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Morgenmagazin vom Mittwoch, 1. Februar 2017

01.02.2017 | 06:57 Uhr |

Apples neue Rekordbilanz: 78,4 Milliarden US-Dollar Umsatz +++ iPhone und Mac legen zu, iPad verliert weiter +++ Rätsel um Apple Watch +++ Apple TV fällt im US-Markt zurück +++ US-Einreiseverbot: Google-Mitarbeiter protestieren gegen Trump +++ Sky will Pay-TV künftig per Internet streamen +++ Standard: Freigabe für 25- und 50-Gigabit-Ethernet

1. Februar: Voice of America

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Wer gedacht hatte, 2017 würde besser als 2016, war entweder naiv oder hatte daran geglaubt, dass das Wünschen wieder hilft. Im Gegenteil müssen wir im Jahr 2017 verdammt aufpassen, dass die Misere, die schon in den letzten Jahren immer mehr aufgebaut hat, nicht noch eskaliert. Geschichte wiederholt sich zwar nicht, doch man sollte aus ihr immer wieder Erkenntnisse ziehen, um eine Wiederholung zu verunmöglichen. Heute vor 100 Jahren hatte die kaiserliche Marine etwa den uneingeschränkten U-Boot-Krieg gegen Großbritannien und Frankreich erklärt - das Wort "total" kam später in Mode. Aber wie es mit solch großen und großspurige Aggressionen immer wieder in der Menschheitsgeschichte passiert ist: Es fiel alles auf den Urheber zurück. Der Einsatz der damals noch neuartigen Waffe führte nicht zuletzt zum Kriegseintritt der USA - eine vor 100 Jahren grob unterschätzte ehemalige Kolonie und Regionalmacht. Mit deren Aufstieg zur Weltmacht ergab sich aber eine völlig neue Balance in der Geopolitik, die sich 25 Jahre später als segensreich erweisen sollte. Denn am 1. Februar 1942, heute vor 75 Jahren erklang erstmals von jenseits des Atlantiks eine Stimme der Vernunft auf deutsch: Der Sender "Voice of America" brachte seine Botschaft von Freiheit über den Atlantik - noch von britischen Sendeanlagen aus. Ein weiterer "Feindsender", der den Machthabern des Dritten Reiches zusetzen sollte.

Heute würde man gerne eine Stimme der Vernunft in die andere Richtung schicken, dorthin, wo der Machthaber den "Krieg" gegen eine der wesentlichen Kontrollinstanzen einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung erklärt hat: der Presse. Es steht zu befürchten, dass das Land of the free, das Home of the Brave sich in eine autoritäre Präsidentialdiktatur entwickeln könnte. Im Weißen Haus reagiert der Wahnsinn, so scheint es. Der mit diplomatisch formulierten Worten nicht zu stoppen ist. Wie aber anders hält man dem Wahnsinn stand, wenn nicht mit der Stimme der Vernunft, eben dieser Voice of America, die sich vor allem an den Küsten und in den Städten auch in den USA immer lauter artikuliert. Gerade heute kommen uns die Zeilen des Songs "Voice of America" der britischen Rockband Asia wieder in den Sinn: "And now, the tears are in my eyes / The sound you can't disguise / The truth comes back from lies /And all I want to hear: Voice of America, ooh, America".

Gestern erreichte uns Musikfreunde die Nachricht, dass Asia-Gründer, -Bassist- und -Sänger John Wetton im Alter von 67 Jahren verstorben ist. Vielleicht trifft er sich auf der anderen Seite mit Greg Lake, der ihn bei Asia für ein paar Jahre vertrat und im Dezember gewissermaßen voran ging. Auch unter diesem Aspekt zeigt sich 2017 nicht besser als 2016. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Nächste Runde: Der Januar ist vorbei, Zeit für einen ersten Rückblick in Sachen Spiele für den Mac. Den haben wie immer unsere Kollegen der Macworld gewagt und dabei etliche spannende Titel entdeckt. Etwa das Point-and-Click Adventure Memoranda, das auf Kurzgeschichten des japanischen Autoren Haruki Murakami basiert, das knifflige Puzzle Red's Kingdom, das es auch für iOS gibt oder das 2D-Abenteuer Owlboy, bei dem man in die Rolle einer Eule schlüpft, die sich gegen Luftpiraten zu verteidigen hat.

Keine Sorge : Hat das mutmaßliche Ende von AirPort-Hardware bei Apple auch Auswirkungen auf AirPlay? Schließlich setzen neben dem Apple TV nur noch die AirPort-Extreme-Basisstationen auf die Technik, die Idee, dass Dritthersteller bei Apple die Streamingtechnologie für ihre TV-Sets und Lautsprecher lizenzieren würden, hat sich nicht durchgesetzt. Glenn Fleishman meint, man müsse diesbezüglich keine Sorge haben, AirPlay bleibt für iOS-Geräte eine wesentliche Technik und würde allenfalls durch einen verbesserten Nachfolger ersetzt, aber nicht einfach gestrichen. AirPort-Hardware werde man auch noch eine ganze Weile bei Apple kaufen können, selbst wenn sie nicht mehr weiter entwickelt würde. Alternativen gibt es nicht wirklich, immerhin aber Airfoil von Rogue Amoeba, das auch mit AirPlay kompatibel ist, aber auf eigene Streamingtechniken setzt.

Leichter Verzug: Apple bezahlt seine von der EU auf 13 Milliarden Euro festgelegten Steuerrückstände in Irland trotz seines Einspruchs und diesbezüglicher Unterstützung der Republik Irland. Die Frist ist zwar schon am 3. Januar abgelaufen und noch hat Apple nicht alles Schulden auf ein Treuhänderkonto überwiesen, doch drohen weder den irischen Behörden noch Apple Ungemach. Wie die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärt, sei die Sache auf Grund der hohen Summe etwas kompliziert. Man arbeite aber eng mit dem irischen Fiskus zusammen und stelle Fortschritte bei der Zahlung fest. Die Steuerschuld sollte bald in voller Höhe beglichen sein.

Neue App: Facebook setzt immer mehr auf Videos, auch als Distributionskanal für Werbung. So plant nun das Unternehmen laut Wall Street Journal, auf das Apple TV eine App zu bringen, mit der Facebook-Nutzer in ihre Streams eingestellte Videos auch auf dem großen Bildschirm betrachten können.

Letzte Maßnahme: In der gestrigen Bilanzpressekonferenz erklärte Apple-CEO Tim Cook die gegen Qualcomm eingereichte Klage als bittere Notwendigkeit, der man sich nicht entziehen könne. Er sei kein Freund von Klagen, doch lasse der Lieferant keine andere Wahl, da er in Verhandlungen keine fairen Lizenzvereinbarungen angeboten habe. Qualcomm wolle laut Cook für Techniken kassieren, mit denen das Unternehmen nichts zu tun habe. Cook verglich die Situation mit dem Kauf eines Sofas, das umso teurer werde, je teurer das Haus ist, in das es einziehen soll.

Weitere Nachrichten:

Apples neue Rekordbilanz: 78,4 Milliarden US-Dollar Umsatz

Apple hat im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2016/17, das am 31. Dezember endete, eine neuen Rekordmarke bei Umsatz und Gewinn gesetzt. Der Umsatz war mit 78,4 Milliarden US-Dollar um etwas mehr als drei Prozent höher als vor einem Jahr, der Gewinn stieg von 3,28 US-Dollar auf 3,36 US-Dollar pro verwässerter Aktie - in absoluten Zahlen ist der Gewinn jedoch leicht gesunken, von 18,4 Milliarden auf 17,9 Milliarden US-Dollar.

Hauptumsatzbringer war natürlich wieder das iPhone, von dem Apple im Berichtszeitraum mit 78,3 Millionen Stück so viel verkaufte wie noch nie zuvor innerhalb eines Quartals - vor einem Jahr waren es 74,8 Millionen gewesen. iPhone 7 und iPhone 7 Plus scheinen also gut bei der Kundschaft anzukommen. Der mit iPhones erzielte Umsatz stieg von 51,6 Milliarden US-Dollar auf 54,4 Milliarden US-Dollar.

Erneut schwächer abgeschnitten als im Vorjahr hat beinahe erwartungsgemäß das iPad. 13,1 Millionen Verkäufe (gegenüber 16,1 Millionen) brachten 5,5 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 7,1 Milliarden USD) in die Kassen Cupertinos. Das letzte neue iPad-Modell hatte es jedoch im Frühjahr 2016 gegeben, im Jahr davor hatte Apple das iPad Pro im Herbst in den Handel gebracht. Leicht zugelegt hat jedoch der Mac, von 5,31 auf 5,37 Millionen Stück, der Umsatz stieg von 6,7 auf 7,2 Milliarden US-Dollar, im Durchschnitt erlöste Apple also etwas mehr pro Mac, 1340 US-Dollar gegenüber 1261 US-Dollar. Grund dafür dürfte das im Oktober herausgebrachte Macbook Pro sein - gleichzeitig nahm Apple das bisher günstigste Modell, das Macbook Air mit 11-Zoll-Bildschirm, aus dem Angebot.

Der Services-Bereich, in dem Apple Umsätze aus Angeboten wie iCloud, iTunes und dem App Store konsolidiert, hat erneut zugelegt, um stolze 13 Prozent auf 7,2 Milliarden US-Dollar. Der Bereich "Sonstiges", in dem Zubehör, Beats-Kopfhörer, iPods und die Apple Watch zusammenkommen, verlor indes gegenüber Vorjahr 8 Prozent und trug 4,02 Milliarden US-Dollar zum Umsatz bei. Im September hatte Apple eine zweite Generation der Apple Watch herausgebracht, die diesen Bilanzposten zumindest nicht herausgerissen hat. Genaue Verkaufszahlen für die intelligente Armbanduhr lassen sich aus der Bilanz aber nicht erschließen. Apple behauptet jedoch, auch die Apple Watch habe im ersten Quartal einen neuen Verkaufsrekord gesetzt. Dann sähe es  für den iPod noch finsterer als in den Jahren zuvor aus und auch die Beats-Kopfhörer und -Lautsprecher wären dann eher nur mäßig erfolgreich.

64 Prozent seiner Umsätze hat Apple außerhalb der USA generiert in "Greater China" (Volksrepublik China, Hongkong, Taiwan) ging der Umsatz jedoch um 12 Prozent zurück. Das iPhone ist in der Region unter starken Druck lokaler Hersteller geraten.

Apple hatte eine derartige Bilanz schon im Oktober angekündigt, als sich gute Verkäufe des iPhone 7 (Plus) abzeichneten. Die eigene Prognose lautet auf einen Umsatz von 76 bis 78 Milliarden US-Dollar, Wall Street hatte mit 77,8 Milliarden US-Dollar gerechnet - die tatsächlichen Zahlen lagen also noch ein Stück höher. Für das bereits laufende zweite Quartal sieht Apple einen Umsatz zwischen 51,5 und 53,5 Milliarden US-Dollar vor.

Im laufenden Quartal hat Apple rund 15 Milliarden US-Dollar in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an Investoren ausgeschüttet, seit beginn des Programms insgesamt mehr als 200 Milliarden US-Dollar. im laufenden Quartal will Apple eine weitere Dividende von 57 Cent pro Aktie auszahlen, sie wird am 17. Februar fällig.

Apple TV fällt im US-Markt zurück

Der US-TV-Markt ist stark umkämpft, der Marktanteil des Apple TV ist dabei offenbar leicht im Sinken, wie Venturebeat berichtet . Laut Zahlen der Marktforscher von eMarketeer ist Google Chromecast Marktführer und konnte seine Verbreitung gegenüber 2015 von 16,2 auf 19,9 Prozent steigern. Der Marktanteil des Apple TV soll dagegen von 12,6 Prozent auf zuletzt 11,9 Prozent gefallen sein, 2014 waren es noch 13,5 Prozent. Erfolgreicher als Apple war auch Roku, das seinen Marktanteil auf 18,2 Prozent steigerte. Das bedeutet aber nicht, dass Apple seine Verkäufe nicht steigern konnte, die Konkurrenten wachsen nur schneller. Ende 2016 sollte es laut dem Bericht 20,5 Millionen Haushalte mit Apple TV geben, gegenüber 30,2 Millionen Haushalten mit Chromecast. Bei der Beobachtung der Marktanteile darf man außerdem nicht vergessen, dass sie wenig Rückschlüsse auf die Verkaufsumsätze zulässt. Mit Sicherheit verdient Apple mit dem Verkauf des Apple TV mehr Geld als Google mit dem Chromecast. So kostet ein Apple TV 4 ab 150 US-Dollar, ein Chromecast knapp 35 US-Dollar. Auch die Umsätze pro Gerät, etwa die mit den Geräten verkauften Apps und Videos wurden nicht veröffentlicht. Daten zu Amazons Fire TV liegen nicht vor, der Marktanteil entspricht etwa dem der drei Konkurrenten.

So hatte ja Apple angekündigt, die Zukunft des TV wären Apps. Aktuell hat Apple aber weiterhin Mühe, seinen Nutzern ein TV-Paket anzubieten. Der TV-Markt ist in den USA ist gerade in einer Umwälzung, da viele so genannte „cord cutter“ nach einer Alternative zum sehr teuren Kabelanschluss suchen.

US-Einreiseverbot: Google-Mitarbeiter protestieren gegen Trump

Google und viele andere US-IT-Unternehmen hatten bereits am Wochenende ihre ablehnende Haltung gegen den vom US-Präsidenten Donald Trump angeordnete US-Einreisestopp für Staatsangehörige aus sieben überwiegend muslimischen Staaten bekundet. Über 2.000 Google-Mitarbeiter haben am Montag nun offen gegen die Entscheidung von Trump protestiert. Unter den Hashtags #GooglersUnite und #NoBanNoWall protestierten sie nicht nur auf dem Google-Campus in Mountain View, sondern auch auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken. Google-Mitarbeiter anderer Standorte hätten sich der Aktion angeschlossen und ebenfalls demonstriert.

Die Demo in Mountain View wurde laut den Tweets von den Google-Mitarbeitern selbst organisiert. Das Unternehmen selbst habe die Aktion aber unterstützt, und während der Demonstration hielten sowohl Google-Chef Sundar Pichai als auch Google-Gründer Sergei Brin eine Rede. Während der Demo hielten die Google-Mitarbeiter Plakate wie "Sei nicht böse", "Behandelt alle Menschen wie Menschen", "Stolze Tochter von Immigranten", "Wir sind eine Nation von Immigranten", "Mein Amerika ist für jedermann" und "Angst ist dumm".

Im Vorfeld hatten die Google-Mitarbeiter bereits zwei Millionen US-Dollar gesammelt, die an Organisationen gespendet werden, die Flüchtlinge unterstützen. Google hat die Summe verdoppelt.

Sky will Pay-TV künftig per Internet streamen

Der Pay-TV-Sender Sky strahlt sein Programm per Kabel, IPTV und Satellit aus. Dazu könnte sich künftig noch ein vierter Verbreitungsweg gesellen. Wie das Unternehmen in dieser Woche mit der Veröffentlichung seiner aktuellen Geschäftszahlen bekannt gab , plant Sky, sein komplettes Programm auch über das Internet zu streamen.

Das OTT-Angebot (Over-the-Top-TV) soll zunächst 2018 in Großbritannien starten. Im Anschluss könnten Deutschland, Italien und Österreich folgen. Einen konkreten Termin nennt Sky jedoch noch nicht. Für den Empfang hat Sky den neuen Receiver Sky Q angekündigt. Dieser bringt neue Funktionen wie 3D-Sound im Dolby-Atmos-Format mit.

Noch in diesem Jahr launcht mit dem Sky Store außerdem eine digitale Videothek für Serien und Filme in Österreich und Deutschland. Der Sky Store kann auch von Nicht-Sky-Kunden genutzt werden. Sky Ticket, das Angebot für Inhalte ohne Abonnement, soll in diesem Jahr auch auf weitere Plattformen und Endgeräte ausgeweitet werden.

Standard: Freigabe für 25- und 50-Gigabit-Ethernet

Zwar stehen schon länger Gerätschaften zur Verfügung, mit denen sich Netzwerke mit 25 bzw. 50 Gigabit pro Sekunde realisieren lassen, eine fertige Spezifikation gab es bislang aber noch nicht. Das 25 Gigabit Ethernet Consortium , zudem unter anderem Google, Microsoft oder Broadcom gehören, hat den Standard nun abgesegnet . Änderungen seit der Finalisierung Mitte 2016 gibt es nicht.

Im Gegensatz zu 40GbE soll 25GbE mit einer deutlich einfacheren Infrastruktur auskommen. Dabei greifen die Standards 25GbE sowie 50GbE auf Techniken zurück, die für 100GbE bereits entwickelt wurden. Beide Spezifikationen können sowohl mit Kupferkabeln als auch mit Glasfaserverbindungen realisiert werden. Zudem kann eine 100GbE-Verbindung einfach in mehrere Verbindungen aufgesplittet werden, die dann jedoch langsamer sind.

Mit dem Standard 25GbE lassen sich pro Sekunde 3,13 Gigabyte durch das LAN-Kabel jagen. Bei 50GbE steigt der Wert 6,25 Gigabyte pro Sekunde. Für den Heimanwender bietet dies derzeit noch keine Vorteile, für Rechenzentren kann das Tempo aber gar nicht hoch genug ausfallen.

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