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Morgenmagazin vom Mittwoch, 18. April 2018

18.04.2018 | 06:55 Uhr |

Apple will Zeitschriften-Flatrate in News integrieren +++ GrayKey: Sechsstellige iOS-PINs nicht mehr sicher +++ Opera stellt VPN-App ein +++ Intel: GPU soll CPU bei Windows-Virenscans entlasten +++ Russland soll einen großen Cyberangriff vorbereiten +++ Polizei jagt Rettungsgassen-Blockierer mit Dashcams +++ Grundlagen Airplay 2: Fragen und Antworten zur neuen Technologie

18. April: Waiting for The Big One

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Und hoffen, dass uns auch heute eher unspektakuläre Nachrichten erreichen. Die Welt, wie wir sie kennen, steht nach Ansicht vieler Experten vor dem Abgrund. Die einen haben dafür sogar recht einleuchtende Argumente, Konflikte, die außer Kontrolle geraten könnten, weil Vernunft und Sicherheitsmechanismen nicht mehr so greifen wie gewohnt. Andere beziehen sich auf uralte Schriften und interpretieren daraus immer mal wieder neue Daten für die Apokalypse. Geologen schauen sich aber mit ihren Messinstrumenten die Erdkruste genauer an und vor allem das, was unmittelbar darunter liegt.

Besonders aus der Gegend, in der auch das Silicon Valley liegt, kommen Besorgnis erregende Daten. Aber auch das schon seit mehreren  Jahrzehnten, ein Erdbeben jenseits der 8 auf der Richterskala scheint nur eine Frage der Zeit. Leider kann die Wissenschaft nicht genau sagen, wann und wo sich die Spannkräfte der Erdkruste entladen, dass die San-Andreas-Spalte aber seit dem großen Beben vom 18. April 1906 in San Francisco wieder extrem viel Energie aufgenommen hat, die irgendwann wieder frei werden muss, ist Konsens unter Wissenschaftlern.

In den letzten 112 Jahren hat man in Kalifornien aber hinsichtlich Erdbeben sicherer Bauweise hinzugelernt, das kleinere Beben von 1989 war Warnung und gleichzeitig mit einer gewissen Erleichterung verbunden, denn die Schäden blieben trotz einer durchaus relevanten 7,1 auf der Richter-Skala überschaubar - andere Gegenden trifft es bei derartigen Erschütterungen der Erdkruste deutlich härter. Dennoch genügte es, um sämtliche Kommunikationswege in der Bucht von Sam Francisco zu kappen - Amateurfunker (heute ist ja auch der Tag des Amateurfunks, aber das nur nebenbei) mussten einspringen.

Vor allem aber gerieten die von ihren einstürzenden Besitz erschrockenen Bewohner der Stadt nicht mehr derart in Panik wie ihre Vorfahren im Jahre 1906. Denn die meisten Schäden richteten in San Francisco nicht die heftigen Erdstöße an, sondern die danach ausbrechenden und absichtlich gelegten Feuer. Gasleitungen waren gerissen und hatten Brände ausgelöst, noch mehr feuerten aber die Einwohner die Glut an, weil sie fürchteten, nur gegen Feuer, aber nicht gegen Erdbeben versichert zu sein.

Ob das "Raumschiff" im Apple Park sicher gegen ein "Big One" unter den Erdbeben ist, wissen wir nicht, die Architektur lässt aber hoffen, dass im Falle des schlimmsten Falls niemand zu schaden kommt und der Torus den schweren Wellen standhält. Der Brandschutz sollte indes auf dem aktuellen Stand der Technik stehen, hier dürfte noch weniger zu befürchten sein. Die Schäden könnten dennoch in Kalifornien immens werden, aber recht lokal begrenzt.

Eine weit schlimmere Zeitbombe schlummert gut tausend Meilen nordöstlich von Cupertino unter dem Yellowstone-Nationalpark in Wyoming. In geologischen Maßstäben steht der nächste Ausbruch des Supervulkans unmittelbar bevor, leider ist dessen Zeitpunkt noch schwerer zu berechnen als das nächste große Erdbeben. Bis Yellowstone das nächste Mal explodiert und der gesamten Erde einen mehrjährigen Winter bescheren könnte, kann es auch noch 100.000 Jahre oder gar länger dauern. Wir wollen Sie hier also nicht beunruhigen, da passiert erst mal nichts. Manchmal sind eben keine Nachrichten gute Nachrichten. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Assimilation: Die Übernahme von Texture hat Folgen, wie Bloomberg berichtet. Schon bald wolle Apple das Angebot in seine News-App übernehmen und diese zu einem Premium-Abo-Service für Zeitschriften ausweiten, verraten informierte Kreise dem Wirtschaftsnachrichtendienst. Nach der im März angekündigten Übernahme habe Apple etwa 20 Mitarbeiter von Texture entlassen und integriere den Rest in das Team von Apple News. Fertig werde der Service aber erst im kommenden Jahr sein, von den zehn US-Dollar Monatsgebühren bekommen die Verlage, die Inhalte bereit stellen, einen wesentlichen Teil ab. Derzeit laufen noch Verhandlungen, Apple verweigert jeden Kommentar zur Angelegenheit. Die News-App ist nach wie vor nicht in Deutschland nutzbar, lediglich das zugehörige Widget zeigt auf den Bildschirmen von iPhones und iPads Verweise auf interessante oder relevante Artikel. Das "Netflix für Zeitschriften" müsste sich hierzulande etwa mit Readly um Marktanteile streiten.

Aus: Opera stellt seine VPN-App für Android und iOS ein. Ende April schließt ebenso der Service Operas VPN Gold, für den der norwegische Hersteller 30 US-Dollar im Jahr berechnet hatte und der Zugriff auf doppelt so viele Regionen bei höheren Geschwindigkeiten bot als die kostenlose Version. Abonnenten sollen nun zur VPN-Plattform SurfEasy Ultra wechseln, die normaler Weise 12 US-Dollar im Monat kostet, Kunden von Opera bekommen erst einmal einen 80-prozentigen Rabatt.

Vereinigung: Bisher 34 namhafte Technologiefirmen haben sich zusammengetan, um ihre Kunden weltweit gegen Cyberangriffe von welcher Seite auch immer besser schützen zu können. Die gemeinsame Erklärung des Cybersecurity Tech Accord verspricht, die Kunden der Firmen weltweit zu schützen und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie sich selbst auch besser schützen können. Der Gruppe hatten ursprünglich Unternehmen wie Cisco, Dell, Facebook, HP, Microsoft und Nokia formiert, mittlerweile haben sich auch Avast, FireEye und Symantec angeschlossen sowie die Telekom-Giganten BT und Telefonica. Interessanter Weise fehlen noch Apple, Amazon oder Twitter.

Knacker : Strafverfolgungsbehörden atmen auf, denn sechsstellige PIN-Codes des iPhone sind nun nicht mehr länger sicher. Möglich gemacht hat das das Unternehmen Grayshift mit ihrer Box GrayKey. Das unscheinbare Gerät mit mit dem Internet verbunden und bietet zwei Lightning-Kabel, an denen man gesperrte iPhones anschließen kann. Die eigentlich Suche nach dem Passcode ist simples ausprobieren, doch mit einer Art von Jailbreak oder der Ausnutzung einer nicht bekannten Lücke in iOS ist es der Box möglich, zwei wesentliche Sicherheitssperren zu umgehen. Denn wenn man dreimal eine falsche PIN eingegeben hat, verzögert iOS die Eingabe der vierten um fünf Minuten und steigert danach das Intervall dieser Sperre. Nach zehn falschen Eingaben löscht sich das iPhone, respektive der Schlüssel in der Secure Enclave. Beide Maßnahmen kann GrayKey aushebeln und so beliebig viele Codes ausprobieren. Eine vierstellige PIN ist so nach maximal 13 Minuten erraten, im Schnitt dauert das nur sechseinhalb Minuten. Sechsstellige Zahlenkombinationen halten im Schnitt 11 Stunden stand und maximal 22 Stunden. Immerhin kann das Knacken eines zehnstelligen Passworts bis zu 25 Jahre dauern und somit im Prinzip ewig. Sichere Passworte sind also auch auf dem iPhone zu empfehlen. Die Box kostet zwar 15.000 US-Dollar und ist für den Einsatz bei Strafverfolgern gedacht, man weiß aber nie, ob die Technik in falsche Hände geraten könnte.

Weitere Nachrichten

Intel: GPU soll CPU bei Windows-Virenscans entlasten

Das Problem ist allseits bekannt: Ein laufender Virenscanner beansprucht CPU-Ressourcen, so dass das Arbeiten am Rechner während der Scans verlangsamt wird. Mit der neuen Technik Accelerated Memory Scann in der Intel Threat Detection Technology, will Intel das Problem lösen. Der Clou: Die GPU soll die CPU entlasten, wie auch in dem folgenden Demo-Video vorgeführt wird.

Durch den Einsatz von Accelerated Memory Scan kann eine integrierte Intel-GPU die Aufgabe übernehmen, den Speicher des Systems nach Schädlingen und anderen Gefahren permanent zu überprüfen. Bisher nutzen Antiviren-Produkte dafür den Hauptprozessor des Systems. Laut Intel wird durch die Technik nicht nur die CPU entlastet, sondern auch der Energie-Verbrauch gesenkt, wovon also letztendlich vor allem mobile Geräte profitieren. Dem Video ist zu entnehmen, dass die CPU-Belastung von 20 Prozent auf 2 Prozent sinkt. Vorausgesetzt die Hersteller von Antiviren-Programmen passen ihre Software entsprechend an. Microsoft hat bereits angekündigt, dem Windows Defender eine Unterstützung von Accelerated Memory Scan spendieren zu wollen.

Russland soll einen großen Cyberangriff vorbereiten

Nach Ansicht der USA und Großbritanniens sollen russische Hacker im Rahmen einer neuerlichen Cyberattacke staatliche Stellen und Privatunternehmen angegriffen haben. In einem Papier machen FBI, US-Heimatschutz und das britische nationale Zentrum für Cybersicherheit darauf aufmerksam, dass es sich hierbei um die Vorbereitung eines großen Cyberangriffs handeln könnte. Gegenüber Forbes beteuert die russische Botschaft in London, nichts mit den verdächtigen Aktivitäten zu tun zu haben.

Im Fokus des Angriffs standen nach Ansicht der britischen und amerikanischen Sicherheitsbehörden Router, Switches und Firewalls, die für die Funktion des Internets eine wichtige Funktion übernehmen. Ausgespäht wurden dabei neben Internet-Providern auch private Unternehmen und Betreiber von Kraftwerken, attackiert wurden demnach Millionen von Maschinen. Die Aktivitäten der Hacker wurden von den Behörden seit über einem Jahr beobachtet, dennoch könne man noch keine Aussagen zur zugrundeliegenden Taktik der Hacker machen. Der Urheber steht für die britischen und amerikanischen Behörden jedoch fest: Hacker, die vom russischen Staat unterstützt werden. Konkrete Beweise hierfür konnten jedoch nicht vorgelegt werden. Die Cyberattacke dürfte das eh schon angespannte Verhältnis zwischen Russland und Großbritannien weiter verschlechtern. 

Polizei jagt Rettungsgassen-Blockierer mit Dashcams

Die Autobahn-Polizei von Nordrhein-Westfalen macht ab sofort Jagd auf Autofahrer, die bei einem Stau nicht die vorgeschriebene Rettungsgasse bilden oder diese gar selbst befahren, um schneller vorwärts zu kommen. Dabei verwendet die Polizei ein Hilfsmittel, dessen Verwendung durch Privatpersonen unter Juristen höchst umstritten ist: Dashcams – hier geben wir übrigens eine Kaufberatung zu Dashcams.

Das berichtet unter anderem die FAZ. Die Autobahn-Polizisten sollen mit den Dashcams in ihren Streifenwagen Videoaufnahmen erstellen, mit denen die Rettungsgassen-Blockierer überführt und ihrer gerechten Strafe zugeführt werden können. Die Dashcams werden dazu hinter der Windschutzscheibe der Streifenwagen angebracht.

Klaus Voussem, Vizepräsident Landesverkehrswacht NRW, erklärte, wie eine Rettungsgasse gebildet wird. "Es ist doch einfach: Auf Straßen mit mindestens zwei Fahrstreifen je Richtung muss bei Stau oder stockendem Verkehr sofort eine freie Gasse für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen gebildet werden. Wer auf der linken Spur unterwegs ist, hält sich links, auf allen anderen Fahrspuren hält man sich rechts. Der Standstreifen bleibt frei."

Faustregel: Die Rettungsgasse wird immer zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen gebildet.

Straßen-NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek machte darauf aufmerksam, dass die Gasse auch für Abschlepper und für Betriebsdienstfahrzeuge wichtig ist. "Die Meistereien bauen Sichtschutzwände auf, unterstützen die Rettungskräfte, reinigen den Unfallort und sorgen so dafür, dass der Verkehr so schnell wie möglich wieder rollen kann." Sie appellierte: "Bitte auch für Meisterei- und Abschleppfahrzeuge eine Gasse bilden, wenn es zu Staus kommt."

Seit der Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung im Oktober 2017 droht Verkehrsteilnehmern, die keine Rettungsgasse bilden, ein Bußgeld von mindestens 200 Euro. Im schwersten Fall ist eine Strafe von 320 Euro verbunden mit einem Monat Fahrverbot möglich.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe berät gerade darüber, ob die Aufzeichnungen von Dashcams vor Gericht als Beweismittel bei Rechtsstreitigkeiten zwischen Verkehrsteilnehmern verwendet werden dürfen.

Grundlagen Airplay 2: Fragen und Antworten zur neuen Technologie

Was ist Airplay?

Apple hat Airplay 2010 als kabellosen Übertragungsstandard eingeführt. Man kann damit beispielsweise Musik, Fotos oder Videos auf seinem iPhone, auf seinem TV-Gerät bzw. Apple TV abspielen. Mac und iPhone sind dabei das Abspielgerät bzw. der Sender: Zielgerät ist dagegen ein Airplay-Abspielgerät wie das Apple TV oder ein Homepod. Es gibt auch eine Reihe an Receivern und Lautsprechern, die Airplay unterstützen.

Warum WLAN und nicht Bluetooth?

Airplay basiert auf einer Verbindung per WLAN, man kann dadurch weit größere Datenmengen übertragen als über Bluetooth. Vor allem für die Übertragung von Videos ist WLAN erforderlich und auch die Reichweite ist weit höher. Bluetooth-Geräte wie Lautsprecher oder Kopfhörer erscheinen zwar in der Auswahlliste der Abspielgeräte, die Verbindung erfolgt aber nicht per Airplay. Airplay-Geräte sind aber dafür meist größer und teurer.

Das ist neu bei Airplay 2: Multiroom

Für die Nutzer gibt es zwei wichtige Neuerungen: Ruft man die Geräteauswahl auf, etwa über den Musikplayer oder das Kontrollzentrum von iOS 11.4, kann man mehrere Geräte gleichzeitig auswählen, etwa zwei oder drei Apple TV in mehreren Räumen.  Man sieht kleine Kreise neben den Geräten und kann mehrere gleichzeitig auswählen. Der Ton wird dann synchron abgespielt. Besonders interessant wird diese Funktion, wenn mehrere Homepods unterstützt werden.

Das ist neu bei Airplay 2: Mehr Cache-Speicher

Größtes Ärgernis bei Streaming von Medieninhalten sind kurze Aussetzer. Bei Airplay 2 wird ein weit größerer Teil der übertragenen Daten zwischengespeichert, im Unterschied zur Vorversion befindet sich dieser Cache auf dem Abspielgerät. Das hat zwei Vorteile: Es soll verhindern, dass es bei WLAN-Aussetzern auch zu Ton-Aussetzern kommt. Gleichzeitig soll aber der Player deutlich schneller reagieren, da der vorher notwendige Puffer bei der Übertragung entfällt. Dank größerem Cache soll es sogar möglich sein, kurz das Heimnetz zu verlassen, ohne dass das Tonsignal abbricht. Als Beispiele nennt Apple etwa das Runtertragen des Mülls oder Nutzung der Mikrowelle.

Wann wird Airplay 2 eingeführt?

Kurzzeitig war Airplay 2 bereits unter iOS 11.3 nutzbar, wurde aber wieder gestrichen. Mit der neuen Betaversion iOS 11.4 kann man Airplay 2 erstmals verwenden, auch die finale Version 11.4 wird es enthalten.

Welche Geräte unterstützen Airplay 2?

Als Abspielgerät aktuell nur das Apple TV ab tvOS 11(Beta). Für den Homepod fehlt noch ein Update für Unterstützung von Airplay 2. Jedes iOS-Gerät mit iOS 11.4 kann Airplay 2 dagegen als Sender verwenden.

Lautsprechern mit Unterstützung der ersten Airplay-Version benötigen aber für die Nutzung von Airplay 2 ein Update. Nur Abspielgeräte mit Airplay-2-Unterstützung bieten dann die neuen Funktionen wie Multiroom oder größeren Cache.

Mit dem Sonos One hat der Hersteller Sonos bereits einen neuen Lautsprecher mit Airplay-2-Unterstützung vorgestellt, aber auch hier fehlt noch ein Update. Libratone will seine Lautsprecher der Zipp-Serie per Firmwareupdate mit Airplay 2 kompatibel machen, Naim seine Unity-Lautsprecher. Vor dem Kauf eines Airplay-Lautsprechers sollte man deshalb besser auf die Update-Politik des Herstellers achten. Auch App-Hersteller, die Airplay 2 nutzen wollen, müssen ihre Apps entsprechend anpassen.

Was bringt die Homekit-Unterstützung?

Ein Gerät mit Airplay 2 soll auch mit Homekit kompatibel sein. Hat man etwa einen Lautsprecher in Homekit eingebunden und eine entsprechende Regel erstellt, kann man dem Gerät eine Aktion zuweisen – etwa dass sich alle Lautsprecher beim Verlassen der Wohnung ausschalten. Oder Siri bitten, Musik nur im Wohnzimmer zu spielen.

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