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Morgenmagazin vom Mittwoch, 14. November 2018

14.11.2018 | 07:09 Uhr |

Smartphone-Markt gesättigt: Apple verliert deutlich an Wert und hat einen Plan B +++ Datenverlust in Premiere: Sammelklage gegen Adobe +++ Neuer Chef für Apple in Indien +++ Apple-ID-Probleme: Viele Nutzer-Accounts plötzlich gesperrt +++ Gesundheitsminister will digitales Rezept einführen +++ Bundeshaushalt: Erstmals 50 Mio. für Games-Förderung +++ VW: Autos lassen sich mit Siri-Shortcuts entsperren +++

14. November: Reiner Wein

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Der Sommer war lang und recht heiß - so ganz lassen will er immer noch nicht. Nächste Woche könnte es kühl und windig werden, viel Niederschlag ist immer noch nicht in Sicht. Denn vor allem war das Jahr 2018 viel zu trocken. Was den Büromenschen erfreut, weil die Feierabende am See, im Biergarten oder auf Balkon und Terrasse nicht vorzeitig endeten, machte vor allem Landwirten und Waldbesitzern Sorge, zurecht. Die letzte Meldung aus dem Trockensommer lässt uns mit trüben Gedanken an den Geist der künftigen Weihnacht zurück: Die Christbaumernte für 2024ff ist durch die Dürre des Sommers enorm gefährdet. Plastikbäume können aber keine Alternative sein, vielleicht sollte man in sechs Jahren auf Topfpflanzen setzen, die man nach dem Fest im Garten einpflanzt?

Ein anderes landwirtschaftliches Produkt wird uns bei der Erinnerung an den Sommer 2018 aber meist Wohlgefallen auf die Zunge zaubern: Der Weinjahrgang 2018 wird ein außergewöhnlicher. Vermutlich aber auch außergewöhnlich teuer, denn wenn auch die Reben das Ausbleiben von Niederschlägen gut überlebten, wurden die Trauben nicht sonderlich groß. Sprich: Das Volumen der Weine von 2018 wird geringer ausfallen, ihr Geschmack dann umso größer. Wenn Angebot und Nachfrage auf diese Art und Weise zusammen kommen, dann bedeutet das fast zwangsläufig einen höheren Preis.

Insofern könnte es eine gute Idee sein, jetzt in Wein zu investieren. Nicht, weil man da je nach Traube sichere 12 bis 16 Prozent bekommt, neben dem Alkoholgehalt könnte auch die Rendite passen. Oder zumindest der Preis, wenn man jetzt beim Winzer seines Vertrauens schon einen Weinkeller voller Flaschen zum Subskriptionspreis bestellt, während der Rebensaft noch gar nicht ausgereift ist. Wer langfristig Geld anlegen möchte, kann aber durchaus auch zu Tropfen des Jahrgangs 2018 greifen, es ist aber vermutlich Geduld gefragt und Kenntnis der Materie. Dazu sollte ein gewisser Mangel an Weindurst kommen, leere Flaschen haben keinen besonders hohen Wiederverkaufswert.

Trinken kann man Wein von 2018 schon eine ganze Weile, bisher aber in unreifer Form als Federweißer, Sturm oder Sauser. An diesem Donnerstag kommt mit dem Beaujolais Nouveau aber der erste fertige Wein des möglichen Jahrhundertjahrgangs in den Handel. Dass der erste Wein ausgerechnet aus der Region im französischen Zentralmassiv stammt, ist dem dortigen Winzerverband zu verdanken, der am 14. November 1951 das Recht erstritt, per Ausnahmegenehmigung den neuen Jahrgang schon ab dem dritten Donnerstag des November zu vermarkten. Das war 1951 so wie in diesem Jahr der 15. November, morgen ist also Beaujolais Day.

Wir freuen uns gewiss auf den jungen Wein, doch merkt man auch jedes Jahr dem Nouveau an, dass ein paar Monate oder gar Jahre im Fass ihm gut getan hätten. Ist beinahe wie in der IT-Industrie: Ein Produkt macht erst dann Spaß, wenn es ausgereift ist. Deshalb hält sich Apple auch nicht an Daten wie dem dritten Donnerstag im November, sondern bringt neuen Wein in neuen und auch alten Schläuchen eben erst dann, wenn er fertig ist. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Abwärts : Alle Geschichten über den Niedergang Apples sind stark übertrieben - oder zumindest verfrüht. Aber was aufsteigt, wird auch einmal fallen und der gesättigte Smartphonemarkt hat Apple schon jetzt dazu getrieben, die Preise zu steigern, um letztlich noch im Umsatz zu wachsen, wenn das nicht mehr in Stückzahlen möglich sein sollte. Zur Zeit häufen sich Berichte über angebliche Produktionsrückgänge und das Ende des Wachstums, das hat Auswirkungen auf den Aktienkurs und damit den Börsenwert des Unternehmens. Denn Anlegern, vor allem institutionellen, zählen vor allem die mittel- bis langfristigen Aussichten, die Börsen reagieren schon nervös, wenn Apple in seinem Ausblick auf das nächste Quartal nur ein dezentes Plus gegenüber Vorjahr in Aussicht stellt. So läuft das Spiel an der Wall Street nun einmal. Wie Business Insider vorrechnet, hat Apple in den letzten fünf Wochen 190 Milliarden US-Dollar an virtuellem Wert verloren, die erste "Trillion-Dollar-Company" ist derzeit keine mehr. Schockschwerenot: Um einen Börsenwert von 190 Milliarden US-Dollar überhaupt zu erreichen, musste Apple 30 Jahre lang existieren und nur fünf Wochen brauchte es für die Vernichtung eines solchen Wertes. Aber wie gesagt: Derartige Berichte über den Niedergang Apples sind stark übertrieben - in den Börsenwert geht immer recht viel Phantasie ein, da er gewissermaßen mehr eine Wette auf die Zukunft ist als ein Abbild der Gegenwart.

Plan B: Dass der Smartphonemarkt immer gesättigter ist und die Kunden immer länger auf ein Upgrade warten, ist indes eine Tatsache. Wie Bloomberg anmerkt, hat Apple dafür auch einen Plan B. Dieser besteht darin, für die Smartphones einen höheren Preis zu verlangen und auch mehr Geld für Services wie Musikabos oder Datenhosting aus den Kunden zu ziehen. Für die Zulieferer der Industrie bestehen derartige Alternativen aber nicht weswegen Firmen wie Japan Display Inc seine Umsatzprognosen deutlich senken müssen - der Zulieferer generiert mehr als die Hälfte seiner Umsätze durch Aufträge von Apple. Auch Lumentum Holdings, das Technik für die Gesichtserkennung liefert, stellt sich auf Auftragsrückgänge ein.

Klage : Der freischaffende Videofilmer Dave Cooper hat Adobe verklagt, weil Premiere Pro einen Großteil seiner Werke gelöscht und damit Werte vernichtet habe. Die als Sammelklage eingereichte Klage behauptet, ein Fehler in der Software sei dafür verantwortlich. Der Befehl "Cache leeren", der an sich nur die unvermeidlichen Redundanzen und Zwischenschritte bei der Videobearbeitung hätte löschen sollen, habe auch auf Inhalte außerhalb des dafür gedachten Ordners "Media Cache" unwiederbringlich gelöscht. Insgesamt habe Cooper um die 100.000 Videoclips verloren, die ihn in der Produktion und Bearbeitung 250.000 US-Dollar gekostet hätten und die er nun nicht mehr an Kunden lizenzieren könne.

Auf der sicheren Seite: Nichts ist so ärgerlich wie Datenverlust - aber auch kaum etwas so überflüssig. Denn seit über zehn Jahren ist Time Machine fester Bestandteil des Mac und sicher auch Backups von iPad und iPhone, sofern man die Geräte regelmäßig mit iTunes synchronisiert und man auf ein iCloud-Backup verzichtet. Time Machine ist aber bei weitem nicht die einzige Methode zur Datensicherung. Glenn Fleishman erklärt in seiner Kolumne Mac 911 auf Macworld, welche Methoden die lokale Sicherung ergänze. Datensynchronisationsdienste wie Dropbox und Online-Backup-Services wie Blackblaze.

Neuer Chef: Apple hat mit dem ehemaligen Nokia-Manager Ashish Chowdhary einen neuen Verantwortlichen für die Geschäfte in Indien engagiert, der im Januar 2019 den bisherigen Country Manager Michel Coulomb ablösen wird. Coulomb hatte den Posten erst vor einem Jahr übernommen, zuvor war er für den Raum Südasien verantwortlich. Chowdhary bekleidete bei Nokia zuletzt den Posten als Chief Business Officer und war insgesamt 15 Jahre für das finnische Unternehmen tätig, das seinen Abgang bestätigte. Apple tut sich in Indien noch schwer, trotz der Produktion von iPhone SE und iPhone 6 vor Ort für den lokalen Markt. Der Subkontinent bietet jedoch einen attraktiven Wachstumsmarkt mit bis zu 450 Millionen Kunden, die man ansprechen kann. Vielleicht findet Chowdhary dafür bessere Konzepte als seine Vorgänger.

Verbraucherschutz : Drei Senatoren haben in einem Schreiben die US-Handelsbehörde aufgefordert, mehr zum Schutz minderjähriger Nutzer von Apps zu unternehmen. Ein Dorn im Auge sind den Volksvertretern aus Massachusetts, New Mexico und Connecticut (allsamt der demokratischen Partei angehörend) Werbungen für In-App-Käufe in Apps, die sich an Kinder unter fünf Jahren richten. Nur mit manchen dieser kostenpflichtigen Zusätze ist es möglich in den Spielen, nennenswerte Fortschritte zu erzielen, weshalb viele Kinder oft unabsichtlich hunderte von US-Dollar über die iTunes-Konten ihrer Kinder ausgeben. Die FTC habe aber unter anderem die Aufgabe, Verbraucher  vor unfairer und trügerischer Werbung zu schützen, schreiben die drei Senatoren. Apple hatte in der Sache bereits im Jahr 2011 eine Klage erleben müssen und kennzeichnet seither Apps, die In-App-Käufe anbieten, in besonderer Weise aus. Das scheint aber nicht zu genügen.

Weitere Nachrichten:

Apple-ID-Probleme: Viele Nutzer-Accounts plötzlich gesperrt

Seit diesem Dienstag berichten auffallend viele Nutzer von plötzlichen Problemen mit ihren Apple-Accounts, auch deutsche Anwender sind betroffen: Sie sehen auf ihrem Mac, iPhone oder auch per Apple TV plötzlich eine Fehlermeldung mit der Nachricht „Diese Apple-ID wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt.“ Um ihren Account bei Apple wieder zu entsperren, müsse der Nutzer seine Identität verifizieren. Ärgerlich: In ähnlichen Fällen reicht oft die simple Eingabe des Passwortes, in den aktuellen Fällen ist aber die Erstellung eines komplett neuen Passwortes notwendig – nach der obligatorischen Beantwortung von Sicherheitsfragen. Möglich ist die Passwortangabe direkt über die Warnmeldung oder über Apples Webseite iforgot.apple.com. Nutzer der Sicherheitsfunktion 2FA müssen dazu außerdem ein verifiziertes Gerät oder Telefonnummer verwenden.

Apple ID gesperrt? Wie man Hacks von iCloud-Bugs unterscheidet

Der Grund für die Flut an ID-Sperrungen ist bisher unbekannt, offenbar sind zahlreiche Nutzer weltweit betroffen. Ungewöhnlich ist etwa, dass die Passwörter der Betroffenen komplett gesperrt wurden. Von Apple gibt es bisher keinen Kommentar zu den Problemen. Spekulationen über einen Hacker-Angriff oder Serverprobleme kursieren aber bereits.

Gesundheitsminister will digitales Rezept einführen

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Telemedizin vorantreiben. Neben Videosprechstunden, will er in Zukunft auch das Ausstellen von Arznei-Rezepten in digitaler Form ermöglichen . Dafür plant Spahn eine Gesetzesänderung, die spätestens in zwei Jahren greifen soll. Ärzten, die ihre Patienten per Videochat betreuen soll es damit ermöglicht werden, digitale Rezepte auszustellen.

Viele Rezepte für chronisch kranke Patienten, die bislang per Post verschickt werden, gehen auf dem Postweg verloren. Das digitale Rezept könnte somit einen Beitrag zur Patientensicherheit liefern. Es soll außerdem fälschungssicher sein. Laut Spahn spart die Telemedizin den Patienten Zeit und Wege. So könnten Ärzte per Videochat auch außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten kontaktiert werden. Videogespräche würden sich außerdem für Patienten anbieten, die auf dem Land leben, wo die nächsten Praxis weit entfernt liegt.

Die Selbstverwaltung soll laut Spahn dazu verpflichtet werden, Regeln für digitale Rezepte zu vereinbaren. Dafür hat sie nach in Kraft treten der Gesetzesänderung sieben Monate Zeit. Mit der Änderung, die voraussichtlich ab Frühjahr 2020 gilt, soll außerdem das Verbot aufgehoben werden, durch das Apotheken keine verschreibungspflichtigen Medikamente an Patienten ausgeben dürfen, die nur telemedizinisch beraten wurden.

 

Bundeshaushalt: Erstmals 50 Mio. für Games-Förderung

Deutschland hat sich bislang bei der Förderung von Games-Entwicklern eher schwer getan. Als Ergebnis gibt es hierzulande nur wenige Hersteller, die internationale Erfolge feiern. Die Bundesregierung will als Reaktion nun ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umsetzen: einen Fördertopf mit 50 Millionen Euro für die Games-Entwicklung. Der Bundeshaushalt für das Jahr 2019 enthält einen entsprechend großen Games-Fonds. Dieser liegt beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Das konkrete Förderprogramm muss jedoch noch entwickelt und von der EU freigegeben werden. Entwickler aus Deutschland erhoffen sich vom Fördertopf eine Chance, um international erfolgreich bei der Spiele-Entwicklung mitmischen zu können. In Nachbarländern wie Großbritannien, Frankreich oder auch in Kanada wird die Games-Entwicklung von seit Jahren gefördert. Die Produktionskosten fallen dadurch im Vergleich zu Deutschland um bis zu 30 Prozent niedriger aus. Diesen Vorteil machen sich die Studios zunutze, Deutschland wird bislang als Standort eher gemieden. Der Marktanteil deutscher Spiele-Entwicklungen ist als Ergebnis seit Jahren rückläufig. Deutsche Entwickler konnten so von 100 Euro, die Spieler hierzulande für Spiele ausgegeben haben, weniger als 6 Euro für sich beanspruchen.

 

VW: Autos lassen sich mit Siri-Shortcuts entsperren

Der deutsche Autobauer Volkswagen vertieft seine Zusammenarbeit mit Apple: In der VW Car-Net App lassen sich Fahrzeuge des Herstellers per Siri öffnen und schließen . Auch Reichweite oder verbleibende Akkuladung lassen sich per Siri abfragen. Wahlweise kann sogar ein Alarm aktiviert werden. Außerdem hilft die smarte Assistentin von Apple dabei, das Auto auf die gewünschte Temperatur zu bringen, die Scheibe zu enteisen oder ein Fahrzeug auf dem Parkplatz zu lokalisieren.

Die Car-Net App ist jedoch nicht für alle VW-Besitzer kostenlos. Pro Monat wird eine Gebühr fällig. Im Gegenzug erlaubt die App die Abfrage des Standorts, die Errichtung eines Schutzbereichs (Geofence) oder die Abfrage von Diagnosedaten über das Smartphone. Die Siri-Shortcuts erfordern jedoch etwas Experimentierfreude, die sich für einige Fahrer aber lohnen kann. So könnte das Auto jeden Morgen die Scheibe enteisen und die Wunschtemperatur beim Einsteigen schon erreicht haben. Auch Amazon will seine Assistentin Alexa ins Auto bringen. Mit dem smarten Lautsprecher Echo Auto können Nutzer beispielsweise ihre Musik im Auto anhören, Notizen erstellen oder das Hauslicht beim Erreichen der Wohnung einschalten. Der Funktionsumfang ist überschaubar, dafür soll Echo Auto aber auch nur 50 US-Dollar kosten.

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