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Morgenmagazin vom Mittwoch, 11. Juli 2018

11.07.2018 | 07:00 Uhr |

Apple legt Teams für Siri und CoreML unter neuer Führung zusammen +++ 1Password: Agile Bits dementiert Übernahmegerüchte +++ WhatsApp: Fehler belastet Datenvolumen extrem +++ Surface Go: Microsoft schrumpft das Surface Pro auf 10 Zoll +++ Stinkefinger auf Facebook: 50 Euro Geldstrafe von der Polizei

11. Juli: Champion der Champions

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Vor der WM machte ein blöder Spruch die Runde: "Ich denke, die Polen nehmen den Weltcup mit nach Hause. Wer Weltmeister wird, weiß ich nicht." Lustig. Nicht. Wie es scheint, zeigt das an sich Völker verbindende Sportfest in diesem Jahr auch seine hässlichen, nationalistischen Seiten. Aber darauf wollen wir hier nicht näher eingehen, sondern darauf, wer denn nun wirklich bei der Weltmeisterschaft gewinnt. Den World Cup heim nehmen wird übrigens niemand, das Original wird das Luschniki-Stadion nicht mit dem Sieger verlassen, sondern in einem Sicherheitskoffer, der zurück in die FIFA-Zentrale in der Schweiz verbracht wird. Am Montag wird das siegreiche Team mit einer Kopie in der Heimat den Triumph bejubeln. Vielleicht sind das ja die Engländer, dann kann Gary  Lineker seinen alles andere als blöden Spruch anpassen: "Football is a simple game. 22 men chase a ball for 90 minutes and every 52 years the English win."

Wer aber der Gewinner der WM wirklich war? Das Magazin Quartz hat eine einfache und überraschende Antwort: Apple . Denn der Hersteller aus Cupertino zählt zwar nicht zu den Sponsoren des Weltfußballverbandes FIFA, seine Produkte waren aber allgegenwärtig. Kaum ein Spieler, der am Flughafen zwischen Maschine und Abfertigung oder im Stadion zwischen Mannschaftsbus und Kabine keine Zahnbürstenköpfe - pardon, Airpods - in den Ohren stecken hatte oder ersatzweise einen OverEar der Apple-Tochter Beats auf dem Kopf. Was an allen Bildern auffällt: Die Logos sind abgeklebt. Müssen abgeklebt sein. Hat die FIFA so vorgeschrieben, nur Marken, die dafür bezahlt haben, dürfen auf Bilder von offiziellen WM-Veranstaltungen. Das ist die FIFA streng und verhängt eine 50.000-Dollar-Strafe gegen das kroatische Team, weil deren Spieler vor dem Elfmeterschießen gegen Dänemark Wasser aus Flaschen tranken, auf denen ein fremdes Etikett zu sehen war. Strafen für rassistische Schmähungen der Gegenspieler fallen im Übrigen deutlich niedriger aus, die meisten Vergehen werden gar nicht mal verfolgt.

Kein Wunder und geradezu vorbildlich, dass Apple einer solch zweifelhaften Organisation nicht auch noch Abermillionen von Sponsorgeldern zahlen will - wobei Apples Ausgaben für Sport ohnehin in der langen Geschichte des Unternehmens überschaubar waren. Die Produkte aus Cupertino kommen bei den jungen und recht wohlhabenden Leuten, die ihrer Arbeit in kurzen Hosen nachgehen, aber recht gut an. Und da Apple-Produkte schon immer nicht nur am Logo zu erkennen waren, fallen Airpods und Beats natürlich auf, ohne dass Apple dafür hätte bezahlen müssen. Genial und einen Cup wert.

Es ist aber auch nicht so, dass Apple die WM völlig ignorieren würde, mit einzelnen Sportlern hat das Unternehmen durchaus Werbeverträge, verweigert aber gegenüber Quartz jedwede Auskunft, ob die bei in Russland gesichteten Fußballer ihre Ohrhörer gegen Geld oder freiwillig durch die Gegend tragen. Apples kanadische Niederlassung hat auch einen kurzen Werbespot anlässlich des am Sonntag zu Ende gehenden Wettbewerbs aufgelegt: How to shoot Football on iPhne X . Wohlgemerkt: Football. Und nicht das in den USA gebräuchliche unselige Soccer. Aber das US-Team war ja gar nicht erst dabei und schaun mer mal, womöglich gilt ja: Football's coming home. Wenn auch ohne den originalen Pokal. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Süße Lösung: Dieser Tage blickt jeder auf zehn Jahre App Store zurück und wie das Angebot unser digitales Leben umgekrempelt hat, wir ja auch. Doch wagt Mac Stories einen Blick auf die Zeit davor, jenes Jahr, in dem auf dem iPhone nur native Apps von Apple (iTunes, Telefon, Kontakte, Fotos, Safari, Mail,...)  und Google (Karten, Youtube) liefen. Und vor allem diejenigen Web-Anwendungen, die Steve Jobs noch als "Sweet Solution" bezeichnet hatte und die man auch im Rückblick kaum als "süß" bezeichnen kann, sondern eher als "nervig". So waren die zur WWDC 2007 nach San Francisco gepilgerten Entwickler einen Monat vor dem Verkaufsstart des Wundergeräts auch nur mäßig beeindruckt von den Web-Apps, die Jobs und Scott Forstall vorführen. Eine andere Lösung musste her: Jailbreak. Schon im Oktober 2007 nahm das iPhone Dev ihre Arbeit auf und veröffentlichte Programme für den "Ausbruch" aus den von Apple gesetzten engen Schranken, Entwickler ließen ihre Phantasie blühen und entdeckten dabei fast nebenbei, wie gut sich das iPhone für Spiele eignete, die weit über das Niveau von Snake hinausreichten. Immerhin erwähnte Steve Jobs bereits am 17. Oktober 2007 erstmals, dass ein vernünftiges SDK für das iPhone unterwegs sei, dieses brachte Apple dann auch im März 2008 heraus. Jailbreaking, was die einzige Methode war, um native Software neben der Apples auf das iPhone zu bringen, wurde womöglich deshalb nicht zum Massenphänomen. Denn es war ein wenig kompliziert und mit dem Risiko behaftet, das Telefon zu ruinieren - wenn man also aber nur ein wenig Geduld mitbrachte, konnte man auf das Risiko verzichten. Das Warten hat sich in jedem Fall gelohnt.

Zahlen: Auch für Apple hat sich das Angebot gelohnt, nicht nur für die Entwickler, wie Business Insider vorrechnet. Apple hat nach eigenen Angaben in den letzten zehn Jahren insgesamt 100 Milliarden US-Dollar an App-Anbieter ausbezahlt, so dürfte auch um die 40 Milliarden US-Dollar in den Kassen Cupertinos hängen geblieben sein.

Äpfel und Birnen: Vergleiche von Geräten über Plattformgrenzen hinweg sind ja immer schwieirg, im Fall des neuen Surface Go von Microsoft hat das Michael Simon für PC World gewagt und den drei Gründe gefunden, warum das neue Tablet das iPad schlagen könnten - und drei Gründe dagegen. Für das Surface Go spricht zunächst einmal, dass es ein "echter Computer" sei: Mit 4 GB RAM, 64 GB Speicher und einem 1,6 GHz schnellen Pentium-Chip von Intel - das Surface kann Standard-Software für Windows ausführen. Am Surface kann man auch einen 4K-Monitor betreiben oder zwei mit geringerer Auflösung, und eine Gesichtserkennung ist bereits eingebaut. Auf die FaceID muss das iPad noch warten. Für Apples Lösung spricht hingegen sein niedrigerer Preis - rechnet man das notwendige Zubehör für das Surface Go mit ein. Das iPad ist mit seinem A10-Chip auch schneller als das Surface Go und seine Batterie hält länger.

Dementi: Laut eines Berichts des Blogs Boy Genius Report (BGR) will Apple all seinen 135.000 Mitarbeitern eine Lizenz des Passwortmanagers 1Password verschaffen. Die Kooperation soll aber noch tiefer gehen und eine Übername des Herstellers Agile Bits folgen. Dieser habe einen Jahresumsatz irgendwo zwischen fünf und zehn Millionen US-Dollar, die Übernahme würde das Dreifache kosten. Doch ist BGR offenbar falschen Gerüchten aufgesessen, Agile Bits hat diese via Twitter nun dementiert und  klar gestellt, dass das Unternehmen weiterhin unabhängig bleibe.

Personalie : Apple hat seine Leadership-Seite aktualisiert und einen neuen Kopf präsentiert. John Giannandrea steht demnach nun als Chief of Machine Learning AI Strategy jenen Teams vor, die sich bei Apple bislang um Siri und künstliche Intelligenz gekümmert haben. Giannandrea ist erst seit April bei Apple, zuvor hatte er bei Google die Abteilung für Suche und künstliche Intelligenz geleitet. Das Siri Team war bisher unter der Aufsicht von Softwarechef Craig Federighi. Beide Teams bleiben laut TechCrunch in ihrer Struktur bestehen und bekommen nur einen neuen Chef.

Weitere Nachrichten:

WhatsApp: Fehler belastet Datenvolumen extrem

Nutzer von WhatsApp könnten aktuell verärgert sein: Der Dienst sorgt durch einen Fehler für ein extrem angestiegenes Datenaufkommen, bei einer Mobilverbindung könnte dies sogar das Inklusivvolumen aufbrauchen. Auf Twitter und Reddit finden sich zahlreiche Beiträge von verärgerten Nutzern. Das WhatsApp-Backup falle demnach seit einigen Stunden deutlich größer aus als gewohnt. Dies führte bei einigen Anwendern dazu, dass mehrere Gigabyte an Bildern und Videos über die Mobilverbindung gesichert wurden. Teilweise seien die Backups über 10 GB groß.

Normalerweise sichert WhatsApp Chats, Bilder und Videos inkrementell, das heißt, dass immer nur die Inhalte gesichert werden, die nicht schon Teil eines früheren Backups waren. Durch einen Fehler erstellt WhatsApp aber aktuell komplette Backups und nutzt dafür auch die Mobilfunkverbindung. Noch ist nicht bekannt, warum WhatsApp so große Backups erstellt. Einige der betroffenen Anwender nutzen die Beta-Version 2.18.207, nach der Installation der regulären Version funktionierte das Backup wieder wie erwartet. Ob nur Android-Nutzer oder auch iOS-Anwender betroffen sind, steht noch nicht fest. Besorgte Nutzer sollten das Auto Backup in den Einstellungen von WhatsApp vorübergehend abschalten, bis die Ursache für den Fehler gefunden wurde.

Surface Go: Microsoft schrumpft das Surface Pro auf 10 Zoll

Microsoft hat das Surface Go vorgestellt. Das neue 10-Zoll-Tablet bietet damit den günstigsten Einstieg in die Surface-Familie. Mit dem „Go“ im Namen will Microsoft zum Ausdruck bringen, dass man das Tablet aufgrund seiner Größe überall hin mitnehmen kann.

Das Surface Go hat einen kleineren 3:2-Pixelsense-Bildschirm (1800 x 1200 Pixel) und einen schwächeren Prozessor als die anderen Surface-Modelle. 10 Zoll misst der Touchscreen des Surface Go mit integriertem, ausklappbarem Kickstand. Als Prozessor kommt ein Dual-Kern Intel Pentium Gold 4415Y der siebten Generation zum Einsatz. Für die Grafikleistung ist eine Intel-HD-Grafikeinheit on board zuständig. Er kann auf 4 oder 8 GB RAM zugreifen. Der interne Speicher ist dann entweder 64 oder 128 GB groß.

Neben der rückseitigen Hauptkamera ist auch noch eine 5-MP-Frontkamera mit Gesichtserkennung für Video-Chat und -Telefonie verbaut. Aufgeladen wird das Tablet über den Surface Connector-Port. Darüber kann das Surface Go auch mit einer Docking-Station verbunden werden. Zusätzlich verbaut Microsoft aber auch noch einen USB-C-3.1-Port. Darüber kann das Tablet ebenfalls aufgeladen werden, vor allem aber können auch Daten darüber übertragen werden. Microsoft verspricht bis zu neun Stunden Akku-Laufzeit mit einer Akku-Ladung.

Als Betriebssystem läuft bei Privatanwendern zunächst einmal Windows 10 S. Die Nutzer können aber kostenlos auf Windows 10 Home wechseln. Das Surface Go unterstützt alle von Windows 10 bekannten Bildschirm-Modi für Mobilgeräte. Unternehmenskunden erhalten das Gerät mit Windows 10 Pro, welches sich auch in den S Modus bringen lässt.

Genauso wie für das Surface Pro gibt es auch für das Surface Go ein optionales Keyboard-Cover und zwar in vier unterschiedlichen Farben. Und der optionale Surface Pen ist ebenfalls kompatibel zum Surface Pro. Beide Geräte kosten extra.

Microsoft verkauft die 4-GB-RAM-Version (mit 64 GB Speicher) für 449,99 Euro (US-Preis: 399 Dollar). Die Variante mit 8 GB RAM und 128 GB internen Speicher kostet 599 Euro. Beide Versionen sind mit dem Intel Pentium Gold Prozessor 4415Y ausgestattet.

Vorbestellungen sind seit dem 10. Juli 2018 auch in Deutschland möglich. Im deutschen Online-Store von Microsoft war das Surface Go bei Redaktionsschluss noch nicht verfügbar. Das sollte sich aber bald ändern, voraussichtlich um 15.00 Uhr beginnt der Vorverkauf. Die Auslieferung soll am 28. August beginnen.

Zum Start verkauft Microsoft nur die WLAN-AC-Versionen, die LTE-Versionen sollen später im Jahr 2018 folgen. Bluetooth wird ohnehin immer unterstützt.

Darüber hinaus hat Microsoft Zubehör für das Surface Go angekündigt, welches separat erhältlich ist.

Das Surface Go Type Cover für rund 180 Euro gibt es in Schwarz sowie als Signature Type Cover in den Farben Bordeaux Rot, Kobalt Blau und Platin Grau.

Die Surface Mobile Mouse lässt sich via Bluetooth verbinden und kommt in den drei Surface-Farben Bordeaux Rot, Kobalt Blau und Platin Grau.

Der aktuelle Surface Pen für rund 110 Euro ist mit Surface Go kompatibel.

Microsoft Surface Go kaufen

Stinkefinger auf Facebook: 50 Euro Geldstrafe von der Polizei

Wie die österreichische Nachrichtenseite heute.at berichtet, regte sich ein 26 Jahre alter Österreicher in einer rund 6000 Mitglieder zählenden Facebook-Gruppe, in der vor Polizeikontrollen gewarnt wird, über eine seiner Meinung nach „unnötig feige“ versteckt aufgestellte Geschwindigkeitskontrolle auf. Das Posting war verbunden mit der Anrede „du“ und direkt darauffolgend mit dem Stinkefinger-Emoji (ausgestreckter Mittelfinger). Das Posting wurde am 28. Mai 2018 um 17.52 Uhr erstellt.

Woher wir das Datum des vor der Radarkontrolle warnenden Postings so genau kennen? Weil es in dem Schreiben von der "Bezirkshauptmannschaft Bruck an der Leitha, Fachgebiet Strafen" steht, das der Facebook-Nutzer Wochen später bekam. Das Schreiben erklärt ausführlich den Tatbestand – das Posting war an einen großen Personenkreis gerichtet, es enthält die Anrede eines Polizisten mit „du“, verbunden mit dem Stinkefinger-Emoji – und die daraus resultierende Folge: 50 Euro Geldstrafe. "Wegen eines groben Verstoßes gegen die in der Öffentlichkeit zu beachtenden allgemein anerkannten Grundsätze der Schicklichkeit" und "stellt einen groben Verstoß gegen diejenigen Pflichten dar, die jedermann in der Öffentlichkeit zu beachten hat", steht in dem Schreiben in bestem österreichischen Beamten-Deutsch zu lesen.

Aufgrund der Kombination aus „du“ und Stinkefinger-Emoji handelt es sich offensichtlich um die Beleidigung eines Polizisten, so empfindet es zumindest die Behörde. Diese "Verwaltungsübertretung" wird nach §1 des NÖ Polizeistrafgesetzes geahndet. Mit 50 Euro Geldstrafe.

Der Betroffene will vor dem Bezahlen erst noch eine Rechtsberatung einholen und klären lassen, ob das Verhängen der Strafe wegen des Facebook-Postings rechtens ist.

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