"; in die Apple Homepod, AirPods, Apple Watch, Beats-Kopfhörer und mehr packt, hat der Hersteller ein Umsatzplus von 40 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar zu vermelden. Insbesondere die "Wearables" hätten den Umsatz laut Tim Cook angetrieben, also AirPods und Apple Watch. Letztere hätte ein weiteres Rekordquartal hingelegt, mehr Details nannte der Apple-CEO nicht. Die Services-Sparte legte um 31 Prozent auf einen Umsatz von 9,55 Milliarden US-Dollar zu.

Für das aktuelle Quartal rechnet Apple mit einem weiteren Rekordergebnis, der Umsatz soll zwischen 60 und 62 Milliarden US-Dollar liegen und damit rund zehn Milliarden US-Dollar höher als 2017. Aus den hohen Erwartungen lässt sich schließen, dass Apple mindestens eines, wenn nicht alle, der neuen iPhone-Modelle noch im September auf den Markt bringen will. Wachstum konnte Apple in jeder Region bilanzieren, auch wieder in China, wo der Zuwachs 19 Prozent betrug. Im Vorjahr hatte Apple dort noch eine zehnprozentige Umsatzeinbuße hinnehmen müssen.

Der Kurs der Apple-Aktie nahm einen kräftigen Sprung und legte um 5 US-Dollar zu, der Börsenwert des Unternehmens nähert sich immer mehr der Trillionen-Grenze.

Chrome und Firefox wollen RAM-Verbrauch senken

In Browsern lassen sich durch Tabs Dutzende Webseiten gleichzeitig darstellen. Diese praktische Funktion sorgt jedoch für einen steigenden RAM-Verbrauch, so dass selbst Geräte mit 16 GB Arbeitsspeicher irgendwann an ihre Grenzen kommen. Die Hersteller der beiden Browser Firefox und Chrome arbeiten daher an Methoden, um den RAM-Hunger zu senken . Googles Chrome führte in Version 68 beispielsweise die Funktion Page Lifecycle ein, mit der Webseiten im Hintergrund pausiert werden können. Laut Entwickler kann Chrome damit Systemressourcen aggressiver optimieren.

Mozilla will in Firefox hingegen eine Funktion namens Fission MemShrink einbauen, mit der sich pro Prozess 7 MB RAM einsparen lassen. Da davon Hunderte gleichzeitig laufen, bietet sich auch hier großes Sparpotenzial. Auch auf Smartphones und Tablets steht RAM nur begrenzt zur Verfügung. Mobilanwender sollen daher ebenfalls von den neuen Funktionen profitieren. Googles Funktion Page Lifecycle greift hingegen Strategien von Mobilgeräten auf, die über das Android-Betriebssystem Apps schon länger Schlafen schicken können, um so Batterielaufzeit einzusparen. Im Browser müssen dazu jedoch auch die Entwickler der angesteuerten Webseiten mitspielen. Dies werde noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Gmail plant zeitversetzten Versand von E-Mails

Bei einem APK-Teardown der Gmail-Android-App in der Version 8.7.15 hat der Android-Blog androidpolice.com ein neues Feature entdeckt, das möglicherweise bald in der Gmail-App für Android Einzug halten könnte: Das zeitversetzte Versenden von E-Mails. Die Funktion wünschen sich Gmail-Nutzer bereits seit längerem. Zahlreiche Browser-Erweiterungen binden das Feature bereits in Gmail auf dem Desktop ein und über Google Sheets und Google Scripts existiert aktuell ein mehr oder weniger aufwändiger Workaround.

Wie aus der aktuellen Gmail-APK für Android hervorgeht, will Google das Feature künftig jedoch nativ in seine E-Mail-Anwendung einbinden. Hinweise darauf liefert ein Label mit der Aufschrift „schedule send“ im Menü-Quellcode der App. Denkbar ist, dass fertig getippte E-Mails neben dem üblichen „senden“-Button auch einen „später senden“-Option erhalten, mit der Nutzer ein Datum und eine Uhrzeit für den E-Mail-Versand einstellen können. Wann genau Gmail-Nuzter mit dem neuen Feature rechnen können ist noch unklar. Den Gerüchten zufolge werden jedoch sowohl die Android-App als auch das Web-Interface von Gmail gleichzeitig mit der Funktion bedacht.

Experte: Waffe im 3D-Drucker ausdrucken ist eine Straftat

Die Non-Profit-Organisation Defense Distributed wird am 1. August die Pläne für eine funktionierende Plastik-Waffe aus dem 3D-Drucker veröffentlichen. Damit wird ein jahrelanger Streit mit der US-Regierung beendigt, allerdings wollen mehrere Staatsanwälte aus acht US-Bundesstaaten dies noch mit Eilklagen gegen die Trump-Regierung verhindern. Ob sie damit Erfolg haben, wird sich in den nächsten Stunden zeigen.

Wer in Deutschland am 3D-Drucker eine Waffe ausdruckt, der macht sich strafbar. Darauf weist Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter in einem Interview mit der Zeitung Die Welt hin. Bisher ist offenbar noch keine Straftat bekannt geworden, die mit einer so gefertigten Waffe durchgeführt wurde. Waffen aus einer solchen Herstellung, so Fiedler, seien aber noch kein grundlegendes Problem, weil die Anschaffung der geeigneten 3D-Drucker noch zu teuer sei und eine ausgedruckte Waffe eine Gefahr für die Person darstelle, die die Waffe nutze.

In Deutschland sei grundsätzlich die Fertigung einer Waffe strafbar. Dabei spiele auch keine Rolle, ob diese aus Plastik oder Metall gefertigt werde. Mit der Zeit werde sicher auch die Verbreitung von 3D-Druckern zunehmen, die Metall verarbeiten. Daher müsse das Problem beobachtet werden. Fiedler fügt aber auch hinzu, dass es auch heute schon möglich sei, mit normalen Haushaltsmitteln großes Unheil anzurichten. Dazu gebe es im Internet genügend Anleitungen, wie man beispielsweise mit einem Messer einen Polizisten töten oder einen Sprengstoff selbst herstellen könne. "Schusswaffen aus dem 3D-Drucker wären dann in der Zukunft 'nur' eine zusätzliche Facette", so Fiedler.

Fiedler erklärt auch, dass Waffen aus Plastik sehr wohl bei Kontrollen an Flughäfen mit der bereits verfügbaren Technik erkannt werden können. Ein weiteres Problem stellen 3D-Drucker aber etwa bei der Produktion von Ersatzteilen dar, beispielsweise für ein Auto, die dann illegal verkauft werden.

Derzeit sei es laut Fiedler auch viel einfacher für einen Kriminellen, eine Waffe über das Darknet zu erwerben, als diese selbst herzustellen. Für die Bekämpfung des illegalen Waffenhandels im Internet seien mehr Polizisten notwendig, allerdings habe diese Bekämpfung aktuell keinen hohen Stellenwert in der Politik.

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