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Morgenmagazin vom Mittwoch, 17. Oktober

17.10.2018 | 07:01 Uhr |

Apps tricksen in Abo-Fallen – Apple reagiert +++ Phishing in China +++ Weiter Ärger mit der Macbook-Tastatur? Neue Nutzerklagen über die Macbook-Tastatur +++ Adobe veröffentlicht Premiere Rush CC +++ CCC: Polizei-Bericht zur biometrischen Gesichtserfassung "geschönt" +++ Neuer Kindle Paperwhite: Wasserdicht und Audible-Integration +++ Rolls-Royce und Intel wollen selbstfahrende Schiffe bauen +++

17. Oktober

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Nach wie vor programmiert Adobe mit die wichtigste Software für den Mac. Sicher sind auch Apple eigene Programme wie die ehedem in iWork- und iLife-Suiten zusammengefassten Titel ein wichtiger Grund zum Mac zu greifen. Profisoftware wie Logic Pro X und Final Cut Pro X genießt einen guten Ruf, wenn auch nicht mehr bei allen Profis. Und zahlreiche kleinere und mittlere Hersteller bieten für den Mac Lösungen, die man so auf Windows- oder gar Linux-Rechnern nicht findet. Dennoch: Die Top-Software für den Mac kommt von Adobe. Und wie man aus Los Angeles von der Hausmesse Adobe Max hört, wird auch das iPad immer wichtiger. Los Angeles bewegt sich gewissermaßen noch mehr auf Cupertino zu.

Das passiert auch in der Realität, aber viel, viel langsamer. Los Angeles, oder vielmehr die Landschaft, auf der heute die zweitgrößte Stadt der USA steht, wird in etwa zwei Millionen Jahren in der gleichen Gegend liegen wie heute San Francisco und das südlich davon gelegene Silicon Valley. Trotz unseres Optimismus in Sachen Mac gehen wir davon aus, dass zu jener Zeit weder Apple noch Adobe existieren und die dann lebenden Menschen oder was auch immer aus unserer Spezies bis dahin geworden ist, mit derartigen Begriffen nichts mehr anfangen können.

Geologische Zeiträume sind nun einmal aus menschlicher Sicht unvorstellbar lang, für zwei aneinander vorbei schrammenden Erdplatten sind zwei Millionen Jahre ein kurzer Zeitraum und 600 Kilometer nicht weit. Die Folgen der Plattentektonik bekommen Kalifornier aber immer wieder zu spüren und an sich ist die nächste große Energieentladung an der San-Andreas-Spalte beinahe schon überfällig. Im Jahr 1906 verwüstete ein großes Erdbeben San Francisco, die Brandschäden waren aber größer als jene durch einstürzende Häuser. Der Grund dafür waren nicht nur gerissene Gasleitungen sondern viel mehr „warme Abbrüche“, also Brandstiftung angeschlagener Gebäude, die gegen Feuer, aber nicht gegen Erdbeben versichert waren. 112 Jahre sind für die Geologie zwar nur ein Wimpernschlag, für den Abstand zweier großer Erdbeben aber ein bedeutender Zeitraum. Seit Jahrzehnten wartet Kalifornien bang auf „The Big One“, den nächsten Crash mit Werten weit jenseits der 8 auf der Richter-Skala.

Einen Vorgeschmack gab am 17. Oktober 1989 das Loma-Prieta-Erdbeben in der Bucht von San Francisco, am nördlichen Ende der Verwerfung in der Erdkruste. Zwar zitterte die Erde nur über 15 Sekunden bei einer Stärke von 7,1 - also kaum mehr als einem Zehntel der gefürchteten 8 - das reichte aber bereits, um einen Sachschaden von 6 Milliarden US-Dollar anzurichten und 62 Menschen in den Tod zu stürzen. Vor allem der Zeitpunkt 17.04, zu Beginn der abendlichen Rush-Hour, war für die hohe Opferzahl verantwortlich. Die älteren an uns erinnern sich noch an die zweistöckige Oakland-Bay-Bridge, die nach den fatalen 15 Sekunden stellenweise nur noch einstöckig war.

Nicht erst seit dem Tag vor 29 Jahren ist es das vorrangige Ziel von Geologen, Ort und Stärke von Erdbeben genau vorher zu sagen. Katastrophal sind diese natürlichen Ereignisse nur für die Menschen, die in jenen Gegenden siedeln, in denen der Untergrund nicht stabil ist. Für die Erde ist das ein seit Jahrmilliarden andauernder Prozess. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Ausgetrickst: Abos sind für App-Entwickler eine gute Möglichkeit, permanente Umsatzströme zu generieren. Für viele Anwendungen sind regelmäßige Zahlungen auch sinnvoll, etwa Anbieter von Streaming-Inhalten, Dating-Apps, Spiele oder andere Entertainmentapps. Wie TechCrunch berichtet, tummeln sich im App Store aber offensichtlich auch etliche Anwendungen, die das Abo-Modell missbrauchen. Insbesondere Utilities finden sich unter den umsatzstärksten Abo-Anwendungen, bei denen man sich fragen muss, warum die Leute diese Apps abonnieren. TechCrunch vermutet dahinter bewusste Irreführung der Anwender durch unbrauchbare freie Versionen, permanente Aufforderungen zum Abo als In-App-Kauf und gut versteckten Optionen zum Beenden des Abonnements. Negativ fallen etwa Titel wie Scanner App, QR Code Reader, Weather Alarms oder Translate Assitant auf, die Liste ist aber noch viel länger. Dabei tricksen die Anbieter gerne auch mit Versprechungen wie "Free Trial" - das sich nach wenigen Tagen in ein Abonnement verwandelt, wenn man es nicht rechtzeitig in iTunes respektive dem App Store kündigt. Das ist aber im Vergleich zu früher (und zur Konkurrenz des Google Play Store) aber mit etwas Aufwand verbunden. Wie Entwickler "ehrlicher" Apps klagen, schade derartige Software dem Image des App Store, was auch auf sie zurück falle. Dabei sei nicht immer der Freigabeprozess des App Store verantwortlich zu machen, da Scammer derartige Funktionalitäten erst nach der Veröffentlichung ihrer Titel freischalteten. Laut Business Insider ist sich Apple des Problems bewusst und entfernt nach und nach betrügerische Abo-Apps aus dem App Store.

Abgefischt: In China ist eine nennenswerte Anzahl von Apple-Kunden Opfer von Phishing-Attacken geworden, bei denen die Angreifer Daten von AppleIDs abfangen konnten. In einem Statement drückt Apple sein Bedauern aus, dass seine Kunden Opfer von derartigen Angriffen geworden seien. Im gleichen Absatz weist der Mac-Hersteller aber auch darauf hin, dass in allen bekannten Fällen die Zwei-Faktor-Authentifizierung nicht aktiviert war. Diese sei aber eine effektive Schutzmaßnahme für die AppleID und unbedingt zu empfehlen.

Geschichte : Als einer der Microsoft-Gründer war der vorgestern verstorbene Paul Allen selbst eine Legende. Eine seiner Hinterlassenschaften ist heute in Seattle zu bewundern und immer einen Besuch wert, wie sich Hayden Dingman für die PC World erinnert: Das Living Computer Museum in Seattle. Anders als in anderen Ausstellungen stehen legendäre Rechner wie der Apple I, der CDC 6500 oder der Xerox Alto (Vorbild für den Mac) nicht hinter Glas, sondern zur Benutzung bereit.

Abgefrühstückt: Man kann nicht behaupten, Apple würde nicht auf seine Kunden hören. Im Gegenteil reagiert Apple manchmal sehr schnell und bessert offensichtliche Fehler aus. Denn um einen solchen hat es sich laut vieler Beschwerden um das neue Bagel-Emoji gehandelt, das Apple mit der Beta von iOS 12.1 vorgestellt hatte. Das Frühstück sei wenig ansprechend gewesen und habe nach billiger Fabrikware ausgesehen, Kritik sei vor allem aus New York gekommen, der Stadt, in der das Frühstück im Besonderen und der Bagel im Speziellen große Emotionen auslösten, wie Mashable anmerkt. Die Neugestaltung des aufgeschnittenen Bagels bekommt nun einen Frischkäseaufstrich und wirkt nun hoffentlich so ähnlich wie die Aqua-Oberfläche von Mac-OS X: "You wann lick it". Bagelgate fällt glücklicher Weise aus.

Sportlich : Was die KI des iPhone-Chips mit seinem neuronalen Netz in Verbindung mit den Dualkameras leisten kann, ließ Apple auf der Keynote zur Vorstellung des iPhone XS anhand der App HomeCourt zeigen. Business Insider geht nun ein wenig mehr ins Detail und lässt den Gründer des gleichnamigen Hersteller, dem ehemaligen Apple-Angestellten David Lee über die Ursprünge erzählen. Entwickelt habe er die App aus Gründen der Eitelkeit: Seine Familie hatte ihm bei einem Freizeitspiel keinen einzigen Korb werfen sehen. Dass er dennoch beim Basketball punkten kann, wollte er mit einem Zusammenschnitt beweisen, die App sollte ursprünglich von selbst die Highlight aus dem Mitschnitt eines ganzen Spiels zusammenschneiden. Dafür musste sie aber lernen, wann der Ball den Ring passiert und auch, wo die Drei-Punkte-Linie liegt. Die Idee haben Lee und seine Mitstreiter aber ausgebaut, HomeCourt vermisst nun eine reihe von Metriken und protokolliert etwa, wie hoch man springt, in welchem Winkel der Ball die hand verlässt und mit welcher Geschwindigkeit, wie viele Treffer man erzielt und wie viele Fehlversuche man hat. Die Basketballliga NBA ist längst auf HomeCourt aufmerksam geworden, Clubbesitzer wie Mark Cuban (Dallas Mavericks) wollen sie einsetzen, um Profis besser zu machen.

Grenzen: Maildrop ist eine wunderbare  und bequeme Möglichkeit, große Dateien mit anderen per E-Mail zu teilen. Der Anhang, der bis zu 2 GB groß sein kann, kommt natürlich nicht per E-Mail an den Empfänger, Apple Mail legt ihn auf die iCloud und von dort können ihn Empfänger herunterladen. Nutzen diese ebenso den Client von Apple, erscheint die große Datei wie ein Anhang, Nutzer anderer Mailprogramme bekommen einen Downloadlink präsentiert. Doch hat die Methodik ihre Grenzen, wie Glenn Fleishman in seiner Macworld-Kolumne Mac 911 erklärt. Denn die Anzahl der Downloads scheint begrenzt, das erfährt man, wenn man die gleiche große Datei an viele Empfänger verschickt. Bei wie vielen Downlaods oder bei welcher Gesamtdatenmenge die Grenze liegt, erklärt Apple jedoch nicht. Es gibt aber Alternativen zu Maildrop, auch in Apples eigenen Kosmos. Denn legt man die Datei selbst auf sein iCloud-Drive kann man den Link dazu mit beliebig vielen anderen teilen. Ansonsten bieten sich noch Dienste wie WeTransfer oder Dropbox an, will man häufiger große Datenmengen verteilen, sollte man über Dienste wie Amazon S3, Backblaze B2 oder Google Cloud nachdenken.

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Weiter Ärger mit der Macbook-Tastatur? Neue Nutzerklagen über die Macbook-Tastatur

Indirekt hat Apple es zugegeben: Die mit dem Macbook 12-Zoll erstmals eingeführten „Butterfly“-Tastaturen sind anfälliger als bei früheren Geräten. Vor allem die ersten Generationen neigten zu Ausfällen, anscheinend können Staub und andere Fremdkörper zu einem Ausfall einzelner Tasten führen. Eine erweiterte 4-Jahres-Garantie sorgt aber bei den zwischen 2015 und 2017 gebauten Geräten dafür, dass Nutzer anfallende Tastatur-Reparaturen nicht selbst bezahlen müssen. Erleichterung lösten bei vielen Macbook-Fans außerdem Berichte aus, Apple habe 2018 neue Tastaturen der bereits dritten Generation eingeführt: Eine neue Generation der „Butterfly“-Tasten, die weniger anfällig gegen Staub und Fremdkörper sein könnte. Diese neuen Tastaturen besitzen eine zusätzliche Membran, die vermutlich Staub und Schmutz besser vom filigranen Mechanismus fernhält – was Apple aber nie bestätigt hat. Laut Apple soll diese neue Schutzfolie die Lautstärke der Tasten dämpfen, was aber nach unserer Einschätzung nicht der einzige Grund ist.

Das Problem schien also gelöst. Mittlerweile wurden die neuen Geräte aber mehre  Monate genutzt und es erscheinen nun doch wieder neue Berichte über Tastaturprobleme. Stimmt aber der Vorwurf der Journalistin Casey Johnston: „ Apple didn´t fix anything “? Man hatte ihr in Apple Stores bestätigt, Tastaturprobleme wären bei den neuen Modellen behoben. Zahlreiche Tastaturen und Beschwerden in Foren und Blogs hatten ihr aber überzeugt, die Probleme wären weiter vorhanden. Vor allem Beschwerden im Forum Macrumors mit über 600 Beiträgen schienen ihr dies zu bestätigen.

Nach unserer Meinung sollte man bei der Einschätzung von Online-Beschwerden sehr vorsichtig sein, vor allem, wenn man ihre Relevanz einschätzen will. Beispiele für Probleme mit den neuen Tastaturen findet man schnell: Ein Nutzer berichtet etwa auf einen viel gelesenen Reddit-Eintrag über ein Problem mit einer störrischen Space-Taste. Da diese verzögert reagiert, führe dies zu fehlerhaften Leerzeichen wie in: „I’m typing thisf rom the keyboardr ight now.” Ein Problem, das doch stark an die typischen Probleme der Macbook-Tastaturen von 2015 bis 2017 erinnert. Zahlreiche Beschwerden finden sich auch im Forum der Seite Macrumors . Offensichtlich gibt es bei den neuen Macbook Pro Nutzer, die wieder Probleme mit der Tastatur haben. Das ist aber nicht überraschend, das Problem ist die Einschätzung der Häufigkeit: Defekte werden bei Notebooks immer auftreten und Apple verkauft große Mengen an Geräten. Aktuell liegen aber keine echten Statistiken vor, ob bei den Modellen ab 2018 die Anzahl Tastaturreparaturen gesunken ist. Eine entsprechende Statistik für die älteren Modelle hatte ja die Seite Appleinsider veröffentlicht , nach denen die echten Schadensfälle mit jeder Generation gesunken sind. Vor allem was die Zahl an Reparaturen aller Art betrifft, sind Macbooks weiterhin sehr robuste und ausgereifte Produkte.

In Relation zu Anzahl der Macbook-Käufer ist die Zahl der Beschwerden außerdem eher klein. Bei den älteren Modellen war dies noch anders, hier gab es so zahlreiche Beschwerden in Foren, Blogs und Webseiten, dass es keine Zweifel an einem echten Problem gab.

Ärgert sich ein Nutzer über einen Defekt seines teuren Macbooks, wird die Kritik aber jedes Jahr lautstärker und sogar kreativer, wodurch sich der Eindruck zusätzlich verstärkt – etwa, wenn ein Nutzer sein Tastatur-Problem nicht nur in Foren beschreibt, sondern auch auf Youtube in Form eines Songs präsentiert .

Wenig Aussagekraft haben außerdem Berichte der Kategorie „ein Angestellter im Apple Store hätte gesagt...“. Dabei handelt es sich nur Meinungen einzelner Angestellte, die weder verbürgt noch offizielle Aussagen von Apple sind. Diese Kommentare sind außerdem meist völlig widersprüchlich. So haben manche Mitarbeiter Kunden offenbar erklärt, Apple hätte mit den neuen Tastaturen alle Probleme behoben, während andere  behaupteten, es gebe so viele Probleme wie vorher....

Nicht zu vergessen: Zum Teil handelt es sich bei den Beschwerden auch um persönliche Vorlieben: Noch immer haben viele Nutzer Probleme mit den den sehr niedrigen Tastenhub, der für Vieltipper eine Umgewöhnung bedeutet. Mit den neuen 2018-er-Tastaturen ist die Lautstärke der Tastatur außerdem wieder etwas dezenter geworden – was wieder einige bemängeln, weil sie den relativ lauten Tastaturanschlag der ersten Generationen schätzten!

Unsere Meinung: Die Tastatur eines Macbooks wird intensiv genutzt und ist für viele Profi-Anwender ein heikles Thema. Mit der neuen flachen Tastatur sind viele Anwender ganz einfach unzufrieden, vor allem die Geräte des Baujahrs 2016 hatten zusätzlich ein echtes Hardware-Problem. Mit den Modellen 2018 sind die Beschwerden aber deutlich weniger geworden, wenn es auch weiterhin lautstarke Proteste über die Tastaturen gibt. Nach unserer Einschätzung ist da aber wenig dran. Apple hat aber offenbar für einiges Misstrauen unter seinen Nutzern gesorgt. Die umfangreiche Garantie für Tastatur-Schäden war wohl äußerst notwendig und sollte besser auch auf die Modelle von 2018 ausgeweitet werden.

Adobe veröffentlicht Premiere Rush CC

Im Rahmen der Kreativ-Konferenz Adobe Max, die in dieser Woche in Los Angeles stattfindet, hat Adobe mit Premiere Rush CC einen neuen Video-Editor für Windows, MacOS und iOS veröffentlicht. Für Android soll das Tool im nächsten Jahr erscheinen.

Premiere Rush CC wurde in diesem Jahr als Project Rush gestartet. Der Video-Editor vereint Funktionen aus Adobe Premiere Pro , Audition und After Effects in einem Tool. Rush soll Nutzern ein einfaches und umfangreiches Videoschnitt-Tool an die Hand geben, das gleichzeitig auf mehreren Geräten genutzt werden kann. Wird der Videoschnitt beispielsweise auf einem iOS-Gerät begonnen, kann er per Sync-Funktion später am Windows-10-PC oder dem Mac fortgesetzt werden.

Premiere Rush CC beinhaltet einen bedienerfreundlichen Schnitt-Workflow, Motion Graphics Templates und eine automatische Optimierung für Social-Media-Inhalte. Premiere Rush ist als einzelnes Abo zusammen mit 100 GB Cloud-Speicher, Adobe Fonts, Adobe Portfolio und Adobe Spark zum Preis von 9,99 US-Dollar pro Monat erhältlich. Im Doppelpack mit Premiere Pro CC schlägt die Software mit 20,99 US-Dollar im Monat zu Buche. Im Creative-Cloud-Abo mit allen Apps ist Premiere Rush CC zusammen mit After Effects CC, Premiere Pro CC , Photoshop CC und Illustrator CC zum Monatspreis von 52,99 US-Dollar verfügbar.

CCC: Polizei-Bericht zur biometrischen Gesichtserfassung "geschönt"

Ab 12. Oktober 2018 berichteten wir über den von der Bundespolizei abgelegten Abschlussbericht zur biometrischen Gesichtserkennung. Im damaligen Fazit der Bundespolizei war von einer 80-prozentigen durchschnittlichen Trefferquote am Berliner Bahnhof Südkreuz die Rede, ein künftiger Einsatz der Technik schien der Bundespolizei realistisch.

Der Chaos Computer Club (CCC) erhebt nun schwere Vorwürfe zu den Ergebnissen der biometrischen Videoüberwachung am Berliner Bahnhof, sie seien „manipuliert“. Der CCC, der den Versuch schon seit längerer Zeit scharf kritisierte, spricht nun von Ergebnissen, die „absichtlich geschönt“ sind. Die wenigen Zahlen aus dem Abschlussbericht sollen nach Ansicht des CCC „keine akzeptablen Ergebnisse“ hervorgebracht haben, sie seien „manipuliert“ worden, „um sie nicht ganz so desaströs aussehen zu lassen“.

„Die in der Pressemitteilung besonders hervorgehobene durchschnittliche Erkennungsrate von 80 Prozent hat in Wahrheit keines der getesteten Systeme erreicht, sondern ist eine absichtlich positiv verfälschende Zahl. Sie berechnet sich laut dem Abschlussbericht aus den Erkennungsraten aller drei erprobten Systeme.“

Tipp: Gesichtserkennung wie Face ID – kann sie Komfort, Sicherheit, Privacy leisten?

Keines der drei Testsysteme soll demnach eine 80-prozentige Trefferquote erreicht haben. Vielmehr ergebe der Durchschnitt der Trefferquote des besten Testsystems nur eine Erkennungsrate von 68,5 Prozent. Das Testsystem, das am schlechtesten abgeschnitten hat, hatte nur eine Trefferrate von 18,9 Prozent. „Für den geplanten Abgleich mit polizeilichen Datenbanken sind solche Erkennungsraten völlig unbrauchbar. Sie als Erfolg verkaufen zu wollen, ist schlicht unredlich. Insgesamt hält die Bundespolizei dennoch zwei der getesteten Systeme für den ‚praktischen polizeilichen Einsatz‘ geeignet und sieht selbst für das überdurchschnittlich schlechte dritte Testsystem noch ein ‚hohes Potenzial‘.“

Auch wirft der CCC der Bundespolizei vor, „wissenschaftliche Standards missachtet“ zu haben. So wurden in der ersten Phase des Tests Probanden in einer hohen Auflösung und perfekter Belichtung fotografiert, „so dass die erfassten Gesichter in der ersten Testphase optimal für den Vergleich mit den Live-Bildern vorlagen.“

„Im Abschlussbericht wurden solche Verzerrungen nicht ausgewiesen, das Vorgehen wurde sogar „beschönigt“. Auch „die Repräsentativität der Probanden war nicht gegeben, so dass kein aussagekräftiges Abbild der Bevölkerung (Alter, Geschlecht, Ethnie) oder des gesuchten Personenkreises getestet wurde.“

„Generell kann die gesamte Auswertung nicht als wissenschaftlich angesehen, sondern muss als PR-Bericht verstanden werden. Vielleicht dauerte es deshalb so lange, die bereits am 31. Juli beendeten Tests herauszuputzen, um sie erst im Oktober im Abschlussbericht darzustellen.“

Der CCC fordert „im Lichte dieses Debakels, das unnütze und teure Sicherheitstheater unverzüglich einzustellen.“ Neben dem CCC hat auch Jürgen Hermes, Geschäftsführer am Institut für Digital Humanities an der Universität Köln, die Ergebnisse als katastrophal bezeichnet. Dazu hat er ebenfalls ein paar Beispielrechnungen durchgeführt, diese können Sie hier einsehen.


Neuer Kindle Paperwhite: Wasserdicht und Audible-Integration

Amazon hat den Kindle Paperwhite überarbeitet. Der neue Kindle Paperwhite ist jetzt wasserdicht nach IPX8. Sie können mit dem neuen Paperwhite nun also unbesorgt am Pool oder in der Badewanne lesen. Fällt er doch einmal ins Wasser, so sollte er keinen Schaden nehmen (Süßwasser für bis zu 60 Minuten in einer Tiefe von bis zu zwei Metern). Bisher war nur der deutlich teurere Kindle Oasis wasserfest. Der preiswertere Kindle wiederum bleibt auch weiterhin nicht wasserfest.

Amazon hat den neuen Kindle Paperwhite außerdem etwas dünner (8,18 mm dick) und leichter (182 Gramm) gemacht: Er liegt wirklich angenehm leicht in der Hand, wovon wir uns bei einem Redaktionsbesuch überzeugen konnten. Die Vorderseite ist jetzt durchwegs plan, das Display lässt sich wie gehabt spiegelfrei auch bei Sonnenlicht ablesen.

Den Speicherplatz hat Amazon ebenfalls verdoppelt, und zwar auf 8 GB. Die Nutzer können also noch mehr große Dateien wie Hörbücher, Zeitschriften, Zeitungen und Comics auf dem Paperwhite speichern. Optional gibt es auch noch eine 32-GB-Variante.

Neu ist auch die Audible-Integration. Sie können sich nicht einfach nur Audible-Hörbücher vorlesen lassen – zum Beispiel über via Bluetooth gekoppelte Lautsprecher – sondern sogar bei einem Buchtitel fließend zwischen dem Lesen am Kindle und dem Hören wechseln.

Bildschirmgröße (6 Zoll) und Pixeldichte (300 ppi) bleiben unverändert. Die Anzahl der LEDs, die den Bildschirm beleuchten, hat Amazon aber auf fünf erhöht; das Frontlicht lässt sich anpassen. Einen Klinkenausgang gibt es wie gehabt nicht, nur WLAN, Bluetooth und SIM dienen der Datenübertragung. Letztere ist nur bei der höherpreisigen WLAN+4G-Version (bisher: 3G) vorhanden.

Mehr Einstellmöglichkeiten: Darüber hinaus hat Amazon an den Personalisierungsmöglichkeiten geschraubt. Der neue Homescreen soll es einfacher machen, die nächste Lektüre auf Basis der bisherigen Lesehistorie zu finden, inklusive Büchern bei Kindle Unlimited oder Prime Reading. Außerdem werden Fun Facts und Tipps angezeigt. Nutzer können zudem zwischen verschiedenen persönlichen Leseeinstellungen wechseln. Hierfür wählen sie die bevorzugte Schrift, Schriftdicke oder Textausrichtung und speichern diese unter dem gewünschten Namen.

Software-Update für alte Whitepaper: Der aktualisierte Homescreen sowie die Möglichkeit, die Leseeinstellungen schnell zu speichern und zwischen ihnen zu wechseln, wird ab morgen über ein Software-Update kostenlos auch für den Kindle Paperwhite der 6. Generation (2013) und neuere Kindle-Geräte ausgerollt.

Unverändert bleibt der Preis für den ab sofort erhältlichen neuen Kindle Paperwhite: Der neue Kindle Paperwhite kostet als reine WLAN-Version 119,99 Euro mit 8 GB Speicher beziehungsweise 149,99 Euro mit 32 GB Speicher. Zudem wird es eine Version mit kostenlosem 4G LTE und 32 GB für 229,99 Euro geben (hierbei fallen keine monatlichen Mobilfunkkosten an). Alle Modelle können ab sofort vorbestellt werden, Amazon liefert sie ab dem 7. November aus. Außerdem wird der Kindle Paperwhite auch bei Media Markt erhältlich sein.

Kunden können aus einer Vielzahl von Hüllen für den neuen Kindle Paperwhite wählen. Die Hüllen lassen sich wie ein Buch öffnen, aktivieren den Kindle beim Öffnen automatisch und versetzen ihn beim Schließen in den Ruhemodus. Verfügbar sind drei Materialien und diverse Farben: eine "Premium-Lederhülle" für 49,99 Euro, Lederhüllen in Schwarz, Bordeaux, Rot oder Indigo für je 39,99 Euro und wassergeeignete Hüllen in Kohlenschwarz, Gelb oder Blau für je 29,99 Euro.

Rolls-Royce und Intel wollen selbstfahrende Schiffe bauen

Das britische Unternehmen Rolls-Royce baut nicht nur teure Luxuskarossen und Flugzeugmotoren, sondern auch Antriebe für Schiffe. Durch eine Kooperation mit Chiphersteller Intel will Rolls-Royce künftig auch vollkommen autonome Frachtschiffe entwickeln. Man arbeite bereits seit 2010 an dieser Technik, das erste Schiff ohne Besatzung soll 2025 in See stechen. In diesem Jahr wurden bereits erste Schiffe mit dem Intelligent Awareness System versehen, bei dem Sensoren und Kameras die Umgebung des Schiffs jederzeit überwachen. Im Falle einer bevorstehenden Kollision wird der Kapitän gewarnt. Die dabei gesammelten Daten von bis zu einem Terabyte pro Tag sollen auf SSD-Laufwerken mit 3D-NAND-Technik von Intel gespeichert werden. Die Verarbeitung übernimmt ein Xeon-Prozessor von Intel.

Das Intelligent Awareness System von Rolls-Royce könne sogar den Typ eines in der Nähe befindlichen Schiffs automatisch erkennen. Darüber hinaus kann es bei schlechten Wetterbedingungen bei der Navigation helfen. Derzeit befindet sich das System auf wenigen Schiffen im Test, beispielsweise einer Fähre in Japan. Problematisch sei jedoch die rechtliche Freigabe derartiger Systeme, schließlich sind Schiffe in den Gewässern zahlreicher Länder unterwegs. Daher werden die ersten autonomen Schiffe ohne Besatzung wohl in Küstennähe eines Landes unterwegs sein. Erst nach einer weltweiten Freigabe der Technik könnten langfristig alle Schiffe autonom über die Meere fahren.

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