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Morgenmagazin vom Mittwoch, 12. Juli 2017

12.07.2017 | 06:56 Uhr |

iPhone 8: "Hauch von Panik" in Cupertino +++ Digitaler Protest für Netzneutralität +++ Paypal-Unterstütztung für den App Store angekündigt +++ Amazon Prime Day: Streiks an sechs Standorten +++ Forschung: Deep-Learning-System erkennt Falschparker +++ China will ab 2018 private VPN-Verbindungen blockieren

13. Juli: Besser einfach

Wir wünschen allseits Guten Morgen! So ist es wieder Mittwoch geworden, der Kaufrausch des Amazon Prime Day klingt ab. In den USA steht heute der Tag der Einfachheit respektive National Simplicity Day im Kalender. Das hat nichts mit dem einfach gestrickten Intellekt des derzeitigen US-Präsidenten zu tun und dessen simple Botschaften von einer wiederkehrenden Großartigkeit, die es so auch niemals gegeben hat. Es geht an diesem Tag zwar auch darum, komplexe Vorgänge auf einen möglichst einfachen Kern zu reduzieren, wenn auch einen nicht zu einfachen.

Mehr noch gilt aber, dem Überfluss eine Absage zu erteilen und eine einfache Lebensweise anzustreben. Der National Simplicity Day geht vermutlich auf den Autoren und Philosophen Henry David Thoreau und sein Werk "Walden. Oder das Leben in den Wäldern" zurück, der heute vor 200 Jahren in Concord, der Hauptstadt von Massachusetts, geboren wurde. In seinen gut zwei Jahren in einer Blockhütte an einem Waldsee suchte Thoreau die Einfachheit des Lebens, den Zusammenklang mit der Natur und vor allem Erkenntnisse über sich selbst und seine Spezies. Schon in den 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts sah Thoreau eine mit der Industrialisierung einhergehende Entfremdung - was würde er erst über das bedingungslose Wachstumsdogma unseres Zeitalters denken? Und das hartnäckige Leugnen derer Folgen, von Leuten, die es in ihrer Bequemlichkeit schlicht und ergreifend zu einfach machen wollen?

Zurück zur Natur ist aber nicht die Lösung, nur ein Ansatz. Wie garstig und gar feindlich die Natur sein kann, haben die Münchner heute vor 33 Jahren erlebt, als eine Kaltfront aus dem Südwesten auf heiße Luft  gestoßen war, die die Stadt und ihre Umgebung zu einem wahren Backofen aufgeheizt hatte. Gewitter und Schauer sind gerade im Juli nicht so selten, was aber über München und seinen Landkreis an jenem Donnerstag herunter ging, war ein Jahrhunderthagel mit Eiskörnern, von denen einige die Größe von Tennisbällen hatten. In den Biergärten flüchteten sich die Zecher an jenem Abend unter die Biertische, auf denen von den Naturgewalten zerschmetterte Bierkrüge für weitere Verletzungsgefahr sorgten, dutzende von Gewächshäusern wurden binnen Minuten zu Scherbenpalästen. Und noch Jahre später konnte man auf Münchner Straßen Fahrzeuge ausmachen, die in jenen fatalen Minuten unter der Laterne parkten, man erkannte diese gut an den hunderten von Dellen im Blech der Karosserie. 

Eine Wiederholung dieser Vorgänge ist aufgrund der steigenden Durchschnittstemperaturen durchaus zu befürchten, sogar immer häufiger in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Aber nicht heute, dieser Tage nimmt sich der Sommer ein wenig zurück, vereinzelte Schauer und Gewitter wird es zwar geben, aber kaum Unwetter der Münchener Art. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Zeit wird knapp: Mark Sullivan berichtet für Fast Company von Problemen Apples mit dem kommenden iPhone 8 oder iPhone X oder iPhone Pro, die einen "Hauch von Panik" in Cupertino erzeugen würden. Vor allem Softwareprobleme mit neuen Komponenten machten Sorgen, sowohl für das drahtlose Ladesystem als auch für den 3D-Sensor zur Gesichtserkennung. Die Hardware wäre zwar prinzipiell in Ordnung, die Software sei aber dafür verantwortlich, dass die Systeme nicht zuverlässig genug funktionieren würden. Eine mögliche Lösung wäre, das neue iPhone im Herbst mit der neuen Hardware auszuliefern, sie aber mit einem Softwareupdate erst zu einem späteren Zeitpunkt freizuschalten. Dafür gibt es mit dem Portraitmodus des iPhone 7 Plus einen Präzedenzfall, John Gruber hatte von ähnlichen Überlegungen berichtet. Apple habe aber zudem mit mangelnder Verfügbarkeit von OLED-Screens zu kämpfen, über den Touch-ID-Sensor sei man auch noch unschlüssig, wo man ihn den platzieren wolle. Auf der Vorderseite ist kaum Platz, da der Bildschirm diese beinahe komplett beanspruchen soll, bleibt als Möglichkeit noch, den Sensor unter den gesamten OLED zu platzieren, was wiederum eine Herausforderung an die Software ergäbe.

Digitaler Protest: Den 12. Juli haben verschiedene Organisationen zum Internet-weiten Aktionstag ausgerufen, der für Netzneutralität streiten will. Diese ist noch durch Gesetze wie den Communications Act von 1934 und dien Open INternet Order der FCC von 20115 geschützt, wird aber durch Internetprovider bedroht, die für schnelles Internet extra Geld verlangen wollen und bestimmte Datenpakete bevorzugt zustellen wollen - was der grundsätzlichen Architektur des Netzes widerspräche. Auf vielen Websites und in Apps wird es heute entsprechende Banner geben, die vor dem Ende der Netzneutralität warnen und zudem simulieren, wie ein derartiges Netz aussehen könnte. Viele Seiten und Apps würden nur extrem langsam laden, ständig würden Aufforderungen aufpoppen, Abos für schnellere Dienste abzuschließen. An der Aktion beteiligt sind Unternehmen wie Amazon, Twitter oder Vimeo, aber auch Organisationen wie Change.org, Greenpeace oder die ACLU.

Alternative am Handgelenk: Kürzlich hatten wir ja das Vergnügen, eine Smartwatch mittels Android Wear mit dem iPhone zu koppeln, wobei das Vergnügen recht begrenzt war. Unsere Kollegen der Macworld wiederholen den Test nun mit einer Samsung Gear S3, die jedoch nicht unter Android läuft, sondern unter dem alternativen Betriebssystem Tizen. Die Erfahrungen sind gemischt, ähnlich wie wir stellten die Kollegen fest, dass die Verbindung zwar klappen mag, aber die Einbindung in Apples Ökosystem nicht so recht gelingt. Auf Nachrichten kann man etwa nicht antworten und Apple Pay mit der Uhr nicht nutzen – viele weitere Beschränkungen bestehen. Da nützt es auch nichts, dass die Uhr ein eigenes GPS-Modul eingebaut hat, mit seinem runden Display durchaus formschön ist und mit vielen hübschen Zifferblättern aufwartet und vor allem mit einem deutlich niedrigerem Preis als die Apple Watch. Wer diese gewohnt ist, wird eine Samsung Gear S3 als Fehlinvestition betrachten.

Schlaue Heizung: Der Winter kann uns noch lange nicht schrecken, aber sechs Monate von der kältesten Jahreszeit entfernt wäre es an sich nicht verkehrt, sich über die Wärmesteuerung in seiner Wohnung Gedanken zu machen. Intelligente Thermostate versprechen vor allem dadurch Energieeinsparnis, in dem sie Räume nur dann heizen, wenn deren Bewohner das brauchen. Die Kollegen von TechHive haben die besten smarten Thermostate getestet und sie in der Reihe der Bewertungen sortiert. Überraschung: Das von Nest liegt nicht ganz vorne.

Hey, sexy Lady : Das Video "Gangnam Style" des koreanischen Rappers Psy ist nicht mehr das meist gespielte auf Youtube. Vor gut fünf Jahren hatte der Überraschungserfolg sogar den Zähler von Youtube an dessen Grenzen gebracht, um die Milliarden von Aufrufen korrekt weiter zu registrieren, musste der Anbieter den Code überarbeiten. Seit gestern hält ein neues Video den Rekord: Bisher gab es 2.895.373.709 Aufrufe von "See You Again", dem Musikvideo von Wiz Khalifa und Charlie Puth. Psy liegt derzeit eine Million Aufrufe dahinter. Oppan Gangnam Style.

Weitere Nachrichten:

Paypal-Unterstütztung für den App Store angekündigt

Für Außenstehende klingt die Nachricht etwas nebensächlich, die Ankündigung von Paypal Australien beinhaltet aber einige Brisanz: In Kürze kann man erstmals mit Paypal in Apples Online-Shops iTunes, iBooks, App Store und Apple TV bezahlen. Möglich wird dies ab Ende nächste Woche in den USA und zwölf weiteren Ländern, inklusive Australien. Laut Berichten ist aber weiterhin eine Kreditkarte notwendig.
Apple und Paypal stehen durch Apples neues Bezahlungssystem Apple Pay immer mehr in einem Konkurrenzverhältnis. So hatte Apple angekündigt, dass sich Apple-Anwender ab September per iMessage Geld „überweisen“ können. Möglich ist dies vorerst nur in den USA. Der Papyal-Chef Dan Schulman hatte gegenüber dem Telegraph zwar erst vor kurzem vehement bestritten , dass Apple Pay ein Konkurrent wäre. Paypal sei plattformübergreifend verfügbar, Apple Pay dagegen an eine Plattform gebunden. Langfristig könnte Apple Pay aber doch einige Umsätze von Paypal abziehen. So gibt es doch vor allem eine sehr große Menge an iPhone-Nutzern. Bisher kooperiert Paypal bereits mit Android Pay und Samsung Pay.



Amazon Prime Day: Streiks an sechs Standorten

Im Verlauf der Rabattaktion Prime-Day hatte Online-Versandriese Amazon mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. An insgesamt sechs deutschen Standorten legten Teile der Belegschaft die Arbeit nieder. Das bestätigte die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di gegenüber Golem.de . Gestreikt wurde in Koblenz, Bad Hersfeld, Werne, Rheinberg, Leipzig und Graben.

Die Belegschaft streikte nicht den ganzen Tag, sondern legte in regelmäßigen Abständen für bis zu zwei Stunden eine Pause ein. Diese Streiktaktik soll laut Ver.di-Sprecherin Eva Völpel die Abläufe bei Amazon empfindlich stören und für Chaos sorgen. Dass von Chaos keine Rede sein könne, betonte hingegen ein Amazon-Sprecher gegenüber Golem. Genau wie die bisherigen Streiks hätten auch die heutigen Arbeitsniederlegungen keine Auswirkungen auf den Betrieb gehabt. Die Amazon-Mitarbeiter fordern bereits seit 2013 einen Tarifvertrag, bessere Bezahlung, Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. Amazon zeigt sich bislang hart und lehnt jegliches Gespräch mit Ver.di ab.

Forschung: Deep-Learning-System erkennt Falschparker

Forscher der Xidian-Universität in China haben im Rahmen der International Conference on Deep Learning Technologies 2017 ein neues System vorgestellt , das Politessen und Hilfspolizisten in Zukunft die Arbeit abnehmen könnte. Bei ihrem System handelt es sich um eine Deep-Learning-Überwachungslösung, die Falschparker in 99 Prozent aller Fälle korrekt erkennt.

Dafür greift das System auf die Objekterkennungslösung Single Shot MultiBox Detector (SSD) zurück, die von den Forschern an einigen Stellen aufgebohrt und verbessert wurde. SSD erkennt anhand visueller Sensoren, wenn ein Auto an einer Stelle parkt, an der es eigentlich nicht parken darf – mit 99-prozentiger Genauigkeit. Wann es das System zur Marktreife schaffen und tatsächlich von Städten und Gemeinden eingesetzt wird, ist allerdings noch unklar.   

In Dubai ist man noch weiter. Dort trat ein Roboter-Cop seinen Dienst bereits an.

China will ab 2018 private VPN-Verbindungen blockieren

Die chinesische Regierung hat den staatlichen Telekommunikationsunternehmen im Land - darunter China Mobile, China Unicom und China Telecom - angekündigt, dass private VPN-Verbindung ab dem 2. Februar verboten werden sollen . Über die verschlüsselten Verbindungen können Menschen weltweit miteinander in Verbindung treten und sich informieren, auch wenn die genutzten Dienste oder Webseiten eigentlich im jeweiligen Land nicht zugänglich oder blockiert sind.

Schon länger blockiert China im Rahmen seiner Great Firewall Informationen von Twitter, Facebook oder Webseiten wie The New York Times. Inwieweit das neue Gesetz auch für Unternehmen mit Zweigstelle in China gilt, bleibt unklar. Möglicherweise müssen ausländische Firmen den Zugriff auf das weltweite Internet anmelden und die Nutzung dokumentieren.

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